Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Paläontologie’ Category

Die Rückkehr der Killerpottwale

Montag, Mai 5th, 2008

Ich habe ja schon ein paar mal über die sogenannten Killerpottwale geschrieben, ein archaischer Seitenzweig aus der Ahnenreihe der Pottwale, welche allem Anschein nach zu ihrer Zeit die ökologische Nische der Schwertwale besetzten, und im Gegensatz zu ihren lebenden Verwandten nicht nur von Kalmaren und Fischen, sondern vor allem von größeren Beutetieren lebten. Leider gibt es ja nur ziemlich wenige Informationen und kaum Bildmaterial über diese faszinierenden Wale, mal ganz abgesehen davon, dass sie ja kaum jemand überhaupt kennt, was auch mit daran liegt, dass mit wenigen Ausnahmen die bisherigen Funde äußerst fragmentarisch sind.  Wie der Zufall es wollte, wurde erst vor Anfang April in einem Felsen am Rappahannock River im Osten Virginias die fossilen Überreste eines Killerpottwales gefunden. Leider sind auch hier die erhaltenen Überbleibsel recht spärlich, und bestehen primär aus den Zähnen, sowie Fragmenten des Ober-und Unterkiefers. Die Benutzung der folgenden Photos wurde mit freundlicherweise von Dr. Alton Dooley vom Virginia Museum of Natural History erlaubt, welcher an der Bergung des Fossils beteiligt war. Einige weitere Photos findet man hier: http://web.mac.com/dooleyclan/Site_2/Blog/Blog.html

Die Fundsituation:

Die Killerpottwale unterschieden sich in einer ganzen Reihe von Merkmalen von den modernen großen Pottwalen, insbesondere dadurch, dass sie auch im Oberkiefer große funktionelle Zähne hatten (die Oberkieferzähne rezenter Pottwale sind nur sehr klein und brechen normalerweise nicht aus dem Kiefer). Ihre Zähne waren sehr groß, hatten wegen der starken Belastung der sie ausgesetzt waren ausgesprochen lange Wurzeln und besaßen im Gegensatz zu jenen von heutigen Pottwalen auch eine Schmelzschicht, waren also auch härter. Die Zähne der Killerpottwale zeigen häufig sehr starke Abnutzungserscheinungen, ganz ähnlich wie bei Schwertwalen, und die ineinandergreifenden Zähne von Ober-und Unterkiefer haben sich gegenseitig oft tiefe Furchen geschliffen. Häufig ist durch den starken Gebrauch der Zähne gut die Hälfte der ursprünglichen Schmelzschicht abgenutzt.

Hier ein einzelner Zahn mit sehr deutlich zu sehenden Abschliffspuren des Gegenzahnes:

Leider ist ja nur ein sehr geringer Teil des ursprünglichen Schädels erhalten, so dass man schwer sagen kann, wie dieser Killerpottwal ausgesehen haben könnte. So kann man etwa nicht mit Sicherheit sagen, obe es sich um eine Form wie Zygophyseter varolai mit einer langen und nur teilweise vom Spermacetiorgan bedeckter Schnauze handelte, oder um einen etwas robusteren Typus wie Brygmophyseter shigensis oder Hoplocetus ritzi, bei denen wohl die ganze Schnauze vom Walratorgan bedeckt war. Dr. Dooley vermutet aber, dass dieser Wal eher dem Zygophyseter-Typus entsprach.

Hier sieht man einen Teil des Jochbeines, welches auch den unteren Rand der Augenhöhle bildete :

Es bleibt zu hoffen dass in Zukunft noch mehr Fossilien dieser Wale gefunden werden, so dass man sich ein besseres Bild ihrer einstigen Lebensweise und ihres Aussehens machen kann.

Der “Lurchenschlächter” Batrachotomus

Dienstag, April 29th, 2008

Wenn man an große ausgestorbene räuberische Landreptilien denkt, dann fallen einen in der Regel primär mal Theropoden ein, angefangen von “kleineren” Arten wie Dilophosaurus, bis hin zu Giganten wie dem altbekannten Tyrannosaurus oder dem noch größeren Giganotosaurus. Zugegebenerweise brachte dieser Zweig der Dinosaurier die mit Abstand größten und beeindruckensten Raubtiere hervor, die je das Anlitz der Erde beschritten (Riesenformen von Krokodilen, über die es auch mal gehen soll, lasse ich jetzt einfach mal außen vor, da sie ja amphibisch lebten). Doch das erdgeschichtliche Bestiarium kennt noch eine ganze Reihe anderer großer, fleischfressender Landbewohner unter den Reptilien, die aber, wie so viele andere auch, im populären Schatten der Dinosaurier stehen. Bevor diese ihren evolutionären Siegeszug über die Erde beginnen konnten, lebten noch ganz andere Wesen, welche in vieler Hinsicht nicht minder spektakulär war, wenngleich sie niemals die Ausmaße der wirklich großen Dinosaurier erreichten.

Eines dieser Wesen war Batrachotomus kupferzellensis, ein gewaltiges Raubtier von etwa 5m Länge, das unter seinen Zeitgenossen Angst und Schrecken verbreitet haben muss. Er gehörte zu den Prestosuchidae, und war in der Zeit des oberen Keuper eines der größten Landraubtiere überhaupt. Man kann sich diese Tiere ganz gut als eine Art vierbeinigen Carnosaurier vorstellen, denn tatsächlich erinnerten die hohen und seitlich komprimierten Schädel recht stark an jene von den erst viel später erscheinenden großen Theropoden. Sie besaßen recht lange Beine, und bewegten sich auf recht aufrechte Art fort. Dieses Photo zeigt eine lebensgroße Rekonstruktion aus dem Museum am Löwentor in Stuttgart:

Batrachotmus im Schachtelhalmwald

Man erkennt auch gut die Panzerplatten auf dem Rücken, welche ganz ähnlich aussahen wie von Krokodilen. Interessanterweise waren diese Rückenpanzerplatten über starke Muskeln mit der Wirbelsäule verbunden, und ermöglichten es die Wirbelsäule durchzubiegen, um beim Laufen hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Auch heutige Krokodile besitzen dadurch als einzige Nicht-Säuger diese Fähigkeit zu Galoppieren, mit der sie auf kurze Strecken sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen können. Bei größeren Exemplaren sieht man das kaum jemals, was sicherlich auch an der Körpermasse liegt. Dieses Galoppieren wird allerdings nicht zum Angriff, oder zum Ergreifen von Beute genutzt, sondern zur Flucht. Australienkrokodile (Crocodylus johnsoni) etwa wenden diese Fortbewegungsweise um sich vor den häufig im gleichen Lebensraum vorkommenden und viel größeren Leistenkrokodilen (C. porosus) in Sicherheit zu bringen. Man kann allerdings mit einiger Sicherheit annehmen, dass Batrachotmus eine galoppierende Fortbewegungsweise tatsächlich primär zur Jagd benutzt hat. Der Anblick eines derartigen Riesen, wie er mit voller Geschwindigkeit und auf eine für Reptilien eigentlich äußerst ungewohnte Weise seiner Beute hinterherjagte, muss zweifellos ein beeindruckender Anblick gewesen sein - und sicherlich für viele Wesen einer der letzten visuellen Eindrücke in ihrem Leben. Die Knochenplatten an den Flanken dagegen waren coneinander isoliert, und hatten wohl tatsächlich eher einen defensiven Charakter.

Den Namen Batrachotomus bekam dieser Räuber anhand der Funde von mehreren Fossilien des riesigen Mastodonsaurus (über den schon früher geschrieben wurde) aus Kupferzell, welche die Zahnspuren des Prestosuchiden aufwiesen. Ob hier Kadaver gefressen, oder diese Riesenamphibien aktiv erbeutet wurden, läßt sich hier allerdings kaum noch sagen. Ich würde es allerdings keineswegs ausschließen, dass hier tatsächlich Riesenamphibien zumindest manchmal auch gejagt und getötet wurden. Sowohl Jaguare, als auch Löwen und Tiger töten immer wieder teils recht große Kaimane, bzw Krokodile, um diese zu fressen, auch wenn es auf den ersten Blick äußerst ungewöhnlich erscheint, dass ein teilweise recht großes und auch nicht ungefährliches anderes Raubtier als Beutetier gewählt wird.

Hier sieht man noch ein Photo eines rekonstruierten Schädels aus der Ausstellung:

Schädel von Batrachotomus 

Der Riesenpanzerfisch Dunkleosteus

Montag, April 7th, 2008

Er war einer der größten Fische die es jemals gegeben hat, und zu seiner Zeit das größte Lebewesen auf der ganzen Welt. Die Rede ist von Dunkleosteus terrelli, einem der größten bekannten Knochenfische aller Zeiten. Diese bizarren Raubfische besaßen einen riesigen gepanzerten Kopf, und ständig nachwachsende scharfkantige Knochenplatten in ihren Kiefern, welche wie eine gewaltige Brechschere wirkten, und sicherlich hervorragend dazu geeignet war, Beutetiere wie etwa andere Panzerfische in Stücke zu beißen. Wie groß diese Tiere genau gewesen sind, läßt sich schwer sagen, da man eigentlich nur ihre fossilierten Schädelpanzer kennt, wie etwa dieses wunderschöne Exemplar aus dem Naturhistorischen Museum in Wien:

Dunkleosteus-Schädel Seitenansicht

Ältere Darstellungen zeigen Dunkleosteus in der Regel mit einem relativ langgestreckten Körper und spitz auslaufendem protozerken Schwanz, anhand von Vergleichen mit bessererhaltenen verwandten Formen ist es aber wohl wahrscheinlcher, dass sie insgesamt etwas kürzer waren, und die Schwanzspitze nach oben geschwungen, und wie bei Haien eine heterozerke Schwanzflosse besaß. Dennoch dürften diese Riesen mindestens Längen von 6m erreicht haben, also etwa so viel wie ein sehr großer Weißer Hai. Eine weitere Parallele zu vielen Haien ist die verblüffende Feststellung, dass sich Dunkleosteus wahrscheinlich durch innere Befruchtung fortpflanzte. Zwar kennt man von Dunkleosteus selbst keine postkranialen Überreste, doch die Fossilien des verwandten   Rhamphodopsis zeigen dass die Männchen wie Haie oder Rochen über sogenannte Klasper verfügten, also paarige Organe welche zur inneren Befruchtung benutzt werden, während die Weibchen breite basale Beckenplatten aufwiesen. Da man Knochenplatten dieser Art kennt, welche unverheilte Verletzungen aufweisen, kann man davon ausgehen, dass diese Tiere eine recht stark ausgeprägte innerartliche Aggressivität zeigten, und vielleicht sogar kannibalistisch waren.

Hier noch eine Frontalansicht:  Dunkleosteus-Schädel Frontalansicht

Und noch eine selten gezeigte Innenansicht des Schädels:

Dunkleosteus-Schädel Innenansicht

Bild des Tages: Smilodon und Bison antiquus

Dienstag, Januar 15th, 2008

Heute reicht es leider nur für ein Bild des Tages und keinen weiteren Beitrag. Bei dem Bild handelt es sich um eine Szene die sich vor einigen zehntausend Jahren wahrscheinlich tagtäglich in Nordamerika abgespielt haben könnte, der Angriff der großen Säbelzahnkatze Smilodon auf Bison antiquus:

Smilodon vs Bison antiquus

Das Bild stammt übrigens von Carl Buell, einem der weltweit besten Paläo-Künstler der Welt, dessen Werke auch schon in unzähligen Büchern und Zeitschriften veröffentlicht wurden, und der mir freundlicherweise erlaubt hat, einige seiner Bilder für das Bestiarium zu verwenden. Weitere Bilder von ihm kann man auch auf seiner Flickr-Seite bewundern: http://flickr.com/photos/olduvaigeorge/

Bison antiquus wurde übrigens schon einmal erwähnt, nämlich in dem Post über die Wirbelausläufer des Spinosaurus. Bei Bison antiquus waren diese wie bei Spinosaurus ganz enorm verlängert, mehr als bei jedem anderen Boviden, moderne Bisons miteingeschlossen.

Arizonasaurus - das Scheinkrokodil mit dem Rückenbuckel

Mittwoch, November 21st, 2007

Neben vielen anderen sehr interessanten Modellen gab es in der Sonderausstellung des Museums am Löwentor auch eine sehr schöne Lebendrekonstruktion von Arizonasaurus. Dieser kleine Räuber der etwa so groß was wie ein Collie sieht einem Dinosaurier ziemlich ähnlich, vor allem Assiziationen an Spinosaurus dürften hier bei den meisten schnell wach werden. Tatsächlich handelte es sich aber um einen Archosaurier, genauer einen Rauisuchier. Diese Tiere zeigen wie Spinosaurus massiv verlängerte Dornfortsätze der Wirbelsäule, welche ebenfalls eine Art Bogen bildeten. Allerdings war dieser bei Arizonasaurus nicht so lang und reichte nicht so weit Richtung Kopf wie bei Spinosaurus. Über die Kontroverse welche die Frage aufbrachte, zu was diese Dinger überhaupt gut waren, und ob Spinosaurus und andere Arten wahrscheinlich viel eher eine Art schmalen Rückenbuckel als das allgemein verbreitete Segel auf den Darstellungen hatte, habe ich ja schon mal ausführlich geschrieben: http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/hatte-spinosaurus-wirklich-ein-segel-auf-dem-rucken/

Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass dieses Modell nicht mit einem dünnen Segel auf dem Rücken dargestellt wurde, sonder die Dornfortsätze Ansatzstellen für Muskeln sind.

In dieser Frontalansicht kann man das sehr schön sehen:

Seitenansicht bei der man die an den Wirbelausläufern ansetzenden Muskeln sieht

Dieser “Buckel” verdient die Bezeichnung eigentlich nicht, da er ja ziemlich schmal ist. Diese Form der Rekonstruktion sieht auch keineswegs merkwürdig aus, und absolut nicht unrealistisch, wie es ja oft der Fall ist, wenn Tiere falsch rekonstruiert werden. Das ist insofern interessant, weil die bloße Vorstellung dass Tiere wie Spinosaurus kein dünnes Hautsegel, sondern einen “Buckel” auf dem Rücken gehabt haben könnten, Unglauben auslöst, da die Vorstellungen über eine Art Quasimodo-Buckel sehr seltsam aussehen würde. Das ist aber keineswegs der Fall, wenn man wie hier von einem relativ schmalen Rückenbuckel ausgeht.

Janjucetus hunderi - der scharfzähnige Uronkel der Bartenwale

Mittwoch, November 21st, 2007

 Janjucetus hunderi Modell (bearbeitet)

Mitte August letzten Jahres wurde der Öffentlichkeit ein neuer fossiler Wal mit einem Alter von etwa 25 Millionen Jahren beschrieben, welcher in der Gesamtheit seiner Merkmale und seiner entwicklungsgeschichtlicher Stellung bisher absolut einzigartig ist, Janjucetus hunderi. Der Ende der 90iger Jahre entdeckte und von Erich Fitzgerald beschriebene Wal war mit einer Gesamtlänge von etwa 3,5m nicht einmal besonders groß, also vergleichbar den großwüchsigen Offshore-Populationen des Großen Tümmlers. Was war also so besonders an Janjucetus? Nun, primär die Tatsache dass er sehr gut ausgebildete, noch heterodonte Zähne in seinen kräftigen Kiefern besaß, aber einer Linie angehört, aus der auch die heutigen Bartenwale hervorgegangen sind. Ungewöhnlich waren auch die extrem großen Augen dieser Tiere, die proportional größten, die man von einem Meeressäuger kennt. Da Janjucetus allem Anschein nach über keine Echoortung verfügte, mußte er sich unter Wasser mit den Augen orientieren. Und das hatten sie auch nötig, denn anders als ihre modernen Verwandten, welche für das Fangen von Krill, Schwarmfischen oder Kleinlebewesen keine besonders scharfen Sinne besaßen, war Janjucetus ein echtes Raubtier. Bei den modernen Walen spielen die Augen keine größere Rolle, Arten wie der Pottwal welche ohnehin gewohnt sind sich per Echolot in der Tiefsee zu orientieren, sind sogar in der Lage gänzlich ohne ihr Augenlicht auszukommen, was durch die Funde von gänzlich blinden, aber dennoch wohlgenährten Exemplaren bewiesen ist. Der einzige bekannte Wal mit wirklich großen Augen, welche jenen von Janjucetus nahe kommen, ist der extrem bizarre Odobenocetops peruvianus. Diese entfernt mit den Narwalen verwandte Art besaß ursprünglich ein Echolot, welches dann aber aufgrund einer extrem bodenorientierten Lebensweise zugunster besserer Sehleistung zurückgebildet wurde.

 Der in der Aufsicht beinahe wie ein Dreieck aussehende Schädel war extrem kompakt und bot sehr starken Kiefermuskeln Platz und Ansätze. Auch die Kiefer selbst waren ziemlich kräftig, und die Zähne griffen wie bei Schwertwalen dicht ineinander, so dass sie Scherkanten entwickelten, mit denen sie ihre Beute regelrecht zerstückeln konnten. Moderne Zahnwale haben in der Regel ziemlich homodonte, mehr oder weniger kegelförmige Zähne, welche bei den meisten Arten primär zum Festhalten der Beute dienen. Im Falle von Janjucetus waren (je Kieferhälfte) die drei Schneidezähne, der Eckzahn sowie der erste Prämolar ähnlich wie bei modernen Zahnwalen auch eher kegelförmig und leicht nach hinten gebogen, außerdem besaßen sie lange Wurzel, und diente zum Festhalten, die dahinter liegenden drei Prämolaren und die zwei Molaren waren allerdings wie bei den Archeoceti, welche vor allem durch Arten wie Basilosaurus oder Dorudon bekannt sind, tief eingekerbt und ähnelten Haizähnen. Solche mit Sägekanten versehenen Zähne waren außerordentlich gut dazu geeignet, Beutetiere regelrecht in Stücke zu reißen.

Diese Anpassung deutet auch eher auf große Beutetiere hin, als nicht nur auf kleine Fische oder Kalmare, wie sie die meisten heutigen Zahnwale bevorzugen. Auch weisen die Zähne Abnutzungsspuren auf, welche nicht unbedingt nur auf weiche Nahrung hinweisen. In seiner ökologischen Nische dürften diese Tiere wahrscheinlich einem kleinen Schwertwal oder einem Seeleoparden vergleichbar gewesen sein, das heißt dass eine relativ große Bandbreite von Beutetieren gejagt wurde, sowohl kleinere Fische und Kopffüßer, aber wahrscheinlich auch größere Fische, und vielleicht auch Wasservögel und womöglich auch kleinere Robben oder Wale. Interessanterweise ähnelt die Morphologie des Schädels und die Anordnung der vorderen Zähne jener bestimmter Pliosaurier, welche sich ebenfalls auf relativ große Beutetiere spezialisiert hatten, aber auch mit dem Seeleoparden finden sich verschiedene Übereinstimmungen.

Janjucetus bietet einen interessanten Einblick in die Evolution der Bartenwale, allerdings kann er nicht als Vorfahre der heutigen Arten angesehen werden, da auch ältere Arten wie Eomysticeuts bekannt sind,  welche Barten statt Zähnen besaßen und auch schon schwarmlebende Beutetiere jagten. Folglich war Janjucetus eher ein langausdauernder spezialisierter Seitenzweig aus der frühen Entwicklungsphase jener Urwale, aus welchen die modernen Bartenwale hervorgegangen sind.

Die Entwicklung von eines fischfressenden Zahnwales zu einem filterten Bartenwal ist in vieler Hinsicht nicht leicht nachzuvollziehen, was unter anderem in einem nicht gerade übermäßig vollständigen Fossilrekord liegt. Allerdings weiß ich aus vertraulicher Quelle, dass einige hochinteressante neue Entdeckungen bezüglich der Evolution des Filter-Fressens gemacht wurden, und in absehbarer Zeit veröffentlicht werden. Einige dieser Zwischenformen besaßen sowohl kammartige Zähne, als auch primitive Barten, und wahrscheinlich gingen sie aus Vorfahren hervor, welche wie Krabbenfresserrobben anfangs ihre Zähne benutzten, um schwarmlebende Beutetiere wie kleine Fische oder Krill aus dem Wasser zu seihen. Die massive Größe der meisten lebenden Bartenwale täuscht darüber hinweg dass es einst eine ganze Reihe ziemlich kleiner Arten gegeben hat, welche noch nicht einmal an die beiden kleinsten heutigen Arten heranreichten, den Zwergglattwal und den Zwergminkwal. Überhaupt hat die Fossilgeschichte der Wale noch einiges zu bieten, und ich habe von neuen Funden gehört, an die ich nicht einmal im Traum gedacht habe, so ungewöhnlich sind sie. Leider finden solche Tiere in Büchern über ausgestorbene Tiere sie gut wie keine Erwähnung, was wirklich schade ist, denn allein mit den bisher bekannten fossilen Walen ließen sich bändeweise Bücher füllen. Darum versuche ich ja auch immer mal wieder gerade ein paar dieser kaum bekannten, aber defür umso interessanteren Wale vorzustellen.

Das Bild oben zeigt übrigens ein Modell des Janjucetus das ich vor kurzem fertig gestellt habe. Ich habe es digital etwas bearbeitet und auch noch mit Paint ein Auge drauf gemalt, damit es etwas natürlicher aussieht. Im Gegensatz zu der im Internet verbreiteten Darstellung habe ich den Kopf nicht glatt nach dem Schädel rekonstruiert, sondern die Nasenregion mit erhöhten Nasenlöchern modelliert, da bei Janjucetus sicherlich wie bei modernen Bartenwalen auch knorpelige und muskuläre Anteile die Nasenregion sicherlich voluminöser machten, als die Schädel auf den ersten Blick erkennen lassen.

Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass der Kopf wahrscheinlich etwas zu groß geraten ist. Ich habe mich bei der Vorlage vor allem an Rekonstruktionen des mit Janjucetus entfernt verwandten Mammalodon orientiert, welche meistens einen recht großen Kopf haben, aber ich vermute mal, dass er in Wirklichkeit etwas kleiner war. Leider lag mir für Janjucetus nur der Schädel als Rekonstruktionsvorlage zur Hand, und keine Komplettrekonstruktion, welche den ganzen Körper gezeigt hätte. Außerdem wurde der Schädel während des Modellierprozesses deutlich größer, da mir vor der Vorlage des Artikels von Erich Fitzgerald nicht bewußt war, wie enorm breit der Schädel von Janjucetus tatsächlich gewesen ist. Als Folge davon wurde er dann auch etwas länger und naja…die Proportionen ähneln jetzt eher denen eines Orca. Aber da von Janjucetus sowieso nur der Schädel bekannt ist, kann man bisher auch nicht genau sagen, wie groß der Kopf im Verhältnis zum Körper tatsächlich gewesen ist. Erich Fitzgerald meinte auch dass der Hals etwas länger sein müßte, war ansonsten mit der Rekonstruktion aber sehr zufrieden.

Hier sieht man nochmal das Modell in unbearbeiter Ansicht, bei dem man auch gut die Gestalung der Nasenregion erkennt:

Janjucetus Modell

Noch eine Bemerkung zur Darstellung archaischer zähnetragender Bartenwalvorläufer: Tiere wie Mammalodon oder Aetiocetus werden oft mit Kehlfurchen dargestellt. Es ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich welche besaßen. Die modernen Bartenwale werden in zwei große Hauptgruppen unterteilt, die Furchenwale wie etwa den Blauwal, und die Glattwale, zu denen beispielsweise der Nordkapper zählt. Zwischen diesen beiden steht irgendwo noch der Grauwal, dem eine eigene Gattung zugesprochen wurde, da er sowohl Merkmale besitzt, welche den Furchen-und den Glattwalen entsprechen, als auch eine Reihe von Sondermerkmalen in Anatomie und Verhalten zeigt, welche nur bei ihm vorkommen. Nichtsdestotrotz dürfte er im Aussehen den frühen Bartenwalen noch am ähnlichsten kommen, wobei wahrscheinlich auch der kaum bekannte Zwergglattwal diesen Formen im Aussehen wohl noch sehr nahe steht, vor allem in Form und Größe des Körpers und der Flossen. Es ist sehr wahrscheinlich dass die frühen Bartenwale wie der Grauwal noch keine Kehlfurchen besaßen, und diese sich erst bei den Vorläufern der Furchenwale entwickelten. Die Darstellung von frühen, noch zähnetragenden Bartenwalvorläufern soll wohl eher die Verbindung dieser Tiere mit heutigen Bartenwalen nahebringen, denn mit ihren großen Köpfen, und den teilweise mit sehr großen Zähnen ausgestatteten Kiefern, wirken diese Wale noch weitaus räuberischer und gefährlicher als die meisten heutigen Zahnwale.

Literatur:

Fitzgerald, E.M.G. (2006). “A bizarre new toothed mysticete (Cetacea) from Australia and the early evolution of baleen whales.”

Der Killerpottwal Zygophyseter varolai

Sonntag, November 11th, 2007

 Zygophyseter varolai

Vor geraumer Zeit habe ich ja schon einmal über die sogenannten Killer-Pottwale geschrieben ( http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/prahistorische-killer-pottwale/), eine archaische Seitenlinie aus dem Stammbaum der modenen Pottwale. Leider lagen mit damals noch keine Artikel vor, sondern lediglich deren Abstracts. Vor einiger Zeit gelangte mir jedoch glücklicherweise ein solcher Artikel in die Hände, welcher den neuentdeckten Killer-Pottwal Zygophyseter varolai beschrieb. Grund genug also, noch einmal auf das Thema einzugehen. Auf die allgemeine Darstellung der Killer-Pottwale möchte ich gar nicht noch einmal näher eingehen, da dies schon im ersten Teil gemacht wurde, und gleich direkt auf Zygophyseter eingehen. Diese Art ist durch ein recht gut erhaltenes Skelett aus dem Miozän Süditaliens bekannt, und weißt eine ganze Reihe anatomischer Besonderheiten auf. Der Schädel wies eine Länge von 1,5m auf, und zu Lebzeiten dürfte die Gesamtlänge bei 6,5-7m gelegen haben, also etwa gleich groß wie ein Schwertwal. Im Oberkiefer saßen 26 große Zähne, im Unterkiefer insgesamt 28. Die eigentlich Zahnkronen sind verhältnismäßig kurz, und machen nur etwa 18% der gesamten Länge aus, die Wurzeln waren also sehr lang, und mußten starken Belastungen standhalten. Die vorderen Zähne sind nach vorne geneigt, insbesondere das vorderste Paar im Unterkiefer. Es könnte (und das ist jetzt meine persönliche Überlegung) auch bei innerartlichen Konfrontationen genutzt worden sein, um die Haut des Gegners aufzuritzen, wie es auch moderne Pottwale, sowie viele Schnabelwale und manche Delphine machen. Die im hinteren Kieferbereich gelegenen Zähne zeigen dagegen nach hinten, und sind im Gegensatz zu den relativ runden vorderen Zähne seitlich abgeflacht. Die voderen und hinteren Zähne unterscheiden sich auch in der Größe sowie anderen Merkmalen wie der Wurzel, aber das ist momentan nicht so wichtig. Viel interessanter sind die massiven Abnutzungsspuren der Zähne. Die ineinandergreifenden Zähne von Ober-und Unterkiefer haben teilweise tiefe Furchen in ihre Antagonisten im Gegenkiefer geschliffen, und auch die Kronenspitzen seltbst sind recht stark abgenutzt, ursprünglich müssen sie etwa 45% länger gewesen sein. Derartige Abnutzungserscheinungen findet man auch bei Schwertwalen, vor allem bei älteren Exemplaren. Diese Zähne waren nicht einfach nur dazu da die Beute zu packen und zu verschlucken, sondern um sie gegebenenfalls auch zu zerteilen und in Stücke zu reißen. Die ineinandergreifenden Zähnen wirken dabei wie die Scherkanten einer Heckenschere. Übrigens besaßen die Zähne von Zygophyseter auch eine Schmelzschicht, während jene des Pottwals lediglich Dentin besitzen (von der Zementschicht um die Wurzel mal abgesehen).Der Unterkiefer läßt sich sehr gut als Y-förmig beschreiben, und war wie bei modernen Pottwalen im vorderen Bereich sehr schmal, und in der Seitenansicht auch leicht nach oben gekrümmt. Insegesamt unterscheidet sich der Unterkiefer oberflächlich betracht nur wenig von dem des Pottwales. Aber er ist insgesamt massiver, und die Anzahl der im Verhältnis viel größeren Zähne ist ebenfalls geringer. Zudem ist der Ansatz für die Kiefermuskeln beim Pottwal verhältnismäßig deutlich größer. Im direkten Vergleich wirkt der Unterkiefer des Pottwales im Vergleich zu jenem von Zygophyseter dennoch beinahe fragil. Das ist allerdings auch kein Wunder, denn Pottwale sind hochspezialisierte Kalmarfresser, die ihre Beute wahrscheinlich vor allem durch einen mit der Zungenmuskulatur erzeugten Sog einsaugen, anstatt sie mit den Kiefern zu packen. Man kennt sogar Funde von Pottwalen mit gebrochenen, völlig deformierten und zum Fressen nicht mehr geeigneten, ja teilweise sogar fehlenden Unterkiefern, welche dennoch wohlgenährt waren, was beweißt, dass die Kiefer bei der Nahrungsaufnahme des Pottwales nur eine untergeordnete Rolle spielen. Außerdem können sie mangels Zähnen im Oberkiefer auch keine Scherwirkung erzeugen.Der Schädel selbst ist ziemlich breit und zeigt eine deutliche Assymetrie. Im Stirnbereich bildet der Knochen eine Art Basin, in welcher das Spermaceti-Organ lag. Dieses Basin war nach vorne hin begrenzt, und reichte nicht viel weiter als etwas vor die Augen. Das bedeutet dass sich das Spermaceti-Organ nicht wie bei den heutigen Pottwalen, sowie den Zwerg-und Kleinstpottwalen bis an die Spitze der Schnauze reichte und diese nach vorne überragte, sondern dass der im Querschnitt halbrunde Oberkiefer schnabelförmig hervorragte, wobei die Prämaxilla, der vorderste Teil des Kiefers, erstaunlich dorso-ventral abgeplattet war. Damit sah Zygophyseter völlig anders aus als die uns vertrauten Pottwale mit ihrem massigen kastenförmigen Kopf, sondern viel eher wie eine Killer-Version eines Schnabelwales, und daher anders als alles andere was wir an Walen kennen.

Ich habe mal eine einfache Zeichnung von Zygophyseter angefertigt, welche oben zu sehen ist. Leider hat der Versuch die Falten, welche beim Verwischen der Wasserfarbstifte entstanden sind, nur zu noch mehr Falten geführt… Ich habe Zygophyseter bewußt etwas anders gestaltet, als in dem Artikel, da der Zeichner jener Rekonstruktion einige Fehler begangen hat. Zum Einen sieht der Wal vor allem durch die Gestaltung des Kopfes insgesamt ziemlich seltsam aus, und die Flossen sind auf sehr unnatürliche Weise dargestellt. Ein Fehler bei dieser Darstellung des Kopfes im Artikel sind die fehlenden Lippen. Abgesehen von ganz wenigen Arten wie dem Gangesdelphin, dessen lange Zähne im vorderen Kieferteil ein wirkliches Schließen des Maules verhindern, und ständig dem Wasser ausgesetzt sind, können Zahnwale ihr Maul dicht schließen. Die Zähne des Ober-und Unterkiefers greifen eineinander, so dass sie beinahe auf gleicher Höhe sind, wenn die Kiefer geschlossen bleiben. Nun werden die Oberkieferzähne von den festen Lippen umrandet, weshalb man selbst bei großzähnigen Arten wie dem Schwertwal bei geöffneten Maul meist nur die Zähne des Unterkiefers sieht. Dieses Fehlen der Oberlippen gibt dem Kopf ein sehr seltsames Aussehen. Außerdem wurde das Vorhandensein gewisser anatomischer Begebenheiten im Halsbereich völlig unterschlagen, denn die Kehle ist dermaßen dünn dargestellt, dass dort das Zungenbein, die Speise-und Luftröhre sowie die dazugehörige Muskulatur keinen Platz gehabt hätte. Zudem habe ich das Spermacetiorgan nicht allzu weit nach vorne verlagert, da ich das Gefühl habe, dass es bei der Originalrekonstruktion zu groß dargestellt wurde. Inwieweit die Form der Melone dem tatsächlichen Aussehen entspricht, ist sehr schwer zu sagen. Sowohl die großen als auch die kleinen Pottwale besitzen ein teilweise schräg vorstehendes Spermacetiorgan, und auch manche Schnabelwale besitzen eine ähnliche Kopfform, wobei bei ihnen der Schnabel frei bleibt. Rein theoretisch könnte aber der Übergang von Schnauze zur Melone durch eine andere Verteilung des Weichgewebes auch deutlich weniger aprupt gewesen sein. Aber genau sagen können wird man das wohl nie. Vielleicht werde ich ja auch irgendwann mal ein Modell dieses bizarren Killer-Pottwales anfertigen.

Quellen:

GIOVANNI BIANUCCI* and WALTER LANDINI
Killer sperm whale: a new basal physeteroid (Mammalia, Cetacea) from the Late Miocene of Italy

Bild des Tages: Modell eines gebärenden Ichthyosaurier

Mittwoch, Oktober 31st, 2007

Ich habe ja leider schon länger nichts mehr geschrieben, und momentan sind noch mehrere Artikel kurz vor der Veröffentlichung, daher kann ich nur ein Bild des Tages posten, ein sehr schönes Modell aus der Sonderausstellung des Löwentor-Museums in Stuttgart:

Gebärender Ichthyosaurus

Anhand einiger hervorragend erhaltener Fossilien sind der Geburtsvorgang und sogar die Embryonalentwicklung von Ichthyosauriern recht gut bekannt. Wie heutige Wale wurden sie nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Schwanz voran geboren. Ein populärer Irrtum ist übrigens, dass die Fossilien von Ichthyosauriermütter mit mehr oder weniger ausgepresstem Nachwuchs einen fossilierten Geburtvorgang zeigen. Vielmehr handelt es sich dabei um postmortale Abborte, welche auch von Walen bekannt sind. Dabei führen die Faulgase im Körper eines trächtigen Tieres zu einem Herauspressen des Nachwuchses.

Hier noch eine Kopfansicht dieses schönen Modells:

Bild des Tages: Saurichthys

Samstag, Oktober 20th, 2007

Da ich heute zu sonst nichts gekommen bin, poste ich mal wieder das Bild des Tages. Diesmal das Photo einer Saurichthys-Rekonstruktion, aus dem Museum am Löwentor in Stuttgart:

Saurichthys

Dieser vergleichsweise kleiner Raubfisch der Trias. Mit einer Länge von etwa einem Meter  muss er mit seinem langgestreckten Körper und der spitzen Schnauze ganz ähnlich wie ein großer Hornhecht ausgesehen haben.  Trotz ihrer recht geringen Größe vergingen sich diese Fische teilweise an vergleichsweise sperriger Beute, wie man von einem fossilen Speiballen dieser Tiere weiß, welcher die Reste des kleinen Pterosauriers Preondactylus enthält. Hier noch mal eine Kopfansicht:

Beinahe ein echter Dinosaurier…

Freitag, Oktober 19th, 2007

Dass Vögel direkte Nachfahren der Dinosaurier sind ist inzwischen relativ weitläufig akzeptiert (abgesehen von Kreationisten, und den BANDits, die sich vor allem aus Ornithologen zusammensetzen, und davon ausgehen, dass Vögel und Dinosaurier von einem gemeinsamen, bisher noch unentdeckten Vorfahren abstammen. BAND steht übrigens für Birds Are Not Dinosaurs), aber irgendwie fällt es doch ziemlich schwer, die im Garten umherhuschenden Amseln oder die Gehsteige verunzierenden Tauben wirklich mit etwas in Verbindung zu bringen, das man in aller Regel eher als groß und schuppig ansieht. Seit einigen Jahren häufen sich teilweise spektakuläre Funde, welche beweisen dass schon eine ganze Reihe von kleineren Theropoden befiedert war, selbst beim berühmt-berüchtigten Velocraptor konnte kürzlich nachgewiesen werden, dass er Federn an den Armen trug. Das wirft natürlich viele bisherigen Vorstellungen und Rekonstruktionen völlig über den Haufen. Egal, mir haben die Jurassic-Parc-Raptoren auch ohne Federn gut gefallen, obwohl sie auch nur die grau-braune Einheitsfarbe aller Dinosaurier in diesem Meisterwerk der Filmkunst tragen. Bedebkt man, dass nun einige Theropoden befiedert waren, kann man sich schon viel eher vorstellen, wie ein lebender Dinosaurier gewirkt haben muss, vor allem wenn man Arten heranzieht, welche große Ähnlichkeiten in Größe und allgemeiner Morphologie haben. Als ich vor kurzem an den Volieren eines Kleintierzüchtervereins entlang ging, und auf eine Schar wunderschöner Truthähne stieß, war ich zugegebenerweise fasziniert, denn es gab einst einen Dinosaurier, welcher zu Lebzeiten fast genauso ausgesehen haben könnte. Diese Truthähne waren keine hässlichen weißen Fleischputen mit zerzausten Federn, wie sie üblicherweise gezüchtet werden, um den Fleischmarkt zu befriedigen, sondern wunderschöne Vögel mit dunklen gepflegten Gefieder:

Die kräftigen Beine und der nackte Hals und Kopf geben ihnen zusätzlich ein gewisses Dino-flair, außerdem erscheinen sie bei normal angelegten Gefieder auch viel schlanker, und damit dinosaurierähnlicher, als wenn sie sich, wie auf vielen Bildern zu sehen, aufplustern.

Ich hatte bei meinem Besuch im Museum am Löwentor vor ein paar Wochen die Gelegenheit zwei Skelettabgüsse des kleinen Theropoden Caudipteryx zu photographieren. Dieser kleine Theropode ist in Größe und Gestalt fast identisch mit einem Truthahn, nicht nur weil er Federn trug, sondern weil er auch einen extrem kurzen Schwanz, kleine flügelähnliche Arme und einen schnabelartigen Kiefer besaß. Beachtenswert sind auch die enorm langen Beine:

Und hier noch mal in der Fundsituation:

Ich denke es ist durchaus lohenswert selbst so ordinär erscheinende Tiere wie Puten einmal genauer zu betrachten, denn auch Tiere die jeden Tag millionenfach erbrütet, geschlachtet und gegessen werden, können erstaunlich interessant sein, sowohl in Bezug auf das Verhalten, als auch auf die Anatomie.