Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

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Naturerkundung auf Kreta Teil 1: Auf der Halbinsel Rodopou

Sonntag, Juni 2nd, 2013

Unter anderem um dem mehr als nur bescheidenem deutschen Frühjahrswetter zu entkommen, habe ich vor kurzem zwei Wochen Urlaub auf Kreta verbracht. Abgesehen von dem dringenden Bedürfnis einmal wieder etwas Sonnenschein abzubekommen und das Meer zu sehen, wollte ich vor allem die Natur auf Kreta erkunden. Trotz der Tatsache dass diese Insel zum Großteil vom Tourismus lebt, gibt es dennoch noch teilweise erstaunlich große kaum besiedelte Regionen, und wirklich spektakuläre Landschaften. Aufgrund der Tatsache dass Kreta als südlichste Insel Griechenlands auch am stärksten geographisch isoliert ist, finden sich dort bei weitem nicht so viele Arten wie auf dem griechischen Festland, sowie den ihm näher gelegenen Inseln. Dafür finden sich einige Endemiten, sowie vor allem insbesondere in der Vogelwelt einige ansonsten überaus seltene Arten in noch vergleichsweise hoher Zahl.

Auf der Halbinsel Rodopou

Da der Urlaub praktisch ausschließlich zum Wandern geplant war, habe ich mir einen Region im Westen der Insel gesucht, da es gerade dort eine große Anzahl von sehr schönen Regionen gibt, welche man mit einem in der Regel vergleichsweise geringen Aufwand erreichen kann. Letztendlich habe ich es in den zwei Wochen auch geschafft, den Großteil der Orte zu besuchen, die ich mir vorgenommen hatte. Zwar habe ich nicht alle Tiere gesehen die ich gehofft hatte zu entdecken, aber dennoch war der Urlaub eine außerordentlich interessante Erfahrung. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die große Anzahl unterschiedlicher Landschaften auf einem vergleichsweise geringen Raum, beispielsweise auf der Halbinsel Rodopou, welche sich direkt westlich des kleinen Ortes Kolimvari etwa 18 km nach Norden erstreckt. Abgesehen von ein paar kleinen Bergdörfern, welche aber ohnehin im südlichen Teil gelegen sind, ist die Halbinsel praktisch unbesiedelt, und bietet weite Landschaften, die praktisch völlig menschenleer sind. Da ich diese Halbinsel vom Hotel aus zu Fuß erreichen konnte, war sie mehrfach Ziel meiner Ausflüge, wenngleich ich einige Zeit benötigte, um trotz Satelitenkarten die richtigen Wege zu finden.
Dabei sind es nicht nur die Naturlandschaften, sondern auch die Kulturlandschaften wie etwa die zahllosen Olivenhaine, in denen man immer wieder interessante Entdeckungen machen kann. So habe ich beispielsweise gleich am zweiten Tag direkt am Ortsrand auf einigen Telefon-oder Stromleitungen ein paar Bienenfresser (Merops apiaster) entdeckt. Das war auch insofern erstaunlich, als dass ich während der restlichen Zeit nur noch ein einziges Mal einen weiteren Bienenfresser gesehen habe. Leider sieht man auf den Photos trotz maximalen Zooms der Kamera aufgrund der Entfernung nicht allzu viel, daher musste ich das Bild entsprechend stark zuschneiden:

Bienenfresser

Die außerordentliche Farbenpracht der Bienenfresser kommt darauf auch kaum zur Geltung. Diese eigentlich eher in wärmeren Gebieten lebenden Vögel kommen übrigens auch in einigen wenigen Regionen Deutschlands vor, etwa am Kaiserstuhl. Ich habe auch einige andere, wenngleich auch nicht so spektakulär gefärbte Vögel gesehen, beispielsweise Neuntöter, doch aufgrund ihrer geringen Körpergröße und den üblicherweise großen Entfernungen sind sie auf den Bildern in aller Regel nicht gut zu erkennen.

Die ersten Kilometer führte mich mein ziemlich steiliger Weg vor allem durch verschlungene Olivenhaine, und bereits von dort aus konnte man das wunderschöne Panorama mit den noch auf den Gipfeln mit Schnee bedeckten Bergen im Inselinneren bewundern.

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An vielen klimatisch geeigneten Stellen Kretas findet man Agaven, teilweise von erheblicher Größe. Ursprünglich waren diese aber nicht im Mittelmeerraum beheimatet, sondern wurden aus Südamerika eingeführt.

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Die Olivenbäume stehen in der Regel in dichten, beinahe Wald-ähnlichen Hainen, doch teilweise auch deutlich weiter voneinander entfernt, was natürlich wiederum Lebensraum für Tier-und Pflanzenarten schafft, welche mehr Sonne bevorzugen.

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Erfreulicherweise sind die Olivenhaine auch keine reinen Monokulturen, und man sieht auch immer wieder andere Bäume un Sträucher dazwischen wachsen. Einige dieser Olivenbäume sind offensichtlich bereits uralt, und vielfach innen vollkommen ausgehöhlt, und mit enormen Durchmessern, wie etwa dieser Stamm, der etwa zwei Meter breit war.

Olivenbaum

Insgesamt habe ich nur recht wenige Tiere auf Rodopou gesehen, gelegentlich Mauereidechsen, einmal in einem der Olivenhaine ein Paar adulter Riesensmaragdeidechsen sowie ein paar Jungtiere. Trotz gründlicher Suche konnte ich nur sehr wenige Insekten ausmachen. Gelegentlich sah man Schmetterlinge, etwa die großen Schwalbenschwänze (Papilio machaon), und immer einmal wieder entdeckte ich eine der großen Ägyptischen Wanderheuschrecken (Anacridium aegyptium):

Anacridium aegyptium

Im Vergleich zum griechischen Festeland, wo man eine ganze Heerschaar von Reptilien findet, ist Kreta sehr artenarm, unter den Echsen findet man beispielsweise lediglich die Kretische Mauereidechse (Podarcis cretensis), welche inzwischen auch nicht mehr als Unterart der weit im Mittelmeerraum verbreiteten Kykladen-Mauereidchse gilt, die Riesensmaragdeidechse (Lacerta trilineata), den Gefleckten Walzenskink (Chalcides ocellatus) sowie drei Arten von Geckos, den Europäischen Halbfinger (Hemidactylus turcicus), den Mauergecko (Tarentola mauritanica) und den Ägaischen Nacktfinger. (Mediodactylus kotschyi) – (s)sp. bartoni. Von den anscheinend eher lokal verbreiteten Geckos konnte ich allerdings in zwei Wochen keine einzige Art entdecken. Der Mauergecko scheint ohnehin nicht ursprünglich auf Kreta heimisch gewesen zu sein, sondern ist wahrscheinlich erst mit Schiffen dorthin gelangt.

Dafür sah ich aber immerhin einige Kretische Mauereidechsen, allerdings nicht so viele, wie teilweise in anderen Gegenden der Insel. Es ist wirklich überraschend, wie variabel sie in ihrer Färbung sind.

Podarcis cretensis (1)

Podarcis cretensis (2)

Podarcis cretensis (3)

 

Podarcis cretensis

Dieses Exemplar war gerade dabei sich zu häuten, und man sieht wie die Haut etwa in der Mitte des Bauchs umgestülpt ist. Eidechsen häuten sich üblicherweise nicht wie Schlangen am Stück, sondern verlieren ihre alte Haut fetzenweise.

 

Podarcis cretensis (4)

 

Die erste Riesensmaragdeidechse die ich photographieren konnte, allerdings handelte es sich noch um ein Jungtier, weshalb die namensgebende Farbe noch nicht so stark ausgeprägt war wie bei erwachsenen Exemplaren. Man kann sie auf den ersten Blick leicht mit den Mauereidechsen verwechseln, was mir auch teilweise passiert ist. Allerdings kann man auch auf bräunlicher Grundfärbung gut die drei hellen Streifen (der Name Lacerte trilineata passt wirklich gut!) sehen, selbst wenn das zuweilen erst der Fall ist, wenn man sich später in Ruhe das Photo ansehen kann.

Junge Riesensmaragdeidechse,

Auf Rodopou sah ich auch zwei Walzenskinke, allerdings jedes mal nur für wenige Augenblicke, so dass ich leider keine Photos machen konnten. Beides mal war es in sehr trockenen und steinigen Gelände. Leider sollten es auch die einzigen Skinke gewesen sein, welche ich in den zwei Wochen auf der Insel sah. Ich kenne mich mit Blumen nicht allzu gut aus, daher kann ich leider nicht sagen um was für eine Art es sich hier handelt, doch ich vermute dass es eine Orchidee ist:

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Trotz hochauflösender Satelitenkarten kann das Finden der richtigen Wege zuweilen – gelinde gesagt – schwierig sein. Darum kann es oft hilfreich sein, sich gut sichtbare Wegmarken zu suchen, wie etwa dieser über die Olivenbäume ragende abgestorbene Baum, der weithin sichtbar gewesen ist.

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Der Südteil ist an der Basis der Halbinsel noch größtenteils von Olivenbäumen bewachsen ist, doch je weiter nach Norden es geht, umso karger und felsiger wird die Vegetation. Hier sieht man eine große Höhle, in der Kolkraben ihr Nest hatten:

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Einheimische Säugetiere gibt es aufgrund der isolierten Lage Kretas nur sehr wenige, umso erfreuter war ich darum, am hellichten Tag ein Mauswiesel (Mustela nivalis) vor mir auf dem Weg zu entdecken:

Mauswiesel

Im Mittelteil von Rodopou findet sich zwar bereits viel nacktes Gestein, doch auch noch zumindest an manchen Stellen viele Stäucher, Büsche, und teilweise auch noch Bäume und üppig bewachsenen Boden.

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Doch je weiter man nach Süden kommt, umso trockener und karger wird die Landschaft, bis es nur noch vereinzelte Büsche und kaum noch Bäume gibt. Über diesen Berghängen konnte ich auch fünf oder sechs Gänsegeier beobachten.

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Etwa in der Mitte der Halbinsel erstreckt sich eine talähnliche Ebene, welche an den Seiten von Bergen flankiert ist.

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An einigen Stellen konnte sich allem Anschein nach mehr Wasser halten, was sich dann auch in einer deutlich frischeren Vegetation an diesen Orten zeigte.

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Das nördlichste Drittel von Rodopou ist extrem karg, es gibt keinerlei Bäume mehr, es ist ausgesprochen trocken und die Landschaft wird von teilweise äußerst bizarren Steinformationen geprägt.

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Für einen Geologie-Interessierten wäre diese Gegend sicherlich ausgesprochen interessant, da hier zahlreiche unterschiedliche Gesteinsformationen und -arten zu finden sind, und auch die Pflanzenwelt ist wirklich sehenswert. Tiere findet man hier allerdings kaum noch, außer höchstens ein paar wenigen Insekten, Eidechsen oder Vögeln, sowie den praktisch überall zu findenden herumstreifenden Ziegen und Schafen.

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Was mich wirklich besonders beeindruckt und fasziniert hat, ist die enorme Weite in der Mitte der Halb, auf der sich außer einem staubigen Weg praktisch kein Anzeichen menschlicher Anwesenheit findet, und man vielle Kilometer laufen kann, ohne auch nur einer einzigen Person zu begegnen.

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Teilweise haben Schäfer an manchen Stellen Gruben gegraben, um dort das Regenwasser aufzufangen, allerdings konnte ich nur in einer einzigen Grube auch tatsächlich Wasser finden. Außer einigen Libellen beherberge dieses Wasserloch auch zahllose Kaulquappen, was durchaus sehr erstaunlich ist, da es auf Kilometer im Umkreis praktisch kein Oberflächenwasser gibt.

DSC07210 Zugegeben, Schwalben gibt es auch bei uns, aber diese saß so photogen auf einer Leitung nahe dem südlichen Ansatz von Rodopou, und war einer der wenigen Wildvögel die ich gut photographieren konnte, daher habe ich sie hier stellvertretend für die anderen Vögel von denen ich gar keine, oder nur schlechte Bilder machen konnte, auch noch aufgeführt.

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Ich bin insgesamt drei mal auf Rodopou gewandert, allerdings nur ein einziges Mal bis nahe an die Nordspitze, wobei diese sich über neun Stunden und etwa 46 km ziehende Tour wirklich eine der schönsten und interessantesten während des ganzen Urlaubs gewesen ist. Allgemein kann ich nun auch aus eigener Erfahrung raten, bei solchen Wanderungen auf einige Dinge zu achten, wie es ja auch immer wieder in Reiseführer geschrieben wird. Zum einen sollte man gute Schuhe anhaben, da das Gelände oft steil und steinig ist. Ganz wichtig ist es auch, genügend Wasser mit sich zu führen, und ich meine wirklich genügend. Wenn absehbar ist, dass man bald etwa die Hälfte des Vorrats verbraucht hat, sollte man im Zweifelsfall lieber umkehren, damit man auch genügend für den Rückweg hat. Ich habe in der Regel drei Liter Wasser dabei gehabt, aber gerade bei der 46 km-Tour, bei der es die meiste Zeit an die 30°C hatte, war dies eigentlich immer noch zu wenig. Ebenfalls essentiell wichtig ist Sonnenschutz, man sollte daher unbedingt eine gute Sonnencreme mit sich führen, und auch an den exponiertesten Stellen im Zweifelsfall immer mal wieder nachcremen, auch ist es absolut angeraten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Dabei sind vor allem solche praktisch, die auch den Nacken zumindest teilweise auch vor Sonne schützen. Ein anderes Utensil, das sich immer wieder als hilfreich erwiesen hat, ist ein Kompass. Gerade in den Olivenhainen mit den vielen gewundenen Pfaden, kann man leicht einmal die Orientierung verlieren, und da es selbst mit Hilfe von Satelitenkarten geradezu katastrophal schwierig sein kann die richtigen Wege zu finden (viel Wege haben die unangenehme Eigenschaft sich einfach irgendwann im Gebüsch zu verlieren), ist es manchmal am besten, sich einfach nach den Himmelsrichtungen zu orientieren. Ein großes Problem besteht darin, dass selbst Wege die laut Satelitenkarten eigentlich gut erkennbar sein müssten, teilweise entweder anders verlaufen als angegeben, oder kaum oder gar nicht als Wege erkennbar sind. Ich habe mich einige Male arg verlaufen, und habe zahlreiche Sackgassen “erkundet”. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass es wirklich sehr hilfreich sein kann, wenn man sich die Arbeit macht, selbst eine hochauflösende Karte von Satelitenbilden zusammen zu stellen, etwa über Google Maps, die man sich dann beispielsweise einfach auf ein Smartphone übertragen kann.

Bild des Tages: Erdkröte

Freitag, Juli 23rd, 2010

Es ist immer mal wieder erstaunlich was man selbst im eigenen Garten so antrifft, so etwa vor ein paar Tagen eine ziemlich dicke Erdkröte (Bufo bufo) die ich unter einer Regentonne gefunden habe:

Man sieht gut die trockene warzige Haut, und die für Kröten typischen waagrechten Pupillen:

Die Kröte war unglaublich aufgebläht, vermutlich weil sie sich bedroht fühlte.

Endlich mal wieder ein Feuersalamander

Samstag, Mai 8th, 2010

Es ist schon irgendwie absurd, da hat man wirklich tausende (inzwischen wohl eher bald zehntausende) von Photos aus Museen, Zoos oder direkt aus der Natur, und man findet trotzdem selbst nach langem Suchen keines das man für einen Blogpost nehmen könnte… Ein Grund besteht darin dass man zu den meisten Photos eigentlich noch eine ganze Menge schreiben könnte, oder wohl eher sollte, wofür ich aber auch oft keine Zeit habe. Leider hatte ich die letzten Wochen kaum noch Zeit für den Blog, daher ist auch schon ziemlich lange nichts mehr Neues dazugekommen. Da ich grade etwas Zeit erübrigen kann, kommen jetzt endlich mal wieder ein paar neue Photos, welche letztes Wochenende entstanden und sich gut in die schon im vorletzten Eintrag angeschnittene Thematik der heimischen Amphibien einreihen.

Da das Wetter in letzter Zeit ja vielfach massiv zu wünschen übrig ließ, und ich auch sowieso keine Zeit hatte, bin ich nur ziemlich selten mal “raus” gekommen. Immerhin entschied ich mich dann am letzten Samstag früh morgens trotz, oder genau genommen wegen des feuchten Wetters, einen Spaziergang hier in der Nähe zu machen. Meine eigentliche Hoffnung bestand darin vielleicht endlich mal wieder einen lebenden Feuersalamander zu sehen, denn die Chancen stehen nach nächtlichen Regen zumindest relativ hoch in diesem Gebiet. Bisher habe ich dort außer zahlreichen Larven nur ein einziges Mal einen lebenden erwachsenen Feuersalamander gesehen, ein schon recht abgemagertes Weibchen dass ich aus einem Wasserablauf gerettet habe, in dem es anscheinend schon geraume Zeit festsaß und nicht mehr herauskam. Es handelte sich dabei um den gleichen Ablauf, in dem ich beim letzten Mal auch die Frösche gefunden habe (siehe vorletzter Blogpost). Dass es dort Feuersalamnder gibt, ist allerdings in der Regel leider primär daran ersichtlich, dass man vor allem im Sommer immer wieder überfahrene sieht, vor allem wenn es vorher geregnet hat. Auch am letzten Samstag fand ich leider wieder ein ganz frisch überfahrenen Salamander, der vermutlich von einem Fahrrad überrollt worden war. Aber erfreulicherweise auch endlich mal wieder einen lebenden, zufäligerweise keine zehn Meter von der Quelle entfernt, in deren Ablauf ich auch damals das gefangene Feuersalamanderweibchen fand.  Es war noch ein relativ kleines Exemplar, nicht viel mehr als 10 cm groß, und damit wahrscheinlich noch keine drei Jahre alt. Das war erst der dritte lebende Feuersalamander den ich bisher in der Natur gesehen habe, wenn man mal von zahlreichen Larven absieht.

Er war auch relativ mager, was man vor allem am Schwanz erkennen konnte, denn dieser war ziemlich dünn und spitz. Bei gut genährten Feuersalamandern ist er sichtlich dicker und auch etwas stumpfer am Ende. Möglicherweise hing das damit zusammen, dass es in den Wochen davor nicht nur diverse Kälteeinbrüche gegeben hat, sondern es auch kaum geregnet hat, also nicht gerade optimale Vorraussetzungen zur Nahrungssuche. Der kleine Salamander war auch insgesamt relativ schreckhaft, und reagierte sichtlich auf mich, indem er langsam zurückwich, und den Schwanz leicht einrollte. Ich habe ihn dann mit Hilfe eines Blattes vorsichtig aufgehoben und von der Straße weggetragen, da der Weg doch relativ stark von Spaziergängern, Fahrradfahrern und manchmal auch Autos frequentiert wird.

Man sieht gut dass es sich um einen gestreiften Feuersalamander (Salamandra salamandra terrestris), und nicht um die gefleckte Unterart Salamandra salamandra salamandra handelt, auch wenn die Streifen im hinteren Bereich eher in Flecken übergehen. Bei echten gefleckten Feuersalamandern sind die Flecken und Punkte aber viel unregelmäßiger und meistens auch assymetrischer verteilt.

In diesem Gebiet kommen beide Unterarten nebeneinander vor, wobei ich zumindest anhand der bisher gesehenen überfahrenen Exemplare das Gefühl habe, dass S.s. terrestris häufiger ist. Es ist auch praktisch sicher, dass es vielfach zu Hybridisierungen zwischen den beiden Unterarten kommt. Hier noch mal ein Größenvergleich:

Ich muss an dieser Stelle mal wieder an die Vorzüge der digitalen Photographie verweisen. Digitalkameras sind wirklich eine wunderbare Sache, und wenn man eine hat, sollte man sie auch wirklich nutzen. So lange man sie nicht ausdruckt, kosten digitale Photos praktisch nichts mehr, und daher kann man auch eine entsprechend große Anzahl von Bildern machen. Das sollte man auch, gerade wenn man etwas seltenes oder ungewöhnliches sieht, besonders dann, wenn man es eventuell nicht selbst identifizieren kann. In einem solchen Fall sollte man Photos von möglichst vielen Ansichten machen, und falls möglich, auch einen Größenvergleich, denn erfahrungsgemäß sind bloße Schätzungen oft ungenau. Dagegen kann man mit einem geeigneten Größenvergleich auf dem Photo später ziemlich genau die tatsächlichen Dimensionen ermitteln. Man sollte auch keinesfalls den Fehler begehen, mit der Kamera zu nahe an etwas heranzugehen wenn man nur ein einzelnes Bild macht. Solche Photos werden oft nichts. Daher sollte man erst mal ein paar Photos mit einem etwas größerem Abstand machen, danach kann man immer noch Nahaufnahmen machen, besonders dann, wenn es sich etwa um Tiere handelt die im Zweifel schnell fliehen können. Man hat schließlich nichts davon, wenn man im Endeffekt nichts als verschwommene und unscharfe Nahaufnahmen hat. Es lohnt sich oft auch etwas zu experimentieren, etwa durch Ab-oder Anschalten des Blitz an der Kamera, oder verschiedene Blickwinkel. Ich bin meilenweit davon entfernt auch nur annährend professionell zu photographieren, aber gerade wenn man relativ häufig sehr kleine Dinge photographiert, oder Sachen die sich hinter Glas oder in eher dunklen Räumen befinden, lernt man doch den einen oder anderen Trick. Es kann sich auch manchmal lohnen, für einzelne Photos die Auflösung besonders hoch zu stellen, man ist manchmal wirklich überrascht, was für kleine Details man dann manchmal später auf dem Bildschirm des PCs erkennen kann. Aus irgendeinem für mich nicht nachvollziehbaren Grund sind in der Presse Tierphotos in extremen Perspektiven oft ziemlich beliebt, also etwa schräg am Kopf ansetzende Bilder, die den größten Teil des Körpers nur stark verzerrt oder auch gar nicht erkennen lassen, von einer sinnvollen Einschätzung der Größe und den Proportionen mal ganz zu schweigen. Das mag ja vielleicht mal ganz lustig sein, und ich mache manchmal auch solche Photos, vor allem wenn etwas zu groß ist um anders komplett aufs Bild zu gehen, aber für eine objektive Darstellung sollte man sowas nach Möglichkeit vermeiden.

Die Herpetologie-Saison hat begonnen!

Mittwoch, März 24th, 2010

Nachdem dieser verdammte Winter mal wieder scheinbar überhaupt nicht mehr aufhören wollte, ist es jetzt wider Erwarten tatsächlich doch noch Frühling geworden. Das zeigt sich außer der Tatsache dass man jetzt auch wieder ohne Winterjacke vor die Türe gehen kann, auch darin dass eine ganze Reihe von Tieren wieder aus ihren Winterquartieren heraus gekommen sind, seien es winterschlafende Säuger, Insekten, Amphibien oder Reptilien. Vor ein paar Tagen machte  ich die erste herpetologisch Entdeckung dieses Jahres, als ich im Wald den ersten Grasfrosch sah. Am Montag entdeckte ich dann die ersten Molche im heimischen Gartenteich, von denen ich glücklicherweise auch ein paar Photos machen konnte. Die Population im Gartenteich ist nicht besonders groß, und besteht hauptsächlich aus Bergmolchen, allerdings tauchen eigentlich jedes Jahr auch wieder zwei Teichmolche auf. Hier sieht man einen weiblichen Bergmolch:

Auf diesem zweiten Photo kann man neben einem anderen Weibchen auch noch einen männlichen Bergmolch sehen:

Etwas später sah ich dann bei einem Spaziergang eine Reihe großer Laichklumpen in einem kleinen Teich, und ein paar Meter weiter an einem größerem Teich auch noch eine ganze Reihe von sich paarenden Erdkröten:

In jenem Teich konnte ich sogar für ein paar Augenblicke eine Schildkröte beobachten, welche zum Luftholen an die Wasseroberfläche kam. Leider war sie zuweit entfernt, und obendrein auch recht stark mit Algen bewachsen, so dass ich kaum sagen kann, um was für eine Art es sich handelt. Es ist allerdings sehr stark davon auszugehen, dass es sich um ein ehemaliges Haustier handelt. Leider setzen ja immer noch eine ganze Reihe von Leuten ihre Schildkröten einfach an irgendwelchen Teichen, Seen oder Weihern aus, wenn sie ihnen zu groß werden, oder schlichtweg kein Interesse mehr an ihnen besteht. Solche Schildkröten können aber erheblichen Schaden anrichten, vor allem an der heimischen Amphibienpopulation. Größere Exemplare vergreifen sich aber teilweise sogar in starken Maße an jungen Wasservögeln, und zwar nicht nur an den beinahe allgegenwärtigen Stockenten, sondern auch an vielen seltenen Arten.

Die Schildkröte sollte heute aber nicht das einzige Reptil bleiben, denn wenig später sah ich im Wald noch eine recht ansehnlich große Blindschleiche. Sie war noch relativ starr, vielleicht weil es im Wald eben doch noch nicht so warm ist, daher konnte ich mich auch bis auf allernächste Nähe nähern, um ein paar Photos zu machen (wer sich noch an den Artikel über die Maximalgrößen von Krokodilen erinnert, wird vielleicht bemerken dass ich inzwischen ein neues Handy habe):

Hier noch mal eine Nahaufnahme:

Es ist schon immer wieder erstaunlich wie viel man selbst in unserer an sich nicht gerade spektakulären mitteleuropäischen Natur so alles entdecken kann, wenn man nur mit offenen Augen herumläuft. Ich bin mal gespannt wann die ersen Eidechsen und vielleicht sogar Ringelnattern zu sehen sind.

Gestern war ich dann noch mal einen anderen Weg spazieren, unter anderem um zu schauen, ob es schon wieder die ersten Feuersalamanderlarven gibt. Es waren tatsächlich wieder ein paar in einem kleinen Quellbecken. Leider werden immer wieder viele von ihnen herausgeschwemmt weil Leute aus dem winzigen Becken Wasser schöpfen oder Eimer und Gießkannen reinstellen. Manchmal landen sie dann auf dem Gitter des darunter liegenden Abflusses, wo sie in der Regel aber auch elendig zugrunde gehen, wenn nicht zufällig jemand (keine Ahnung ob das außer mir noch irgend jemand anders macht…) den Gullydeckel abnimmt, und sie wieder ins Becken tut. Unter dem Abflussgitter habe ich schon mal neben einem erwachsenen Feuersalamanderweibchen und einer Erdkröte mehrere Grasfrösche gefunden, darum schaute ich auch dieses mal wieder unter das Gitter. Irgendwie schaffen es diese Amphibien trotz ihrer Größe immer wieder sich durch den wirklich engen Spalt unter dem Gitter zu quetschen, dann landen sie im Auffangkorb darunter und kommen nicht mehr raus. Frösche können das wenn wie dieses Mal der Korb relativ hoch mit Wasser gefüllt ist, noch aushalten, aber gerade Salamander ertrinken da früher oder später.

Auch dieses Mal saßen wieder Grasfrösche drin, insgesamt vier Stück:

Der Frosch rechts im Bild schaffte es von alleine rauszuspringen nachdem das Gitter weg war, die anderen mußte ich mitsamt dem Korb rausholen. Das erwies sich als gar nicht so einfach, da dieser durch mineralische Ablagerungen regelrecht mit dem Rand verbacken war, und erst mit Hilfe eines Steines freigehauen werden mußte. Von einem dachte ich bereits dass er tot sei, da er mit dem Bauch nach oben und mit allen Beinen von sich gestreckt, im Wasser lag. Hier mal eine Nahaufnahme von einem der Frösche:

Als ich dann die Frösche in einiger Entfernung vorsichtig aus dem Eimer kippte, stellte sich heraus, dass der vermeintlich tote Frosch tatsächlich noch lebte. Er war allerdings in einer denkbar ungünstigen Lage. Es handelte sich um ein hochträchtiges Weibchen, dessen Leib vom Laich regelrecht aufgequollen war. Ein extrem penetrantes Männchen hatte sich an ihm festgeklammert, allerdings nicht auf dem Rücken wie es eigentlich sein sollte, sondern auf dem Bauch. Daher ist das Weibchen schon wer weiß wie lange auf dem Rücken liegend unter Wasser gedrückt worden, und war völlig entkräftet. An einigen Stellen des Rückens war ihre oberste Hautschicht schon völlig weggescheuert, so dass man teilweise durch die durchsichten Schichten darunter den Laich durchschimmern sehen konnte. Alle Versuche das Männchen von dem Weibchen loszukriegen, scheiterten leider, und es ist leider davon auszugehen, dass es inzwischen daran zugrunde gegangen ist.

Männliche Frösche und teilweise auch Kröten können zuweilen extrem penetrant sein, und klammern sich gelegentlich nicht nur an bereits tote Weibchen, sondern teilweise sogar an andere Amphibien, manchmal sogar an Fische, was dann durch den dadurch verursachten Stress und auch durch den großen Druck (Frösche haben wirklich verdammt starke Gliedmaßen), etwa bei Fischen auf die Kiemendeckel, zum Tod führen kann.

Bild des Tages: Chinesische Wollhandkrabbe

Samstag, März 7th, 2009

Als ich letztes einige Zeit in der Gegend von Hamburg verbracht habe, hatte ich dort nicht nur Gelegenheit einige großartige Museen und den Hagenbeck-Zoo zu besuchen, sondern auch einige interessante Naturbeobachtungen zu machen. Während einiger Spaziergänge an einem kleinen See in der Nähe von Hamburg konnte ich dabei außer einigen interessanten Vögeln, diverser Feldhasen und einer großen Wanderratte auch eine Chinesische Wollhandkrabbe entdecken. Ich lief gerade in einem bewaldeten Abschnitt der Strecke über eine Brücke unter der ein kleiner Wasserlauf in den See mündete, da entdeckte ich einige Meter unter mir einen seltsamen Schemen. Als ich dann hinunterkletterte, erkannte ich dass es tatsächlich eine Wollhandkrabbe war. Sie schien sich nicht selbst zu bewegen, abgesehen von einem leichten Hin-und Herschaukeln durch die Strömung. Daher nahm ich vorsichtig einen Ast, um sie zu berühren, und es stellte sich heraus dass sie tot war. Ich muss sagen dass ich mir nicht absolut 100%ig sicher bin, ob es nicht vielleicht ein abgestreifter Panzer einer gehäuteten Krabbe war, aber so weit ich mich erinnere, war der Panzer selbst nirgends aufgebrochen.

wollhandkrabbe

Nach einigen erfolglosen Versuchen gelang es mir dann auch noch, mit Hilfe eines Stockes die Krabbe aus dem Wasser zu ziehen, und auf dem Trockenen besser untersuchen zu können.

wollhandkrabbe-2

Dieses Exemplar war noch relativ klein, die Panzerlänge betrug vielleicht 5-6cm, aber diese Art kann noch deutlich größer werden. Nur wenig später hatte ich dann auch die Gelegenheit ein wirklich großes Exemplar im direkt an der Förde gelegenen Kieler Aquarium zu sehen. Die Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) ist wie man schon dem Namen erschließen kann keine heimische Art, sondern ein Neozoon, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Ballastwasser von Schiffen aus Asien eingeschleppt worden. Der Name leitet sich von dem haar-artigen Bewuchs ab, den die männlichen Tiere an den Scheren tragen, wie man auch vielleicht noch ein bisschen auf diesem Bild erkennen kann:

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Wollhandkrabben mögen ja nicht sehr schmackhaft erscheinen, aber in ihrer Heimat stellen sie begehrte Leckerbissen dar, und selbst in Deutschland werden diese Tiere, vor allem als Beifang in Aalreusen, inzwischen teilweise für den Konsum weiterverwendet. Das schmutzige braun-gelb wird dabei während der Zubereitung in heißen Wasser oder Dampf zu einem sehr delikat aussehenden Rot (sehr zu empfehlen ist hier die entsprechende Wikipedia-Seite auf der es auch ein entsprechendes Photo gibt).