Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Säugetiere’ Category

Ein Zwergzebu-Stier mit Auerochsenmerkmalen

Mittwoch, Oktober 3rd, 2007

Vor einiger Zeit entdeckte ich bei mir in der Nähe beim Spazierengehen eine Weide mit Zwergzebus. Es handelte sich um einen Stier und zwei Kühe. Diese Tiere hatten eine Schulterhöhe von nur etwas über einem Meter, manche Rassen von Zwergzebus bleiben sogar noch deutlich kleiner. Dass es sich um Zebus handelte, war anhand der typischen Merkmale wie Rückenhöcker (der übrigens nur aus dem stark vergrößerten Musculus rhomboideus besteht, und nicht von den Dornfortsätzen der Wirbelsäule getragen wird) und stark ausgeprägte Wamme klar erkennbar. Auch der restliche Körperbau mit relativ geringen Fleischansatz unterscheidet sich stark von den auf möglichst viel Fleischertrag gezüchteten Rassen, die bei uns normalerweise auf den Teller kommen.

Zwergzebu-Stier mit Auerochsenzeichnung

 Was mir nun auffiel, war die äußerst interessante Farbe dieses Stieres, denn sie entspricht praktisch 100% der eines Auerochsen. Dazu muss man sagen, dass die Farbe von Auerochsen in ihrem einst riesigen Verbreitungsgebiet, welches Europa, Nordafrika, den Nahen Osten sowie große Teile Nordasiens und Russlands umfaßte eine Reihe unterschiedlicher Farbvarianten entwickelte, und auch die Kühe von einer anderen Farbe waren als die Stiere. Dieser wunderschöne kleine Stier hat mit seinem schwarzbraunen Fell fast genau die Grundfarbe von mitteleuropäischen Auerochsen, mit einem hellen Maul, und vor allem dem für Auerochsenstiere typischen, und bei den meisten modernen Rindern verlorengegangenen hellen Aalstrich auf dem Rücken. Es ist wirklich interessant, wie sich solche archaischen Merkmale der Vorfahren unserer Nutzrinder gerade in einer solchen Rasse erhalten haben, wobei ich dazu sagen muss, dass ich eine solche Färbung noch bei keinem anderen Zebu gesehen habe, in so ausgeprägter Form noch nicht einmal bei einem Heckrind.

Sollte zufällig jemand genaueres über diese Zebus wissen, etwa woher sie genau stammen, und ob eventuell noch andere Rassen bei ihnen eingekreuzt wurden, würde much das sehr interessieren.

Bild des Tages: Höhlenbärskelette

Mittwoch, August 29th, 2007

Das Skelett eines Höhlenbären hatte ich ja schon einmal als Bild des Tages, aber diesmal wollte ich etwas ungewöhnlicheres zeigen. Knochen von Höhlenbären sind an sich nicht wirklich etwas besonderes, auch (oftmals aus Knochen mehrerer Individuen) zusammengefügte Skelette sind nicht wirklich aufsehenserregend. Skelette von jungen, oder gar neugeborenen Höhlenbären bekommt man dagegen so gut wie nie zu sehen, weshalb ich dieses Photo aus dem Naturhistorischen Museum in Wien einfach mal zeigen wollte:

Skelette von erwachsenem, jungen und neugeborenen Höhlenbär

Die Mähne des Höhlenlöwen

Montag, August 27th, 2007

Löwen werden ja allgemein speziell mit Afrika assoziiert, auch wenn es mit einer kleinen Population im indischen Gir-Forest auch eine letzte Bastion des noch vor gar nicht langer Zeit viel weiter verbreiteten asiatischen Löwen gibt. Noch in der frühen Antike gab es Löwen sogar noch auf dem Balkan. Dass die letzten Löwen in Mitteleuropa jagten, ist aber schon etwas länger her, nämlich etwa 10.000 Jahre. Die damals lebenden Höhlenlöwen waren nahe verwandt mit den modernen Löwen, und stellten möglicherweise sogar nur eine an die nördlichen Gefilde angepaßte Variante des afrikanischen Löwen dar. Man kennt das Aussehen dieser Tiere recht gut von gut erhaltenen Skelettfunden, sowie steinzeitlichen Plastiken und Höhlenmalereinen. Der Höhlenlöwe war etwas größer als heutige Löwen, was vielleicht eine Anpassung an das kältere Klima war. Von steinzeitlichen Kunstwerken ist auch bekannt, dass diese Tiere eine Schwanzquaste besaßen, aber meistens auch keine Mähne. Wohlgemerkt meistens. Zwar kann man in der Regel lesen, dass Höhlenlöwen, und auch ihre Verwandten, die über die trockengefallene Beringstraße nach Nordamerika gelangt waren, überhaupt keine Mähne besaßen. Einige alte Darstellungen zeigen aber unzweifelhaft, dass zumindest einige Höhlenlöwen eine Mähne besaßen. Diese war zwar nicht so stark ausgeprägt, wie bei den meisten modernen Löwen, aber dennoch vorhanden. Einige Darstellungen zeigen lediglich eine sehr kurze Mähne, die an Nacken und Kehle vorhanden war, und nicht viel länger als der Rest des Fells gewesen ist, aber eindeutig eine andere Fellstruktur aufwies. Aber es gibt auch Darstellungen, die längere Mähnen zeigen, etwa aus der französischen Chauvet-Höhle, welche man hier sehen kann: http://www.uf.uni-erlangen.de/chauvet/Chauvet_09.jpg

Ein solcher bemähnter Höhlenlöwe wird wohl zu Lebzeiten so ähnlich ausgesehen, haben wie diese Photoshop-Rekonstruktion eines Amerikanischen Löwen von Daniel Reed:

Panthera leo atrox mit Mähne

Die Behauptung dass der Höhlenlöwe grundsätzlich mähnenlos war, ist folglich falsch. Wahrscheinlich traf dies zwar auf die meisten männliche Höhlenlöwen zu, aber wenigsten manchen scheint sich eine Mähne erhalten zu haben, die darüber hinaus ging, bloß rudimentär zu sein. Auch die modernen afrikanischen Löwen zeigen eine extreme Variabilität in Bezug auf die Mähne. Während sie bei manchen über den gesamten Vorderkörper wallt, und am Bauch entlang seitlich bis zu den Hinterbeinen reicht, haben andere praktisch gar keine Mähne, und selbstverständlich gibt es sämtliche Formen dazwischen. Hier sieht man etwa den Vergleich eines riesigen Berberlöwen mit einer enormen Mähne, und einen kleinen Somali-Löwen, bei dem sie kaum vorhanden ist:

Berberlöwe vs Somali-Löwe

Das Photo stammt übrigens aus dem Naturhistorischen Museum in Wien, wo sich eines der letzten existierenden Präparate eines Berberlöwen befindet. Leider war der Raum sehr dunkel, und eng, darum ist die Qualität des Photos leider nicht besonders gut.

Wahrscheinlich werden selbst die größten Mähnen bei Höhlenlöwen nicht viel größer gewesen sein, als jene dieses Somali-Löwen, und bei den meisten war es wohl noch weniger. Dennoch ist es nicht richtig zu behaupten, dass sie gar nicht existierten. Da die Mähne bei modernen Löwen eine wichtige Rolle im Sozialleben spielt, und auch einen ausgezeichneten Schutz bei innerartlichen Kämpfen zwischen den Männchen darstellt, könnte man dahingehend auch spekulieren, dass sich die Sozialstruktur von Höhlenlöwen und modernen Löwen unterschieden haben könnte.

Hier ist noch eine ausgezeichnete Rekonstruktion des amerikanischen Höhlenlöwen von Daniel Reed, welche ein relativ typisches Männchen mit nur angedeuteter Mähne zeigt:

Panthera leo atrox

Bild des Tages: Schädel eines Ganges-Flussdelphins

Samstag, August 18th, 2007

Flussdelphine gehören in vieler Hinsicht zu den faszinierensten Walen überhaupt, leider auch vielfach auch zu den seltensten, und der tragische Fall des allem Anschein nach inzwischen ausgestorbenen Chinesischen Flussdelphines zeigt uns, dass das Aussterben von Großtieren keineswegs auf die vorigen Jahrhunderte beschränkt war.

Dieses Photo habe ich im Rosenstein-Museum in Stuttgart gemacht. Es zeigt den Schädel des Ganges-Flussdelphins (ja, ich halte mich nicht an die neue Rechtsschreibung, “Delfin” mit “f” sieht einfach schrecklich aus) Platanista gangetica:

Ganges-Flussdelphin Platanista gangetica

Man kann an ihm gut verschiedene spezielle Anpassungen erkennen. Zum einen sind etwa die Augenhöhlen nur extrem winzig, und kaum auszumachen, dafür ist die Stirnregion, welche mit der Echoortung unter Wasser in Zusammenhang steht, auf massive Weise ausgeprägt.  Auffallend ist auch die sehr lange Schnauze, mit den langen nadelförmigen Zähnen in der vorderen Hälfte. Tatsächlich können diese Delphine ihr Maul nie richtig schließen, denn die vorderen Zähne greifen zwar ineinander, bleiben aber wegen der nicht vorhandenen Lippen selbst bei geschlossenen Kiefern nach wie vor zu sehen.

Aulophyseter rionegrensis-Modell

Dienstag, August 14th, 2007

Da ich mich ja besonders für diverse kaum bekannte prähistorische Wale interessiere, habe ich schon vor geraumer Zeit einmal angefangen, einen primitiven Pottwal zu modellieren. Allerdings hatte ich die Vorlage nicht dabei, und mußte daher aus dem Gedächtnis heraus modellieren, und außer einem selbst hergestellten, ziemlich groben Modellierwerkzeug aus einem krummen Nagel, hatte ich auch keine weiteren Materialien. Letztes Wochenende habe ich dann dank meines Laptops eine geeignete Vorlage vor Ort gehabt, und konnte die entsprechenden Korrekturen vornehmen. Bei dem Wal handelt es sich um Aulophyseter rionegrensis. Ehrlich gesagt weiß ich so gut wie überhaupt nichts über diesen Wal, da Informationen über prähistorische Wale abseits von Basilosaurus und Dorudon nur extrem spärlich sind. Jedenfalls habe ich ein sehr hübsches, am Computer gemaltes Bild auf einer japanischen Seite gefunden, an dem ich mich sehr stark orientiert habe, wobei ich mir gewisse Modifikationen vorbehalten habe. Das als Vorlage dienende Bild kann man hier sehen: http://www.gem.hi-ho.ne.jp/aquaheart/aulophyseter.gif

Als Modell wählte ich dem kleinen Maßstab wegen Fimo, und da es sich um eine sehr kompakte Form handelte, die genügend Eigenstabilität hat und auch keine langen Hebelansätze für die Schwerkraft bietet, habe ich auf stützende Metallelemente im Innern verzichtet. Man sieht recht gut dass es sich auch nur um ein sehr kleines Modell handelt, nicht viel größer als der Korken, auf dem es befestigt ist:

Aulophyseter rionegrensis

Man kann selbst auf einem solchen Maßstab mit Fimo noch erstaunlich gute Modelle herstellen, auch wenn viele kleine Details mit der Digitalkamera leider nicht zu erkennen sind. Zugegebenerweise sieht dieses Modell vielleicht auch nach nicht allzu viel aus, was mit daran liegt, dass es nicht angemalt ist. Nichtsdestotrotz stecken mehrere Stunden Arbeit in diesem Modell. Man merkt beim Modellieren immer wieder, dass man oft wirklich sehr schnell etwas machen kann, was in etwa so aussieht, wie es aussehen soll, aber was wirklich Zeit-raubend ist, sind die ganzen Adaptionen und Anpassungen, um möglichst die Proportionen der Vorlage zu erreichen. Ich habe die Grundform der Vorlage beibehalten, aber noch einige Änderungen gemacht. Etwa habe ich die Rückenflosse noch größer gemacht, ähnlich wie bei Zwergpottwalen, aber schon leicht die Rückenbuckel moderner Pottwale angedeutet. Dafür habe ich auf die für heutige Pottwale typischen Längsrunzeln verzichtet, um nicht allzu starke Assoziationen mit der modernen Art hervorzurufen. Außerdem habe ich die Brustflossen, die auf dem Bild wirklich sehr ungewöhnlich aussahen, eher wie die von modernen Pottwalen modelliert, diese Sicherlform erschien mir einfach zu unwahrscheinlich. Am Kopf habe ich dann noch ein wie bei modernen Pottwalen leicht erhabenes, deutlich seitliches Blasloch modelliert. Was auf den Photos leider beinahe nicht zu sehen ist, sind die zahlreichen Narben, die ich aufmodelliert habe. Pottwalbullen zeigen häufig derartige Narben aus Konfrontationen mit anderen Bullen, und daher dachte ich, dass das hier sicher auch nicht schlecht aussähe. Außerdem machen solche kleine Details ein Modell gleich viel lebendiger.

Aulophyseter rionegrensis

Vielleicht werde ich irgendwann noch mal einen Abguss machen, und diesen dann anmalen, was dann auch gleich viel interessanter aussieht. Für die Zukunft ist auch noch ein größeres Modell des Killer-Pottwales Zygophyseter varolai geplant. Hier noch mal eine Ansich von vorne:

Aulophyseter rionegrensis

Bild des Tages: Höhlenbären-Skelett

Mittwoch, Juli 25th, 2007

Ein schönes Skelett eines Höhlenbären (Ursus spelaeus) in der Sammlung der Paläontologischen Instituts Tübingen:

Höhlenbären-Skelett

Gut zu sehen ist der im Vergleich zum Körper enorm große und kräftige Kopf, sowie der kompakte Körperbau.

Fleischfressende Monster 1: Ursus maritimus tyrannus

Donnerstag, Juli 19th, 2007

Ich hatte mir schon länger einmal überlegt, dass ich etwas über einige der größten bekannten Fleischfresser schreiben wollte, besonders über einige wenig bekannte fleischfressende Säugetiere. Wenn man nach den größten jemals lebenden Fleischfressern sucht, dann findet man meistens nur den recht bekannten Andrewsarchus sowie die weitaus weniger bekannten Arten Megistotherium und manchmal auch Sarkastodon. Zugegebenerweise hatten übergroße Raubtiere schon immer eine ganz besondere Anziehung auf mich ausgewirkt, vielleicht auch deshalb, weil es heute nur noch vergleichsweise wenige wirklich große Raubtiere gibt, und kaum eine dieser Arten bringt auch wirklich ab und zu Exemplare hervor, die man als gigantisch bezeichnen könnte. Unter den heute lebenden Raubtieren sind die großen Unterarten der Braunbären und die Eisbären zweifellos am eindrucksvollsten. Große männliche Eisbären, oder auch Braunbären von Kodiak oder Kamtschatka können Gewichte von mehr als einer halben Tonne erreichen, in Ausnahmefällen sogar bis zu einer dreiviertel Tonne. Dass es einst aber noch viel größere Bären gegeben hat, ist allerdings kaum bekannt. Zwar liest man manchmal veraltete Angaben, nach denen Höhlenbären bis zu einer Tonne gewogen haben sollen, aber dies ist mit größter Wahrscheinlichkeit übertrieben, und die großen Unterarten dieser Tiere (von denen es auch Zwergformen gab) erreichten wohl eher “nur” das Gewicht großer Grizzly-oder Kodiakbären.

Es gab allerdings einmal einen Bären, der durchaus Gewichte von einer Tonne erreicht haben dürfte. Die Rede ist hier nicht von dem berühmt-berüchtigten nordamerikanischen Kurzschnauzenbären Arctodus simus, für den oft ein Maximalgewicht von einer Tonne für die größten Exemplare angegeben wird. Bei dieser Angabe handelt es sich aber sehr wahrscheinlich um eine recht massive Überschätzung, aber auf die Hintergründe dieses Thema möchte ich jetzt nicht näher eingehen und erst in einem späteren Artikel darstellen. Die heutigen Eisbären sind entwicklungsgeschichtlich betrachtet eine sehr junge Art, deren Vorfahren sich erst vor einem Zeitraum von 100.000-250.000 Jahren von den Braunbären abgespalten haben. Die nahe Verwandtschaft der beiden Arten äußerst sich auch darin, dass selbst Hybriden aus Braun-und Eisbären noch uneingeschränkt fruchtbar sind. Wahrscheinlich wurde einst eine Population von Braunbären durch Gletscher oder auch verdriftendes Eis von ihren Artangehörigen isoliert, woraufhin sie sich im Laufe der darauf folgenden Generationen den herrschenden Lebensbedingungen anpaßten. Vermutlich herrschten sehr starke Selektionsbedingungen unter diesen Tieren, so dass sich die zahlreichen anatomischen Unterschiede zwischen Braun-und Eisbären innerhalb einer sehr kurzen Zeit entwickeln konnten. Aus der Entwicklungsgeschichte des Eisbären kennt man mehrere Zwischenformen, die zeigen dass wie sich diese Tiere immer mehr an eine ausschließlich carnivore Lebensweise anpaßten, etwa indem die die Zähne der allesfressenden Braunbären immer mehr modiziert wurden, und mehr scharfe Kanten bekamen. Selbst noch vor 10.000 Jahren ähnelten die Zähne der Eisbären noch recht stark den ihrer Vorfahren, und erst vor entwicklungsgeschichtlich sehr kurzer Zeit traten die für heutige Braunbären typischen Backenzahnformen auf, obwohl andere Entwicklungen wie etwa die Verlängerung des Schädels schon früher aufgetraten waren. Eine Ahnenform in der Entwicklung des heutigen Eisbären Ursus maritimus war Ursus maritimus tyrannus (manchmal auch U.m. tyrannicus geschrieben, aber “tyrannus” scheint die richtige Schreibweise zu sein), ein riesiges Raubtier, dessen Überreste 1964 in der Nähe von London gefunden wurden. Ursus maritimus tyrannus hatte eine Schulterhöhe von etwa 1,8m und dürfte ein Gewicht von etwa einer knappen Tonne gehabt haben. Auf diesem, freundlicherweise von Daniel Reed zur Verfügung gestellten Vergleichs-Bild kann man recht gut die gewaltige Größe dieses Tieres erkennen:

Ursus maritimus tyrannicus

Hier ist U.a. tyrannus neben einem sehr großen heutigen Eisbären abgebildet. Diese Tiere ähnelten in Bezug auf Proportionen und Gebiss noch recht stark ihren Braunbären-Vorfahren, und es ist interessant dass ihre Nachfahren wieder an Größe abnahmen. Ich könnte mir vorstellen dass die exzessive Größenzunahme dieser Tiere damit zusammen hängen könnte, dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen Tieren von der zu ihren Lebzeiten herrschenden klimatischen Bedingungen profitieren konnten, und in der Lage waren bei einer nach Süden fortschreitenden Vereisung ihr Verbreitungsgebiet sogar noch auszuweiten. Ein größeres Verbreitungsgebiet und eventuell noch zusätzlich vorhandene große Herden an die Kälte angepaßter Herbivoren wie Moschusochsen könnte die Entwicklung immer größerer Bären begünstig haben. Wie genau diese Tiere ausgesehen haben, ist schwer zu sagen, aber es wäre durchaus möglich, dass sie schon ein weißes Fell gehabt haben. Vielleicht sahen sie abgesehen von der Größe modernen Hybriden aus Eis-und Braunbären ähnlich, wie etwa dieser erst unlängst in der freien Natur geschossene Mischling: http://media.canada.com/30ae1b32-b333-4793-9d10-b41b1065548d/polar_grizz.jpg?size=l

Bild des Tages: Pandabären-Schädel

Dienstag, Juli 10th, 2007

Der Pandabär ist aufgrund einer ganzen Reihe von Merkmalen interessant, vor allem jene, die in Zusammenhang mit ihrer fast komplett aus Bambus bestehenden Nahrung zu tun haben. An diesem Schädel, aufgenommen im Pandabären-Haus des Schönbrunner Zoos, sieht man recht gut inwieweit der Schädel verkürzt und gleichzeitig verbreitert wurde, um ein den Umständen entsprechendes effektives Kauen zu ermöglichen.

Panda-Schädel

Pandabären können wie alle Raubtiere ihren Unterkiefer nicht zu Seite schwenken und so ausholenden Kaubewegungen ausführen, sondern ihr Maul nur scharnierartig schließen. Daher können sie ihre Nahrung nur wie mit einem Stößel zerkauen. Im Vergleich zu echten Raubtieren wie etwa Hunden sind ihre Seitenzähne praktisch ohne Scherleisten für das Zerschneiden von Haut, Fleisch oder Sehen, dafür sind die Kronen recht stark profiliert, um die Kaumechanik zu verbessern. Die typische Form des breiten Pandabärenkopfes wird vor allem durch den massiven Schläfenmuskel (Musculus temporalis) beprägt.

Hier sieht man noch mal einen lebenden Pandabären, ebenfalls aufgenommen im Zoo Schönbrunn:

Panda beim Fressen

Von Seeschlangen, Schlangenwalen und Pferdeaalen

Donnerstag, Mai 31st, 2007

Es gibt wohl kein typischeres Klischeebild einer Seeschlange, als das eines Schlangen-oder Drachen-artigen langestreckten Wesens, das sich mit vertikalen Windungen des langen Körpers im Wasser bewegt, wobei zahlreiche Buckel oder sogar gänzlich aus dem Wasser ragende Körperwindungen zu sehen sind. Solche Wesen sollen sowohl in verschiedenen Meeren, als auch in Binnengewässern gesichtet worden sein. Eines der bekanntesten ist das Ogopogo,  welches im Okanagan-See im kanadischen British-Columbia. Vermeintliche Photos und Augenzeugenberichte deuten auf ein Wesen von vielleicht knapp 10m Länge hin, das sich mit horizontalen Windungen im Wasser fortbewegt, wobei neben drei bis fünf relativ eng stehenden Rückenbuckeln der Kopf und manchmal auch die Schwanzspitze aus dem Wasser ragen. Auch einige Nessie-Sichtungen und verschiedene an pferdeköpfige Riesenaale erinnernde Monster aus kleinen Binnnenseen entsprechen diesem Typus.

Das eigentlich seltsame an der Sache ist, dass kein einziges bekanntes Lebewesen, weder lebend noch ausgestorben sich auf solche Weise fortbewegen könnte. Praktisch alle Fische (von Ausnahmen wie verschiedenen Rochen, Kugel-Koffer und Plattfischen mal abgesehen) bewegen sich mit horizontalen Bewegegungen ihres Körpers, aber niemals mit vertikalen, da der Körper von Fischen dieser Bewegung auch nur ziemlich wenig Spielraum läßt. Eine solche Fortbewegung hat auch vor allem am Gewässerboden Vorteile, und ist auch noch in sehr flachen Wasser oder stark strukturierten Lebensräumen möglich. Auch die Amphibien und die Reptilien (auch hier gibt´s natürlich wieder Ausnahmen, etwa Schildkröten) hielten diese Art der Fortbewegung mit setlich ausgreifenden Körperbewegungen bei, und erst einige hochentwickelten Arten aus denen Säuger und Dinosaurier hervorgingen, verloren diese Fortbewegungsweise.

Da sich für Tiere mit senkrecht unter dem Körper liegenden Gliedmaßen ein seitliches Auslenken der Gliedmaßen nicht anbietet, mußte die Wirbelsäule stattdessen an vertikaler Bewegungsfreiheit gewinnen. Als die ersten Säuger dann wieder anfingen sich ihre Nahrung im Wasser zu suchen und sich schließlich zu vollkommen marinen Formen entwickelten, behielten sie diese Errungenschaft bei, und bewegten sich vor allem durch vertikale Bewegungen. Darum ist die Schwanzflosse von Walen und Seekühen auch nicht senkrecht wie bei Fischen, sondern waagrecht.

An dieser Stelle kommen nun die sogenannten Schlangenwale ins Spiel. Unter den primitiven Walen entwickelte sich eine Linie zu riesigen langgestreckten Meeresraubtieren, den Basilosauriern, von denen bislang drei Arten, Basilosaurus isis, Basilosaurus cetoides und Basilosaurus drazindai. Als die ersten Knochen dieser Tiere entdeckt wurden, hielt man sie für die Überreste mariner Reptilien, daher das “-saurus” im Name. Diese Wale wiesen eine Reihe von Besonderheiten auf, etwa der etwa 1,5m lange Schädel, der im Vergleich zur Gesamtlänge von bis über 20m geradezu winzig wirkte. Das vermeintlich schlangenartige Erscheinungsbild sowie die Fähigkeit sich mit vertikalen Bewegungen fortzubewegen, hat dazu geführt dass diese Tiere als Erklärung für viele Ungeheuersichtungen herangezogen wurden, u.a. im Okanagan-See.

Die Idee scheint auf dem ersten Blick verlockend, krankt aber an mehreren Stellen. Zum einen stellt sich die Frage ob Basilosaurus überhaupt in der Lage gewesen wäre, die typischen Buckel, welche bei Seeschlangen und Monstern in Seen vorkommen sollen, überhaupt erzeugt haben könnte. Einerseits war Basilosaurus wahrscheinlich weitaus weniger schlangenähnlich und weitaus voluminöser, als man früher dachte. Auch war der Schwanz weitaus kürzer als man in älteren Büchern manchmal lesen kann, und machte nur etwas mehr als ein Drittel der Gesamtlänge aus. Genaugenommen war die schlangenartige Gestalt vor allem auf den ziemlich kleinen Kopf zurückzuführen. Auch Glattdelphine und Furchenwale wie Blau-oder Finnwal haben extrem langgestreckte Körper, was aber weit weniger auffällt, da ihre Köpfe im Verhältnis viel größer sind. Die besondere Wirbelsäulenanatomie von Basilosaurus deutet zwar tatsächlich darauf hin, dass er sich auf sehr ungewöhnliche Weise bewegte, und nicht nur der Schwanz, sondern möglicherweise der ganze Körper bei der Bewegung beteiligt war. Aber selbst bei einer sehr großen Bewegungsfreiheit erscheint es praktisch ausgeschlossen, dass sie die extrem nahe beieinander liegenden und sehr zahlreichen Wellen der Buckelseeschlangen erzeugen konnten, zumal die einzelnen Wirbel ungewöhnlich lang waren. Selbst beim besten Willen dürften nicht mehr als zwei Buckel auf einmal möglich gewesen sein.  Inzwischen wurde aufgrund seiner besonderen Wirbel spekuliert, ob er nicht womöglich sogar durch horizontale Bewegungen schwimmen konnte…

Alles in allem halte ich die Argumentation für einen Basilosaurus-ähnlichen Urwal für relativ dürftig. Dass enorme Futterbedürfniss sowie die Tatsache dass solche Tiere häufig an der Oberfläche zu sehen sein müßten, schließt eigentlich aus, dass sich eine Population solcher Tiere über Jahrtausende in einem See halten und verstecken könnte, mal ganz abgesehen davon dass man aus den letzten 37 Millionen Jahren keinen einzigen Basilosaurus-ähnlichen Wal mehr kennt.

Fleischgelüste bei Huftieren

Mittwoch, Mai 30th, 2007

Eigentlich scheinen die Rollen ja recht klar verteilt in der Natur, es gibt die Raubtiere die Fleisch fressen, und die Pflanzenfresser die Pflanzen fressen. Zugegebenerweise gibt es auch einige Ausnahmen wie den Pandabären der trotz seines Bärenerbes fast rein vegitarisch lebt, und auch einige seiner Verwandten fressen zum größten Teil Pflanzen, und sogar verschiedene Marder und Hunde-artigen fressen ab und an pflanzliche Kost. Bei den Raubtieren gibt es zugegebenerweise eine recht weitläufige Palette an unterschiedlichen Fressgewohnheiten, aber die meisten von ihnen sind in ihrer Wahl der Nahrung doch recht konservativ veranlagt und halten sich an tierische Proteine. Aber wie sieht es mit den Huftieren aus? Diese bilden gemeinhin die bevorzugten Beutetiere größerer Raubtiere, und gelten meist als die Pflanzenfresser schlechthin. Von Wildchweinen ist zwar allgemein bekannt dass sie auch beim Wühlen gefundene Engerlinge, Regenwürmer und auch mal aufgebrabene Jungmäuse oder sogar Aas fressen, dass sie aber auch teilweise aktiv auf Jagd gehen und sogar manchmal Fische fangen, ist weniger bekannt. Manche Wildschweine lernen sogar recht geschickt erwachsene Mäuse zu fangen, desweiteren fressen sie auch Eier und am Boden sitzende oder aus dem Netz gefallene Jungvögel, sowie verschiedene Amphibien und Reptilien. Zuweilen kommt es sogar vor dass sie selbst Hasen und angeschossene oder sonstig geschwächte Rehe und Hirsche töten und fressen. Vor einigen Jahren konnte ich in einer Dokumentation einmal eine sehr beeindruckende Szene sehen, in der zwei Wildschweine einen Hasen jagten. Auch einige Verwandte des Wildschweines, etwa die Busch-und Flussschweine nehmen sehr gerne Fleisch in ihren Speiseplan auf, während dies bei Arten wie dem Warzenschwein oder dem Riesenwaldschwein kaum einmal vorkommt.

Den grimmig aussehenden und mit großen raubtierhaften Zähnen ausgestatteten Wildschweinen kann man derartige Vorlieben noch recht gut zutrauen, dass aber auch Nilpferde zuweilen Fleisch fressen, ist weit weniger bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich hier eher um Ausnahmen, speziell in Zeiten in denen die Bullen aufgrund großer Rivalitäten nicht genug Zeit finden an Land zu grasen, und darum zusätzliche Kalorien aufnehmen, indem sie bei Gelegenheit auch Aas fressen. Ob sie nur schon tote Tiere fressen, oder unter Umständen auch von ihnen selbst getötete, ist mir nicht bekannt. Da Nilpferde jedoch zuweilen auch gegen andere Arten ein sehr aggressives Verhalten zeigen, und sogar manchmal andere Tier töten, könnte man vermuten dass zumindest manchmal auch von selbst “erjagten” Tieren gefressen wird. Auch Dromedare sollen manchmal Aas fressen, was auch kaum verwundert, da diese Tiere viel eher als andere in Situationen kommen, in denen es überhaupt keine pflanzliche Nahrung mehr gibt. Schon bizarren mutet es da an, dass Giraffen manchmal Knochen kauen, möglicherweise um zusätzliche Mineralien aufzunehmen.

Auch Hirsche geben sich nicht immer allein mit Gras, Rinde und Knospen zufrieden. Neben Fällen von nichtdestruktiven Autokannibalismus, bei dem Kühe von der eigenen Gebärmutter oder Hirsche den eigenen abgestreiften Bast oder abgeworfene Geweihstangen fressen, gibt es auch Fälle, in denen andere Tiere getötet und gefressen werden. Bei Gelegenheit fressen Hirsche Eier bodenbrütender Vögel oder sogar junge Vögel. In manchen Gebieten in denen die Hirsche die von ihnen benötigten Mineralien nicht durch normale Kost decken können, fressen sie zuweilen kleinen Vögeln die Beine ab, um so an zusätzliches Kalk und Phosphor zu kommen. In einigen Gebieten fallen Rentieren sogar bis zu zehn Prozent der Lemmingpopulationen zum Opfer.

Hier sieht man ein paar Rentiere im Schönbrunner Zoo, Lemminge kriegen sie hier aber sicher nicht:

Rentiere

Weitaus vielseitiger ist da das afrikanische Hirschferkel. Diese winzigen, entfernt mit den Hirschen verwandten Wiederkäuern leben in den Dschungeln Afrikas und haben sich auf besondere Weise an ihren Lebensraum angepaßt. Sie fressen nicht nur Aas und Insekten, sondern auch sogar Fische. Bei Gefahr flüchten sich diese Winzlinge oft in Urwaldflüße und Bäche, wo sie sehr gut und lange tauchen können, wobei sie sich auf dem Gewässergrund laufend, geschickt fortbewegen können. Unter Wasser haben sie sich auch eine zusätzliche Nahrungsquelle erschlossen, indem sie ins Wasser gefallene Früchte ausammeln, und auch bei Gelegenheit Fische fangen.

Die kleinen afrikanischen Ducker scheinen von Natur aus in eine Opferrolle geboren zu werden, da sie zahlreichen Raubtieren bis hin zu Riesenschlangen und großen Raubvögeln zum Opfer fallen können. Doch ausgerechnet unter diesen harmlos aussehenden Tierchen, die aussehen als hätten sie es darauf angelegt kommerziell für Streichelzoos gezüchtet zu werden, findet man die größte Jagdlust unter den Huftieren. Dass man im Magen des Blauduckers schon große Mengen an Ameisen gefunden hat, ist an sich schon kurios, wenngleich auch nicht schockierend. Eigentlich sehen diese kleinen Huftiere ja wirklich aus, als könnten sie keiner Fliege etwas zu Leide tun (vielen Dank an Sven Peter für das Photo):

Blauducker

Andere Ducker dagegen machen dagegen auf noch weit größere Tiere Jagd. Reptilien, Vögel und auch kleine Säugetiere werden planmäßig angefallen und gefressen, weshalb sie in Zoos auch nicht mit Vögeln vergesellschaftet werden.

Im Zoo von Zürich konnte das Jagd und Fressverhalten sehr gut dokumentiert werden, nachdem auffiel, dass im Schwarzrückendurcker-Gehege immer wieder Tauben fehlten. Bei einem Test mit einer toten Taube wurde diese vom Ducker sofort gefressen, bei lebenden Vögel konnte beobachtet werden, dass sie diese witterten, beschlichen und angriffen. Kleine Küken wurden mit einem Biss in Bauch oder Brust getötet, bei größeren Vögeln wurden die Vorderhufe benutzt, um sie zu töten oder zu betäuben. Daraufhin wurden Kopf, Flügel und Beine abgebissen, wobei nur der Kopf gefressen wurde. Aus dem verstümmelten Körper wurden dann die Eingeweide herausgesaugt oder gekaut, und stückweise ganz oder teilweise gefressen.

Dass sich ein solches Verhalten entwickelt hat, hat womöglich mit den geringen Nahrungsressourcen im Dschungel zu tun. Kleine Wiederkäuer sind aufgrund ihrer kurzer Därme auf sehr hochwertige pflanzliche Nahrung wie etwa Früchte angewiesen, die im Urwald nur in geringen Umfang gleichzeitig vorkommen, und oft weit auseinander liegen. Bei Hirschen geht es sicherlich weniger um zusätzliche Kalorien, sondern vor allem dadurch, den enormen Mineralienbedarf für das Wachstum ihrer Geweihe zu decken, bei den gehörnten Duckern dagegen scheint es sich ausschließlich zu einer üblichen Ergänzung des Speisezettels zu handeln. Interessant ist auch die Tatsache dass die Ducker wie alle Wiederkäuer keine oberen Schneidezähne besitzen, und auch ihre sonstige Bezahnung in keinster Weise auf solche carnophilen Neigungen hindeutet. Beutetiere wie etwa Vögel müssen sie daher ausschließlich mit ihren Backenzähnen zerteilen. Es wäre sehr interessant zu wissen, ob sich aus diesen Tieren bei entsprechenden Umweltbedingungen über die Jahrmillionen echte Raubtiere entwickeln könnte. Vielleicht wird das mal Thema eines Eintrages über spekulative Zoologie sein.