Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Vögel’ Category

Bild des Tages: Erzrabe

Sonntag, November 22nd, 2009

Da ich nun schon ziemlich lange nichts mehr geschriebe habe, dachte ich dass nun endlich mal wieder etwas Neues auf den Blog muss. Da ich schon beim letzten Beitrag über Vögel geschrieben habe, passt es vielleicht ganz gut, wenn der aktuelle Blogpost auch einen Vogel zum Inhalt hat. Es geht dabei um den Erzraben (Corvus crassirostris), eine riesige Rabenart, welche im Osten Afrikas vorkommt. Der Erzrabe erreicht eine Länge von 60-64 cm und ein Gewicht von 1,5 kg, womit er neben dem auch stellenweise bei uns heimischen Kolkraben (Corvus corax) zu den größten Rabenvögeln, und damit auch zu den größten Singvögeln der Welt zählt. Allerdings ist der Erzrabe noch weitaus auffälliger und beeindruckender als der Kolkrabe. Nicht nur der weiße Nackenbereich und die weiße Schnabelspitze einen starken Kontrast zum ansonsten pechschzwarze Gefieder darstellen, sondern vor allem auch der gewaltige Schnabel mit dem mächtigen konvex gebogenen Hornaufsatz machen diesen Vogel so auffällig, und fast unverwechselbar. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht jedoch mit dem sehr ähnlich gezeichneten und ebenfalls mit einem recht hochrückigen Schnabel ausgestattetem Geierraben (Corvus albicollis). Dieser ist mit einer Länge von 50-54 cm allerings etwas kleiner als der Erzrabe, und bewohnt auch ein viel größeres Gebiet, nämlich die komplette Südspitze Afrikas und weite Teile Ostafrikas bis in den Süden des Sudans und Äthiopiens. Dagegen ist der Erzrabe nur in einem weitaus kleineren Gebiet heimisch, welches sich über Teile Eritreas, Somalias und Äthiopoen erstreckt, und dort in Gebirgen bis in Höhen von 4000 Metern vorkommt. Ohne die genaueren Hintergründe zu kennen, wage ich an dieser Stelle mal zu behaupten, dass der Geierrabe die evolutionär gesehen ältere Art ist, und sich der Erzrabe aus dem Geierraben, bzw einer sehr ähnlichen früheren Form, entwickelt hat. Dafür sprechen nicht nur die sehr große Ähnlichkeit (eigentlich sieht der Erzrabe aus wie eine aufgeblasene Version des Geierraben), sondern auch die nur recht geringe lokale Verbreitung des Erzraben. Dieses Photo eines Erzraben habe ich im Zoologischen Museum von Kopenhagen gemacht:

Erzrabe Kopenhagen

Man sieht gut den extrem ausgeprägten Schnabel:

Erzrabe

Ähnlich dem Kolkraben ernährt sich der Erzrabe ebenfalls recht opportunistisch, wobei allerdings Aas und Insektenlarven, welche er auch vor allem aus dem Dung von Huftieren aufnimmt, eine wichtige Rolle spielen. Sie fressen aber auch menschliche Abfälle und Schlachtabfälle, und allem Anschein nach sogar Getreide.

Einige hybride Hühnervögel

Montag, Oktober 12th, 2009

Hier kommen wieder ein paar Photos aus dem Jagd-und Forstmuseum in Hørsholm . Es handelt sich dabei um einige interessante Hybriden verschiedener Hühnervögel. Es ist sehr interessant, dass eine ganze Reihe von sowohl phänotypisch als auch geographisch eigentlich teils sehr unterschiedlichen Arten Hybriden bilden können. Diese können völlig unterschiedliche Ursprünge habe, beispielsweise können sie in Gefangenschaft mehr oder weniger absichtlich entstanden sein, sie können aber auch teilweise durchaus natürlich Ursprungs sein. Leider weiß ich bei den folgenden Präparaten die Ursprungsgeschichten nicht kann also beispielsweise bei diesem Hybriden eines Auerhahnes mit einer Fasanenhenne nicht sagen, ob es sich hier um ein Kreuzungprodukt aus Volierenhaltung handelt, oder um einen Bastard der in einem Gebiet entstand, in dem sowohl Auerhähne als auch die ursprünglich nicht in Europa heimischen Fasane vorkommen.

Auerhahn-Fasan Hybrid

Ein weiterer Auerhahnhybride (über den ich wegen eines Exemplares aus dem Zoologischen Institut in Tübingen schon mal kurz gebloggt habe), der aber durchaus auch in freier Natur vorkommt, ist der sogenannte Rackelhahn, eine Kreuzung aus Auerhahn und Birkhuhn:

Rackelhahn

Fasane können aber nicht nur mit Auerhähnen Nachkommen zeugen, sondern auch mit Haushühnern, wie die beiden folgenden Hybriden zeigen:

 Fasan-Huhn-Hybride

Hybrid-Fasan

Bilder des Tages: Partielle Blässhuhn-Albinos

Montag, August 3rd, 2009

Da es schon wieder Montag wird, noch ein paar Photos. War es beim letzten Mal ein Reh das zu Lebzeiten übermäßig viele Pigmente ausbildete, so kommt heute ein Photo zweier Blässhühner (Fulica atra), welche zu wenige Pigmente ausbildeten, und daher ein geschecktes Gefieder besaßen. Die beiden Präparate sind übrigens im Kreutzlinger Seemuseum, auf der Schweizer Seite des Bodensees, zu sehen. Dort gibt es auch noch diverse andere Präparate lokaler Vögel des Bodensees, einige interessante Informationen über die früheren Fischereimethoden, Nachzuchtprogramme und noch einige andere, aus zoologischer Sicht interessante Sachen.

Albino Blässhühner (3)

Albino Blässhühner

Albino Blässhühner (2)

Ein Blick ins Innere mariner Tetrapoden und warum Weichteile lügen

Sonntag, Juli 12th, 2009

Im Laufe der Evolution haben ja zahllose bereits an Land lebende Wirbeltiere wieder den Schritt zurück ins Wasser gemacht, um sich zu amphibischen oder sogar vollaquatischen Lebensformen zu entwickeln.  Zu diesem Thema gibt es im Naturkunde-Museum Berlin eine Reihe wirklich schönen Ausstellungsstücken, welche die Skelette verschiedene marine Tetrapoden in Schwimmstellung zeigen, welche zur Hälfte als Modell des lebenden Tieres dargestellt sind. Dabei sieht man nicht nur sehr gut wie sich das Skelett ins Innere eines Tieres “einfügt”, sondern man erkennt bei den Detailaufnahmen auch viele anatomischen Besonderheiten. Da die Modelle in Vitrinen ausgestellt waren, konnte ich wegen der Spiegelung leider nicht die ganzen Präparate am Stück photographieren, sondern leider immer nur teilweise. Besonders schön finde ich dieses halbseitig verkleidete Skelett eines Pinguins (entweder ein Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) oder ein Kaiserpinguin(Aptenodytes forsteri) ). Man sieht sehr schön die ringförmig um das Auge angeordneten Knochenplättchen, und auch dass die äußerliche Erscheinung des Halses völlig anders ist als die tatsächlichen skeletalen Verhältnisse. Von außen erscheint der Hals relativ kurz und gestreckt, tatsächlich ist er aber S-förmig angezogen, und kann noch deutlich nach vorne gestreckt werden.

Pinguin Skelett

Ähnliche Verhältnisse erkennt man auch bei diesem Skelett eines Seehundes (Phoca vitulina), der Hals erscheint auch hier von außen gerade zu sein, ist aber tatsächlich ebenfalls S-förmig gebogen. Diese typische Haltung des Halses ist innerhalb der Tetrapoden extrem weit verbreitet, angefangen bei Reptilien wie Leguanen und Krokodilen, bis hin zu Vögeln und den meisten Säugern, selbst wenn man es am lebenden Tier kaum vermuten würde, da das Weichgewebe oftmals keinerlei Rückschlüsse auf die Ausrichtung der Halswirbelsäule ermöglicht. Man achte auch auf das sehr lange Brustbein (Sternum) welches unterhalb des Halses an den Rippen entspringt.

Seehund Skelett

Ein anderes Bild findet man bei diesem Gewöhnlichen Schweinswal (Phocoena phocoena).  Die extrem kurzen und ineinander praktisch unbeweglichen Wirbel sind gerade nach vorne gerichtet, und ensprechen den äußeren Umrissen. Allerdings sieht man auch seh gut, dass die Umrisse des lebenden Tieres nur äußerst vage mit dem tatsächlichen Schädel übereinstimmen. Das liegt nicht nur an der Melone welche sich in der Stirnregion befindet, sondern vor allem auch an den großen Mengen an Fettgewebe, welche sich vor allem im Bereich zwischen Unterkiefer und Hals befinden. Auch das große und gut ausgebildete Zungenbein, sowie die für Schweinswale typischen kurzen stumpfen Zähne sind gut zu erkennen.

Schweinswal Skelett

Wieder andere Verhältnisse findet man bei dieser Schildkröte. Ich bin mir nicht ganz sicher um was für eine Art es sich handelt, möglicherweise war es eine Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata). Hier sind die Form des Schädels und die Form des Kopfes wie bei Reptilien üblich fast vollkommen kongruent. Es liegt kaum Weichgewebe über den äußeren knöchernen Schädelanteilen, sondern fast sofort die Haut mit den in sie eingelagerten Hornschildern. Die Halswirbelsäule ist auch hier wieder sehr interessant, wenn auch schlecht zu erkennen, denn sie ist an der Öffnung des Panzers fast rechtwinkelig nach oben gebogen, um dann in einem zweiten rechten Winkel in die mit dem Rückenpanzer verwachsene Wirbelsäule des Rückens überzugehen.

Schildkröte Skelett

Hier sieht man noch mal eine Frontalansicht des Schildkrötenschädels mit der halbseitigen Lebenddarstellung (bei der es sich vermutlich um einen Abguss handelt):

Schildkröte Schädel frontal

Mehr über die merkwürdige Divergenz zwischen der Form der Halswirbelsäule und des sie umgebenden Weichgebwebes findet man in vielen tollen Bildern und interessanten Hintergrundinformationen auch auf Tetrapodzoology und Sauropod Vertebra of the Week:

http://scienceblogs.com/tetrapodzoology/2009/05/sauropods_held_necks_erect.php

http://svpow.wordpress.com/2009/05/31/necks-lie/

Bild des Tages: Oberarmknochen heimischer Vögel

Mittwoch, Juli 8th, 2009

Als kleine Fortsetzung des letzten Bildes wollte ich hier mal ein Photo zeigen, dass ich vor einiger Zeit in der Sonderausstellung des Botanischen Museums in Berlin gemacht habe. Dieses wirklich recht interessante Museum liegt direkt am Botanischen Garten in Berlin, und ist das größte seiner Art in ganz Europa, und wer sich nur ein kleines bisschen für Pflanzen interessiert, der sollte das Museum und natürlich erst recht die Park-und die riesigen Gewächshausanlagen bei Gelegenheit unbedingt anschauen. Als ich dort war, gab es gerade eine kleine Sonderausstellung über verschiedene archäologische Funde welche in Zusammenhang mit Jagd, Landwirtschaft, Fischerei und Holznutzung im vorindustriellen Berlin und Brandenburg. Dabei waren ein paar tolle Stücke, etwa ein großes Schädelfragment eines Auerochsen, oder Knochenplatten eines großen Störs. Es gab auch ein paar sehr schöne Schauvitrinen, in denen einzelne Knochen verschiedener Tiere verglichen wurden, etwa die Humeri, also Oberarmknochen, verschiedener Vögel. Das war vor allem insofern beeindruckend, als dass diese selbst bei einigen unserer heimischen Vögel erstaunliche Größen erreichen:

Vogel Humeri

Leider ist hier kein Größenvergleich möglich gewesen, aber gerade die Humeri von Höckerschwänen, Kranichen und Großtrappen sind schon wirklich imposant.

Ein Schwan zum ersten Mai

Sonntag, Juli 5th, 2009

Dieses Jahr war ja am ersten Mai recht gutes Wetter, darum hatte ich beschlossen mit einigen Bekannten zu einem in der Nähe gelegenen Baggersee zu gehen. Da dieser teilweise Naturschutzgebiet ist, konnte ich dort eine Reihe von interessanten Tieren wie etwa Kaulbarschen im Flachwasser der Uferzone, diverse Libellen, Schmetterlinge, Frösche und Kaulquappen sehen. Besonders interessant fand ich aber den großen Höckerschwan, der ans Ufer gekommen war um sich füttern zu lassen. Da der Baggersee und seine Ufer vor allem im Sommer und Frühjahr recht stark frequentiert werden, hat der Schwan über die Zeit gelernt, dass dabei häufig der eine oder andere Bissen für ihn abfallen kann, und zeigte daher auch praktisch keinerlei Scheu.

 PICT1270

Man macht sich selten bewußt, dass die auch bei uns heimischen Höckerschwäne zu den größten flugfähigen Vögeln überhaupt gehören, und dahingehend trotz ihrer oft sogar in urbanen Gebieten häufigen Verbreitung, schon etwas wirklich besonderes sind. Durch ihren extrem langen Hals erreichen sie auch eine äußerst beachtliche Länge von teilweise mehr als eineinhalb Metern. Wie lang der Hals wirklich ist, erkennt man vor allem, wenn sie ihn einmal komplett ausstrecken. Wie bereits erwähnt, war es der erste Mai, daher ließen es sich diverse Bekannte nicht nehmen den Schwan zu streicheln. Zum Glück war dieser schon ziemlich an Menschen gewöhnt, und zu meinem großen Erstaunen hat er noch nicht einmal den Versuch gemach, etwas dagegen zu machen… Dabei sind mir aber ein paar schöne Photos gelungen.

PICT1276

Der Hals bei Schwänen ist wirklich extrem lang, denn sie weiden vor allem halb schwimmend, halb untergetaucht Unterwasserpflanzen ab. Man muss sich auch vor Augen halten, dass der eigentliche Hals sogar noch deutlilch dünner ist, denn die Federn lassen ihn noch deutlich voluminöser erscheinen, als er wirklich ist. Überhaupt besitzen viele Vögel, denen es man mit Befiederung gar nicht ansieht, einen geradezu absurd dünnen Hals. Man sieht auf dem Photo auch dass  man bei Schwänen wie bei vielen anderen Vögeln auch direkt von einem Nasenloch durch das andere hindurch sehen kann, da hier keine Nasenscheidewand wie bei uns vorhanden ist. Man sieht auch sehr gut den großen namensgebenden Höcker. Eine weitere Anpassung an das Abweiden von Pflanzen ist der breite und vorne stumpfe Schnabel mit den zahlreichen parallelen Rillen an den Rändern, welche das Abreißen von Pflanzen erleichtern.

PICT1279

Bild des Tages: Tukan-Schädel

Sonntag, Mai 24th, 2009

Heute gibt es nur ein Bild des Tages. Es handelt sich dabei um den Schädel einer nicht näher bestimmten Tukan-Spezies. Das Bild stammt übrigens aus der Darwin-Sonderausstellung des Humboldt-Museums in Berlin:

Tukan-Schädel

Wenn man genau hinsieht, kann man im vorderen Teil des Schnabels auch die nach vorne gerichteten Zacken der Hornschneiden sehen.

Der erstaunliche Helmkasuar

Freitag, Mai 15th, 2009

Als ich vor einiger Zeit im Zoologischen Garten in Berlin gewesen bin, hatte ich dort die Gelegenheit, einen Helmkasuar (Casuarius casuarius)einmal aus allernächster Nähe zu beobachten, als dieser sich gerade nahe des Zaunes im Außengehege befand. Vor einigen Jahren habe ich bereits einen im Zoo Schönbrunn bei Wien gesehen, allerdings war dieser ständig in Bewegung, und nur ganz kurz nahe des Zaunes, so dass ich auch keine guten Photos machen konnte. In Berlin dagegen war es mir dann zum Glück möglich einige Bilder zu machen, die größtenteils recht passabel sind, und einige interessante Details zeigen. Mit am Auffälligsten ist natürlich der namensgebende “Helm” auf dem Kopf. Üblicherweise kann man lesen, dass dieser im dichten Unterholz als Schutz für den Kopf dient, aber so weit ich weiß, handelt es sich dabei auch nur um eine populäre Vermutung, und keine erwiesene Tatsache. Vielleicht hat er aber auch tatsächlich primär einen dekorativen Zweck, vergleichbar den großen Schädelauswüchsen die man bei Nashornvögeln findet. Dazu würde auch der äußerst prächtig gefärbte Kopf und Hals passen.

pict0112

Ich habe hier extra mal noch ein Photo eingefügt, dass den Hals und Kopf noch von hinten zeigt. Wie man sieht verläuft im Nacken ein Streifen stark geblähter und gefalteter Haut. Hier werden zweifellos Parallelen zum Truthahn sichtbar (nachzulesen im vorigen Blogpost), allerdings unterscheiden sich Helmkasuare in dieser Merkmal vor allem insofern von Truthähnen, als dass bei ihnen beide Geschlechter die auffälligen Farben tragen, und sich auch sonst außer in der Größe äußerlich nicht unterscheiden.

pict0116

Über den Helmkasuar, wie auch die beiden anderen Kasuare, den Einlappenkasuar (Casuarius unappendiculatus) und den Bennett-Kasuar (Casuarius bennetti) gäbe es jede Menge zu schreiben, etwa über ihre teils recht seltsame Verbreitung, die damit in Zusammenhang steht, dass sie schon früh vom Menschen weiterverbreitet wurden. Oder über ihre Schwimmfähigkeit und die Fortpflanzung. Ich möchte hier aber primär nur auf einige besondere anatomische Details des Helmkasuars eingehen. Die Kasuare sind nach Strauß und Emu die größten rezenten Vögel der Erde, und erreichen Gewichte bis etwa 70kg. Ihre Flügel sind sehr stark zurückgebildet, aber sie zeigen doch einige interessante Merkmale. Während beim Strauß die Schwungfedern zu den bekannten großen buschigen Federn ausgebildet sind, die sowohl beim Imponieren als auch beim Rennen zum Balancieren dienen, sind sie bei dem näher mit den Kasuaren verwandten Emus zwischen dem restlichen Federkleid praktisch gar nicht zu sehen. Auch bei den Kasuaren sieht man nicht viel von den eigentlichen Flügeln, doch zwischen den glänzend schwarzen und fellartigen Federn ragen im Bereich der verkümmerten Schwingen einige merkwürdige Gebilde heraus, die wohl einzigartig innerhald der Vogelweld sind. Man kann es auf diesem, wie auch auf dem folgenden Bild eigentlich ganz gut sehen, es wachsen ein paar sehr lange, und vollkommen ungeschweifte Federkiele an den Flügeln der Kasuare. Ob diese irgendeinen praktischen Nutzen haben, oder auch nur “zur Dekoration” dienen, ist mir aber leider völlig unbekannt.

pict0113

Ebenfalls äußerst interessant sind die riesigen inneren Krallen welche die Kasuare an zwei ihrer Zehen tragen. Anders als die sichelförmigen und spitzen Krallen der Seriemas über die ich ein paar Einträge zuvor geschrieben habe, sind sie beim Kasuar nur sehr mäßig gekrümmt, und scheinen sich an der Spitze auch flach am Boden abzuschleifen. Kasuare benutzen diese Krallen als äußerst gefährliche Waffen, und sie sind durchaus in der Lage, damit einen Hund, ein Schwein oder sogar einen Menschen schwer zu verletzen oder gar zu töten. Aufgrund ihrer Gefährlichkeit werden von den papuanischen Eingeborenen die von kleinauf wie Haustiere großgezogenen Kasuare auch ab einer gewissen Größe in kleine Gehegen gehalten. Diese Vögel stellen teilweise immer noch enorme Prestigeobjekte dar, die ein äußerst hohes Wertpotential besitzen. Durch den hohen Handelswert ist es wohl auch zu erklären, dass diese Vögel auch in Gebieten zu finden sind, in denen ihr Vorkommen aus rein biogeographischer Sicht nur schwer zu erklären ist.

pict0114

Wer einmal die Gelegenheit hat einen Kasuar in einem Zoo oder Vogelpark aus der Nähe zu betrachten, der sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, und sich diese ebenso imposanten wie exotischen Vögel einmal genauer ansehen.

Interessanter als gedacht, der Haustruthahn

Montag, Mai 11th, 2009

Abgesehen von Hühnern kann man sich wohl kaum einen langweiligeren Vogel vorstelln als den Truthahn (Meleagris gallopavo), vielleicht noch abgesehen von Tauben und Spatzen. Wie bei den allermeisten anderen Lebewesen auch, stellt sich bei genauerer Betrachtung aber heraus, dass Truthähne keineswegs langweilig sind, sondern viel mehr in vieler Hinsicht äußerst spektakulär. Ungeachtet der Tatsache dass allein in Deutschland täglich tausende dieser Tiere geschlachtet werden, um dann auf mehr oder weniger delikate Weise zubereitet zu werden, handelt es sich um wirklich erstaunliche Tiere, die eine Menge Interessantes bereithalten. Viele Menschen haben im Zweifel noch nicht einmal einen richtigen Truthahn gesehen, sondern bestenfalls das oftmals vollkommen fade und relativ geschmacksneutrale Brustfleisch der domestizierten Haustruthähne auf den Teller bekommen (mal als kleiner Tipp nebenbei, die Keulen schmecken weitaus besser und interessanter als das trockene Brustfleisch). Da diese Tiere in regelrecht industriellem Maßstab hochgezüchtet werden, bekommt man sie auch kaum jemals zu sehen. Die auf maximalen Fleischertrag gezüchteten Sorten erreichen teilweise Gewichte von bis zu 25kg, womit sie zu den größten Vögeln überhaupt zählen. Allerdings werden die allermeisten von ihnen niemals so schwer, da sie noch während ihrer Jugendzeit geschlachtet werden, um die Futterverwertung und den Fleischgewinn möglichst wirtschaftlich zu nutzen. Bei manchen dieser Hochleistungssorten ist der Brustbereich so groß gezüchtet worden, dass die Männchen Schwierigkeiten bei der Paarung haben, und daher Paarungen nur noch durch künstliche Befruchtung möglich sind. Neben diesen üblicherweise komplett weiß befiederten Hochzuchtrassen gibt es aber auch noch eine ganze Reihe anderer Zuchtlinien, die sich vor allem in der Färbung des Gefieders, aber auch der Größe unterscheiden. Diesen schwärzlich schimmernden männliche Truthahn habe ich im Gehege eines Kleintierzüchtervereins photographiert.

truthahn-3

truthahn

Was neben den seltsam breiten, und beihan wie Dachziegel wirkenden Federn besonders auffällt, ist der völlig unbefiederte Hals und Kopf. Die grell gefärbte Haut ist aufgetrieben und faltig, ganz ähnlich wie bei Kasuaren. Besonders seltsam ist der schon beinahe rüsselartig verlängerte Hautlappen der Hähne, der vom Schnabelansatz aus nach unten hängt.

truthahn-4

Bei den Hennen sind Hals und Kopf ebenfalls unbefiedert, allerdings in weit weniger spektakulärem Maße auffällig, denn sie besitzen weder die bunten Farben der Hähne, noch die massiv ausgeprägten Hautlappen und -blasen.

truthahn-6

Wie bereits erwähnt, erreichen einige Hochzuchtrassen Gewichte bis zu einem halben Zentner, aber auch bei den ursprünglicheren Schlägen sind 10kg durchaus nicht ungewöhnlich. Unter den tausenden von Vogelarten erreichen nur sehr wenige eine vergleichbare Masse. Besonders wenn die Hähne ihre Federn sträuben,  wirken wirklich riesig. Der Truthahn war auch eines der wenigen Tiere, die in Südamerika domestiziert, und auch in Europa eingeführt wurden. Meerschweinchen wurden dagegen bekanntlich bei uns fast ausschließlich zu echten Heimtieren (abgesehen von jenen die das Pech haben als Labor-oder Futtertiere gezüchtet worden zu sein), während Lamas auch primär nur von Liebhabern gehalten, und nur extrem lokal als echtes Nutztier gezüchtet werden. Lediglich die Moschusente, welche die Stammform der Warzenente ist (in der Gastronomie als Flug-oder Barbarie-Ente vertrieben), erlebte eine ähnliche Verbreitung, wenngleich sie auch nicht in den riesigen Massen gezüchtet wird wie Truthähne.

truthahn-5

 Die Haustruthähne sind in der Regel relativ unauffällig in Bezug auf die Farbe, die Hochzuchtrassen sind in der Regel weiß, andere entweder wie im obigen Beispiel schwärzlich, oder haben ein aus Braun-, Schwarz- und Weißtönen bestehendes Gefieder. Teilweise zeigen die Federn dabei noch einen gewissen metallischen Glanz, vielfach ist dieser aber völlig verloren. Man würde daher kaum vermuten, wie enorm farbenprächtig wilde Truthähne sind. Dabei stehen sie selbst vielen Fasanen nur unwesentlich nach, wie man auf den beiden folgenden, von Wikipedia stammenden, Photos sieht.

Interessant ist auch der auffällige lange “Schweif” an der Brust von wilden Truthähnen. Er kommt promär bei den Männchen vor, aber auch bei etwa 10% der weiblichen Tiere. Übrigens gab es durchaus schon Versuche, wilde Truthähne in Europa anzusiedeln, allerdings waren diese Auswilderungen kaum erfolgreich.

Der “normale” Truthahn ist aber keineswegs der einzige, und trotz seiner erstaunlichen Farbenpracht noch nicht einmal der auffälligste Vertreter seiner Gattung. Der im Gebiet der mittelamerikanischen Halbinsel Yucatan lebende Pfauentruthahn Meleagris ocellata bleibt deutlich kleiner als sein nördlicher Vetter, ist aber dafür sogar noch bunter und schimmernder. Die beiden Arten wurden einmal in zwei verschiedene Gattungen gestellt, allerdings können Truthahn und Pfauentruthahn fruchtbaren Nachwuchs miteinander hervorbringen, was klar zeigt, dass sie relativ eng miteinander verwandt sind. Das erste Bild stammt aus dem Zoologischen Garten in Berlin, während das zweite von Wikipedia ist.

pfauentruthahn

Bild des Tages: Die Killerkrallen der Seriemas

Donnerstag, April 16th, 2009

Ein Seriema, genaugenommen ein Rotfuß-Seriema (Cariama cristata ) ist ja schon mal als Bild des Tages gepostet worden, damals handelte es sich um ein Exemplar aus dem Zoo Schönbrunn nahe Wien. Ich möchte hier jetzt auch gar nicht näher auf die Stammesgeschichte und verwandtschaftlichen Beziehungen (nur für alle die es nicht wissen, Seriemas sind vermutlich die nächsten lebenden Verwandten der räuberischen Phorusrhaciden) eingehen. Diese neuen Bilder stammen übrigens aus dem Zoologischen Garten Berlin:seriema-kopf

Dieses Mal möchte ich aber etwas näher auf ein besonderes anatomisches Detail eingehen, nämlich die Zehenkrallen der Seriemas. Diese Vögel leben ja ganz ähnlich wie Sekretäre vorwiegend in offenen Landschaften, und gehen zu Fuß auf Jagd nach kleinen Echsen, Schlangen, Nagern und größeren Insekten, manchmal auch kleinen Vögeln. Zwischen dem Sekretär und dem Seriema bestehen eine ganze Reihe sehr interessante Parallelen von Körperbau und Verhalten, etwa auffällige Federn am Kopf. Was mir aber erst auffiel, als ich einen Seriema aus nächster Nähe durch das Gitter seiner Voliere beobachten konnte, sind die ungewöhnlichen Zehen. Während der Sekretär mit allen seinen Zehen auftritt, inklusive der bei ihm für einen Greifvogel extrem verkürzten hinteren Kralle, läuft der Seriema primär nur auf zwei, oder vielleicht besser ausgedrückt zweieinhalb Zehen.

Dabei ist weniger auffällig dass die hintere Kralle soweit oben angesetzt ist, dass sie den Boden nicht berührt, sondern dass der erste innere Zeh stark verkürzt ist. Und im Gegensatz zu den beiden anderen vorderen Zehen trägt er auch keine kurzen, stumpfen Krallen, die ständig am Boden abgeschliffen werden, sondern eine recht große gebogene Sichelkralle, die so nach oben gestellt ist, dass sie keinen Bodenkontakt hat.

 seriema-krallen

Diese Ausbildung der Zehen und Krallen erinnert verblüffend an jene bei den Dromeosauriern, zu deren berühmtesten Vertretern zweifellos der Velociraptor gehört (dank Jurassic Park wurde dieser Räuber, der ja gerade mal so groß war wie ein großer Truthahn, weltweit als brutale Killermaschiche bekannt). In den Krallenproportionen kommen die Krallen des Seriemas zwar nicht an jene der großen Dromeosaurier wie Deinonychus, Dromeosaurus oder gar des riesigen Utharaptor heran, sondern entspricht eher jener des kleinen Troodon, aber in jedem Fall ist sie bemerkenswert. Die Beweglichkeit der Kralle und vielleicht auch ihr Einsatz unterscheiden sich möglicherweise von jenen der erstgenannten großen Räuber, aber der nicht gerade waffenstarke Troodon könnte seine Krallen bei der Jagd auf Kleintiere durchaus ähnlich eingesetzt haben, wie die lebenden Seriemas. Wie genau diese das tun, weiß ich allerdings auch nicht, aber es wäre sich einmal interessant, das Jagdverhalten unter spezieller Berücksichtung der Sichelkrallen zu untersuchen.