Bild des Tages: Weißbauchschuppentier

Ich versuche gerade den Blog wieder etwas zu beleben und wieder wenigstens mehr Bildes des Tages zu veröffentlichen. Das ist trotz einer riesigen Menge potentiell verwendbarer Photos in meinen Archiven weitaus schwieriger als man denken könnte, denn vieles würde eigentlich einen recht umfangreichen Begleittext erfordern, was aber aus Zeitgründen in der Regel schlichtweg nicht möglich ist. Daher versuche ich zumindest nach Möglichkeit Photos von Tieren zu veröffentlichen, die allgemein eher unbekannt und nach Möglichkeit auch interessant sind. Aus diesem Grund gibt es im Anschluss an das Braunborsten-Gürteltier und den Strandgräber heute ein weiteres kurioses Säugetier, das Weißbauchschuppentier (Manis tricuspis, beziehungsweise Phataginus tricuspis), photographiert in der Zoologischen Schausammlung in Tübingen.

Weißbauch-Schuppentier

 

Es gibt so vieles über Schuppentiere auf dass es sich näher einzugehen lohnen würde, aber das würde bereits viel zu weit gehen, sowohl in Bezug auf ihre Evolution, ihr Verhalten als auch auf ihre wirklich sehr, sehr bizarre Anatomie.

 

 

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Bild des Tages: Strandgräber

Das heutige Bild des Tages ist ein Strandgräber (Bathyergus suillus) aus der Zoologischen Schausammlung in Tübingen.

Bathyergus suillus Zoologische Schausammlung Tübingen

Diese bis etwa 35 cm groß werdenden südafrikanischen Nagetiere leben vor allem unterirdisch, was sich auch stark in ihrem Körperbau wiederspiegelt. Ihr Körper ist kräftig und kompakt, mit großem Kopf und kurzen Beinen, feinem dichten Fell und kurzem Schwanz. Die Augen und Ohrmuscheln sind wie bei vielen anderen under der Erde lebenden Säugern sehr klein, dafür sind die Nagezähne stark vergrößert, da sie zum Graben benutzt werden. Die Lippen können auch bei geöffneten Kiefern geschlossen werden, so dass sie beim Graben keine Erde ins Maul bekommen.

Hier sieht man noch eine sehr schöne Zeichnung eines Strandgräber-Skeletts (von Wikipedia):

Bathyerggus suillus Skelett (von Wikipedia)

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Bild des Tages: Braunborsten-Gürteltier

Die Blogposts über meine Kreta-Reise haben sich bisher als sehr langwierig zu schreiben erwiesen, daher möchte ich zwischendurch wieder ein paar kürzere Artikel, beziehungsweise Bilder des Tages veröffentlichen, bis der nächste Teil fertig ist.

Das heutige Bild des Tages ist das Photo eines Brauborsten-Gürteltieres (Chaetophractus villosus) samt zugehörigem Schädel aus dem Rosenstein-Museum in Stuttgart:

Braunborsten Gürteltier Rosenstein-Museum

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Naturerkundung auf Kreta Teil 2: Am Kournas-See

Panorama

Eines der schönsten Ausflugsziele auf meiner Kretareise war der Kournas-See in derNähe von Georgioupolis. Der See ist das einzige größere natürliche Gewässer der Insel, und malerisch direkt vor hochaufragenden Berghängen gelegen. Er erstreckt sich auf einer Länge von etwa 1,5 km und ist bis circa 45 m tief, an den meisten Stellen aber erheblich flacher. Leider führt kein Weg um den ganzen See, sondern nur vom natürlichen Abfluss im Norden bis zu seinem südwestlichen Bereich. Der Rest ist größtenteils von dichtem Gestrüpp bewachsen, und praktisch unpassierbar.

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Eines der ersten Tiere das ich am See gesehen habe war dieser Kreta-Wasserfrosch (Pelophylax cretensis):

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Leider blieb er auch so ziemlich der einzige Frosch den ich am ganzen See gesehen habe.

Wenn man direkt vom Abfluss des Sees aus nach Osten läuft, findet man mehrere kleine Tümpel, welche mehr oder weniger direkt mit dem See verbrunden sind.

Es lohnt sich sehr diese Tümpel einmal genauer anzuschauen, da sich in ihnen eine Reihe interessanter Tiere finden. So entdeckte ich beispielsweise ein paar kleinere Kaspische Bachschildkröten (Mauremys caspica) zwischen den Ästen versunkener Bäume. Allerdings waren diese sehr scheu, und es war auch sehr schwer von ihnen Photos zu machen.

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Ein Blick über einen der tümpelartigen Seeausläufer in Richtung des Abflusses nach Norden.

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Was speziell in diesen kleinen Tümpeln auffällt, ist die riesige Menge an kleinen Fischen. Es handelt sich dabei um Koboldkärpflingen (Gambusia affinis), eine Art welche eigentlich aus dem südlichen Bereich des nordamerikanischen Kontinents stammt, und nahe mit den bekannten Guppys verwandt ist. Zur Bekämpfung von Moskitolarven wurden diese Fische aber in vielen Teilen der Welt ausgesetzt, und sind daher nun auch in weiten Gebieten des Mittelmeerraumes zu finden, wobei ihre Fähigkeit sowohl in Süßwasser als auch in Brackwasser zu leben sicherlich dazu beigetragen hat, auch eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume zu besiedeln.

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Die kleinen Fische zu photographieren ist gar nicht so einfach, vor allem wegen der Lichtbrechung und der starken Sonneneinstrahlung.

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Wenn man genau hinschaut, sieht man teilweise außer den Koboldkärpflingen auch kleine durchsichtige Süßwassergarnelen.

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Um welche Garnelenart es sich hierbei handelt, kann ich aber leider nicht sagen.

Leider führt kein Weg zu den hinter dem See gelegenen Bergen.

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Hier einmal eine Sicht vom südlichsten Bereich des Sees den man noch erreichen kann. Man sieht im Hintergrund diverse Tavernen und Bootsverleihe. In diesem Bereich in welchem der See auch seine Quellen hat, ist er auch am tiefsten. Ich hatte leider keine Zeit auch noch eine Fahrt mit einem Tretboot zu machen, sonst hätte ich mir auch das Süd-und Westufer des Sees näher anschauen können.

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Neben einigen Bachschildkröten welche ich im dichten Gestrüpp nahe dem Ufer entdeckte, waren dies die ersten Exemplare von denen ich einigermaßer brauchbare Bilder machen konnte. Allerdings waren selbst diese Schildkröten extrem scheu, und sprangen von dem Ponton ins Wasser, obwohl ich mich noch in einer Entfernung von etwas 50 m befand.

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Während meines gesamten Urlaubes habe ich nach Gottesanbeterinnen Ausschau gehalten, aber leider konnte ich keine einzige entdeckten. Diese an einen Stein geklebt Oothek war der einzige Hinweis auf sie, den ich finden konnte.

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Vögel habe ich am See insgesamt nur recht wenige gesehen, insbesondere Wasservögel konnte ich fast keine entdecken, dafür aber immerhin einen wunderschönen Distelfink beim Trinken:

Distelfink

Neben den Koboldkärpflingen gibt es auch zahlreiche Goldfische im Kournas-See. Diese sind dort zweifellos schon vor längerer Zeit ausgesetzt worden, denn ihrer Anzahl und Größe nach haben sie sich dort inzwischen schon in mehreren Generationen vermehrt. Dabei fiel mir auch auf, dass unter den Goldfischen zahlreiche ungefärbte Exemplare waren. In der Goldfischzucht werden diese ausselektiert (was mich nicht davon abgehalten hat gerade einen wildfarbenen Shubukin für einen meiner Teiche zu kaufen), in der Natur ist aber tendenziell eher das Gegenteil der Fall. Auffallend war auch die Größe der Goldfische. Schon die auf dem Photo zu sehenden waren wohl schon etwa im 20-25 cm-Bereich, und deutlich größer als die meisten Teichgoldfische. Auch waren sie keineswegs verfettet, wie man das sonst oft sieht, sondern entsprachen in ihrer Körperform genau der Wildform, dem Giebel. Ich entdeckte dort auch den zweitgrößten Goldfisch den ich jemals gesehen habe, welcher eine Länge von etwa 35 cm hatte, und in seinen Dimensionen eher einem kleineren Kapfen entsprach. Der allergrößte den ich je gesehen habe schwimmt übrigens in einem der Teiche im Zoo Hellabrunn. Viele machen sich nicht bewusst, dass Goldfische durchaus das Potential haben erhebliche Größen zu erreichen. Dafür brauchen sie aber nicht nur einen entsprechenden Lebensraum, sondern auch Zeit, was ein Grund dafür ist, dass wirklich große Goldfische auch ziemlich teuer sind.

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Mit etwas Glück entdeckt man neben den schwer zu übersehenden Goldfischen auch dunkle Schlangen im oder am See. Hierbei handelt es sich um eine schwarze Form der Würfelnatter (Natrix tessellata). Diese sind für Menschen völlig ungefährlich und ernähren sich größtenteils von Fischen. Die über den Grund schwimmende Würfelnatter ist sehr schlecht zu sehen, daher habe ich sie einmal mit einem roten Kreis eingerahmt.

Würfelnatter

Auf meinem Rückweg zum Nordende des Sees entdeckte ich plötzlich im Gestüpp auf der Gegenseite eine Bewegung, die ich aber absolut nichts zuordnen konnte. Ich sah lediglich dass etwas orangenes ruckartig unter den Ästen zuckte. Ich stellte die Kamera auf maximale Vergrößerung und machte einfach mal auf Gutglück ein Bild. Erst am Abend konnte ich dann am Bildschirm des Laptop sehen, dass es sich um eine Würfelnatter gehandelt hat, welche einen Goldfisch gefangen und ans Ufer gezogen hat. Das hier zu sehende Photo ist nur ein Teilausschnitt des ursprünglichen Photos, entsprechend ist es leider etwas unscharf. Aber immerhin scheinen sich die eingeführten Goldfische, und vermutlich auch die Koboldkärpflinge, zumindest dahingehend positiv auszuwirken, als dass sie Beutetiere für die ansässigen Fischfresser sind.

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Im Kournas-See gibt es auch Süßwasserkrabben der Art Potamon potamios, welche teilweise auch im Uferbereich zu sehen sind. Leider konnte ich aber am See direkt keine einzige sehen, lediglich eine ihrer in den Uferschlamm gebauten Wohnhöhlen mit aufgeschichtem “Turm”.

Süßwasserkrabben-Burg

Erstaunlicherweise machte ich einige der schönsten Photos nicht am See selbst, sondern etwas entfernt auf dem Weg zurück Richtung Georgiopoulis an einer kleinen Brücke über einen schmalen Teil des Wassergrabens welcher vom See aus zum Meer fließt. Dort entdeckte ich insgesamt fünf Kaspische Bachschildkröten, welche im Gegensatz zu ihren Artgenossen am See alles andere als scheu waren, und sich von der Brücke aus sehr gut photographieren ließen.

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Eine der Schildkröten war noch sehr klein, mit einer Panzerlänge von weniger als 10 cm. Man sieht auch dass die am Hinterrand des Panzers gelegenen Zacken noch stärker ausgeprägt waren als bei dem erwachsenen Exemplar auf dem vorigen Photo.

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Bei einer der Schildkröten handelte es sich ganz offensichtlich um ein Männchen, welches ins offensichtlch amouröser Absicht ein Weibchen verfolgte. Unten links im Bild sieht man übrigens auch eine der in diesem Graben recht zahlreichen Meeräschen, welche von der Mündungs aus bis kurz vor den See geschwommen sind.

Bachschildkröten und Meeräsche

Zwischen den Schildkröten konnte ich auch die erste und einzige Süßwasserkrabbe entdeckten, aber leider war sie nur so kurz zu sehen, dass ich kein Photo von ihr machen konnte.

Auf der anderen Seit der Brücke entdeckte ich dann noch ein brütendes Teichhuhn.

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Als es nach einiger Zeit aufstand, konnte man auch sein  Gelege bewundern.

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Wer im Nordwesten Kretas Urlaub macht, dem sei unbedingt ein Ausflug zum Kournas-See empfohlen, denn er ist sicher einer der schönsten Orte auf der Insel.

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Bild des Tages: Zauneidechsen

Endlich mal wieder ein Bild des Tages, dieses Mal drei Zauneidechsen (Lacerta agilis), welche ich vor ein paar Tagen auf einer Trockenmauer in einem Weinberg photographieren konnte:

Zauneidechsen

Die oberste Eidechse ist ein Weibchen, während es sich bei den beiden darunter liegenden um Männchen handelt. Leider auf dem Photo nicht zu sehen ist eine weitere Eidechse, die nur in etwa 30 bis 40 cm Entfernung oben auf der Mauer im Gras lag.

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Ein paar Fakten über Alligatorschildkröten, Geierschildkröten und Schnappschildkröten

Was wäre dass für ein Sommer gewesen, wenn es nicht noch irgendein Sommerloch-Monster gegeben hätte? Nach ausgerissenen Kaimanen, vermeintlichen Krokodilen sowie dackelfressenden und wadenbeißenden Welsen soll jetzt auch noch eine bissige Schildkröte in einem deutschen See ihr Unwesen treiben. Wie so oft siegt der Sensationalismus über den Rationalismus, und es werden eine Menge falsche Darstellungen in Umlauf gebracht. Ich schreibe ja normalerweise nicht über aktuelle Meldungen, aber in diesem Fall halte ich es doch für sinnvoll, ein paar Richtigstellungen zum Thema aufzuzeigen. Zunächst, für alle die es nicht mitbekommen haben, noch einmal der eigentliche Fall:

In einem Badesee nahe Irrsee bei Kaufbeuren, ist ein achtjähriger Junge beim Baden in den Fuß gebissen worden, wobei ihm eine Achillessehne durchtrennt wurde.

Der See wurde gesperrt, der Uferbereich wurde von Feuerwehrleuten mit Harken durchsucht, teilweise niedergemäht und in einem Anfall von Hysterie sogar letztendlich das ganze Wasser abgelassen und die Fische in einen 2 km entfernten Teich verfrachtet, um den Schlamm nach dem “Monster” abzusuchen, sogar mit Hilfe eines Spürhundes. Es wurde sogar davon gesprochen im Notfall den Teichgrund auszubaggern.

Tatsächlich gesehen wurde der Angreifer nicht, es wurde lediglich verlautbart, dass es sich den Bissspuren nach um eine Alligatorschildkröte gehandelt haben soll, mit einer vermuteten Größe von circa 40 cm und etwa 14 kg Gewicht. Oder um eine Schnappschildkröte. Oder um eine Geierschildkröte.

Geierschildkröte (Photo von Wikipedia)

Das Problem ist, dass zahlreiche Journalisten allem Anschein nach einige Dinge nicht ganz verstanden haben, denn es werden Schnapp-, Geier- und Alligatorschildkröten munter durcheinander gewürfelt. An dieser Stelle zunächst einmal eine Klarstellung, um weitere Missverständnisse möglichst zu vermeiden. Zum einen gibt es die Schnappschildkröten der Gattung Chelydra, welche im Englischen “snapping turtle” genannt wird. Zum anderen gibt es die Alligatorschildkröte Macrochelys temminckii, die im Deutschen synonym wegen ihres hakenförmigen Schnabels Geierschildkröte genannt wird, und im Englischen “alligator snapping turtle”. Die Schnappschildkröten umfassen drei Arten, die Gemeine Schnappschildkröte (Chelydra serpentina)  sowie die Mittelamerikanische Schnappschildkröte (Chelydra rossignonii) und die Südamerikanische Schnappschildkröte (Chelydra acutirostris). Teilweise wird für die Gewöhnliche Schnappschildkröte noch die Unterart Chelydra serpentina osceola aufgeführt, doch wird diese inzwischen nicht mehr als eigene Unterart angesehen. Die Geierschildkröte ist dagegen monotypisch, es gibt nur eine Gattung (Macrochelys) mit einer Art (Macrochelys temminckii). Geier-und Schnappschildkröten gehören zu unterschiedlichen Gattungen, aber immerhin noch zur gleichen Familie, den Chelydridae oder Alligatorschildkröten. Das kann natürlich leicht zu Missverständnissen führen. Ich werde daher für die Art M. temmincki ausschließlich den Begriff “Geierschildkröte” verwenden, und Alligatorschildkröten (wohlgemerkt im Plural) für die Familie.

Geier-und Schnappschildkröten sehen sich oberflächlich ähnlich, weshalb sie auch häufig miteinander verwechselt werden. Sie unterscheiden sich jedoch in einer ganzen Reihe von Merkmalen, Verhaltensweisen und der Verbreitung. Die Geierschildkröte kommt im Osten von Texas, Teilen von Florida, dem Nord-und Südosten von Kansas, Missouri, dem Südwesten von Iowa, dem Westen von Illinois, dem Süden von Indiana, dem Westen von Kentucky und dem Westen von Tennessee vor. Insgesamt also eher die wärmeren Gebiete der Vereinigten Staaten. Dagegen reicht das Verbreitungsgebiet der Gemeinen Schnappschildkröte viel weiter nordwärts, bis in den Südosten Kanadas. Auch kommen sie insgesamt in einem weitaus größerem Gebiet vor als die Geierschildkröte, wie man auf dieser Karte von der englischen Wikipedia-Seite sehen kann:

Verbreitungsgebiet der Gewöhnlichen Schnappschildkröte (von Wikipedia)

Die Mittelamerikanische Schnappschildkröte kommt in Belize, Guatemala, Honduras und Mexiko vor, die Südamerikanische Schnappschildkröte in Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Honduras, Nicaragua und Panama.

Bei Schnappschildkröten in Europa handelt es sich eigentlich praktisch immer um die Gemeine Schnappschildkröte, wobei besonders jene aus dem nördlichen Verbreitungsgebiet erstaunlich kälteresistent sind, und an geeigneten Stellen ohne Probleme auch kalte mitteleuropäische Winter überstehen. Aber auch ausgesetzte Geierschildkröten haben erwiesenermaßen schon viele Jahre “wild” in Europa überlebt.

Wer sich mit den verschiedenen Arten nicht auskennt, kann durchaus Probleme haben Geier-und Schnappschildkröten voneinander zu unterscheiden, doch eigentlich ist es gar nicht schwer. Da wäre zum Beispiel der Umstand dass die Geierschildkröte ganz erheblich größer wird als Schnappschildkröten. Wie groß genau ist schwer zu sagen, da es eine ganze Reihe von mehr oder weniger legendären, und teilweise sicherlich übertriebenen Größenangaben gibt. Doch kann man zweifelsfrei sagen, dass Geierschildkröten in Einzelfällen gut über 100 kg schwer werden können, mit Panzerlängen von über 80 cm. Dabei muss man aber wie immer bedenken, dass es sich hier um Ausnahmen handelt, der Durchschnitt liegt deutlich darunter. Zuweilen liest man dass Geierschildkröten die größten Wasserschildkröten der Welt sind. Allerdings erreichen auch verschiedene Weichschildkröte ähnliche, und wahrscheinlich auch noch etwas größere Dimensionen. Im Archiv des Museums für Naturkunde in Berlin ist ein riesiges Exemplar ausgestellt, dessen Kopf in etwa so groß ist wie der eines Kindes:

Geierschildkröte im Museum für Naturkunde in Berlin

Schnappschildkröten wiegen dagegen im Durchschnitt “nur” bis etwa 16 kg, wobei einzelne Exemplare in seltenen Fällen auch zwischen 30 und 40 kg wiegen können, und damit durchaus sie Dimensionen einer kleineren Geierschildkröte erreichen.

Eine Besonderheit der Geierschildkröte ist ihre Zunge, denn auf ihr sitzt ein wurmförmiges bewegliches Organ, mit dessen Hilfe sie Fische praktisch bis zu ihrem Maul locken. Bei diesem Fortsatz handelt es sich um ein eigenständigen Teil, und nicht um die Zunge selbst.

Geierschildkröte mit geöffnetem Maul (Photo von Wikipedia)

Diesen wurmförmigen Zungenauswuchs sieht man allerdings auch nur bei genauem Hinsehen, und natürlich auch nur wenn die Geierschildkröte ihr Maul offen hat. Besser zur Artbestimmung geeignet ist der Kopf an sich, denn dieser ist für eine Schildkröte extrem groß und breit, und natürlich auch nicht mehr unter den Panzer einziehbar. Zwar haben auch Schnappschildkröten einen relativ großen Kopf, doch ist dieser im direkten Vergleich deutlich kleiner. Neben der Größe des Kopfes fällt auch der sehr stark ausgeprägte “Geierschnabel” auf, welche auch im Unterkiefer stark hakenförmig gekrümmt ist. Zudem haben Geierschildkröten an Kopf und hals kleine “Zotten” welche wahrscheinlich der Tarnung dienen, und die bei Schnappschildkröten nicht vorhanden sind.

Gelegentlich liest oder hört man auch, dass Geierschildkröten den stärksten Biss aller Tiere haben, doch auch das entspricht nicht der Wahrheit, tatsächlich ist ihre Bisskraft noch nicht einmal besonders hoch, geschweige denn die höchste unter allen Tieren.

Ein weiteres typisches Merkmal der Geierschildkröte sind die stark ausgeprägten Höcker des Panzers, welche auch ein ausgeprägtes Oberflächenprofil haben, das man besonders gut auf dem ersten Photo am Anfang des Blogposts sehen kann. Junge Schnappschildkröten haben ähnliche Panzer, doch werden bei ihnen die Höcker im weiteren Verlauf des Lebens immer unscheinbarer, was auch an der stärkeren Abnutzung aufgrund ihrer aktivieren Lebensweise liegt. Bei erwachsenen Schnappschildkröten sieht man in der Regel nur noch drei eher unscheinbare flache Längsgrate oben auf dem Panzer.

Sowohl die Höcker des Panzers als auch den extrem großen Kopf kann man sehr gut an diesem nicht mehr ganz farbechten Präparat einer Geierschildkröte im Flur der Zoologischen Staatssammlung in München sehen:

Geierschildkröte in der Zoologischen Staatssammlung München

Dagegen ist der Kopf und Schnabel dieser Schnappschildkröte im Nymphaea-Tierpark in Esslingen deutlich kleiner, und auch dier Panzer ist weitaus glatter und weniger strukturiert. Zum Vergleich eine davor liegenden “normale” Schildkröte, eine Gelbbauch-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta):

Schnappschildkröte und  Gelbbauch-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta)  im Nymphaea Tierpark, Esslingen (3)

Schnappschildkröten haben einen für Schildkröten ziemlich großen Kopf und einen gut ausgeprägten Schnabel, aber eben doch in weitaus weniger extremen Maße als Geierschildkröten.

Schnappschildkröte im Nymphaea Tierpark, Esslingen (5)

Auffallend ist auch der ausgesprochen dicke Hals der Schnappschildkröten, welcher allerdings selten zur vollen Länge aus dem Panzer ragt, und erstaunlich lang ist.

Schnappschildkröte im Nymphaea Tierpark, Esslingen (4)

Während die Panzer junger Schnappschildkröten noch relativ stark strukturiert sind, zeigen ältere Exemplare als einzige offensichtliche Besonderheit drei mehr oder weniger stark ausgeprägte Längskiele:

Schnappschildkröte im Nymphaea Tierpark, Esslingen (2)

Wie bereits weiter oben geschrieben, unterscheiden sich Geier-und Schnappschildkröten auch im Verhalten. Erstere leben fast ausschließlich im Wasser, und kommen so gut wie nie ans Land, ausgenommen natürlich Weibchen welche ihre Eier ablegen. Schnappschildkröten dagegen kommen durchaus häufiger ans Land und entfernen sich auch weit von Gewässern, und sie können erstaunlich schnell laufen und sogar kleine Sprünge machen. Sogar Maschendrahtzäune können sie erklettern.

Schnappschildkröten im Nymphaea Tierpark, Esslingen (6)

 

Einzelne Exemplare der Schnappschildkröten werden wirklich riesig. Die bisherigen Photos zeigen leider kaum einen Größenvergleich, zudem war keines der Exemplare übermäßig groß, und wahrscheinlich maximal im Gewichtsbereich von 10 bis maximal 15 kg. Mein Freund Cameron McCormick entdeckte in der Sammlung des Environmental Education Center der Audubon Society of Rhode Island einen Schnappschildkrötenschädel von fast 15 cm Länge.

Schnappschildkrötenschädel (Photo Cameron McCormick)

 

Anhand von Vergleichsdaten von Schnappschildkröten mit bekannter Schädel-und Panzerlänge aus der Literatur hat Cameron die Panzerlänge (wohlgemerkt die tatsächliche und nicht über den gewölbten Panzer gemessene Länge) des Exemplars auf etwa 48 cm hochgerechnet.

Cameron entdeckte in einem Teich in Maine ein lebendes Exemplar das vermutlich noch größer sein dürfte. Es gelang ihm mehrere Photos zu machen, unter anderem eines das eine vernünftige Größenschätzung möglich macht:

Riesenschnappschildkröte (Photo Cameron McCormick)

Der Vergleich mit Camerons Hand auf dem Panzer zeigt ebenfalls dass dieses Exemplar wirklich gigantisch für eine Schnappschildkröte ist:

Riesenschnappschildkröte (Photo Cameron McCormick)

Dieses Exemplar ist weitaus größer als alle Schnappschildkröten welche ich im Esslinger Zoo gesehen habe, und es ist durchaus möglich dass ihre Panzerlänger sogar mehr 50 cm beträgt. Bei dieser Größe kann eine Schnappschildkröte durchaus gut über 30 kg wiegen.

Dennoch ist es vollkommen übertrieben aufgrund der bloßen Vermutung einer Schnapp-oder Geierschildkröte in einem Gewässer einen solchen Aufwand zu betreiben wie es in Kaufbeuren der Fall gewesen ist. Es macht ziemlich wenig Sinn wenn eine Gruppe von lärmenden Leuten mit Harken in der Hand der Uferbereich nach einer Schildkröte durchsucht. Geierschildkröten halten sich dort normalerweise ohnehin nicht auf, und Schnappschildkröten würden, ähnlich wie andere Wasserschildkröten auch, schnell ins Wasser flüchten wenn sie sich gestört fühlen würden. Schildkröten in freier Natur sind teilweise extrem scheu, und flüchten bereits ins Wasser wenn man noch 20 bis 30 Meter von ihnen entfernt ist. Den ganzen Badesee abzulassen ist ebenfalls geradezu absurd, vor allem wenn man bedenkt was für ein Schaden an den dort lebenden Wassertieren dabei angerichtet wird. Ob eine solche Schildkröte im matschigen Grund eines abgelassenen Gewässers besser zu finden ist, bleibt ohne fraglich. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet werden Schnappschildkröten und leider auch die teilweise schon stark bedrohten Geierschildkröten immer noch gefangen um sie zu essen. Eine der am häufigsten benutzten Methoden diese zu fangen, besteht in der Verwendung beköderter Reusen. Da diese Schildkröten gerne Aas fressen, ist dies eine sehr gute und auch einfache Methode sie zu fangen. Warum man sich in Kaufbeuren nicht darauf beschränkt hat, ist mir ein Rätsel.

Man muss sich ohnehin fragen ob man diese – nur durch ihre vermeintlichen Bissspuren vermutete Schildkröte – überhaupt ein Grund ist einen See zu sperren. In den USA leben diese Tiere in tausenden Gewässern in denen auch Menschen baden, und es gibt keinen (!) dokumentieren Fall in dem ein Schwimmer von einer Geierschildkröte verletzt worden wäre. Die wenigen Fälle in denen Menschen tatsächlich gebissen wurden, ereigneten sich üblicherweise wenn sie außerhalb des Wassers in die Hand genommen wurden, und sich die Schildkröten berechtigterweise verteidigten. Hier sei noch eines angemerkt: Man sieht häufig auf Bildern wie Schnapp-und Geierschildkröten am Schwanz hochgehoben werden. Das sollte aber unbedingt vermieden werden, da sich die Tiere dabei ernsthaft verletzten können. Es kann zu schweren Verletzungen des Schwanzes oder sogar zu Einrissen der im Schwanzwurzelbereich gelegenen Kloake führen, was für die Schildkröten nicht nur äußerst schmerzhaft, sondern unter Umständen sogar lebensbedrohend werden kann.

Abschließend noch ein Photo einer winzigen Babyschnappschildkröte mit einer Panzerlänge von damals gerade nur 3,5 cm, welche Cameron in einem Haufen Tang am Strand gefunden hat (was ein eher ungewöhnlicher Fundort dieser eher im Süßwasser lebenden Art ist):

Baby-Schnappschildkröte (Photo Cameron McCormick)

 

 

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Naturerkundung auf Kreta Teil 1: Auf der Halbinsel Rodopou

Unter anderem um dem mehr als nur bescheidenem deutschen Frühjahrswetter zu entkommen, habe ich vor kurzem zwei Wochen Urlaub auf Kreta verbracht. Abgesehen von dem dringenden Bedürfnis einmal wieder etwas Sonnenschein abzubekommen und das Meer zu sehen, wollte ich vor allem die Natur auf Kreta erkunden. Trotz der Tatsache dass diese Insel zum Großteil vom Tourismus lebt, gibt es dennoch noch teilweise erstaunlich große kaum besiedelte Regionen, und wirklich spektakuläre Landschaften. Aufgrund der Tatsache dass Kreta als südlichste Insel Griechenlands auch am stärksten geographisch isoliert ist, finden sich dort bei weitem nicht so viele Arten wie auf dem griechischen Festland, sowie den ihm näher gelegenen Inseln. Dafür finden sich einige Endemiten, sowie vor allem insbesondere in der Vogelwelt einige ansonsten überaus seltene Arten in noch vergleichsweise hoher Zahl.

Auf der Halbinsel Rodopou

Da der Urlaub praktisch ausschließlich zum Wandern geplant war, habe ich mir einen Region im Westen der Insel gesucht, da es gerade dort eine große Anzahl von sehr schönen Regionen gibt, welche man mit einem in der Regel vergleichsweise geringen Aufwand erreichen kann. Letztendlich habe ich es in den zwei Wochen auch geschafft, den Großteil der Orte zu besuchen, die ich mir vorgenommen hatte. Zwar habe ich nicht alle Tiere gesehen die ich gehofft hatte zu entdecken, aber dennoch war der Urlaub eine außerordentlich interessante Erfahrung. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die große Anzahl unterschiedlicher Landschaften auf einem vergleichsweise geringen Raum, beispielsweise auf der Halbinsel Rodopou, welche sich direkt westlich des kleinen Ortes Kolimvari etwa 18 km nach Norden erstreckt. Abgesehen von ein paar kleinen Bergdörfern, welche aber ohnehin im südlichen Teil gelegen sind, ist die Halbinsel praktisch unbesiedelt, und bietet weite Landschaften, die praktisch völlig menschenleer sind. Da ich diese Halbinsel vom Hotel aus zu Fuß erreichen konnte, war sie mehrfach Ziel meiner Ausflüge, wenngleich ich einige Zeit benötigte, um trotz Satelitenkarten die richtigen Wege zu finden.
Dabei sind es nicht nur die Naturlandschaften, sondern auch die Kulturlandschaften wie etwa die zahllosen Olivenhaine, in denen man immer wieder interessante Entdeckungen machen kann. So habe ich beispielsweise gleich am zweiten Tag direkt am Ortsrand auf einigen Telefon-oder Stromleitungen ein paar Bienenfresser (Merops apiaster) entdeckt. Das war auch insofern erstaunlich, als dass ich während der restlichen Zeit nur noch ein einziges Mal einen weiteren Bienenfresser gesehen habe. Leider sieht man auf den Photos trotz maximalen Zooms der Kamera aufgrund der Entfernung nicht allzu viel, daher musste ich das Bild entsprechend stark zuschneiden:

Bienenfresser

Die außerordentliche Farbenpracht der Bienenfresser kommt darauf auch kaum zur Geltung. Diese eigentlich eher in wärmeren Gebieten lebenden Vögel kommen übrigens auch in einigen wenigen Regionen Deutschlands vor, etwa am Kaiserstuhl. Ich habe auch einige andere, wenngleich auch nicht so spektakulär gefärbte Vögel gesehen, beispielsweise Neuntöter, doch aufgrund ihrer geringen Körpergröße und den üblicherweise großen Entfernungen sind sie auf den Bildern in aller Regel nicht gut zu erkennen.

Die ersten Kilometer führte mich mein ziemlich steiliger Weg vor allem durch verschlungene Olivenhaine, und bereits von dort aus konnte man das wunderschöne Panorama mit den noch auf den Gipfeln mit Schnee bedeckten Bergen im Inselinneren bewundern.

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An vielen klimatisch geeigneten Stellen Kretas findet man Agaven, teilweise von erheblicher Größe. Ursprünglich waren diese aber nicht im Mittelmeerraum beheimatet, sondern wurden aus Südamerika eingeführt.

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Die Olivenbäume stehen in der Regel in dichten, beinahe Wald-ähnlichen Hainen, doch teilweise auch deutlich weiter voneinander entfernt, was natürlich wiederum Lebensraum für Tier-und Pflanzenarten schafft, welche mehr Sonne bevorzugen.

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Erfreulicherweise sind die Olivenhaine auch keine reinen Monokulturen, und man sieht auch immer wieder andere Bäume un Sträucher dazwischen wachsen. Einige dieser Olivenbäume sind offensichtlich bereits uralt, und vielfach innen vollkommen ausgehöhlt, und mit enormen Durchmessern, wie etwa dieser Stamm, der etwa zwei Meter breit war.

Olivenbaum

Insgesamt habe ich nur recht wenige Tiere auf Rodopou gesehen, gelegentlich Mauereidechsen, einmal in einem der Olivenhaine ein Paar adulter Riesensmaragdeidechsen sowie ein paar Jungtiere. Trotz gründlicher Suche konnte ich nur sehr wenige Insekten ausmachen. Gelegentlich sah man Schmetterlinge, etwa die großen Schwalbenschwänze (Papilio machaon), und immer einmal wieder entdeckte ich eine der großen Ägyptischen Wanderheuschrecken (Anacridium aegyptium):

Anacridium aegyptium

Im Vergleich zum griechischen Festeland, wo man eine ganze Heerschaar von Reptilien findet, ist Kreta sehr artenarm, unter den Echsen findet man beispielsweise lediglich die Kretische Mauereidechse (Podarcis cretensis), welche inzwischen auch nicht mehr als Unterart der weit im Mittelmeerraum verbreiteten Kykladen-Mauereidchse gilt, die Riesensmaragdeidechse (Lacerta trilineata), den Gefleckten Walzenskink (Chalcides ocellatus) sowie drei Arten von Geckos, den Europäischen Halbfinger (Hemidactylus turcicus), den Mauergecko (Tarentola mauritanica) und den Ägaischen Nacktfinger. (Mediodactylus kotschyi) – (s)sp. bartoni. Von den anscheinend eher lokal verbreiteten Geckos konnte ich allerdings in zwei Wochen keine einzige Art entdecken. Der Mauergecko scheint ohnehin nicht ursprünglich auf Kreta heimisch gewesen zu sein, sondern ist wahrscheinlich erst mit Schiffen dorthin gelangt.

Dafür sah ich aber immerhin einige Kretische Mauereidechsen, allerdings nicht so viele, wie teilweise in anderen Gegenden der Insel. Es ist wirklich überraschend, wie variabel sie in ihrer Färbung sind.

Podarcis cretensis (1)

Podarcis cretensis (2)

Podarcis cretensis (3)

 

Podarcis cretensis

Dieses Exemplar war gerade dabei sich zu häuten, und man sieht wie die Haut etwa in der Mitte des Bauchs umgestülpt ist. Eidechsen häuten sich üblicherweise nicht wie Schlangen am Stück, sondern verlieren ihre alte Haut fetzenweise.

 

Podarcis cretensis (4)

 

Die erste Riesensmaragdeidechse die ich photographieren konnte, allerdings handelte es sich noch um ein Jungtier, weshalb die namensgebende Farbe noch nicht so stark ausgeprägt war wie bei erwachsenen Exemplaren. Man kann sie auf den ersten Blick leicht mit den Mauereidechsen verwechseln, was mir auch teilweise passiert ist. Allerdings kann man auch auf bräunlicher Grundfärbung gut die drei hellen Streifen (der Name Lacerte trilineata passt wirklich gut!) sehen, selbst wenn das zuweilen erst der Fall ist, wenn man sich später in Ruhe das Photo ansehen kann.

Junge Riesensmaragdeidechse,

Auf Rodopou sah ich auch zwei Walzenskinke, allerdings jedes mal nur für wenige Augenblicke, so dass ich leider keine Photos machen konnten. Beides mal war es in sehr trockenen und steinigen Gelände. Leider sollten es auch die einzigen Skinke gewesen sein, welche ich in den zwei Wochen auf der Insel sah. Ich kenne mich mit Blumen nicht allzu gut aus, daher kann ich leider nicht sagen um was für eine Art es sich hier handelt, doch ich vermute dass es eine Orchidee ist:

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Trotz hochauflösender Satelitenkarten kann das Finden der richtigen Wege zuweilen – gelinde gesagt – schwierig sein. Darum kann es oft hilfreich sein, sich gut sichtbare Wegmarken zu suchen, wie etwa dieser über die Olivenbäume ragende abgestorbene Baum, der weithin sichtbar gewesen ist.

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Der Südteil ist an der Basis der Halbinsel noch größtenteils von Olivenbäumen bewachsen ist, doch je weiter nach Norden es geht, umso karger und felsiger wird die Vegetation. Hier sieht man eine große Höhle, in der Kolkraben ihr Nest hatten:

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Einheimische Säugetiere gibt es aufgrund der isolierten Lage Kretas nur sehr wenige, umso erfreuter war ich darum, am hellichten Tag ein Mauswiesel (Mustela nivalis) vor mir auf dem Weg zu entdecken:

Mauswiesel

Im Mittelteil von Rodopou findet sich zwar bereits viel nacktes Gestein, doch auch noch zumindest an manchen Stellen viele Stäucher, Büsche, und teilweise auch noch Bäume und üppig bewachsenen Boden.

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Doch je weiter man nach Süden kommt, umso trockener und karger wird die Landschaft, bis es nur noch vereinzelte Büsche und kaum noch Bäume gibt. Über diesen Berghängen konnte ich auch fünf oder sechs Gänsegeier beobachten.

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Etwa in der Mitte der Halbinsel erstreckt sich eine talähnliche Ebene, welche an den Seiten von Bergen flankiert ist.

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An einigen Stellen konnte sich allem Anschein nach mehr Wasser halten, was sich dann auch in einer deutlich frischeren Vegetation an diesen Orten zeigte.

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Das nördlichste Drittel von Rodopou ist extrem karg, es gibt keinerlei Bäume mehr, es ist ausgesprochen trocken und die Landschaft wird von teilweise äußerst bizarren Steinformationen geprägt.

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Für einen Geologie-Interessierten wäre diese Gegend sicherlich ausgesprochen interessant, da hier zahlreiche unterschiedliche Gesteinsformationen und -arten zu finden sind, und auch die Pflanzenwelt ist wirklich sehenswert. Tiere findet man hier allerdings kaum noch, außer höchstens ein paar wenigen Insekten, Eidechsen oder Vögeln, sowie den praktisch überall zu findenden herumstreifenden Ziegen und Schafen.

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Was mich wirklich besonders beeindruckt und fasziniert hat, ist die enorme Weite in der Mitte der Halb, auf der sich außer einem staubigen Weg praktisch kein Anzeichen menschlicher Anwesenheit findet, und man vielle Kilometer laufen kann, ohne auch nur einer einzigen Person zu begegnen.

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Teilweise haben Schäfer an manchen Stellen Gruben gegraben, um dort das Regenwasser aufzufangen, allerdings konnte ich nur in einer einzigen Grube auch tatsächlich Wasser finden. Außer einigen Libellen beherberge dieses Wasserloch auch zahllose Kaulquappen, was durchaus sehr erstaunlich ist, da es auf Kilometer im Umkreis praktisch kein Oberflächenwasser gibt.

DSC07210 Zugegeben, Schwalben gibt es auch bei uns, aber diese saß so photogen auf einer Leitung nahe dem südlichen Ansatz von Rodopou, und war einer der wenigen Wildvögel die ich gut photographieren konnte, daher habe ich sie hier stellvertretend für die anderen Vögel von denen ich gar keine, oder nur schlechte Bilder machen konnte, auch noch aufgeführt.

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Ich bin insgesamt drei mal auf Rodopou gewandert, allerdings nur ein einziges Mal bis nahe an die Nordspitze, wobei diese sich über neun Stunden und etwa 46 km ziehende Tour wirklich eine der schönsten und interessantesten während des ganzen Urlaubs gewesen ist. Allgemein kann ich nun auch aus eigener Erfahrung raten, bei solchen Wanderungen auf einige Dinge zu achten, wie es ja auch immer wieder in Reiseführer geschrieben wird. Zum einen sollte man gute Schuhe anhaben, da das Gelände oft steil und steinig ist. Ganz wichtig ist es auch, genügend Wasser mit sich zu führen, und ich meine wirklich genügend. Wenn absehbar ist, dass man bald etwa die Hälfte des Vorrats verbraucht hat, sollte man im Zweifelsfall lieber umkehren, damit man auch genügend für den Rückweg hat. Ich habe in der Regel drei Liter Wasser dabei gehabt, aber gerade bei der 46 km-Tour, bei der es die meiste Zeit an die 30°C hatte, war dies eigentlich immer noch zu wenig. Ebenfalls essentiell wichtig ist Sonnenschutz, man sollte daher unbedingt eine gute Sonnencreme mit sich führen, und auch an den exponiertesten Stellen im Zweifelsfall immer mal wieder nachcremen, auch ist es absolut angeraten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Dabei sind vor allem solche praktisch, die auch den Nacken zumindest teilweise auch vor Sonne schützen. Ein anderes Utensil, das sich immer wieder als hilfreich erwiesen hat, ist ein Kompass. Gerade in den Olivenhainen mit den vielen gewundenen Pfaden, kann man leicht einmal die Orientierung verlieren, und da es selbst mit Hilfe von Satelitenkarten geradezu katastrophal schwierig sein kann die richtigen Wege zu finden (viel Wege haben die unangenehme Eigenschaft sich einfach irgendwann im Gebüsch zu verlieren), ist es manchmal am besten, sich einfach nach den Himmelsrichtungen zu orientieren. Ein großes Problem besteht darin, dass selbst Wege die laut Satelitenkarten eigentlich gut erkennbar sein müssten, teilweise entweder anders verlaufen als angegeben, oder kaum oder gar nicht als Wege erkennbar sind. Ich habe mich einige Male arg verlaufen, und habe zahlreiche Sackgassen “erkundet”. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass es wirklich sehr hilfreich sein kann, wenn man sich die Arbeit macht, selbst eine hochauflösende Karte von Satelitenbilden zusammen zu stellen, etwa über Google Maps, die man sich dann beispielsweise einfach auf ein Smartphone übertragen kann.

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Fossile Riesenfische Teil 3: Der Riesenquastenflosser Mawsonia

Quastenflosser sind definitiv unter den bekanntesten “Urfischen” überhaupt,  was nicht nur an ihrer ungewöhnlichen Anatomie, sondern auch an ihrer Stellung innerhalb der Entwicklung der Landwirbeltiere liegt (deren direkte Vorfahren sie im Übrigen nicht sind). Hinzu kommt natürlich der Umstand dass man sie einstmals für komplett ausgestorben hielt, und dann eine überlebende Art 1938 vor den Komoren wiederentdeckt wurde, sowie 1997 eine weitere Art vor Sulawesi. Dass die Quastenflosser aber früher eine recht formenreiche Gruppe waren, unter der sich eine Reihe von sehr ungewöhnlichen, und teilweise auch extrem großen Arten befanden, ist beinahe unbekannt.

Das ist umso bedauerlicher in Anbetracht der Tatsache, dass die Quastenflosser ein paar der größten Knochenfische der Erdgeschichte hervorgebracht haben. Bereits die modernen Quastenflosser sind relativ groß, der Komoren-Quastenflosser kann bis knapp 2 m lang werden (was jedoch extrem selten ist), vom weniger erforschten Mandao-Quastenflosser weiß man dass er immerhin bis mindestens 1,4 m lang wird. Doch einige der ausgestorbenen Riesenquastenflosser wären groß genug gewesen um selbst einen so großen Fisch am Stück zu verschlingen.

Es gab mehrere Gattungen von großen bis riesigen Quastenflossern, von denen  Mawsonia gigas am größten wurde. Im Gegensatz zu den modernen Quastenflossern lebte Mawsonia in Süßwasser und teilweise auch Brackwasser, was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt wie riesig diese Fische werden konnten. Man hat von Mawsinia einige überaus gut erhaltene Fossilien gefunden, sowohl komplett erhaltene Schädel, wie auch ganze Skelette, so dass man eine sehr gute Vortstellung davon hat, wie dieses Tiere ursprünglich ausgesehen haben. Die besterhaltensten Fossilien stammen aus Brazilien, wo auch das Fragment des größten bisher bekannt gewordenen Exemplares gefunden wurden. Dieses hatte eine vermutete Gesamtlänge von etwa 6,3 m, womit es nahe an der nachgewiesenen Maximalgröße des Weißen Haies heranreichte. Das größte von Fossilien bekannte Exemplar aus Ägypten maß immerhin etwa 4,5 m. Die Mawsoniidae kamen von der Mitteltrias bis zur Oberkreide vor, und man hat ihre Überreste sowohl in Nord-und Südamerika, als auch in Nord-und Westafrika gefunden. Da diese Quastenflosser keine Meeresbewohner waren, müssen die süd-und nordamerikanischenPopulationen nach der Entstehung des Südatlantiks voneinander getrennt gewesen sein.

Hier eine wunderbare Lebendrekonstruktion, welche das größte Exemplar von Mawsonia libyca aus Ägypten sowie das 6,3 m lange Exemplar von Mawsonia gigas aus Brasilien zeigt, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Joschua Knüppe.

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Eine besonders schöne Darstellung von Mawsonia libyca im natürlichen Lebensraum zusammen mit Retodus tuberculatus, ebenfalls von Joschua Knüppe, wobei mir der Spinosaurus-Schädel als dekoratives Element ganz besonder gut gefällt. Das ganze ist so dargestellt, als würden sie sich in einem Großaquarium befinden, darum auch die menschlichen Silhouetten im Vordergrund, was ebenfalls sehr anschaulich die Größe dieser Fische verdeutlicht:

Mawsinia und Retodus tuberculatus von Joschua Knüppe

Hier sind noch ein paar phantastische Photos einer Skelettrekonstruktion von Mawsonia die mein Freund Hirokazu Tokugawa im Naturhistorischen Museum in Gunma, Japan aufgenommen hat.

Mawsonia

Detailansicht des Schädels:

Mawsonia

Der Schädel allein war bei diesem Exemplar bereits beinahe einen Meter lang. Entsprechend große Beutetiere dürften auch in ihr Maul gepasst haben:

Mawsonia frontal

Hier noch Photo eines anderen Mawsonia-Schädels (von Wikipedia):

Mawsonia-Schädel

Mawsonia war im Übrigen nicht einfach eine Riesenversion des “klassischen” Quastenflossers, sondern unterschied sich in einer Reihe von Merkmalen von den heutigen Arten. Vor allem die Proportionen des Kopfes sind unterschiedlich, denn er war bei Mawsonia langezogener und nach vorne hin abgeflachter, wie man auch bei diesem komplett erhaltenen Fossil der mit Mawsonia verwandten Art Axelrodichthys araripensis besonders gut sehen kann  (von Wikipedia):

Axelrodichthys araripensis

Hier ist zum Vergleich noch einmal ein moderner Quastenflosser (Latimeria chalumnae) aus dem Zoologischen Museum in Kopenhagen. Man sieht wie sich die Proportionen im Vergleich zu Mawsonia unterscheiden, vor allem im Kopfbereich. Die kleine “Flössel” am Schwanzende fehlt bei diesem Exemplar übrigens.

Quastenflosser im Zoologischen Museum Kopenhagen

 

Das ist nun vorerst der letzte Teil in der Reihe über riesige fossile Fische. Sie soll irgendwann einmal weiter geführt werden, doch zuerst möchte ich mit einer anderen Reihe fortfahren.

Quellen:

MARISE S. S. DE CARVALHO1 & JOHN G. MAISEY2

New occurrence of Mawsonia (Sarcopterygii: Actinistia) from theCretaceous of the Sanfranciscana Basin, Minas Gerais, southeastern Brazil

 

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Fossile Riesenfische Teil 2: Riesenlungenfische

Im letzten Beitrag über den Riesenflösselhecht Bawitius wurde bereits vielfach eine andere Unterklasse der Fische erwähnt, die Lungenfische. Es gibt drei rezente Arten von Lungenfischen, welche drei verschiedenen Familien angehören. Die meisten Arten, nämlich insgesamt vier der Familie Protopteridae, kommen auf dem afrikanischen Kontinent vor, mit Lepidosiren paradoxa eine in Südamerika, und eine weitere in Australien, der Australische Lungenfisch Neoceratodus forsteri. In vieler Hinsicht ist der Australische Lungenfisch der ursprünglichste unter ihnen, und ähnelt noch am stärksten den ältesten Formen, aus deren Verwandtschaftskreis auch die Landwirbeltiere hervorgingen. Lungenfische können teilweise recht groß werden, der Äthiopische oder Marmorierte Lungenfisch (Protopterus aethiopicus) soll  bis zu zwei Meter lang werden, wobei die größten Exemplare von denen ich Photos finden konnte, eher im Bereich von etwa 1,5 m lagen. Der deutlich stämmiger gebaute Australische Lungenfisch erreicht ausnahmsweise Längen von etwa 1,5 m, und bis zu etwa 43 kg, bleibt aber meistens kleiner. Wie so oft kursieren sehr obskure (und falsche) Angaben über Längen und Gewichte, wie etwa eine Maximallänge von 1,75 m bei 10 kg Gewicht bei der deutschen Wikipedia-Seite. Wie ein so kompakter Fisch bei der Länge eines erwachsenen Menschen nur 10 kg wiegen soll, hat sich allem Anschein nach niemand gefragt. Ich habe daher einmal nach einem besseren Vergleich gesucht, und die durchschnittlichen Maße von Australischen Lungenfischen im Burnett-Fluss herangezogen, welche bei 906 ± 199 mm Länge und 7573 ± 4563 g Gewicht lagen (Brooks & Kind 2002).

Aber einmal unabhängig von der tatsächlichen Maximalgröße lebender Lungenfische, erscheinen doch selbst diese recht groß werdenden Fische wie Zwerge, wenn man sie mit ihren fossilen Verwandten vergleicht. Im gleichen Ökosystem in dem einst auch Bawitius vorkam, lebten auch gigantische Lungenfische der Art Retodus tuberculatus. Diese erreichten Längen von etwa 3,5 m, also in etwa so viel wie ein größeres modernes Krokodil. Allerdings lebten in eben jenem Gebiet noch ein erheblich größeres Krokodil, nämlich Sarcosuchus imperator, sowie Spinosaurus, weshalb man stark davon ausgehen kann, dass selbst dieser Riesenfisch zur Beute von noch größeren Raubtieren gehörte. Dabei sind Lungenfische selbst Räuber, die sich von Fischen, Amphibien, Würmern, Insektenlarven sowie hartschaligen Weichtieren wie Krebstieren, Muscheln und Schnecken ernähren. Teilweise werden auch Pflanzen gefressen, allerdings scheinen diese zumindest teilweise unbeabsichtigt beim Verschlingen von Beutetieren mitgefressen zu werden. Höchstwahrscheinlich wird die Nahrung der Riesenlungenfische eher auf größere Beutetiere ausgerichtet gewesen sein, und vor allem die riesigen massiven Zahnplatten (auf welche weiter unten noch mal genauer eingegangen wird), deuten auf eine gewissen Spezialisierung auf hartschalige Nahrung hin. Aber welche hartschalige Beute wird wohl ein dreieinhalb Meter großer Lungenfisch gefressen haben? Höchstwahrscheinlich nicht nur kleine Muscheln, Schnecken oder Krebstiere. Vermutlich standen dafür Schildkröten häufiger auf dem Speiseplan, und besonders kleinere Exemplare dürften für die Kiefer kein Problem dargestellt haben. Wasserschildkröten können in aquatischen Ökosystemen teilweise erstaunlich große Biomassen bilden, weshalb es auch nicht allzu abwegig erscheint, dass sie einen wichtigen Nahrungsbestandteil gewisser großer Räuber ausmachen können. Auch unter manchen Arten von modernen Crocodiliern spielen zumindest lokal Schildkröten eine wichtige Rolle bei der Ernährung. In Anbetracht der Tatsache dass Lungfische allgemein recht aggressive Räuber sind, kann man auch gut davon ausgehen, dass sie auch alle möglichen anderen Wirbeltiere in ihren Speiseplan aufnahmen wenn sich die Gelegenheit bot, seien es im Wasser schwimmenden Reptilien, Vögel oder sogar kleine Dinosaurier.

Hier eine sehr schöne Darstellung von Retodus tuberculatus von Joschua Knüppe:

Retodus tuberculatus 3,5 m

Ein Lungenfisch von dreineinhalb Meter ist schon ziemlich riesig, aber es gab sogar noch größere. Erst kürzlich, nämlich im Jahr 2011, wurde ein riesiger Ceratodus-Zahn aus Nebraska beschrieben. Dieser Unterkieferzahn war 117 mm lang, und damit 17 mm länger als der größte Retodus tuberculatus-Zahn aus Afrika. Ich habe Joschus Darstellung noch einmal etwas abgewandelt und leicht vergrößert, um auch eine Darstellung dieser Art zu zeigen:

Ceratodus sp. 4 m, Nebraska

Von diesem Riesenlungenfisch kennt man leider nicht mehr als eine der riesigen Zahnplatten, daher ist natürlich nicht völlig sicher wie sie tatsächlich zu Lebzeiten ausgesehen haben. Allerdings sind die Zahnplatten denen moderner Australischer Lungenfische extrem ähnlich, welche zudem in ihrer Körperform anderen besser bekannten archaischen Arten immer noch so ähnlich sind, dass es sicher nicht zu weit gegriffen ist, sie als direkte Referenz zu verwenden. Wie extrem groß diese Riesenlungenfische wie Retodus tuberculatus und die noch größere Art aus Nordamerika waren, zeigt sich auch wenn man ihr Gewicht betrachtet. Ausgehend von den zu Anfang erwähnten Durchschnittsgewichten moderner Australischer Lungenfische komme ich für ersteren auf ein Gewicht von etwa 437 kg, was weitaus schwerer als fast alle heutigen Süßwasserfische ist, und lediglich noch von einigen anadromen Stören übertroffen wird, die aber einen großen Teil ihres Lebens im Meer verbringen. Für den Riesenlungenfisch aus Nebraska komme ich bei 4 m Länge sogar auf ein Gewicht von 652 kg. Das ist mehr als viermal so schwer wie die größten dokumentierten Europäische Welse, etwa dreimal so viel wie die schwersten südamerikanischen Piraibas und mehr als doppel so schwer wie die größten Mekong-Riesenwelse. Da bisher nur so extrem wenig Fossilien bekannt sind, muss man natürlich auch davon ausgehen dass einzelne Exemplare der Riesenlungenfische auch noch größer geworden sind. Dabei ist es schon erstaunlich, dass ein Süßwasser-Ökosystem die Entwicklung dermaßen gewaltiger Fische ermöglichte. Heutzutage schaffen es lediglich noch Krokodile in einer ähnlichen ökologischen Nische so groß zu werden.

Hier ist zum Vergleich noch einmal ein Photo von einem modernen Australischen Lungenfisch (von Wikipedia):

Australischer Lungenfisch

Die Körperform erinnert sehr stark an einen im Wasser lebenden Schwanzlurch wie einen Axolotl oder eine Molchlarve, und ganz ähnlich wie diese bewegen sie sich unterwasser. Im Gegensatz zu den anderen Lungenfisch sind Australische Lungenfische nichrt in der Lage im Schlamm einen Schleimkokon zu bilden, in dem sie in Trockenstarre “übersommern” können. Sie sind in Trockenzeiten zwar in der Lage in extrem sauerstoffarmen Wasserlöchern atmosphärische Luft zu atmen, aber wenn das letzte Wasser verschwindet, gehen auch sie zugrunde.

Fossilien von sehr großen Lungenfischen kennt man übrigens auch aus Europa. Hier sieht man beispielsweise ein Schädelfragment von Ptychoceratodus im Urweltmuseum Waldenburg. Ich habe als Größenvergleich meine Hand mitphotographiert, wobei diese neben dem Fossil aufgrund der Glasscheibe allerdings proportional etwas größer dargestellt ist, als sie es tatsächlich gewesen ist.

Ptychoceratodus war nun nicht unbedingt ein echter Gigant, aber zumindest für einen Süßwasserfisch recht groß. Auf dem nächsten Photo sieht man noch einmal die paarigen Zahnplatten von Ptychoceratodus, welche denen von Australischen Lungenfischen sowie den vorgestellten Riesenformen aus Ägypten und Nebraska sehr ähnlich sehen:

 

Quellen:

Shimada and Kirkland (2011). A Mysterious King-Sized Mesozoic Lungfish from North America. Transactions of the Kansas Academy of Science, 114(2):135-141. 2011. Published By: Kansas Academy of Science

Brooks, S.G. & P.K. Kind (2002). Ecology and demography of the Queensland lungfish (Neoceratodus forsteri) in the Burnett River, Queensland with reference to the impacts of Walla Weir and future water infrastructure development. Queensland Department of Primary Industries. Queensland, Queensland Agency for Food and Fibre Service

 

 

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Fossile Riesenfische Teil 1: Der Riesenflösselhecht Bawitius

Die letzten Beiträge haben ja praktisch ausnahmslos von Meeressäugern gehandelt, und um etwas Abwechslung in den Blog zu bringen, gibt es nun eine neue Reihe. Diese soll sich um einige – leider völlig zu Unrecht – beinahe unbekannte fossile Riesenfische drehen. Aus irgendeinem Grund bekommen fossile Fische so gut wie keine Aufmerktsamkeit, abgesehen von ein paar ganz wenigen Arten wie Megalodon, Dunkleosteus und vielleicht noch Xiphactinus. Dabei gab es so viele spektakuläre Arten von riesigen und bizarren Fischen, die allemal mit Dinosauriern und anderen bekannteren prähistorischen Arten mithalten können.

Häufig ist es ziemlich schwierig überhaupt genügend Informationen oder auch vor allem Bildmaterial zu diesen Fischen zu bekommen, aber glücklicherweise habe ich doch noch einiges zusammengekriegt. Nicht selten findet man auch in paläontologischen Museen die partiellen Fossilien von Riesenfischen, wenngleich diese nur in den seltensten Fällen viel Aufmerksamkeit bekommen. Ein Grund mehr diesen faszinierenden Tieren etwas mehr Beachtung zu schenken, zumindest hier auf dem Blog.

Den Einstieg in die Reihe  macht eine ganz besonders obskure Art, der Riesenflösselhecht Bawitius, den man in der oberkreidezeitlichen Bahariya-Formation Ägyptens fand. Diese Art bewohnte ein Süßwasserökosystem in dem nicht nur verschiedene andere extrem große Süßwasserfische lebten, sondern auch bizarre Krokodile wie das planktivore Riesenkrokodil Stomatosuchus oder der riesige fischfressende Spinosaurus. Leider habe ich nur sehr wenige Informationen über Bawitius, aber dank Joschua Knüppe (dessen DeviantArt-Seite ich wirklich nur sehr empfehlen kann) habe ich eine sehr schöne Lebendrekonstruktion, vermutlich sogar die erste überhaupt. Vielen Dank an dieser Stelle an Joschua, der kurzfristig noch das Bild angefertigt hat.

Bawitius von Joschua Knöppe

Bawitius war ein sehr großer Fisch, wobei die bekannten Fossilien des Holotypus etwa fünfmal so groß waren, wie von modernen Flösselhechten, was darauf hindeutet dass sie deutlich über zwei Meter groß werden konnten, möglicherweise sogar bis um die drei Meter. Damit erreichte er ähnliche Ausmaße wie der Arapaima (der ja entgegen immerwieder fälschlicherweise vorgebrachten Behauptungen keine 4,5 m lang wird, sondern “nur” Rekordlängen von  etwa 3 m), und war sicherlich auch einer der wichtigsten Unterwasserräuber in seinem Lebensraum. Dennoch ist es ziemlich wahrscheinlich dass selbst ein Gigant wie Bawitius noch von anderen Räubern wie Spinosaurus und vermutlich auch großen Krokodilen wie Sarcosuchus gejagt wurde, möglicherweise war die Existenz einer diversen Fauna von extrem großen Süßwasserfischen überhaupt erst der Grund warum sich diese Apexprädatoren überhaupt entwickeln konnten. Aufgrund bestimmter Merkmale seiner Schuppen und Flossen wurde Bawitius übrigens eine eigene Gattung innerhalb der Flösselhechte verliehen.

Die Flösselhechte sind heute noch mit mehreren Arten auf dem afrikanischen Kontinent verbreitet, allerdings kommen sie mit Längen zwischen 30 cm und einem Meter nicht einmal mehr annäherungsweise an die Größe von Bawitius heran. Dennoch sind es ausgesprochen faszinierende Fische, die eine ganze Reihe höchst ungewöhnlicher und ursprünglicher Merkmale aufweisen. So können Flösselhechte ähnlich wie Lungenfische mit ihrer paarigen Lunge atmosphärische Luft atmen, und dadurch auch in stark sauerstoffarmen Wasser überleben. Ebenfalls an Lungenfische, vor allem die Australischen Lungenfische, erinnern die Brustflossen, welche fleischige muskulöse Basen aufweisen, beinahe wie kurze Stummelbeine. Ganz ähnlich wie Lungenfische benutzen sie diese auch um auf dem Gewässergrund oder zwischen Wasserpflanzen zu “laufen”. Gelegentlich bekommt man Flösselhechte im Zoohandel oder natürlich auch in Zoos zu sehen, und es ist wirklich sehr interessant sie eine Zeitlang zu beobachten. Ich kann mich nie ganz des Eindrucks verwehren, kleine Miniquastenflosser vor mir zu haben. Hier sieht man ein Photo von Polypterus endlicheri endlicheri von Wikipedia:

Polypterus endlicheri endlicheri

Auf dem nächsten Photo von Polypterus weeksii (ebenfalls von Wikipedia), kann man nicht nur sehr gut die fleischigen Ansätze der Brustflossen erkennen, sondern auch die besondere Anordnung der Schuppen. Diese laufen rautenförmig in schräger Anordnung um den Leib, ähnlich wie bei Knochenhechten. Wie diese besitzen auch Flösselhechte Ganoidschuppen, welche von einer zahnschmelzartigen Schicht überzogen sind, und eine sehr starke, aber durch die besondere Anordnung der Schuppen auch noch recht flexible Panzerung bilden. Ganoidschuppen finden sich auch bei vielen anderen fossilien Fischen, aber nur bei sehr wenigen lebenden Arten, welche allesamt sehr primitven Linien entstammen, wie etwa dem amerikanischen Schlammfisch Amia calva.

Polypterus weeksii

Man darf übrigens aufgrund der muskulösen Brustflossen nicht den Fehlschluss ziehen, diese wäre das namensgebenden Merkmal. Vielmehr sind die multiplen “Flössel” auf dem Rücken  hierfür verantwortlich, welche jeweils aus einem Hauptflossenstrahl und dessen feinen Verästelungen gebildet werden. Damit sind die Besonderheiten der Anatomie der Flösselhechte aber immer noch lange nicht erschöpft. So entspricht ihre assymetrische Schwanzflösse im Aufbau jener von anderen arachischen Fischen wie Knochenhechten, Schlammfischen und verschiedenen ausgestorbenen Linien, und nicht jener der modernen Knochenfische. Hier noch einmal ein Bild von Wikipedia, auf der man gut die ungewöhnliche Anordnung der Schwanzflossenstrahlen sowie der Rückenflössel sieht.

Sehr ungewöhnlich sind auch die äußeren Kiemen der Jungfische, welche ganz ähnlich wie die Kiemen von Molchlarven, oder auch verschiedenen neotenen Amphibienarten wie Axolotln oder Grottenolmen gebaut sind. Interessanterweise finden sich auch hier wieder Ähnlichkeiten zu Lungenfischen, denn auch diese besitzen als Larven und Jungfische gefiederte äußere Kiemen. Zur besseren Darstellung  hier noch mal ein Photo eines Jungfisches mit äußeren Kiemen (von Wikipedia):

Flösselhecht mit äußeren Kiemen

Neben den schon beschriebenen Merkmalen ähneln die Flösselhecht auch im Aufbau ihres Schädels eher primitiven Tetrapoden als modernen Knochenfischen. Man muss also keineswegs mit einem U-Boot in die Tiefen der Komoren oder vor Sulawesi tauchen um einen Quastenflosser zu sehen, wenn man einen extrem archaischen, andererseits aber auch hochspezialisierten “Urfisch” sehen möchte. Unter Umständen reicht ein Besuch im nächsten Zoogeschäft.

 

Quelle:

Bawitius, gen. nov., a Giant Polypterid (Osteichthyes, Actinopterygii) from the Upper Cretaceous Bahariya Formation of Egypt
no access

Barbara S. Grandstaff,*,1 Joshua B. Smith,2 Matthew C. Lamanna,3 Kenneth J. Lacovara,4 and Medhat Said Abdel-Ghani

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