Bild des Tages: Giraffengazellen

Neben dem im letzten Beitrag gezeigten Felsenspringer gibt es im Stuttgarter Rosensteinmuseum noch eine ganze Reihe anderer interessanter Präparate von ungewöhnlichen Huftieren, etwa von Giraffengazellen (Litocranius walleri). Woher die Giraffengazelle ihren Namen hat, ist unschwer zu erraten, denn sie ist nicht und ausgesprochen hochbeinig, sondern hat auch eine äußerst langen Hals, beides Anpassungen um Blätter von Bäumen und Sträuchern abzufressen.

Giraffengazelle (1)

Männliche Giraffengazellen wiegen bis etwa 45 kg, bei einer Schulterhöhe von 89-105 cm, während Weibchen mit etwa 30 kg Körpergewicht und Schulterhöhen von 80-100 cm etwas kleiner bleiben. Aufgrund der langen Beine und dem langen Hals können Giraffengazellen schon in normaler Position recht hohe Zweige erreichen, allerdings sind sie in der Lage sich senkrecht auf ihre Hinterbeinen aufzurichten, und dadurch auch erheblich höher wachsende Blätter zu erreichen, welche außerhalb der Reichweite der allermeisten anderen Tiere stehen. Wenn sie aufrecht stehend Blätter abweiden, benutzen sie ihre grazilen Beine um sich mit ihnen an Ästen oder Stämmen abzustützen, ganz ähnlich wie Ziegen das auch machen, nur weitaus eleganter.

Was man weder beim Präparat noch beim lebenden Tier sieht, sind die erstaunlich massiven Halswirbel, welche für eine Gazelle dieser Größe und noch dazu bei einem so kleinem Kopf ziemlich stark ausgeprägt sind. Ein tolles Photo kann man aber hier sehen.

Hier ist noch einmal ein Photo einer jungen Giraffengazelle. Das erwachsene Tier im Hintergrund soll übrigens nicht die Mutter darstellen, denn nur männliche Exemplare besitzen Hörner.

Giraffengazelle (2)

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Mit Stöckelschuh-Hufen in den Bergen unterwegs – der Klippspringer

Eigentlich wollte ich schon länger über den Klippspringer schreiben, allerdings war das einzige Photo des wunderschönen Präparates welches ich im Schloss Rosenstein in Stuttgart gemacht hatte, nicht sonderlich gut geworden. Daher habe ich gewartet bis ich bei  meinem letzten Besuch noch einmal bessere Photos machen konnte.

Der Klippspringer (Oreotragus oreotragus) ist eine kleine afrikanische Antilope, welche auf den ersten Blick nicht besonders auffällig wirkt. Mit einer Schulterhöhe von kaum 60 cm und einem Gewicht von nur 10-13 kg sind sie wirklich ziemlich klein, und auch ihr Gehörn, welches außer bei einigen im Norden ihres Verbreitungsgebietes lebenden Populationen nur bei den Männchen zu finden ist, wirkt nicht sonderlich imposant. Wie so oft sind es aber die eher unauffälligen Details, welche die eigentlichen Besonderheiten darstellen.

Im Falle der Klippspringer sind dies ihre einzigartigen Hufe, welche ein absolutes Extrem unter den Huftieren darstellen, und eine ungewöhnliche Anpassung an einen felsigen Lebensraum sind. Ihre Füße sind extrem gestreckt, und sie treten ausschließlich mit den ungewöhnlich langen Hufspitzen auf den Boden, beinahe so als ob sie auf Stöckelschuhen laufen würden.

Klippspringer (1)

Während vergleichbares Schuhwerk allerdings so ziemlich das letzte ist was man bei einer Tour in die Berge anziehen sollte, stellen die Stelzenfüße der Klippspringer ein besonders nützliches Fortbewegungsmittel in ihrem Lebensraum dar.

Die sehr kleinflächigen Hufspitzen finden noch auf kleinsten Felsvorsprüngen Halt, durch die Dicke des Keratinanteils stellen sie gleichzeitig auch einen guten Schutz der Füße auf scharfkantigen Felsen dar.

Klippspringer (2)

Klippspringer bewohnen zwar nicht nur Bergregionen, sondern auch Savannen und bewaldete Gebiete, doch halten sie sich häufig in der Nähe von exponierten Felsen und Bergformationen auf. Interessant ist auch dass Klippspringer lebenslange Paarbildungen eingehen, und Männchen und Weibchen teilweise auch abwechselnd fressen, während einer der Partner nach potentiellen Raubtieren Ausschau hält.

Auf diesem Photo von Wikipedia sieht man noch mal die Hufe in der Frontalansicht, wobei man auch gut erkennen kann wie weit die beiden Hufe auseinanderstehen.

Klipspringer_(Oreotragus_oreotragus)_feet

Ein weiteres interssantes Detail ist das Fell, welches keine einheitliche Färbung auffweist, sondern aus sehr hellen und sehr dunklen Haaren besteht, welche dicht beieinander stehen, so dass aus der Entfernung eher der Eindruck eines gräulich-braunen Fells entsteht. Dieses Phänomen findet sich auch bei vielen anderen Säugern, doch beim Klippspringer sieht man es bei Nahaufnahmen besonders gut.

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Bild des Tages: Schon wieder ein Tukanschädel

Da ich kürzlich mal wieder die beiden Zweigstellen des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart besucht habe, nämlich Schloss Rosenstein und das Museum am Löwentor, möchte ich heute einerseits ein Photo aus einem dieser Museen als Bild des Tages verwenden, und gleichzeitig die Reihe der Vogelschädel und -Skelette erst einmal beenden.

Das Photo zeigt auf besonders schöne Weise den doppelten Aufbau des Vogelschnabels aus dem inneren Knochenanteil des Schädels, und den darüber liegenden Hornscheiden. Leider stand nicht dabei um was für eine Spezies es sich handelt, doch erkennt man vor allem anhand der gezackten Schnabelinnenkanten dass es sich um eine der kleineren Tukanarten handelt.

Tukanschädel

Wenn man genau hinsieht, kann man parallel der knöchernen Schnabelkanten kleine Löcher erkennen. Durch diese Foramina verlaufen unter anderem Blutgefäße, welche für das Wachstum der Hornsubstanz verantwortlich sind. Das Keratin selbst ist ein totes Material und kann nicht direkt wachsen, sondern nur von unten her neu gebildet werden. Dies hat viele Vorteile, denn das Keratin ist sehr hart und robust un dennoch flexibel, es kann nachgebildet werden um Abnutzung auszugleichen und es ist relativ leicht. Allerdings begrenzt die Art der Bildung auch die Form eines Schnabels oder auch eines Horns, da komplizierte Oberflächenstrukturen nur ganz zu Beginn der Hornbildung entstehen können, danach aber nur noch von unten her nachgeschoben werden kann, was wiederum auch die Komplexizität der Gesamtform einschränkt.

Dies ist wohl auch der Grund dass die Schnäbel von Vögeln trotz ihrer großen Verschiedenheit und der enormen Anzahl an Vogelarten sich letztendlich alle noch verhältnismäßig ähnlich sehen, da sie schlichtweg nicht die Formenfülle entwickeln können, welche bei bezahnten Kiefern ohne Hornschnabel möglich ist. Ähnlich verhält es sich übrigens auch bei Hörnern und Geweihen, aber das ist ein anderes Thema, auf das ein anderes mal eingegangen werden soll.

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Bilder des Tages: Elefantenvogel-Schädel (Aepyornis maximus)

Um die Serie der Ratiten-Schädel und -Skelette weiter zur führen gibt es heute ein paar Photos eines Schädels des berühmten Elefantenvogels Aepyornis maximus, genau genommen um einen Abguss desselben, welcher in dem wirklich fantastischen Zoologischen Museum in Kopenhagen ausgestellt ist.

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Aepyornis maximus gehört zweifellos zu den besonders bedauernswerten zoologischen Verlusten, denn dieser spektakuläre Riesenlaufvogel ist auf Madagaskar vor gerade mal ein paar hundert Jahren ausgerottet worden, und hat möglicherweise noch bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts überlebt.

Man darf sich Aepyornis auch keineswegs als eine besonders kompakte Version eines Afrikanischen Strauß vorstellen, auch wenn er zuweilen auch in älteren Büchern als “Riesenstrauß” bezeichnet wird. Leider gibt es keinerlei Aufzeichnungen welche uns irgendwelche Aufschlüsse über das Lebendbild dieser Vögel liefern würden, daher sind natürlich sämtliche Darstellungen in Bezug auf Art, Farbe und Verteilung des Gefieders und eventuell sichtbarer und möglicherweise sogar auffällig gefärbter Hautpartien vollkommen spekulativ.

Es gibt aufgrund der Untersuchung von mitchondrialer DNA Hinweise darauf dass die Elefantenvögel näher mit Emus und Kasuaren verwandt waren als mit dem Afrikanischen Strauß, aber selbst dann muss man noch eine viele Jahrmillionen andauernde eigenständige Evolution auf Madagaskar mitbedenken. Insofern wird es wirklich sehr schwierig eine auch nur einigermaßen befriedigende Rekonstruktion zu wagen, insbesondere da sich die heutigen Laufvögel teilweise ganz erheblich in ihrem Gefieder oder dem Ausmaß und der Ausformung unbefiederter Hautpartien unterscheiden. Waren die Elefantenvögel eher unscheinbar wie Nandus oder weibliche Afrikanische Strauße, zeigten sie einen farbliche Sexualdimorphismus in der Gefiederfarbe oder möglicherweise sogar auffällig bunte oder voluminös ausgeformte Hautausformungen wie beim Kasuar? Man wird es leider höchstwahrscheinlich niemals wissen. Wenn man aber eine Sache sagen kann, dann dass es eher unwahrscheinlich ist, dass sie eine besondere Ähnlichkeit zum Afrikanischen Strauß hatten.

Leider hatte ich bei meinem Besuch in Kopenhagen kein Maßband oder ähnliches dabei, daher habe ich behelfsmäßig mein zur damaligen Zeit genutztes Handy als Größenvergleich benutzt.

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Man sieht gut dass sich der Schädel vom Strauß und Aepyornis wirklich deutlich voneinander unterscheiden. Während bei ersterem der Schabel flach und eher konkav geformt ist, findet sich beim Aepyornis ein relativ nahtloser Übergang des Stirnbereichs in den Schnabels, welcher insgesamt auch kräftiger gebaut ist als bei Strauß.

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Insgesamt ähnelt der Schädel viel eher dem eines Emus, aber mit einem etwas länger gezogenem Schnabel und insgesamt robuster im Bau.

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Bilder des Tages: Emu-Skelett

Nachfolgend zum Afrikanischen Strauß gibt es heute das Skelett eines weiteren Ratiten, nämlich vom Großen Emu (Dromaius novaehollandiae), welches im Zoologischen Museum in Kiel zu sehen ist.

Emu-Skelett im Zoologischen Museum Kiel

Emu-Skelett im Zoologischen Museum Kiel

Oberflächlich betrachtet ähnelt sich das Skelett von Strauß und Emu, wenn man allerdings genauer hinsieht, erkennt man schnell einige deutliche Unterschiede. Während der Afrikanische Strauß auffällige und auch recht große Flügel hat, sind sie beim Emu ziemlich klein und beim lebenden Tier unter dem zottigen Gefieder kaum zu sehen. Der Oberarmknochen ist auffällig klein, und der Flügel endet lediglich in einer einzigen sichelförmig gebogenen Kralle.

Emu-Flügelknochen

Emu-Flügelknochen

Dagegen sind die Füße beim Emu  weitaus konservativer gebaut, und haben drei vollausgebildete große Zehen.

Emu-Fußknochen

Emu-Fußknochen

Dieser Beitrag ist nun im Gegensatz zum letzten leider wieder nur sehr kurz geworden, aber schließlich ist es auch schon recht spät während ich dies schreibe.

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Bilder des Tages: Schädel, Knochen und Skelett vom Strauß

Heute gibt es nicht das Bild eines einzelnen Vogelschädels, sondern gleich mehrerer, und dazu noch ein ganzes Skelett und einzelne Knochen und Eier. Zudem handelt es sich um einen in vieler Hinsicht ziemlich ungewöhnlichen Vogel, der gleich mehrere Rekorde hält, nämlich der Afrikanische Strauß Struthio camelus.

Zuerst der Schädel eines Straußes, welcher im Museum Schloss Rosenstein in Stuttgart ausgestellt ist:

Straußen-Schädel Museum Schloss Rosenstein

Straußen-Schädel Museum Schloss Rosenstein

Hier ist noch eine komplett laterale Ansicht eines halben Straußenschädels, aus der Zoologischen Schausammlung Heidelberg:

Afrikanischer Strauß Heidelberg

Man sieht auf diesen beiden Photos vor allem zwei Dinge sehr gut, nämlich die sowohl in absoluter als auch in relativer Größe riesigen Augenhöhlen des Schädels sowie der erstaunlich fragil gebaute Schnabel.

Die nächsten Photos zeigen ein Straußenskelett welches im zoologischen und tiermedizinischen Museum in Hohenheim ausgestellt ist:

Straußenskelett Hohenheim

Straußenskelett Hohenheim

Interessant sind auch die anderen Skelette sowie die augestellten Eier. Das Ei ganz links ist von einem Nandu, das in der Mitte vom Strauß, das braune rechts von einem Kasuar und das ganz große hinten rechts ein Modell eines madagassischen Elephantenvogels (Aepyornis maximus), zu dem mehr in einem der nächsten Beiträge). Paradoxerweise legt der Strauß zwar einerseits die größten Eier unter allen lebenden Vögeln, aber im Verhältnis zu seiner eigenen Körpermasse sind es die kleinsten. Das Skelett vorne rechts war leider nicht beschriftet, aber es sieht aus als könnte es ein Sattelstorch gewesen sein.

Der Strauß ist ja bekanntermaßen flugunfähig, dennoch sind seine Flügel erstaunlich lang, und vor allem der Humerus sehr gut ausgebildet, wenngleich auch recht dünn.

Strauß Flügelknochen

Strauß Flügelknochen

Strauße benutzen ihre Flügel unter anderem zur Balance beim Rennen, außerdem kommen bei den Männchen die großen Schmuckfedern an den flugunfähigen Schwingen bei der Balz zum Einsatz.

Was man leider nicht mehr sieht, sind die Fingerkrallen. Tatsächlich besitzen eine ganze Reihe von Vögel kleinen dünne Krallen an ein oder zwei ihrer Fingerspitzen, der Strauß sogar an allen drei Fingern. Allerdings scheinen diese mit Horn überzogenen Spitzen beim vorliegenden Skelettpräparat gar nicht erst miteingebaut worden zu sein.

Strauß Fingerknochen

Strauß Fingerknochen

Ein weiteres sehr ungewöhnliches anatomisches Merkmal des Afrikanischen Strauß sind die hufartigen Füße. Als einziger unter allen Vögeln sind sie die ursprünglich vier vorhandenen Zehen zu nur noch zwei Zehen reduziert.

Strauß Fuß

Strauß Fuß

Ein weiteres sehr schönes und lehrreiches Exponat in Hohenheim ist dieser Oberschenkelknochen von einem Strauß, welcher der Länge nach durchgeschnitten ist:

Strauß Femur

Strauß Femur

Wenn man noch einmal kurz hochscrollt, und sich diesen Knochen innerhalb des Skelettes ansieht, erkennt man dass er sowohl in seiner Größe, als auch in seinen Proportionen einem Oberschenkelknochen von einem Rind nicht wirklich nachsteht. Doch der Schein trügt, denn trotz des massiven Aussehens, ist der Knochen größtenteils hohl, und die Compacta an der Außenseite nur sehr dünn, während die schwammartig aufgebaute Spongiosa das Hauptvolumen ausmacht.

Das nächste Photo ist leider nicht sehr gut geworden, da ich durch eine Scheibe photographieren musste. Es stammt ebenfalls aus der Zoologischen Schausammlung in Heidelberg, und zeigt oben das Brustbein einer Hausgans, und unten das Brustbein eines Strauß. Für sich genommen ist dies vielleicht der merkwürdigste Knochen im ganzen Straußenskelett. Irgendwie erinner er mich in seiner Form sehr an die Schädel bestimmter Meiolaniiden, großer bis sehr großen Landschildkröten mit Hörnern und Keulenschwänzen, deren letzte Vertreter auch erst zu Beginn des ersten Jahrtausends ausstarben.

Strauß- und Hausganz-Sternum

Strauß- und Hausgans-Sternum

Der Kiel den man sowohl beim Gänsesternum als auch bei jedem Grillhähnen während des Zerlegens sehr gut sehen kann, und der Flugmuskulatur als einer der wichtigsten Ansätze dient, ist wie man sieht komplett zurück gebildet.

Eigentlich sollte dies nur ein kurzes Bild des Tages werden, allerdings hat der Beitrag eine gewisse Eigendynamik entwickelt, und ist jetzt doch deutlich länger geworden als geplant.

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Bild des Tages: Riesentukanschädel

Heute gibt es nur ein kurzes Bild des Tages, allerdings soll dies der Auftakt einer Reihe von interessanten und ungewöhnlichen Vogelschädeln-und Skeletten werden. Den Beginn macht der Schädel eines Riesentukans (Ramphastos toco) aus der Zoologischen Schausammlung Heidelberg:

Riesentukan-Schädel (Ramphastos toco)

Riesentukan-Schädel (Ramphastos toco)

Dieses Schädelpräparat zeigt sehr schön wie stark hypertrophiert der Schnabel dieser Vögel ist. Wenn man genau hinsieht, erkennt man zumindest im vorderen Teil der Schnabelränder eine leichte Wellenform, welche am Hornanteil des Schnabels in Form von flachen, nach vorne gerichteten Zacken ausläuf. In Ermangelung eigener guter Bilder von Riesentukanen ist hier ein Photo von Wikipedia, um die sägeartigen Schnabelränder besser zu zeigen. Was man auf diesem Photo bei geschlossenem Schnabel allerdings leider nicht sieht, ist dass diese Zacken nicht nur oben, sondern auch unten im Schnabel vorhanden sind:

Riesentuka Ramphastos_toco4 von Wikipedia

Wozu braucht aber nun der Riesentukan diese seltsamen Zacken und diesen absurd großen Schnabel überhaupt?

Tukane haben ein recht breites Nahrungsspektrum, welches vor allem aus Früchten, aber auch Vogeleiern und gelegentlich auch kleineren Tieren wie Insekten, kleinen Reptilien, sowie Nestlingen und kleine Vögeln besteht. Kleinere Früchte werden vom Riesentukan am Stück gefressen, größere dagegen im Schnabel zerquetscht, und der austretende Saft getrunken. Dabei helfen die Zacken die Früchte am Abrutschen zu hindern. Zudem ist der sehr lange und leicht gebogene Schnabel natürlich auch ein sehr gutes Werkzeug um Früchte an schwer erreichbaren Stellen, etwa auch zwischen Stacheln oder Dornen zu pflücken, sowie um Eier und Nestlinge aus tiefer in Baumhöhlen gelegenen Nestern zu rauben.

Um noch mal einen besseren Eindruck von der Größe des Schnabels im Vergleich zum ganzen Vogel zu bekommen, ist hier noch mal ein Photo eines Riesentukans (von Wikipedia)

Riesentukan (von Wikipedia)

Riesentukan (von Wikipedia)

 

Auch hier gäbe es – wie eigentlich immer – noch viel mehr über diese faszinierenden Vögel zu schreiben, etwa über all die anderen, weitaus weniger bekannten Tukan-Arten, aber das soll nun erst einmal genug sein.

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Der Riesensturmvogel – blutgieriger “Geier” der Antarktis

Als ich zum ersten Mal einen Riesensturmvogel in der Zoologischen Schausammlung der Universität Tübingen in voller Lebensgröße sah, war ich wirklich beeindruckt von dessen enormer Gestalt. Zwar kannte ich diese an Raubmöwen erinnernden Vögel bereits von Bildern und aus Dokumentationen, doch geben diese kaum eine Vorstellung davon, wie sie aus nächster Nähe wirken. Mit Körperlängen von 86-99 cm und Gewichten von etwa 5 (für Männchen) bis sogar 8 kg (für große Weibchen) übertreffen sie sogar große Seeadler, auch wenn sie mit nur etwa 2 Metern nicht deren Spannweiten erreichen.

Riesensturmvogel Macronectes giganteus in der Zoologischen Schausammlung Tübingen

Riesensturmvogel Macronectes giganteus

Es gibt zwei Arten von Riesensturmvögeln, den oben abgebildeten Südlichen Riesensturmvogel (Macronectes giganteus) sowie den Nördlichen Riesensturmvogel oder Hall-Riesensturmvogel (Macronectes halli). Beide Arten sehen sich sehr ähnlich, und überschneiden sich teilweise auch in ihrem Verbreitungsgebiet, jedoch kommt erstgenannte tendenziell weiter südlich vor als der Nördliche Riesensturmvogel, außerdem unterscheiden sie sich an der Farbe ihrer Schnabelspitzen.

Riesensturmvogel im Flug (von Wikipedia)

Riesensturmvögel spielen in ihrem vor allem marinen Verbreitungsgebiet eine ähnliche Rolle wie Geier auf dem Festland und in gemäßigteren Zonen. Ein recht großer Anteil ihrer Nahrung besteht aus Aas, sowohl angeschwemmten toten Fischen und anderen kleineren Meerestieren, als auch verendeten Robben, die in großen Kolonien immer wieder anfallen. Außerdem fressen sie auch zuweilen Krill und Kalmare, sowie auch Abfälle die von Schiffen ins Meer geworfen werden. Teilweise attackieren und töten sie aber auch junge Pinguine.

Als Anpassung an ihre Lebensweise besitzen Riesensturmvögel sehr große und ungewöhnlich kräftige Schnäbel, welche es ihnen auch erlauben frische Kadaver von Seeelefanten und anderen Robben aufzureißen. Allerdings ist er auch eine tödliche Waffe bei der Jagd auf Pinguine.

Riesensturmvogel Schnabel

Riesensturmvogel Schnabel

Auf diesem Photo sieht man sehr gut wie Riesensturmvögel mit ihren kräftigen Schnäbeln Robbenkadaver zerreißen können. Oft dringen sie mit ihren Köpfen tief in die Körperhöhlen der Kadaver ein um an die Eingeweide zu gelangen, so dass sie dann häufig bis zum Hals völlig mit Blut verschmiert sind.

Riesensturmvogel an Robbenkadaver (von Wikipedia)

Wie bereits erwähnt dient dieser Schnabel aber nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Waffe bei der Jagd. In dem weiter unten verlinkten Video sieht man sehr gut wie wirkungsvoll und tödlich er dabei eingesetzt wird. Es sei darauf hingewiesen dass dieses Video nichts für schwache Mägen oder schwache Nerven ist, dem noch lebenden und zwischendurch sogar wieder flüchtenden Pinguin werden bei lebendigen Leib die Gedärme aus der Kloake herausgerissen und gefressen, während ein anderer Riesensturmvögel Stücke aus dem Hals heraus pickt und verschlingt.

Riesensturmvögel attackieren Pinguin

Derartige Aufnahmen kommen nicht ganz zu Unrecht normalerweise nicht im Fernsehen, aber man muss sich bewusst machen, dass dies ein Teil der Natur ist. Auch andere Raubtiere töten und fressen zuweilen auf ähnliche Weise, auch Arten wie Wölfe oder etwa Seelöwen, was man aber normalerweise nicht zu sehen bekommt. Unsere Vorstellungen von “gut” und “böse” sind aber subjektiv, und lassen sich von unseren Werten nicht auf die Tierwelt übertragen.

In der leicht schrägen Frontalansicht sieht man sehr gut die ungewöhnliche Nasenpartie, welche das namensgebende Merkmal der Procellariiformes oder Röhrennasen ist, zu welchen auch die Riesensturmvögel gehören. Statt zu den Seiten öffnen sich die beiden Nasenlöcher unterhalb der Hornleiste als zwei Röhren nach vorne hin. Über diese Röhren wird überschüssiges Salz ausgeschieden, welches als stark salzhaltiges Sekret von speziellen Drüsen oberhalb der Nasenpassage sezerniert wird.

Riesensturmvogel Röhrennase

Riesensturmvogel Röhrennase

Zudem haben verschiedene Röhrennasen, und unter diesen auch die Riesensturmvögel, die ungewöhnliche Fähigkeit eine stinkende, ölige Flüssigkeit auf Angreifer zu speien.. Dies geschieht allerdings trotz gelegentlich anderslautenden Behauptungen nicht über die Nasenöffnung, sondern über den geöffneten Schnabel. Speziell den Riesensturmvögeln hat diese Fähigkeit auch den Beinamen “Stinker” eingebracht. Dieses “Magenöl” enthält unter anderem Wachsester und Triglyceride, und erhärtet auch beim Abkühlen unterhalb der Körpertemperatur. Als Abwehr gegen Feinde ist dieses stinkende gelbliche Öl nicht nur auf Grund des Geruchs wirksam, sondern auch weil es bei anderen Vögeln die Federn verkleben und deren Flug-und Schwimmfähigkeit beeinträchtigen kann. Neben der defensiven Wirkung hat das bei der Verdauung der Nahrung gebildete Magenöl aber noch eine ganz andere Bedeutung. Es ist extrem energiehaltig, und hat einen kalorischen Brennwert, welcher fast so hoch wie Dieselöl ist. Die fütternden Altvögel, welche teilweise große Strecken bei der Suche nach Nahrung zurücklegen müssen, können auf diese Weise größere Mengen an Futter sozusagen energetisch komprimieren, da das Öl bei gleichem Gewicht viel nahrhafter ist Fisch oder Fleisch.

Riesensturmvogel (von Wikipedia)

Dies ist nun statt dem eigentlich beplanten “Bild des Tages” tatsächlich wieder ein ganzer Artikel geworden, auch wenn er nur einen kleinen Teil der faszinierenden Natur der Riesensturmvögel zeigt. Wer einmal selbst die Gelegenheit hat, einen solchen Vogel in einem Museum, oder vielleicht sogar in der freien Natur zu sehen, der sollte sich die Zeit nehmen und ihn einmal näher in Augenschein nehmen.

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Bei den Smaragdeidechsen am Kaiserstuhl

Smaragdeidechse am Badberg

Schon seit vielen Jahren wollte ich einmal den Kaiserstuhl besuchen, jenes vulkanisch entstandene Mittelgebirge im Breisgau, welches durch sein besonderes Mikroklima einige geradezu exotisch anmutende Arten beherbergt, die man kaum sonst irgendwo in Deutschland findet. Schon seit meiner Kindheit kenne ich jenes fast schon unwirklich anmutende Gebiet, dem (fast) allein zu verdanken ist, dass auch solche südländischen Tierarten wie Smaragdeidechsen, Gottesanbeterinnen oder Bienenfresser in die Werke über die einheimische Fauna Eingang finden durften. Erst später lernte ich dass jene Exoten teilweise auch in anderen Gebieten Deutschlands vorkommen, allerdings auch nur an sehr wenigen Standorten, und teilweise extrem lokal begrenzt, und dieser Umstand machte den Kaiserstuhl für mich nicht weniger spannend.

Einen praktischen Brückentag nutzend, entschied ich mich dann relativ spontan dem schon lange gehegten Wunsch nachzukommen, und einen Kurzurlaub im Breisgau zu machen. Der Hauptgrund den Kaiserstuhl zu besuchen, waren für mich vor allem die dort vorkommenden Smaragdeidechsen, jenen größten und farbenprächtigsten Eidechsen die noch nördlich der Alpen vorkommen. Nun muss man allerdings wissen, dass es nicht nur eine, sondern zwei Arten von Smaragdeidechsen in Mittel-und Südeuropa gibt, die Westliche Smaragdeidechse Lacerta bilineata und die Östliche Smaragdeidechse Lacerta viridis. Beide Arten sehen sich ausgesprochen ähnlich, und wurden erst vor relativ kurzer Zeit überhaupt als verschiedene Spezies erkannt. Interessanterweise kommen in Deutschland beide Arten vor, allerings nur auf einigen wenigen weit voneinander getrennten Populationsinseln, während ansonsten lediglich in Oberitalien und teilweise auch in Kroatien eine Hybridisierungszone besteht, in welcher sich die jeweils äußersten Bereiche der Populationen von Westlicher und Östlicher Smaragdeidechse überschneiden:

Verbreitungsgebiet der Westlichen und Östlichen Smaragdeidechse (von Wikipedia)

Lange wurden die Smaragdeidechsen am Kaiserstuhl als Lacerta bilineata geführt, allerdings zeigen neue Studien, dass es sich wohl doch um Lacerta viridis handelt.

Der Smaragdeidechsenpfad oberhalb von Vogtsburg am Kaiserstuhl

 

Um möglichst gute Chancen zu habe auch einige Smaragdeidechsen zu entdecken, machte ich mich auch bereits im Vorfeld kundig, wo man diese am ehesten antreffen kann. Tatsächlich gibt es direkt hinter dem kleinen Ort Vogtsburg beginnend einen “Smaragdeidechsenpfad” genannten Themenpfad, welcher durch die terrassierten Weinberge führt, und auch verschiedene Infotafeln über die dort vorkommenden Reptilien informieren. Leider kam ich erst etwa gegen 13 Uhr am Kaiserstuhl an, und es war schon ziemlich heiß, daher verwunderte es mich nicht dass ich an diesem Tag keine einzige mehr zu Gesicht bekam, lediglich ein gelegentliches verdächtiges Rascheln im Gras deutete auf ihr Vorhandensein hin.

An einigen Stellen liegen senkrechte kahle Lösswände, welche teilweise voll von den Bruthöhlen verschiedener Wildbienen sind.

Wildbienen-Bruthöhlen

Wildbienen-Bruthöhlen

Teilweise sieht man auch farbenprächtige parasitäre Schlupfwespen umherfliegen, welche ihre Eier in den Bruthöhlen der Wildbienen legen.

Parasitäre Schlupfwespe in der Mitte des Photos

In manchen dieser Lösswände finden sich auch alten Bruthöhlen von Bienenfressern. In dieser hier fanden sich zahlreiche Trichter von Ameisenlöwen:

Ameisenlöwen in alter Bienefresser-Bruthöhle.

Danach machte ich noch eine lange und wirklich sehr schöne Wanderung über den gegenüber gelegen Badberg, welcher sich vor allem durch eine reiche Vielfalt seltener Pflanzen und Schmetterlinge auszeichnet.

Wanderpfad auf dem Rücken des Badberges

Wanderpfad auf dem Rücken des Badberges

Blick auf den Badberg vom Smaragdeidechsenpfad aus gesehen:

Badberg

Badberg

Hier ein Bläuling:

Bläuling

Besonders Schachbretter (Melanargia galathea) sind in der Gegend ausgesprochen häufig vertreten.

Schachbretter ((Melanargia galathea)

Schachbretter ((Melanargia galathea)

Mit etwas Glück sieht man auch Schwalbenschwänze (Papilio machaon):

Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Ein weiterer Vorteil war, dass ich nun bereits einen guten Überblick über den Smaragdeidechsenpfad und den Badberg bekommen hatte, und nun schon eine Vorstellung hatte, wo man am besten Ausschau halten könnte. Da ich mich im knapp 30 km entfernten Bad Krozingen einquartiert hatte, und ich nach dem langen und recht anstrengenden Marsch am Kaiserstuhl erst einmal einen etwas ruhigeren Tag einlegen wollte, besuchte ich am folgenden Tag  das nahe gelegene Staufen. Oberhalb des Ortes ragt ein größtenteils mit Wein bebauter Hügel, dessen Spitze von den Ruinen der Burg Staufen gekrönt werden.

Burgruine Staufen

Burgruine Staufen

Kurz unterhalb der Ruine sah ich dann auch die ersten Eidechsen auf meiner Reise, allerdings keine Smaragdeidechsen, sondern Mauereidechse (Podarcis muralis).

Mauereidechse (Podarcis muralis) unterhalb der Ruine Staufen

Zwar kein wirklicher Exot, doch immerhin ein Anfang. Auch konnte ich keine der unterhalb der Burgruine in den Streuobstwiesen teilweise vorkommenden seltenen Vogelarten wie Neuntöter, Wendehals oder Pirol ausmachen, aber immerhin zwei schöne Goldammern.

Goldammer weiblich

Leider sind diese Bilder nicht allzu scharf, da ich den maximalen Zoom meiner Kamera verwenden musste, und obendrein auch davon hier nur ein Bildausschnitt zu sehen ist.

Goldammer männlich

Auch Schlingnattern und Gottesanbeterin (Mantis religiosa) kommen in den nach Süden ausgerichteten Weinbergen unterhalb der Ruine vor, doch auch von ihnen war leider keine zu sehen. Dazu muss aber auch gesagt sein, dass man dafür auch schon ziemliches Glück haben muss. Ich habe bisher auch erst ein einziges Mal eine Schlingnatter gesehen, ein wunderschönes kupferfarbenes Männchen, noch dazu auf meinem eigenen Gartengrundstück. Auch Gottesanbeterinnen können selbst in Gebieten in denen sie durchaus verbreitet sind, extrem schwer aufzuspüren sein, wie ich bereits sowohl auf den Kanaren, als auch auf Kreta, Mallorca und in Oberitalien feststellen musste. Nichtsdestotrotz ist es gut zu wissen dass sie auch bei Staufen vorkommen.

Später am Tag fuhr ich dann etwas weiter in den Schwarzwald hinein, Richtung Münstertal. Vom Kloster St. Trudpert aus machte ich eine anfangs recht vielversprechende  Tour den Wald hinauf, welche später allerdings dermaßen langweilig und eintönig wurde, dass ich mich wieder zur Umkehr entschloss. Auf einer großen Lichtung hörte ich es einige Male im Unterholz rascheln, daher schaute ich mich auch hier gezielt nach Eidechsen um. Zu meiner größten Freude konnte ich tatsächlich wenig später eine Waldeidechse (Zootoca vivipara) ausmachen, welche sich auf einem Stück Holz unter dem Gras sonnte. Das hat mich besonders gefreut, da es gerade mal die vierte adulte Waldeidechse war, die ich bisher überhaupt gesehen habe. Wie man auf dem Bild erkennen kann, ist der für die Art typische lange und kaum vom Körper abgesetzte Schwanz hier gerade am Regenerieren:

Waldeidechse (Zootoca vivipara)

Waldeidechse (Zootoca vivipara)

Der ansonsten einzige interessante Anblick auf dem weiteren Verlauf des ansonsten tristen Weges weiter den Wald hinaus, jede Menge Fingerhüte:

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Am nächsten Morgen war dann ein zweiter Ausflug zum Kaiserstuhl geplant, und dieses Mal war ich um etwa halb zehn Uhr morgens auch deutlich früher dran, und einer der allerersten Wanderer auf dem Badberg. Das war, wie sich noch heraus stellen sollte, auch sehr gut. Auf den höher gelegenen Stelle konnte ich auch am zweiten Besuch keine einzige Eidechse entdecken, doch etwa auf halber Höhe, mitten in einer Wiese neben dem Pfad, entdeckte ich meine allererste Smaragdeidechse, an die ich mich bis auf etwa einen halben Meter heranpirschen konnte. Wie man an der blau-türkisen Färbung am Kopf erkennen kann, unverkennbar ein Männchen:

Smaragdeidechsen-Männchen

Smaragdeidechsen-Männchen

Direkt an der Basis des Badberges sah ich dann noch einige weitere Smaragdeidechsen, darunter auch ein Weibchen. Mir fiel auf dass die meisten von ihnen eine extrem hohe Fluchtdistanz hatten, und teilweise schon flüchteten obwohl ich noch sechs bis sieben Meter entfernt war, und nur sehr langsam vorwärts ging. Dennoch gelangen mir ein paar brauchbare Bilder, wenngleich ich auch nicht jede der Smaragdeidechsen photographieren konnte, bevor sie verschwunden war. Leider liegt gerade ein besonders dicht von Smaragdeidechsen besiedelter Abschnitt des Badberges direkt an einem sehr stark von Wanderern frequentierten Weg, so dass es hier wirklich empfehlenswert ist frühzeitig Ausschau zu halten, bevor die scheuen Smaragdeidechsen vertrieben werden.

Ein besonders schönes und großes Männchen mit einem anscheinend noch vollständigen und noch nie regenerierten SchwanzL:

Smaragdeidechesen-Männchen

Smaragdeidechsen-Männchen

Hier ein Photo des ersten Weibchens das ich entdeckte. Man sieht deutlich dass ihr Grün weniger intensiv und teilweise von weiß durchzogen ist, und auch die blau-türkise Färbung am Kopf fehlt:

Smaragdeidechsen-Weibchen

Smaragdeidechsen-Weibchen

Hier ein etwas jüngeres Männchen, man sieht dass die Färbung noch nicht so intensiv ist, und auch die Proportionen des Kopfes anders sind:

Junges Smarageidechsen-Männchen

Junges Smarageidechsen-Männchen

Nachdem ich die Badberg-Strecke fertig abgelaufen hatte, beschloss ich es auch trotz der vorrangeschrittenen Stunde und entsprechend hohen Temperaturen kurz vor Mittag auch noch einmal auf dem Smaragdeidechsen-Pfad zu versuchen. Auch dort hatte ich Glück, und konnte noch ein paar Exemplare entdecken. Dabei ist anzumerken dass diese sich zum Großteil nicht an exponierten Stellen sonnten, sondern bereits im Gras und Gestrüpp neben den Wegen unterwegs waren.

Zuguterletzt sah ich auch das erste und einzige Jungtier, ein wunderschön goldgrün glänzendes kleines Smaragdeidechsen-Männchen:

Smaragdeidechsen-Jungtier

Smaragdeidechsen-Jungtier

Man sieht hier auch sehr schön die typischen Proportionen, der Schwanz ist ausgesprüchen lang und dünn, und der Kopf auch proportional deutlich größer als bei einer gleich großen aber bereits ausgewachsenen Zauneidechse, welche ebenfalls am Kaiserstuhl vorkommt.

Alles in allem ein äußerst erfolgreicher Vormittag und Mittag, an dem ich insgesamt zehn Smaragdeidechsen gesehen habe, plus ein paar weitere welche ich nur deutlich vernehmbar aber praktisch unsichtbar unter der trockenen Vegetation vernahm.

Danach begab ich mich noch Nach Breisach, und etwas später auf die fränzösische Seite des Rheins in die beeindruckende Festungsstadt Neuf-Brisach.

Die Befestigungsanlagen von Neuf-Brisach

Die Befestigungsanlagen von Neuf-Brisach

In den gewaltigen Grabenanlagen und auf den hohen Befestigungswällen konnte ich auch noch einige Eidechsen entdecken, sowohl ein paar Mauereidechsen, als auch etwas das mit ziemlicher Sicherheit eine männliche Zauneidechse gewesen ist. Wenn dem tatsächlich so war, habe ich innerhalb von zwei Tagen mit Ausnahme der Westlichen Smaragdeidechse sämtliche Eidechsenarten gesehen, welche in Mitteleuropa vorkommen.

Mauereidechse in Neuf-Brisach

Mauereidechse in Neuf-Brisach

Bevor ich am nächsten Tag wieder nach Hause fuhr, begab ich mich noch auf eine zweistündige geführte ornithologische Tour am Kaiserstuhl. Weitere Informationen dazu findet man hier auf der Seite des Naturzentrum Kaiserstuhl. Die mit geschätzt etwa 40 Teilnehmern sehr gut besuchte Veranstaltung war wirklich interessant und lohnenswert. Man erfuhr eine Menge über verschiedene Vogelarten welche zwischen dem Badberg und den gegenüberliegenden Weinbergen leben. Zu den Highlights gehören natürlich die Bienenfresser, welche mehrmals hoch in der Luft zu sehen und auch zu hören waren. Auch einige Bruthöhlen bekam man zu sehen. Allerdings flogen die Bienenfresser zu hoch um ohne sehr starkes Teleobjektiv vernünftige Photos machen zu können, was ich persönlich nicht ganz so schlimm fand, da ich letztes Jahr auf Kreta einige Bienenfresser auf deutlich kürzere Entfernung auf einer Stromleitung sitzen sah, und auch photographieren konnte.

Bienenfressser-Bruthöhlen

Bienenfressser-Bruthöhlen

Neben einigen weniger seltenen Vögeln wie Ringeltauben und Turmfalken war auch ein Kolkrabe und sogar ein Wespenbussard zu sehen, außerdem konnte ich während der Wanderung durch die Weinberge noch eine weitere Smaragdeidechse entdecken.

Wespenbussard (Pernis apivorus)

Wespenbussard (Pernis apivorus)

Alles in allem ein wirklich ereignisreicher und ausgesprochen schöner Kurzurlaub, in dem ich zahllose Sehenswürdigkeiten aus Natur, Kultur und Geschichte zu sehen bekam. Für mich auf jeden Fall auch ein Ziel für künftige Ausflüge.

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Auf Feuersalamandersuche

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Nummer fünf

Feuersalamander gehören unter den heimischen Tieren zu meinen absoluten Favoriten. Nicht nur weil sie mit ihren leuchtenden Farben selbst den meisten tropischen Pfeilgiftfröschen in nichts nachstehen, oder weil sie die größten heimischen Schwanzlurche sind, sondern weil ihnen auch ein besonders sympathisches Wesen inne ist. Leider sehe ich sie praktisch immer nur überfahren, und in all den Jahren die ich in der Natur unterwegs gewesen bin, habe ich gerade einmal vier erwachsene Exemplare gefunden. Dabei sind sie stellenweise sogar verhältnismäßig häufig, durch ihre versteckte Lebensweise allerdings kaum einmal zu sehen.

Umso erfreuter war ich als ich zusammen mit Bryan Maltais eine Herpetologie-Tour in der Nähe von Esslingen machen konnte, und mehr Feuersalamander zu Gesicht bekommen habe als jemals zuvor. Bryan hat eine wirklich tolle Webseite über Naturphotographien, vor allem aus den USA. Er hat in kompletter Eigenregie auch einige der besten Dokumentationen über Amphibien gedreht, die ich je gesehen habe, sowie über einige andere, im Fernsehen leider in aller Regel mehr oder weniger völlig übergangene Reptilien und Amphibien. Darunter ist auch eine kurze Dokumentation über Feuersalamander und Bergmolche, welche er genau in dem Wald gedreht hat, in dem wir zusammen unterwegs waren:

Fire Salamander and Alpine Newt Nature Documentary

Unsere dreistündige Herpetologie-Tour begann an einem Wasserreservoir, in welchem wir allerdings nur einen sich gleich wieder versteckenden männlichen Teichmolch und einen noch recht jungen männlichen Bergmolch entdeckten:

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Bereits die Bergmolch-Männchen sind erstaunlich bunt gefärbt, und mit ihrem blaugrauen Rücken, den schwargetupften weißen Bändern an Rücken und Flanken und dem tiefrorangen Bäuchen geradezu exotisch bunt. Wie so viele andere Tiere muss man sie nur genau genug ansehen um ihre ganze Schönheit zu entdecken.

Es dauerte allerdings nicht lange bis wir etwas tiefer im Wald den ersten Feuersalamander entdeckten, ein noch nicht ganz ausgewachsenes Exemplar:

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Kurz darauf fanden wir schon den nächsten, ebenfalls ein noch nicht ganz ausgewachser:

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Der nächste Feuersalamander war bereits deutlich größer:

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Etwas tiefer im Wald fanden wir einen weiteren:

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Nur etwa eineinhalb Meter entfernt stießen wir dann auf ein schönes ausgewachsenes Feuersalamander-Weibchen:

Feuersalamander Nummer fünf

Erst nach einer Weile fiel Bryan dann auf dass etwas mit einem der Hinterfüße nicht stimmte. Der rechte Hinterfuß sowie auch der Unterschenkel waren ungewöhnlich breit, und statt der üblichen fünf Zehen, saßen dort sechs:

Feuersalamander mit deformiertem Fuß

Allerdings scheint diese Behinderung keinen negativen Einfluss gehabt zu haben, denn dieses Weibchen war sowohl voll ausgewachsen als auch gut genährt, und zeigte auch ansonsten keinerlei Auffälligkeiten, und der Fuß war uneingeschränkt beweglich.

Auf diesem Bild sieht man die ungewöhnliche Form von Unterschenkel und Fuß sowie die sechs Zehen noch mal besser:

Feuersalamander mit sechs Zehen

Noch mal eine Vergrößerung:

Deformierter Feuersalamander-Fuß mit sechs Zehen

Es handelt sich hierbei allem Anschein nach nicht einfach um einen zusätzlichen Zehen, sondern um eine Art unvollständige Zwillingsbildung, welche zwischen den beiden mittleren Zehen ihren Ursprung zu haben scheint. Was genau diese Missbildung verursacht hat, lässt sich im Nachhinein nicht mehr sagen. Möglicherweise handelte es sich bereits um eine im Mutterleib erfolgte Fehlanlage, allerdings könnte es auch durchaus die Folge einer Verletzung oder Infizierung mit bestimmten Parasiten sein, welche im frühen Larvenstadium zu einer Fehlregeneration führte. Vor Jahren fand ich bereits einmal einen jungen Teichmolch im Garten, welcher an einem seiner Füße eine ganz ähnliche Missbildung aufwies.

Noch mal ein weiteres Photo:

Feuersalamander mit sechs Zehen

Im Jahr 2008 wurde in Nordrhein-Westfalen ein Feuersalamander mit einer ähnlichen, aber noch extremeren Doppelbildung eines Hinterfußes gefunden. Ein Photo, sowie Bilder eines sehr ungewöhnlichen axantischen Exemplares findet man hier.

Bryan ist mit der Gegend ziemlich gut vertraut, und zeigte mir dann noch eine Stelle eines kleinen Baches, an dem sich ein größeres Becken angestaut hatte. In diesem sammelten sich Dutzende von Feuersalamanderlarven.

Feuersalamander Laichgewässer

Zuguterletzt fanden wir noch zwei weitere ausgewachsene Feuersalamander, wieder in nur geringem Abstand voneinander.

Feuersalamander sechs und sieben

Man sieht sehr schön wie sehr sich die Muster voneinander unterscheiden, weniger auffällig ist auf dem Photo allerdings dass beide einen unterschiedlichen Gelbton hatten, beim Exemplar auf der rechten seite ware er sichtlich heller. In diesem Teil von Süddeutschland überschneiden sich die Verbreitungsgebiete des Gestreiften Feuersalamanders Salamandra salamandra terrestris und des Gefleckten Feuersalamanders Salamandra salamandra salamandra. Beide Unterarten, die ja ohnehin schon variable Muster aufweisen, kreuzen sich natürlich in diesen Gebieten auch miteinander, so dass es zu zahlreichen Misch-und Übergangsformen kommt.

Feuersalamander Nummer sieben

Noch etwas weiter südwestlich habe ich auch schon (meistens in Form von Straßenopfern) deutlich kleingeflecktere Exemplare von Salamandra salamandra salamandra gefunden, wobei ich in diesem Gebiet auch der Gestreifte Feuersalamander vorkommt.

Auf dieser Seitenansicht von “Nummer sieben” sieht man auch sehr gut wie kompakt Feuersalamander gebaut sind, vor allem wenn man sie mit dem viel grazilerem Bergmolch weiter oben vergleicht.

Nummer sieben

Alles in allem war dies eine wirklich äußerst erfolgreiche und interessante Tour. Zum Abschluss noch ein Bild zweier Feuersalamander-Fans (Bryan rechts, ich links auf dem Photo):

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