Fische mit Händen und Füßen Teil 1 – die Handfische

Die Seeteufel der Gattung Lophius sind zweifellos die bekanntesten Vertreter innerhalb der Ordnung der Armflosser, wobei allerdings gerade bei ihnen das namensgebende Merkmal, nämlich die “Armflossen”, recht leicht übersehen werden kann. Deutlich besser erkennt man sie bei einigen anderen Unterordnungen, wie etwa den Handfischen (Brachionichthyidae).

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Dabei handelt es sich um relativ kleine bodenbewohnende Fische, welche nur in einem recht kleinen Gebiet um die Südküste Australiens und um Tasmanien vorkommen. Diese nur bis etwa 15 cm groß werdenen Armflosser bewohnen küstennahe Gewässer bis in etwa 60 m Tiefe, wobei sie den Großteil der Zeit am Meeresgrund verbringen, und nur selten schwimmen. Dabei machen sie ihrem Namen alle Ehre, denn sie benutzen ihre Brust-und Bauchflossen tatsächlich wie Hände und Füße, um sich damit auf dem Boden fortzubewegen, sich an Felsen oder anderen Objekten festzuhalten oder zu klettern.

Die dahinterliegende Anatomie soll kurz am Beispiel des Gefleckten Handfisch Bronchichthys hirsutus dargestellt werden (Bild von Wikipedia).

Brachionichthys_Hirsutus

Anders als man vielleicht auf den ersten Blick meinen könnte, handelt es sich nicht um große “Hinter-” und kleine “Vorderbeine”, denn bei den unterhalb des Kopfes liegenden kurzen Flossen handelt es sich um die Bauchflossen, und bei den langen gestielten Flossen um die Brustflossen.  Bei vielen Fischen liegen die Brustflossen hinter den Kiemenöffnungen, und die Bauchflossen im Bereich des Afters, etwa in der Körpermitte, und entsprechen jeweils den Vordergliedmaßen und Hintergliedmaßen der Tetrapoden, sprich die Brustflossen unseren Armen und die Bauchflossen unseren Beinen. Bei vielen Barschverwandten (Percomorphaceae), zu denen auch die Armflosser zählen, sind aber die Bauchflossen nur wenig hinter den Brustflossen angeordnet, wobei allerdings die bei den Armflossern vorherrschende Positionierung der Bauchflossen vor den Brustflossen ein Extrem darstellt.

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Roter Handfisch Brachionichthys politus (Photo von Wikimedia Commons)

Die Brustflossen sitzen am Ende langer muskulöser Arme, die von gut ausgebildeten Knochen gestützt werden, und können am Ende dieser Glieder noch einmal abgewinkelt werden, ähnlich wie bei einem Ellenbogen. Die Bauchflossen dagegen sind zwar auch gut beweglich, sind aber weder gestielt noch abwinkelbar, etwas wie eine nur über das Handgelenk bewegliche Hand.

Allerdings besitzen die Stiele der Armflossen auch bei Handfischen kein echtes Gelenk wie bei unseren Arm-oder Kniegelenken. Stattdessen werden die Flossenstrahlen direkt an der Basis der Armknochen abgewinkelt, aber da sie zum größten Teil mit Haut bedeckt sind, führt dies zum Eindruck dass sich der Arm selbst beugt.

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Gefleckter Handfisch (Brachionichthys hirsutus) mit Laich (Photo von Wikimedia Commons)

Leider habe ich keine Photos von Handfischskeletten gefunden, aber immerhin bei Wikipedia ein Photo eines Seeteufel-Skeletts, auf dem man den knöchernen Aufbau der Armflossen erkennen kann. Leider sind die kleineren Bauchflosen, welche auch beim Seeteufel zum Abstützen am Boden benutzt werden, nur schwer erkennbar. Man sieht dass sie deutlich weniger, dafür aber zu Paaren angeordnete Flossenstrahlen besitzen, und deutlich handartiger geformt sind als die Brustflossen, welche bei dieser Art eher zum Schwimmen dienen.

Lophius skelett

Im Falle der Handfische und anderer hochentwickelter  “laufender” Armflosser sind diese Armknochen noch deutlich länger, und die Flossenstrahlen entsprechend adaptiert um die hand-oder fußartigen Flossen abwinkeln zu können. Außerdem besitzen sie weniger Flossenstrahlen, die dafür aber dicker sind, und in zehenartigen Spitzen enden.

Auf diesem Photo kann man die Position der Flossen auch schön von oben erkennen. Diese jungen Gefleckten Handfische sehen auch mehr aus wie halb umgewandelte Kaulquappen mit kleinen Armen und Beinen, als wie Fische.

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Sieben Monate alte nachgezüchtete Gefleckte Handfische (Brachionichthys hirsutus) ( Photo von Wikimedia Commons)

Beim lebenden Fisch sieht man die Nutzung der ungewöhnlichen “Arme” und “Beine” noch viel besser, daher habe ich hier von Youtube zwei Videos von Handfischen unterwasser verlinkt. Dieses zeigt einen Gefleckten Handfisch:

Noch ein zweites mit einem Roten Handfisch:

Der nächste Beitrag soll sich dann einer weiteren Gruppe von ähnlichen, und mit Sicherheit nicht weniger bizarren Armflossern gewidment sein.

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Anglerfische auf Vogelfang

Wie im letzten Beitrag schon angedeutet, hat dieser Artikel etwas mit dem Tauchverhalten der Krabbentaucher zu tun, und damit nicht genug, verbindet er ihn auch über das letzte Bild des Tages mit dem Seeteufel.

Photo von Wikipedia

Seeteufel (Photo von Wikipedia)

Der Titel nimmt es ja bereits vorweg, Seeteufel fressen Vögel, darunter auch die kleinen Krabbentaucher. Aber auch eine ganze Reihe anderer Vögel wurden bereits in den Mägel von Seeteufeln gefunden, etwa Kormorane, Heringsmöwen, Pfeifenten, Trauerenten, Seetaucher, Trottellummen, Tordalken und Tauchenten. Im Jahr 1943 wurde vor Rhode Island ein 47 Pfund schwerer Seeteufel gefangen, welcher im Peabody Museum of Natural History seziert wurde. Dabei wurde im Magen neben einer größeren Menge von Fischen ein Mittelsäger (Mergus serrator) gefunden, ein Vogel der immerhin Größen von 50-60 cm erreicht (Photo unten von Wikipedia).

Red-breasted_merganser

Besonders interessant ist hierbei, dass keineswegs nur tief tauchende Vögel gefressen werden, sondern auch solche die nicht sehr weit unter der Oberfläche tauchen. So fanden sich in den Mägen von 14 Seeteufeln, welche 2007-2010 vor Chatham, Massachutes gefangen jeweils ein Krabbentaucher. Die Seeteufel wurden in Tiefen von 85-151 m gefangen, in einem Bereich von 104-150 km vor der Küste. Die Krabbentaucher zeigten nur sehr leichte Anzeichen von Verdauungsvorgängen, weshalb stark davon ausgegangen werden muss, dass sie nicht vor der Küste, sondern auf dem offenen Meer von den Seeteufeln gefangen wurden. Dies wird durch eine weitere Studie gestützt, bei welcher Seeteufeln Sender eingepflanzt wurden. Dabei zeigte sich dass sie deutlich aktivere Wanderungen begehen, als man bei einem so stark ans Bodenleben angepassten Fisch meinen sollte. Insbesondere im Frühjahr und Herbst, wenn sie ohnehin weite Strecken zurücklegen um zu laichen, kommen sie im offenen Meer nachts bis in Tiefen von nur etwa 10 m herauf. So kann es passieren dass auch Krabbentaucher und andere Vögel die in nur recht geringen Tiefen tauchen, von schwimmenden Seeteufeln gefangen werden. Hier ein Photo eines freischwimmenden Seeteufels (von Wikipedia):

Lophius_piscatorius_RO

Allerdings kommt es neben solchen Hochseejagden natürlich auch in weitaus niedrigerem Wasser zuweilen zu Konfrontationen zwischen Seeteufeln und Vögeln, so wurde beispielsweise der bereits erwähnte Seeteufel mit dem frischgefangenen Mittelsäger im Magen am Grund in gerade einmal 19 m Tiefe gefangen. Dabei muss man auch bedenken, dass Seeteufel keineswegs nur warten bis potentielle Beute in ihre direkte Nähe kommt, sondern sie auch durchaus im Freiwasser jagen, was etwa in der Nähe von Heringsschwärmen beobachtet wurde, und auch indirekt bei geangelten Fischen, welche während des Hochziehens von Seeteufeln gepackt wurden.

Leider habe ich keine Bilder von Krabbentauchern oder anderen in Seeteufeln gefundenen Vögeln die ich hier verwenden könnte, aber hier ist ein entsprechender Link.

Quellen:

Matthew C. Perry et al. 2013. Predation on Dovekies by Goosefish over Deep Water in the Northwest Atlantic Ocean. Northeastern Naturalist, vol. 20, no. 1, pp. 148–154

Ball, S. C., 1944: Red-breasted Merganser devoured by angler fish. Auk, 61: 476

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Bilder des Tages: Krabbentaucher

Aus einem bestimmten Grund werde ich heute kurz über den Krabbentaucher (Alle alle) schreiben. Was dieser bestimmte Grund ist, soll erst im nächsten Post aufgedeckt werden. Also aufgepasst, jetzt geht´s um Krabbentaucher. (Das unten stehende Bild ist, wie alle im Artikel, von Wikipedia)

Krabbentaucher

Der Krabbentaucher ist mit das kleinste Mitglied in der Familie der Alkenvögel, und ist seinerseits einziger Vertreter der Gattung Alle. Mit Körpergrößen von 19-21 cm und Flügelspannweiten von gerade mal 34-38 cm sind sie ähnlich groß wie Amseln, haben aber deutlich kürzere Schwanzfedern.

Wie alle Alkenvögel lebt auch der Krabbentaucher am und vom Meer, und zwar vorzugsweise in kalten Gegenden der Nordhalbkugel, wie etwas vor Grönland und Spitzbergen, wo auch 90% der weltweiten Brutpopulation ihre Eier legen.

Krabbentaucher 2

Krabbentaucher sind, wie ihr Name schon andeutet, gute Unterwasserjäger, doch im Gegensatz zu den allermeisten anderen im Meer tauchenden Vögeln fressen sie nicht vornehmlich Fisch, sondern Ruderfußkrebse und andere Kleinstlebewesen. Die Mehrzahl ihrer Beutetiere ist gerade einmal zwischen 3 und 30 mm groß, und beinhaltet neben Krebstieren auch Fischbrut. Dabei bleiben sie bei ihren Tauchgängen jeweils nur sehr kurz unter Wasser, im Durchschnitt nur 24,5 Sekunden, und legen dabei Strecken von bis zu 25 m zurück. Das wiederum führt wieder zum nächsten Blogpost.

Krabbentaucher 3

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Bild des Tages: Seeteufel

Heute nur (aber wenigstens mal wieder) ein Bild des Tages, ein präparierter Seeteufel (Lophius piscatorius) im Rosenstein-Museum in Stuttgart:

Seeteufel (1)

Zu Seeteufeln gäbe es eine Menge interessanter Dinge zu schreiben, aber zu mehr als den Photos reicht es heute leider nicht mehr.

Seeteufel (2)

Bisher sind Anglerfische auf dem Blog leider sträflich vernachlässigt worden, was unter anderem daran liegt, dass man kaum einmal gute Präparate oder Modelle in Museen zu Gesicht bekommt. Zumindest vom Seeteufel findet man aber immer wieder recht gute, was natürlich unter anderem auch daran liegt, dass er nicht nur ein geschätzter Speisefisch ist, sondern im Gegensatz zum Großteil seiner Verwandtschaft teilweise auch noch in relativ geringen Tiefen vorkommt, und daher viel häufiger gefangen wird.

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Bild des Tages: Warzenbeißer (Decticus verrucivorus)

Vor ein paar Wochen, als das Wetter auch noch etwas sommerlicher war als jetzt, konnte ich auf einer Wiese der Schwäbischen Alb mehrere Exemplare des Warzenbeißers (Decticus verrucivorus) entdecken. Diese sehr kompakt gebaute Art gehört neben dem Grünen Heupferd (Tettigonia viridissima) zu den größten Langfühlerschrecken Mitteleuropas.

Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) (3)

Mit ihrem intensiven Grün und den teilweise stark davon abgehobenen schwarzen Flecken erinnern sie mich bei ihrem Körperbau auch immer irgendwie an kleine Frösche. Ähnlich wie das Grüne Heupferd ebt lauch der Warzenbeißer vor allem räuberisch, und ernährt sich primär von anderen Insekten, wenngleich sie durchaus auch teilweise pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. Ihr seltsam anmutender Name kommt daher, dass man sie früher in Warzen beißen ließ, in der Hoffnung der Biss und der ausgesonderte ätzende Verdauungssaft würden die Warzen verschwinden lassen.

Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) (2)

Ich bezweifle stark dass dies funktioniert, kann jedoch voll auf bestätigen, dass Warzenbeißer mit ihren starken Mundwerkzeugen teilweise sehr schnell anfangen an den Fingern herumzuknabbern wenn man sie in der Hand hält.

Der Naturforscher August Johann Rösel von Rosenhof (1705-1759) schrieb in seinem 1749 erschienem Buch “Insecten-Belustigung”, in welchem er ausführlich auf den Warzenbeißer einging:

„§ 10. Da diese Thiere sehr bösartig sind; so hat man sich in Acht zu nehmen, wenn man sie fangen will: dann sie pflegen wo sie die bloße Haut finden, so scharf zu beissen, daß so gleich das Blut darnach gehet. Zur gleichen Zeit flüsset auch aus ihrem Mund ein brauner Safft, welcher nichts anders ist, als die in dem vordern Schlund in eine flüssige Materie verwandelte Speise. Daß aber ihr Bis mit ziemlicher Gewalt geschehe, erhellet daraus, daß man sie in den Hut beissen lässet und selbigen zur gleichen Zeit wegziehet, der Kopf mit dem Schlund an dem Hut allezeit hangen bleibet, und von dem übrigen Körper los gerissen wird. …”

Nunja, da scheint der gute A. J. R. von Rosenhof wohl doch etwas übertrieben haben. Zum Schluss noch ein Photo eines Warzenbeißers in der Wiese:

Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) (1)

 

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Der Prinz-Alfred-Hirsch

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit im Landauer Zoo eine der seltensten Hirscharten der Welt zu sehen, den Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi). Es gibt von diesen Tieren nur noch weniger als 300 freilebende Exemplare auf der Philippinen-Insel Negros, alle anderen Populationen welche ursprünglich auch auf anderen Inseln der Visaya-Inselgruppen vorkamen, sind inzwischen erloschen. Dazu kommen noch gerade einmal ungefähr 150 weitere Prinz-Alfred-Hirsche welche sich in Zoos  und Zuchtprogrammen befinden.

Prinz-Alfred-Hirsche Zoo Landau (2)

Umso erfreulicher ist es, dass sich die kleine Zuchtgruppe in Landau erfolgreich vermehrt, denn bei einer dermaßen reduzierten Gesamtpopulation ist jedes Exemplar enorm kostbar.

Prinz-Alfred-Hirsche Zoo Landau (3)

Der Prinz-Alfred-Hirsch ist ein naher Verwandter des sehr ähnlich aussehenden Philippinenhirsch (Rusa marianna), und auch mit dem deutlich größeren Sambar (Rusa unicolor) recht nahe verwandt. Prinz-Alfred-Hirsche und Philippinenhirsche haben sich in Gefangenschaft auch schon gekreuzt, und auch Philippinenhirsche und Sambars haben sich in Gegenden in denen sie als Jagdwild angesiedelt wurden, auch in der Wildnis gekreuzt, etwa in Teilen Australiens und Neuseelands.

Mit Gesamtlängen von etwa 125 cm, Schulterhöhen von 70-80 cm und Gewichten von 25-80 kg (letzteres nur für sehr große und schwere männliche Tiere) entsprechen sie etwa weiblichen Damhirschen (Dama dama). Wie diese tragen sie auch als Erwachsene noch ein auffälliges Muster aus hellen Flecken, allerdings ist dies kein Zeichen von naher Verwandtschaft, sondern eher aufgrund vergleichbarer Lebensweisen.

Prinz-Alfred-Hirsche Zoo Landau (1)

Das Geweih ist relativ klein und wenig verzweigt, und hat in der Regel nur zwei bis drei Spitzen, so ähnlich wie beim Reh (Capreolus capreolus). Allerdings sind die Geweihstangen selbst erheblich dicker, und entsprechen in ihren Proportionen an der Basis eher denen von Sambar oder Rothirsch.

Prinz-Alfred-Hirsche Zoo Landau (4)

Es bleibt zu hoffen dass diese wunderschönen kleinen Hirsche trotz aller widriger Umstände vielleicht doch noch auf lange Sicht überleben können. Dies ist aber letztendlich auch nur möglich wenn sie auch in Zoos und Zuchtprogrammen weiter vermehrt werden, denn aufgrund von Wilderei und Lebensraumzerstörung ist selbst bei vorgeblichen Schutzmaßnahmen ein Überleben in der Wildnis leider fraglich.

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Bild des Tages: Großer Langnasenbeutler

Auch heute gibt es wieder ein Beuteltier aus Schloss Rosenstein, einen Großen Langnasenbeutler (Perameles nasut). Mir gefällt dieses Präparat besonders gut, da es im Kopfbereich nicht ganz naturgetreu präpariert wurde, was zur Folge hat dass es auf comicesque Weise irgendwie unfreiwillig komisch wirkt.

Großer Langnasenbeutler Perameles nasuta

Das wiederum sollte aber nicht vergessen lassen, dass es sich hier tatsächlich um ein echtes Tier handelt, so absurd diese Präparat auch erscheinen mag, denn abgesehen von den seltsam gefletschten Zähnen unterscheidet es sich kaum vom lebenden Tier.

 

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Bild des Tages: Eigentlicher Tüpfelkuskus

Warum eigentlich ein Tüpfelkuskus? Und wieso einen Eigentlichen? Weil innerhalb der Tüpfelkuskuse der Eigentliche Tüpfelkuskus (Spilocuscus maculatus) die bekannteste der fünf Arten innerhalb der Gattung Spilocuscus ist, und weil ich im Stuttgarter Museum für Naturkunde im Schloss Rosenstein unlängst einn photographiert habe.

Tüpfelkuskus (Spilocuscus maculatus)

Tüpfelkuskuse sind Kletterbeutler, welche auf Neuguinea, den Molukken sowie der zu Australien gehörenden Halbinsel Cape York vorkommen. Wie ihr Familien-Name schon andeutet, verbringen diese etwa katzengroßen nachtaktiven Beuteltiere die meiste Zeit in Bäumen, wobei sie ihren beweglichen und an der Spitze und teilweise auch an der Unterseite unbehaarten Schwanz als Greiforgan benutzen. Sie bewegen sich recht langsam, und fangen kleine Beutetiere wie Insekten, Vögel oder Reptilien eher durch langsames Anschleichen als  durch Hinterherjagen. Außerdem ernähren sie sich aber auch von verschiedenen Früchten und Blättern, sowie der Rinde bestimmter Bäume.

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Bild des Tages: Giraffengazellen

Neben dem im letzten Beitrag gezeigten Felsenspringer gibt es im Stuttgarter Rosensteinmuseum noch eine ganze Reihe anderer interessanter Präparate von ungewöhnlichen Huftieren, etwa von Giraffengazellen (Litocranius walleri). Woher die Giraffengazelle ihren Namen hat, ist unschwer zu erraten, denn sie ist nicht und ausgesprochen hochbeinig, sondern hat auch eine äußerst langen Hals, beides Anpassungen um Blätter von Bäumen und Sträuchern abzufressen.

Giraffengazelle (1)

Männliche Giraffengazellen wiegen bis etwa 45 kg, bei einer Schulterhöhe von 89-105 cm, während Weibchen mit etwa 30 kg Körpergewicht und Schulterhöhen von 80-100 cm etwas kleiner bleiben. Aufgrund der langen Beine und dem langen Hals können Giraffengazellen schon in normaler Position recht hohe Zweige erreichen, allerdings sind sie in der Lage sich senkrecht auf ihre Hinterbeinen aufzurichten, und dadurch auch erheblich höher wachsende Blätter zu erreichen, welche außerhalb der Reichweite der allermeisten anderen Tiere stehen. Wenn sie aufrecht stehend Blätter abweiden, benutzen sie ihre grazilen Beine um sich mit ihnen an Ästen oder Stämmen abzustützen, ganz ähnlich wie Ziegen das auch machen, nur weitaus eleganter.

Was man weder beim Präparat noch beim lebenden Tier sieht, sind die erstaunlich massiven Halswirbel, welche für eine Gazelle dieser Größe und noch dazu bei einem so kleinem Kopf ziemlich stark ausgeprägt sind. Ein tolles Photo kann man aber hier sehen.

Hier ist noch einmal ein Photo einer jungen Giraffengazelle. Das erwachsene Tier im Hintergrund soll übrigens nicht die Mutter darstellen, denn nur männliche Exemplare besitzen Hörner.

Giraffengazelle (2)

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Mit Stöckelschuh-Hufen in den Bergen unterwegs – der Klippspringer

Eigentlich wollte ich schon länger über den Klippspringer schreiben, allerdings war das einzige Photo des wunderschönen Präparates welches ich im Schloss Rosenstein in Stuttgart gemacht hatte, nicht sonderlich gut geworden. Daher habe ich gewartet bis ich bei  meinem letzten Besuch noch einmal bessere Photos machen konnte.

Der Klippspringer (Oreotragus oreotragus) ist eine kleine afrikanische Antilope, welche auf den ersten Blick nicht besonders auffällig wirkt. Mit einer Schulterhöhe von kaum 60 cm und einem Gewicht von nur 10-13 kg sind sie wirklich ziemlich klein, und auch ihr Gehörn, welches außer bei einigen im Norden ihres Verbreitungsgebietes lebenden Populationen nur bei den Männchen zu finden ist, wirkt nicht sonderlich imposant. Wie so oft sind es aber die eher unauffälligen Details, welche die eigentlichen Besonderheiten darstellen.

Im Falle der Klippspringer sind dies ihre einzigartigen Hufe, welche ein absolutes Extrem unter den Huftieren darstellen, und eine ungewöhnliche Anpassung an einen felsigen Lebensraum sind. Ihre Füße sind extrem gestreckt, und sie treten ausschließlich mit den ungewöhnlich langen Hufspitzen auf den Boden, beinahe so als ob sie auf Stöckelschuhen laufen würden.

Klippspringer (1)

Während vergleichbares Schuhwerk allerdings so ziemlich das letzte ist was man bei einer Tour in die Berge anziehen sollte, stellen die Stelzenfüße der Klippspringer ein besonders nützliches Fortbewegungsmittel in ihrem Lebensraum dar.

Die sehr kleinflächigen Hufspitzen finden noch auf kleinsten Felsvorsprüngen Halt, durch die Dicke des Keratinanteils stellen sie gleichzeitig auch einen guten Schutz der Füße auf scharfkantigen Felsen dar.

Klippspringer (2)

Klippspringer bewohnen zwar nicht nur Bergregionen, sondern auch Savannen und bewaldete Gebiete, doch halten sie sich häufig in der Nähe von exponierten Felsen und Bergformationen auf. Interessant ist auch dass Klippspringer lebenslange Paarbildungen eingehen, und Männchen und Weibchen teilweise auch abwechselnd fressen, während einer der Partner nach potentiellen Raubtieren Ausschau hält.

Auf diesem Photo von Wikipedia sieht man noch mal die Hufe in der Frontalansicht, wobei man auch gut erkennen kann wie weit die beiden Hufe auseinanderstehen.

Klipspringer_(Oreotragus_oreotragus)_feet

Ein weiteres interssantes Detail ist das Fell, welches keine einheitliche Färbung auffweist, sondern aus sehr hellen und sehr dunklen Haaren besteht, welche dicht beieinander stehen, so dass aus der Entfernung eher der Eindruck eines gräulich-braunen Fells entsteht. Dieses Phänomen findet sich auch bei vielen anderen Säugern, doch beim Klippspringer sieht man es bei Nahaufnahmen besonders gut.

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