Arapaima gigas – wie groß wird er wirklich?

Im Laufe vieler Jahre des Studiums von Fachliteratur und Dokumentationen über Tiere fiel mir immer wieder auf, dass für viele Tiere, insbesondere Fische, oftmals Größen angegeben werden, die weit über den tatsächlich verbürgten Rekorden liegen. Bei genauerer Recherche hat sich tatsächlich in vielen Fällen herausgestellt, dass die allgemein verbreiteten Angaben über vermeintliche Maximalgrößen in vielen Fällen nichts als vom Hörensagen übernommenes Anglerlatein sind, das vorbehaltlos seinen Weg in die Literatur gefunden hat, und dort über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte ungeprüft weiter verbreitet wurde, ohne dass sich jemals jemand Gedanken darüber gemacht hat, ob die Angaben denn überhaupt stimmen können. In diesem ersten Post möchte ich mich dem Arapaima gigas widmen, und in späteren Posts auch noch verschiedenen anderen Arten. Für alle die nicht wissen was ein Arapaima überhaupt ist, empfehle ich eine kurze Google-suche, das macht mehr Sinn als wenn ich mich hier über das Aussehen, die (sehr interessante) Biologie und das Verbreitungsgebiet dieser Art auslasse, wo es doch andernorts schon viel ausführlicher nachzulesen ist. Zumindest eine kurze Beschreibung sei hier allerdings schon angebracht. Der Arapaima ist ein südamerikanischer Fisch aus der Familie der Knochenzüngler. Er hat einen langestreckten, im hinteren Teil seitlich abgeplatteten Körper, und ein sehr weit aufsperrbares breites Maul.

Farblich zählt er zweifellos zu den schönsten Riesenfischen des Süßwassers, und kombiniert verschiedene  Grün-, Braun-, Grau-und Schwarztöne mit einem oftmals tiefroten Muster darauf. Hier sieht man recht gut die Farben eines etwa 30 kg schweren Arapaima aus dem Dream-Lake in Chiang Mai (Thailand) das mir Nathan Wardle freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat:

30kg+ Arapaima aus dem Dream-Lake Chiang Mai

Hier sieht man ein Präparat eines deutlich größeren, aber leider ziemlich ausgebleichten Arapaima aus dem Naturhistorischen Museum in Wien:

Arapaima gigas

Wenn man in Bücher über den Arapaima liest, oder auch in Fernsehdokumentationen die Sprache auf ihn kommt, heißt es beinahe immer, dass er der größte Süßwasserfisch der Welt ist, und Längen von 4,5m bei einem Gewicht von 200kg erreichen kann.

Tatsächliche Bilder von solchen Giganten bekommt man allerdings nie zu Gesicht. Vorweggenommen sei auch, dass diese Tiere keineswegs die größten Süßwasserfische sind, um welche Arten es sich dabei aber handelt, und warum die Antwort auf die Frage nach dem größten Süßwasserfisch nicht ganz einfach zu beanworten ist, soll in einem späteren Post folgen.

Wenn man im Internet nach Bildern vom Arapaima sucht, wird man einige erstaunliche Photos von mehr als mannsgroßen Riesenfischen finden, von denen einige deutlich über der Zweimetermarke liegen, aber nie wird man einen finden, der auch nur annäherungsweise in die Nähe der proklamierten 4,5m kommt. Nun stellt sich vielleicht die Frage, woher diese Angabe überhaupt stammt. Die Anwort ist ebenso entlarvend wie beschämend, wenn man bedenkt dass seit über einem Jahrhundert Behauptungen als Tatsachen dargestellt werden, die nie irgend jemand bewiesen hat. Die Angaben stammen  von dem Naturforscher Schomburgk (nicht zu verwechseln mit dem bekannten Forschungsreisenden Hans Schomburgk, der 1880-1967 lebte), der 1836 über seinen Besuch in Guyana schrieb, dass der Arapaima eine Länge von 4,5m und ein Gewicht von 200 kg erreichen soll. Aber hat Schomburgk jemals einen solchen Fisch mit eigenen Augen gesehen oder gar vermessen? Die Anwort lautet nein, Schomburgk hatte diese Angaben auch nur vom Hörensagen, welches von den Eingeborenen stammte. Das hinderte aber Generationen von Autoren und Zoologen nicht daran, dies als Tatsachen zu übernehmen, und kaum jemand hat jemals daran gezweifelt, dass dies nicht so sei, obwohl kein einziger solcher Riesefisch jemals bekannt wurde. Einer der sich Gedanken darüber gemacht hat, war Karl-Heinz Lüling, der sich mit diesem Fisch auch in dessen natürlichen Lebensraum befaßt hat, und wichtige Beiträge über die Biologie dieser Art leistete.
Er fand heraus, dass der größte bekannte Arapaima tatsächlich „nur“ eine Länge von 2,32m hatte, und 133kg wog. Nun ist der Arapaima ein sehr stark befischter Fisch, bei dem übermäßige Fangzahlen auch zu einer negativen Selektion führen, und viele Fische gefangen werden, bevor sie ihre Maximalgröße erreichen können. Dennoch sollte sich unter den vielen Millionen Arapaimas die über die Jahre gefangen wurden (bei einer einzigen Untersuchung wurden einmal die Mägen von nicht weniger als 5000 Exemplaren untersucht), auch ab und an einer befunden haben, der in abgelegeneren Gebieten lebte, und zu seiner vollen Größe auswachsen konnte, bevor ihn irgendein Fischer mit einer Leine oder einer Harpune aus dem Wasser gezogen hat. Dazu muss man sich auch vergegenwärtigen, dass der Arapaima ein sehr schnell wachsender, und auch nicht übermäßig alt werdender Fisch ist. Er bewohnt ein riesiges Gebiet, und es ist keineswegs so, dass er überall vollkommen überfischt ist. Zudem führt die fortschreitende Abholzung und Urbarmachung des südamerikanischen Regenwaldes dazu, dass Menschen immer tiefer in den Dschungel eindringen, auch in Gebiete in denen noch zuvor jemand gewesen ist. Zumindest an solchen Stellen müßte man auf Exemplare stoßen, welche lange ungestört wachsen konnten, und auch zumindest teilweise nahe der biologischen Maximalgröße wären. Tatsächlich dürfte das auch so sein, nur sind auch die dort gefangenen Arapaimas nie auch nur annäherungsweise an den oft verbreiteten 4,5m. Würden diese Tiere tatsächlich so groß werden können, dann hätte man längst irgendwo Exemplare gefangen, welche wenigstens einigermaßen in diesem Größenbereich lägen. Dass unter den Millionen, teilweise auch in vormals unberührten Gebieten Südamerikas gefangenen Arapaimas aber selbst der allergrößte wirklich dokumentierte nur etwa die Hälfte der angegebenen Länge hatte, und damit schon deutlich über dem Durchschnitt lag, sollte eigentlich schon gewisse Zweifel aufkommen lassen, ob diese Angaben tatsächlich stimmen. Seltsam ist dass diese Angaben so lange immer wieder kopiert wurden, ohne die tatsächlich dokumentierten Rekordexemplare und Durchschnittsgrößen zu beachten.
Was auch auffallen sollte, ist das seltsame Verhältniss aus Länge und Gewicht, das Schomburgk angibt. Wer sich ein bißchen mit Fischen auskennt, der sollte bei einem Fisch mit dem Körperbau des Arapaima stutzig werden, wenn ein 4,5m langes Exemplar nur 200kg wiegen soll. Um das etwas zu verdeutlichen, möchte ich an dieser Stelle eine von mir entwickelte Vergleichseinheit einführen, die sogenannte Einmetermasse, auf die ich in Zukunft öfter mal zurückgreifen möchte. Die Einmetermasse bezeichnet die Masse, die ein Objekt, oder in diesem Fall ein Fisch, bei einer hoch-oder heruntergerechneten Länge von einem Meter haben würde. Das ermöglicht objektive Vergleiche der Proportionen von verschiedenen Objekten unterschiedlicher Größe, und aufgrund der gewählten Länge von einem Meter auch eine gut vorstellbare Größe.
In diesem Fall soll die Einmetermasse dazu dienen, die Proportionen eines Arapaima mit bekannter Länge und Gewicht mit dem vorgeblichen 4,5m-Riesen zu vergleichen.
Bei dem 2,32 langen Arapaima kommt man auf eine Einmetermasse von 10,65kg, also durchaus vergleichbar einem Hecht dieser Länge, der einen ähnlichen Körperbau wie der Arapaima hat. Aber wie sieht es nun bei 4,5m und 200kg aus? Hier kommt man auf eine Einmetermasse von gerade einmal 2,19kg. Ein Fisch mit solchen Proportionen würde aussehen wie ein Aal, im Falle eines Arapaima würde er nur aus Haut und Gräten bestehen. Mir fiel auch auf, dass bei übertriebenen Größenangaben oft viel zu geringe Gewichte für die angeblichen Riesentiere angegeben werden, und sie zu analysieren, ist in der Regel eine recht sichere Möglichkeit um ihren Wahrheitsgehalt zu erkennen.  Ein hypothetischer Arapaima mit den realistischen Proportionen würde um die 970kg wiegen…
Ich schrieb vorhin von Arapaimas die noch größer wurden als das südamerikanische 2,32m Exemplar. Da der Arapaima extrem gute Wachstumseigenschaften besitzt, und ein gutes Fleisch (hier streiten sich allerdings die Angaben) besitzen soll, wurde er in Asien in Angelteiche und teilweise sogar schon in Aquakulturen eingeführt. Unter den dortigen Bedingungen wuchsen die Fische zu teilweise enormer Größe, ein weitverbreitetes Phänomen von Fischen, die in fremden Ländern ausgesetzt werden. Das kann zum einen an verbesserten klimatischen Bedingungen liegen, oftmals liegt es aber auch an einem überreichen Nahrungsangebot, fehlender Konkurrenz und dem Fehlen artspezifischer Krankheitserreger und Parasiten, die in den angestammten Lebensräumen einen negativen Einfluss auf das Wachstum haben. Vor einigen Jahren wurde in einem thailändischen Angelteich ein übergroßes Monstrum von einem Arapaima gefangen, der 2,63m lang war, und 185kg gewogen hat, wobei man hier natürlich bedenken muss, dass es sich hier um einen echten Ausnahmefisch handelt.  Das zeigt dass diese Fische zumindest das biologische Potential besitzen, um Gewichte um die 200kg zu erreichen, und wahrscheinlich gab es zu Zeiten vor der massiven Überfischung auch in Südamerika einige über einen langen Zeitraum ungestört abgewachsene Arapaimas, die von guten genetischen Anlagen und einem reichen Nahrungsagebot profitieren konnten, und Gewichte von etwa 200kg erreichten, aber selbst diese Fische dürften nicht viel mehr als 2,70m lang gewesen sein, und die Angaben welche Schomburgk über das Maximalgewicht erhielt, dürften durchaus richtig gewesen sein könnten, wohingegen es die Indianer bei der Länge mit der Wahrheit nicht allzu genau nahmen, womöglich lag hier sogar ein Übersetzungsfehler bei den Maßeinheiten vor. Dass Schomburgk vor mehr als 169 Jahren im Dschungel besseres zu tun hatte, als die Längen-Gewichts-Verhältnisse exotischer Fische zu berechnen, kann man ihm kaum anlasten, und schließlich gab es zu jener Zeit ja auch noch kaum Vergleichsmöglichkeiten, und es sprach nichts dagegen, dass es in Südamerika tatsächlich einen bis 4,5m lang werdenden Riesensüßwasserfisch geben könnte. Einen Vorwurf machen muss man allerdings all jenen, die diese Angaben ohne jeden Zweifel weiter verbreitet haben, und es teilweise auch immer noch tun. Dazu kommt auch noch, dass es sich hier keineswegs um einen Einzelfall handelt, wenngleich auch der Arapaima eines der prominentesten Beispiele maßlos übertriebener Größenangaben ist.
Hier noch ein kleiner Vorgeschmack über Tiere, bei denen ich mich irgendwann auch noch dieser Thematik widmen möchte: Waller, Störe und Hausen, Weiße Haie, Walhaie, angebliche Riesenaale, Krokodile, Riesenkalmare.
Wanna read this article in english? Just click here: http://www.megafishingthailand.com/content/view/168/53/
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9 Antworten zu Arapaima gigas – wie groß wird er wirklich?

  1. Jens Kleuser sagt:

    Sehr geehrter unbekannter Autor (zumindest der link https://bestiarium.kryptozoologie.net/?p=6 weist keinen Verfasser auf),

    Erläutern Sie mir bitte die rechnerische Vorgehensweise zur Ermittlung der revolutionären Einmetermasse. Sollte mich jemand bitten, die Masse pro Längeneinheit zu errechnen, so würde ich folgendermaßen vorgehen: Angenommen der Arapaima ist 2,32 Meter lang und 133 Kilogramm schwer, so würde ich, um das Gewicht in Kg pro Meter zu ermitteln 133Kg durch 2,32m dividieren. Das bedeutet, der Arapaima hat ein Gewicht von 57,3 Kg/m. Ein 4,5 Meter langer Arapaima mit 200 Kg Körpergewicht hätte ein Gewicht von 44,4 Kg/m. So viel zu meinen Rechnungen. Was ist also Ihre besondere Variable oder Ihre Prämisse, um auf die im Text genannten Einmetermassen zu kommen. Ich würde mich über eine Erläuterung sehr freuen.

    Mit freundlichem Gruß Jens Kleuser

  2. Cronos sagt:

    Da haben Sie etwas falsch verstanden. Die Einmetermasse ist keine bloße Division von Gewicht pro Länge, damit kann man bei verschiedenen Größen auch keinerlei sinnvolle Vergleiche machen, da Länge und Gewicht unproportional miteinander zunehmen. Bei der Einmetermasse wird mit den vorhandenen Daten (Länge und Gewicht) jenes Gewicht berechnet, das das jeweilige Objekt oder Tier bei einer Länge von einem Meter hätte, und nicht wie viel Gewicht auf den Meter kommt. Da das Gewicht mit der dritten Potenz steigt, wirken sich schon vergleichsweise geringe Längenänderungen massiv auf das entsprechendende Gewicht aus. Um gerade das Beispiel mit dem Arapaima aufzunehmen: Ein 2,32m langer Arapaima ist genau 2,32 mal länger als ein 1m langer Arapaima. Das bedeutet aber nicht dass er auch 2,32 mal so schwer ist, eben weil das Gewicht mit der dritten Potenz zunimmt. Das genaue Vielfache läßt sich nun aber simpel berechnen. Ein 2,32m langer Arapaima wäre auch 2,32 mal so hoch und 2,32 mal so breit wie einer mit ein Meter Gesamtlänge, und im Prinzip ist die Vorgehensweise zur Berechnung des Bruchteiles genauso, wie wenn man mit einem geometrischen Körper wie etwa einem Quadrat rechnet (wer´s nicht glaubt, der möge einen Mathematiker fragen). Der 2,32m Arapaima hat ein Volumen das 2,32³ oder 2,32 X 2,32 X 2,32 mal so groß ist wie das eines 1m langen Arapaimas. Folglich ist er gerundet 12,5 mal so schwer wie ein 1m Arapaima. Da die Masse des 2,32m langen Fisch bekannt ist, kann so ganz einfach die Masse heruntergerechnet werden, und man kommt auf ein Gewicht von 10,65 kg, das dieser Arapaima haben würde, wenn er nur einen Meter groß wäre. Bei dem angeblichen 4,5m langen und 200kg schweren Riesenarapaima wird genauso verfahren, um zu berechnen was so ein Fisch wiegen würde, wenn er nur einen Meter lang wäre, und nicht wie viel Kilogramm er pro Meter auf die Waage bringt.
    Viele Leute sind sehr geneigt dazu Längenänderungen mit nur geringen Gewichtsveränderungen in Zusammenhang zu bringen, Fakt ist aber dass sich Zunahme von Länge und Masse sehr unproportional verhalten. Ein Längenzuwachs von 50% geht eben auch nicht mit einer Gewichtszunahme um das 1,5-fache einher, sondern mit dem 3,37-fachen. Mit der Einmetermasse lassen sich nun gezielt Objekte unterschiedlicher Längen miteinander in der gleichen Größenordnung vergleichen, um so exakte Differenzen in dem Länge/Gewichtsverhältniss erkennen zu können.
    Ich hoffe diese Erklärung war hilfreich.

  3. Jens Kleuser sagt:

    Hallo „Cronos“;

    Zitat: „Da haben Sie etwas falsch verstanden.“

    Nein, ich wollte das Verständnis durch meine Nachfrage erst erlangen. 😉

    Zitat: „Die Einmetermasse ist keine bloße Division von Gewicht pro Länge, damit kann man bei verschiedenen Größen auch keinerlei sinnvolle Vergleiche machen, da Länge und Gewicht unproportional miteinander zunehmen.“

    Was ich errechnet habe ist nichts anderes als das arithmetische Mittel und dieses hat sehr wohl wertvolle Anwendungsbereiche, besonders dann wenn es um Vergleicheswerte geht. Dies ist zunächst einmal unbestreitbar.
    Obwohl ich zugeben muss, dass im speziellen Fall der Länge eines Arapaima die Aussagekraft des arithmetischen Mittels begrenzt ist, weil die Wirklichkeit nicht korreckt widerspiegelt wird (schließlich stehen Länge und Masse nicht in einem linearen Verhältnis wie von mir unterstellt). Wie Sie schon erwähnten, hätte ein Arapaima mit einer Masse von 200kg und 4,5m Länge ein merkwürdiges Erscheinungsbild. Von daher stimme ich Ihnen zu, dass es richtig ist, von einer anderen Prämisse auszugehen, als ich dies mit dem linearen Zusammenhang tat. Sie gehen in dem Modell der „Einmetermasse“ nun von einem progressiven Zuwachs des Gewichtes mit zunehmender Länge aus…

    Zitat: „Ein 2,32m langer Arapaima wäre auch 2,32 mal so hoch und 2,32 mal so breit wie einer mit ein Meter Gesamtlänge“

    …aber ganz so simpel wie Sie meinen ist das auch nicht. Die Annahme liefert keinen exakten Wert, sondern ist nur eine Näherung an den „Richtigen“. Die Frage lautet also: Ist ein Arapaima, der 2,32 mal so lang ist wie ein 1m Langer Arapaima auch wirklich 2,32 mal so breit und 2,32 mal höher. Diese Annahme müsste erst durch die statistische Aufarbeitung von Fangstudien etc. empirisch nachgewiesen werden. Wäre es nicht auch möglich, dass die Gewichtszunahme aufgrund des Längenwachstums bei großen Tieren einen degressiven Verlauf hat, sprich, dass große Tiere zwar noch in die Länge wachsen, aber nicht mehr in dem Maße, also um den selben Faktor, in die Breite und Höhe wie kleinere Tiere? Wie ist das Wachstum der Organe bei Jung- und Alttieren? Et cetera…
    Aber dennoch liefert Ihre Rechnung vernünftige Näherungswerte und kann akzeptiert werden. Jedenfalls ist auf diese Art nachgewiesen, dass ein 4,5m langer Arapaima nicht nur 200kg auf die Waage bringt. Aber schließt das aus, dass nicht doch sehr große und entsprechend schwere Exemplare existieren?
    Worauf ich eigentlich vielmehr hinweisen wollte, ist die Tatsache, dass jedes Modell nur ein Versuch ist die Wirklichkeit abzubilden und das die Komplexität der Wirklichkeit dazu führt, dass Modelle mit Ungenauigkeiten behaftet sind, die ich bereits oben unter dem Stichwort „degressiver Verlauf der Gewichtszunahme bei großen Arapaima“ angeführt habe.
    Jedenfalls liefert die Ermittlung der Einmetermasse gute Hinweise zur Richtigkeit von Fangergebnissen und entlarvt so manche Behauptung als Flunkerei oder zeigt Messungenauigkeiten sowohl bei der Länge als auch beim Gewicht auf, um hier keinen Amazonasfischer der Lüge zu bezichtigen. 😉
    Aber der unwiderbringliche Beweis gegen die Existenz von großen Arapaima ist sie nicht. Dazu wären weitere Untersuchungen nötig.

    Dann bleibt mir nur noch Ihnen für die rasche Antwort und die Erläuterung zu Ermittlung der Einmetermasse zu danken!

    Viele Grüße Jens Kleuser

  4. Cronos sagt:

    Da es sich bei Tieren nicht einfach um Schnüre handelt, die bei doppelter Länge einfach das doppelte Gewicht haben, ist der direkte Vergleich von Masse pro Länge bei gleicher Gesamtlänge am sinnvollsten, selbst wenn bei verschiedenen Größen gewisse Proportionsunterschiede vorkommen können. Hier macht eine reine Division von Länge pro Gewicht wirklich keinen großen Sinn, schon deshalb weil die allermeisten Tiere nicht an jeder Stelle ihres Körpers den gleichen Umfang haben.
    Ich denke Sie haben bei der Einmetermasse auch immer noch nicht ganz verstanden um was es genau geht. Wenn es beispielsweise um die Einmetermasse des 2,32m langen Arapaima geht, dann zeigt das Ergebnis nicht die Masse irgendeines Arapaima, der gerade auf eine Länge von einem Meter gewachsen ist, sondern von genau diesem Exemplar, und zwar exakt. Auf diese Weise lassen sich auch individuelle Unterschiede im Körperbau gut kenntlich machsen, sogar bei Menschen, und auch erkennen, was noch im Rahmen individueller Unterschiede liegen kann, und was nicht. Das praktische bei der Einmetermasse ist ja gerade dass man individuelle Längen-Gewichtsverhältnisse exakt miteinander vergleichen kann. Es geht nicht darum wie viel ein 1m langer Arapaima wiegt, sondern darum, wie viel ein beliebig großer Arapaima mit bekannten Daten wiegen würden, wenn man ihn ohne Änderungen der Proportionen auf einen Meter schrumpfen lassen würde. Um mal ein Beispiel mit Menschen zu machen. Ein Mann mit einer Höhe von 1,90m und einem Gewicht von 90kg hat eine Einmetermasse von 13,1kg, einer von 1,60 unc 80kg kommt dagegen auf 19,5kg. Er bringt also bei gleicher Größe deutlich mehr Gewicht auf die Waage.
    Dass beim Wachstum eines Tieres gewisse Änderungen der Proportionen auftreten ist durchaus normal, in diesem Fall allerdings relativ irrelevant, da die Längen-Gewichtsverhältnisse einzelner Individuen 100% exakt nach unten skaliert werden können, ohne dass man auf Vergleichsgrößen von genau 1m langen Exemplaren angewiesen ist. Übrigens habe ich bisher eher den Eindruck bekommen, dass viele Tiere, insbesondere auch Fische, bei zunehmender Größer eher kompakter und kräftiger werden, und tatsächlich sind viele Rekordfische auch ungewöhnlich dick.
    Um noch einmal speziell auf den Arapaima zurückzukommen: Es ging mir primär einmal darum zu zeigen, dass es im Prinzip kein einziges echtes Indiz darauf gibt, dass es jemals einen 4,5m langen Arapaima gegeben hat, und dass der der eine einzige Hinweis von sehr fragwürdiger Herkunft ist. Dass die von Schomburgk angegebenen Maße zudem auch keineswegs stimmen können, macht die Sache noch zweifelhafter. Außer Schomburgk, der ja noch nicht einmal selber einen angeblichen 4,5m Arapaima gesehen hat, hat niemand anderes von Exemplaren dieser Größe gerichtet, nur haben tausende andere seine Angaben ungeprüft übernommen. Leider glauben sehr viele Leute dass viele Tiere in allen möglichen Größen existieren können, aber das stimmt nun einmal nicht, auch Tiere haben artspezifische biologische Maximalgrößen, und diese liegen oftmals weit unterhalb vieler Monstergeschichten, während die tatsächlich nachgewiesenen Rekordexemplare immer in diese Maxima passen(siehe den Eintrag über Riesenaale). Menschen neigen dazu zu übertreiben und zu überschätzen, oft sogar unabsichtlich, und die Existenz von Angler-und Jägerlatein ist ein gesichertes Faktum, die Objekte ihrer Erzählungen dagegen praktisch nie. Im Prinzip gibt es keinerlei Grund zu glauben, dass jemals ein Arapaima dieser Größe existiert hat, und bei vielen anderen Tieren, bei denen von Monster-Exemplaren berichtet wurde, verhält es sich gleich. Ich merke auch immer wieder dass der Mensch sehr geneigt ist etwas zu glauben, was er irgendwo von irgendwem ohne irgendwelche Beweise gehört hat, und seltsamerweise solche Dinge in der Regel vehement verteidigt werden, auch wenn es keinerlei Grundlage dafür gibt, und die Fakten dagegen sprechen. Mal angenommen ich würde einfach behaupten ich hätte beim Tauchen einen 5m langen Wels gesehen, dann kann das niemand nachprüfen ob das tatsächlich stimmt, egal ob ich die Wahrheit sprechen, lügen, oder schlicht und einfach einen viel kleineren Wels maßlos überschätzt hätte. Darum gebe ich persönlich inzwischen auch sehr sehr wenig auf Augenzeugenberichte von Riesentieren. Sogar Forscher die sich seit Jahren mit bestimmten Tieren beschäftigen, kommen manchmal zu sehr starken Größenüberschätzungen (was auch vielfach dokumentiert und nachgewiesen wurde), und Laien die ein solches Tier zum ersten Mal sehen, sogar in noch weitaus stärkeren Maße. Ich möchte hier nicht einmal immer bösen Willen unterstellen (was in einigen Fällen aber angebracht ist), aber ein Augenzeugenbericht, oder vom Hörensagen übernommene Daten sind nun mal praktisch nichts wert. Sogar bei manchen Riesentieren von denen Photos oder Körperteile existierten, konnte im Nachhinein nachgewiesen werden, dass sie viel kleiner waren, als ursprünglich behauptet.

    mfg

    Cronos

  5. Eckard Riemer sagt:

    Hallo an alle Schreiber, ich kenne Arapaima’s, habe sie gesehen und auch fotograriert.
    Das Foto kann angefordert werden.
    Es ist vom Fischmarkt in Manaus.
    Ich freue mich auf die Reaktion

  6. Cronos sagt:

    Das wäre wirklich interessant, mal ein paar gute Photos aus ihrem Ursprungsland zu bekommen. Ich hatte auch vor ein paar Wochen die Gelegenheit im Aquarium des Berliner Zoologischen Gartens zwei große Arapaimas zu sehen, und ich muss sagen, dass das wirklich äußerst beeindruckend war.

  7. Peter Jaeger sagt:

    Guten Tag Herr Bühler,
    ich recherchiere gerade über Arapaima gigas.
    Der Grund ist ein Artikel welchen ich für die DATZ (Deutsche Aquarien und Terrarien Zeitschrift) über Arapaima verfasse.
    Dabei bin ich auch auf diesen interessanten Artikel gestoßen. In Folge habe ich auch bereits viele Andere sehr lesenswerte Beiträge gefunden. Meinen Glückwunsch an der Stelle.
    Ich würde nun gerne ihre Berechnungsmethode „Einmetermasse“ zitieren bzw. verwenden, natürlich unter Nennung der Quelle.
    Können sie mir bitte ihr Einverständnis dafür geben.
    Lieben Gruß
    Peter Jäger

  8. Peter sagt:

    Hi wollte nur erwähnen das ich in Südamerika 3,5m Arapaima gesehen habe

  9. Markus Bühler sagt:

    Das wäre interessant – gibt es dafür auch Fotos auf welchen die Größe eindeutig erkennbar ist, und wo wurden sie gesehen?

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