Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Skulpturen’ Category

Tsuchinoko-Modell in Zinn gegossen

Freitag, Dezember 7th, 2007

Lange Zeit hatte ich mir ja schon vorgenommen von einigen meiner Modelle Abgüsse herzustellen, aber irgendwie habe ich das dann nie auf die Reihe gekriegt, und auch der schon vor geraumer Zeit gekaufte Silikonkautschuk harrte lange seiner Verwendung. Aber gestern habe ich dann endlich einmal die Zeit gefunden mit den schon länger gemachten Silikonkautschukformen ein paar erste Gussversuche zu starten. Nach ein paar Fehlgüssen hat es dann durch zusätzliche Guss-und Luftkanäle doch noch geklappt ein paar annehmbare Modelle zu machen. Als Modell habe ich mir bewußt ein sehr einfach gehaltenes und kleines herausgesucht, dass auch in einer möglichst einfachen Form gegossen werden kann. Daher habe ich mich für mein Tsuchinoko-Modell entschieden. Für alle die nicht wissen was eine Tsuchinoko (oder manchmal auch Tzuchinoko geschrieben) ist, empfehle ich kurzes googlen. Zur Schnellerklärung reicht es eigentlich, dass es sich dabei um eine mythologisch-kryptozoologische kleine Schlange aus Japan handelt, die einen ungewöhnlich kurzen und breiten Körper mit beinahe dreieckigen Querschnitt handelt, und auch einen sehr breiten Kopf und einen extrem kurzen Schwanz besitzt. In gewisser Hinsicht eine Art japanischer Tatzelwurm, der auch angelich immer mal wieder gesehen wird. Auf jeden Fall eine interessante Vorlage für ein Krypto-Modell. Bei der Gestaltung habe ich mich stark an alten japanischen Tuschezeichnungen orientiert, außerdem habe ich extra Bilder von vergleichbaren Schlangen herangezogen, um eine möglichst naturnahe Anordnung der Schuppen am Kopf sowie die korrekte Darstellung der Nasenlöcher und Grubenorgane (mit denen können gewisse Schlangen beinahe wie mit Augen Wärem wahrnehmen) zu gewährleisten. Natürlich geht bei dem kleinen Maßstab nicht allzu viel Detailarbeit, aber ich habe versucht mein möglichstes zu machen, ohne dabei einen unrealistischen Zeitrahmen zu überschreiten, das Modell war ja auch so schon genug Arbeit.

tsuchinoko-zinnabguss-5.JPG

 Jedenfalls habe ich dieses kleine Modell jetzt auch als Zinnduplikat. Da ich reines Zinn verwendet habe, ist die Detailschärfe geringfügig schlechter als wenn ich spezielles Gußzinn verwendet hätte, aber dafür ist dieses Material nicht bleihaltig, und daher auch nicht giftig. Natürlich kann man die Modelle auch patinieren oder mit verdünntem dunklen Lack lackieren, wodurch die im blanken Zustand noch nicht so gut erkennbaren Detail viel besser zur Geltung kommen, und natürlich kann man sie auch anmalen. Das ich kann solche Abgüsse jetzt auch verkaufen. Ich weiß jetzt noch nicht für welchen Preis ich die Teile verkaufen würde, und wie ich das genau mit der Verkaufsabwicklung machen würde, aber prinzipiell steht dem nichts entgegen. Falls jemand prinzipielles Interesse haben sollte, kann er sich ja einfach mal hier melden. In absehbarer Zeit sind auch noch andere Modelle geplant, etwa ein Abuss meines kleinen Tatzelwurmmodells, und auch von der einen oder anderen Paläofigur könnte ich Abgüsse machen. Dadurch dass ich jetzt weiß wie es geht, könnte ich bei entsprechender Abnahme auch mal von einer speziellen Figur auf Wunsch Abgüsse machen.

Hier mal noch ein paar andere Bilder:

tsuchinoko-zinnabguss-7.JPG

tsuchinoko-zinnabguss-9.JPG

tsuchinoko-zinnabguss-12.JPG

Dieser Abuss ist übrigens noch nicht bearbeitet, das heißt es sind noch die Reste der Gusskanäle am Modell, und an ein paar Stellen würde noch einmal nachpoliert werden. Außerdem kommen bei dieser Größe und dem stark reflektierenden Material natülich auch die Details nicht so gut raus. Da es sich hier um handgemachte Abgüsse handelt, ist natürlich auch jeder etwas individuell und auch nicht absolut 100%ig perfekt, aber dafür kann man sich sicher sein, auch etwas wirklich besonderes zu besitzen, was man auch sonst nirgends kaufen kann, und auch keine industrielle Massenware aus irgendeinem Dritteweltland ist. Und gerade in der Kryptozoologie gibt es ja so gut wie gar keine Modelle zu kaufen.

Bild des Tages: C´thulhuoid

Sonntag, November 25th, 2007

Die bisher gezeigten Figuren waren ja eigentlich allesamt mehr oder weniger wissenschaftlich, und haben ausgestorbene, lebende oder hypothetische Tiere gezeigt. Aber tatsächlich mache ich manchmal (okay, nur sehr selten) auch was anderes. Es ist schon geraume Zeit her, da habe ich eine uralte Zeichnung gefunden, welche eine Art Mutanten mit einem mehr oder weniger humanoiden Körper, aber ohne Arme und dem Kopf eines Kalmars gefunden, und die Fangarme des Kopfes genutzt wurden, um diverse nautisch anmutende Waffen zu halten. Das ganze sieht schon etwas trashig aus, und könnte gut aus einer 80iger Jahre Comic-Serie sein. Aber irgendwie fand ich es auch ziemlich interessant, und dachte dass man  so was ja auch mal als Modell machen könnte. Was dabei herausgekommen ist, sieht man hier:

C´thulhuoid

Der eigentliche Körper und der Kopf ist etwa 5cm hoch, und die Figur war wirklich eine Menge Arbeit, hat andererseits aber auch eine Menge Spaß gemacht, da ich nicht ständig an irgendwelchen Vorlagen aus Büchern oder Artikeln nachschauen mußte, damit auch alles möglichst naturgetreu aussieht. Lediglich bei den Augen hat es eine Weile gebraucht, bis ich einigermaßen brauchbare Bilder als Vorlagen gefunden habe. In Anlehnung an den Krakenköpfigen Aliengott C´thulhu aus dem H.P. Lovecraft-Universum, habe ich die Figur mal vorläufig C´thulhuoid genannt, auch wenn eigentlich kein direkter Bezug besteht. Aber um noch wenigstens ein bißchen Wissenschaft, oder zumindest Pseudowissenschaft hier reinzubringen, zeigt dieses Modell ganz gut, dass ein intelligentes Wesen, das in der Lage wäre auch seine Umwelt zu gestalten und Gegenstände zu manipulieren, sich keineswegs in die typische Humanoiden-Gestalt entwickeln müßte, in der ja auch üblicherweise die allermeisten Alien-oder Fantasygestalten in Büchern und Filmen portraytiert werden (gut, das liegt sicher an der einfacheren Umsetzung in Bezug auf Kostüme…).

Hier noch mal ein Bild aus einer anderen Perspektive:

C´thulhuoid

Bei den Waffen habe ich mich mehr oder weniger an die ursprüngliche Vorlage gehalten, und versucht sie aussehen zu lassen, als hätten sie einen organischen Ursprüng und beständen aus Knochen oder etwas ähnlichen. Die extrem feine Zähnung an der Klinge des Messers und der Lanzenklinge, welche an jene von Haizähnen erinnert, sieht man auf den Bildern allerdings nicht so gut.

Janjucetus hunderi - der scharfzähnige Uronkel der Bartenwale

Mittwoch, November 21st, 2007

 Janjucetus hunderi Modell (bearbeitet)

Mitte August letzten Jahres wurde der Öffentlichkeit ein neuer fossiler Wal mit einem Alter von etwa 25 Millionen Jahren beschrieben, welcher in der Gesamtheit seiner Merkmale und seiner entwicklungsgeschichtlicher Stellung bisher absolut einzigartig ist, Janjucetus hunderi. Der Ende der 90iger Jahre entdeckte und von Erich Fitzgerald beschriebene Wal war mit einer Gesamtlänge von etwa 3,5m nicht einmal besonders groß, also vergleichbar den großwüchsigen Offshore-Populationen des Großen Tümmlers. Was war also so besonders an Janjucetus? Nun, primär die Tatsache dass er sehr gut ausgebildete, noch heterodonte Zähne in seinen kräftigen Kiefern besaß, aber einer Linie angehört, aus der auch die heutigen Bartenwale hervorgegangen sind. Ungewöhnlich waren auch die extrem großen Augen dieser Tiere, die proportional größten, die man von einem Meeressäuger kennt. Da Janjucetus allem Anschein nach über keine Echoortung verfügte, mußte er sich unter Wasser mit den Augen orientieren. Und das hatten sie auch nötig, denn anders als ihre modernen Verwandten, welche für das Fangen von Krill, Schwarmfischen oder Kleinlebewesen keine besonders scharfen Sinne besaßen, war Janjucetus ein echtes Raubtier. Bei den modernen Walen spielen die Augen keine größere Rolle, Arten wie der Pottwal welche ohnehin gewohnt sind sich per Echolot in der Tiefsee zu orientieren, sind sogar in der Lage gänzlich ohne ihr Augenlicht auszukommen, was durch die Funde von gänzlich blinden, aber dennoch wohlgenährten Exemplaren bewiesen ist. Der einzige bekannte Wal mit wirklich großen Augen, welche jenen von Janjucetus nahe kommen, ist der extrem bizarre Odobenocetops peruvianus. Diese entfernt mit den Narwalen verwandte Art besaß ursprünglich ein Echolot, welches dann aber aufgrund einer extrem bodenorientierten Lebensweise zugunster besserer Sehleistung zurückgebildet wurde.

 Der in der Aufsicht beinahe wie ein Dreieck aussehende Schädel war extrem kompakt und bot sehr starken Kiefermuskeln Platz und Ansätze. Auch die Kiefer selbst waren ziemlich kräftig, und die Zähne griffen wie bei Schwertwalen dicht ineinander, so dass sie Scherkanten entwickelten, mit denen sie ihre Beute regelrecht zerstückeln konnten. Moderne Zahnwale haben in der Regel ziemlich homodonte, mehr oder weniger kegelförmige Zähne, welche bei den meisten Arten primär zum Festhalten der Beute dienen. Im Falle von Janjucetus waren (je Kieferhälfte) die drei Schneidezähne, der Eckzahn sowie der erste Prämolar ähnlich wie bei modernen Zahnwalen auch eher kegelförmig und leicht nach hinten gebogen, außerdem besaßen sie lange Wurzel, und diente zum Festhalten, die dahinter liegenden drei Prämolaren und die zwei Molaren waren allerdings wie bei den Archeoceti, welche vor allem durch Arten wie Basilosaurus oder Dorudon bekannt sind, tief eingekerbt und ähnelten Haizähnen. Solche mit Sägekanten versehenen Zähne waren außerordentlich gut dazu geeignet, Beutetiere regelrecht in Stücke zu reißen.

Diese Anpassung deutet auch eher auf große Beutetiere hin, als nicht nur auf kleine Fische oder Kalmare, wie sie die meisten heutigen Zahnwale bevorzugen. Auch weisen die Zähne Abnutzungsspuren auf, welche nicht unbedingt nur auf weiche Nahrung hinweisen. In seiner ökologischen Nische dürften diese Tiere wahrscheinlich einem kleinen Schwertwal oder einem Seeleoparden vergleichbar gewesen sein, das heißt dass eine relativ große Bandbreite von Beutetieren gejagt wurde, sowohl kleinere Fische und Kopffüßer, aber wahrscheinlich auch größere Fische, und vielleicht auch Wasservögel und womöglich auch kleinere Robben oder Wale. Interessanterweise ähnelt die Morphologie des Schädels und die Anordnung der vorderen Zähne jener bestimmter Pliosaurier, welche sich ebenfalls auf relativ große Beutetiere spezialisiert hatten, aber auch mit dem Seeleoparden finden sich verschiedene Übereinstimmungen.

Janjucetus bietet einen interessanten Einblick in die Evolution der Bartenwale, allerdings kann er nicht als Vorfahre der heutigen Arten angesehen werden, da auch ältere Arten wie Eomysticeuts bekannt sind,  welche Barten statt Zähnen besaßen und auch schon schwarmlebende Beutetiere jagten. Folglich war Janjucetus eher ein langausdauernder spezialisierter Seitenzweig aus der frühen Entwicklungsphase jener Urwale, aus welchen die modernen Bartenwale hervorgegangen sind.

Die Entwicklung von eines fischfressenden Zahnwales zu einem filterten Bartenwal ist in vieler Hinsicht nicht leicht nachzuvollziehen, was unter anderem in einem nicht gerade übermäßig vollständigen Fossilrekord liegt. Allerdings weiß ich aus vertraulicher Quelle, dass einige hochinteressante neue Entdeckungen bezüglich der Evolution des Filter-Fressens gemacht wurden, und in absehbarer Zeit veröffentlicht werden. Einige dieser Zwischenformen besaßen sowohl kammartige Zähne, als auch primitive Barten, und wahrscheinlich gingen sie aus Vorfahren hervor, welche wie Krabbenfresserrobben anfangs ihre Zähne benutzten, um schwarmlebende Beutetiere wie kleine Fische oder Krill aus dem Wasser zu seihen. Die massive Größe der meisten lebenden Bartenwale täuscht darüber hinweg dass es einst eine ganze Reihe ziemlich kleiner Arten gegeben hat, welche noch nicht einmal an die beiden kleinsten heutigen Arten heranreichten, den Zwergglattwal und den Zwergminkwal. Überhaupt hat die Fossilgeschichte der Wale noch einiges zu bieten, und ich habe von neuen Funden gehört, an die ich nicht einmal im Traum gedacht habe, so ungewöhnlich sind sie. Leider finden solche Tiere in Büchern über ausgestorbene Tiere sie gut wie keine Erwähnung, was wirklich schade ist, denn allein mit den bisher bekannten fossilen Walen ließen sich bändeweise Bücher füllen. Darum versuche ich ja auch immer mal wieder gerade ein paar dieser kaum bekannten, aber defür umso interessanteren Wale vorzustellen.

Das Bild oben zeigt übrigens ein Modell des Janjucetus das ich vor kurzem fertig gestellt habe. Ich habe es digital etwas bearbeitet und auch noch mit Paint ein Auge drauf gemalt, damit es etwas natürlicher aussieht. Im Gegensatz zu der im Internet verbreiteten Darstellung habe ich den Kopf nicht glatt nach dem Schädel rekonstruiert, sondern die Nasenregion mit erhöhten Nasenlöchern modelliert, da bei Janjucetus sicherlich wie bei modernen Bartenwalen auch knorpelige und muskuläre Anteile die Nasenregion sicherlich voluminöser machten, als die Schädel auf den ersten Blick erkennen lassen.

Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass der Kopf wahrscheinlich etwas zu groß geraten ist. Ich habe mich bei der Vorlage vor allem an Rekonstruktionen des mit Janjucetus entfernt verwandten Mammalodon orientiert, welche meistens einen recht großen Kopf haben, aber ich vermute mal, dass er in Wirklichkeit etwas kleiner war. Leider lag mir für Janjucetus nur der Schädel als Rekonstruktionsvorlage zur Hand, und keine Komplettrekonstruktion, welche den ganzen Körper gezeigt hätte. Außerdem wurde der Schädel während des Modellierprozesses deutlich größer, da mir vor der Vorlage des Artikels von Erich Fitzgerald nicht bewußt war, wie enorm breit der Schädel von Janjucetus tatsächlich gewesen ist. Als Folge davon wurde er dann auch etwas länger und naja…die Proportionen ähneln jetzt eher denen eines Orca. Aber da von Janjucetus sowieso nur der Schädel bekannt ist, kann man bisher auch nicht genau sagen, wie groß der Kopf im Verhältnis zum Körper tatsächlich gewesen ist. Erich Fitzgerald meinte auch dass der Hals etwas länger sein müßte, war ansonsten mit der Rekonstruktion aber sehr zufrieden.

Hier sieht man nochmal das Modell in unbearbeiter Ansicht, bei dem man auch gut die Gestalung der Nasenregion erkennt:

Janjucetus Modell

Noch eine Bemerkung zur Darstellung archaischer zähnetragender Bartenwalvorläufer: Tiere wie Mammalodon oder Aetiocetus werden oft mit Kehlfurchen dargestellt. Es ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich welche besaßen. Die modernen Bartenwale werden in zwei große Hauptgruppen unterteilt, die Furchenwale wie etwa den Blauwal, und die Glattwale, zu denen beispielsweise der Nordkapper zählt. Zwischen diesen beiden steht irgendwo noch der Grauwal, dem eine eigene Gattung zugesprochen wurde, da er sowohl Merkmale besitzt, welche den Furchen-und den Glattwalen entsprechen, als auch eine Reihe von Sondermerkmalen in Anatomie und Verhalten zeigt, welche nur bei ihm vorkommen. Nichtsdestotrotz dürfte er im Aussehen den frühen Bartenwalen noch am ähnlichsten kommen, wobei wahrscheinlich auch der kaum bekannte Zwergglattwal diesen Formen im Aussehen wohl noch sehr nahe steht, vor allem in Form und Größe des Körpers und der Flossen. Es ist sehr wahrscheinlich dass die frühen Bartenwale wie der Grauwal noch keine Kehlfurchen besaßen, und diese sich erst bei den Vorläufern der Furchenwale entwickelten. Die Darstellung von frühen, noch zähnetragenden Bartenwalvorläufern soll wohl eher die Verbindung dieser Tiere mit heutigen Bartenwalen nahebringen, denn mit ihren großen Köpfen, und den teilweise mit sehr großen Zähnen ausgestatteten Kiefern, wirken diese Wale noch weitaus räuberischer und gefährlicher als die meisten heutigen Zahnwale.

Literatur:

Fitzgerald, E.M.G. (2006). “A bizarre new toothed mysticete (Cetacea) from Australia and the early evolution of baleen whales.”

Cameroceras, der größte Nautiloide aller Zeiten

Montag, Oktober 1st, 2007

Sicherlich hat der eine oder andere die BBC-Dokumentation “Monster der Tiefe” , welches in der Originalversion “Sea Monsters” hieß. Mir persönlich war das ganze mit der Schiffscrew um Nigel Marvin, die in der Zeit umher reist, viel zu populistisch und effekthaschend. Natürlich ist es toll diese Tiere mal im direkten Vergleich mit Menschen zu sehen, aber eigentlich ist es wirklich unnötig. Die “Walking with Dinosaurs”-Trilogie war da deutlich besser, auch wenn das ganze mit der Konstruktion persönlicher Schicksale von ausgestorbenen Tieren einen ziemlich starken Disney-Touch hatte. Naja, um genug Leute zu erreichen, und genug Geld für eine solche Produktion bewilligt zu bekommen, muss man wohl solche Zugeständnisse machen…

In der “Monster der Tiefe”-Doku wurden alle möglichen ausgestorbenen Meerestiere gezeigt, darunter einige äußerst ungewöhnliche Arten wie Odobenocetops oder auch Leedsichthys. Eines dieser Seemonster war ein gigantischer archaischer Cephalopode. Sein Name wurde nicht genannt, aber im Buch zur Doku wurde er als Cameroceras beschrieben (zumindest in der englischen Ausgabe fälschlich als Cameraceras). Cameroceras war ein Nautiloide mit einem langgestreckten, konischen Gehäuse und lebte im späten Ordovizium bis zum frühen Silur vor etwa 470-440 Millionen Jahren. Das Gehäuße hatte eine Länge von etwa 9m, mit Kopf und Tentakeln dürften diese Tiere sogar noch ein gutes Stück länger gewesen sein, und war damit zu seiner Zeit wahrscheinlich das größte Tier das die Welt bis dahin gesehen hat. Wie dieser vordere weiche Teil aber ausgesehen hat, ist praktisch völlig unbekannt. Überhaupt bereitet die Rekonstruktion von Weichgewebe bei Nautiloiden eine ganze Menge Probleme, und es ist gut denkbar, dass über 99% aller bisherigen Rekonstruktion falsch sind. Leider gibt es bei Nautiloiden im Gegensatz zu Belemniten und einigen anderen ausgestorbenen Kopffüßer keinerlei fossile Hinweise durch erhalten gebliebene Abdrücke von Weichgewebe. Man weiß nicht wie viele Arme sie hatten, wie lang diese waren, wie die Augen ausgesehen haben und vieles mehr. Das macht die Rekonstruktion ihrer Lebensweise auch nicht gerade einfach. Cameroceras war sicherlich kein schnelles und auch kein wendiges Tier, und möglicherweise fing er seine Beute in Form von verschiedenen meeresbewohnenden Gliederfüßern, Weichtieren und anderen Cephalopoden vor allem am Meeresboden. Es gibt aber andererseits gute Hinweise darauf, dass Nautiloiden überhaupt keine Jäger gewesen sind, und vielleicht war Cameroceras sogar eher das ordivizische Pendant zu heutigen Riesen-oder Walhaien.

Die Macher von “Monster der Tiefe” haben den als “Giant Orthocone” bezeichneten Riesen mit einer Reihe von Merkmalen ausgestattet, welche an den heutigen Nautilus erinnern, etwa mit einer stark strukturierten Kappe auf dem Kopf, und sehr primitiven Augen nach dem Prinzip einer Lochkameral. Die Haut wurde anders als bei heutigen Kalmaren nicht glatt, sondern eher runzelig wie bei einem Oktopus dargstellt, was auch gut zu einem solchen Giganten passen würde, auch wenn es natürlich alles reine Mutmaßung ist.

Das Design diese riesigen Nautiloiden gefiel mir ausgesprochen gut, und daher dachte ich mir, dass ich so etwas gerne als Modell haben würde. Nachdem ich ja schon gewisse Erfahrungen mit der Modellation von Nautiloiden gemacht habe ( http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/mein-erstes-nautiloiden-modell/ ), wagte ich mich hier auch gleich an ein ziemlich großes Modell heran, das größte was ich bisher aus Fimo gemacht habe. Als Vorlage diente der “Giant Orthocone” der BBC, von dem ein ausgedrucktes Bild in der richtigen Größe als Vorlage diente. Das Originalvorbild kann man hier sehen: http://www.bbc.co.uk/science/seamonsters/factfiles/closeup.shtml?giantorthocone

Wegen der Größe und um zusätzliche Stabilität zu gewährleisten, habe ich erstmal eine Art Wirbelsäule aus dicken gedrehten Draht hergestellt, und zur Materialersparnis teilweise mit Aluminiumfolie bedeckt. Darüber kam dann das Fimo, das dann in Vorm des Gehäuses modelliert und mit einer entsprechenden Oberflächenstruktur versehen wurde. Das ganze wurde dann erst mal vorgehärtet, denn dann besteht nachher nicht mehr die Gefahr dass man irgendetwas beim Ausmodellieren des Rest beschädigt, außerdem kann man das Modell dann geschickt an der Schale halten wenn man den Kopf modelliert. Als nächstes modellierte ich dann die Mundwerkzeuge. Ich habe in Grizmeks Tierleben glücklicherweise ein Bild einer Nautilusradula gefunden, und habe diese mal samt Schnabel nachmodelliert, was man aber am Modell nur sieht wenn man genau hinsieht. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatten Nautiloiden ganz andere Mundwerkzeuge, was auch ein Grund dafür ist, dass sie möglicherweise auch ganz anders aussahen, als man es normalerweise sehen kann, aber darüber ein ander mal mehr…

Jedenfalls habe ich dann den fertig gehärteten Schnabel samt Radula in den Kopf einmolliert, die Tentakel separat modelliert und noch weich angefügt, und die restlichen Einzeilheiten wie die Augen oder den Siphon gemacht. Das ganze kam dann noch mal in den Ofen, und zum Schluss kam noch die Kappe auf den Kopf, so dass das ganze nach dem Härten etwa so aussah:

Cameroceras 1

Für dieses Modell habe ich etwa sieben Stunden gebraucht, was in Anbetracht seiner Größe eigentlich nicht besonders viel ist. Das Modell ist etwa 25cm, und wenn man es direkt mit der Vorlage vergleicht, merkt man dass ich es leider nicht geschaft habe, es genau zu koppieren. Der Kopf ist etwas zu groß geworden, und die Kappe wurde etwas zu wulstig. Dafür ist die Oberflächenstruktur sehr schön herausgekommen, was man auf den beiden nächsten Bilder ganz gut sieht:

Cameroceras 2

Cameroceras 3

Sollte ich mir irgendwann ein Airbrushgerät zulegen, wird das ganze natürlich noch angemalt. Leider ist das Modell zu groß und wegen der Stellung der Fangarme auch etwas zu komplex geworden, um Abgüsse davon machen zu können, aber dafür habe ich vor kurzem ein etwas kleineres Modell in einem etwas anderen Design gemacht, von dem ich demnächst einmal Abgüsse machen wollte.

Der Blainville-Schnabelwal (Mesoplodon densirostris)

Donnerstag, September 20th, 2007

Vor ein paar Monaten wollte ich mal abends praktisch “nebenher” ein neues Modell bauen. Es benötigte schon geraume Zeit, sich für das Motiv zu entscheiden. Ich wollte einen Meeressäuger machen, da diese weniger Arbeit machen, als normales Landsäuger. Es sollte nicht gerade ein 0815- Modell von einem Schwertwal oder einem Seelöwen sein, wie es schon ungezählte gibt, sondern nach Möglichkeit etwas ungewöhnliches, von dem es vielleicht sogar noch überhaupt kein Modell gibt. Ich entschied mich dann für Blainville-Schnabelwal, einem der ungewöhnlichsten Vertreter der in der Tiefsee jagenden Schnabelwale. Trotz ihrer zum Teil enormen Größe (der Baird-Schnabelwal kann so groß werden wie ein Grauwal, und ist der zweitgrößte Zahnwal überhaupt) und ihrer teilweise extrem bizarren Anatomie werden diese Tiere meist ziemlich stiefmütterlich behandelt. Das mag zum Einen daran liegen, dass sie eine sehr versteckte Lebensweise führen, und auf See kaum zu beobachten, geschweige denn zu filmen sind. Über die Lebensweise vieler Arten ist nach wie vor so gut wie nichts bekannt. Bei den Schnabelwalen ist das Gebiss bei fast allen Arten massiv reduziert, da diese vor allem Fische und Kalmare fressenden Wale ihr Beute dadurch fangen, dass sie mit Hilfe ihres Zungenbeines einen Unterdruck im Maul erzeugen, und sich ihre Beute so wie mit einem Staubsauger einverleiben können. Dafür tragen die Männchen teilweise sehr seltsame Hauer im Unterkiefer, die dazu dienen andere Männchen bei innerartilichen Konfrontationen zu verletzten. Die Haut dieser Tiere ist darum häufig von einzelnen, teilweise aber auch doppelt oder sogar vierfach parallel verlaufenden Narben bedeckt. Der vermutlich zweitkurioseste Schnabelwal ist Blainvilles Schnabelwal. Es handelt sich um eine für Schnabelwalverhältnisse eher mittelgroße bis kleine Art, die Längen von etwa 4,5 bis maximal 6m erreichen, bei einem Gewicht von 0,7-1.0 Tonnen. Die Männchen dieesr Arten besitzen einen äußerst ungewöhnlichen Unterkiefer. Die hintere Hälfte des Kieferkammes ist sehr stark erhöht, und überragt annäherungsweise halbkreisförmig dern Oberkiefer. Auf diesem seltsamen Kiefergrat, der fast ein bisschen so aussieht wie die Mäuler von Glattwalen (bei denen das hochgewölbte Maul aber aus Muskeln und nicht aus Knochen besteht), sitzt ein großer Zahn, der ein bisschen so aussieht, wie die spitz zulaufende Hälfte eines geschälten Sonnenblumenkerns. Da dieser auch bei geschlossenen Maul den Oberkiefer deutlich überragt, können sich die Männchen dieser Art auch besonders tiefe Wunden zufügen. Die Wirkung der Zähne kann sogar noch verstärkt werden, denn manchmal siedeln sich auf ihnen Seepocken an, deren scharfkantige Schalen die Wirkungsfläche der Zähne noch vergrößern.

Interessant sieht es auch aus, wenn diese Tiere ihr Maul öffnen. Da der hintere Teil des Kiefers so stark erhöht ist, bleibt die hintere Hälfte des Maules auch bei geöffneten Kiefern praktisch zu, und bildet so eine Art Röhre. Ob dies allerdings irgendeinen Vorteil bei der Jagd bedeutet, oder ob sich die diese seltsame Kieferform entwickelte, um den Männchen einen Vorteil bei Rivalenkämpfen zu bieten, ist nicht bekannt. Vielleicht trifft auch beides zu. Jedenfalls hatte ich mich dann irgendwann dazu entschieden einen männlichen Blainville-Schnabelwal zu modellieren. Wie alle anderen Modelle auch, besteht es aus Fimo, wobei ich eine Mischung aus weißen und schwarzen Fimo classic und etwas weißen Fimo soft benutzt habe, um ein möglichst gut zu bearbeitendes Material zu haben. Wenn man weiß und schwarz zusammenknetet, hat man den Vorteil dass man sieht, wann man es lange genug geknetet hat, denn man sieht ziemlich lange noch schwarze und weiße Streifen. Darum muss man ziemlich lange kneten um eine wirklich homogene graue Masse zu bekommen, bei der Fimo soft und classic verbunden sind. Früher gab es noch das großartig zu verarbeitende Fimo medium, das perfekte Eigenschaften hatte, und nich gemischt werden mußte. Leider gibt es das nicht mehr zu kaufen. Aus Stabilitätsgründen habe ich einen doppelt gedrehten Draht sozusagen als Wirbelsäule eingearbeitet, und darum etwas verknüllte Alufolie eingefügt, um Material zu sparen. Darüber habe ich dann den Körper modelliert. Und es kam natürlich wie es kommen mußte, aus dem nebenher wurden einige Stunden mehr, und irgendwann hatte ich keine Lust mehr. Also habe ich ihn eingepackt und erst mal liegen gelassen. Nach ein paar halbherzigen Versuchen ihn fertig auszumodellieren, habe ich mich nach mehreren Monaten jetzt endlich dazu entschieden, ihn fertig zu machen. Augen, Zähne und Flossen habe ich vorgehärtet und anmodelliert. Das Anmodellieren der Schwanzflosse war ziemlich kompliziert, aber da Walflossen so dünn sind, haben sie nicht genügend Eigenstabilität, weshalb es einfacher ist, sie auf einer flachen oder leicht geschwungenen Fläche vorzuhärten. Vor allem die korrekte Ausmodellation des Kopfes hat sehr viel Zeit benötigt, immer wieder merkte ich dass etwas nicht stimmte, und selbst jetzt ist sie nicht ganz zufriedenstellend. Andererseits muss man eben manchmal mit Kompromissen leben. Das Modell habe ich dann etwa 40 Minuten bei etwa 110°C im Backofen gehärtet, und ich finde es kann sich durchaus sehen lassen:

mesoplodon-densirostris-3.JPG

Die Form der Zähne stimmt leider nicht ganz, und ich muss sie wahrscheinlich noch mit einer Rasierklinge noch etwas nachbearbeiten. Auf dem nächsten Bild sieht man recht gut die vielen aufmodellierten Narben. Bei den runden Dellen handelt es sich um die Bissspuren von Cookie-cutter-Haien, die sich diese Wale in der Tiefsee oft einfangen. Leider sind immer noch Fingerabdrücke auf dem Modell, aber die bekomme ich mit feiner Stahlwolle wahrscheinlich noch weg:

mesoplodon-densirostris-2.JPG

Noch eine Ansicht von oben:

mesoplodon-densirostris-4.JPG

Als Vorlage dienten mir übrigens die hervorragenden Illustrationen von Bratt Jarrett aus Hadoram Shirihais “Whales Dolphins and Seals. A Field Guide to the Marine Mammals of the World” dem wahrscheinlich besten und umfangreichsten Bestimmungsbuch für Meeressäuger, das es auf der Welt gibt. Irgendwann muss ich eine Rezession für dieses Buch schreiben, da es einfach unglaublich ist.

Hier sieht man einmal den direkten Vergleich (und die Fehler bei der Modellation) von Modell und Vorlage:

mesoplodon-densirostris.JPG

Einige Dinge konnte ich nicht hundertprozentig nachmodellieren, beispielsweise sind die Flissen und der Schwanzstiel von Walen so dünn, dass man sie bei dieser Modellgröße und aus diesem Material fast nicht wiedergeben kann.

Das Originalbild kann man übrigens auch hier auf Brett Jarretts Homepage sehen: http://www.brettjarrett.com/images/wds036.jpg

Mein erstes Nautiloiden-Modell

Samstag, September 1st, 2007

Es gibt ja alle möglichen Figuren von ausgestorbenen Tieren zu kaufen, aber wenn man sie sich mal genau ansieht, dann fällt einem ziemlich schnell auf, dass es zwar eine riesige Anzahl von Tyrannosauriern, Triceratopsen, Sauropoden und auch mal Tiere wie Mammuts gibt, aber von einer ganzen Anzahl interessanter Arten (wobei das natürlich Ansichtssache ist…) gibt es kaum oder gar keine Modelle. Bei Cephalopoden etwa. Zwar findet man ohne Probleme Oktopusse aus Gummie oder Plastik, was aber andere Vertreter der Kopffüßer darstellen soll, kann man beinahe an einer Hand abzählen. Auch von ausgestorbenen Belemniten, Ammoniten und anderen Nautiloiden gibt es weltweit nur eine Handvoll Modelle. Da ich vor einiger Zeit begann, mich auch für diese Tiere zu interessieren, war es naheliegend, einfach mal nach dem Motto “Selbst ist der Mann” ein paar Figuren zu modellieren. Also habe ich etwas Fimo genommen, und mir ein paar Nautiloiden modelliert. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich sie ziemlich hässlich finde, und wenn ich die aktuellen Erkenntnisse und Kontroversen über die Lebenddarstellung von Nautiloiden ansehe, dann halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass es wirklich einmal so aussehende Cephalopoden gegeben hat. Das kommt eben wenn man anfängt zu arbeiten, ohne sich darauf vorzubereiten. In jedes der Modelle habe ich nur etwa eine halbe Stunde Modellierarbeit gesteckt, und das sieht man leider auch. Jedenfalls sind diese Modelle jetzt da, und da gestern wieder mal einer der Freitage gewesen ist, an denen überhaupt nichts los ist, habe ich mir eines dieser Modelle gepackt, und angemalt. Ich muss im Voraus sagen, dass sie nicht nur hässlich modelliert, sondern auch hässlich angemalt sind, was u.a. daran liegt, dass sich mit Wasserfarben auf Fimo nicht wirklich gut malen läßt. Bei diesem ersten Modell das ich gemacht habe, habe ich mich stark an dem “giant orthocone”, also einem riesigen Nautiloiden mit langgestreckten Gehäuse aus der BBC-Doku “Monster der Tiefe” orientiert, und letztendlich auch was die Bemalung angeht. Sowohl Form als auch Farbe zeigen sehr viele Ähnlichkeiten zu dem rezenten Nautilus oder Perlboot. Nach dem Bemalen mit Wasserfarben habe ich das ganze noch lackiert, und um es etwas stimmiger zu machen, noch ein paar Aufnahme vor einem passenden Hintergrund (welcher aus einem sehr empfehlenswerten Urzeit-Buch namens “Das Leben im Meer” stammt) photographiert:

Nautiloid Diorama

Noch mal sozusagen als Photomontage mit einer Schnecke in den Fangarmen:

Nautiloid mit Schnecke

Noch ein bißchen zur Entstehungsgeschichte des Modells. Als erstes habe ich das Gehäuse modelliert, wobei ich ein gebogenes und in sich verdrehtes Stück Draht vorne eingefügt habe. So hatte man nach dem Härten ein fest Stück in den Hand, von dem aus man weitermodellieren konnte, ohne Gefahr zu laufen, dass man wieder irgend etwas kaputt mach. Dann habe ich den ebenfalls vorher gehärteten Schnabel eingesetzt, und das ganze noch mal in den Ofen geschoben.

Hier sieht man noch mal das Modell wie es ursprünglich ausgesehen hat, und daneben die beiden anderen. Ich frage mich heute noch warum ich die Augen so wulstig modelliert habe. 

Nautiloiden unangemalt

Hier noch mal eine Seitenansicht vor dem Lackieren:

Nautiloid unlackiert

Und noch das fertig bemalte und lackierte Modell auf einer kleinen Basis mit Schwämmen und Korallen, deren Modellation ein Vielfaches der Zeit des Nautiloiden benötigt hat:

Nautiloid auf Basis 1

Und noch mal schräg von oben:

Nautiloid auf Basis 2

Inzwischen habe ich ein deutlich besseres und weitaus aufwändigeres Modell gemacht, bei dem ich mich möglichst detailgetreu (auch wenn die Vorlage wahrscheinlich auch nicht authentisch ist, aber eben gut aussieht) an dem Riesennautiloiden der BBC orientiert habe. Allerdings wird diese unangemalt bleiben, bis ich die Möglichkeit habe, Airbrush dafür zu benutzen, denn mit den bisher benutzten Farben würde ich ihn nur verhuntzen.

Aulophyseter rionegrensis-Modell

Dienstag, August 14th, 2007

Da ich mich ja besonders für diverse kaum bekannte prähistorische Wale interessiere, habe ich schon vor geraumer Zeit einmal angefangen, einen primitiven Pottwal zu modellieren. Allerdings hatte ich die Vorlage nicht dabei, und mußte daher aus dem Gedächtnis heraus modellieren, und außer einem selbst hergestellten, ziemlich groben Modellierwerkzeug aus einem krummen Nagel, hatte ich auch keine weiteren Materialien. Letztes Wochenende habe ich dann dank meines Laptops eine geeignete Vorlage vor Ort gehabt, und konnte die entsprechenden Korrekturen vornehmen. Bei dem Wal handelt es sich um Aulophyseter rionegrensis. Ehrlich gesagt weiß ich so gut wie überhaupt nichts über diesen Wal, da Informationen über prähistorische Wale abseits von Basilosaurus und Dorudon nur extrem spärlich sind. Jedenfalls habe ich ein sehr hübsches, am Computer gemaltes Bild auf einer japanischen Seite gefunden, an dem ich mich sehr stark orientiert habe, wobei ich mir gewisse Modifikationen vorbehalten habe. Das als Vorlage dienende Bild kann man hier sehen: http://www.gem.hi-ho.ne.jp/aquaheart/aulophyseter.gif

Als Modell wählte ich dem kleinen Maßstab wegen Fimo, und da es sich um eine sehr kompakte Form handelte, die genügend Eigenstabilität hat und auch keine langen Hebelansätze für die Schwerkraft bietet, habe ich auf stützende Metallelemente im Innern verzichtet. Man sieht recht gut dass es sich auch nur um ein sehr kleines Modell handelt, nicht viel größer als der Korken, auf dem es befestigt ist:

Aulophyseter rionegrensis

Man kann selbst auf einem solchen Maßstab mit Fimo noch erstaunlich gute Modelle herstellen, auch wenn viele kleine Details mit der Digitalkamera leider nicht zu erkennen sind. Zugegebenerweise sieht dieses Modell vielleicht auch nach nicht allzu viel aus, was mit daran liegt, dass es nicht angemalt ist. Nichtsdestotrotz stecken mehrere Stunden Arbeit in diesem Modell. Man merkt beim Modellieren immer wieder, dass man oft wirklich sehr schnell etwas machen kann, was in etwa so aussieht, wie es aussehen soll, aber was wirklich Zeit-raubend ist, sind die ganzen Adaptionen und Anpassungen, um möglichst die Proportionen der Vorlage zu erreichen. Ich habe die Grundform der Vorlage beibehalten, aber noch einige Änderungen gemacht. Etwa habe ich die Rückenflosse noch größer gemacht, ähnlich wie bei Zwergpottwalen, aber schon leicht die Rückenbuckel moderner Pottwale angedeutet. Dafür habe ich auf die für heutige Pottwale typischen Längsrunzeln verzichtet, um nicht allzu starke Assoziationen mit der modernen Art hervorzurufen. Außerdem habe ich die Brustflossen, die auf dem Bild wirklich sehr ungewöhnlich aussahen, eher wie die von modernen Pottwalen modelliert, diese Sicherlform erschien mir einfach zu unwahrscheinlich. Am Kopf habe ich dann noch ein wie bei modernen Pottwalen leicht erhabenes, deutlich seitliches Blasloch modelliert. Was auf den Photos leider beinahe nicht zu sehen ist, sind die zahlreichen Narben, die ich aufmodelliert habe. Pottwalbullen zeigen häufig derartige Narben aus Konfrontationen mit anderen Bullen, und daher dachte ich, dass das hier sicher auch nicht schlecht aussähe. Außerdem machen solche kleine Details ein Modell gleich viel lebendiger.

Aulophyseter rionegrensis

Vielleicht werde ich irgendwann noch mal einen Abguss machen, und diesen dann anmalen, was dann auch gleich viel interessanter aussieht. Für die Zukunft ist auch noch ein größeres Modell des Killer-Pottwales Zygophyseter varolai geplant. Hier noch mal eine Ansich von vorne:

Aulophyseter rionegrensis

Bild des Tages: Mein Tatzelwurm-Photo

Freitag, Juli 20th, 2007

Vor einiger Zeit gab es auf Kryptozoologie-Online einmal einen Wettbewerb, ein möglichst realistisches Fake-Bild eines Kryptiden  zu machen. Ziel davon war vor allem zu sehen, wie schwer oder einfach das ist, und an was man einen Fake erkennen kann. Ich hatte mich dann dazu entschlossen zwei Tatzelwurm-Modelle zu machen, da ich von Photoshop und digitaler Bildbearbeitung praktisch keine Ahnung habe. Außerdem bot sich der Tatzelwurm an, da man ein kleines Modell machen konnte, ohne dass dies sofort zu völlig falschen Größenverhältnissen kam, und dieser Kryptide vergleichsweise einfach zu modellieren ist. Ich habe mich dann stundenlang durch Bücher über Reptilien und das Internet gearbeitet, um geeignete Vorlagen-Bilder von Skinken zu bekommen, da ich vor allem am Kopf eine anatomisch möglichst korrekte Schuppen-Anordnung erreichen wollte. Dann habe ich aus Fimo den Kopf modelliert, und weil der so viel Arbeit gemacht hat, und auch gut genug aussah um noch andere Projekte damit machen zu können, machte ich einen Latexabguss um Zweitköpfe aus Gips gießen zu können. Einen dieser Gipsköpfe habe ich dann an einen Fimokörper anmodelliert, mit einem Netz ein leichtes Schuppenmuster auf diesen gemacht, und dann die Arme mit den vorgehärteten Krallen und Finger angefügt. Bilder vom Entstehungsprozess kann man auch hier sehen:

http://www.kryptozoologie-online.de/component/option,com_zoom/Itemid,159/catid,5/PageNo,2/offset,0/

http://www.kryptozoologie-online.de/component/option,com_zoom/Itemid,159/catid,5/

Das ganze habe ich dann im Backofen gehärtet und (nicht gerade übermäßig professionell…) mit Wasserfarben angemalt. Darüber kam noch eine Lackschicht und kurz darauf ging es zum Photoshooting:

Tatzelwurm

Ich habe bei dieser Version dann noch das Bild entfärbt, damit es aussieht wie ein altes Schwarzweiß-Photo. Zugegebenerweise sieht das mit einem möglichst realistisch gestaltete Photo ziemlich echt aus, und hätte man noch etwas mehr mit der Auflösung und dem Kontrast herumgespielt, könnte man womöglich wirklich nicht sagen, ob nicht vielleicht doch vor Jahrzehnten einmal ein Wanderer in den Alpen einen Tatzelwurm photographiert hat. Mit einer Bilderserie dieses und noch eines anderen Modells habe ich es dann sogar zweimal mit gleicher Wertung auf den ersten Platz des Wettbewerbes geschaft.

Meine Megalania-Trophäe

Dienstag, Juli 3rd, 2007

Megalania-Kopf

Da ich micht nicht nur für alle mögliche lebende, ausgestorbene und auch fantastische Tiere interessiere, sondern auch ganz gerne mal zeichne oder vor allem auch modelliere, sind mit der Zeit auch ein paar Zeichnungen und Skulpturen zusammen gekommen, die vielleicht den einen oder anderen interessieren könnten. Eine dieser Skulpturen ist dieser Megalaniakopf, den ich im Stil einer Jagdtrophäe mal vor ein paar Jahren gemacht habe. Die Gesamtlänge beträgt etwa 45cm, die des Kopfes etwas über 30, so dass er etwa halb so groß ist wie der eines echten großen Megalanias. Der Kopf wurde auf ein Grundgerüst aus Hasenstalldraht mit Pappmaché modelliert, in das ich dann in einer viele Stunden dauernden Arbeit mit einem kleinen Metallröhrchen tausende von Schuppen eingedrück habe. Die Augen bestehen aus geschliefenen und mehrfach lackierten Korken. Das ganze habe ich dann mit Wasserfarben angemalt, und zum Schutz, sowie für eine gewisse Glanzwirkung der Schuppen mehrfach mit Sprühlack versiegelt. Bei der Farbe und dem Muster habe ich mich vor allem an den australischen Waranen aus dem Gould-komplex orientiert, vor allem an dem größten rezenten Waran Australiens, dem Riesenwaran Varanus giganteus, da ich nicht wie allgemein verbreitet, einfach eine größere Ausgabe eines Komodowaranes haben wollte. Im Nachhinein sind mir einige Fehler aufgefallen, der Kopf ist insgesamt zu schmal, und auch die Proportionen, die Größe der Augen und die gesamte Form stimmt nicht so recht, was ich allerdings erst später wirklich nachprüfen konnte, da mir kein Bild von einem tatsächlichen Megalania-Schädel als Vorlage zur Verfügung stand.

Hier sieht man das Innenleben des Kopfes. Mit entsprechend stark zerkleinertem Pappmaché habe ich zwei Holzstücke einmodelliert, was später extrem fest aushärtete. Zusätzlich habe ich auch noch ein Stück dünnes Sperrholz auf die Größe des Innenradius zugeschnitten und ebenfalls mit Pappmaché eingeklebt, so dass ich den Kopf später stabil mit Schrauben an dem Brett befestigen konnte.

Megalania-Kopf Innenansicht

Hier noch ein Bild vom Kopf im unbemalten Zustand:

Megalania-Kopf unangemalt

Die Evolution des Narwals

Freitag, Mai 25th, 2007

Ein meinr Ansicht nach besonders interessanter Fall spekulativer Paläontologie ist die Evolution des Narwals Monodon monoceros. Bei heutigen Narwalen bestitzen die Männchen einen massiv vergrößerten und an der Oberfläche spiralig gewundenen linken mittleren Schneidezahn, der außerhalb des Mauls aus die Haut bricht. Die frühesten Vorfahren dieser Wale haben wahrscheinlich so ähnlich ausgesehen wie die mit ihnen verwandten Belugas, aber wie die ganzen Vorfahren ausgesehen haben, die zu diesem oftmals Einhorn des Meeres genannten Wesens führten, ist durch keinerlei fossilen Funde belegt. Hier stellen sich mehrere Fragen, etwa wann die Schneidezähne anfingen waagrecht statt senkrecht zu stehen, wann sie nicht mehr aus dem Zahnfleisch, sondern außerhalb des Maules herauswuchsen, seit wann sie nur noch auf einer Seite einen großen Zahn ausbilden, oder wann sich die Spiralwindung entwickelt hat. 

Hier sieht man den Schädel eines Narwales in der Seitenansicht:

Narwal-Schädel1

Man kann gut erkennen, dass die Kiefer außer dem linken ersten oberen Schneidezahn (sowie dem im Kiefer verborgenen rechten ersten oberen Schneidezahn) vollständig zahnlos ist.

In der Aufsicht wird die durch den Zahn verursachte Assymetrie des Kieferknochens noch deutlicher:

Narwal-Schädel2

 Die Vorfahren der Narwale müssen zweifellos teilweise ziemlich eigentümlich ausgesehen haben, es gibt sogar gewisse Hinweise darauf, dass anfangs nicht nur die oberen Schneidezähne etwas verlängert waren, sondern auch die unteren…

Der Vergleich mit dem Schädel des Belugas, welcher dem der frühesten Narwalvorfahren sehr ähnlich sein dürfte,  zeigt gut welche enormen Modifikationen des Schädels und der Zähne diese Tiere in ihrer Evolutionsgeschichte durchgemacht haben:

Beluga-Schädel

Der evolutionäre Prozess der von einem Tier mit einem Schädel ähnlich dem Beluga zu den modernen Narwalen geführt hat, kann nicht von jetzt auf gleich, und auch nicht vollkommen geradlinig stattgefunden haben. Die dazwischen gelegenen Zwischenstufen müssen teilweise äußerst seltsam ausgesehen haben.

 Auch wenn man bisher keine Knochen dieser Protonarwale gefunden hat, so kann man sich doch einigermaßen ausmalen wie zumindest einige ihrer Ahnen ausgesehen haben müssen. Da bei heutigen Narwalen normalerweise nur die Männchen einen Stoßzahn haben, und auch viele andere Wale teilweise sehr seltsam ausgebildete Zähne besitzen, die ausschließlich zur Austragung innerartlicher Rivalitäten dienen, kann man davon ausgehen, dass die allerfrühesten Narwale ihre leicht verlängerten und schräg aus dem Maul ragenden Schneidezähne bei Rivalenkämpfen benutzt haben könnten, ähnlich wie das die Männchen vieler Schnabelwale machen, deren Körper oft stark von Narben bedeckt ist, welche von den Zähnen anderer Bullen stammen. Spätere Formen hatten wohl schon recht gut entwickelte doppelte Schneidezähne, die aber vielleicht immer noch aus dem Maul heraus ragten. Interessanterweise kennt man einige primitive langschnäuzige, sogenannte haizähnige Wale (die Squalodontiden), welche neben ihren gesägten Zähnen im hinteren Kieferbereich auch senkrecht nach vorne stehende Schneidezähne an der Schnauzenspitze besaßen. Möglicherweise entwickelte sich dieses Merkmal bei ihnen aus ähnlichen Gründen wie bei den Vorfahren der Narwale. Ohne entsprechende Fossilien läßt sich hier leider sehr schwer sagen, wann die Zähne der Protonarwale außerhalb des Maules heraus wuchsen. Bei allen große Zähne tragenden Walen wachsen die Zähne noch aus dem Zahnfleisch, und das vorzugsweise im Unterkiefer, der Narwal ist hier die einzige Ausnahme. Heutige Tiere bei denen die Zähne auch außerhalb des Maules herauswachsen wären etwa die skurilen asiatischen Hirscheber oder Babirussas, bei denen die Eckzähne der Eber senkrecht aus oder Schnauzenoberseite herauswachsen, und einen Bogen nach hinten bilden. Vor einiger Zeit modellierte ich auch ein Modell eines solchen Protonarwales, oder Furcadon (nach dem Wort für eine zweizinkige Gabel) wie ich ihn inoffiziell genannt habe, das ein frühes mögliches Entwicklungsstadium aus der Ahnenreihe der Narwale zeigt. Das Modell besteht aus Fimo und wurde mit Wasserfarben bemalt, und anschließend lackiert:

 protonarwal-seitlich.jpg

 Der Körper bildet eine Art Zwischenform zwischen Narwal und Beluga, wobei mir im Nachhinein leider aufgefallen ist, dass der Kopf proportional zu groß geworden ist.

Protonarwal Unterseite

 Man sieht gut dass die beiden kurzen Stoßzähne noch nicht außerhalb des Maules durch die Haut stoßen, sondern noch aus dem Zahnfleisch ragen. Auch eine Drehung ist noch nicht vorhanden. Was man auf dem bemalten und lackierten Modell leider nicht mehr so gut sieht, sind die zahlreichen parallel verlaufenden Narben, die ich noch aufmodelliert habe, ähnlich wie bei vielen Schnabelwalen, die sich auch mit ihren Zähnen gegenseitig solche Verletzungen zufügen.

Nicht minder interessant ist hier auch die Evolution und die spekulativen Zwischenformen der bizarren “Walroßwale” Odobenocetops peruvianus und Odobenocetops leptodon, welche entfernte Verwandte von Narwal und Beluga waren, vielleicht werde ich mich auch mal denen widmen. Bis dahin werden aber noch weitere Beiträge folgen.

Anmerkung: Die Bilder der Schädel von Narwal und Beluga stammen aus der Sammlung des Zoologischen Institutes in Tübingen.