Bild des Tages: Chinesischer Riesensalamander

Nach dem kleinen Bergmolch kommt jetzt ein ganz besonders großes Amphibium, ein Chinesischer Riesensalamander (Andrias davidianus) aus dem Vivarium des Naturkundemuseums Karlsruhe:

Chinesicher Riesensalamander Karlo im Vivarium Karlsruhe

Bei diesem Exemplar handelt es sich um Karlo, welcher auch das offizielle Maskottchen des Museums ist. Karlo ist inzwischen 37 Jahre alt, und etwa 1,5 m groß, womit er der größte Vertreter seiner Art in Deutschland ist.

Man sieht auf dem Photo auch ganz gut die beiden Erhebungen oben auf dem Kopf. Dabei handelt es sich um die gewaltigen Kiefermuskeln, welche es Riesensalamandern ermöglichen ziemlich kräftig zuzubeißen. Sie sind auch ein recht gutes Beispiel dafür dass gerade bei Amphibien die Form des Schädels sich auch recht deutlich vom lebenden Tier unterscheiden kann. Nicht nur durch die enormen Kiefermuskeln, sondern auch durch die fleischigen Lippen, welche die kleinen scharfen Zähne komplett verdecken. Selbst wenn man lebende Amphibien nicht in jeder Hinsicht mit ausgestorbenen Linien wie den Labyrinthodontiern vergleichen kann, sollte dies dennoch bei der Rekonstruktion bedacht werden. Eine ganze Reihe fossiler Amphibien etwa wurde fast mit Sicherheit viel zu „zahnig“ rekonstruiert.

Als Vergleich hier noch mal der Schädel eines Japanischen Riesensalamanders (Andrias japonicus) aus dem Zoologischen Schausammlung Heidelberg:

Japanischer Riesensalamander Schädel

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Bild des Tages: Bergmolch in Landtracht

Ein spontanes Bild des Tages, da ich gerade zufällig im Garten unter einem Stein einen Molch gefunden habe. Genau genommen handelt es sich um einen Bergmolch (Ichthyosaura alpestris), und um ganz genau zu sein, um ein Männchen (erkennbar am schwarz-gelben Rückenstreifen) in Landtracht.

Bergmolch 2

Ich schreibe diesen kurzen Blogpost auch deswegen, weil Molche in Landtracht teilweise gar nicht als solche identifiziert werden, vermutlich weil sie sich zu sehr von ihrer bekannteren aquatischen Form unterscheiden. Während des Sommers leben unsere heimischen Molche (derer es es vier Arten gibt, den schon genannten Bergmolch, den Teichmolch, den Fadenmolche sowie den Kammmolch) im Wasser, wo sie sich auch paaren und ihre Eier legen. In dieser Zeit tragen sie je nach Art und Geschlecht mehr oder weniger ausgeprägte Schwanz-und Rückensäume, welche insbesondere bei männlichen Kamm-und Teichmolchen sehr groß sein können. Außerdem ist die Haut im Wasser relativ glatt und geschmeidig.

Wenn sie aber am Ende des Sommers das Wasser wieder verlassen, sind Kämme und Flossensäume zurückgebildet, und die vorher so feuchte Haut trocken, runzelig und von zahlreichen kleinen Erhebungen bedeckt.

Bergmolch 3

Molche in Landtracht wirken deutlich „trockener“ als Salamander oder Frösche die schon länger nicht mehr im Wasser waren, weshalb sie zuweilen sogar für Reptilien gehalten werden, auch weil man sie teilweise recht weit entfernt vom nächsten Gewässer findet.

Zudem gibt es immer wieder Verwirrung über die Begriffe „Salamander“ und „Molch“. Beide sind keine starren Kategorisierungen, da es innerhalb der Schwanzlurche eine ganze Reihe von nicht näher verwandten Entwicklungslinien gibt, welche übergreifend sowohl „-molche“ als auch „-salamander“ behinhalten. Um es allerdings etwas zu verallgemeinern kann man sagen dass tendeziell primär landlebende Schwanzlurche als Salamander bezeichnet werden, und primär oder zumindest während eines Teils des Jahres im Wasser lebende als Molche. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, wie die ausschließlich im Wasser lebenden Riesensalamander.

Man könnte die Sache noch weiter verkomplizieren, denn sowohl unsere heimischen Salamander als auch unsere Molche sind noch einigermaßen nahe miteinander verwandt und gehören beide zu den Echten Salamandern oder Salamandridae, welche sich wiederum abgrenzen von anderen Schwanzlurchen wie den Lungenlosen Salamandern (welche ebenfalls aquatische Arten behinhalten) oder den den rein aquatischen Armmolchen. Ein Kammmolch und ein Alpensalamander sind also näher miteinander verwandt als beispielsweise ein Fadenmolch und ein Gefleckter Furchenmolch (der zu den Olmen gehört) oder ein Feuersalamander und ein Tigersalamander, welcher wiederum zu den Querzahnmolchen zählt.

Einfacher dagegen ist es in der mitteleuropäischen Amphibienfauna, denn neben den bereits erwähnten vier Arten von Molchen gibt es lediglich noch zwei Arten von Schwanzlurchen, welche beide sowohl echte als auch Echte Salamander sind. Dies ist zum einen der recht bekannte Feuersalamander (Salamandra salamandra) sowie der weitaus weniger bekannte Alpensalamander (Salamandra atra). Beide Arten verbringen ihr gesamtes Erwachsenenleben an Land, und lediglich die Larven des Feuersalamanders leben im Wasser, während der Alpensalamander sogar komplett umgewandelte Jungtiere zur Welt bringt.

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Neues Video eines lebenden Koloss-Kalmars

Kürzlich tauchte im Internet ein von 2013 stammendes Video auf, welches einen lebenden Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni) zeigt. Der Kalmar hing an einem großen Fisch, allem Anschein nach einem Antarktischen Seehecht (Dissostichus mawsoni), welcher mit einer Langleine aus der Tiefe empor gezogen wurde. Der Koloss-Kalmar selbst hing nicht an einem Haken, und nachdem er eine Weile direkt an der Oberfläche verweilte, schwamm er langsam wieder in die Tiefe. Leider wird der Kalmar auf verschiedenen englischsprachigen Seiten irreführenderweise als „giant squid“ bezeichnet, weshalb er fälschlicherweise von vielen für einen Riesenkalmar (Architeuthis dux) gehalten wurde.

Im Jahr 2007 war schon mal ein sehr großer Koloss-Kalmar in der Antarktis auf die gleiche Weise mit einer Langleine an die Oberfläche gekommen, und konnte dann von der Bootsmannschaft auch gefangen werden und später untersucht werden.

Man sieht in dem Video sehr gut wie der Koloss-Kalmar von tiefroter Farbe ist als er direkt an die Oberfläche hochgezogen wird, wenig später nimmt er allerdings einen viel helleren weißlichen Ton an. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist die rötliche Farbe primär eine Folge der Stressreaktion, ein Phänomen das man auch bei vielen anderen Kalmaren beobachten kann. Die zu Ende des Videos sichtbare weißliche Farbe ist sehr wahrscheinlich die normale Farbe des Kolosskalmars. Auch beim Riesenkalmar hatte sich ja ähnliches gezeigt, als man zum allerersten mal vor etwa zwei Jahren ein lebendes Exemplar in der Tiefe filmte, und es im Gegensatz zu den an der Oberfläche gefundenen Riesenkalmaren nicht dunkelrot, sondern fast metallisch glänzend weißlich war.

Dahingehend müsste ich auch die Illustration abändern, welche ich vor ein paar Jahren für The Encyclopaedia of New and Rediscovered Animals von Karl Shuker angefertigt habe, und das ganze eher hellrosa oder weißlich einfärben.

Mesonychoteuthis hamiltoni Scale 2m by Markus Bühler 2,5 m ML

Leider wird auch die Größe des Kolosskalmars häufig massiv übertrieben dargestellt, oft liest man von Mantellängen bis 4 m und Gesamtlängen von 10 , 14 und sogar noch mehr Metern. Die beiden größten bekannten Individuen (worunter auch das Exemplar von 2007 ist) hatten eine Mantellänge von etwa 2,5 m, wobei die Gesamtlänge mitsamt ausgestreckten Tentakeln bei ungefähr dem Doppelten liegt. Das lag auch daran dass die Größe des in der Antarktis gefangenen und bis zur endgültigen Untersuchung eingefrorenen Koloss-Kalmars anfangs auch deutlich überschätzt wurde.

Das 2007-Exemplar wog 495 kg und hatte eine Rostral-Länge des unteren Schnabelanteils von 42,5 mm, während die größten aus Pottwalmägen bekannten unteren Schnabelhälften eine Rostral-Länge von bis zu 49 mm haben. Vorrausgesetzt dass zumindest einigermaßen lineare Zusammenhänge zwischen der Mantellänge und der Schnabelgröße bestehen, würde dies auf eine Mantellänge von etwa 3 m für die größten bisher von physischen Überresten bekannten Vertreter von Mesonychoteuthis hindeuten. Ein Kolosskalmar dieser Größe würde vermutlich um die 700 kg wiegen, was mehr als das Doppelte der größten bekannten Riesenkalmare wäre.

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Bild des Tages: Albatros-Schädel

Das heutige Bild des Tages wurde vollkommen randomisiert aus meinem Photo-Archiv ausgesucht. Gefunden habe ich dabei diesen schönen Schädel eines Albatros der Gattung Diomedea aus der Zoologischen Schausammlung in Heidelberg:

Albatros-Schädel Heidelberg2

Innerhalb des Gattung Diomedea findet sich auch der Wanderalbatros (Diomedea exulans), welcher von allen lebenden Vögeln die größte Flügelspannweite erreicht. Wie groß genau diese allerdings werden kann, ist schwer zu sagen, da zwischen den wirklich gesicherten Angaben und den zweifellos völlig übertriebenen und erfundenen Angaben eine erhebliche Lück klafft. Spannweiten von mehr als 3 Metern sind eher durchschnittlich, doch Angaben von deutlich über 4 oder gar 5 Metern gehören definitiv ins Reich der Märchen. Anscheinend  sind Flügelspannweiten bis etwa 3,7 m auch nachgewiesen.

Interessant finde ich dabei die Angaben von Erich Dautert, welcher Anfang des 20. Jahrhunderts vor Südgeorgien Museums-Exemplare verschiedener Tiere sammelte. Er beschreibt in seinem Buch „Auf Walfang und Robbenjagd im Südatlantik“ dass sehr große Albatrosse in ausgestopfter Form beliebte Mitbringsel der Seeleute waren, da sich diese für gutes Geld verkaufen ließen, anscheinend vor allem als Dekorationen für Hafenkneipen. Er beschreibt wie er mit Seeleuten direkt in einer Brutkolonie von Albatrossen nach besonders großen Exemplaren suchten. Die Spannweiten wurden im Vorraus gemessen, wobei zwei Männer die Flügel hielten und zwei andere die Spannweite maßen. Nach Dauters wurden nur solche Albatrosse überhaupt mitgenommen, welche eine Spannweite von mindestens vier Metern hatten, wobei diese schon im Vorraus von verschiedenen Auftraggebern „bestellt“ wurden, wobei auch etliche Exemplare zusammen kamen.

Diese beschriebene Episode über die Albatross-Jagd erscheint schon etwas merkwürdig, denn wenn Exemplare mit Spannweiten von mehr als 4 Metern damals sogar auf Bestellung gefangen und präpariert wurden, verwundert es dass kein solcher Riesenvogel offiziell verifiziert wurde. Andererseit beschreibt Dautert in seinem Buch alles sehr präzise, egal ob Landschaft, Tierwelt oder Schiffe. Ich kann hier höchstens mutmaßen dass die Messmethode der Seeleute eventuell nur sehr grob gewesen ist, und zu überschätzen Spannweiten geführt haben könnte.

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Riesen, Zwerge und Nussknackergebisse – die diverse Welt fossiler Knochenhechte

Fossile Fische bekommen im Allgemeinen viel zu wenig Aufmerksamkeit, ungeachtet der zahllosen hochinteressanten und teilweise sogar wirklich spektakulären Arten die man kennt. Daher möchte ich heute ein bisschen über fossile Knochenhechte schreiben.

Den Anfang mache mit mit einem wirklich ausgesprochen schönem Fossil des Knochenhechts Atractosteus straussi aus der Grube Messel, welches in der paläontologischen Sammlung Tübingen ausgestellt ist. Es sei an dieser Stelle angemerkt dass A. straussi inzwischen teilweise als Atractosteus messelensis geführt wird, was bisher anscheinend aber noch keine weite Verbreitung gefunden hat. Der Einfachheit halber bleibe ich hier beim alten Namen.

Atractosteus straussi aus Messel in der Paläontologischen Sammlung Tübingen.

In der welberühmten Grube Messel bei Darmstadt fand man außerordentlich gut erhaltene Fossilien von Atractosteus straussi (bzw strausi oder straußi), einer relativ kleinen Art, welche anscheinend in der Regel nur zwischen 20 und 30 cm groß war. Einzelne Exemplare erreichten auch Längen von etwa 40 cm, wie etwa der komplett erhaltene Holotypus anhand dessen A. messelensis beschrieben wurde. Damit ist A. straussi recht klein im Vergleich zu den heutigen Arten gewesen, erst recht im Vergleich zum riesigen Alligatorhecht (Atractosteus spatula), welcher in Ausnahmefällen Längen bis etwa drei Metern erreichen kann.

Joschua Knüppe hat mit freundlicher Weise extra für diesen Betrag eine wirklich tolle Lebendrekonstruktion von Atractosteus straussi gezeichnet. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an Joschua!

Atractosteus straussi Rekonstruktion von Joschua Knüppe

Heutzutage gibt es Knochenhechte nur noch im Teilen Nord-und Mittelamerikas, sowie den Gewässern einiger Inseln wie Cuba. Früher war ihr Verbreitungsgebiet allerdings erheblich größer, und umfasste nicht nur Teile Asiens und Afrikas, sondern auch Europas, wo sie einstmals mit vielen anderen Tieren vorkamen, deren nächste Verwandte heute eher in Nordamerika beheimatet sind.

In seinem Habitus dürfte A. straussi wohl eher dem Tropischen Knochenhecht (Atractosteus tropicus) entsprochen haben, welcher nicht mehr als 3 kg schwer wird. Diese kleinste lebenden Art der Gattung Atractosteus kommt vom Süden Mexikos bis Südamerikas vor, also in eher subtropischen Breiten, vergleichbar den klimatischen Zuständen welche vor 47 Millionen Jahren in Messel geherrscht haben.

Tropischer Knochenhecht (Atractosteus tropicus), Photo von Wikipedia

Auf diesem Photo eines weiteren Exemplars welches in Tübingen ausgestellt ist, sieht man neben den perfekt erhaltenen schmelzbedeckten Ganoidschuppen noch einmal die Schwanzflosse. Anders als bei fast allen anderen modernen Knochenfischen ist die Schwanzflosser heterozerk, also in ihrer Grundstruktur asymmetrisch. Die Wirbelsäule verläuft nicht zur Mitte der Schwanzflosse, sondern als fleischiger Lappen zu deren oberen Spitze. Die Schwanzflosse wird also ausschließlich von Flossenstrahlen gebildet, welche sich ursprünglich auf der Unterseite des Schwanzes befanden.

Atractosteus straussi, heterozerke Schwanzflosse

Zum besseren Vergleich hier noch mal das Photo eines Gefleckten Knochenhechts (Lepisosteus oculatus)  aus dem Tierpark Berlin:

Gefleckter Knochenhecht Tierpark Berlin

Die Schwanzflosse im Detail:

Gefleckter Knochenhecht Tierpark Berlin, Schwanzflosse

Atractosteus straussi war abgesehen von seiner geringen Körpergröße im großen und ganzen ein relativ typischer Knochenhecht, und wird sich vorrangig von Fischen ernährt haben. Insofern unterschied er sich nicht allzusehr von den heutigen Arten.

Die zweite Knochenhecht-Art welche in Messel gefunden wurde, hatte jedoch eine gänzlich andere Lebensweise, welche sich bei keiner der lebenden Arten findet. Masillosteus kelleri hatte eine für einen Knochenhecht ungewöhnlich kurze und kompakte Schnauze, und besaß große abgeflachte Zähne, welche allem Anschein nach dazu dienten die Panzer von hartschaligen Beutetieren wie Schnecken aufzubrechen. Damit hätte er eine gänzlich andere ökologische Nische eingenommen als A. straussi. Freundlicherweise hat Joschua exklusiv für diesen Artikel eine Lebendrekonstruktion von Masillosteus kelleri angefertig, auf welcher die beiden sympatrisch lebenden Arten noch mal zusammen zu sehen sind:

Masillosteus kelleri und A. straussi

Masillosteus kelleri und Atractosteus straussi von Joschua Knüppe

Masillosteus war ebenfalls eine eher kleine Art, anscheindend allerdings im Schnitt etwas größer als A. straussi. Wirkliche Riesen wie die modernen Alligatorhechte scheint es in Messel keine gegeben zu haben.

Ein anderer fossiler Knochenhecht konnte allerdings in Bezug auf die Größe durchaus mit dem neuweltlichen Alligatorhecht konkurrieren, der riesenhafte Atractosteus africanus, dessen Überreste in kreidezeitlichen Ablagerungen Afrikas und Europas gefunden wurden. Mit Längen bis etwa 3 m war er in einer ähnlichen Größenordnung wie einige der größten modernen Süßwasserfische. Auch von A. africanus hat Joschua eine tolle Lebendrekonstruktion gezeichnet:

Atractosteus africanus von Joschua Knüppe

Ein Knochenhecht dieser Größer spielt natürlich eine ganz andere Rolle in einem Ökosystem als der kleine A. straussi, und entspricht in seiner ökologischen Wertigkeit als Prädator eher einem mittelgroßen Krokodil. Dennoch könnte selbst ein solcher Gigant gelegentlich selbst zur Beute von noch größeren Räubern geworden sein, etwa großen Krokodilen oder Spinosauriden.

Noch ein paar Fossilien von A. africanus (von Wikipedia):

Atractosteus africanus Fossilien (Wikipedia)

Atractosteus africanus Fossilien (Wikipedia)

Zudem hat Joschua noch mal einen Größenvergleich zwischen A. africanus und A. straussi gemacht, welcher recht gut die Variationsbreite innerhalb der Knochenhechte verdeutlicht:

A. strausi und A. africanus von Joschua Knüppe

A. strausi und A. africanus von Joschua Knüppe

Gerade über Knochenhechte gäbe es wirklich sehr, sehr viel interessantes zu schreiben, etwa über die zahlreichen Besonderheiten ihrer Anatomie, aber dieser Artikel ist jetzt schon weitaus länger geworden, als ich es eigentlich beabsichtigt hatte.

 

 

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Riesen-Nothosaurier

Unter den mesozoischen marinen Reptilien stechen die Nothosaurier in der Regel nicht gerade mit besonderer Größe hervor. Das liegt einerseits daran dass sie weit im Schatten der Riesenformen innerhalb der Plesio-, Ichthyo- und Mosasaurier stehen, aber auch an dem Umstand dass die Mehrzahl der Arten tatsächlich nicht besonders groß waren.

Die meisten Nothosaurier lagen in ihrem Größenspektrum irgendwo zwischen einem Fischotter und einem Seehund, manche waren sogar noch kleiner. Einzelne Arten erreichten allerdings doch ziemlich beeindruckende Größen, wie etwa Nothosaurus giganteus, welcher Längen um etwa 6 m erreichte. Um sich ein Bild von den Dimensionen dieser Tiere machen zu können, habe ich hier ein Photo eines Schädels von N. giganteus aus dem Museum am Löwentor in Stuttgart. Links daneben ist der Schädel von Simosaurus gaillardoti, sowie als provisorischer Größenvergleich mein Rucksack mit etwa 47 cm Höhe:

Nothosaurus giganteus Schädel Stuttgart

Hier noch mal eine Detailansicht des Schädels, welcher im Oberen Muschelkalk bei Heimsheim gefunden wurde:

Nothosaurus giganteus Schädel Stuttgart 2

Simosaurus gaillardoti ist von recht guten Fossilien bekannt, und da Nothosaurier in ihrem Körperbau nicht allzu variabel waren, kann man sich anhand dieses Skelett ganz gut eine Vorstellung davon machen, wie auch N. giganteus zu Lebzeiten ungefähr ausgesehen haben dürfte.

Simosaurus gaillardoti im Museum am Löwentor in Stuttgart

Simosaurus gaillardoti im Museum am Löwentor in Stuttgart

Nun war N. giganteus allerdings vermutlich noch nicht einmal der größte bekannte Nothosaurier. Die kürzlich beschriebene Art Nothosaurus zhangi aus der mittleren Trias von China war sogar noch etwas größer. Der größte komplett erhaltene Schädel von N. giganteus hat eine Länge von 61 cm, während der größte komplett erhaltene Unterkiefer eine Länge von 59 cm hat. Beim Typus-Exemplar von N. zhangi ist der Unterkiefer volle 65 cm lang.

Abhängig vom tatsächlichen Verhältnis vom Schädel zum übrigen Körper lag die Gesamtlänge von N. zhangi bei ungefähr 5-7 m, also ungefähr vergleichbar mit einem großen Leistenkrokodil. Interessanterweise waren die beiden Riesenarten innerhalb der Nothosaurier nicht einmal näher miteinander verwandt, und haben unabhängig voneinander extreme Körpergrößen entwickelt.

Quelle:

A gigantic nothosaur (Reptilia: Sauropterygia) from the Middle Triassic of SW China and its implication for the Triassic biotic recovery Liu J, Hu S, Rieppel O, Jiang D, Benton M, Kelley N, Aitchison J, Zhou C, Wen W, Huang J, Xie T, Lv TScientific Reports 2014 4: 7142. doi:10.1038/srep07142

 

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Bild des Tages: Igel-Skelett

Heute Abend gibt es noch einen kurzen Beitrag der sich ebenfalls wieder der Anatomie widmet, beziehungsweise dem Umstand wie sehr sich das äußere Erscheinungsbild eines lebenden Tieres von seinem Skelett unterscheiden kann. Ein gutes Beispiel dafür sind Igel. Nichts am Skelett deutet auf so etwas wie ein Stachelkleid oder die komplexe Hautmuskulatur zum Bilden einer Kugelform hin. Würde man einen Igel einzig aufgrund seines Skeletts ohne Wissen um seine tatsächliche Gestalt rekonstruieren, käme bestenfalls etwas heraus, das an einen Tanrek erinnern würde.

Igel-Skelett Hohenheim

Skelett eines Westeuropäischen Igels (Erinaceus europaeus) im Veterinärmedizinischen Museum Hohenheim.

Das bringt uns wieder zu einer großen Problematik in der Paläontologie, nämlich den Umstand das viele Strukturen bei normalen Fossilien so gut wie nie überliefert werden. Das wiederum hat zur Folge das einige ausgestorbene Tiere zu Lebzeiten sicherlich völlig anders ausgesehen haben als die üblichen Rekonstruktionen. Über das Problem der fehlenden Weichgewebserhaltug habe ich ja bereits vor vielen Jahren schon einmal geschrieben.

Was man an diesem speziellen Skelett auch gut erkennen kann, ist die recht beeindruckende Bezahung des Igels, welche beim lebenden Tier praktisch kaum zu sehen ist. Leider sind gerade die Zähne ein typisches Merkmal das bei der Rekonstruktion von ausgestorbenen Tieren vielfach übermäßig hervorgehoben wird, sowohl bei manchen Säugetieren, als auch bei verschiedenen Reptilien und teilweise sogar Fischen.

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Bild des Tages: Paka-Schädel

Es gibt eine ganze Reihe von Tieren, welche auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär aussehen, und deren bizarre Anatomie sich erst dann offenbart, wenn man sich ihr Innenleben ansieht. Ein Beispiel dafür wäre die Paka (Cuniculus paca). Äußerlich betrachtet sind sie „nur“ sehr große meerschweinchenähnliche Nager, deren extreme Schädelmorphologie sich beim lebenden Tier kaum erahnen lässt.

Bei Pakas ist der Jochbogen des Schädels deutlich vergrößert und dient als Resonanzkörper, mit welchem Knurrlaute und Zähneknirschen verstärkt werden.

Paka-Schädel Hohenheim

Paka-Schädel im Veterinärmedizinischen Museum Hohenheim

Eine solche Ausbildung des Jochbogens ist unter Säugetieren einzigartig, wobei hier neben der ungewöhnlichen Form und Funktion auch die starke Strukturierung der Knochenoberfläche auffällt.

Paka-Schädel Berlin

Pakaschädel in der Darwin-Sonderausstellung des Museums für Naturkunde in Berlin.

Zum Schluss hier noch ein Photo einiger lebender Pakas von der englischen Wikipedia-Seite:

Marco Hern?ndez

Pakas in Costa Rica (von Wikipedia)

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Kryptide Smaragdeidechsen in Baden-Württemberg

Letztes Jahr habe ich extra einen Kurzurlaub unternommen, um die berühmten Smaragdeidechsen am Kaiserstuhl einmal mit eigenen Augen zu sehen. Bereits zu dieser Zeit hatte ich ein paar vage Berichte gehört und gelesen, dass es auch fast vor meiner Haustüre, am Spitzberg in der Nähe von Tübingen, welche geben sollte. Also mitten im Zentrum Baden-Württembergs, fernab der bekannten Populationen am Kaiserstuhl, Tuniberg und der südlichen Oberrheinebene. Photos oder offizielle Bestätigungen die das hätten verifizieren könnten, fand ich aber keine.

Daher habe ich in der beschriebenen Gegend auch immer mal wieder Spaziergänge gemacht, und -teilweise sogar mit dem Fernglas- in den Weinbergen gezielt nach Smaragdeidechsen gesucht. Gesehen habe ich aber leider nie welche, zumal ich die Möglichkeit in Betracht gezogen habe, dass es sich um Fehlidentifizierungen von männlichen Zauneidechsen (Lacerta agilis) gehandelt haben könnte, da bei diesen die typische Rückenzeichnung manchmal völlig fehlen kann, und sie dann komplett grün sein können.

Ein Freund von mir, welcher in der Gegend ein kleines Gartengrundstück besitzt, erzählte mir allerdings letztes Jahr dass er mehrfach eine komplett grüne Eidechse mit blauer Kehle in der Gegend gesehen hätte. Zudem hatte er auch schon von einem anderen Grundstücksbesitzer in der Nähe von einer ähnliche Sichtung gehört. Das deutete nun allerdings schon ziemlich deutlich auf eine Smaragdeidechse hin, genau genommen ein erwachsenes Männchen zur Paarungszeit. Doch auch hier blieb mein mehrfaches Suchen in der beschriebenen Gegend leider erfolglos.

Am 17.03. dieses Jahres erschien dann ein äußerst interessanter Artikel im Tübinger Tagblatt. Professor Alexander Kohler, emeritierter Biologie-Professor der Universität Hohenheim, hatte eine der kryptiden Smaragdeidchsen aus nächster Nähe photographieren können. Das Photo lies auch keinen Zweifel dass es sich tatsächlich um eine solche handelte. Fraglich ist nur noch, ob es sich um eine Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) oder eine Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis) handelt. Bereits 1960 hatte Professor Kohler über die Flora des von Tübingen nach Wurmlingen reichenden Spitzberges promoviert, und ist daher mit der Gegend sowie den besonderen geologischen Bedingungen welche ein sehr warmes Mikrohabitat mit vielen seltenen Tier-und Pflanzenarten ermöglichen, gut vertraut. Vor 20 Jahren entdeckte er bereits einmal eine von einem Fahrrad überfahrene Smaragdeidchse bei Wurmlingen, außerdem gab es von dort auch 2002 eine Meldung über eine weitere Sichtung. Bemerkenswerterweise wurde bereits 1880 in einem Fachbuch der Fund einer Smaragdeidechse beim Spitzberg beschrieben, was das über mehr als ein Jahrhundert praktisch völlig unbekannte Vorkommen dieser vergleichsweise sehr großen und auffälligen Art umso erstaunlicher macht. Insgesamt konnte Professor Kohler im letzten Jahr mindestens drei verschiedene Exemplare am Südhang entdecken.

Am späten Vormittag des heutigen Tages begab ich mich dann ein weiteres Mal von Wurmlingen ausgehend auf die Suche nach Smaragdeidechsen, und wurde zu meinem allergrößten Erstaunen auch fündig. Ich entdeckte ein wunderschönes Exemplar, an genau der Stelle an welcher sie der Freund von mir bereits im letzten Jahr gesehen hatte. Ich muss gestehen dass mir bei dieser überraschenden Entdeckung wirklich die Knie weich geworden sind:

Smaragdeidechse  am Spitzberg

Smaragdeidechse am Spitzberg

Es handelte sich um ein Männchen, wie man erkennen kann mit einem relativ kurzem regeneriertem Schwanz.

Smaragdeidechse am Spitzberg 2

Ich konnte es über einen Zeitraum von fast einer Stunde beobachten, und auch eine Reihe von recht nahen Photos machen.

Smaragdeidechse am Spitzberg

Ich konnte mich bis auf etwas mehr als einen Meter nähern, da es nur wenig Scheu zeigte.

Smaragdeideche  (2)

Dass diese in Deutschland extrem seltene Art nun auch nachweislich bei Tübingen vorkommt ist schon wirklich erstaunlich, zumal die Gegend eigentlich häufiger Exkursionsort für Biologen der nahegelegenen Universitätsstadt ist. Umso mehr freut es mich, ein paar der allerersten Photos von einer der Wurmlinger Smaragdeidechsen gemacht zu haben.

In der Gegend kommen auch Zauneidechsen und Schlingnattern vor, und nicht weit entfernt fand ich vor Jahren auch die fast weltrekordverdächtige Riesenblindschleiche, sowie eine andere Blindschleiche mit sehr stark ausgeprägten blauen Punkten.

Wundert es da noch dass Wurmlingen ausgerechnet einen Lindwurm im Wappen trug?

Lindwurm im alten Wappen von Wurmlingen (von Wikipedia)

Lindwurm im alten Wappen von Wurmlingen (von Wikipedia)

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Ein Feuersalamander im Sonnenschein

Vor ein paar Tagen war ich mal wieder im Wald spazieren, als ich auf einmal ein leises Rascheln am Wegesrand hörte. Ich dachte erst es sei wieder eine Maus welche durch das trockene Laub läuft, denn auf dem Hinweg hatte ich bereits eine an ähnlicher Stelle gesehen. Umso erstaunter war ich, als ich entdeckte dass es sich mitnichten um eine Maus, sondern um einen Feuersalamander handelte.

Gestreifter Feuersalamander (3)

Dies war umso erstaunlicher in Anbetracht der Tatsache dass es früher Nachmittag war, die Tage zuvor sehr trocken und warm gewesen waren, und die Sonne kräftig bis auf den Waldboden schien. Alles in allem ausgesprochen schlechte Vorraussetzungen um einen Feuersalamander zu entdecken.

Die aktiven Exemplare die ich bisher gesehen habe, fand ich entweder mitten in der Nacht bei Regen, oder am frühen Vormittag bei bedeckten Himmel nach starken nächtlichen Regenfällen. Was diesen Salamander dazu gebracht hat ausgerechnet bei diesen Wetterbedinungen umher zu laufen, werde ich wohl nie erfahren.

Wie man auf dem Photo erkennen kann, handelte es sich übrigens um einen Gestreiften Feuersalamander (Salamandra salamandra terrestris) in relativ reiner Ausprägung. Da sich dessen Verbreitungsgebiet hier mit dem der gefleckten Unterart Salamandra salamandra salamandra überschneidet, findet man in dieser Gegend auch alle möglichen Mischtypen welche verschiedenste Übergangsformen von Streifen zu Flecken und umgekehrt aufweisen.

Gestreifter Feuersalamander (2)

Der Schwanz dieses Feuersalamanders war etwas dünn, ansonsten machte er aber einen sehr guten Eindruck und verhielt sich abgesehen von der ungewöhnlichen Aktivitätszeit vollkommen normal.

Gestreifter Feuersalamander (1)

Dies ist auch einmal wieder ein gutes Beispiel dafür dass sich Tiere keineswegs immer nur nach Lehrbuch verhalten, sondern gelegentlich Dinge tun, die eigentlich im krassen Gegensatz zu dem stehen, was man eigentlich von ihnen erwarten würde. Vor vielen Jahren sah ich auch einmal einen jungen Aal  am hellen Nachmittag an der Oberfläche eines Kanals schwimmen, was ebensowenig in ein typisches Verhaltensschema passt wie ein Feuersalamander in der Sonne.

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