Bizarre Haie Teil 5: Wenn sechs nicht ausreichen – Siebenkiemerhaie

Dies soll vorerst einmal der letzte Teil in der Reihe “Bizarre Haie” werden, da ich nun auch einmal wieder über andere Themen schreiben möchte. Allerdings soll die Reihe irgendwann wieder weitergeführt werden, denn es gibt noch Dutzende andere von kaum bekannten aber umso interessanteren Hai-Arten die leider kaum einmal irgendwo Erwähnung finden.

Im letzten Beitrag habe ich neben dem Kragenhai auch einige andere Arten kurz vorgestellt, welche mehr als die bei Haien üblichen fünf Kiemenspalten aufweisen.

Dabei handelt es sich um zwei monotypische Arten in zwei verschiedenen Gattungen, den Breitnasen-Siebenkiemerhai (Notorynchus cepedianus) und den Spitzkopf-Siebenkiemenrhai (Heptranchias perlo).

Ersterer ist ein relativ großer Hai, welcher Längen von bis kanpp 3 m und ein Gewicht von mindestens 107 kg erreichen kann. Allerdings sind sie im Durchschnitt kleiner, eher etwas über zwei Meter für erwachsene Weibchen und etwas weniger für die Männchen. Das unten stehende Photo (wie alle Bilder hier von Wikipedia) zeigt gut woher der Name kommt, Breitnasen-Siebenkiemerhaie haben eine sehr kurze breite Schnauze und eben sieben Kiemenschlitze auf jeder Seite.

Notorynchus_cepedianus_2

Ihr relativ kompakter Körperbau mit der fehlenden ersten Rückenflosse und der langgestreckten Schwanzflosse ähnelt sehr dem viel bekannteren und noch erheblich größerem Stumpfnasen-Sechskiemenhai (Hexanchus griseus). Auffällig sind auch die zahllosen unregelmäßig angeordneten Flecken, außerdem kann der Bereich unter dem Maul und am Bauch statt von weißlichem Grundton auch marmoriert sein.

800px-Notorynchus_cep

Auch diese Art hat ein äußerst weites Verbreitungsgebiet, welches außer dem Mittelmeer und dem Nordatlanik praktisch alle Meere der Welt einschließt, wenngleich ihre eigentlichen Vorkommen auf Küstenbereiche mit Tiefen bis in ca. 570 Meter beschränkt sind. Allerdings kommen diese Haie auch zuweilen in sehr flaches Wasser.

Die Art gilt als relativ aggressiv, und gehört zu den wenigen Haien die auch für Angriffe auf Menschen verantwortlich waren. Interessanterweise jagen sie gelegentlich auch in Gruppen.

800px-Notorynchus_cepedianus_distmap

 

Die zweite Art, der Spitzkopf-Siebenkiemerhai ist dagegen erheblich kleiner, in der Regel nur 60-120 cm , mit einer Maximallänge bis etwa 1,37 m. Wie auch der Stumpfnasen-Siebenkiemenhai hat auch er nur eine kleine einzelne Rückenflosse.

Sharpnose_sevengill_shark_(_Heptranchias_perlo_)

Spitzkopf-Siebenkiemerhaie halten sich zumeist in Tiefen von 300-600 m in Bodennähe auf, werden aber teilweise auch bis in etwa 1000 m Tiefe angetroffen.

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Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Teile des Atlantiks, Pazifiks, des Indischen Ozeans und auch des Mittelmeers.

Heptranchias_perlo_distmap

 

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Bizarre Haie Teil 4: Kragenhaie

Die Kragenhaie der Gattung Chlamydoselachidae sind in vieler Hinsicht bemerkenswert, denn sie zeigen eine ganze Reihe ungewöhnlicher anatomischer Merkmale und gehören einer recht isolierten und schon sehr lange eigenständigen Linie innerhalb der Haie an. Dennoch ist er keineswegs so urtümlich, wie man das teilweise immer noch oftmals lesen kann, und stellt keinen extremen Fall eines “lebenden Fossils” dar, welches mit Urhaien aus dem Devon wie Cladoselache näher verwandt ist. Vielmehr gehört er wie alle anderen lebenden Haie und Rochen zu den Neoselachiern. Nichtsdestotrotz besitzen sie eine Reihe recht urtümlicher Eigenheiten, und ihre evolutionäre Linie lässt sich bis mindestens in die Kreidezeit zurück verfolgen.

Wass wohl zuallererst auffällt, ist der sehr lange und schlanke Körperbau mit den eng anliegenden Flossen, sowie auch die für Haie sehr ungewöhnliche Kopfform ohne ausgezogene “Nase”, wie man auf dieser schönen Zeichnung von Wikipedia sieht.Chlamydoselachus_anguineus1

 

Betrachtet man die Kragenhaie noch etwas mehr im Detail, fallen noch viele weitere Merkwürdigkeiten auf. Glücklicherweise hatte ich Ende vorletzten Jahres die Gelegenheit ein Exemplar der Spezies Chlamydoselachus anguineus im Deutschen Jagd-und Fischereimuseum in München in einer Sonderausstellung über Knorpelfische zu sehen.

Kragenhai (Chlamydoselachus anguineus) Jagdmuseum München (1)

Auf diesen Bildern sieht man einige ihrer ungewöhnlchen Merkmale etwas besser, besonders die Kiemenschlitze. Die allermeisten Haie haben nur fünf Kiemenschlitze, doch bei den Hexanchiformes, zu denen neben den Kragenhaien auch die Kammzähnerhaie der Gattungen Hexanchus, Notorynchus und Heptranchias zählen, findet man bei der ersten Gattung auch sechs, und bei den beiden letzteren sogar sieben Kiemenschlitze. Bei den Kragenhaien sind die ersten Kiemenschlitze auf der Unterseite sogar miteinander verbunden (Photo von Wikipedia):

Frilled_shark_throat

Die übrigens Kiemenschlitze sind teilweise immer noch ungewöhnlich weit nach oben und unten reichend, jedoch nicht mehr auf der Unterseite durchgehend.

Kragenhai (Chlamydoselachus anguineus) Jagdmuseum München (2)

Besonders interessant sind auch die Zähne der Kragenhaie. Sie sind wie ein Dreizack in jeweils drei lange Spitzen aufgeteilt, und sitzen deutlich voneinander abgesetzt in Reihen hintereinander, wie man besser als auf meinen Photos auf diesem Bild von Wikipedia erkennen kann:

von Wikipedia

Die Gabelform ist wahrscheinlich eine Anpassung an ihre Beute, welche vor allem aus Kopffüßern besteht, wenngleich auch teilweise verschiedene Tiefseefische ebenfalls gefressen werden. Was mir bei dem Exemplar in München besonders auffiel, war die Anordnung der Hautzähne im Bereich des Mundwinkels. Während sie auf dem restlichen Körper relativ klein sind, finden sich um den hinteren Bereich des Maules deutlich verlängerte und stark vergrößerte Dentikel:

Kragenhai (Chlamydoselachus anguineus) Jagdmuseum München (3)

Tatsächlich sind sie sogar von ähnlicher Größe wie die Spitzen der eigentlichen Zähne im Maul, und es scheint beinahe ein fließender Übergang zwischen ihnen zu bestehen, was vermuten lässt, dass sie helfen könnten die Beute festzuhalten. Dass Dentikel der Haut einen Beitrag zum Beutefang leisten könnten, wäre sicherlich ein äußerst bemerkenswertes Phänomen.

Kragenhai Dentikel

Kragenhaie sind auch in fossiler Form bekannt, wobei die ältesten aus dem Eozän Östereichs stammen. Desweiteren kennt man Funde aus dem Miozän Trinidads und dem Pliozän Italiens wie der Art Chlamydoselachus lawleyi. Die für Kragenhaie typische Dreizackform der Zähne sieht man besonders gut an diesem fossilen Zahn von Chlamydoselachus lawleyi: (Von Wikipedia)

Chlamydoselachus_lawleyi

Da Kragenhaien normalerweise in Tiefen von etwa 120-1280 m Tiefe leben, gibt es leider nur recht wenige Aufnahmen lebendender Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum, wie etwa dieses Photo hier (von Wikipedia):

Chlamydoselachus_anguineus_NOOA

Allerdings gelangen gelegentlich einzelne Exemplare auch in deutlich flacheres Wasser, oder werden teilweise auch an Tiefsee-Langleinen gefangen. Ein Kragenhai konnte 2007 sogar, wenngleich auch nur für wenige Stunden, in einem Aquarium auf Honshu beobachtet werden.

Ich habe bisher immer bewußt von “Kragenhaien” im Plural geschrieben, denn tatsächlich gibt es nicht nur eine einzige Art, sondern zwei. Die bekanntere Art Chlamydoselachus anguineus hat dabei ein äußert großes Verbreitungsgebiet (Karte von Wikipedia):

Chlamydoselachus_anguineus_distmap

Dagegen hat der Südafrikanische Kragenhai (Chlamydoselachus africana) ein weitaus kleineres Verbreitungsgebiet, welches sich vor allem um die westliche Südspitze Afrikas beschränkt. Diese Art wurde erst 2009 beschrieben, entsprechend findet man sie auch nur in den allerwenigsten Büchern. Mit einer Länge von nur wenig über einem Meter sind sie auch kleiner als ihre etwas größeren Verwandten, bei welchem zumindest die Weibchen bis 2 m lang werden können, und die Männchen immerhin noch bis etwa 1,5 m. Neben der geringeren Größe unterscheidet sich der Südafrikanische Kragenhai auch in anderen Merkmalen von seiner Schwesternart, etwa durch eine geringere Wirbelzahl oder eine geringere Anzahl der Spiralwindungen des Darmes.

Chlamydoselachus_africana_distmap

Eine weitere Besonderheit der Kragenhaie ist ihre Vermehrung. Wie viele andere Haie auch, bekommen die Weibchen lebende Junge, welche bereits im Körper der Weibchen aus Eiern schlüpfen, und dann in der Gebärmutter verweilen, bis sie weit genug entwickelt sind. Dies dauert aber ungewöhnlich lange, nämlich zwei Jahre, möglicherweise sogar bis zu dreieinhalb Jahren. Ähnlich lange Entwicklungszeiten findet man allerdings auch bei Alpensalamandern (Salamandra atra), womit die Kragenhaie in dieser Eigenschaft nicht ganz so isoliert stehen.
Abschließend sei noch zu bemerken, dass selbst so bizarre und scheinbar besonders urtümliche Wesen wie die Kragenhaie keineswegs so kryptisch sein müssen, dass sie sich jedweder Entdeckung und Erforschung entziehen müssen, selbst in Anbetracht der Tatsache dass sie größtenteils extreme und schwer erreichbare Tiefen bewohnen. Wenngleich auch noch sehr viel in den Ozeanen zu entdecken sei dürfte, sind sie dennoch bereits weitaus besser erforscht als manch einer annimmt. Auch der Umstand dass selbst von den Kragenhaien zumindest einige Fossilien aus verschiedenen Gegenden der Welt bekannt sind, ist an dieser Stelle bemerkenswert.

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Bizarre Haie Teil 3: Der Zwerg-Laternenhai

Der im letzten Teil vorgestellte Grüne Laternenhai war bereits schon ziemlich klein, doch es geht tatsächlich noch etwas kleiner. Der mit ihm verwandte Zwerg-Laternenhai (Etmopterus perryi) wird kaum größer als 21 cm, bei einem Gewicht bis etwa 150 g. Die meißten Individuen sind allerdings eher noch etwas kleiner. Wie winzig das ist, sieht man sehr schön auf diesem Photo (wie die anderen von Wikipedia):

Dwarf_Lanternshark

Man sieht auf diesem Bild auch gut woher Dornhaien ihren Namen haben, denn sie besitzen vor jeder ihrer beiden Rückenflossen einen gut ausgebildeten Stachel, was in Anbetracht ihrer geringen Körpergrößer und der damit einhergehenden großen Zahl potentieller Fressfeinde auch sinnvoll erscheint. Interssant ist dass die zweite Rückenflosse etwas größer als die erste ist.

Etmopterus_perryi

Das Verbreitungsgebiet des Zwerg-Laternenhais, welcher Tiefen von etwa 280-440 m bewohnt, scheint relativ klein zu sein, und liegt in der Karibischen See, ganz vor der Südspitze des südamerikanischen Kontinents.

Etmopterus_perryi_distmap

Inwieweit der Zwerg-Laternenhai jedoch wirklich “die” kleinste Haiart ist, sei einmal dahin gestellt, denn der mit ihm verwandte Zylindrische Laternenhai (Etmopterus carteri) erreicht ziemlich genau die gleichen Längen und Gewichte.

800px-Etmopterus_carteri

Interessanterweise kommt der Zwerg-Laternenhai auch -soweit bisher bekannt- nur in einem lokal recht begrenzten Gebiet in der Karibik vor der Küste Kolumbiens vor.

Etmopterus_carteri_distmap

Ohnehin ist es immer schwer zu sagen welches Tier nun das kleinste oder größte ist, wenn es nicht gerade ganz eindeutig ist. Zudem muss man ja auch bekannte, und eben auch oftmals unbekannte, Durchschnitts-und Maximalgrößen, Alter und Geschlechtszugehörigkeit mit in Betracht ziehen. Letztendlich ist es eigentlich ja auch egal, darum habe ich hier auch beide Arten aufgeführt. Zudem muss ja auch immer in Betracht gezogen werden, dass es noch unentdeckte noch kleinere Haiarten gibt, was in Anbetracht der teilweise nur sehr lokalen Verbreitungsgebiete auch keineswegs unwahrscheinlich ist.

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Bizarre Haie Teil 2: Der Grüne Laternenhai

Auch heute soll wieder ein kaum bekannter, aber nichtsdestotrotz äußerst interessanter Hai vorgestellt werden, der Grüne Laternenhai (Etmopterus virens). In Bezug auf sein Äußeres kann er sich zwar nicht ganz mit dem Viper-Dornhai, mit dem er auch entfernt verwandt ist, messen, doch zeigt auch er eine Reihe von sehr interessanten Besonderheiten. Zunächst einmal ist der Grüne Laternenhai recht klein, nämlich nur bis etwa 26 cm lang, womit er zu den kleinsten Haien überhaupt gehört. Interessanterweise sind auch seine Flossen anders als bei anderen Haien transparent und fast völlig farblos. Hier ein Photo (wie alle übrigen im Beitrag) von Wikipedia:
Green_lanternshark_nmfs1

Der Grüne Laternenhai bewohnt primär Meerestiefen unterhalb von etwa 350 m, wurde aber auch schon in über 900 m Tiefe gefunden, und hält sich vor allem nahe dem Meeresboden auf. Die Art kommt im Atlantik zwischen der östlichen Südspitze des nordamerikanischen Kontinents und der Nordspitze des südamerikanischen Kontinents vor, ist aber möglicherweise auch bis vor Brasilien verbreitet.

Etmopterus_virens_distmap

Obwohl diese geradezu winzigen, und vor allem in der unteren Ansicht alles andere als gefährlich aussehenden Haie nicht unbedingt wie effiziente Raubtiere aussehen, gehören sie doch zu den größten Räubern unter den Haien. Denn während selbst Tigerhaie und Weiße Haie als ausgesprochene Großwildjäger meistens Beutetiere jagen die kleiner sind als sie selbst, greift der Grüne Laternenhai auch Beute an, welche seine eigenen Körpergröße deutlich übertreffen.

Green_lanternshark_nmfs3

Nun fragt man sich mit einiger Berechtigung wie dieser kleine Laternenhai mit seinen alles andere großen Zähne so etwas bewerkstelligt. So unscheinbar er auf den ersten Blick auch aussehen mag, zeichnet ihn doch eine Besonderheit aus, denn er lebt nicht nur in Schwärmen, sondern jagt allem Anschein nach auch in Gruppen. Auf diese Weise können mehrere Grüne Laternenhai zusammen auch noch relativ große Kalmare und Oktopusse überwältigen, welche ihre Hauptbeute darstellen. Während ein gewisses Schwarmleben für eine ganze Reihe von Haien an sich nichts ungewöhnliches ist, stellt das gemeinschaftliche und möglicherweise sogar koordinierte Jagen eine absolute Seltenheit dar.

Wie ihr Name schon andeutet, besitzen Grüne Laternenhai Leuchtorgane. Diese befinden sich in den schwärzlichen Hautbereichen unterhalb der Schnauze, am Bauch, über den Bauchflossen und an der Schwanzflosse. Inwieweit diese eine Rolle bei der Jagd im Schwarm spielen könnten, ist allerdings noch unbekannt.

Wie viele andere Haie sind Grüne Laternenhaie lebendgebärend, wobei die Weibchen lediglich ein bis drei Junge gebären, welche bei der Geburt schon bereits etwa 9 cm messen.

Green_lanternshark (Etmopterus virens)

 

 

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Bizarre Haie Teil 1: Der Viper-Dornhai

Nachdem die letzte Reihe mit den Chimären eine eher weniger bekannte Gruppe innerhalb der Knorpelfische behandelte, möchte ich mich nun den Haien widmen. Allerdings möchte ich hier ganz bewusst nicht die besonders großen oder besonders bekannten Arten behandeln, sondern vor allem ein paar der besonders ungewöhnlichen, obskuren und im allgemeinen eher unbekannten Arten.

Eine Art, welche jene Anforderungen aufs Vorzüglichste erfüllt, ist der Viper-Dornhai Trigonognathus kabeyai. Dieser kleine zu den Laternenhaien gehörende Hai ist die bisher einzige Art in seiner Gattung und wurde erst 1990 beschrieben, und über seine Biologie ist nach wie vor nur sehr wenig bekannt. Er erreicht eine Länge bis etwa 54 cm, bei einem Maximalgewicht von einem knappen Pfund. Leider habe ich lediglich die von Wikipedia verfügbaren Photos welche Kopfansichten und nicht den ganzen Körper zeigen.

Viper-Dornhaie tragen ihren Namen zu vollem Recht, denn ihre Zähne erinner tatsächlich an die langen Giftzähne von Vipern.

Trigonognathus_kabeyai_head_2

Außer dass vor allem die vorderen Zähne extrem dünn sind, fällt auch auf dass im vordersten Kieferabschnitt nur jeweils ein einziger, medial angeordneter Zahn liegt.

Das wirklich erstaunliche aber sind die extrem beweglichen Kiefer, welche wie beim bekannteren und viel größerem Koboldhai sehr weit nach vorne gestreckt werden können, wie man auf diesen Bildern von Fishbase sowie einer japanischen Website sieht:

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Auch Koboldhaie haben sehr lange und dünne Zähne, sind aber nicht näher mit den Viper-Dornhaien verwandt.

Weiter unten sieht man noch zwei weitere Photos von Kopfansichten, welche wie das erste von Wikipedia stammen:

Trigonognathus_kabeyai_head_3

Wie andere Laternenhaie haben Viper-Dornhaie extrem große Augen, sowie Leuchtorgane an den Bauchseiten und am Schwanzstiel. Sie leben in Tiefen von etwa 330 bis 360 Metern, und wahrscheinlich spielen ihre Leuchtorgane eine Rolle beim Anlocken von Beutetieren.

Trigonognathus_kabeyai_head_1

Bisher hat man Viper-Dornhaie nur im Nordpazifk vor Japan sowie ein einziges Mal auch im Zentralpazifik vor Haiwaii gefangen (Verbreitungskarte von Wikipedia).

Trigonognathus_kabeyai_distmap

 

Quellen:

Wetherbee, B. & Katura, S. (2000) Occurrence of a Rare Squaloid Shark, Trigonognathus kabeyai, from the Hawaiian Islands. Pacific Science 54(4) 389–394

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Chimären Teil 4: Die fossile Seekatze Acanthorhina jaekeli

Chimären sind eine uralte Unterklasse innerhalb der Knorpelfische, welche sich bereits vor über 385 Millionen Jahren im Oberen Devon von den Vorfahren der heutigen Haie und Rochen abspalteten. Insofern ist es auch wenig verwunderlich, dass sie nur relativ wenig Ähnlichkeiten mit diesen aufweisen. Einstmals waren sie noch weitaus artenreicher und vielgestaltiger als heute, und umfassten zahlreiche verschiedene Ordnungen, von denen heute aber lediglich noch die Seekatzen (Chimaeriformes) existieren. Allerdings reichen auch diese bereits extrem weit in die Vergangeheit zurück, wie man sehr schön an diesem Fossil von Acanthorina jaekeli aus dem Posidonienschiefer Holzmadens im Museum für Naturkunde in Stuttgart sehen kann, welches sich kaum von den heutigen Arten unterscheidet:

Acanthorhina_jaekeli

Das Photo, sowie auch das weiter unten zu sehende, ist ein leicht abgewandeltes Photo von Wikipedia Commons, da jene die ich selbst vom ganzen Fossil aufgenommen habe, leider nicht so gut geworden sind. Hier habe ich die Rekonstruktionszeichnung von Acanthorina welche im Museum zu sehen ist, einmal mit dem Fossil auf etwa gleiche Größe zusammengeschnitten:

Acanthorhina jaekeli

Wie heutige Seekatzen hatte auch Acanthorhina einen sehr langen Flossenstachel an der Basis der ersten Rückenflosse, welcher vermutlich auch wie bei heutigen Arten mit einer Giftdrüse in Verbindung stand. Diese Flossenstacheln entsprechen nicht den aus Flossenstrahlen hervorgegangenen Giftstacheln die man bei manchen Knochenfischen wie etwa den Steinfischen findet, sondern wie die Stacheln von Dornhaien oder Stachelrochen sind dies ursprünglich zahnartige Gebilde der Haut, ähnlich den Dentikeln welche der Haut von Haien und Rochen eine so sandpapierartige Oberfläche verleihen.

Das Detailbild des Schädels von Acanthorhina ist mir glücklicherweise sehr gut gelungen, weshalb ich hier auf ein eigenes Photo zurückgreifen kann. Man sieht sehr schön die für viele Chimären typisch spitz ausgezogene Schnauzenspitze, das unterständige Maul und die großen Augen. Die Lebensweise dürfte sich kaum von jener der lebenden Arten unterschieden haben. Ob der Knorpel im Stirnbereich über den Augen tatsächlich dem Stirnanhängsel moderner männlicher Seekatzen entspricht, oder ob es sich hier nur um ein Artefakt durch ein verrutschtes Schädelfragment handelt, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Ich vermute allerdings eher letzteres.

Acanthorina rtjaekeli Stuttga

 

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Chimären Teil 3: Die Seekatze Chimaera monstrosa

Die Seekatze Chimaera monstrosa ist nicht nur eine der bekannsten Chimären, sondern zweifellos auch jene Art mit dem klangvollsten wissenschaftlichen Namen. Dass auch der Name “Seekatze” nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, kann man auch gut auf diesem Photo sehen (wie alle anderen in diesem Post von Wikipedia Commons):

Chimaera_monstrosa

Seekatzen sind wie ihre Verwandten primär Bodenbewohner und kommen bis in Tiefen von etwa 1000 m vor. Eine Anpassung an diesen Lebensraum sind die riesigen Augen, welche ähnlich wie die Augen von Katzen das Restlicht reflektieren.

Chimaera_monstrosa_NOAA

Seekatzen haben starke Kieferplatten, mit welchen sie die Schalen von Krebstieren, Mollusken und Stachelhäutern aufknacken.

Chimaera_monstrosa_head

Auf diesem Photo sieht man eine Seekatze in ihrem natürlichen Lebensraum:

Chimaera_monstrosa_deep_sea

 

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Chimären Teil 2: Die Australische Pflugnasenchimäre

In Anlehnung an die Seeratte auf dem letzten Bild des Tages gibt es heute eine Australische Pflugnasenchimäre (Callorhinchus milii) aus dem Aquarium von Melbourne, dieses Mal von Wikipedia:

Australische Pflugnasenchimäre (Callorhinchus milii) von Wikipedia

Pflugnasenchimären, welche im Englischen den kuriosen Namen “elephant-sharks” tragen, gehören ebenso wie die Seeratten zu den Knorpelfischen. Sie werden bis etwa 120 cm lang, bleiben aber normalerweise kleiner. Sie ernähren sich vor allem von verschiedenen im oder auf dem Bodensediment lebenden Wirbellosen, wobei ihnen ihre kurios geformte Schnauzenpartie hilft diese zu finden. Diese ist interessanterweise assymetrisch geformt und zur Seite gebogen, so dass sie tatsächlich einem Pfug in der Form ähnelt.

 

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Chimären Teil 1: Die Gefleckte Seeratte

Heute gibt es wieder einmal ein Kuriosum der Natur, die Gefleckte Seeratte (Hydrolagus colliei). Diese Art gehört zu den Kurznasenchimären, einer Familie von Knorpelfischen die sehr weitläufig mit Haien und Rochen verwandt ist. Chimären leben vor allem am Meeresboden, teilweise auch in großen Tiefen, und ernähren sich vor allem von hartschaligen Wirbellosen wie Krebstieren, Muscheln und Schnecken, teilweise aber auch Fischen.

Aus dem Jagd-und Fischerei-Museum München

Aus dem Deutschen Jagd-und Fischereimuseum München

Ich vermute dass es sich bei der gefleckten Seeratte auf dem Photo nicht um ein Präparat, sondern um einen Abguss handelt. Sie war neben vielen anderen hochinteressanten Exponaten letztes Jahr in einer Sonderausstellung über Haie und Rochen des Deutschen Jagd-und Fischereimuseums in München ausgestellt.

 

 

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Bild des Tages: Pakarana

In Weiterführung der Serie über ungewöhnliche und eher wenig bekannte Säuger gibt es heute ein Photo einer Pakarana (Dinomys branickii), eines großen südamerikanischen Nagetiers. Pakaranas gehören nach den Capybaras zu den größten noch lebenden südamerikanischen Nagetieren und erreichen Gewichte von 10-15 kg. Dieses Exemplar steht in der Zoologischen Schausammlung in Heidelberg.

Pakarana Zoologische SchausammlungHeidelberg

 

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