Der erstaunliche Helmkasuar

Als ich vor einiger Zeit im Zoologischen Garten in Berlin gewesen bin, hatte ich dort die Gelegenheit, einen Helmkasuar (Casuarius casuarius)einmal aus allernächster Nähe zu beobachten, als dieser sich gerade nahe des Zaunes im Außengehege befand. Vor einigen Jahren habe ich bereits einen im Zoo Schönbrunn bei Wien gesehen, allerdings war dieser ständig in Bewegung, und nur ganz kurz nahe des Zaunes, so dass ich auch keine guten Photos machen konnte. In Berlin dagegen war es mir dann zum Glück möglich einige Bilder zu machen, die größtenteils recht passabel sind, und einige interessante Details zeigen. Mit am Auffälligsten ist natürlich der namensgebende „Helm“ auf dem Kopf. Üblicherweise kann man lesen, dass dieser im dichten Unterholz als Schutz für den Kopf dient, aber so weit ich weiß, handelt es sich dabei auch nur um eine populäre Vermutung, und keine erwiesene Tatsache. Vielleicht hat er aber auch tatsächlich primär einen dekorativen Zweck, vergleichbar den großen Schädelauswüchsen die man bei Nashornvögeln findet. Dazu würde auch der äußerst prächtig gefärbte Kopf und Hals passen.

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Ich habe hier extra mal noch ein Photo eingefügt, dass den Hals und Kopf noch von hinten zeigt. Wie man sieht verläuft im Nacken ein Streifen stark geblähter und gefalteter Haut. Hier werden zweifellos Parallelen zum Truthahn sichtbar (nachzulesen im vorigen Blogpost), allerdings unterscheiden sich Helmkasuare in dieser Merkmal vor allem insofern von Truthähnen, als dass bei ihnen beide Geschlechter die auffälligen Farben tragen, und sich auch sonst außer in der Größe äußerlich nicht unterscheiden.

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Über den Helmkasuar, wie auch die beiden anderen Kasuare, den Einlappenkasuar (Casuarius unappendiculatus) und den Bennett-Kasuar (Casuarius bennetti) gäbe es jede Menge zu schreiben, etwa über ihre teils recht seltsame Verbreitung, die damit in Zusammenhang steht, dass sie schon früh vom Menschen weiterverbreitet wurden. Oder über ihre Schwimmfähigkeit und die Fortpflanzung. Ich möchte hier aber primär nur auf einige besondere anatomische Details des Helmkasuars eingehen. Die Kasuare sind nach Strauß und Emu die größten rezenten Vögel der Erde, und erreichen Gewichte bis etwa 70kg. Ihre Flügel sind sehr stark zurückgebildet, aber sie zeigen doch einige interessante Merkmale. Während beim Strauß die Schwungfedern zu den bekannten großen buschigen Federn ausgebildet sind, die sowohl beim Imponieren als auch beim Rennen zum Balancieren dienen, sind sie bei dem näher mit den Kasuaren verwandten Emus zwischen dem restlichen Federkleid praktisch gar nicht zu sehen. Auch bei den Kasuaren sieht man nicht viel von den eigentlichen Flügeln, doch zwischen den glänzend schwarzen und fellartigen Federn ragen im Bereich der verkümmerten Schwingen einige merkwürdige Gebilde heraus, die wohl einzigartig innerhald der Vogelweld sind. Man kann es auf diesem, wie auch auf dem folgenden Bild eigentlich ganz gut sehen, es wachsen ein paar sehr lange, und vollkommen ungeschweifte Federkiele an den Flügeln der Kasuare. Ob diese irgendeinen praktischen Nutzen haben, oder auch nur „zur Dekoration“ dienen, ist mir aber leider völlig unbekannt.

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Ebenfalls äußerst interessant sind die riesigen inneren Krallen welche die Kasuare an zwei ihrer Zehen tragen. Anders als die sichelförmigen und spitzen Krallen der Seriemas über die ich ein paar Einträge zuvor geschrieben habe, sind sie beim Kasuar nur sehr mäßig gekrümmt, und scheinen sich an der Spitze auch flach am Boden abzuschleifen. Kasuare benutzen diese Krallen als äußerst gefährliche Waffen, und sie sind durchaus in der Lage, damit einen Hund, ein Schwein oder sogar einen Menschen schwer zu verletzen oder gar zu töten. Aufgrund ihrer Gefährlichkeit werden von den papuanischen Eingeborenen die von kleinauf wie Haustiere großgezogenen Kasuare auch ab einer gewissen Größe in kleine Gehegen gehalten. Diese Vögel stellen teilweise immer noch enorme Prestigeobjekte dar, die ein äußerst hohes Wertpotential besitzen. Durch den hohen Handelswert ist es wohl auch zu erklären, dass diese Vögel auch in Gebieten zu finden sind, in denen ihr Vorkommen aus rein biogeographischer Sicht nur schwer zu erklären ist.

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Wer einmal die Gelegenheit hat einen Kasuar in einem Zoo oder Vogelpark aus der Nähe zu betrachten, der sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, und sich diese ebenso imposanten wie exotischen Vögel einmal genauer ansehen.

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6 Kommentare zu Der erstaunliche Helmkasuar

  1. Sven sagt:

    Sehr Dinosaurierlike 🙂 Habe vor kurzem in Niendorf die Gelegenheit gehabt einem jungen Kasuar sehr nahe zu kommen. Im Jugendkleid sind die fast noch interessanter.

    [IMG]http://i473.photobucket.com/albums/rr97/Svenimal/niendorf/tropen/kasuar.jpg[/IMG]

  2. Cronos sagt:

    Wirklich ein sehr schönes Bild Sven, vielen Dank!

  3. Alex sagt:

    Bei uns in Australien gibt’s die Viecher (Cassowary) in einigen Zoos. Sind wirklich sehr imposant, und sehen meiner Meinung nach am ehesten wie so ein „Urviech“ aus. Aufgrund ihrer von dir schon angesprochenen Gefährlichkeit ist wohl relativ wenig über sie bekannt.

  4. BlackSun sagt:

    Hi,

    in nordaustralien kommen kasuare noch vor. ich hatte in dieser zeit das glück für zwei monate in der daintree-region zu weilen (cape york peninsula). Leider habe ich dort kein kasuare gesehen, aber bäume die sich im bezu g auf die samenverbreitung auf diese vögel angepasst haben. Ein gutes Beispiel ist da z.b. die Blue Quandong Elaeocarpus angustifolius.

  5. Cronos sagt:

    Wirklich interessant, so weit in den Süden hat es mich bisher noch nie verschlagen, wobei Australien immer noch ziemlich weit oben auf meiner persönlichen Reise-Wunschliste steht.

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