Kampf der Gladiatoren: Tegenaria gegen Pholcus

Man muss nicht immer in die Wildnis gehen um Zeuge dramatischer Konfrontationen zwischen wilden Tieren zu werden, manchmal reicht es schon einfach in den Keller zu gehen. So erging es auch mir, als ich vor wenigen Tagen eine Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides) mit einer gefangenen Winkelspinne (möglicherweise eine Große Winkelspinne (Eratigena atrica), es könnte aber auch eine andere Art der Gattung gewesen sein) entdeckte.

Das war bei weitem nicht das erste Mal dass ich eine Zitterspinne mit gefangener Winkelspinne gefunden habe, aber selten einmal hat es sich vom Ort und den Lichtverhältnissen so sehr angeboten Photos davon zu machen, weshalb ich, allen Archanophobikern welche das lesen könnten zum Trotz, auch darüber bloggen wollte.

Zitterspinne mit gefangener Hauswinkelspinne (3)

Trotz ihres fragilen Körperbaus erbeuten Zitterspinnen gelegentlich auch deutlich größere und wehrhaftere Spinnen die ihren Lebensraum teilen, in Gebäuden vornehmlich verschiedene Winkelspinnen. Wobei natürlich die Winkelspinnen nicht direkt von ihren zarteren Verwandten überwältigt werden, sondern primär von deren Netzen.

Zitterspinne mit gefangener Hauswinkelspinne (2)

Wie man sieht war der Hinterleib der Zitterspinne durch die erhebliche Nahrungsaufnahme bereits erheblich vergrößert.

Zitterspinne mit gefangener Hauswinkelspinne (1)

Die Konfrontation der beiden Arten erinnert mich etwas an die einstmals in römischen Kolosseen ausgetragenen Kämpfe zwischen dem Retarius (“Netzkämpfer”), einem sehr leicht gepanzertem und neben Dreizack und Dolch zusätzlich mit einem Netz ausgestattetem Gladiatorentypus mit anderen schwer gepanzerten Gladiatorengattungen wie dem Secutor (“Verfolger”) oder dem Murmillo.

Hier noch ein Mosaik aus dem vierten Jahrhundert, welches einen Retarius namens Kalendio im Kampf mit einen Secutor namens Astyanax zeigt. Man erkennt gut dass Netz welches den Secutor bedeckt, allerdings ging in diesem Fall der Kampf letztendlich tödlich für den Netzkämpfer aus.

Secutor im Kampf mit Retarius (Quelle Wikimedia Commons)

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Dekorative Exoten – die Mandarinenten

Einer der schönsten nichtheimischen Vögel den man gelegentlich auch in Mitteleuropa antreffen kann, ist sicherlich die Mandarinente (Aix galericulata). Vor allem an Parkseen oder Flüssen innerhalb von Städten kann man diese wunderschönen Vögel öfter einmal antreffen, wobei die große Verbreitung zweifellos auch damit zusammen hängt, dass sie häufig von Privathaltern als Ziergeflügel gehalten werden, und entsprechend relativ oft Gefangenschaftsflüchtlinge vorkommen.

Manchmal findet man sie aber auch durchaus in etwas entlegeneren Gebieten, wie etwa dieses Pärchen dass ich an einem kleinen Weiher mitten im Wald entdeckte:

Mandarin-Enten

Ursprünglich in Nordostchina und dem Amurgebiet beheimatet, kommen Mandarinenten inzwischen außer in Deutschland auch in der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Südengland vor, wobei aber lediglich in England auch eine größere stabile Population von ungefähr 7000 Exemplaren vorkommt. Die meisten Gefangenschaftsflüchtlinge brüten entweder gar nicht oder schaffen es nicht sich in ausreichendem Maße zu vermehren, so dass solche Kleinstvorkommen meist schnell wieder erlöschen.

Aix_galericulata_dis

Verbreitungsgebiet der Mandarinente (Karte von Wikipedia)

 

Immerhin gibt es eine Reihe von mehrere hundert Individuen umfassenden, und auch relativ stabilen Population auch in Kontinentaleuropa, etwa in Berlin, Cottbus oder Wien, sowie auch in der Schweiz und den Niederlanden. Desweiteren gibt es auch kleine Populationen in Irland in der Gegend von Dublin sowie in North Carolina und Kalifornien.

Inzwischen ist die Anzahl der Brutpaare in Europa inzwischen sogar vermutlich größer als in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet, wo die Bestandsentwicklung leider eher rückläufig ist.

Zuletzt noch ein Photo eines Mandarinentenpärchens, das ich kürzlich in einer Voliere eines lokalen Kleintierzüchtervereins aufgenommen habe:

Mandarin-Enten (2)

 

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Exotische Gänse und Enten in Heidelberg

Heidelberg hat dem zoologisch Interessierten einiges zu bieten, allen voran die Zoologische Schausammlung (eine der besten die ich überhaupt jemals gesehen habe), außerdem das kleine Museum für Geologie und Paläontologie und der kleine, aber mit ein paar sehr interessanten Arten aufwartende Zoo. Darüberhinaus leben aber auch mitten in der Stadt einige interessante Exoten, wie die inzwischen recht bekannte Population von Halsbandsittichen (Psittacula krameri), von denen ich allerdings bei meinen beiden letzten Besuchen in Heidelberg nichts zu sehen bekam.

Dafür entdeckte ich bei einem kleinen Spaziergang am Neckarufer gleich drei verschiedene Arten nichtheimischer Entenvögel. Am zahlreichsten vertreten waren die Schwanengänse (Anser cygnoides), eine zentralasiatische Art, welche in Sibirien und der Mongolei brütet, und in China überwintert.

Heidelberg (4)

Die Population in Heidelberg bestand 2004 aus 180 Vögeln, welche dann von der Stadtverwaltung auf 24 reduziert wurden. Als ich 2010 dort gewesen bin, hatte sich ihre Anzahl ganz offensichtlich wieder erheblich vergrößert:

Schwanengänse in Heidelberg

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Schwanengans (Karte von Wikipedia):

Schwanengans Anser_cygnoides_distribution_map

Meiner Meinung nach noch schöner anzusehen als die Schwanengänse waren die beiden Nilgänse (Alopochen aegyptiacus), welche sich ebenfalls am Neckarufer aufhielten.

Heidelberg Nilgans

Wie dem Namen nur unschwer zu entnehmen ist, handelt es sich bei der Nilgans um eine eigentlich afrikanische Art, allerdings gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Populationen in verschiedenen Gebieten Europas, mit starker Ausbreitungstendenz auch in Deutschland.

Nilgänse in Heidelberg (2)

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Nilgans umfasst, mit Ausnahme sehr trockener Gebiete, fast den gesamteng afrikanischen Kontinent (Karte von Wikipedia):

Nilgans Verbreitungsgebiet

Einst kam diese Art auch noch in Ungarn und Bulgarien vor, wo sie aber, vermutlich durch Überjagung, im 19. Jahrhundert verschwand. Man kann stark davon ausgehen, dass sich diese äußert anpassungsfähigen Vögel über die nächsten Jahre und Jahrzehnte in Europa immer weiter ausbreiten, und vermutlich auch irgendwann die alten Brutgebiete auf dem Balkan wieder besiedeln werden.

Zuguterletzt entdeckte ich auch noch einen einzelnen Moschusenten-Erpel (Cairina moschata).

Moschusente in Heidelberg

Diese große Entenart stammt aus Südamerika, und wurde dort bereits in präkolumbianischer Zeit in einigen Gegenden als Hausgeflügel gehalten. Damit war die Moschusente neben dem Truthahn die einzige bereits teilweise domestizierte Vogelart der Neuen Welt, und wurde bereits 1514 nach Europa gebracht. Sowohl die Moschusente als auch der Truthahn fanden wegen ihrer guten Eigenschaften als Fleischlieferanten sehr schnell Verbreitung in der Alten Welt, wobei erstere im Gegensatz zum Truthahn auch vielfach verwilderte, und schon sehr früh fand man sie in Afrika, Madagaskar und Teilen Asiens. So wurde diese Art von Carl von Linné auch nicht anhand von Exemplaren aus Südamerika beschrieben, sondern 1758 basierend auf einer Beschreibung aus Indien. Die eigentliche Wildform dagegen wurde erst 1902 wissenschaftlich beschrieben.

Auch die Moschusente brütet teilweise in Europa, allerdings nur in sehr bescheidenem Maße.

Sehr gute Informatione über Vorkommen nichteinheimischer Vögel in Deutschland findet man hier:

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Rostgänse gesichtet

In der Winterzeit passiert es immer wieder, dass ich hier sonst nicht ansässige Zugvögel sehe, etwa Silberreiher, und mit ganz viel Glück auch mal Seidenschwänze. Teilweise sind darunter aber auch Vögel, welche ich nur schwer, und leider manchmal auch gar nicht bestimmen kann, wie etwa die beiden äußerst hübsch gefiederten Exemplare, welche ich heute Mittag vom Schreibtisch aus in einem Baum beobachten konnte.

Anfang Januar letzten Jahres konnte ich während eines Spaziergangs in der Nähe von Wendelsheim (Landkreis Tübingen) drei Gänse beobachten, wie ich sie hier noch nie gesehen habe. Allerdings war ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, ob es sich bei ihnen um selten zu sehende Zugvögel handelte, oder um nichteinheimische Exoten, wie etwa die in Teilen Deutschlands verbreitete Nilgans.

Rostgänse bei Wendelsheim

Glücklicherweise konnte ich mit meiner Kamera ein paar Photos der in recht großer Entfernung über einem Acker kreisenden Gänse machen, so dass es mir – zugegebenerweise erst sehr viel später – möglich war sie zu identifizieren. Das rostrote Gefieder am Körper, der helle Kopf sowie die weißen Flügel mit den schwarzen Schwungfedern zeigen eindeutig dass es sich hier um Rostgänse (Tadorna ferruginea) gehandelt hat.

Rostgänse

Der Vergleich mit diesem deutlich besserem Photo von der englischen Wikipediaseite zeigt das ganz gut:

Rostgans Ruddy_Shelduck_In_Flight

Die Rostgans stammt eigentlich aus Zentral-und Südost-Asien, wobei einzelne Brutpopulationen auch in Südosten Europas und sogar im Nordwesten Afrikas vorkommen. Sie bewohnen vor allem flache, teiweise salzhaltige Seen und Lagunen in Steppen und Halbwüsten Innerasiens. Während des Sommers ziehen viele von ihnen nach Zentralsibirien, und überwintern dann während der kalten Jahreszeit in südlicheren Gegenden, vor allem in Indien, aber auch Bangladesch, Korea, Taiwan, Süd-und Ostchina.

Die Populationen welche in Deutschland vorkommen, stammen von Gefangenschaftsflüchtlingen ab, wenngleich in seltenen Fällen auch Rostgänse aus Asien bis nach Mitteleuropa fliegen. In der Schweiz gibt es größere Menge von sich sehr erfolgreich vermehrenden Populationen, während es in Deutschland nur sehr kleine Brutpopulationen gibt. Möglicherweise stammen die von mir gesehenen drei Exemplare von einer größeren Population, welche am Bodensee ansässig ist.

Weitere Informationen über die Bestandsentwicklung der Rostgans in Deutschland findet man hier.

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Mal wieder ein Babirusa-Schädel

Die Reihe über fossile Riesenhirsche habe ich nun erst einmal unterbrochen, da ich aus einem bestimmten Grund (ich hätte eine Illustration für Libralces gallicus gebraucht, die ich aber nicht zu meiner Zufriedenheit selbst hinbekommen habe) einfach nicht dazu gekommen bin, den nächstgeplanten Teil zu schreiben. Als Folge davon gab es seitdem leider überhaupt keine neuen Beiträge, weshalb ich mich entschieden habe, erst einmal wieder etwas anderes zwischendrin zu bringen, und die Riesenhirsch-Reihe später irgendwann fortzusetzen.

Daher gibt es hier – mal wieder – das Photo eines Schädels des coolsten Suiden überhaupt, nämlich eines Molukken-Hirscheber (Babyrousa babyrussa), hier aus dem Veterinärmedizinischen Museum Hohenheim.

Babirusa Schädel Hohenheim2

Das hier gezeigte Exemplar hatte noch nicht einmal besonders lange Zähne, und schon diese sehen ziemlich beeindruckend aus. Man hört in aller Regel nur von “dem” Babirusa oder “dem” Hirscheber, tatsächlich gibt es aber drei verschiedene rezente Arten, den bereits erwähnten Molukken-Hirscheber (Babyrousa babyrussa), den Sulawesi-Hirscheber (Babyrousa celebensis), den Togian-Hirscheber (Babyrousa togeanensis) sowie die nur durch Knochenfunde bekannte und vermutlich erst jüngst ausgestorbene Art Babyrousa bolabatuensis.

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Der “Hirschelch” Cervalces scotti

Heute ist der Elch Alces alces der größte Hirsch auf dem nordamerikanischen Kontinent. Der einstmals in sehr weiten Teilen Eurasiens verbreitete Riesenhirsch Megaloceros und seine Artverwandten haben die Neue Welt nie besiedelt, doch auch der Elch ist, erdgeschichtlich gesehen, erst vor relativ kurzer Zeit dort eingewandert, nämlich vor ungefähr 10.000-12.000 Jahren über die Bering-Brücke. Bis dahin lebte dort ein anderer riesiger Hirsch mit bizarrem Geweih, der “Hirschelch” Cervalces scotti.

Cervalces scotti Skelett im Royal Ontario Museum (von Wikipedia)

Cervalces scotti was sehr groß, und konnte eine Schulterhöhe von etwa 1,8 m und vermutlich Gewichte bis etwa 700 kg erreichen, vergleichbar dem Riesenhirsch oder großen Formen des modernen Elchs. In seiner Lebensweise ähnelte er stark dem Elch, und bewohnte sowohl sumpfige Landschaften, als auch Waldgebiete und Taiga.

Cervalces scotti enstammt einer frühen Besiedelungswelle primitiver Elche aus Eurasien, und ähnelt in vielen Merkmalen seines Schädels dem kleineren Libralces gallicus.

Das merkwürdig verdrehte Geweih mit den relativ kurzen Hauptstangen ist dabei vermutlich ähnlich wie beim Elch eine Anpassung an mehr baum-und strauchbewachsene Habitate, im Gegensatz zu den sehr weitausladenden Geweihen von Megaloceros giganteus, Libralces gallicus und Cervalces latifrons. Im Gegensatz zum Elch, dessen Schaufeln nach vorne gekrümmt sind, drehte sich der Schaufelteil des Geweihs bei Cercales scotti jedoch nach hinten, und war zudem in drei Hauptäste geteilt.

Cervalces Fossil_exhibit_-_Royal_Ontario_Museum_-_DSC00137

Cervalces Fossil exhibit Royal Ontario Museum (Wikimedia commons)

Noch mal eine andere Ansicht eines Skeletts aus dem Naturkunde Museum in Trento:

Cervalces scotti Skelett im Naturkunde-Museum Trento (Wikimedia Commons)

Man darf sich diese Art jedoch nicht einfach als einen Elch mit seltsam verdrehtem Geweih vorstellen, wie auf dieser historischen Darstellung von Robert Bruce Horsfall aus dem Jahre 1912 (von Wikipedai):

Cervalces scotti 2

Elche haben eine ganze Reihe von ungewöhnlichen, und bei genauerer Betrachtung sehr bizarrer Merkmale und anatomischer Spezialisierungen. Dazu gehört die stark vergrößerte Nasenregion, welche sich am Schädel auch durch das sehr weit hinten liegende Nasenbein zeigt. Hier noch einmal zum Vergleich der Schädel eines modernen Elchs aus dem Naturhistorischen Museum in Mainz:

Alces alces Schädel Naturhistorisches Museum Mainz

Cervcalces scotti sah einem normalem Hirsch weitaus ähnlicher, woher auch die verbreitete Bezeichnung “stag-moose”, also zu deutsch Hirschelch kommt. Auch in einigen anderen Merkmalen unterschied sich C. scotti vom Elch, so waren seine Beine proportional etwas länger, und der Hals weniger massiv. Hier eine sehr schöne Lebendrekonstruktion von Daniel Reed:

cervalces_scotti

Cervalces scotti Rekonstruktion von Daniel Reed (Wikipedia)

Möglicherweise war es auch die höhere Spezialisierung des Elchs, welche dazu führte dass er sich in großen Teilen Nordamerikas verbreiten konnte, während Cervalces scotti im Verlauf einer ungefähr 500-jährigen Koexistenz der beiden Arten ausgestorben ist. Möglicherweise trugen zu einem gewissen Grad auch klimatische Veränderungen zum Aussterben bei. Inwieweit die Kolonisierung durch den Menschen daran Anteil hatte, ist allerdings schwer zu sagen.

Quellen:

Valerius Geist, Deer of the World

 

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Konkurrenz für den Riesenhirsch: Der Breitstirnelch Cervalces latifrons

Zugegeben, es ist nicht das erste mal dass ich über den Breitstirnelch schreibe. Beim letzten Beitrag hatte ich leider nur ein einziges Photo zweier Geweihstangen aus der Paläontologischen Sammlung in Hamburg, doch inzwischen habe ich erfreulicherweise eine Menge zusätzlichen Photomaterials in meinem Archiv, darunter dieses ganz besonders beeindruckende Geweih aus den Goldshöfer Sanden bei Aalen, welches in der Paläontologischen Sammlung in Tübingen ausgestellt ist:

Cervalces latifrons Tübingen (2)

Hierbei fällt auf, dass im Vergleich zu den anderen gezeigten Geweihen die Schaufeln relativ klein, aber dafür die aus ihen hervorgehenden Stangen extrem lang sind, und zwar sämtliche Ausläufer. Das Geweih hängt relativ weit oben an einer Wand, daher ist es schwer zu sagen, wie groß seine komplette Spannweite ist. Der Vergleich mit den darunter ausgestellten Höhlenbärskeletten lässt die Ausmaße aber erahnen:

Cervalces latifrons Tübingen (3)

Als ich das erste mal über den Breitstirnelch geschrieben habe, wurde dieser noch als Alces latifrons geführt, also der gleichen Gattung wie der moderne Elch zugeordnet, wird aber inzwischen mit dem amerikanischen Riesenhirsch Cervalces scotti in einer Gattung zusammengefasst. Das Aalener Geweih ähnelt morphologisch stark jenem von Libracles gallicus, einer Spezies mit extrem langen dünnen Geweihstangen, welche in relativ kleinen Schaufeln mit gut ausgeprägten Geweihstangen auslief. Gelegentlich wird auch Libralces der Gattung Cervalces zugeordnet.  Ich frage mich auch ernsthaft, ob dieses Geweih tatsächlich Alces latifrons zugeordnet werden kann, oder ob es nicht vielleicht eher in eine Libralces gallicus-nahestehende Linie gehört.

Neben den beiden Geweihstangen in Tübingen entdeckte ich zu meiner großen Freude noch weitere Fossilien sowie ein wirklich schönes Modell des Breitstirnelchs im Naturhistorischen Museum Mainz (absolut empfehlenswert, die dortige Sammlung ist wirklich toll!).

Bei diesem Abguss scheint es sich um das gleiche Geweih zu handeln, das auch (beziehungsweise als Abguss) in Hamburg ausgestellt ist. Der Unterschied in Form und Größe von Schaufeln und Stangen im Vergleich zum Aalener Geweih sind offensichtlich.

Cervalces latifrons Mainz (8)

Um zumindest einigermaßen einen Eindruck der Größe zu vermitteln habe ich hier noch einmal zwei weitere Photos, welche das Geweih im überdachten Innenhof des Museums zusammen mit einem modernen Elchskelett zeigen. Natürlich erscheint es durch die Perspektive etwas kleiner im Vergleich zu dem Elch, zeigt aber dafür gut die Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Morphologie der Geweihe.

Cervalces latifrons Mainz (7)

Hier noch mal ein weiteres Photo, welches das Cervalces latifrons-Geweih zusammen mit dem Elchskelett, einem präpariertem Elch und dem Skelett des Riesenhirsches Megaloceros zeigt:

Cervalces latifrons Mainz (9)

Cervalces latifrons Geweih, Elchskelett, Elchpräparat und Megaloceros im Naturhistorischen Museum Mainz

Man sieht bei dieser wirklich sehr schönen Zusammenstellung verschiedener lebender und ausgestorbener Riesenformen der Hirsche eine Reihe von Dingen. Etwa dass das Geweih von Megaloceros selbst jenes von Alces latifrons an Spannweite von Volumen noch einmal dautlich überragte. Man sieht aber auch, dass der Körper von Megaloceros selbst nicht wirklich viel größer ist als die beiden Elche, wobei hier anzumerken ist, dass es sich sowohl bei dem Skelett als auch beim dem Präparat um relativ kleine Exemplare handelt. Große Elche aus Alaska, Schweden oder Sibirien stehen Megaloceros in ihrer Körpergröße um nichts nach, und Cervalces latifrons dürfte Megaloceros an Schulterhöhe und Masse sogar noch etwas übertroffen haben. Insofern war Megaloceros entgegen der vielfach fälschlich vorgebrachten Behauptung keineswegs der größte Hirsch aller Zeiten.

Neben dem Abguss des kompletten Geweihs war in einer der Vitrinen auch eine unvollständige und teilweise rekonstruierte Geweihstange ausgestellt, deren ursprüngliche Größe noch über jener des Geweihs an der Wand gelegen haben muss.

Cervalces latifrons Mainz (6)

Zudem war auch eine sehr schöne Modelrekonstruktion des Breitstirnelches ausgestellt:

Cervalces latifrons Mainz (1)

Ob Cervalces latifrons tatsächlich abgesehen vom Geweih bereits dermaßen ähnlich aussah wie heutige Elche, sei mal dahingestellt, in jedem Fall handelt es sich um ein künsterlisch wirklich ausgesprochen gelungenes Modell.

Cervalces latifrons Mainz (5)

Als Vorlage für dieses Modell diente ganz offensichtlich ein Geweih mit etws kürzeren Stangen:

Cervalces latifrons Mainz (2)

Noch mal eine Frontalansicht:

Cervalces latifrons Mainz (3)

Sowie eine Seitenansicht:

Cervalces latifrons Mainz (4)

Die Geweihe moderner Elche zeigen häufig eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Wölbung der Schaufeln und Krümmung der Geweihstangen, was möglicherweise mit ihrer vor allem waldbewohnenden Lebensweise in Zusammenhang stehen könnte. Dagegen waren die Schaufeln und Geweihstangen von Cervalces latifrons fast flach in einer Ebene abgeordnet.

In seiner Lebensweise und Ernährung dürfte Cervalces latifrons sich wenig von modernen Elchen unterschieden zu haben, wenngleich er vermutlich tendeziell weniger in dichten Wäldern gelebt haben dürfte, sondern eher in offenen Tundra-oder Sumpflandschaften.

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Bild des Tages: Helmhokko

Das heutige Bild des Tages zeigt einen präparierten Helmhokko (Pauxi pauxi) mit Küken, und wurde im Museum für Naturkunde in Berlin aufgenommen.

Helmhokko (P. pauxi) (1)

Die beiden Helmhokkos sind Teil einer Ausstellung von meisterhaft präparierten Vögeln, welche in ihrer Lebendigkeit und kunstfertigen Darstellung absolute Weltklasse darstellen. Es gibt himmelweite Unterschiede in der Qualität von präparierten Tieren, angefangen von gerade zu grauenvoll bis täuschend lebensecht. Leider wird die Arbeit von wirklich guten Präparatoren im Allgemeinen kaum hinreichend gewürdigt, dabei umfasst sie gleich eine Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen, welche alle beherrscht werden müssen, um ein wirklich gutes Ergebnis zu erreichen. Ein guter Präparator muss nicht nur die rein handwerklichen Fähigkeiten seines Berufs meistern können (und die sind oft schwierig genug), sondern muss auch ein Anatom, ein Tierkenner und ein Künstler sein.

Wie unglaublich viel Arbeit in der Herstellung einzelner Tierpräparate teilweise steckt, lässt sich oft nicht einmal annäherungsweise erahnen wenn man nicht mit den Hintergründen vertraut ist. Dahingehend finde ich die Teilausstellung im Museum für Naturkunde, welche sich eben diesem Feld widmet, auch ausgesprochen gelungen. Denn dort werden nicht nur verschiedene Methoden der direkten Präparation von Tierkörpern, sondern auch die Herrstellung von Abgüssen und verschiedene Modellations- und Rekonstruktionstechniken gezeigt, und wie weitreichend die Arbeit von Museumspräparatoren über jene eines reinen “Ausstopfers” geht. Wer das nächste Mal in einem Museum gut gemachte Tierpräparate ansieht, sollte sich auch hier bewusst machen, dass dahinter ein künstlerisches und handwerkliches Können steckt, welches jenen der großen Bildhauer teilweise nicht nur nicht nachsteht, sondern dieses in seiner Komplexizität zuweilen sogar noch übertrifft.

Neben dem Helmhokko werden in der Ausstellung mit den Vogelpräparaten vor allem große Aras gezeigt, welche auf höchstem Niveau präpariert wurden, und eher wie dreidimensionale Momentaufnahmen aus dem Leben erscheinen, als wie die konservierten Bälge toter Vögel.

Allerdings habe ich mich ganz bewusst erst einmal für den Helmhokko als Bild des Tages entschieden, denn Aras kennt sicherlich jeder, doch von Hokkos haben sicherlich viele noch nicht einmal gehört. Diese süd-und mittelamerikanischen Hühnervögel kommen in etwa 50 Arten vor, und reichen in ihrer Größe von den Ausmaßen eines Rebhuhns bis zu der eines Auerhahnes, wobei die Männchen üblicherweise größer sind als die Weibchen. Der im Bild gezeigte Helmhokko ist dabei eine der größten Arten und erreicht Längen bis etwa einen Meter und Gewichte bis etwa 3,6 kg, wobei der nahe verwandte und sehr ähnlich aussehende Hornhokko (Pauxi unicornis) noch etwas größer wird.

Neben dem namensgebenden “Helm” an der Schnabelbasis fällt auch die ungewöhnlich samtartige Struktur des Gefieders im Hals-und Kopfbereich auf.

Helmhokko (P. pauxi) Kopf

Dieses Helmhokko-Kücken ist auch ein wunderschönes Beispiel für wirklich hochwertige Taxidermie. Dabei sind es auf den ersten Blick teilweise gar nicht so sehr auffallende Details wie die anatomisch korrekte und kein bisschen eingeschrumpfte Form der Beine und Füße, welche die Qualität dieses Stückes aufzeigen.

Helmhokko (P. pauxi) Küken

Am Ende des Beitrages noch mal ein großes Dankeschön an Heinrich Mallison vom Museum für Naturkunde, der für mich extra noch mal den genauen Artnamen des Hokkos nachgeschaut hat, da mein eigenes Photo dass ich von der Beschriftung an der Vitrine gemacht habe, durch starke Reflexionen leider vollkommen unkenntlich war.

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Erstaunliche Videoaufnahmen des Tiefseeteufels

Beim letzten Bild des Tages gab es das Alkoholpräparat eines Tiefseeteufels zu sehen, allerdings gibt dieses durch den Konservierungsprozess schon etwas mitgenommene Exemplar nur bedingt eine Vorstellung davon, wie diese Tiefsee-Anglerfische tatsächlich lebend aussehen. Filmaufnahmen von Tiefsee-Anglerfischen sind sehr selten, es gibt nur sehr wenige welche etwa von ROVs (remotely operated vehicles) in der Tiefsee aufgenommen wurden, sowie ein paar andere welche Tiefsee-Anglerfische zeigen die in sehr oberflächennahe Wasserschichten gekommen sind, sowie von ein paar wenigen Exemplaren die nach dem Fang noch für eine gewisse Zeit in Aquarien überlebten.

Derartige Aufnahmen können außerordentlich wertvoll für die Erforschung dieser Tiere sein, da sich auf ihnen teilweise Verhaltensweisen zeigen, welche sich durch das reine Studium toter Exemplare kaum oder gar nicht vermuten lassen würden. So zeigt sich etwa bei diesem wirklich erstaunlichen Video welches diesen Monat im Monterey Canyon vor Kalifornien in einer Tiefe von 600 m gemacht wurde, dass die große Rückenflosse starke Wellenbewegungen ausführt, und auf diese Weise neben der Schwanzflosse einen erheblichen Anteil an der Fortbewegung hat:

Vermutlich kompensiert die Rückenflosse den im Verhältnis zur Körpergröße nur sehr kurzen beweglichen Schwanzbereich, und hilft vielleicht auch den nicht gerade sehr stromlinienförmigen Fisch beim Schwimmen zu stabilisieren.

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Bild des Tages: Tiefseeteufel mit Zwergmännchen

Schon wieder ein Objekt aus der faszinierenden Sammlung des Museum für Naturkunde in Berlin, und noch dazu in gewisser Weise eine unbeabsichtigte Fortführung der Reihe “Fische mit Händen und Füßen”. Denn die hier gezeigten Fische sind Tiefseeteufel oder Schwarzangler der Gattung Melanocetus, tiefseebewohende Verwandte der auch in geringeren Tiefen vorkommenden Seeteufel, Anglerfische, Handfische und Seefledermäuse. Da jedoch alle Tiefsee-Anglerfische (Ceratioidei) pelagisch leben, und auch jene Arten die wie Gigantactis zumindest in Bodennähe nach Nahrung suchen, immer noch aktiv schwimmen, findet sich bei ihnen keine arm-oder beinartigen Ausprägungen der Brust-und Bauchflossen.

Melanocetus sp. im Museum für Naturkunde Berlin

Melanocetus sp. im Museum für Naturkunde Berlin

Unter den ohnehin schon grotesken Tiefsee-Anglerfischen hat sich Melanocetus besonders extrem entwickelt, denn mehr noch als bei verwandten Gattungen hat sich der Körper zu einem schwimmenden Maul mit angehängtem dehnbaren Riesenmagen entwickelt, der fast nur noch rudimentär anmutende Flossenanhängsel trägt. Mit dem kleinen Leuchtorgan (Esca) auf dem recht kurzen Illicium wirken sie fast ein bisschen wie die Beholder aus Dungeons & Dragons.

Über diese Tiere gäbe es eigentlich sehr, sehr viel zu schreiben, aber dies ist eigentlich nur ein Bild des Tages, daher werde ich hier nicht näher auf Einzelheiten ihrer faszinierenden Biologie eingehen. Erwähnenswert ist jedoch auf jeden Fall das winzige Zwergmännchen, welches am hinteren Ende des Weibchens hängt. Ich denke mal dass fast jeder der diesen Blog liest, ohnehin schon weiß dass sich bei den meisten Tiefsee-Anglerfischen die Zwergmännchen an den viel größeren Weibchen festbeißen, und praktisch mit ihnen verwachsen, daher werde ich auch darauf nicht weiter eingehen (außer irgendwann einmal vielleicht in einem ausführlicheren Blogpost über eben jenes Thema). Man kann recht gut erkennen wie sehr das kaulquappenartige Männchen mit dem Körper des Weibchens verbissen ist, und wo das zuoberst liegende Gewebe des Männchens die Haut des Weibchens überwächst.

Melanocetus sp. Zwergmännchen

Melanocetus sp. Zwergmännchen

Auf dem Photo des Alkoholpräparates aus Berlin sieht man die Körperform nur in der Seitenansicht, daher habe ich hier noch mal ein Photo von Melanocetus johnsonnii von Wikipedia zugefügt, auf welchem man in der Frontalsicht sehen kann, wie unheimlich breit der Kopf tatsächlich ist.

Melanocetus johnsonii

Melanocetus johnsonii

Tiefsee-Anglerfische sollen auf jeden Fall noch mehr Erwähnung auf dem Blog finden, nur ist es leider teilweise recht schwierig geeignetes Bildmaterial zu finden. Daher kam mir das bei meinem vorletzten Berlin-Besuch noch nicht öffentlich ausgestellte Melanocetus-Pärchen umso besser gelegen, um den bisher eklatanten Mangel von auf dem Blog vorgestellten Tiefseefischen zumindest im ersten Ansatz auszugleichen.

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