Naturerkundung auf Kreta Teil 1: Auf der Halbinsel Rodopou

Unter anderem um dem mehr als nur bescheidenem deutschen Frühjahrswetter zu entkommen, habe ich vor kurzem zwei Wochen Urlaub auf Kreta verbracht. Abgesehen von dem dringenden Bedürfnis einmal wieder etwas Sonnenschein abzubekommen und das Meer zu sehen, wollte ich vor allem die Natur auf Kreta erkunden. Trotz der Tatsache dass diese Insel zum Großteil vom Tourismus lebt, gibt es dennoch noch teilweise erstaunlich große kaum besiedelte Regionen, und wirklich spektakuläre Landschaften. Aufgrund der Tatsache dass Kreta als südlichste Insel Griechenlands auch am stärksten geographisch isoliert ist, finden sich dort bei weitem nicht so viele Arten wie auf dem griechischen Festland, sowie den ihm näher gelegenen Inseln. Dafür finden sich einige Endemiten, sowie vor allem insbesondere in der Vogelwelt einige ansonsten überaus seltene Arten in noch vergleichsweise hoher Zahl.

Auf der Halbinsel Rodopou

Da der Urlaub praktisch ausschließlich zum Wandern geplant war, habe ich mir einen Region im Westen der Insel gesucht, da es gerade dort eine große Anzahl von sehr schönen Regionen gibt, welche man mit einem in der Regel vergleichsweise geringen Aufwand erreichen kann. Letztendlich habe ich es in den zwei Wochen auch geschafft, den Großteil der Orte zu besuchen, die ich mir vorgenommen hatte. Zwar habe ich nicht alle Tiere gesehen die ich gehofft hatte zu entdecken, aber dennoch war der Urlaub eine außerordentlich interessante Erfahrung. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die große Anzahl unterschiedlicher Landschaften auf einem vergleichsweise geringen Raum, beispielsweise auf der Halbinsel Rodopou, welche sich direkt westlich des kleinen Ortes Kolimvari etwa 18 km nach Norden erstreckt. Abgesehen von ein paar kleinen Bergdörfern, welche aber ohnehin im südlichen Teil gelegen sind, ist die Halbinsel praktisch unbesiedelt, und bietet weite Landschaften, die praktisch völlig menschenleer sind. Da ich diese Halbinsel vom Hotel aus zu Fuß erreichen konnte, war sie mehrfach Ziel meiner Ausflüge, wenngleich ich einige Zeit benötigte, um trotz Satelitenkarten die richtigen Wege zu finden.
Dabei sind es nicht nur die Naturlandschaften, sondern auch die Kulturlandschaften wie etwa die zahllosen Olivenhaine, in denen man immer wieder interessante Entdeckungen machen kann. So habe ich beispielsweise gleich am zweiten Tag direkt am Ortsrand auf einigen Telefon-oder Stromleitungen ein paar Bienenfresser (Merops apiaster) entdeckt. Das war auch insofern erstaunlich, als dass ich während der restlichen Zeit nur noch ein einziges Mal einen weiteren Bienenfresser gesehen habe. Leider sieht man auf den Photos trotz maximalen Zooms der Kamera aufgrund der Entfernung nicht allzu viel, daher musste ich das Bild entsprechend stark zuschneiden:

Bienenfresser

Die außerordentliche Farbenpracht der Bienenfresser kommt darauf auch kaum zur Geltung. Diese eigentlich eher in wärmeren Gebieten lebenden Vögel kommen übrigens auch in einigen wenigen Regionen Deutschlands vor, etwa am Kaiserstuhl. Ich habe auch einige andere, wenngleich auch nicht so spektakulär gefärbte Vögel gesehen, beispielsweise Neuntöter, doch aufgrund ihrer geringen Körpergröße und den üblicherweise großen Entfernungen sind sie auf den Bildern in aller Regel nicht gut zu erkennen.

Die ersten Kilometer führte mich mein ziemlich steiliger Weg vor allem durch verschlungene Olivenhaine, und bereits von dort aus konnte man das wunderschöne Panorama mit den noch auf den Gipfeln mit Schnee bedeckten Bergen im Inselinneren bewundern.

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An vielen klimatisch geeigneten Stellen Kretas findet man Agaven, teilweise von erheblicher Größe. Ursprünglich waren diese aber nicht im Mittelmeerraum beheimatet, sondern wurden aus Südamerika eingeführt.

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Die Olivenbäume stehen in der Regel in dichten, beinahe Wald-ähnlichen Hainen, doch teilweise auch deutlich weiter voneinander entfernt, was natürlich wiederum Lebensraum für Tier-und Pflanzenarten schafft, welche mehr Sonne bevorzugen.

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Erfreulicherweise sind die Olivenhaine auch keine reinen Monokulturen, und man sieht auch immer wieder andere Bäume un Sträucher dazwischen wachsen. Einige dieser Olivenbäume sind offensichtlich bereits uralt, und vielfach innen vollkommen ausgehöhlt, und mit enormen Durchmessern, wie etwa dieser Stamm, der etwa zwei Meter breit war.

Olivenbaum

Insgesamt habe ich nur recht wenige Tiere auf Rodopou gesehen, gelegentlich Mauereidechsen, einmal in einem der Olivenhaine ein Paar adulter Riesensmaragdeidechsen sowie ein paar Jungtiere. Trotz gründlicher Suche konnte ich nur sehr wenige Insekten ausmachen. Gelegentlich sah man Schmetterlinge, etwa die großen Schwalbenschwänze (Papilio machaon), und immer einmal wieder entdeckte ich eine der großen Ägyptischen Wanderheuschrecken (Anacridium aegyptium):

Anacridium aegyptium

Im Vergleich zum griechischen Festeland, wo man eine ganze Heerschaar von Reptilien findet, ist Kreta sehr artenarm, unter den Echsen findet man beispielsweise lediglich die Kretische Mauereidechse (Podarcis cretensis), welche inzwischen auch nicht mehr als Unterart der weit im Mittelmeerraum verbreiteten Kykladen-Mauereidchse gilt, die Riesensmaragdeidechse (Lacerta trilineata), den Gefleckten Walzenskink (Chalcides ocellatus) sowie drei Arten von Geckos, den Europäischen Halbfinger (Hemidactylus turcicus), den Mauergecko (Tarentola mauritanica) und den Ägaischen Nacktfinger. (Mediodactylus kotschyi) – (s)sp. bartoni. Von den anscheinend eher lokal verbreiteten Geckos konnte ich allerdings in zwei Wochen keine einzige Art entdecken. Der Mauergecko scheint ohnehin nicht ursprünglich auf Kreta heimisch gewesen zu sein, sondern ist wahrscheinlich erst mit Schiffen dorthin gelangt.

Dafür sah ich aber immerhin einige Kretische Mauereidechsen, allerdings nicht so viele, wie teilweise in anderen Gegenden der Insel. Es ist wirklich überraschend, wie variabel sie in ihrer Färbung sind.

Podarcis cretensis (1)

Podarcis cretensis (2)

Podarcis cretensis (3)

 

Podarcis cretensis

Dieses Exemplar war gerade dabei sich zu häuten, und man sieht wie die Haut etwa in der Mitte des Bauchs umgestülpt ist. Eidechsen häuten sich üblicherweise nicht wie Schlangen am Stück, sondern verlieren ihre alte Haut fetzenweise.

 

Podarcis cretensis (4)

 

Die erste Riesensmaragdeidechse die ich photographieren konnte, allerdings handelte es sich noch um ein Jungtier, weshalb die namensgebende Farbe noch nicht so stark ausgeprägt war wie bei erwachsenen Exemplaren. Man kann sie auf den ersten Blick leicht mit den Mauereidechsen verwechseln, was mir auch teilweise passiert ist. Allerdings kann man auch auf bräunlicher Grundfärbung gut die drei hellen Streifen (der Name Lacerta trilineata passt wirklich gut!) sehen, selbst wenn das zuweilen erst der Fall ist, wenn man sich später in Ruhe das Photo ansehen kann.

Junge Riesensmaragdeidechse,

Auf Rodopou sah ich auch zwei Walzenskinke, allerdings jedes mal nur für wenige Augenblicke, so dass ich leider keine Photos machen konnten. Beides mal war es in sehr trockenen und steinigen Gelände. Leider sollten es auch die einzigen Skinke gewesen sein, welche ich in den zwei Wochen auf der Insel sah. Ich kenne mich mit Blumen nicht allzu gut aus, daher kann ich leider nicht sagen um was für eine Art es sich hier handelt, doch ich vermute dass es eine Orchidee ist:

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Trotz hochauflösender Satelitenkarten kann das Finden der richtigen Wege zuweilen – gelinde gesagt – schwierig sein. Darum kann es oft hilfreich sein, sich gut sichtbare Wegmarken zu suchen, wie etwa dieser über die Olivenbäume ragende abgestorbene Baum, der weithin sichtbar gewesen ist.

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Der Südteil ist an der Basis der Halbinsel noch größtenteils von Olivenbäumen bewachsen ist, doch je weiter nach Norden es geht, umso karger und felsiger wird die Vegetation. Hier sieht man eine große Höhle, in der Kolkraben ihr Nest hatten:

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Einheimische Säugetiere gibt es aufgrund der isolierten Lage Kretas nur sehr wenige, umso erfreuter war ich darum, am hellichten Tag ein Mauswiesel (Mustela nivalis) vor mir auf dem Weg zu entdecken:

Mauswiesel

Im Mittelteil von Rodopou findet sich zwar bereits viel nacktes Gestein, doch auch noch zumindest an manchen Stellen viele Stäucher, Büsche, und teilweise auch noch Bäume und üppig bewachsenen Boden.

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Doch je weiter man nach Süden kommt, umso trockener und karger wird die Landschaft, bis es nur noch vereinzelte Büsche und kaum noch Bäume gibt. Über diesen Berghängen konnte ich auch fünf oder sechs Gänsegeier beobachten.

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Etwa in der Mitte der Halbinsel erstreckt sich eine talähnliche Ebene, welche an den Seiten von Bergen flankiert ist.

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An einigen Stellen konnte sich allem Anschein nach mehr Wasser halten, was sich dann auch in einer deutlich frischeren Vegetation an diesen Orten zeigte.

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Das nördlichste Drittel von Rodopou ist extrem karg, es gibt keinerlei Bäume mehr, es ist ausgesprochen trocken und die Landschaft wird von teilweise äußerst bizarren Steinformationen geprägt.

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Für einen Geologie-Interessierten wäre diese Gegend sicherlich ausgesprochen interessant, da hier zahlreiche unterschiedliche Gesteinsformationen und -arten zu finden sind, und auch die Pflanzenwelt ist wirklich sehenswert. Tiere findet man hier allerdings kaum noch, außer höchstens ein paar wenigen Insekten, Eidechsen oder Vögeln, sowie den praktisch überall zu findenden herumstreifenden Ziegen und Schafen.

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Was mich wirklich besonders beeindruckt und fasziniert hat, ist die enorme Weite in der Mitte der Halb, auf der sich außer einem staubigen Weg praktisch kein Anzeichen menschlicher Anwesenheit findet, und man vielle Kilometer laufen kann, ohne auch nur einer einzigen Person zu begegnen.

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Teilweise haben Schäfer an manchen Stellen Gruben gegraben, um dort das Regenwasser aufzufangen, allerdings konnte ich nur in einer einzigen Grube auch tatsächlich Wasser finden. Außer einigen Libellen beherberge dieses Wasserloch auch zahllose Kaulquappen, was durchaus sehr erstaunlich ist, da es auf Kilometer im Umkreis praktisch kein Oberflächenwasser gibt.

DSC07210 Zugegeben, Schwalben gibt es auch bei uns, aber diese saß so photogen auf einer Leitung nahe dem südlichen Ansatz von Rodopou, und war einer der wenigen Wildvögel die ich gut photographieren konnte, daher habe ich sie hier stellvertretend für die anderen Vögel von denen ich gar keine, oder nur schlechte Bilder machen konnte, auch noch aufgeführt.

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Ich bin insgesamt drei mal auf Rodopou gewandert, allerdings nur ein einziges Mal bis nahe an die Nordspitze, wobei diese sich über neun Stunden und etwa 46 km ziehende Tour wirklich eine der schönsten und interessantesten während des ganzen Urlaubs gewesen ist. Allgemein kann ich nun auch aus eigener Erfahrung raten, bei solchen Wanderungen auf einige Dinge zu achten, wie es ja auch immer wieder in Reiseführer geschrieben wird. Zum einen sollte man gute Schuhe anhaben, da das Gelände oft steil und steinig ist. Ganz wichtig ist es auch, genügend Wasser mit sich zu führen, und ich meine wirklich genügend. Wenn absehbar ist, dass man bald etwa die Hälfte des Vorrats verbraucht hat, sollte man im Zweifelsfall lieber umkehren, damit man auch genügend für den Rückweg hat. Ich habe in der Regel drei Liter Wasser dabei gehabt, aber gerade bei der 46 km-Tour, bei der es die meiste Zeit an die 30°C hatte, war dies eigentlich immer noch zu wenig. Ebenfalls essentiell wichtig ist Sonnenschutz, man sollte daher unbedingt eine gute Sonnencreme mit sich führen, und auch an den exponiertesten Stellen im Zweifelsfall immer mal wieder nachcremen, auch ist es absolut angeraten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Dabei sind vor allem solche praktisch, die auch den Nacken zumindest teilweise auch vor Sonne schützen. Ein anderes Utensil, das sich immer wieder als hilfreich erwiesen hat, ist ein Kompass. Gerade in den Olivenhainen mit den vielen gewundenen Pfaden, kann man leicht einmal die Orientierung verlieren, und da es selbst mit Hilfe von Satelitenkarten geradezu katastrophal schwierig sein kann die richtigen Wege zu finden (viel Wege haben die unangenehme Eigenschaft sich einfach irgendwann im Gebüsch zu verlieren), ist es manchmal am besten, sich einfach nach den Himmelsrichtungen zu orientieren. Ein großes Problem besteht darin, dass selbst Wege die laut Satelitenkarten eigentlich gut erkennbar sein müssten, teilweise entweder anders verlaufen als angegeben, oder kaum oder gar nicht als Wege erkennbar sind. Ich habe mich einige Male arg verlaufen, und habe zahlreiche Sackgassen „erkundet“. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass es wirklich sehr hilfreich sein kann, wenn man sich die Arbeit macht, selbst eine hochauflösende Karte von Satelitenbilden zusammen zu stellen, etwa über Google Maps, die man sich dann beispielsweise einfach auf ein Smartphone übertragen kann.

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