Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Amphibien’ Category

Bild des Tages: Nördlicher Bandmolch

Sonntag, September 4th, 2011

Nachdem ich ziemlich lange in meinen Archiven nach einem passenden “Bild des Tages” gesucht habe, fand ich bei meinen Photos die ich vor einigen Jahren im Naturhistorischen Museum in Wien gemacht habe, dieses Alkoholpräparat zweier nördlicher Bandmolche der Spezies Triturus vittatus ophryticus:


Es handelt sich dabei um ein Männchen (oben) und ein Weibchen. Wie man sieht besitzen die Männchen einen äußerst spektakulären Kamm an Schwanz und Rücken, der bis zum Kopf reicht, und damit unseren heimischen Kammmolch deutlich übertrifft. Diese Art kommt um die Südküste des Schwarzen Meeres bis östlich in den Kaukasus zur aserbeidschanischen Grenze vor. Kurios ist die Tatsache dass dieser Molch zu allererst in England “entdeckt” und beschrieben wurde, genau genommen in einigen Parktümpeln in der Nähe Londons. Natürlich waren sie dort nicht von alleine hingekommen, sondern von einem frühen Terrarianer entweder ausgesetzt, oder sogar bewußt angesiedelt worden.

Der äußerst bizarre Zipfelfrosch

Montag, Februar 14th, 2011

Eigentlich wollte ich nur ein einzelnes Bild des Tages posten, und habe dafür mal kurz meine Archive durchstöbert. Leider hatte ich keine weiteren Photos von Cephalopoden die ohne viel Erklärung in die vorhergehende Reihe der letzten Bilder passen würden, daher wollte ich das Photos eines alten Zipfelfrosch-Alkoholpräparates aus dem Zoologischen Museum in Kiel posten, doch diese Tiere sind so interessant, dass ich mehr als nur das eine Bild zeigen wollte:

Ich weiß leider nicht genau um welche der sechs Arten der Gattung Megophrys es sich handelt, aber möglicherweise ist dies “der” Zipfelfrosch(Megophrys nasuta).  Die groteske Form der Nase und vor allem der “Augenzipfel” ist an sich schon Grund genug um diesen Frosch einmal gesehen zu haben, doch das eigentlich viel Erstaunlichere an diesen Fröschen sind ihre Kaulquappen. Während sich die meisten Kaulquappen damit begnügen Algen und Pflanzen abzuraspeln (es gibt auch fleischfressende Kaulquappen, über die ich bei Gelegenheit unbedingt mal bloggen muss), bilden die Lippen der Zipfelfroschquappen einen trapezförmigen Trichter von erheblicher Breite, mit denen sie direkt an der Wasseroberfläche Mikroorganismen und auch beispielsweise Blütenstaub aufnehmen. Auf diesem Photo von Wikipedia sieht man den fast ein wenig an das Maul eines Pelikanaales erinnernden Lippentrichter sehr gut:

Bild des Tages: Erdkröte

Freitag, Juli 23rd, 2010

Es ist immer mal wieder erstaunlich was man selbst im eigenen Garten so antrifft, so etwa vor ein paar Tagen eine ziemlich dicke Erdkröte (Bufo bufo) die ich unter einer Regentonne gefunden habe:

Man sieht gut die trockene warzige Haut, und die für Kröten typischen waagrechten Pupillen:

Die Kröte war unglaublich aufgebläht, vermutlich weil sie sich bedroht fühlte.

Endlich mal wieder ein Feuersalamander

Samstag, Mai 8th, 2010

Es ist schon irgendwie absurd, da hat man wirklich tausende (inzwischen wohl eher bald zehntausende) von Photos aus Museen, Zoos oder direkt aus der Natur, und man findet trotzdem selbst nach langem Suchen keines das man für einen Blogpost nehmen könnte… Ein Grund besteht darin dass man zu den meisten Photos eigentlich noch eine ganze Menge schreiben könnte, oder wohl eher sollte, wofür ich aber auch oft keine Zeit habe. Leider hatte ich die letzten Wochen kaum noch Zeit für den Blog, daher ist auch schon ziemlich lange nichts mehr Neues dazugekommen. Da ich grade etwas Zeit erübrigen kann, kommen jetzt endlich mal wieder ein paar neue Photos, welche letztes Wochenende entstanden und sich gut in die schon im vorletzten Eintrag angeschnittene Thematik der heimischen Amphibien einreihen.

Da das Wetter in letzter Zeit ja vielfach massiv zu wünschen übrig ließ, und ich auch sowieso keine Zeit hatte, bin ich nur ziemlich selten mal “raus” gekommen. Immerhin entschied ich mich dann am letzten Samstag früh morgens trotz, oder genau genommen wegen des feuchten Wetters, einen Spaziergang hier in der Nähe zu machen. Meine eigentliche Hoffnung bestand darin vielleicht endlich mal wieder einen lebenden Feuersalamander zu sehen, denn die Chancen stehen nach nächtlichen Regen zumindest relativ hoch in diesem Gebiet. Bisher habe ich dort außer zahlreichen Larven nur ein einziges Mal einen lebenden erwachsenen Feuersalamander gesehen, ein schon recht abgemagertes Weibchen dass ich aus einem Wasserablauf gerettet habe, in dem es anscheinend schon geraume Zeit festsaß und nicht mehr herauskam. Es handelte sich dabei um den gleichen Ablauf, in dem ich beim letzten Mal auch die Frösche gefunden habe (siehe vorletzter Blogpost). Dass es dort Feuersalamnder gibt, ist allerdings in der Regel leider primär daran ersichtlich, dass man vor allem im Sommer immer wieder überfahrene sieht, vor allem wenn es vorher geregnet hat. Auch am letzten Samstag fand ich leider wieder ein ganz frisch überfahrenen Salamander, der vermutlich von einem Fahrrad überrollt worden war. Aber erfreulicherweise auch endlich mal wieder einen lebenden, zufäligerweise keine zehn Meter von der Quelle entfernt, in deren Ablauf ich auch damals das gefangene Feuersalamanderweibchen fand.  Es war noch ein relativ kleines Exemplar, nicht viel mehr als 10 cm groß, und damit wahrscheinlich noch keine drei Jahre alt. Das war erst der dritte lebende Feuersalamander den ich bisher in der Natur gesehen habe, wenn man mal von zahlreichen Larven absieht.

Er war auch relativ mager, was man vor allem am Schwanz erkennen konnte, denn dieser war ziemlich dünn und spitz. Bei gut genährten Feuersalamandern ist er sichtlich dicker und auch etwas stumpfer am Ende. Möglicherweise hing das damit zusammen, dass es in den Wochen davor nicht nur diverse Kälteeinbrüche gegeben hat, sondern es auch kaum geregnet hat, also nicht gerade optimale Vorraussetzungen zur Nahrungssuche. Der kleine Salamander war auch insgesamt relativ schreckhaft, und reagierte sichtlich auf mich, indem er langsam zurückwich, und den Schwanz leicht einrollte. Ich habe ihn dann mit Hilfe eines Blattes vorsichtig aufgehoben und von der Straße weggetragen, da der Weg doch relativ stark von Spaziergängern, Fahrradfahrern und manchmal auch Autos frequentiert wird.

Man sieht gut dass es sich um einen gestreiften Feuersalamander (Salamandra salamandra terrestris), und nicht um die gefleckte Unterart Salamandra salamandra salamandra handelt, auch wenn die Streifen im hinteren Bereich eher in Flecken übergehen. Bei echten gefleckten Feuersalamandern sind die Flecken und Punkte aber viel unregelmäßiger und meistens auch assymetrischer verteilt.

In diesem Gebiet kommen beide Unterarten nebeneinander vor, wobei ich zumindest anhand der bisher gesehenen überfahrenen Exemplare das Gefühl habe, dass S.s. terrestris häufiger ist. Es ist auch praktisch sicher, dass es vielfach zu Hybridisierungen zwischen den beiden Unterarten kommt. Hier noch mal ein Größenvergleich:

Ich muss an dieser Stelle mal wieder an die Vorzüge der digitalen Photographie verweisen. Digitalkameras sind wirklich eine wunderbare Sache, und wenn man eine hat, sollte man sie auch wirklich nutzen. So lange man sie nicht ausdruckt, kosten digitale Photos praktisch nichts mehr, und daher kann man auch eine entsprechend große Anzahl von Bildern machen. Das sollte man auch, gerade wenn man etwas seltenes oder ungewöhnliches sieht, besonders dann, wenn man es eventuell nicht selbst identifizieren kann. In einem solchen Fall sollte man Photos von möglichst vielen Ansichten machen, und falls möglich, auch einen Größenvergleich, denn erfahrungsgemäß sind bloße Schätzungen oft ungenau. Dagegen kann man mit einem geeigneten Größenvergleich auf dem Photo später ziemlich genau die tatsächlichen Dimensionen ermitteln. Man sollte auch keinesfalls den Fehler begehen, mit der Kamera zu nahe an etwas heranzugehen wenn man nur ein einzelnes Bild macht. Solche Photos werden oft nichts. Daher sollte man erst mal ein paar Photos mit einem etwas größerem Abstand machen, danach kann man immer noch Nahaufnahmen machen, besonders dann, wenn es sich etwa um Tiere handelt die im Zweifel schnell fliehen können. Man hat schließlich nichts davon, wenn man im Endeffekt nichts als verschwommene und unscharfe Nahaufnahmen hat. Es lohnt sich oft auch etwas zu experimentieren, etwa durch Ab-oder Anschalten des Blitz an der Kamera, oder verschiedene Blickwinkel. Ich bin meilenweit davon entfernt auch nur annährend professionell zu photographieren, aber gerade wenn man relativ häufig sehr kleine Dinge photographiert, oder Sachen die sich hinter Glas oder in eher dunklen Räumen befinden, lernt man doch den einen oder anderen Trick. Es kann sich auch manchmal lohnen, für einzelne Photos die Auflösung besonders hoch zu stellen, man ist manchmal wirklich überrascht, was für kleine Details man dann manchmal später auf dem Bildschirm des PCs erkennen kann. Aus irgendeinem für mich nicht nachvollziehbaren Grund sind in der Presse Tierphotos in extremen Perspektiven oft ziemlich beliebt, also etwa schräg am Kopf ansetzende Bilder, die den größten Teil des Körpers nur stark verzerrt oder auch gar nicht erkennen lassen, von einer sinnvollen Einschätzung der Größe und den Proportionen mal ganz zu schweigen. Das mag ja vielleicht mal ganz lustig sein, und ich mache manchmal auch solche Photos, vor allem wenn etwas zu groß ist um anders komplett aufs Bild zu gehen, aber für eine objektive Darstellung sollte man sowas nach Möglichkeit vermeiden.

Die Herpetologie-Saison hat begonnen!

Mittwoch, März 24th, 2010

Nachdem dieser verdammte Winter mal wieder scheinbar überhaupt nicht mehr aufhören wollte, ist es jetzt wider Erwarten tatsächlich doch noch Frühling geworden. Das zeigt sich außer der Tatsache dass man jetzt auch wieder ohne Winterjacke vor die Türe gehen kann, auch darin dass eine ganze Reihe von Tieren wieder aus ihren Winterquartieren heraus gekommen sind, seien es winterschlafende Säuger, Insekten, Amphibien oder Reptilien. Vor ein paar Tagen machte  ich die erste herpetologisch Entdeckung dieses Jahres, als ich im Wald den ersten Grasfrosch sah. Am Montag entdeckte ich dann die ersten Molche im heimischen Gartenteich, von denen ich glücklicherweise auch ein paar Photos machen konnte. Die Population im Gartenteich ist nicht besonders groß, und besteht hauptsächlich aus Bergmolchen, allerdings tauchen eigentlich jedes Jahr auch wieder zwei Teichmolche auf. Hier sieht man einen weiblichen Bergmolch:

Auf diesem zweiten Photo kann man neben einem anderen Weibchen auch noch einen männlichen Bergmolch sehen:

Etwas später sah ich dann bei einem Spaziergang eine Reihe großer Laichklumpen in einem kleinen Teich, und ein paar Meter weiter an einem größerem Teich auch noch eine ganze Reihe von sich paarenden Erdkröten:

In jenem Teich konnte ich sogar für ein paar Augenblicke eine Schildkröte beobachten, welche zum Luftholen an die Wasseroberfläche kam. Leider war sie zuweit entfernt, und obendrein auch recht stark mit Algen bewachsen, so dass ich kaum sagen kann, um was für eine Art es sich handelt. Es ist allerdings sehr stark davon auszugehen, dass es sich um ein ehemaliges Haustier handelt. Leider setzen ja immer noch eine ganze Reihe von Leuten ihre Schildkröten einfach an irgendwelchen Teichen, Seen oder Weihern aus, wenn sie ihnen zu groß werden, oder schlichtweg kein Interesse mehr an ihnen besteht. Solche Schildkröten können aber erheblichen Schaden anrichten, vor allem an der heimischen Amphibienpopulation. Größere Exemplare vergreifen sich aber teilweise sogar in starken Maße an jungen Wasservögeln, und zwar nicht nur an den beinahe allgegenwärtigen Stockenten, sondern auch an vielen seltenen Arten.

Die Schildkröte sollte heute aber nicht das einzige Reptil bleiben, denn wenig später sah ich im Wald noch eine recht ansehnlich große Blindschleiche. Sie war noch relativ starr, vielleicht weil es im Wald eben doch noch nicht so warm ist, daher konnte ich mich auch bis auf allernächste Nähe nähern, um ein paar Photos zu machen (wer sich noch an den Artikel über die Maximalgrößen von Krokodilen erinnert, wird vielleicht bemerken dass ich inzwischen ein neues Handy habe):

Hier noch mal eine Nahaufnahme:

Es ist schon immer wieder erstaunlich wie viel man selbst in unserer an sich nicht gerade spektakulären mitteleuropäischen Natur so alles entdecken kann, wenn man nur mit offenen Augen herumläuft. Ich bin mal gespannt wann die ersen Eidechsen und vielleicht sogar Ringelnattern zu sehen sind.

Gestern war ich dann noch mal einen anderen Weg spazieren, unter anderem um zu schauen, ob es schon wieder die ersten Feuersalamanderlarven gibt. Es waren tatsächlich wieder ein paar in einem kleinen Quellbecken. Leider werden immer wieder viele von ihnen herausgeschwemmt weil Leute aus dem winzigen Becken Wasser schöpfen oder Eimer und Gießkannen reinstellen. Manchmal landen sie dann auf dem Gitter des darunter liegenden Abflusses, wo sie in der Regel aber auch elendig zugrunde gehen, wenn nicht zufällig jemand (keine Ahnung ob das außer mir noch irgend jemand anders macht…) den Gullydeckel abnimmt, und sie wieder ins Becken tut. Unter dem Abflussgitter habe ich schon mal neben einem erwachsenen Feuersalamanderweibchen und einer Erdkröte mehrere Grasfrösche gefunden, darum schaute ich auch dieses mal wieder unter das Gitter. Irgendwie schaffen es diese Amphibien trotz ihrer Größe immer wieder sich durch den wirklich engen Spalt unter dem Gitter zu quetschen, dann landen sie im Auffangkorb darunter und kommen nicht mehr raus. Frösche können das wenn wie dieses Mal der Korb relativ hoch mit Wasser gefüllt ist, noch aushalten, aber gerade Salamander ertrinken da früher oder später.

Auch dieses Mal saßen wieder Grasfrösche drin, insgesamt vier Stück:

Der Frosch rechts im Bild schaffte es von alleine rauszuspringen nachdem das Gitter weg war, die anderen mußte ich mitsamt dem Korb rausholen. Das erwies sich als gar nicht so einfach, da dieser durch mineralische Ablagerungen regelrecht mit dem Rand verbacken war, und erst mit Hilfe eines Steines freigehauen werden mußte. Von einem dachte ich bereits dass er tot sei, da er mit dem Bauch nach oben und mit allen Beinen von sich gestreckt, im Wasser lag. Hier mal eine Nahaufnahme von einem der Frösche:

Als ich dann die Frösche in einiger Entfernung vorsichtig aus dem Eimer kippte, stellte sich heraus, dass der vermeintlich tote Frosch tatsächlich noch lebte. Er war allerdings in einer denkbar ungünstigen Lage. Es handelte sich um ein hochträchtiges Weibchen, dessen Leib vom Laich regelrecht aufgequollen war. Ein extrem penetrantes Männchen hatte sich an ihm festgeklammert, allerdings nicht auf dem Rücken wie es eigentlich sein sollte, sondern auf dem Bauch. Daher ist das Weibchen schon wer weiß wie lange auf dem Rücken liegend unter Wasser gedrückt worden, und war völlig entkräftet. An einigen Stellen des Rückens war ihre oberste Hautschicht schon völlig weggescheuert, so dass man teilweise durch die durchsichten Schichten darunter den Laich durchschimmern sehen konnte. Alle Versuche das Männchen von dem Weibchen loszukriegen, scheiterten leider, und es ist leider davon auszugehen, dass es inzwischen daran zugrunde gegangen ist.

Männliche Frösche und teilweise auch Kröten können zuweilen extrem penetrant sein, und klammern sich gelegentlich nicht nur an bereits tote Weibchen, sondern teilweise sogar an andere Amphibien, manchmal sogar an Fische, was dann durch den dadurch verursachten Stress und auch durch den großen Druck (Frösche haben wirklich verdammt starke Gliedmaßen), etwa bei Fischen auf die Kiemendeckel, zum Tod führen kann.

Bild des Tages: Iranischer Bachmolch

Montag, Juli 20th, 2009

Heute gibt es leider nur ein Bild des Tages und nur ganz wenig Hintergrundinformationen, da ich zum Einen wenig Zei habe, und zum anderen wenig über das auf dem Photo zu sehende Tier weiß. Es handelt sich um einen wunderschön gefärbten Iranischen Bachmolch (Neurergus kaiseri), welcher auch Zagros Molch genannt wird. Dieses Exemplar bewohnt mit mehreren Artgenossen ein großes Aquaterrarium in der Ausstellung des Naturkundemuseums Karlsruhe:

Iranischer Bachmolch Neurergus kaiseri

Diese Art kommt nur in einem äußerst kleinen Gebiet in den iranischen Zagros-Bergen in Höhen von ca 500 bis 1430 m vor. Sie besiedeln dort vielfach unterirdisch gelegene Karstgewässer, da die dortige Gegend sehr trocken ist, und nur wenige typische Amphibienhabitate vorhanden sind.

Bild des Tages: Kannibalismus bei Feuersalamanderlarven

Freitag, April 17th, 2009

Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit eine äußerst interessante Beobachtung zu machen, als ich ein kleines (eigentlich sogar sehr kleines) von einer Quelle gespeißtes Steinbecken untersuchte. In ihm geben Feuersalamanderweibchen ihre Jungen ab, und jedesmal, wenn ich dort vorbeikomme, schaue ich wie sich diese entwickeln. Leider hat das Becken einen Überlauf am Rand, und zahllose Larven werden gerade wenn es nach einem starken Regen stärkere Strömung gibt, darüber hinaus in einen Abflussschacht geschwemmt. Entweder landen sie sie dabei in einem Auffangbehälter, oder werden aber gleich durch die Ritzen weggespült. Darüber liegt ein Metallgitter, und ich habe dort über die Jahre sicher schon dutzende von Larven vorsichtig aufgesammelt, und wieder ins Becken gesetzt. Leider holen von den angrenzenden Grundstücken viele Leute mit Gießkannen Wasser aus der Quelle, wobei sicherlich auch viele Larven zusätzlich aus dem Becken herausgeschwemmt werden, wenn daraus abgeschöpft wird. Mir ist schon im Winter aufgefallen, dass dort immer noch einige Feuersalamanderlarven drin waren, allem Anschein nach haben sie es nicht geschafft während des vorangegangenen Sommers ihre Metamorphose zu beenden, und haben darum notgedrungen überwintert. Ein Grund für die langsame Entwicklung dürfte dabei neben den immer sehr niedrigen Temperaturen des Wassers auch der massive Nahrungsmangel sein, denn das Becken misst nur etwa 50 mal 50cm und abgesehen von Kleintieren die hineinfallen oder mit hineingespült werden, dürfte es dort kaum etwas zu fressen geben. Das habe ich dann auch gemerkt, als ich dort beim letzten Mal vorbeigekommen bin. Mit einem mit einer Lupe ausgestattetem Beobachtungsbehältnis habe ich vorsichtig eine besonders große Larve aus dem Becken geholt. Diese Larve hatte eine Länge von etwa 5,5cm und war schon sehr weit entwickelt, auch das typische schwarzgelbe, bzw orangegelbe Muster war schon andeutungsweise vorhande. Dabei sollte noch erwähnt werden, dass in diesem Gebiet sowohl der gestreifte Feuersalamander Salamandra salamandra terrestris als auch der gepunktete Feuersalamander Salamandra salamandra salamandra nebeneinander vorkommen, und auch dieses Quellbecken beide zum Absetzen ihrer Larven nutzen. Dabei kommen bei Salamandra salamandra salamandra auch Exemplare vor die leicht orangene statt gelber Flecken haben.

Als ich die Larve beobachtete, fiel mir auf dass ihr Kopf seltsam deformiert erschien, als habe er vorne eine Art Auswuchs, fast wie ein großes Geschwür. Erst bei ganz genauem Hinsehen, merkte ich auf einmal. dass der “Auswuchs” in Wirklichkeit ein Kof war, der zu Hälfte aus dem Maul der Larve herausschaute. Leider schaffte ich es nicht mehr, davon eine Aufnahme zu machen, denn plötzlich schüttelte sich der kleine Feuersalamander, und mit einem Mal waren statt einer zwei Larven im Glas:

feuersalamanderlarven-kannibalismus

Die andere Larve war dabei natürlich etwas kleiner als die große, und ich vermute dass es sich dabei vielleicht um eine diesjährige gehandelt haben könnte. Sie war schon tot, und ihre Schwanzspitze war schon deutlich angedaut, was auf den Photos allerding schlecht zu sehen ist. Ich finde es allerdings schon erstaunlich, was für einen sperrigen Brocken diese Larve fast vollständig heruntergewürgt hat. Dabei ist es auch interessant, dass sie vom Schwanz, und nicht vom Kopf aus gepackt wurde. Hier sieht man noch ein zweites Photo:

feuersalamanderlarven-kannibalismus-2

 An sich ist Kannibalismus unter Molch-und Salamanderlarven nichts ungewöhnliches, vor allem wenn das Futter knapp ist, und verschieden alte, bzw verschieden große Exemplare nebeneinander leben. So etwas einmal direkt dokumentieren zu können, ist allerdings nicht so häufig. Ich sollte vielleicht noch dazu erwähnen, dass ich die Feuersalamanderlarve selbstverständlich wieder in das Becken zurückgesetzt habe, und, quasi als Wiedergutmachung für die verlorene Mahlzeit mehrere Regenwürmer hineingeworfen habe, die ihn ihrer Größe der kleineren Larven gleichkamen.

Interessanterweise wurde das Verhalten des Larvenkannibalismus sogar schon bei ausgestorbenen Amphibien in fossiliertem Zustand dokumentiert, namentlich dem Temnospondylen Apateon gracilis. Näheres dazu findet man in diesem äußerst interessanten Artikel von Dr. Florian Witzmann vom Naturkundemuseum Berlin:

18. WITZMANN, F. (accepted): Cannibalism in a small growth stage of the branchiosaurid Apateon gracilis (Credner, 1881) from the Early Permian Döhlen Basin of Saxony. Fossil Record.

Bild des Tages: Schildkrötenfrosch

Montag, März 9th, 2009

Frösche gehören zu den Lebewesen, über die oft gerne etwas hinweggesehen wird, dabei gibt es unter ihnen eine ganze Reihe hochinteressanter Arten, die teilweise über wirklich bizarre Lebensweisen und Fähigkeiten verfügen. Beispielsweise der australische Schildkrötenfrosch (Myobatrachus gouldi).

turtle-frog-myobatrachus-gouldi

Das Photo stammt übrigens von hier: http://www.flickr.com/photos/liquidghoul/sets/72057594126869353/ (Thanks Evan!)

Diese Frösche verbringen einen großen Teil ihres Leben unterirdisch, vorwiegend in Sandboden. Sie quaken dort sogar während der Paarungszeit, und auch die Paarung erfolgt unterirdisch, wo sie dann auch ihre Eier in feuchtem Sand ablegen, aus denen bereits fertig metamorphierte winzige Frösche schlüpfen. Im Gegensatz zu vielen anderen Fröschen hat der Schildkrötenfrosch nur ein recht kleines Maul. Mit ihm fängt er vorwiegend Ameisen, die er nachts erbeutet. In der Trockenzeit graben sie sich sehr tief in den Boden ein, bis etwa 80cm, und halten eine Art “Winterschlaf”. Eine weitere Besonderheit bei diesen Tieren ist die Art wie sie graben, denn wie Maulwürfe graben sie mit dem Kopf voran, während viele andere Frösche beim Graben ihre muskulösen Hinterbeine verwenden und sich dabei rückwärts vorarbeiten.

Mastodonsaurus giganteus – eines der größten Amphibien aller Zeiten

Donnerstag, Oktober 18th, 2007

 

Heute möchte ich etwas über den Mastodonsaurus schreiben. Dieser gewaltige Panzerlurch war eines der spektakulärsten Amphibien aller Zeiten, mit Ausmaßen, welche man sich für ein Tier dessen nächste lebende Verwandte etwa Frösche oder Molche wären, kaum noch vorstellen kann. Gemeinhin wird Mastodonsaurus als das größte Amphibium bezeichnet, das je gelebt hat. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass manche Arten noch deutlich größer wurden, etwa der langschnäuzige Prionosuchus plummeri dessen Fossilien man aus Brasilien kennt, und der eventuell sogar Längen von 9m erreichte.  Aber unabhängig davon, ob es noch größere Amphibien gab oder nicht, Mastodonsaurus war in jedem Fall ein Gigant.

Mastodonsaurus ist vor allem aus dem deutschen Raum durch eine Reihe extrem gut erhaltenenr Fossilien bekannt, die teilweise fast vollständig sind. Selbst Fossilien von Mastodonsaurus-Larven sind bekannt. Mastodonsaurus giganteus erreichte eine Länge von mindestens 6m, fragmentarische Funde lassen aber sogar auf Tiere von 7m Länge schließen. Damit war Mastodonsaurus giganteus mindestens so lang wie die größten heutigen Krokodile. Da diese Tiere insgesamt aber etwas kompakter waren als Krokodile, dürften sie noch deutlich schwerer geworden sein, und Gewichte von mehr als 2 Tonnen erscheinen für die größten Exemplare keineswegs unrealistisch.  Noch eine andere Eigenschaft verband Mastodonsaurus mit diesen heutigen größten fleischfressenden Räubern des Süßwassers: Er hatte Knochenplatten unter der Haut, ähnlich den Panzerechsen. Eine solche Knochenplatte kann man hier sehen (das Photo stammt aus dem Naturhistorischen Museum in Wien):

Das von Burian stammende Rekonstruktionsbild zeigt die alte Vorstellung, dass diese Tiere eine sehr kompakten Körper, und einen extrem kurzen Schwanz hatten, eine Ansicht, die sich über viele Jahrzehnte gehalten hat. Neurere Rekonstruktionen zeigen aber, dass Mastodonsaurus sehr wohl einen gut entwickelten Schwanz hatte, und weniger kröten-als viel eher krokodilsgestaltig war.

So wurde auch etwa dieses, an sich sehr schöne Modell im Stuttgarter Museum am Löwentor mit einem überaus kurzem Körper und Schwanz rekonstruiert:

Mir war diese Darstellung schon seit jeher etwas seltsam vorgekommen, denn ein solches Tier hätte sich kaum effektiv fortbewegen können. Die Beine sind ziemlich schwach, und hätten beim Schwimmen keine große Hilfe geleistet, und ein derartig kurzer Schwanz hätte gar keinen Nutzen bei der Fortbewegung gehabt. Folglich hätte ein derartig proportioniertes Wesen darauf warten müssen, dass ihm seine Beutetiere schon beinahe ins Maul geschwommen wären.  Vor allem hätte auch eine Möglichkeit gefehlt, zumindest eine kurze Entfernung schnell zurücklegen zu können, wie es etwa Krokodile machen, wenn sie sich mit ihrem kräftigen Schwanz mehrere Meter hervorschnellen. Das in der aktuellen Ausstellung gezeigt Skelett, welches in extrem aufwendiger Arbeit mit Hilfe von per Hand aus Kupfer getriebenen Knochen rekonstruiert wurde, zeigt die tatsächlichen Proportionen dieses Tieres, welches nun deutlich krokodilähnlicher wirkt. Das Skelett darunter gehört übrigens Batrachotomus:

Das ganz oben zu sehende Bild zeigt eine Lebendrekonstruktion, welche auf diesen neuen Ergebnissen basiert, was man bei dieser Ansicht aber nicht sehen kann. Zugegebenerweise finde ich die Farbgebung etwas unstimming, zwar findet sich fast die gleiche Farbkombination bei Marmormolchen, aber irgendwie finde ich dass sie bei einem Tier wie Mastodonsaurus fehl am Platz wirkt. Naja, das ist eben die künsterlische Freiheit, und des ist ja nicht meine Rekonstruktion.  Interessant wäre auch zu wissen, ob sich die Panzerplatten unter der Haut abhoben, oder ob sie praktisch versteckt unter der Haut waren.

Mastodonsaurier waren Raubtiere, welche anderen Wirbeltieren nachstellten, vermutlich in ähnlicher Manier wie heutige Krokodile. Allerdings unterscheidet sich ihre Bezahnung beinahe grundlegend. Während Krokodile eine relativ geringe Variationsbreite von Zahngrößen besitzen, waren bei Mastodonsaurus zwei völlig unterschiedliche Zahnformen vorhanden. Der Großteil der Kiefer wurden von sehr kleinen Zähnen gesäumt, welche Ähnlchkeiten zu jenen heutiger Amphibien oder auch vieler Fische habe. Zusätzlich hatten sie aber auch drei Paar riesige Fangzähne, jeweils zwei im Ober-und eines im Unterkiefer. Die Fangzähne im Unterkiefer waren so lang, dass sie selbst bei geschlossenen Maul durch Löcher in der Schnauze nach außen ragten. Zweifellos waren diese Zähne außerst effektiv um große Beutetiere festzuhalten. Bei den größten Exemplaren konnten diese Fangzähne gut 15cm lang werden. Von diesen Zähnen leitet sich auch der Name der Tiere ab, denn Mastodonsaurus bedeutet “Zitzenzahnechse”, wobei hier der Begriff Echse natürlich völlig fehl am Platz ist. Im Querschnitt weisen diese Zähne eine äußerst ungewöhnliche Fältelung auf, welche unter anderem von Quastenflossern bekannt ist.

Einen etwas besseren Einblick in die Bezahnung bekommt man auf diesem Photo eines Mastodonsaurus-Schädels:

Gut erkennbar sind auch die mächtigen Kiefer, welche bis zu 90° aufgerissen werden konnten, und stark genug waren, um selbst bei größeren Beuteieren deutliche Spuren an den Knochen zu hinterlassen. Man kennt Zahnabdrücke an Knochen von Plagiosauriern, welche etwa 70cm lang wurden, aber auch von landbewohndenden Thekodontiern, welche bis zu 5m lang wurden. Allerdings ist mir hier nicht bekannt, wie groß die Exemplare waren, an denen die Spuren gefunden wurden. Interessant ist auch, dass diese verheilt waren, was bedeutet, dass sie von Mastodonsaurus in Krokodilmanier angegriffen worden sein müssen, und nicht etwa nur an einem im Wasser treibenden Kadaver herumgefressen haben.  Man kennt sogar Bissabdrücke dieser Tiere an anderen Mastodonsauriern, was bedeutet, dass es sich wahrscheinlich um nicht gerade sonderlich umgängliche Wesen gehandelt hat.

Mastodonsaurus verbrachte mit Sicherheit den größten Teil seines Lebens im Wasser, worauf auch die  Rinnen am Schädel deuten, welche einst nur im Wasser wirksame Seitenlinienorgane beherbergten. Allerdings sind auch Spuren bekannt, welche diese riesigen Panzerlurche an Land hinterlassen haben müssen, und zeigen, dass sie sich dort nur sehr schwerfällig fortbewegten.

Wer sich für dieses und ähnliche Themen interessiert, dem seien noch zwei Bücher ans Herz gelegt:

Rainer Schoch: Saurier – Expedition in die Urzeit

Ernst Probst: Deutschland in der Urzeit -  Von der Entstehung des Lebens bis zum Ende der Eiszeit

Beide Bücher behandeln vor allem Funde aus dem süddeutschen Raum, von denen auch viele in der Dauerausstellung des Stuttgarter Museums am Löwentor bestaunt werden können, aber es werden auch eine ganze Reihe von anderen Funden abgedeckt. Das Buch von Ernst Probst ist schon etwas älter, und enthält ein paar wenige Fehler, etwa ein noch froschartige Darstellung des Mastodonsaurus. Das Buch von Rainer Schoch ist auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, und geht auch sehr detailliert auf die Evolution und Biologie der Dinosaurier ein, mit vielen Details und Entdeckungen, die ich bisher nur aus Internet und Fernsehen kenne, aber bisher noch nicht aus der Populärliteratur. Es enthält auch haufenweise Farbphotos der Rekonstruktionen, welche für die Sonderausstellung “Saurier – Erfolgsmodelle der Evolution” hergestellt wurden. Wer sich für Urzeit interessiert, sollte sich dieses Buch unbedingt kaufen.

Moderne Riesenamphibien

Freitag, Juli 6th, 2007

In der heutigen Zeit spielen die Amphibien in den meisten Ökosystemen keine übermäßig große Rolle mehr, und die Zeit in der sie als erste Landwirbeltiere die beherrschenden Arten auf der Erde hervorbrachten, unter ihnen zahlreiche Riesenformen, ist schon lange vorbei. Inzwischen gibt es nur noch wenige Arten, die man ihrer Körpergröße wegen wirklich als bemerkenswert bezeichnen könnte. Die zweifellos eindrucksvollsten Arten sind die beiden Riesensalamander-Arten, der Japanische Riesensalamander Andrias japonicus und der Chinesische Riesensalamander Andrias davidianus. Die erstere Art erreicht eine Länge von etwa 1,5m und kann bis zu 30kg wiegen. Über die Größe des Chinesischen Riesensalamanders herrschen widersprüchliche Angaben, teilweise heißt es er sei kleiner als der Japanische, dann heißt es wieder er sei die größte rezente Amphibien-Art und kann bis zu 1,80m erreichen. Da mir hier genauere Angaben und Hintergründe momentan fehlen, kann ich auch nicht genau sagen, was jetzt tatsächlich stimmt. Hier sieht man ein Alkohol-Präparat eines Japanischen Riesensalamanders im Naturhistorischen Museum Wien.

 Japanischer Riesensalamander (Andrias japonicus)

 Neben den Riesensalamander gibt es noch einige andere wenig bekannte Schwanzlurche, die sehr beachtliche Größen erreichen können, etwa der amerikanische Dreizehenaalmolch Amphiuma tridactylum, der eine Länge von einem Meter erreichen kann. Diese Amphibien haben nur noch winzige stark zurückgebildete Gliedmaßen mit reduzierter Zehenzahl, und leben praktisch  unvollständig metamorphiert praktisch ihr ganzes Leben im Wasser, ähnlich wie der Große Armmolch Siren lacertina, der ebenfalls in südlichen Teil Nordamerikas lebt. Er besitzt wie alle Armmolche nur zwei Vordergliedmaßen, und große büschellige äußere Kiemen. Auch er kann eine Länge von einem Meter erreichen, ist aber insgesamt kompakter gebaut als der Dreizehige Aalmolch. Auf diesem Bild sieht man rechts einen Dreizehigen Aalmolch und daneben einen Großen Armmolch.

Dreizehiger Aalmolch und Großer Armmolch

Aber auch unter den Froschlurchen gibt es einige sehr groß werdende Arten, allen voran der Goliathfrosch Conraua goliath (früher auch Gigantorana oder Rana goliath), der eine Länge von 40 cm erreichen kann, mit ausgestreckten Beinen sogar etwa das doppelte. Dabei kann er ein Gewicht von über 3kg haben. Ohne direkte Vergleichsmöglichkeiten ist es wirklich schwer sich ein Bild von der Größe dieser Tiere zu machen. Hier habe ich einmal ein Bild eines präparierten Exemplares, mit einem 1-Euro-Stück als Größenvergleich:

Goliathfrosch Gigantorana goliath

Leider ist die Qualität dieser Bilder nicht allzu gut, da es in dem Raum ziemlich dunkel gewesen ist, und außerdem durch Scheiben photographiert werden mußte.

Die grotesken Hornfrösche mit ihren überproportional großen Köpfen und dem riesigen Maul sehen beinahe aus wie Kreaturen aus Star Wars (etwa die Wesen das in Episode 6 vor Jabbas Palast in der Wüste sitzt). Die meisten Arten sind nicht besonders groß, auch wenn ihr Hunger und ihr Selbstvertrauen wahrscheinlich rekordverdächtig unter den Amphibien ist. Zwar können einige Arten doch recht beachtliche Größen und Gewicht erreichen, aber zugegebenerweise war ich doch etwas geschockt als ich in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien ein Exemplar von wirklich monströsen Ausmaßen sah. Laut dem Schild handelte es sich um einen Schild-Hornfrosch mit dem wissenschaftlichen Namen Ceratophrys dorsata. Allerdings scheint diese Art heutzutage eher unter dem Namen Ceratophrys cornuta behandelt zu werden. Die Weibchen dieser Art können bis zu 20 cm lang werden, durch ihr riesiges Maul sehen sie aber noch weitaus größer aus. Ein Euro-Stück als Größenvergleich ist dieses Mal zwar nicht dabei, aber die Zierleiste am unteren Rand der Vitrine war genauso hoch wie die auf dem Bild mit dem Goliath-Frosch, so dass man sich schon ganz gut vorstellen kann, wie großer dieser Hornfrosch war.

 Riesenhornfrosch (Certophrys cornata)

 Ein anderer Riese unter den Froschlurchen ist die berühmt-berüchtigte Agakröte Bufo marinus. Das größte bekannte Exemplar hatte eine Kopf-Rumpf-Länge von 38cm und wog 2,65kg. Zwar bleiben die meisten Exemplare deutlich kleiner, sind aber immer noch äußerst imposant. Besonders bemerkenswert ist die enorme Breite dieser Tiere, die beinahe so breit wie lang sind, und unglaublich dicke Giftdrüsen besitzen. Auf diesem Bild ist leider kein Größenvergleich dabei, aber diese Agakröte war mindestens so groß wie großer Kuchenteller.

Agakröte (Bufo marinus)

Eine andere Form von Gigantismus unter Amphibien findet man bei den kleinen Harlekinfrösche. Die Frösche selbst sind keineswegs bemerkenswert in ihrer Größe, sind sie doch nur etwa so groß wie heimische Laubfrösche. Dagegen sind ihre Kaulquappen echte Giganten, die bis zu 30 cm lang werden können. Während der Metarmorphose bildelt sich der Schwanz zurück, und große Mengen des Gewebes werden abgebaut, so dass aus einer gigantischen Kaulquappe ein kleiner Frosch wird. Besonder die Zwischenstadien, bei denen die Kaulquappen schon Gliedmaßen aufweisen, sehen ausgesprechend bizarr aus. Vor einiger Zeit wurde eine solche Riesenkaulquappe mit Beinen von südamerikanischen Fischern gefangen, und machte vor allem in Internet als angebliches Monster die Runde. Dass es hier wieder einmal hieß, das Wesen könne nicht identifiziert werden, sagt ziemlich viel über die Sensationslüsternheit der Boulevard-Presse aus, die Dinge bewußt mystifiziert, um eine interessante Story daraus zu machen. Dabei wäre es hier wie auch in vielen ähnlichen Fällen auch, ganz einfach gewesen das unidentifizierbare Wesen von einem Biologen oder sonst irgend jemanden der sich damit auskennt, als Harlekinfrosch-Kaulquappe zu identifizieren. Hier sieht man noch ein Präparat einer solchen, teilweise umgewandelten und daher auch schon eingeschrumpften Kaulquappe, zusammen mit dem ausgewachsenen Frosch zum Vergleich:

Harlekinfrosch-Kaulquappe