Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Paläontologie’ Category

Bizarre Hirsche Teil 5: Procranioceras skinneri

Freitag, Oktober 2nd, 2009

So, habe endlich mal wieder Zeit gefunden etwas zu schreiben. Dieses Mal geht es um einen der wirklich merkwürdigsten Hirsche die überhaupt jemals existiert haben, Procanioceras skinneri. Zugegeben, gewisse Abstriche bezüglich des Verwandtschaftsgrades müssen hier schon gemacht werden, denn die Dromomeryciden sind bezüglich ihrer systematischen Stellung noch nicht allzu sicher eingeordnet, scheinen aber den Hirschen recht nahe gestanden zu haben, also durchaus Grung genug sie hier mal zu erwähnen. Der hier gezeigte Schädel von Procranioceras skinneri (früher Cranioceras skinneri), welcher im Naturhistorischen Museum in Berlin zu sehen ist, stammt aus dem Pliozän von Nebraska:
Prcranioceras skinneri

Was sofort auffällt, ist dass Procanioceras kein Geweih, sondern knöcherne Schädelprojektionen hatte, vergleichbar den langen Auswüchen welche bei Muntjak und vergleichbarn Kleinhirschen das eigentliche Geweih tragen, mit dem Unterschied, dass es bei Dromomeryciden kein echtes Geweih gab. Möglicherweise waren die beiden Hörner über den Augen sogar von einer echten Hornschicht überzogen. Ganz besonders bizarr ist aber zweifellos das einzelne schräg nach hinten stehende Hinterhaupthorn. Die Hörner waren übrigens bei den Weibchen ebenfalls vorhanden, allerdings nicht so groß wie bei den Männchen.

Hier noch mal eine Detailansicht des Schädels:

Prcranioceras skinneri (3)

Die auf Nordamerika beschränkten Domomeryciden traten in einer ganzen Reihe von Größenformen auf, welche in etwa den heutigen mittelgroßen bis großen Hirschen entsprechen. Der größte und jüngste von ihnen, Yumaceras, erreichte ein Gewicht von mehr als 380 kg und war damit in etwa so groß wie ein Elch.

Bizarre Hirsche Teil 4: Der gar nicht mal so außergewöhnliche Riesenhirsch Megaloceros

Mittwoch, September 23rd, 2009

Heute soll es nun um Megaloceros gehen, den sicherlich mit Abständ populärsten ausgestorbenen Hirsch überhaupt. Dass er weder der größte Hirsch aller Zeiten war, noch das proportional zur Körpergröße gewaltigste Geweih hatte, ist ja schon in den letzten zwei Blog-Posts dargelegt worden. Nichtsdestotrotz war Megaloceros ein wirklich äußerst beeindruckendes Tier. Das wird einem am ehesten dann bewußt, wenn man einmal ein Skelett oder eine Lebendrekonstruktion in voller Größe sieht. Diese wirklich wunderschöne Bronzeplastik etwa, welche zusammen mit einigen anderen lebensgroßen Bronzefiguren von lebenden und ausgestorbenen Tieren im Tierpark Berlin zu sehen ist, macht das gut deutlich, zumindest wenn man vor ihr steht:

Megaloceros Tierpark Berlin

Hier fehlt nun leider mal wieder ein passender Größenvergleich, aber wenn man bedenkt dass die Schulterhöhe von Megaloceros giganteus bei etwa 2 m gelegen ist, bekommt man eine gewisse Vorstellung von der Größe. Man muss auch dazu sagen, dass diese Bronzeplastik ein wirklich enorm lebendigen Eindruck macht, und wirklich ungemein eindrucksvoll ist. Sie zeigt auch wirklich gut die gewaltige Größe des Geweihs, für welches diese Tiere auch am bekanntesten sind. Relativ oft wird der Riesenhirsch, vor allem im Englischen, auch als “Irischer Elch” bezeichnet. Das ist natürlich eine ziemlich unglückliche Bezeichnung, welche auch eine völlig falsche Vorstellung dieser Tiere macht. Denn sie waren weder Elche, noch lebten ausschließlich in Irland. Dieser Name rührt vor allem daher, dass in Irland besonders viele und besonders gut erhaltene Reste von Riesenhirschen gefunden wurden, vor allem beim Abbau von Torf, doch das liegt weniger an einer einstmals ganz besonders reichen Population, sondern an günstigen Konservierungs-und Fundbedingungen der Fossilien.  Das tatsächliche Verbreitungsgebiet war weitaus größer und umfaßte große Teile Europas bis hin nach Sibirien, China und Nordafrika.

Megaloceros giganteus war nur eine einer ganzen Reihe ähnlicher Arten, welche teilweise recht bizarre Geweihformen hervorbrachten. Bei keiner wurde sie aber so groß wie bei Megaloderos giganteus, bei welchem das Geweih in Ausnahmefällen Spannweiten von mehr als 3,5 m erreichen konnte, bei einem Gewicht von bis zu 40 kg. Wie bereits in den früheren  Teilen der Reihe “Bizarre Hirsche” erwähnt, war dieses Geweih proportional gesehen noch nicht einmal so gewaltig, und im Verhältnis zum Körpergewicht sogar noch deutlich leichter als große Geweihe von Rentieren. Es wird teilweise behauptet, dass die Größe des Geweihs von Megaloceros in direktem Verhältnis zur Körpergröße steht, und das besonders große Hirsche besonders große Geweihe ausbilden. Das ist aber so nicht richtig. Im Verhältnis zur Körpermasse erreicht selbst das Geweih von Alaska-Elchen nur etwa die Hälfte von dem des Megaloceros, bei den europäischen Elchen ist es oft sogar noch weitaus leichter. Dass gerade die im Allgemeinen nicht besonders großen Rentiere die proportional gesehen schwersten Geweihe unter allen bekannten lebenden und ausgestorbenen Hirschen ausbilden, spricht da auch deutlich dagegen. Europäische Rothirsche können Geweihe ausbilden, welche proportional gesehen mehr als 10% schwerer sind, als jene des Megaloceros, wohingegen die Geweihe der nahe verwandten und größeren Wapitis trotz der eindrucksvollen totalen Größe relativ gesehen deutlich hinter ihren kleineren europäischen Verwandten bleiben. Nicht zuletzt variierte unter den Megaloceros-Arten selbst die Geweihgröße beträchtlich. Der japanische Sinomegaceros yabei etwa, welcher fast ebenso groß war wie Megaloceros giganteus, hatte nur etwa halb so lange Geweihstangen, welche auch nur etwa ein Drittel so viel wogen.

Eine weitere Aussage die öfter einmal vorgebracht wird, nämlich dass das Riesengeweih des Megaloceros ausschließlich zum Imponieren gebraucht wurde, und nicht zum Kämpfen, ist höchst unwahrscheinlich. Zwar besaß das Geweih einen relativ hohen Anteil spongiöser, also schwammartig aufgebauter Knochensubstanz und nur relativ dünne Compacta-Anteile an den Außenbereichen, doch war es nichtsdestotrotz sehr stabil und durchaus in der Lage den enormen Kräften standzuhalten, welche bei Kämpfen zwischen Riesenhirschbullen auftraten. Hier noch ein Photo eines der beiden Schädel welche im Berliner Humboldt-Museum ausgestellt sind:

 Megaloceros Berlin (2)

Und hier noch ein Photo des zweiten Schädels, man sieht gut die Unterschiede in der Form des Geweihs:

Megaloceros Berlin

Aufgrund der vielen Fossilien und einigen erhaltenen Höhlenmalereien sind wir recht gut über das Aussehen des Riesenhirsches informiert. Der nächste lebende Verwandte des Riesenhirsches ist ausgerechnet der nicht besonders große Damhirsch (Dama dama), welcher ein recht helles und durch Muster strukturiertes Fell hat. Höhlenzeichnungen des Riesenhirsches weisen darauf hin, dass auch dieser ein recht helles Fell hatte, mit einem dunklen Streifen auf dem Rücken, einer größeren dunklen Stelle im Bereich der Wirbelfortsätze über den Vorderbeinen und einen hellen Kehlfleck. Höhlenzeichnungen zeigen den Bereich über den Schulter besonders ausgeprägt, und es ist gut möglich, dass über den dort besonders langen Wirbelausläufern und der daran ansetzenden Muskulatur lokal etwas Fett gespeichert wurde. Ein solches lokales Fettdepot (wenngleich auch in den Ausmaßen keineswegs vergleichbar mit dem von Kamelen und Dromedaren) verhindert eine zu schnelle Überhitzung, besonders im Sommer.

Es gäbe noch weitaus mehr über den Riesenhirsch zu schreiben, etwa darüber dass er unter allen Hirschen am stärksten auf schnelles Rennen angepasst war. Doch das würde jetzt alles doch noch etwas zu weit gehen, darum noch ein paar Worte über das Aussterben dieser Tiere. Megaloceros war eines der wenigen europäischen Eiszeit-Großtiere, welches zumindest lokal noch ins Holozän überlebte. In Schottland und auf der Isle of Man hat man Fossilien von Megaloceros gefunden, welche auf etwa 9000 Jahre datiert wurden. Interessanterweise hatten die Riesenhirsche auf der Isle of Man eine geringere Körpergröße als ihre Festland-Verwandten, aber proportional gesehen sogar noch größere Geweihe. In Westsibirien fanden sich sogar Knochen des Riesenhirsches, welche gerade einmal 7600 Jahre alt waren. Das wirft natürlich wieder Fragen bezüglich der Gründe für das Aussterben aus, und warum sie wann und wo überall nun tatsächlich ausgestorben sind.

Der Riesentausendfüßer Arthropleura – der größte Landarthropode aller Zeiten

Sonntag, August 23rd, 2009

Es gibt zahllose Horrorfilme- und Geschichten in denen riesigen Insekten, Monsterspinnen oder andere Arthropoden von gigantischer Größe vorkommen. Mit der Wirklichkeit haben diese aber praktisch gar nichts gemein, denn kein einziges lebendes Insekt oder ein anderer landbewohnender Gliederfüßer erreicht wirkliche Monsterdimensionen. In früheren Zeiten war das aber noch anders, denn es hat durchaus einige terrestrische Arthopoden gegeben, welche durchaus gut in einem Horrorfilm mitspielen könnten. Es gab Riesenlibellen wie Meganeura, welche mit einer Flügelspannweite von ca. 75 cm in etwa so groß war wie ein Turmfalke. In der BBC-Doku “Die Ahnen der Saurier” mußte das ganze natürlich völlig maßlos übertrieben werden, denn obwohl die richtige Spannweite angegeben wurde, behauptet der Sprecher selbstsicher dass diese Riesenlibelle so groß gewesen sei wie ein Adler…Hier sei angemerkt, dass selbst die allerkleinsten echten Adler wie etwa der Kanninchenadler Aquila morphnoides nicht so klein sind. Ein anderer Schnitzer war die Riesenspinne, welche als Mesothelae bezeichnet wurde, und munter auf die Jagd nach frühen Landtetrapoden ging. Tatsächlich gab es aber nie so großen Spinnen. Megarachne, welche als Vorlage für die Riesenspinne diente, hat sich nämlich im Nachhinein als ein im Wasser lebender Verwandter der Seeskorpione entpuppt. Es gab noch einen weiteren Riesenarthopoden welche in der Doku vorkam, und um welchen es in diesem Blogpost auch primär gehen soll, den Riesentausendfüßer Arthropleura. Unter allen bekannten landbewohnender Gliederfüßern erreichte Arthropleura die bei weitem gewaligsten Ausmaße, welche durchaus an die größten Meeresskorpione heranreichte, wenngleich auch die Masse mit Sicherheit viel geringer war. Die größten Exemplare von Arthropleura erreichten eine Länge von etwa 2,6 m, und das ist wirklich Monstergröße.

Arthropleura

Dieses schöne Modell stammt übrigens aus dem Naturkunde-Museum Karlsruhe. Hier noch mal eine andere Ansicht:

Arthropleura (2)

In der BBC-Doku wird Arthopleura dargestellt, wie sie sich zur Verteidigung kobraartig aufrichtete. Dass sie das tatsächlich getan haben, ist bei aller Medienwirksamkeit aber sehr sehr unwahrscheinlich. Zunächst einmal gibt es keinerlei Indizien dafür, das sie überhaupt so etwas gemacht haben. Zum Anderen halte ich es für beinahe unmöglich, dass sie rein anatomisch dazu in der Lage gewesen sein sollen. Der computeranimierte Riesentausendfüßer der BBC richtet sich etwa zur halben Körperhöhe auf, so dass er L-förmig gebogen ist. Aus rein statischen Gesichtspunkten ist das schon bei so einem Tier fast unmöglich. Wer sich das mal selbst ansieht (etwa bei Youtube, da kann man die einzelnen Folgen auch anwählen), merkt schnell wie unrealistisch das aussieht.  Selbst Schlangen können nur einen relativ geringen Teil ihres Vorderkörpers nach oben recken, und das obwohl sie fast nur aus Muskeln bestehen und über eine Wirbelsäule als Stütze verfügen, und keine völlig überdimensionierten Extremformen von Exoskelett-tragenden Wirbellosen sind. Irgendwie finde ich es schon ziemlich traurig, dass man zugunsten der Medienwirksamkeit immer solche Effekthascherei verwenden muss, zumal vielen Zuschauern vermittelt wird, dass es sich dabei um Tatsachen, und nicht nur reine Spekulationen handelt. Auch bei den anderen Dokumentationen dieser Art haben sich ja einige grobe Schnitzer ereignet, und auch die Rekonstruktionen sind leider teilweise nicht unbedingt wirklichkeitsnah. Nichtsdestotrotz sind diese Serien wirklich toll, zumal sich dabei oftmals ziemlich unbekannten Tieren gewidmet wird.

Arthropleura (3)

Arthropleura ist übrigens auch in Deutschland dokumentiert worden, etwa durch dieses Fossil der “nur” etwa einen Meter langen Art Arthropleura armata, welche im Saarland gefunden wurde, und ebenfalls in Karlsruhe ausgestellt ist:

Arthropleura armata Saarland

Man kennt aber auch Fossilien der deutlich größeren Formen von Arthropleura aus Deutschland. Ich denke ein Hauptgrund dafür, dass diese Tiere derartig riesig werden konnten, liegt in ihrem Körperbau. Die Anatomie der Arthropoden mit aus Chitin aufgebautem Exoskelett erlaubt nur einge gewisse Belastung. Daher hätten Rieseninsekten von den Ausmaßen Arthropleuras schon allein aufgrund der zierlichen Gliedmaßen enorme Probleme, da das ganze Gewicht auf nur sechs Beine verteilt würde. Bei Tausend-und Hundertfüßern sieht die Sache aber ganz anders aus. Dadurch dass das Körpergewicht auf mehrere Dutzend Beine verteilt wird, spielt das Gesamtgewicht nur noch eine untergeordnete Rolle, solange die Belastung jedes einzelnen Beinpaares nur nicht zu hoch wird. Nach dem gleichen Prinzip könnte man auch ein Auto auf eine Platte stellen, die nur von Streichhölzern gestützt wird, solange es derer nur genug sind. Interessanterweise kennt man sogar eine Reihe versteinerter Fußspuren dieser Tiere. Ich finde es auch dahingehend etwas seltsam, dass heute keine auch nur annährend so großen Hundert-und Tausenfüßer mehr gibt, selbst wenn einige Arten doch sehr beachtliche Ausmaße erreichen können (dazu irgendwann mal mehr). Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es nur mit dem damals höhreren Sauerstoffgehalt der Atmosphäre zu tun hat, den um zu einer solchen gewaltigen Größe heranzuwachsen, waren bei Riesenarthropoden wie Meganeura und Arthropleura sicherlich immer noch massive Veränderungen der ursprünglichen Atmungsorgane nötig.

Ebenfalls nach wie vor mysteriös ist die Ernährung von Arthropleura. Während die einen davon ausgehen, dass sie ähnlich den meisten heutigen Tausendfüßern vor allem verrottendes Pflanzenmaterial gefressen haben, vermuten andere dass es sich bei ihnen um Apexprädatoren handelte, die selbst noch hundegroße Wirbeltiere erbeuteten, und damit eher den räuberischen Skolpendern geähndelt haben.

Bild des Tages: Stygimoloch Schädel

Freitag, Juli 17th, 2009

Leider gibt es auch heute nur wieder ein Bild des Tages, oder genau genommen mehrere Bilder des Tages. Es handelt sich dabei um den Schädel des Pachycephalosauriers Stygimoloch spinifer aus dem Museum für Naturkunde Berlin:

Stygimoloch spinifer Schädel (2)

Stygimoloch war ein etwa 3 m großer Pflanzenfresser aus der oberen Kreide Nordamerikas. Eigentlich habe ich es ja nicht so mit Pflanzenfressern, aber der Schädel von Stygimoloch sieht einfach dermaßen “kurios” aus, dass ich ihn hier mal zeigen wollte.

Stygimoloch spinifer Schädel (3)

Stygimoloch gehörte zu den wenigen Dinosauriern, die wirklich eine gewisse Ähnlichkeit zu Drachen haben, wenngleich man hier natürlich primär die Fantasydrachen des 20. und 21. Jahrhunderts als Vergleich heranzieht, welche vielfach multiple Hörnern, Zacken und sonstige Auswüchse haben. Die ursprünglihen Drachen auf den alten Darstellungen waren dagegen in der Regel eher hundeartig und hatten wenn überhaupt, zumeist nur sehr bescheidene Kopfzierden. Ein Verwandte von Stygimoloch, Dracorex hogwartsia, bekam seinen Namen sogar in Ahnlehnung an die Harry Potter-Reihe. Auch in Primeval (habe ich ehrlich gesagt noch nie gesehen, nur darüber gelesen), kommt in einer der neuen Episoden ein Wesen vor, das als Dracorex bezeichnet wird, dem wirklichen Aussehen dieses Pachycephalosauriers wie so viele andere Primeval-Kreaturen aber nur rudimentär gleich kommt.

Hier noch mal eine Frontalansicht:

Stygimoloch spinifer Schädel

Megapiranha paranensis- der größte Piranha aller Zeiten

Dienstag, Juli 14th, 2009

Piranha Serrasalmus natteri

Die allermeisten Fische die beim Menschen für Horror sorgen können, sind ziemlich groß, nur ganz wenige, wie etwa die Piranhas, sind an sich ziemlich klein. Allerdings wurde kürzlich eine neue Art beschrieben, die durchaus recht erhebliche Ausmaße erreichte, und alle lebenden Arten deutlich in den Schatten stellte, Megapiranha paranensis. Diese in Argentinien entdeckte Art lebte vor etwa 8-10 Millionen Jahren während des späten Miozäns, und erreichte eine Länge von etwa einem Meter. Leider sind die Reste die man von Megapiranha kennt, nur äußerst spärlich, und bestehen nur aus einem gut 10 cm langen partiellem Oberkiefer mit einigen Zähnen. Tatsächlich wurden die Überreste bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt, aber damals noch nicht weiter beachtet. Es scheint als wäre Megapiranha auch kein echter Piranha gewesen, sondern einer Seitenlinie angehört zu haben, denn die Bezahnung zeigt auch Merkmale der mit den Piranhas verwandten pflanzenfressenden Pacus. Seine Zähne nehmen eine Art Zwischenstellung ein zwischn den einreihig angeordneten Zähnen der Piranhas und der in einer Doppelreihe angeordneten Zähne der Pacus. Sie waren in zwei Reihen angeordnet, aber standen praktisch im Zickzack zueinander, jeweils so versetzt, keine zwei Zähne hintereinander angeordnet waren. Während aber die Zähne der Pacus relativ stumpf sind, und fast etwas aussehen wie die Prämolaren von Menschen, hatte Megapiranha Zähne mit scharfen, leicht gesägten Kanten. Das obere Photo stammt aus einem Aquarium der Pomologie in Reutlingen, und zeigt einen Roten Piranha (Pygocentrus, bzw Serrasalmus natteri). Auf diesem neben dem Aquarium angebrachten Schild, sieht man auch noch die Darstellung eines Piranhagebisses, leider ist die Qualität des Photos nicht besonders gut geworden:

Piranha Gebiss

Es wäre jetzt natürlich sehr interessant zu wissen, wie Megapiranha gelebt hat. Handelte es sich um einen reinen Fleischfresser, oder vielleicht sogar um einen Omnivoren? Interessant ist hierbei auch die Tatsache, dass auch die Paccus ziemlich große Fische sind. Selbst die größten Piranhaarten erreichen nur ausnahmsweise mal Längen von mehr als 45 cm, die allermeisten bleiben aber viel kleiner. Pacus können aber durchaus einen Meter und etwa 30 kg erreichen, auch wenn das ebenfalls schon sehr ungewöhnliche Maße sind. Der Schwarze Pacu (Colossoma macropomum) ernährt sich nur in seiner Jugend von Tieren, vor allem verschiedenen Invertebraten, später entwickelt er sich zu einem hochspezialisiertem Früchte-und Nussfresser. Dieses Photo aus dem Aquarium des Zoologischen Gartens Berlin zeigt zwei recht großen Pacus, leider ist aber auch dieses Photo nicht gerade überragend geworden. Im Hintergrund sieht man noch einen Rotflossen-Antennenwels:

Pacu Colossoma macropomum

Näheres findet man hier:

Alberto Luis Cione,1 Wasila M. Dahdul John G. Lundberg and Antonio Machado-Allison

 Megapiranha paranensis, a New Genus and Species of Serrasalmidae (Characiformes, Teleostei) from the Upper Miocene of Argentina

Journal of Vertebrate Paleontology 29(2):350-358. 2009

Buchrezension:The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History

Mittwoch, März 4th, 2009

Kürzlich habe ich ja bereits das Buch “Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large Mammal Fauna” vorgestellt. Das ist aber zum Glück nicht das einzige Buch das von Alan Turner und Mauricio Anton veröffentlich wurde. Mit “The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History” haben die beiden nicht wenige als DAS absolute Standardwerk über fossile Katzen geschrieben. Nirgendwo sonst findet man derartig viele und hintergründige Informationen zur Entwicklung, Anatomie und Biologie ausgestorbener Katzenartiger. Wie dem Titel schon zu entnehmen ist, finden aber auch die heutigen Arten Erwähnung, was in direkten Vergleichen zu ihren ausgestorbenen Verwandten durchaus sehr interessant ist.

Extem positiv fällt die enorme Fülle an Illustrationen auf. Man merkt sofort dass Mauricio Anton einer der fähigsten und wohl auch produktivsten Paläo-Illustratoren ist, in Bezug auf ausgestorbene Säugetiere womöglich sogar weltweit der beste. Der Großteil der Zeichnungen sind Bleistiftzeichnungen, daneben findet man noch einige größere colorierte Bilder. Was den Inhalt der Bilder angeht, so kann man sich diesen fast nicht mehr besser wünschen. Man findet nicht nur jede Menge Lebendrekonstruktionen welche die entsprechenden Tiere von der Seite zeigen, was eine sehr gute Anschauung der Proportionen ermöglicht, sondern auch unzählige Zeichnungen von Schädeln und anderen anatomischen Details, wunderbare schrittweise Lebendrekonstruktionen die direkt auf dem Skelett und den darauf rekonstruierten Muskeln basieren, Vergleichsdarstellungen mit lebenden Arten, schematische Darstellungen wie etwa die beim Tötungsbiss im Halsbereich getroffenen anatomischen Strukturen des Beutetieres, Bewegungssequenzen, Verhaltensrekonstruktionen und und und. Man findet selbstverständlich auch nicht nur die bekannteren Vertreter ausgestorbener Katzenartiger wie etwa die populären Angehörigen der Gattung Smilodon, Machairodus oder Homotherium, sondern auch viele eher unbeanntere Arten wie etwa den Riesengeparden Acinomyx pardinensis oder der winzigen Säbelzahnkatze Paramachairodus. Auch wird auf eine ganze Reihe kleiner Formen aus der frühen Entwicklungszeit der Katzenartigen eingegangen, und man findet auch noch eine nicht unerhebliche Menge anderer prähistorischer Fleischfresser, angefangen bei Beuteltieren wie Thylacosmilus oder Thylacoleo zu verschiedenen Hunde-und Hyänenarten sowie ein paar anderen. 

Man kann dieses Buch wirklich nur absolut empfehlen, denn es handelt sich um ein absolutes Musterbeispiel paläontologischer Literatur, genau so sollte ein solches Buch sein.

Buchrezension: Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large-Mammal Fauna

Montag, März 2nd, 2009

 

Ich denke die meisten Leser die sich für die Inhalte des Bestiariums interessieren, habe zu Hause mindestens ein (wenn nicht gar mehrere Dutzend)Buch über Paläontologie. In aller Regel sind die meisten dieser Bücher relativ allgemein gehalten, und man bekommt einen groben Überblick über alles mögliche, angefangen bei irgendwelchen kambrischen Wirbellosen wie Anomalocaris über Dinosaurier bis zu Neandertalern. Dabei werden zu einem recht großen Teil mehr oder weniger die gleichen Arten beschrieben, der Anteil der weniger bekannten “Exoten” ist dabei normalerweise nur sehr gering, und die dazu vorhandenen Hintergrundinformationen oftmals dürftig. Wirklich spezielle Paläontologiebücher, die sich nur mit einem relativ eingegrenzten Gebiet befassen, gibt es leider nur relativ wenige. Eines dieser Bücher ist “Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large-Mammal Fauna” von Alan Turner und Mauricio Anton, welcher dieses wunderbare Werk auch illustriert hat. Der Titel sagt dabei schon ziemlich gut, um was für einen Inhalt es geht, nämlich die fossilen Säugetieren Afrikas. Das ist gerade ein Themengebiet, das in der Literatur in aller Regel sträflilch vernachlässigt wird, obwohl es auf diesem Kontinent enorm viele hochinteressante Tiere gegeben hat. Dabei erfährt man nicht nur über die ältesten gefundenen Fossilien, sondern auch über solche Wesen, die es teilweise noch bis zur letzten Eiszeit gegeben hat. Man bekommt dabei einen ziemlich guten Überblick diverser Raubtiere, Primaten, Paar-und Unpaarhufer, Rüsseltiere, Insektenfresser und noch einige andere, darunter viele die man kaum jemals in einem anderen Buch auch nur erwähnt findet. Die von Mauricio Anton stammenden Bleistiftillustrationen sind überaus reichlich vorhanden, und werden durch einige colorierte Bilder ergänzt. Man findet dabei auch eine ganze Reihe von Rekonstruktionszeichnungen, welche zeigen wie ausgehend vom Skelett über die Muskulatur das Lebendbild gezeichnet wurde. Besonders interessant finde ich die vielen Raubtiere die behandelt werden, nicht nur verschiedene Säbelzahnkatzen, sondern auch sonst nur selten gezeigte Arten wie verschiedene Riesenhyänen oder sogar Riesenschleichkatzen. Auch unter den Rüsseltieren findet man jede Menge teils sehr bizarrer Arten, etwa Tetrabelodon mit den vier Stoßzähnen. Die vielen Arten hier aufzuzählen ist sicherlich müßig, da es schlichtweg zu viele sind. Besonders interessant ist es dabei, wenn ausgestorbene Arten mit noch heute lebenden zusammen dargestellt werden. Dabei fällt auch auf, dass viele Tiere die uns heutzutage überaus seltsam vorkommen, eigentlich gar nicht so ungewöhnlich sind, beziehungsweise dass auch die heutigen Arten auf ihre Weise genauso faszinierend sind. Mit 269 Seiten hat dieses Buch auch einen durchaus umfangreichen Inhalt. Wer stereotype Mammuts, Höhlenbären und nordamerikanische Säbelzahnkatzen nicht mehr sehen kann, und stattdessen lieber mal etwas Neues sehen will, der ist mit diesem Buch wirklich gut beraten.

Orthoceras-Modell

Montag, März 2nd, 2009
 Seit kurzem habe ich endlich mal wieder sowas wie Ferien, darum werde ich jetzt versuchen wieder öfter mal was zu schreiben. Beim letzen Mal hat das leider nicht funktioniert, was primär daran lag dass bei mir das Internet fast den kompletten Januar und Februar nicht funktioniert hat. Ich habe die bisherige Freizeit der ersten Ferientage auch gleich mal genutzt um mal wieder ein neues Modell zu machen. Zugegeben, nicht unbedingt etwas spektakuläres, “nur” wieder ein neuer Nautiloide. Als Vorlage habe ich Orthoceras benutzt, einen Nautiloiden den man aus Schichten des Ordovozium bis zur Trias kennt (höchstwahrscheinlich hat es sich bei diesem langen Zeitraum aber nicht immer um die gleiche Art gehandelt). Diese Tiere konnten teilweise Längen von etwa 2m erreichen, womit sie aber immer noch weit unter der Größe von Arten wie Cameroceras blieben, die ein Vielfaches davon erreichten. Dieses neue Modell ist ziemlich klein, was man auch ganz gut am Vergleich mit dem provisorischen Sockel aus einem halben Korken sehen kann:

Orthoceras Modell

Aufgrund der geringen Größe gestaltete sich die Modellation auch nicht gerade als einfach, vor allem an den Fangarmen, da diese extrem wenig Eigenstabilität besitzen, und ich auch keinen Draht als Stütze benutzt habe. Wie bei den anderen Nautiloiden die ich bisher modelliert habe, habe ich zuerst das Gehäuse modelliert und gehärtet, wobei ich an das Kopfende eine verdrehte Drahtschlinge anmodelliert habe. Das vorgehärtete Gehäuse kann man so gut in die Hand nehmen, was die weiteren Arbeitsschritte extrem erleichtert. Die Drahtschlinge dient dabei um einen besseren Halt des anmodellierten Kopfteiles zu gewährleisten. Eidentlich wollte ich den Nautiloiden erst mit geschlossenen Fangarmen darstellen, wofür die Größe auch gut gereicht hätte, aber als ich zum Spaß mal ein Probemodell mit geöffneten Fangarmen gemacht habe, hat mir dieses letztendlich so gut gefallen, dass ich beschlossen habe es für die endgültige Version weiter zu verwenden.

Insgesamt habe ich grob geschätzt etwa sieben Stunden für das Modell gebraucht, vielleicht auch etwas mehr oder weniger. Besonders die kleinen Details wie die Ansätze der Fangarme und vor allem die dünne Haut die sich zwischen ihnen spannt, sind eben ziemlich arbeitsaufwändig. Ich habe mich dieses Mal auf dafür entschieden, die Augen relativ klein zu modellieren, da das Modell so eher aussieht, als wäre es im Original deutlich größer. Zugegeben, auch unter den heutigen Kopffüßern findet man keineswegs eine Tendenz dass die großen Arten verhältnismäßig kleine Augen haben, man denke hier nur an die Riesen-und Kolosskalmare die beide riesige Augen habe. Aber schließlich weiß man ja ohnehin nicht wie diese Nautiloiden zu Lebzeiten wirklich ausgesehen haben, insofern könnten sie vielleicht auch nur relativ kleine Augen gehabt haben, vergleichbar dem heutigen Nautilus. Ich habe dieses Mal auch bewußt darauf vezichtet einen Schnabel zu modellieren, da das tatsächliche Aussehen und vor allem die Lage der Fresswerkzeuge bei Nautiloiden ziemlich kontrovers ist.

Orthoceras Kopf-Detail

Hier ist auch mal ein Vergleich des Modells mit einem originalen Orthoceras-Fossil aus Marokko, das zufällig beinahe die gleiche Größe hat:

Orthoceras Original und Modell

Orthoceras Original und Modell

Die Rückkehr der Killerpottwale

Montag, Mai 5th, 2008

Ich habe ja schon ein paar mal über die sogenannten Killerpottwale geschrieben, ein archaischer Seitenzweig aus der Ahnenreihe der Pottwale, welche allem Anschein nach zu ihrer Zeit die ökologische Nische der Schwertwale besetzten, und im Gegensatz zu ihren lebenden Verwandten nicht nur von Kalmaren und Fischen, sondern vor allem von größeren Beutetieren lebten. Leider gibt es ja nur ziemlich wenige Informationen und kaum Bildmaterial über diese faszinierenden Wale, mal ganz abgesehen davon, dass sie ja kaum jemand überhaupt kennt, was auch mit daran liegt, dass mit wenigen Ausnahmen die bisherigen Funde äußerst fragmentarisch sind.  Wie der Zufall es wollte, wurde erst vor Anfang April in einem Felsen am Rappahannock River im Osten Virginias die fossilen Überreste eines Killerpottwales gefunden. Leider sind auch hier die erhaltenen Überbleibsel recht spärlich, und bestehen primär aus den Zähnen, sowie Fragmenten des Ober-und Unterkiefers. Die Benutzung der folgenden Photos wurde mit freundlicherweise von Dr. Alton Dooley vom Virginia Museum of Natural History erlaubt, welcher an der Bergung des Fossils beteiligt war. Einige weitere Photos findet man hier: http://web.mac.com/dooleyclan/Site_2/Blog/Blog.html

Die Fundsituation:

Die Killerpottwale unterschieden sich in einer ganzen Reihe von Merkmalen von den modernen großen Pottwalen, insbesondere dadurch, dass sie auch im Oberkiefer große funktionelle Zähne hatten (die Oberkieferzähne rezenter Pottwale sind nur sehr klein und brechen normalerweise nicht aus dem Kiefer). Ihre Zähne waren sehr groß, hatten wegen der starken Belastung der sie ausgesetzt waren ausgesprochen lange Wurzeln und besaßen im Gegensatz zu jenen von heutigen Pottwalen auch eine Schmelzschicht, waren also auch härter. Die Zähne der Killerpottwale zeigen häufig sehr starke Abnutzungserscheinungen, ganz ähnlich wie bei Schwertwalen, und die ineinandergreifenden Zähne von Ober-und Unterkiefer haben sich gegenseitig oft tiefe Furchen geschliffen. Häufig ist durch den starken Gebrauch der Zähne gut die Hälfte der ursprünglichen Schmelzschicht abgenutzt.

Hier ein einzelner Zahn mit sehr deutlich zu sehenden Abschliffspuren des Gegenzahnes:

Leider ist ja nur ein sehr geringer Teil des ursprünglichen Schädels erhalten, so dass man schwer sagen kann, wie dieser Killerpottwal ausgesehen haben könnte. So kann man etwa nicht mit Sicherheit sagen, obe es sich um eine Form wie Zygophyseter varolai mit einer langen und nur teilweise vom Spermacetiorgan bedeckter Schnauze handelte, oder um einen etwas robusteren Typus wie Brygmophyseter shigensis oder Hoplocetus ritzi, bei denen wohl die ganze Schnauze vom Walratorgan bedeckt war. Dr. Dooley vermutet aber, dass dieser Wal eher dem Zygophyseter-Typus entsprach.

Hier sieht man einen Teil des Jochbeines, welches auch den unteren Rand der Augenhöhle bildete :

Es bleibt zu hoffen dass in Zukunft noch mehr Fossilien dieser Wale gefunden werden, so dass man sich ein besseres Bild ihrer einstigen Lebensweise und ihres Aussehens machen kann.

Der “Lurchenschlächter” Batrachotomus

Dienstag, April 29th, 2008

Wenn man an große ausgestorbene räuberische Landreptilien denkt, dann fallen einen in der Regel primär mal Theropoden ein, angefangen von “kleineren” Arten wie Dilophosaurus, bis hin zu Giganten wie dem altbekannten Tyrannosaurus oder dem noch größeren Giganotosaurus. Zugegebenerweise brachte dieser Zweig der Dinosaurier die mit Abstand größten und beeindruckensten Raubtiere hervor, die je das Anlitz der Erde beschritten (Riesenformen von Krokodilen, über die es auch mal gehen soll, lasse ich jetzt einfach mal außen vor, da sie ja amphibisch lebten). Doch das erdgeschichtliche Bestiarium kennt noch eine ganze Reihe anderer großer, fleischfressender Landbewohner unter den Reptilien, die aber, wie so viele andere auch, im populären Schatten der Dinosaurier stehen. Bevor diese ihren evolutionären Siegeszug über die Erde beginnen konnten, lebten noch ganz andere Wesen, welche in vieler Hinsicht nicht minder spektakulär war, wenngleich sie niemals die Ausmaße der wirklich großen Dinosaurier erreichten.

Eines dieser Wesen war Batrachotomus kupferzellensis, ein gewaltiges Raubtier von etwa 5m Länge, das unter seinen Zeitgenossen Angst und Schrecken verbreitet haben muss. Er gehörte zu den Prestosuchidae, und war in der Zeit des oberen Keuper eines der größten Landraubtiere überhaupt. Man kann sich diese Tiere ganz gut als eine Art vierbeinigen Carnosaurier vorstellen, denn tatsächlich erinnerten die hohen und seitlich komprimierten Schädel recht stark an jene von den erst viel später erscheinenden großen Theropoden. Sie besaßen recht lange Beine, und bewegten sich auf recht aufrechte Art fort. Dieses Photo zeigt eine lebensgroße Rekonstruktion aus dem Museum am Löwentor in Stuttgart:

Batrachotmus im Schachtelhalmwald

Man erkennt auch gut die Panzerplatten auf dem Rücken, welche ganz ähnlich aussahen wie von Krokodilen. Interessanterweise waren diese Rückenpanzerplatten über starke Muskeln mit der Wirbelsäule verbunden, und ermöglichten es die Wirbelsäule durchzubiegen, um beim Laufen hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Auch heutige Krokodile besitzen dadurch als einzige Nicht-Säuger diese Fähigkeit zu Galoppieren, mit der sie auf kurze Strecken sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen können. Bei größeren Exemplaren sieht man das kaum jemals, was sicherlich auch an der Körpermasse liegt. Dieses Galoppieren wird allerdings nicht zum Angriff, oder zum Ergreifen von Beute genutzt, sondern zur Flucht. Australienkrokodile (Crocodylus johnsoni) etwa wenden diese Fortbewegungsweise um sich vor den häufig im gleichen Lebensraum vorkommenden und viel größeren Leistenkrokodilen (C. porosus) in Sicherheit zu bringen. Man kann allerdings mit einiger Sicherheit annehmen, dass Batrachotmus eine galoppierende Fortbewegungsweise tatsächlich primär zur Jagd benutzt hat. Der Anblick eines derartigen Riesen, wie er mit voller Geschwindigkeit und auf eine für Reptilien eigentlich äußerst ungewohnte Weise seiner Beute hinterherjagte, muss zweifellos ein beeindruckender Anblick gewesen sein – und sicherlich für viele Wesen einer der letzten visuellen Eindrücke in ihrem Leben. Die Knochenplatten an den Flanken dagegen waren coneinander isoliert, und hatten wohl tatsächlich eher einen defensiven Charakter.

Den Namen Batrachotomus bekam dieser Räuber anhand der Funde von mehreren Fossilien des riesigen Mastodonsaurus (über den schon früher geschrieben wurde) aus Kupferzell, welche die Zahnspuren des Prestosuchiden aufwiesen. Ob hier Kadaver gefressen, oder diese Riesenamphibien aktiv erbeutet wurden, läßt sich hier allerdings kaum noch sagen. Ich würde es allerdings keineswegs ausschließen, dass hier tatsächlich Riesenamphibien zumindest manchmal auch gejagt und getötet wurden. Sowohl Jaguare, als auch Löwen und Tiger töten immer wieder teils recht große Kaimane, bzw Krokodile, um diese zu fressen, auch wenn es auf den ersten Blick äußerst ungewöhnlich erscheint, dass ein teilweise recht großes und auch nicht ungefährliches anderes Raubtier als Beutetier gewählt wird.

Hier sieht man noch ein Photo eines rekonstruierten Schädels aus der Ausstellung:

Schädel von Batrachotomus