Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Reptilien’ Category

Bild des Tages: Winkelkopfagame

Sonntag, Juli 25th, 2010

Hier mal ein Bild eines wirklich äußerst interessant aussehenden Reptils, eine Winkelkopfagame (genau genommen handelt es sich um die Spezies Hypsilurus dilophus) aus dem Vivarium Karlsruhe:

Winkelkopfagamen stammen aus Südostasien und bewohnen Regenwälder. Es handelt sich um relativ kleine Echsen, welche Längen von grob einem halben Meter erreichen. Warum die mehrere Arten umfassende Gattung der Winkelkopfagamen im englischen Sprachgebrauch als “Forest Dragons” bezeichnet werden, muss wohl nicht mehr weiter erläutert werden.

Die Herpetologie-Saison hat begonnen!

Mittwoch, März 24th, 2010

Nachdem dieser verdammte Winter mal wieder scheinbar überhaupt nicht mehr aufhören wollte, ist es jetzt wider Erwarten tatsächlich doch noch Frühling geworden. Das zeigt sich außer der Tatsache dass man jetzt auch wieder ohne Winterjacke vor die Türe gehen kann, auch darin dass eine ganze Reihe von Tieren wieder aus ihren Winterquartieren heraus gekommen sind, seien es winterschlafende Säuger, Insekten, Amphibien oder Reptilien. Vor ein paar Tagen machte  ich die erste herpetologisch Entdeckung dieses Jahres, als ich im Wald den ersten Grasfrosch sah. Am Montag entdeckte ich dann die ersten Molche im heimischen Gartenteich, von denen ich glücklicherweise auch ein paar Photos machen konnte. Die Population im Gartenteich ist nicht besonders groß, und besteht hauptsächlich aus Bergmolchen, allerdings tauchen eigentlich jedes Jahr auch wieder zwei Teichmolche auf. Hier sieht man einen weiblichen Bergmolch:

Auf diesem zweiten Photo kann man neben einem anderen Weibchen auch noch einen männlichen Bergmolch sehen:

Etwas später sah ich dann bei einem Spaziergang eine Reihe großer Laichklumpen in einem kleinen Teich, und ein paar Meter weiter an einem größerem Teich auch noch eine ganze Reihe von sich paarenden Erdkröten:

In jenem Teich konnte ich sogar für ein paar Augenblicke eine Schildkröte beobachten, welche zum Luftholen an die Wasseroberfläche kam. Leider war sie zuweit entfernt, und obendrein auch recht stark mit Algen bewachsen, so dass ich kaum sagen kann, um was für eine Art es sich handelt. Es ist allerdings sehr stark davon auszugehen, dass es sich um ein ehemaliges Haustier handelt. Leider setzen ja immer noch eine ganze Reihe von Leuten ihre Schildkröten einfach an irgendwelchen Teichen, Seen oder Weihern aus, wenn sie ihnen zu groß werden, oder schlichtweg kein Interesse mehr an ihnen besteht. Solche Schildkröten können aber erheblichen Schaden anrichten, vor allem an der heimischen Amphibienpopulation. Größere Exemplare vergreifen sich aber teilweise sogar in starken Maße an jungen Wasservögeln, und zwar nicht nur an den beinahe allgegenwärtigen Stockenten, sondern auch an vielen seltenen Arten.

Die Schildkröte sollte heute aber nicht das einzige Reptil bleiben, denn wenig später sah ich im Wald noch eine recht ansehnlich große Blindschleiche. Sie war noch relativ starr, vielleicht weil es im Wald eben doch noch nicht so warm ist, daher konnte ich mich auch bis auf allernächste Nähe nähern, um ein paar Photos zu machen (wer sich noch an den Artikel über die Maximalgrößen von Krokodilen erinnert, wird vielleicht bemerken dass ich inzwischen ein neues Handy habe):

Hier noch mal eine Nahaufnahme:

Es ist schon immer wieder erstaunlich wie viel man selbst in unserer an sich nicht gerade spektakulären mitteleuropäischen Natur so alles entdecken kann, wenn man nur mit offenen Augen herumläuft. Ich bin mal gespannt wann die ersen Eidechsen und vielleicht sogar Ringelnattern zu sehen sind.

Gestern war ich dann noch mal einen anderen Weg spazieren, unter anderem um zu schauen, ob es schon wieder die ersten Feuersalamanderlarven gibt. Es waren tatsächlich wieder ein paar in einem kleinen Quellbecken. Leider werden immer wieder viele von ihnen herausgeschwemmt weil Leute aus dem winzigen Becken Wasser schöpfen oder Eimer und Gießkannen reinstellen. Manchmal landen sie dann auf dem Gitter des darunter liegenden Abflusses, wo sie in der Regel aber auch elendig zugrunde gehen, wenn nicht zufällig jemand (keine Ahnung ob das außer mir noch irgend jemand anders macht…) den Gullydeckel abnimmt, und sie wieder ins Becken tut. Unter dem Abflussgitter habe ich schon mal neben einem erwachsenen Feuersalamanderweibchen und einer Erdkröte mehrere Grasfrösche gefunden, darum schaute ich auch dieses mal wieder unter das Gitter. Irgendwie schaffen es diese Amphibien trotz ihrer Größe immer wieder sich durch den wirklich engen Spalt unter dem Gitter zu quetschen, dann landen sie im Auffangkorb darunter und kommen nicht mehr raus. Frösche können das wenn wie dieses Mal der Korb relativ hoch mit Wasser gefüllt ist, noch aushalten, aber gerade Salamander ertrinken da früher oder später.

Auch dieses Mal saßen wieder Grasfrösche drin, insgesamt vier Stück:

Der Frosch rechts im Bild schaffte es von alleine rauszuspringen nachdem das Gitter weg war, die anderen mußte ich mitsamt dem Korb rausholen. Das erwies sich als gar nicht so einfach, da dieser durch mineralische Ablagerungen regelrecht mit dem Rand verbacken war, und erst mit Hilfe eines Steines freigehauen werden mußte. Von einem dachte ich bereits dass er tot sei, da er mit dem Bauch nach oben und mit allen Beinen von sich gestreckt, im Wasser lag. Hier mal eine Nahaufnahme von einem der Frösche:

Als ich dann die Frösche in einiger Entfernung vorsichtig aus dem Eimer kippte, stellte sich heraus, dass der vermeintlich tote Frosch tatsächlich noch lebte. Er war allerdings in einer denkbar ungünstigen Lage. Es handelte sich um ein hochträchtiges Weibchen, dessen Leib vom Laich regelrecht aufgequollen war. Ein extrem penetrantes Männchen hatte sich an ihm festgeklammert, allerdings nicht auf dem Rücken wie es eigentlich sein sollte, sondern auf dem Bauch. Daher ist das Weibchen schon wer weiß wie lange auf dem Rücken liegend unter Wasser gedrückt worden, und war völlig entkräftet. An einigen Stellen des Rückens war ihre oberste Hautschicht schon völlig weggescheuert, so dass man teilweise durch die durchsichten Schichten darunter den Laich durchschimmern sehen konnte. Alle Versuche das Männchen von dem Weibchen loszukriegen, scheiterten leider, und es ist leider davon auszugehen, dass es inzwischen daran zugrunde gegangen ist.

Männliche Frösche und teilweise auch Kröten können zuweilen extrem penetrant sein, und klammern sich gelegentlich nicht nur an bereits tote Weibchen, sondern teilweise sogar an andere Amphibien, manchmal sogar an Fische, was dann durch den dadurch verursachten Stress und auch durch den großen Druck (Frösche haben wirklich verdammt starke Gliedmaßen), etwa bei Fischen auf die Kiemendeckel, zum Tod führen kann.

Bild des Tages: Chamäleon-Skelett

Dienstag, August 18th, 2009

Dieses wunderschöne Präparat eines Chamäleons (ich meine es war ein Jemenchamäleon) ist momentan in einer kleiner Sonderausstellung über verschiedene Tierpräparate im Naturhistorischen Museum Berlin zu sehen:

Chamäleon-Skelett Berlin

Mal abgesehen von der Leistung ein solcherlei fragiles Skelett in einer lebensechten Pose zu montieren, fallen auch wieder einiger der chamäleontypischen Merkwürdigkeiten auf, etwa der Kamm des Schädels, die stark modifizierten Füße sowie der Wickelschwanz.

Bild des Tages: Spinnengecko

Donnerstag, Juli 16th, 2009

Die Geckos haben eine ganze Reihe von ziemlich bizarren Formen hervorgebracht, vor allem auf Madagaskar. Aber auch in anderen Teilen der Welt haben sich einige wirklich ungewöhnliche Arten entwickelt, etwa der Spinnengecko (Agamura persica), welcher in Pakistan, Afganisthan und dem Iran vorkommt. Diese Tiere haben extrem lange dünne Beine und einen sehr dünnen Schwanz, was ihnen auch den treffenden Namen einbrachte. Die Photos habe ich im Vivarium des Museums für Naturkunde in Karlsruhe aufgenommen:

Spinnengecko Agamura persica

Spinnengeckos leben in Gebieten die teilweise extreme Temperaturunterschiede aufweisen, während des Sommers mit glühender Hitze am Tag und teilweise bitterer Kälte in der Nacht wenn es Winter ist. Sie bewohnen vor allem sehr steinige und felsige Lebensräume, wobei ihnen die langen Beine gute Dienste leisten. Es sind relativ kleine Tiere, die Weibchen erreichen Koprfumpflängen von etwa 42 bis 77 mm und einer Schwanzlänge von 34 bis 59 mm, währned die Männchen etwas kleiner bleiben.

Spinnengecko Agamura persica

Ein Blick ins Innere mariner Tetrapoden und warum Weichteile lügen

Sonntag, Juli 12th, 2009

Im Laufe der Evolution haben ja zahllose bereits an Land lebende Wirbeltiere wieder den Schritt zurück ins Wasser gemacht, um sich zu amphibischen oder sogar vollaquatischen Lebensformen zu entwickeln.  Zu diesem Thema gibt es im Naturkunde-Museum Berlin eine Reihe wirklich schönen Ausstellungsstücken, welche die Skelette verschiedene marine Tetrapoden in Schwimmstellung zeigen, welche zur Hälfte als Modell des lebenden Tieres dargestellt sind. Dabei sieht man nicht nur sehr gut wie sich das Skelett ins Innere eines Tieres “einfügt”, sondern man erkennt bei den Detailaufnahmen auch viele anatomischen Besonderheiten. Da die Modelle in Vitrinen ausgestellt waren, konnte ich wegen der Spiegelung leider nicht die ganzen Präparate am Stück photographieren, sondern leider immer nur teilweise. Besonders schön finde ich dieses halbseitig verkleidete Skelett eines Pinguins (entweder ein Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) oder ein Kaiserpinguin(Aptenodytes forsteri) ). Man sieht sehr schön die ringförmig um das Auge angeordneten Knochenplättchen, und auch dass die äußerliche Erscheinung des Halses völlig anders ist als die tatsächlichen skeletalen Verhältnisse. Von außen erscheint der Hals relativ kurz und gestreckt, tatsächlich ist er aber S-förmig angezogen, und kann noch deutlich nach vorne gestreckt werden.

Pinguin Skelett

Ähnliche Verhältnisse erkennt man auch bei diesem Skelett eines Seehundes (Phoca vitulina), der Hals erscheint auch hier von außen gerade zu sein, ist aber tatsächlich ebenfalls S-förmig gebogen. Diese typische Haltung des Halses ist innerhalb der Tetrapoden extrem weit verbreitet, angefangen bei Reptilien wie Leguanen und Krokodilen, bis hin zu Vögeln und den meisten Säugern, selbst wenn man es am lebenden Tier kaum vermuten würde, da das Weichgewebe oftmals keinerlei Rückschlüsse auf die Ausrichtung der Halswirbelsäule ermöglicht. Man achte auch auf das sehr lange Brustbein (Sternum) welches unterhalb des Halses an den Rippen entspringt.

Seehund Skelett

Ein anderes Bild findet man bei diesem Gewöhnlichen Schweinswal (Phocoena phocoena).  Die extrem kurzen und ineinander praktisch unbeweglichen Wirbel sind gerade nach vorne gerichtet, und ensprechen den äußeren Umrissen. Allerdings sieht man auch seh gut, dass die Umrisse des lebenden Tieres nur äußerst vage mit dem tatsächlichen Schädel übereinstimmen. Das liegt nicht nur an der Melone welche sich in der Stirnregion befindet, sondern vor allem auch an den großen Mengen an Fettgewebe, welche sich vor allem im Bereich zwischen Unterkiefer und Hals befinden. Auch das große und gut ausgebildete Zungenbein, sowie die für Schweinswale typischen kurzen stumpfen Zähne sind gut zu erkennen.

Schweinswal Skelett

Wieder andere Verhältnisse findet man bei dieser Schildkröte. Ich bin mir nicht ganz sicher um was für eine Art es sich handelt, möglicherweise war es eine Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata). Hier sind die Form des Schädels und die Form des Kopfes wie bei Reptilien üblich fast vollkommen kongruent. Es liegt kaum Weichgewebe über den äußeren knöchernen Schädelanteilen, sondern fast sofort die Haut mit den in sie eingelagerten Hornschildern. Die Halswirbelsäule ist auch hier wieder sehr interessant, wenn auch schlecht zu erkennen, denn sie ist an der Öffnung des Panzers fast rechtwinkelig nach oben gebogen, um dann in einem zweiten rechten Winkel in die mit dem Rückenpanzer verwachsene Wirbelsäule des Rückens überzugehen.

Schildkröte Skelett

Hier sieht man noch mal eine Frontalansicht des Schildkrötenschädels mit der halbseitigen Lebenddarstellung (bei der es sich vermutlich um einen Abguss handelt):

Schildkröte Schädel frontal

Mehr über die merkwürdige Divergenz zwischen der Form der Halswirbelsäule und des sie umgebenden Weichgebwebes findet man in vielen tollen Bildern und interessanten Hintergrundinformationen auch auf Tetrapodzoology und Sauropod Vertebra of the Week:

http://scienceblogs.com/tetrapodzoology/2009/05/sauropods_held_necks_erect.php

http://svpow.wordpress.com/2009/05/31/necks-lie/

Der “Lurchenschlächter” Batrachotomus

Dienstag, April 29th, 2008

Wenn man an große ausgestorbene räuberische Landreptilien denkt, dann fallen einen in der Regel primär mal Theropoden ein, angefangen von “kleineren” Arten wie Dilophosaurus, bis hin zu Giganten wie dem altbekannten Tyrannosaurus oder dem noch größeren Giganotosaurus. Zugegebenerweise brachte dieser Zweig der Dinosaurier die mit Abstand größten und beeindruckensten Raubtiere hervor, die je das Anlitz der Erde beschritten (Riesenformen von Krokodilen, über die es auch mal gehen soll, lasse ich jetzt einfach mal außen vor, da sie ja amphibisch lebten). Doch das erdgeschichtliche Bestiarium kennt noch eine ganze Reihe anderer großer, fleischfressender Landbewohner unter den Reptilien, die aber, wie so viele andere auch, im populären Schatten der Dinosaurier stehen. Bevor diese ihren evolutionären Siegeszug über die Erde beginnen konnten, lebten noch ganz andere Wesen, welche in vieler Hinsicht nicht minder spektakulär war, wenngleich sie niemals die Ausmaße der wirklich großen Dinosaurier erreichten.

Eines dieser Wesen war Batrachotomus kupferzellensis, ein gewaltiges Raubtier von etwa 5m Länge, das unter seinen Zeitgenossen Angst und Schrecken verbreitet haben muss. Er gehörte zu den Prestosuchidae, und war in der Zeit des oberen Keuper eines der größten Landraubtiere überhaupt. Man kann sich diese Tiere ganz gut als eine Art vierbeinigen Carnosaurier vorstellen, denn tatsächlich erinnerten die hohen und seitlich komprimierten Schädel recht stark an jene von den erst viel später erscheinenden großen Theropoden. Sie besaßen recht lange Beine, und bewegten sich auf recht aufrechte Art fort. Dieses Photo zeigt eine lebensgroße Rekonstruktion aus dem Museum am Löwentor in Stuttgart:

Batrachotmus im Schachtelhalmwald

Man erkennt auch gut die Panzerplatten auf dem Rücken, welche ganz ähnlich aussahen wie von Krokodilen. Interessanterweise waren diese Rückenpanzerplatten über starke Muskeln mit der Wirbelsäule verbunden, und ermöglichten es die Wirbelsäule durchzubiegen, um beim Laufen hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Auch heutige Krokodile besitzen dadurch als einzige Nicht-Säuger diese Fähigkeit zu Galoppieren, mit der sie auf kurze Strecken sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen können. Bei größeren Exemplaren sieht man das kaum jemals, was sicherlich auch an der Körpermasse liegt. Dieses Galoppieren wird allerdings nicht zum Angriff, oder zum Ergreifen von Beute genutzt, sondern zur Flucht. Australienkrokodile (Crocodylus johnsoni) etwa wenden diese Fortbewegungsweise um sich vor den häufig im gleichen Lebensraum vorkommenden und viel größeren Leistenkrokodilen (C. porosus) in Sicherheit zu bringen. Man kann allerdings mit einiger Sicherheit annehmen, dass Batrachotmus eine galoppierende Fortbewegungsweise tatsächlich primär zur Jagd benutzt hat. Der Anblick eines derartigen Riesen, wie er mit voller Geschwindigkeit und auf eine für Reptilien eigentlich äußerst ungewohnte Weise seiner Beute hinterherjagte, muss zweifellos ein beeindruckender Anblick gewesen sein – und sicherlich für viele Wesen einer der letzten visuellen Eindrücke in ihrem Leben. Die Knochenplatten an den Flanken dagegen waren coneinander isoliert, und hatten wohl tatsächlich eher einen defensiven Charakter.

Den Namen Batrachotomus bekam dieser Räuber anhand der Funde von mehreren Fossilien des riesigen Mastodonsaurus (über den schon früher geschrieben wurde) aus Kupferzell, welche die Zahnspuren des Prestosuchiden aufwiesen. Ob hier Kadaver gefressen, oder diese Riesenamphibien aktiv erbeutet wurden, läßt sich hier allerdings kaum noch sagen. Ich würde es allerdings keineswegs ausschließen, dass hier tatsächlich Riesenamphibien zumindest manchmal auch gejagt und getötet wurden. Sowohl Jaguare, als auch Löwen und Tiger töten immer wieder teils recht große Kaimane, bzw Krokodile, um diese zu fressen, auch wenn es auf den ersten Blick äußerst ungewöhnlich erscheint, dass ein teilweise recht großes und auch nicht ungefährliches anderes Raubtier als Beutetier gewählt wird.

Hier sieht man noch ein Photo eines rekonstruierten Schädels aus der Ausstellung:

Schädel von Batrachotomus 

Die verschwundenen Großleguane Ozeaniens

Dienstag, Januar 8th, 2008

Die Inselwelt Ozeaniens weißt heute praktisch keine großen Tiere mehr auf, allerdings gab es noch vor relativ kurzer Zeit eine ganze Reihe teilweise sehr spekatukulärer Arten von größeren Vögeln, Reptilien und Amphibien, die allerdings teilweise erst in den letzten 2000 Jahren den menschlichen Kolonisten zum Opfer fielen. Hier möchte ich mich nun den beiden ausgerotteten großen Leguanen Lapitiguana impensa und Brachylophus gibbonsi widem. Über beide findet man leider nur sehr wenige Informationen im Internet,  und auch die entsprechenden wissenschaftlichen Artikel geben anhand der nur sehr fragmentarischen Funde bloß wenig her. Dennoch habe ich mich bemüht, alles wissenswerte zusammenzutragen. Das ganze stammt eigentlich aus einem größeren persönlichen Projekt über ausgerottete Tiere, darum werden teilweise Tiere und Dinge  erwähnt, auf die bereits an anderer Stelle eingegangen wurde, und die nicht weiter erörtert werden.  Möglicherweise werden in Zukunft noch einige weitere Auszüge folgen.

Auf der Fidschi-Hauptinsel Viti Levu kennt man neben Fossilien der landbewohnenden Panzerechse Volia athollandersoni noch eine weitere bemerkenswerte Reptilienart, welche ebenfalls nach der Besiedlung der Insel durch den Menschen ausgerottet worden ist. Es handelte sich um einen sehr großen Leguan namens Lapitiguana impensa. Man kennt nur recht fragmentarische Fossilien dieser Reptilien, doch kann man davon ausgehen, dass es sich für Leguane um äußerst stattliche Tiere gehandelt haben muss. Die Kopf-Rumpflänge betrug etwa 50cm, die Gesamtlänge dürfte abhängig von der Schwanzlänge bei mindestens 1,5m, vielleicht sogar bei etwa 2m gelegen haben. Das ist etwa so lang wie ein durchschnittlicher Grüner Leguan, die größte rezente Art. Zwar wird für den Grünen Leguan oft eine Länge von 2m angegeben, aber tatsächlich sind die meisten Exemplare nur 1,4-1,6m lang, und nur sehr wenige erreichen tatsächlich eine Länge von mehr als 2m, wobei der Rekord bei 2,3m liegt. Da von Lapitiguana impensa nur sehr wenige Funde bekannt sind, und man praktisch nichts über ihr ursprüngliches Größenspektrum weiß, könnte es durchaus sein, dass einzelne Exemplare auch deutlich größer als 1,5m wurden, und diese Art auch ähnliche Maximalgrößen erreichte, wie der Grüne Leguan Iguana iguana. Lapitiguana impensa unterschied sich von den noch heute auf den Fidschi-und Tonga-Inseln beheimateten Kurzkammleguanen der Gattung Brachylophus durch mehrere anatomische Besonderheiten von Schädel und Wirbeln, vor allem aber durch die enorme Größe. Einige der bei Lapitiguana impensa gefundenen Merkmale sind sonst von keinem anderen Leguan bekannt, und es wird angenommen dass diese Art einer sehr ursprünglichen Linie innerhalb der Familie Iguanidae angehörte. Die genauen Verwandtschaftsbeziehungen sind nach wie vor nicht gesichert. Es wäre theoretisch möglich dass Fidschi zweimal unabhängig voneinander von Leguanen koloniesiert wurde, was allerdings eher unwahrscheinlich ist, vor allem aufgrund der Tatsache dass in ganz Ozeanien lediglich von den Fidschi-Inseln, und einigen kleinen Inseln vor Tonga Leguane bekannt sind. Diese gehören alle der Gattung Brachylophus an, zu der auch die beiden rezenten Arten gehören. Wahrscheinlicher ist, dass Lapituguana und Brachylophus einen frühen gemeinsamen Vorfahren besaßen, und sich ihre Vorfahren auf den Inseln frühzeitig auseinander entwickelten.Die Zähne von Lapitiguana sind recht typisch für einen pflanzenfressenden Leguan, und ihre Nahrung wird primär aus Blättern, Früchten und Blüten bestanden haben. Vor allem kleinere Exemplare werden allerdings sicherlich auch Insekten gefressen haben. Man geht davon aus dass Lapitiguana ein Bodenbewohner gewesen ist, und nicht wie die rezenten Fidschi-Leguane auf Bäumen lebte.Große Leguane sind an vielen Stellen ihres Verbreitungsgebietes geschätzte Leckerbissen, und sicherlich wird auch den frühen Siedlern auf Fidschi vor etwa 2800 Jahren der Geschmack von Lapitiguana zugesagt haben. Einige der Fossilien wurden sogar zusammen mit menschlichen Artefakten gefunden. Ursprünglich hatten diese Tiere außer Raubvögeln, die den Jungtieren gefährlich werden konnten, höchstens noch das Landkrokodil Volia athollandersoni zu fürchten.

Hier sieht man noch ein schönes Photo des rezenten Fidischleguan Brachylophus fasciatus von der Seite Mongobay.com:

Fidschileguan Brachylophus fasciatus

Auf der zu Tonga gehörenden Ha´apai-Inselgruppe fand man bei archäologischen Ausgrabungen auf fünf verschiedenen Inseln die Reste einer anderen großen Leguanart. Brachylophus gibbonsi war etwas kleiner als Lapitiguana impensa, und war nahe mit den modernen Fidschi-Leguan verwandt. Die Kopf-Rumpf-Länge betrug etwa 35cm, lag also größenmäßig zwischen dem Fidschi-Leguan, welcher eine Kopf-Rumpf-Länge von 16-19cm und eine Gesamtlänge von etwa 60- und 75 cm erreicht, und Lapitiguana impensa. Geht man davon aus dass Brachylophus gibbonsi ebenso langschwänzig gewesen ist wie die beiden modernen Brachylophus-Arten, könnte die Länge beinahe eineinhalb Meter betragen haben.Diese Tiere waren recht nahe mit den modernen Brachylophus-Arten verwandt, und ähneln ihnen auch in der Skelettstruktur sehr, insofern können diese zumindest bedingt herangezogen werden, um das Aussehen und Biologie dieser Tiere zu rekonstruieren. Die Gelenkenden der Gliedmaßenknochen waren bei Brachylophus gibbonsi verhältnissmäßig massiver, was aber möglichereweise einfach auf das höhere Gewicht zurück geht.Der mit 60-75cm deutlich kleinere rezente Fidschi-Leguan Brachylophus fasciatus ist ein ausgesprochener Baumbewohner, der außer zur Eiablage praktisch nie auf den Boden herab klettert, und beinahe ausschließlich in den niedrigen Wäldern nahe der Küste vorkommt. Inwieweit Brachylophus gibbonsi auf Bäumen lebte, ist schwer zu sagen. Zwar wurde schon vermutet dass es sich bei ihnen um bodenbewohnende Tiere handelte, aber immerhin verbringt selbst der große Grüne Leguan sehr viel Zeit im Geäst von Bäumen. Die Kurzkammleguane zeichnen sich durch eine außerordentlich prachtvolle grün-türkise Färbung aus, die von breiten weißen Querstreifen unterbrochen, welche bei dem erst 1979 entdeckten Brachylophus vitiensis teilweise schwarzgeränderten sind. Diese an sich auffällige Zeichnung läßt im Blattwerk ihre Konturen verwischen, und stellt in den Bäumen, wo sie auch ihre Nahrung in Form von Blättern, Früchten und Blüten finde, eine sehr gute Tarnung dar. Abhängig davon ob Brachylophus gibbonsi am Boden oder auf Bäume lebte, wird auch die Färbung entsprechend ausgefallen sein.Wie der Name schon sagt, besitzen Kurzkammleguane einen kurzen Kamm, der am Nacken entspringt und sich bis zum ersten Drittel des Schwanzes reicht, und wahrscheinlich wird auch Brachylophus gibbonsi einen solchen Kamm besessen haben.Die meisten Knochen von Brachylophus gibbonsi wurden in direkter Assoziation mit Spuren menschlicher Siedlungen gefunden, und es steht außer Frage dass diese Leguane gejagt und gegessen wurden. Die Art scheint zusammen mit verschiedenen Vögeln innerhalb kürzester Zeit nach der Erstbesiedelung ausgerottet worden zu sein, was wahrscheinlich auch mit der geringen Größe der von ihnen bewohnten Inseln in Zusammenhang stand.

Quellen:

Gregory K. PregillA and Trevor H. Worthy

A NEW IGUANID LIZARD (SQUAMATA, IGUANIDAE) FROM THE LATE QUATERNARY OF FIJI, SOUTHWEST PACIFIC

Gregory K. PregillA and David W. Steadman

South Pacific Iguanas: Human Impacts and a New Species

Bild des Tages: Männlicher Gangesgavial

Montag, Dezember 24th, 2007

Zu einem längeren Beitrag hat es leider nicht mehr gereicht, darum kann ich heute an Weihnachten auch nur ein Bild des Tages bringen. Es handelt sich dabei um einen von zwei sehr großen präparierten Gavialen aus dem Naturhistorischen Musem Wien. Das Männchen ist etwa 5m lang, also schon ziemlich groß. Sehr gut erkennt man die auf der Schauze siteznde knollenförmige Bulla, ein geschlechtsspezifisches Merkmal älterer Gangesgavialmännchen:
Gangesgavial

Arizonasaurus – das Scheinkrokodil mit dem Rückenbuckel

Mittwoch, November 21st, 2007

Neben vielen anderen sehr interessanten Modellen gab es in der Sonderausstellung des Museums am Löwentor auch eine sehr schöne Lebendrekonstruktion von Arizonasaurus. Dieser kleine Räuber der etwa so groß was wie ein Collie sieht einem Dinosaurier ziemlich ähnlich, vor allem Assiziationen an Spinosaurus dürften hier bei den meisten schnell wach werden. Tatsächlich handelte es sich aber um einen Archosaurier, genauer einen Rauisuchier. Diese Tiere zeigen wie Spinosaurus massiv verlängerte Dornfortsätze der Wirbelsäule, welche ebenfalls eine Art Bogen bildeten. Allerdings war dieser bei Arizonasaurus nicht so lang und reichte nicht so weit Richtung Kopf wie bei Spinosaurus. Über die Kontroverse welche die Frage aufbrachte, zu was diese Dinger überhaupt gut waren, und ob Spinosaurus und andere Arten wahrscheinlich viel eher eine Art schmalen Rückenbuckel als das allgemein verbreitete Segel auf den Darstellungen hatte, habe ich ja schon mal ausführlich geschrieben: http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/hatte-spinosaurus-wirklich-ein-segel-auf-dem-rucken/

Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass dieses Modell nicht mit einem dünnen Segel auf dem Rücken dargestellt wurde, sonder die Dornfortsätze Ansatzstellen für Muskeln sind.

In dieser Frontalansicht kann man das sehr schön sehen:

Seitenansicht bei der man die an den Wirbelausläufern ansetzenden Muskeln sieht

Dieser “Buckel” verdient die Bezeichnung eigentlich nicht, da er ja ziemlich schmal ist. Diese Form der Rekonstruktion sieht auch keineswegs merkwürdig aus, und absolut nicht unrealistisch, wie es ja oft der Fall ist, wenn Tiere falsch rekonstruiert werden. Das ist insofern interessant, weil die bloße Vorstellung dass Tiere wie Spinosaurus kein dünnes Hautsegel, sondern einen “Buckel” auf dem Rücken gehabt haben könnten, Unglauben auslöst, da die Vorstellungen über eine Art Quasimodo-Buckel sehr seltsam aussehen würde. Das ist aber keineswegs der Fall, wenn man wie hier von einem relativ schmalen Rückenbuckel ausgeht.

Bild des Tages: Modell eines gebärenden Ichthyosaurier

Mittwoch, Oktober 31st, 2007

Ich habe ja leider schon länger nichts mehr geschrieben, und momentan sind noch mehrere Artikel kurz vor der Veröffentlichung, daher kann ich nur ein Bild des Tages posten, ein sehr schönes Modell aus der Sonderausstellung des Löwentor-Museums in Stuttgart:

Gebärender Ichthyosaurus

Anhand einiger hervorragend erhaltener Fossilien sind der Geburtsvorgang und sogar die Embryonalentwicklung von Ichthyosauriern recht gut bekannt. Wie heutige Wale wurden sie nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Schwanz voran geboren. Ein populärer Irrtum ist übrigens, dass die Fossilien von Ichthyosauriermütter mit mehr oder weniger ausgepresstem Nachwuchs einen fossilierten Geburtvorgang zeigen. Vielmehr handelt es sich dabei um postmortale Abborte, welche auch von Walen bekannt sind. Dabei führen die Faulgase im Körper eines trächtigen Tieres zu einem Herauspressen des Nachwuchses.

Hier noch eine Kopfansicht dieses schönen Modells: