Ein Schwan zum ersten Mai

Dieses Jahr war ja am ersten Mai recht gutes Wetter, darum hatte ich beschlossen mit einigen Bekannten zu einem in der Nähe gelegenen Baggersee zu gehen. Da dieser teilweise Naturschutzgebiet ist, konnte ich dort eine Reihe von interessanten Tieren wie etwa Kaulbarschen im Flachwasser der Uferzone, diverse Libellen, Schmetterlinge, Frösche und Kaulquappen sehen. Besonders interessant fand ich aber den großen Höckerschwan, der ans Ufer gekommen war um sich füttern zu lassen. Da der Baggersee und seine Ufer vor allem im Sommer und Frühjahr recht stark frequentiert werden, hat der Schwan über die Zeit gelernt, dass dabei häufig der eine oder andere Bissen für ihn abfallen kann, und zeigte daher auch praktisch keinerlei Scheu.

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Man macht sich selten bewußt, dass die auch bei uns heimischen Höckerschwäne zu den größten flugfähigen Vögeln überhaupt gehören, und dahingehend trotz ihrer oft sogar in urbanen Gebieten häufigen Verbreitung, schon etwas wirklich besonderes sind. Durch ihren extrem langen Hals erreichen sie auch eine äußerst beachtliche Länge von teilweise mehr als eineinhalb Metern. Wie lang der Hals wirklich ist, erkennt man vor allem, wenn sie ihn einmal komplett ausstrecken. Wie bereits erwähnt, war es der erste Mai, daher ließen es sich diverse Bekannte nicht nehmen den Schwan zu streicheln. Zum Glück war dieser schon ziemlich an Menschen gewöhnt, und zu meinem großen Erstaunen hat er noch nicht einmal den Versuch gemach, etwas dagegen zu machen… Dabei sind mir aber ein paar schöne Photos gelungen.

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Der Hals bei Schwänen ist wirklich extrem lang, denn sie weiden vor allem halb schwimmend, halb untergetaucht Unterwasserpflanzen ab. Man muss sich auch vor Augen halten, dass der eigentliche Hals sogar noch deutlilch dünner ist, denn die Federn lassen ihn noch deutlich voluminöser erscheinen, als er wirklich ist. Überhaupt besitzen viele Vögel, denen es man mit Befiederung gar nicht ansieht, einen geradezu absurd dünnen Hals. Man sieht auf dem Photo auch dass  man bei Schwänen wie bei vielen anderen Vögeln auch direkt von einem Nasenloch durch das andere hindurch sehen kann, da hier keine Nasenscheidewand wie bei uns vorhanden ist. Man sieht auch sehr gut den großen namensgebenden Höcker. Eine weitere Anpassung an das Abweiden von Pflanzen ist der breite und vorne stumpfe Schnabel mit den zahlreichen parallelen Rillen an den Rändern, welche das Abreißen von Pflanzen erleichtern.

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6 Antworten zu Ein Schwan zum ersten Mai

  1. Panzer-General sagt:

    Bei Schwänen kann dies aber nach hinten losgehen. Ich habe schon mehrmals erlebt, dass sich Schwäne anfüttern und streicheln lassen. Aber wenn man plötzlich aufhört zu füttern werden diese rabiat und fangen an zu beissen und gehen teilweise sogar auf die Leute los.

    Man glaubt gar nicht, wie viel Kraft diese Vögel besitzen. Und mit den Schnäbeln können diese durchaus ziemlich blutende Wunden in die Haut ritzen.

  2. Cronos sagt:

    Ja, darum habe ich meinem Bekannten auch mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass er das lieber lassen sollte, aber wie gesagt, es war erster Mai (man achte auf die Bierflasche im rechten Rand des einen Photos…), und er ließ es sich nicht ausreden. Ist aber zum Glück nichts passiert, der Schwan war ganz friedlich.

  3. Sven sagt:

    Auch mein (leider bereits verstorbener) Hund hat sich mehr als einmal mit Schwänen angelegt und ging nie als Sieger hervor. Und das war ein Neufundländer!

  4. Lars sagt:

    Auf meinen Recherchen bin ich auf diesen schönen Artikel und Blog gestoßen. Sehr interessant!
    Ich habe zwei Fragen zu Höckerschwänen:
    – Wieviele Halswirbel haben sie und unterscheidet sich die Anzahl bei unterschiedlichen Vögeln überhaupt?
    – Ist die Tatsache, dass Höckerschwäne im Gegensatz zB zum Singschwan keine Zugvögel sind ein relativ „neues“ Phänomen, das auf die Anwesenheit des Menschen zurückzuführen ist? (zB durch das Vorhandensein nicht zufrierender Gewässer, energiereiche Nahrung durch Fütterung oder ähnliches)
    Kannst du mir da weiterhelfen?
    Vielen Dank und Grüße!

  5. Markus Bühler sagt:

    Der Höckerschwan hat 22-25 Halswirbel, was schon ziemlich viel für einen Vogel ist, die meisten haben so ungefähr 14 oder 15. Die allermeisten Halswirbel hat allerding der Trauerschwan, mit 31 Halswirbeln. Anders als bei Säugetieren, die mit wenigen Ausnahmen üblicherweise sieben Halswirbel haben, kommen bei Vögeln sehr variable Halswirbelzahlen vor.
    Höckerschwäne in unseren Breiten sind tatsächlich keine Zugvögel, aber in weiter nördlich gelegenen Gebieten wie etwa Skandinavien ziehen sie im Winter tatsächlich nach Süden. Inwiefern sich hier in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten die Dinge geänert haben, vermag ich aber nicht zu sagen. Allerdings denke ich dass die Höckerschwäne, wenn nicht gerade extreme Kälteperioden herrschten, schon immer recht gut im mitteleuropäischen Winter zurechtkamen.

  6. Lars sagt:

    Vielen Dank! Das hilft mir sehr weiter. Ich befasse mich gerade mit der Anatomie von Höckerschwänen und habe tatsächlich als Referenz des Skeletts nur ein Foto eines Trauerschwanskeletts, das ich anatomisch für annähernd gleich hielt.
    Zu den Halswirbeln von Säugetieren fällt mir ein interessanter Artikel über Faultiere ein. Bei ihnen hat sich scheinbar einen anderen Knochen zu einem weiteren „Wirbel“ umgebildet:
    „[…] So it seems that the sloth’s extra neck vertebra has, in a strange quirk of embryology, been modified from the ribcage. […]“
    http://www.newscientist.com/article/dn19600-zoologger-the-slowmoving-mystery-of-the-sloths-neck.html
    Nochmals Danke für die schnelle Antwort auf meine Fragen.

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