Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Skulpturen’ Category

Bild des Tages: Mein Tatzelwurm-Photo

Freitag, Juli 20th, 2007

Vor einiger Zeit gab es auf Kryptozoologie-Online einmal einen Wettbewerb, ein möglichst realistisches Fake-Bild eines Kryptiden  zu machen. Ziel davon war vor allem zu sehen, wie schwer oder einfach das ist, und an was man einen Fake erkennen kann. Ich hatte mich dann dazu entschlossen zwei Tatzelwurm-Modelle zu machen, da ich von Photoshop und digitaler Bildbearbeitung praktisch keine Ahnung habe. Außerdem bot sich der Tatzelwurm an, da man ein kleines Modell machen konnte, ohne dass dies sofort zu völlig falschen Größenverhältnissen kam, und dieser Kryptide vergleichsweise einfach zu modellieren ist. Ich habe mich dann stundenlang durch Bücher über Reptilien und das Internet gearbeitet, um geeignete Vorlagen-Bilder von Skinken zu bekommen, da ich vor allem am Kopf eine anatomisch möglichst korrekte Schuppen-Anordnung erreichen wollte. Dann habe ich aus Fimo den Kopf modelliert, und weil der so viel Arbeit gemacht hat, und auch gut genug aussah um noch andere Projekte damit machen zu können, machte ich einen Latexabguss um Zweitköpfe aus Gips gießen zu können. Einen dieser Gipsköpfe habe ich dann an einen Fimokörper anmodelliert, mit einem Netz ein leichtes Schuppenmuster auf diesen gemacht, und dann die Arme mit den vorgehärteten Krallen und Finger angefügt. Bilder vom Entstehungsprozess kann man auch hier sehen:

http://www.kryptozoologie-online.de/component/option,com_zoom/Itemid,159/catid,5/PageNo,2/offset,0/

http://www.kryptozoologie-online.de/component/option,com_zoom/Itemid,159/catid,5/

Das ganze habe ich dann im Backofen gehärtet und (nicht gerade übermäßig professionell…) mit Wasserfarben angemalt. Darüber kam noch eine Lackschicht und kurz darauf ging es zum Photoshooting:

Tatzelwurm

Ich habe bei dieser Version dann noch das Bild entfärbt, damit es aussieht wie ein altes Schwarzweiß-Photo. Zugegebenerweise sieht das mit einem möglichst realistisch gestaltete Photo ziemlich echt aus, und hätte man noch etwas mehr mit der Auflösung und dem Kontrast herumgespielt, könnte man womöglich wirklich nicht sagen, ob nicht vielleicht doch vor Jahrzehnten einmal ein Wanderer in den Alpen einen Tatzelwurm photographiert hat. Mit einer Bilderserie dieses und noch eines anderen Modells habe ich es dann sogar zweimal mit gleicher Wertung auf den ersten Platz des Wettbewerbes geschaft.

Meine Megalania-Trophäe

Dienstag, Juli 3rd, 2007

Megalania-Kopf

Da ich micht nicht nur für alle mögliche lebende, ausgestorbene und auch fantastische Tiere interessiere, sondern auch ganz gerne mal zeichne oder vor allem auch modelliere, sind mit der Zeit auch ein paar Zeichnungen und Skulpturen zusammen gekommen, die vielleicht den einen oder anderen interessieren könnten. Eine dieser Skulpturen ist dieser Megalaniakopf, den ich im Stil einer Jagdtrophäe mal vor ein paar Jahren gemacht habe. Die Gesamtlänge beträgt etwa 45cm, die des Kopfes etwas über 30, so dass er etwa halb so groß ist wie der eines echten großen Megalanias. Der Kopf wurde auf ein Grundgerüst aus Hasenstalldraht mit Pappmaché modelliert, in das ich dann in einer viele Stunden dauernden Arbeit mit einem kleinen Metallröhrchen tausende von Schuppen eingedrück habe. Die Augen bestehen aus geschliefenen und mehrfach lackierten Korken. Das ganze habe ich dann mit Wasserfarben angemalt, und zum Schutz, sowie für eine gewisse Glanzwirkung der Schuppen mehrfach mit Sprühlack versiegelt. Bei der Farbe und dem Muster habe ich mich vor allem an den australischen Waranen aus dem Gould-komplex orientiert, vor allem an dem größten rezenten Waran Australiens, dem Riesenwaran Varanus giganteus, da ich nicht wie allgemein verbreitet, einfach eine größere Ausgabe eines Komodowaranes haben wollte. Im Nachhinein sind mir einige Fehler aufgefallen, der Kopf ist insgesamt zu schmal, und auch die Proportionen, die Größe der Augen und die gesamte Form stimmt nicht so recht, was ich allerdings erst später wirklich nachprüfen konnte, da mir kein Bild von einem tatsächlichen Megalania-Schädel als Vorlage zur Verfügung stand.

Hier sieht man das Innenleben des Kopfes. Mit entsprechend stark zerkleinertem Pappmaché habe ich zwei Holzstücke einmodelliert, was später extrem fest aushärtete. Zusätzlich habe ich auch noch ein Stück dünnes Sperrholz auf die Größe des Innenradius zugeschnitten und ebenfalls mit Pappmaché eingeklebt, so dass ich den Kopf später stabil mit Schrauben an dem Brett befestigen konnte.

Megalania-Kopf Innenansicht

Hier noch ein Bild vom Kopf im unbemalten Zustand:

Megalania-Kopf unangemalt

Die Evolution des Narwals

Freitag, Mai 25th, 2007

Ein meinr Ansicht nach besonders interessanter Fall spekulativer Paläontologie ist die Evolution des Narwals Monodon monoceros. Bei heutigen Narwalen bestitzen die Männchen einen massiv vergrößerten und an der Oberfläche spiralig gewundenen linken mittleren Schneidezahn, der außerhalb des Mauls aus die Haut bricht. Die frühesten Vorfahren dieser Wale haben wahrscheinlich so ähnlich ausgesehen wie die mit ihnen verwandten Belugas, aber wie die ganzen Vorfahren ausgesehen haben, die zu diesem oftmals Einhorn des Meeres genannten Wesens führten, ist durch keinerlei fossilen Funde belegt. Hier stellen sich mehrere Fragen, etwa wann die Schneidezähne anfingen waagrecht statt senkrecht zu stehen, wann sie nicht mehr aus dem Zahnfleisch, sondern außerhalb des Maules herauswuchsen, seit wann sie nur noch auf einer Seite einen großen Zahn ausbilden, oder wann sich die Spiralwindung entwickelt hat. 

Hier sieht man den Schädel eines Narwales in der Seitenansicht:

Narwal-Schädel1

Man kann gut erkennen, dass die Kiefer außer dem linken ersten oberen Schneidezahn (sowie dem im Kiefer verborgenen rechten ersten oberen Schneidezahn) vollständig zahnlos ist.

In der Aufsicht wird die durch den Zahn verursachte Assymetrie des Kieferknochens noch deutlicher:

Narwal-Schädel2

 Die Vorfahren der Narwale müssen zweifellos teilweise ziemlich eigentümlich ausgesehen haben, es gibt sogar gewisse Hinweise darauf, dass anfangs nicht nur die oberen Schneidezähne etwas verlängert waren, sondern auch die unteren…

Der Vergleich mit dem Schädel des Belugas, welcher dem der frühesten Narwalvorfahren sehr ähnlich sein dürfte,  zeigt gut welche enormen Modifikationen des Schädels und der Zähne diese Tiere in ihrer Evolutionsgeschichte durchgemacht haben:

Beluga-Schädel

Der evolutionäre Prozess der von einem Tier mit einem Schädel ähnlich dem Beluga zu den modernen Narwalen geführt hat, kann nicht von jetzt auf gleich, und auch nicht vollkommen geradlinig stattgefunden haben. Die dazwischen gelegenen Zwischenstufen müssen teilweise äußerst seltsam ausgesehen haben.

 Auch wenn man bisher keine Knochen dieser Protonarwale gefunden hat, so kann man sich doch einigermaßen ausmalen wie zumindest einige ihrer Ahnen ausgesehen haben müssen. Da bei heutigen Narwalen normalerweise nur die Männchen einen Stoßzahn haben, und auch viele andere Wale teilweise sehr seltsam ausgebildete Zähne besitzen, die ausschließlich zur Austragung innerartlicher Rivalitäten dienen, kann man davon ausgehen, dass die allerfrühesten Narwale ihre leicht verlängerten und schräg aus dem Maul ragenden Schneidezähne bei Rivalenkämpfen benutzt haben könnten, ähnlich wie das die Männchen vieler Schnabelwale machen, deren Körper oft stark von Narben bedeckt ist, welche von den Zähnen anderer Bullen stammen. Spätere Formen hatten wohl schon recht gut entwickelte doppelte Schneidezähne, die aber vielleicht immer noch aus dem Maul heraus ragten. Interessanterweise kennt man einige primitive langschnäuzige, sogenannte haizähnige Wale (die Squalodontiden), welche neben ihren gesägten Zähnen im hinteren Kieferbereich auch senkrecht nach vorne stehende Schneidezähne an der Schnauzenspitze besaßen. Möglicherweise entwickelte sich dieses Merkmal bei ihnen aus ähnlichen Gründen wie bei den Vorfahren der Narwale. Ohne entsprechende Fossilien läßt sich hier leider sehr schwer sagen, wann die Zähne der Protonarwale außerhalb des Maules heraus wuchsen. Bei allen große Zähne tragenden Walen wachsen die Zähne noch aus dem Zahnfleisch, und das vorzugsweise im Unterkiefer, der Narwal ist hier die einzige Ausnahme. Heutige Tiere bei denen die Zähne auch außerhalb des Maules herauswachsen wären etwa die skurilen asiatischen Hirscheber oder Babirussas, bei denen die Eckzähne der Eber senkrecht aus oder Schnauzenoberseite herauswachsen, und einen Bogen nach hinten bilden. Vor einiger Zeit modellierte ich auch ein Modell eines solchen Protonarwales, oder Furcadon (nach dem Wort für eine zweizinkige Gabel) wie ich ihn inoffiziell genannt habe, das ein frühes mögliches Entwicklungsstadium aus der Ahnenreihe der Narwale zeigt. Das Modell besteht aus Fimo und wurde mit Wasserfarben bemalt, und anschließend lackiert:

 protonarwal-seitlich.jpg

 Der Körper bildet eine Art Zwischenform zwischen Narwal und Beluga, wobei mir im Nachhinein leider aufgefallen ist, dass der Kopf proportional zu groß geworden ist.

Protonarwal Unterseite

 Man sieht gut dass die beiden kurzen Stoßzähne noch nicht außerhalb des Maules durch die Haut stoßen, sondern noch aus dem Zahnfleisch ragen. Auch eine Drehung ist noch nicht vorhanden. Was man auf dem bemalten und lackierten Modell leider nicht mehr so gut sieht, sind die zahlreichen parallel verlaufenden Narben, die ich noch aufmodelliert habe, ähnlich wie bei vielen Schnabelwalen, die sich auch mit ihren Zähnen gegenseitig solche Verletzungen zufügen.

Nicht minder interessant ist hier auch die Evolution und die spekulativen Zwischenformen der bizarren “Walroßwale” Odobenocetops peruvianus und Odobenocetops leptodon, welche entfernte Verwandte von Narwal und Beluga waren, vielleicht werde ich mich auch mal denen widmen. Bis dahin werden aber noch weitere Beiträge folgen.

Anmerkung: Die Bilder der Schädel von Narwal und Beluga stammen aus der Sammlung des Zoologischen Institutes in Tübingen.