Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Amphibien’ Category

Mastodonsaurus giganteus - eines der größten Amphibien aller Zeiten

Donnerstag, Oktober 18th, 2007

 

Heute möchte ich etwas über den Mastodonsaurus schreiben. Dieser gewaltige Panzerlurch war eines der spektakulärsten Amphibien aller Zeiten, mit Ausmaßen, welche man sich für ein Tier dessen nächste lebende Verwandte etwa Frösche oder Molche wären, kaum noch vorstellen kann. Gemeinhin wird Mastodonsaurus als das größte Amphibium bezeichnet, das je gelebt hat. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass manche Arten noch deutlich größer wurden, etwa der langschnäuzige Prionosuchus plummeri dessen Fossilien man aus Brasilien kennt, und der eventuell sogar Längen von 9m erreichte.  Aber unabhängig davon, ob es noch größere Amphibien gab oder nicht, Mastodonsaurus war in jedem Fall ein Gigant.

Mastodonsaurus ist vor allem aus dem deutschen Raum durch eine Reihe extrem gut erhaltenenr Fossilien bekannt, die teilweise fast vollständig sind. Selbst Fossilien von Mastodonsaurus-Larven sind bekannt. Mastodonsaurus giganteus erreichte eine Länge von mindestens 6m, fragmentarische Funde lassen aber sogar auf Tiere von 7m Länge schließen. Damit war Mastodonsaurus giganteus mindestens so lang wie die größten heutigen Krokodile. Da diese Tiere insgesamt aber etwas kompakter waren als Krokodile, dürften sie noch deutlich schwerer geworden sein, und Gewichte von mehr als 2 Tonnen erscheinen für die größten Exemplare keineswegs unrealistisch.  Noch eine andere Eigenschaft verband Mastodonsaurus mit diesen heutigen größten fleischfressenden Räubern des Süßwassers: Er hatte Knochenplatten unter der Haut, ähnlich den Panzerechsen. Eine solche Knochenplatte kann man hier sehen (das Photo stammt aus dem Naturhistorischen Museum in Wien):

Das von Burian stammende Rekonstruktionsbild zeigt die alte Vorstellung, dass diese Tiere eine sehr kompakten Körper, und einen extrem kurzen Schwanz hatten, eine Ansicht, die sich über viele Jahrzehnte gehalten hat. Neurere Rekonstruktionen zeigen aber, dass Mastodonsaurus sehr wohl einen gut entwickelten Schwanz hatte, und weniger kröten-als viel eher krokodilsgestaltig war.

So wurde auch etwa dieses, an sich sehr schöne Modell im Stuttgarter Museum am Löwentor mit einem überaus kurzem Körper und Schwanz rekonstruiert:

Mir war diese Darstellung schon seit jeher etwas seltsam vorgekommen, denn ein solches Tier hätte sich kaum effektiv fortbewegen können. Die Beine sind ziemlich schwach, und hätten beim Schwimmen keine große Hilfe geleistet, und ein derartig kurzer Schwanz hätte gar keinen Nutzen bei der Fortbewegung gehabt. Folglich hätte ein derartig proportioniertes Wesen darauf warten müssen, dass ihm seine Beutetiere schon beinahe ins Maul geschwommen wären.  Vor allem hätte auch eine Möglichkeit gefehlt, zumindest eine kurze Entfernung schnell zurücklegen zu können, wie es etwa Krokodile machen, wenn sie sich mit ihrem kräftigen Schwanz mehrere Meter hervorschnellen. Das in der aktuellen Ausstellung gezeigt Skelett, welches in extrem aufwendiger Arbeit mit Hilfe von per Hand aus Kupfer getriebenen Knochen rekonstruiert wurde, zeigt die tatsächlichen Proportionen dieses Tieres, welches nun deutlich krokodilähnlicher wirkt. Das Skelett darunter gehört übrigens Batrachotomus:

Das ganz oben zu sehende Bild zeigt eine Lebendrekonstruktion, welche auf diesen neuen Ergebnissen basiert, was man bei dieser Ansicht aber nicht sehen kann. Zugegebenerweise finde ich die Farbgebung etwas unstimming, zwar findet sich fast die gleiche Farbkombination bei Marmormolchen, aber irgendwie finde ich dass sie bei einem Tier wie Mastodonsaurus fehl am Platz wirkt. Naja, das ist eben die künsterlische Freiheit, und des ist ja nicht meine Rekonstruktion.  Interessant wäre auch zu wissen, ob sich die Panzerplatten unter der Haut abhoben, oder ob sie praktisch versteckt unter der Haut waren.

Mastodonsaurier waren Raubtiere, welche anderen Wirbeltieren nachstellten, vermutlich in ähnlicher Manier wie heutige Krokodile. Allerdings unterscheidet sich ihre Bezahnung beinahe grundlegend. Während Krokodile eine relativ geringe Variationsbreite von Zahngrößen besitzen, waren bei Mastodonsaurus zwei völlig unterschiedliche Zahnformen vorhanden. Der Großteil der Kiefer wurden von sehr kleinen Zähnen gesäumt, welche Ähnlchkeiten zu jenen heutiger Amphibien oder auch vieler Fische habe. Zusätzlich hatten sie aber auch drei Paar riesige Fangzähne, jeweils zwei im Ober-und eines im Unterkiefer. Die Fangzähne im Unterkiefer waren so lang, dass sie selbst bei geschlossenen Maul durch Löcher in der Schnauze nach außen ragten. Zweifellos waren diese Zähne außerst effektiv um große Beutetiere festzuhalten. Bei den größten Exemplaren konnten diese Fangzähne gut 15cm lang werden. Von diesen Zähnen leitet sich auch der Name der Tiere ab, denn Mastodonsaurus bedeutet “Zitzenzahnechse”, wobei hier der Begriff Echse natürlich völlig fehl am Platz ist. Im Querschnitt weisen diese Zähne eine äußerst ungewöhnliche Fältelung auf, welche unter anderem von Quastenflossern bekannt ist.

Einen etwas besseren Einblick in die Bezahnung bekommt man auf diesem Photo eines Mastodonsaurus-Schädels:

Gut erkennbar sind auch die mächtigen Kiefer, welche bis zu 90° aufgerissen werden konnten, und stark genug waren, um selbst bei größeren Beuteieren deutliche Spuren an den Knochen zu hinterlassen. Man kennt Zahnabdrücke an Knochen von Plagiosauriern, welche etwa 70cm lang wurden, aber auch von landbewohndenden Thekodontiern, welche bis zu 5m lang wurden. Allerdings ist mir hier nicht bekannt, wie groß die Exemplare waren, an denen die Spuren gefunden wurden. Interessant ist auch, dass diese verheilt waren, was bedeutet, dass sie von Mastodonsaurus in Krokodilmanier angegriffen worden sein müssen, und nicht etwa nur an einem im Wasser treibenden Kadaver herumgefressen haben.  Man kennt sogar Bissabdrücke dieser Tiere an anderen Mastodonsauriern, was bedeutet, dass es sich wahrscheinlich um nicht gerade sonderlich umgängliche Wesen gehandelt hat.

Mastodonsaurus verbrachte mit Sicherheit den größten Teil seines Lebens im Wasser, worauf auch die  Rinnen am Schädel deuten, welche einst nur im Wasser wirksame Seitenlinienorgane beherbergten. Allerdings sind auch Spuren bekannt, welche diese riesigen Panzerlurche an Land hinterlassen haben müssen, und zeigen, dass sie sich dort nur sehr schwerfällig fortbewegten.

Wer sich für dieses und ähnliche Themen interessiert, dem seien noch zwei Bücher ans Herz gelegt:

Rainer Schoch: Saurier - Expedition in die Urzeit

Ernst Probst: Deutschland in der Urzeit -  Von der Entstehung des Lebens bis zum Ende der Eiszeit

Beide Bücher behandeln vor allem Funde aus dem süddeutschen Raum, von denen auch viele in der Dauerausstellung des Stuttgarter Museums am Löwentor bestaunt werden können, aber es werden auch eine ganze Reihe von anderen Funden abgedeckt. Das Buch von Ernst Probst ist schon etwas älter, und enthält ein paar wenige Fehler, etwa ein noch froschartige Darstellung des Mastodonsaurus. Das Buch von Rainer Schoch ist auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, und geht auch sehr detailliert auf die Evolution und Biologie der Dinosaurier ein, mit vielen Details und Entdeckungen, die ich bisher nur aus Internet und Fernsehen kenne, aber bisher noch nicht aus der Populärliteratur. Es enthält auch haufenweise Farbphotos der Rekonstruktionen, welche für die Sonderausstellung “Saurier - Erfolgsmodelle der Evolution” hergestellt wurden. Wer sich für Urzeit interessiert, sollte sich dieses Buch unbedingt kaufen.

Moderne Riesenamphibien

Freitag, Juli 6th, 2007

In der heutigen Zeit spielen die Amphibien in den meisten Ökosystemen keine übermäßig große Rolle mehr, und die Zeit in der sie als erste Landwirbeltiere die beherrschenden Arten auf der Erde hervorbrachten, unter ihnen zahlreiche Riesenformen, ist schon lange vorbei. Inzwischen gibt es nur noch wenige Arten, die man ihrer Körpergröße wegen wirklich als bemerkenswert bezeichnen könnte. Die zweifellos eindrucksvollsten Arten sind die beiden Riesensalamander-Arten, der Japanische Riesensalamander Andrias japonicus und der Chinesische Riesensalamander Andrias davidianus. Die erstere Art erreicht eine Länge von etwa 1,5m und kann bis zu 30kg wiegen. Über die Größe des Chinesischen Riesensalamanders herrschen widersprüchliche Angaben, teilweise heißt es er sei kleiner als der Japanische, dann heißt es wieder er sei die größte rezente Amphibien-Art und kann bis zu 1,80m erreichen. Da mir hier genauere Angaben und Hintergründe momentan fehlen, kann ich auch nicht genau sagen, was jetzt tatsächlich stimmt. Hier sieht man ein Alkohol-Präparat eines Japanischen Riesensalamanders im Naturhistorischen Museum Wien.

 Japanischer Riesensalamander (Andrias japonicus)

 Neben den Riesensalamander gibt es noch einige andere wenig bekannte Schwanzlurche, die sehr beachtliche Größen erreichen können, etwa der amerikanische Dreizehenaalmolch Amphiuma tridactylum, der eine Länge von einem Meter erreichen kann. Diese Amphibien haben nur noch winzige stark zurückgebildete Gliedmaßen mit reduzierter Zehenzahl, und leben praktisch  unvollständig metamorphiert praktisch ihr ganzes Leben im Wasser, ähnlich wie der Große Armmolch Siren lacertina, der ebenfalls in südlichen Teil Nordamerikas lebt. Er besitzt wie alle Armmolche nur zwei Vordergliedmaßen, und große büschellige äußere Kiemen. Auch er kann eine Länge von einem Meter erreichen, ist aber insgesamt kompakter gebaut als der Dreizehige Aalmolch. Auf diesem Bild sieht man rechts einen Dreizehigen Aalmolch und daneben einen Großen Armmolch.

Dreizehiger Aalmolch und Großer Armmolch

Aber auch unter den Froschlurchen gibt es einige sehr groß werdende Arten, allen voran der Goliathfrosch Conraua goliath (früher auch Gigantorana oder Rana goliath), der eine Länge von 40 cm erreichen kann, mit ausgestreckten Beinen sogar etwa das doppelte. Dabei kann er ein Gewicht von über 3kg haben. Ohne direkte Vergleichsmöglichkeiten ist es wirklich schwer sich ein Bild von der Größe dieser Tiere zu machen. Hier habe ich einmal ein Bild eines präparierten Exemplares, mit einem 1-Euro-Stück als Größenvergleich:

Goliathfrosch Gigantorana goliath

Leider ist die Qualität dieser Bilder nicht allzu gut, da es in dem Raum ziemlich dunkel gewesen ist, und außerdem durch Scheiben photographiert werden mußte.

Die grotesken Hornfrösche mit ihren überproportional großen Köpfen und dem riesigen Maul sehen beinahe aus wie Kreaturen aus Star Wars (etwa die Wesen das in Episode 6 vor Jabbas Palast in der Wüste sitzt). Die meisten Arten sind nicht besonders groß, auch wenn ihr Hunger und ihr Selbstvertrauen wahrscheinlich rekordverdächtig unter den Amphibien ist. Zwar können einige Arten doch recht beachtliche Größen und Gewicht erreichen, aber zugegebenerweise war ich doch etwas geschockt als ich in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien ein Exemplar von wirklich monströsen Ausmaßen sah. Laut dem Schild handelte es sich um einen Schild-Hornfrosch mit dem wissenschaftlichen Namen Ceratophrys dorsata. Allerdings scheint diese Art heutzutage eher unter dem Namen Ceratophrys cornuta behandelt zu werden. Die Weibchen dieser Art können bis zu 20 cm lang werden, durch ihr riesiges Maul sehen sie aber noch weitaus größer aus. Ein Euro-Stück als Größenvergleich ist dieses Mal zwar nicht dabei, aber die Zierleiste am unteren Rand der Vitrine war genauso hoch wie die auf dem Bild mit dem Goliath-Frosch, so dass man sich schon ganz gut vorstellen kann, wie großer dieser Hornfrosch war.

 Riesenhornfrosch (Certophrys cornata)

 Ein anderer Riese unter den Froschlurchen ist die berühmt-berüchtigte Agakröte Bufo marinus. Das größte bekannte Exemplar hatte eine Kopf-Rumpf-Länge von 38cm und wog 2,65kg. Zwar bleiben die meisten Exemplare deutlich kleiner, sind aber immer noch äußerst imposant. Besonders bemerkenswert ist die enorme Breite dieser Tiere, die beinahe so breit wie lang sind, und unglaublich dicke Giftdrüsen besitzen. Auf diesem Bild ist leider kein Größenvergleich dabei, aber diese Agakröte war mindestens so groß wie großer Kuchenteller.

Agakröte (Bufo marinus)

Eine andere Form von Gigantismus unter Amphibien findet man bei den kleinen Harlekinfrösche. Die Frösche selbst sind keineswegs bemerkenswert in ihrer Größe, sind sie doch nur etwa so groß wie heimische Laubfrösche. Dagegen sind ihre Kaulquappen echte Giganten, die bis zu 30 cm lang werden können. Während der Metarmorphose bildelt sich der Schwanz zurück, und große Mengen des Gewebes werden abgebaut, so dass aus einer gigantischen Kaulquappe ein kleiner Frosch wird. Besonder die Zwischenstadien, bei denen die Kaulquappen schon Gliedmaßen aufweisen, sehen ausgesprechend bizarr aus. Vor einiger Zeit wurde eine solche Riesenkaulquappe mit Beinen von südamerikanischen Fischern gefangen, und machte vor allem in Internet als angebliches Monster die Runde. Dass es hier wieder einmal hieß, das Wesen könne nicht identifiziert werden, sagt ziemlich viel über die Sensationslüsternheit der Boulevard-Presse aus, die Dinge bewußt mystifiziert, um eine interessante Story daraus zu machen. Dabei wäre es hier wie auch in vielen ähnlichen Fällen auch, ganz einfach gewesen das unidentifizierbare Wesen von einem Biologen oder sonst irgend jemanden der sich damit auskennt, als Harlekinfrosch-Kaulquappe zu identifizieren. Hier sieht man noch ein Präparat einer solchen, teilweise umgewandelten und daher auch schon eingeschrumpften Kaulquappe, zusammen mit dem ausgewachsenen Frosch zum Vergleich:

Harlekinfrosch-Kaulquappe