Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Naturbeobachtungen’ Category

Bild des Tages: Erdkröte

Freitag, Juli 23rd, 2010

Es ist immer mal wieder erstaunlich was man selbst im eigenen Garten so antrifft, so etwa vor ein paar Tagen eine ziemlich dicke Erdkröte (Bufo bufo) die ich unter einer Regentonne gefunden habe:

Man sieht gut die trockene warzige Haut, und die für Kröten typischen waagrechten Pupillen:

Die Kröte war unglaublich aufgebläht, vermutlich weil sie sich bedroht fühlte.

Endlich mal wieder ein Feuersalamander

Samstag, Mai 8th, 2010

Es ist schon irgendwie absurd, da hat man wirklich tausende (inzwischen wohl eher bald zehntausende) von Photos aus Museen, Zoos oder direkt aus der Natur, und man findet trotzdem selbst nach langem Suchen keines das man für einen Blogpost nehmen könnte… Ein Grund besteht darin dass man zu den meisten Photos eigentlich noch eine ganze Menge schreiben könnte, oder wohl eher sollte, wofür ich aber auch oft keine Zeit habe. Leider hatte ich die letzten Wochen kaum noch Zeit für den Blog, daher ist auch schon ziemlich lange nichts mehr Neues dazugekommen. Da ich grade etwas Zeit erübrigen kann, kommen jetzt endlich mal wieder ein paar neue Photos, welche letztes Wochenende entstanden und sich gut in die schon im vorletzten Eintrag angeschnittene Thematik der heimischen Amphibien einreihen.

Da das Wetter in letzter Zeit ja vielfach massiv zu wünschen übrig ließ, und ich auch sowieso keine Zeit hatte, bin ich nur ziemlich selten mal “raus” gekommen. Immerhin entschied ich mich dann am letzten Samstag früh morgens trotz, oder genau genommen wegen des feuchten Wetters, einen Spaziergang hier in der Nähe zu machen. Meine eigentliche Hoffnung bestand darin vielleicht endlich mal wieder einen lebenden Feuersalamander zu sehen, denn die Chancen stehen nach nächtlichen Regen zumindest relativ hoch in diesem Gebiet. Bisher habe ich dort außer zahlreichen Larven nur ein einziges Mal einen lebenden erwachsenen Feuersalamander gesehen, ein schon recht abgemagertes Weibchen dass ich aus einem Wasserablauf gerettet habe, in dem es anscheinend schon geraume Zeit festsaß und nicht mehr herauskam. Es handelte sich dabei um den gleichen Ablauf, in dem ich beim letzten Mal auch die Frösche gefunden habe (siehe vorletzter Blogpost). Dass es dort Feuersalamnder gibt, ist allerdings in der Regel leider primär daran ersichtlich, dass man vor allem im Sommer immer wieder überfahrene sieht, vor allem wenn es vorher geregnet hat. Auch am letzten Samstag fand ich leider wieder ein ganz frisch überfahrenen Salamander, der vermutlich von einem Fahrrad überrollt worden war. Aber erfreulicherweise auch endlich mal wieder einen lebenden, zufäligerweise keine zehn Meter von der Quelle entfernt, in deren Ablauf ich auch damals das gefangene Feuersalamanderweibchen fand.  Es war noch ein relativ kleines Exemplar, nicht viel mehr als 10 cm groß, und damit wahrscheinlich noch keine drei Jahre alt. Das war erst der dritte lebende Feuersalamander den ich bisher in der Natur gesehen habe, wenn man mal von zahlreichen Larven absieht.

Er war auch relativ mager, was man vor allem am Schwanz erkennen konnte, denn dieser war ziemlich dünn und spitz. Bei gut genährten Feuersalamandern ist er sichtlich dicker und auch etwas stumpfer am Ende. Möglicherweise hing das damit zusammen, dass es in den Wochen davor nicht nur diverse Kälteeinbrüche gegeben hat, sondern es auch kaum geregnet hat, also nicht gerade optimale Vorraussetzungen zur Nahrungssuche. Der kleine Salamander war auch insgesamt relativ schreckhaft, und reagierte sichtlich auf mich, indem er langsam zurückwich, und den Schwanz leicht einrollte. Ich habe ihn dann mit Hilfe eines Blattes vorsichtig aufgehoben und von der Straße weggetragen, da der Weg doch relativ stark von Spaziergängern, Fahrradfahrern und manchmal auch Autos frequentiert wird.

Man sieht gut dass es sich um einen gestreiften Feuersalamander (Salamandra salamandra terrestris), und nicht um die gefleckte Unterart Salamandra salamandra salamandra handelt, auch wenn die Streifen im hinteren Bereich eher in Flecken übergehen. Bei echten gefleckten Feuersalamandern sind die Flecken und Punkte aber viel unregelmäßiger und meistens auch assymetrischer verteilt.

In diesem Gebiet kommen beide Unterarten nebeneinander vor, wobei ich zumindest anhand der bisher gesehenen überfahrenen Exemplare das Gefühl habe, dass S.s. terrestris häufiger ist. Es ist auch praktisch sicher, dass es vielfach zu Hybridisierungen zwischen den beiden Unterarten kommt. Hier noch mal ein Größenvergleich:

Ich muss an dieser Stelle mal wieder an die Vorzüge der digitalen Photographie verweisen. Digitalkameras sind wirklich eine wunderbare Sache, und wenn man eine hat, sollte man sie auch wirklich nutzen. So lange man sie nicht ausdruckt, kosten digitale Photos praktisch nichts mehr, und daher kann man auch eine entsprechend große Anzahl von Bildern machen. Das sollte man auch, gerade wenn man etwas seltenes oder ungewöhnliches sieht, besonders dann, wenn man es eventuell nicht selbst identifizieren kann. In einem solchen Fall sollte man Photos von möglichst vielen Ansichten machen, und falls möglich, auch einen Größenvergleich, denn erfahrungsgemäß sind bloße Schätzungen oft ungenau. Dagegen kann man mit einem geeigneten Größenvergleich auf dem Photo später ziemlich genau die tatsächlichen Dimensionen ermitteln. Man sollte auch keinesfalls den Fehler begehen, mit der Kamera zu nahe an etwas heranzugehen wenn man nur ein einzelnes Bild macht. Solche Photos werden oft nichts. Daher sollte man erst mal ein paar Photos mit einem etwas größerem Abstand machen, danach kann man immer noch Nahaufnahmen machen, besonders dann, wenn es sich etwa um Tiere handelt die im Zweifel schnell fliehen können. Man hat schließlich nichts davon, wenn man im Endeffekt nichts als verschwommene und unscharfe Nahaufnahmen hat. Es lohnt sich oft auch etwas zu experimentieren, etwa durch Ab-oder Anschalten des Blitz an der Kamera, oder verschiedene Blickwinkel. Ich bin meilenweit davon entfernt auch nur annährend professionell zu photographieren, aber gerade wenn man relativ häufig sehr kleine Dinge photographiert, oder Sachen die sich hinter Glas oder in eher dunklen Räumen befinden, lernt man doch den einen oder anderen Trick. Es kann sich auch manchmal lohnen, für einzelne Photos die Auflösung besonders hoch zu stellen, man ist manchmal wirklich überrascht, was für kleine Details man dann manchmal später auf dem Bildschirm des PCs erkennen kann. Aus irgendeinem für mich nicht nachvollziehbaren Grund sind in der Presse Tierphotos in extremen Perspektiven oft ziemlich beliebt, also etwa schräg am Kopf ansetzende Bilder, die den größten Teil des Körpers nur stark verzerrt oder auch gar nicht erkennen lassen, von einer sinnvollen Einschätzung der Größe und den Proportionen mal ganz zu schweigen. Das mag ja vielleicht mal ganz lustig sein, und ich mache manchmal auch solche Photos, vor allem wenn etwas zu groß ist um anders komplett aufs Bild zu gehen, aber für eine objektive Darstellung sollte man sowas nach Möglichkeit vermeiden.

Die Herpetologie-Saison hat begonnen!

Mittwoch, März 24th, 2010

Nachdem dieser verdammte Winter mal wieder scheinbar überhaupt nicht mehr aufhören wollte, ist es jetzt wider Erwarten tatsächlich doch noch Frühling geworden. Das zeigt sich außer der Tatsache dass man jetzt auch wieder ohne Winterjacke vor die Türe gehen kann, auch darin dass eine ganze Reihe von Tieren wieder aus ihren Winterquartieren heraus gekommen sind, seien es winterschlafende Säuger, Insekten, Amphibien oder Reptilien. Vor ein paar Tagen machte  ich die erste herpetologisch Entdeckung dieses Jahres, als ich im Wald den ersten Grasfrosch sah. Am Montag entdeckte ich dann die ersten Molche im heimischen Gartenteich, von denen ich glücklicherweise auch ein paar Photos machen konnte. Die Population im Gartenteich ist nicht besonders groß, und besteht hauptsächlich aus Bergmolchen, allerdings tauchen eigentlich jedes Jahr auch wieder zwei Teichmolche auf. Hier sieht man einen weiblichen Bergmolch:

Auf diesem zweiten Photo kann man neben einem anderen Weibchen auch noch einen männlichen Bergmolch sehen:

Etwas später sah ich dann bei einem Spaziergang eine Reihe großer Laichklumpen in einem kleinen Teich, und ein paar Meter weiter an einem größerem Teich auch noch eine ganze Reihe von sich paarenden Erdkröten:

In jenem Teich konnte ich sogar für ein paar Augenblicke eine Schildkröte beobachten, welche zum Luftholen an die Wasseroberfläche kam. Leider war sie zuweit entfernt, und obendrein auch recht stark mit Algen bewachsen, so dass ich kaum sagen kann, um was für eine Art es sich handelt. Es ist allerdings sehr stark davon auszugehen, dass es sich um ein ehemaliges Haustier handelt. Leider setzen ja immer noch eine ganze Reihe von Leuten ihre Schildkröten einfach an irgendwelchen Teichen, Seen oder Weihern aus, wenn sie ihnen zu groß werden, oder schlichtweg kein Interesse mehr an ihnen besteht. Solche Schildkröten können aber erheblichen Schaden anrichten, vor allem an der heimischen Amphibienpopulation. Größere Exemplare vergreifen sich aber teilweise sogar in starken Maße an jungen Wasservögeln, und zwar nicht nur an den beinahe allgegenwärtigen Stockenten, sondern auch an vielen seltenen Arten.

Die Schildkröte sollte heute aber nicht das einzige Reptil bleiben, denn wenig später sah ich im Wald noch eine recht ansehnlich große Blindschleiche. Sie war noch relativ starr, vielleicht weil es im Wald eben doch noch nicht so warm ist, daher konnte ich mich auch bis auf allernächste Nähe nähern, um ein paar Photos zu machen (wer sich noch an den Artikel über die Maximalgrößen von Krokodilen erinnert, wird vielleicht bemerken dass ich inzwischen ein neues Handy habe):

Hier noch mal eine Nahaufnahme:

Es ist schon immer wieder erstaunlich wie viel man selbst in unserer an sich nicht gerade spektakulären mitteleuropäischen Natur so alles entdecken kann, wenn man nur mit offenen Augen herumläuft. Ich bin mal gespannt wann die ersen Eidechsen und vielleicht sogar Ringelnattern zu sehen sind.

Gestern war ich dann noch mal einen anderen Weg spazieren, unter anderem um zu schauen, ob es schon wieder die ersten Feuersalamanderlarven gibt. Es waren tatsächlich wieder ein paar in einem kleinen Quellbecken. Leider werden immer wieder viele von ihnen herausgeschwemmt weil Leute aus dem winzigen Becken Wasser schöpfen oder Eimer und Gießkannen reinstellen. Manchmal landen sie dann auf dem Gitter des darunter liegenden Abflusses, wo sie in der Regel aber auch elendig zugrunde gehen, wenn nicht zufällig jemand (keine Ahnung ob das außer mir noch irgend jemand anders macht…) den Gullydeckel abnimmt, und sie wieder ins Becken tut. Unter dem Abflussgitter habe ich schon mal neben einem erwachsenen Feuersalamanderweibchen und einer Erdkröte mehrere Grasfrösche gefunden, darum schaute ich auch dieses mal wieder unter das Gitter. Irgendwie schaffen es diese Amphibien trotz ihrer Größe immer wieder sich durch den wirklich engen Spalt unter dem Gitter zu quetschen, dann landen sie im Auffangkorb darunter und kommen nicht mehr raus. Frösche können das wenn wie dieses Mal der Korb relativ hoch mit Wasser gefüllt ist, noch aushalten, aber gerade Salamander ertrinken da früher oder später.

Auch dieses Mal saßen wieder Grasfrösche drin, insgesamt vier Stück:

Der Frosch rechts im Bild schaffte es von alleine rauszuspringen nachdem das Gitter weg war, die anderen mußte ich mitsamt dem Korb rausholen. Das erwies sich als gar nicht so einfach, da dieser durch mineralische Ablagerungen regelrecht mit dem Rand verbacken war, und erst mit Hilfe eines Steines freigehauen werden mußte. Von einem dachte ich bereits dass er tot sei, da er mit dem Bauch nach oben und mit allen Beinen von sich gestreckt, im Wasser lag. Hier mal eine Nahaufnahme von einem der Frösche:

Als ich dann die Frösche in einiger Entfernung vorsichtig aus dem Eimer kippte, stellte sich heraus, dass der vermeintlich tote Frosch tatsächlich noch lebte. Er war allerdings in einer denkbar ungünstigen Lage. Es handelte sich um ein hochträchtiges Weibchen, dessen Leib vom Laich regelrecht aufgequollen war. Ein extrem penetrantes Männchen hatte sich an ihm festgeklammert, allerdings nicht auf dem Rücken wie es eigentlich sein sollte, sondern auf dem Bauch. Daher ist das Weibchen schon wer weiß wie lange auf dem Rücken liegend unter Wasser gedrückt worden, und war völlig entkräftet. An einigen Stellen des Rückens war ihre oberste Hautschicht schon völlig weggescheuert, so dass man teilweise durch die durchsichten Schichten darunter den Laich durchschimmern sehen konnte. Alle Versuche das Männchen von dem Weibchen loszukriegen, scheiterten leider, und es ist leider davon auszugehen, dass es inzwischen daran zugrunde gegangen ist.

Männliche Frösche und teilweise auch Kröten können zuweilen extrem penetrant sein, und klammern sich gelegentlich nicht nur an bereits tote Weibchen, sondern teilweise sogar an andere Amphibien, manchmal sogar an Fische, was dann durch den dadurch verursachten Stress und auch durch den großen Druck (Frösche haben wirklich verdammt starke Gliedmaßen), etwa bei Fischen auf die Kiemendeckel, zum Tod führen kann.

Bild des Tages: Chinesische Wollhandkrabbe

Samstag, März 7th, 2009

Als ich letztes einige Zeit in der Gegend von Hamburg verbracht habe, hatte ich dort nicht nur Gelegenheit einige großartige Museen und den Hagenbeck-Zoo zu besuchen, sondern auch einige interessante Naturbeobachtungen zu machen. Während einiger Spaziergänge an einem kleinen See in der Nähe von Hamburg konnte ich dabei außer einigen interessanten Vögeln, diverser Feldhasen und einer großen Wanderratte auch eine Chinesische Wollhandkrabbe entdecken. Ich lief gerade in einem bewaldeten Abschnitt der Strecke über eine Brücke unter der ein kleiner Wasserlauf in den See mündete, da entdeckte ich einige Meter unter mir einen seltsamen Schemen. Als ich dann hinunterkletterte, erkannte ich dass es tatsächlich eine Wollhandkrabbe war. Sie schien sich nicht selbst zu bewegen, abgesehen von einem leichten Hin-und Herschaukeln durch die Strömung. Daher nahm ich vorsichtig einen Ast, um sie zu berühren, und es stellte sich heraus dass sie tot war. Ich muss sagen dass ich mir nicht absolut 100%ig sicher bin, ob es nicht vielleicht ein abgestreifter Panzer einer gehäuteten Krabbe war, aber so weit ich mich erinnere, war der Panzer selbst nirgends aufgebrochen.

wollhandkrabbe

Nach einigen erfolglosen Versuchen gelang es mir dann auch noch, mit Hilfe eines Stockes die Krabbe aus dem Wasser zu ziehen, und auf dem Trockenen besser untersuchen zu können.

wollhandkrabbe-2

Dieses Exemplar war noch relativ klein, die Panzerlänge betrug vielleicht 5-6cm, aber diese Art kann noch deutlich größer werden. Nur wenig später hatte ich dann auch die Gelegenheit ein wirklich großes Exemplar im direkt an der Förde gelegenen Kieler Aquarium zu sehen. Die Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) ist wie man schon dem Namen erschließen kann keine heimische Art, sondern ein Neozoon, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Ballastwasser von Schiffen aus Asien eingeschleppt worden. Der Name leitet sich von dem haar-artigen Bewuchs ab, den die männlichen Tiere an den Scheren tragen, wie man auch vielleicht noch ein bisschen auf diesem Bild erkennen kann:

wollhandkrabbe-3

Wollhandkrabben mögen ja nicht sehr schmackhaft erscheinen, aber in ihrer Heimat stellen sie begehrte Leckerbissen dar, und selbst in Deutschland werden diese Tiere, vor allem als Beifang in Aalreusen, inzwischen teilweise für den Konsum weiterverwendet. Das schmutzige braun-gelb wird dabei während der Zubereitung in heißen Wasser oder Dampf zu einem sehr delikat aussehenden Rot (sehr zu empfehlen ist hier die entsprechende Wikipedia-Seite auf der es auch ein entsprechendes Photo gibt).