Kryptide Smaragdeidechsen in Baden-Württemberg

Letztes Jahr habe ich extra einen Kurzurlaub unternommen, um die berühmten Smaragdeidechsen am Kaiserstuhl einmal mit eigenen Augen zu sehen. Bereits zu dieser Zeit hatte ich ein paar vage Berichte gehört und gelesen, dass es auch fast vor meiner Haustüre, am Spitzberg in der Nähe von Tübingen, welche geben sollte. Also mitten im Zentrum Baden-Württembergs, fernab der bekannten Populationen am Kaiserstuhl, Tuniberg und der südlichen Oberrheinebene. Photos oder offizielle Bestätigungen die das hätten verifizieren könnten, fand ich aber keine.

Daher habe ich in der beschriebenen Gegend auch immer mal wieder Spaziergänge gemacht, und -teilweise sogar mit dem Fernglas- in den Weinbergen gezielt nach Smaragdeidechsen gesucht. Gesehen habe ich aber leider nie welche, zumal ich die Möglichkeit in Betracht gezogen habe, dass es sich um Fehlidentifizierungen von männlichen Zauneidechsen (Lacerta agilis) gehandelt haben könnte, da bei diesen die typische Rückenzeichnung manchmal völlig fehlen kann, und sie dann komplett grün sein können.

Ein Freund von mir, welcher in der Gegend ein kleines Gartengrundstück besitzt, erzählte mir allerdings letztes Jahr dass er mehrfach eine komplett grüne Eidechse mit blauer Kehle in der Gegend gesehen hätte. Zudem hatte er auch schon von einem anderen Grundstücksbesitzer in der Nähe von einer ähnliche Sichtung gehört. Das deutete nun allerdings schon ziemlich deutlich auf eine Smaragdeidechse hin, genau genommen ein erwachsenes Männchen zur Paarungszeit. Doch auch hier blieb mein mehrfaches Suchen in der beschriebenen Gegend leider erfolglos.

Am 17.03. dieses Jahres erschien dann ein äußerst interessanter Artikel im Tübinger Tagblatt. Professor Alexander Kohler, emeritierter Biologie-Professor der Universität Hohenheim, hatte eine der kryptiden Smaragdeidchsen aus nächster Nähe photographieren können. Das Photo lies auch keinen Zweifel dass es sich tatsächlich um eine solche handelte. Fraglich ist nur noch, ob es sich um eine Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) oder eine Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis) handelt. Bereits 1960 hatte Professor Kohler über die Flora des von Tübingen nach Wurmlingen reichenden Spitzberges promoviert, und ist daher mit der Gegend sowie den besonderen geologischen Bedingungen welche ein sehr warmes Mikrohabitat mit vielen seltenen Tier-und Pflanzenarten ermöglichen, gut vertraut. Vor 20 Jahren entdeckte er bereits einmal eine von einem Fahrrad überfahrene Smaragdeidchse bei Wurmlingen, außerdem gab es von dort auch 2002 eine Meldung über eine weitere Sichtung. Bemerkenswerterweise wurde bereits 1880 in einem Fachbuch der Fund einer Smaragdeidechse beim Spitzberg beschrieben, was das über mehr als ein Jahrhundert praktisch völlig unbekannte Vorkommen dieser vergleichsweise sehr großen und auffälligen Art umso erstaunlicher macht. Insgesamt konnte Professor Kohler im letzten Jahr mindestens drei verschiedene Exemplare am Südhang entdecken.

Am späten Vormittag des heutigen Tages begab ich mich dann ein weiteres Mal von Wurmlingen ausgehend auf die Suche nach Smaragdeidechsen, und wurde zu meinem allergrößten Erstaunen auch fündig. Ich entdeckte ein wunderschönes Exemplar, an genau der Stelle an welcher sie der Freund von mir bereits im letzten Jahr gesehen hatte. Ich muss gestehen dass mir bei dieser überraschenden Entdeckung wirklich die Knie weich geworden sind:

Smaragdeidechse  am Spitzberg

Smaragdeidechse am Spitzberg

Es handelte sich um ein Männchen, wie man erkennen kann mit einem relativ kurzem regeneriertem Schwanz.

Smaragdeidechse am Spitzberg 2

Ich konnte es über einen Zeitraum von fast einer Stunde beobachten, und auch eine Reihe von recht nahen Photos machen.

Smaragdeidechse am Spitzberg

Ich konnte mich bis auf etwas mehr als einen Meter nähern, da es nur wenig Scheu zeigte.

Smaragdeideche  (2)

Dass diese in Deutschland extrem seltene Art nun auch nachweislich bei Tübingen vorkommt ist schon wirklich erstaunlich, zumal die Gegend eigentlich häufiger Exkursionsort für Biologen der nahegelegenen Universitätsstadt ist. Umso mehr freut es mich, ein paar der allerersten Photos von einer der Wurmlinger Smaragdeidechsen gemacht zu haben.

In der Gegend kommen auch Zauneidechsen und Schlingnattern vor, und nicht weit entfernt fand ich vor Jahren auch die fast weltrekordverdächtige Riesenblindschleiche, sowie eine andere Blindschleiche mit sehr stark ausgeprägten blauen Punkten.

Wundert es da noch dass Wurmlingen ausgerechnet einen Lindwurm im Wappen trug?

Lindwurm im alten Wappen von Wurmlingen (von Wikipedia)

Lindwurm im alten Wappen von Wurmlingen (von Wikipedia)

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8 Kommentare zu Kryptide Smaragdeidechsen in Baden-Württemberg

  1. Sehr interessante Beobachtung! Mich würde ganz besonders die Erwähnung in einem Fachbuch von 1880 interessieren. Gibt es da ein Zitat? Danke. mfG Mario

  2. Markus Bühler sagt:

    Leider kann ich da auch nichts genaueres sagen, da mir auch nur diese Information aus dem Zeitungsartikel bekannt ist. Aber ich werde versuchen darüber näheres herauszufinden.

  3. Peter Ehret sagt:

    Herzlichen Glückwunsch !

  4. Hallo! Ich konnte vor wenigen Tagen ebenfalls eine männliche Smaragdeidechse im vermutlich selben Gebiet beobachten. Hier einmal der Link mitsamt Foto des Tieres:
    https://pohlmannphotography.wordpress.com/2016/05/01/foto-der-woche-12-loewenzahn/
    Einfach etwas nach unten scrollen.
    Das Tier zeigte ebenfalls wenig Scheu. Ich habe den Fund auch mal an offizielle Stellen weitergegeben.
    Beste Grüße,
    Patrick Pohlmann

  5. Markus Bühler sagt:

    Sehr schönes Photo! Vor allem mit der blauen Kehlfärbung. Ich wollte eigentlich auch längst mal wieder selbst in der Gegend auf Suche gehen, allerdings habe ich es aus Zeitgründen leider immer noch nicht geschafft. Bisher habe ich ja erst ein einziges Exemplar selbst entdeckt, aber vielleicht habe ich dieses Jahr ja das Glück noch einige andere zu finden.

  6. Markus Bühler sagt:

    Heute war ich das erste mal zeit langer Zeit mal wieder dort und habe einen sehr langen Spaziergang gemacht. Dabei hatte ich großes Glück und habe tatsächlich noch einmal zwei weitere Exemplare entdeckt und auch photographieren können.

  7. Wolfgang Reinhard sagt:

    Wenn wir betrachten, wie viele nachweislich fremde Populationen der Mauereidechse in Bawü existieren, dann liegt die Vermutung, dass es sich bei dieser Beobachtung von Smaragdeidechsen um ausgesetzte Tiere handelt nahe. Dennoch wäre es interessant, zu untersuchen woher diese Tiere stammen.

  8. Markus Bühler sagt:

    Anscheinend wurden 1881 in der Gegend mal Smaragdeidechsen ausgesetzt, von denen man dann aber lange nichts mehr gesehen hat. Möglicherweise geht die Population aber trotzdem auf diese zurück. Ich bin inzwischen gerade wegen der Smaragdeidechsen relativ oft dort unterwegs, und habe inzwischen auch um die 14 Exemplare gesehen, darunter Pärchen sowie Jungtiere. Insofern scheint es ihnen dort wirklich ganz gut zu gehen.

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