Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Populäre Irrtümer’ Category

Bild des Tages: “Anitquierte” Megarachne-Rekonstruktion

Dienstag, August 7th, 2007

Megarachne galt lange Zeit als die größte Spinne aller Zeiten, mit einer Beinspanne von einem halben Meter, und einem Körper so groß wie ein Meerschweinchen. Vor einiger Zeit stellte sich aber heraus, dass es sich bei diesem vor gut 300 Millionen Jahren lebenden Biest nicht um eine landbewohnende Spinne, sondern um einen Verwandten der Seeskorpione handelte, und wahrscheinlich auch im Wasser lebte. Unter den Seeskorpionen wäre sie noch nicht einmal besonders groß gewesen, denn einige dieser entfernt mit den heutigen Skorpionen verwandten Wasserbewohnern erreichten Längen von deutlich über 2m. Tatsächlich handelte es sich bei ihnen um die größten bekannten Athropoden aller Zeiten. Die Vorstellung einer reifengroßen Riesenspinne ist also (leider) überholt, aber nichts desto trotz wollte ich hier mal ein Photo einer wunderschön gearbeiteten Lebendrekonstruktion aus dem Naturhistorischen Museum Wien zeigen:

Megarachne

Hier sieht man noch den Abguss eines Originalfossils von Megarachne:

Megarachne-Fossil

Bild des Tages: Entelodon

Montag, Juli 9th, 2007

Bis vor kurzem waren inmitten der Stadt Reutlingen verschiedene lebensgroße Modelle ausgestorbener Tiere aus den letzten 65 Mio Jahren ausgestellt. Das ganze lief unter dem Namen “Die Erben der Dinos” war die Nachfolgeaktion einer ähnlichen Ausstellung lebensgroßer Urtiere aus der Zeit von vor 65 Millionen Jahren, die im Jahr zuvor stattfand. Klar dass ich da auch mal einen Blick darauf geworfen habe. Die Tiere waren im Großen und Ganzen recht ordentlich gemacht, wenngleich sie teilweise doch etwas groß ausgearbeitet waren. Leider läßt sich Fell mit solchen Glasfasermodellen nur relativ schlecht darstellen, und jene Modelle bei denen zusätzlich Kunstfell aufgeklebt war, sahen bis auf wenige Ausnahmen ein wenig aus, als kämen sie aus der Muppet-Show. Ein paar wenige Modelle waren wirklich häßlich, etwa die Neandertaler oder das Megatherium, aber ansonsten hat mir die Ausstellung, zumal sie ja mitten in der Stadt und größtenteils unter freiem Himmel stattfand, sehr beeindruckend, vor allem da man so die Möglichkeit hat, jene ausgestorbene Arten einmal in Lebensgröße vor sich zu sehen.

Eines der Modelle das mir persönlich am besten gefallen hat, war das Entelodon. Diese auch aus der BBC-Reihe “Die Erben der Dinosaurier” bekannten Tiere, waren wirklich wahre Monster. Nicht nur dass sie groteske Köpfe mit riesigen Zähnen und seltsamen Knochenauswüchsen hatten, sie waren auch ziemlich groß. Die hier gezeigte Art wurde nicht näher benannt, aber man sieht schon recht deutlich dass das Entelodon aus “Die Erben der Dinosaurier” in punkto Darstellung und Farbe eindeutig Pate gestanden hat.

Entelodon

Ich denke man kann auf dem Bild auch ganz gut die enorme Größe dieser etwa Rinder-großen Bestien sehen.  Vor allem die Größe und Breite des Kopfes wird erst wirklich bewußt, wenn man einmal ein originalgroße Rekonstruktion oder einen Schädel sieht.

Dann habe ich aber noch etwas gesehen, was mich zugegebenerweise geärgert hat:

Entelodon Tafel

Auf der Tafel zu diesem Modell stand, dass die verlängerten Dornfortsätze der Wirbel  ein deutliches Anzeichen für einen Fettbuckel sind. Das ist allerdings vollkommener Unsinn. In dem Spinosaurus-Artikel bin ich ja schon näher auf diese Sache eingegangen. Ein Fettbuckel, der ja ohnehin nur bei zwei rezenten Tiearten, dem Kamal und dem Dromedar vorkommt, benötigt keine Knochen als Stütze, genau genommen zeigt das Skelett dieser Tiere überhaupt keine Anzeichen darauf, dass überhaupt ein oder auch zwei Höcker existieren. Verlängerte Wirbelsäulenausläufer in der Schultergegend, welche denen der Entelodonten stark ähneln, findet man auch bei verschiedenen großen Rinder-Arten, bei Nashörnern, Elchen, den ausgestorbenen Riesenhirschen, Giraffen, und noch ein paar anderen Arten, also vor allem Tieren, welche einen schweren Kopf haben, und bei denen die Wirbelausläufer als Ansätze für Muskeln und Sehnen zur Stabilisierung des Kopfes und des Halses dienen. Ein Fettdepot findet sich dort nicht.

Bild des Tages: Liopleurodon ferox-Skelett

Sonntag, Juli 8th, 2007

Dieses weltberühmte und außerordentlich gut erhaltene Skelett eines Lipleurodon ferox ist in der Schausammlung des Paläontologischen Museums in Tübingen ausgestellt. Dieses ursprünglich aus England stammende Skelett ist eines der weltweit besterhaltenen Skelette eines Pliosauriers, und auch in unzähligen Büchern abgebildet.

Liopleurodon ferox Skelett

Das Skelett ist insgesamt etwa 4,5m lang, stammte also von einem subadulten Exemplar. Die Größe des Liopleurodon wird oft mit bis zu 25m angegeben, in Wirklichkeit blieb diese Art aber deutlich kleiner. In dem zweiten Teil der BBC-Dokumentation “Dinosaurier-im Reich der Giganten” kam in der zweiten Folge ein gigantischer Liopleurodon vor, dessen Länge mit 25m angegeben wurde. Daraufhin wurde auf unzähligen Internet-Seiten, in Zeitschriften und auch in manchen Büchern geschrieben dass Liopleurodon ferox 25m wurde. Tatsächlich basiert diese Vorstellung aber auf einer falschen Basis. In den aus dem Jura stammenden Lehmablagerungen aus dem Bereich um Oxford, von wo auch das oben abgebildete Skelett stammt, wurden die fragmentarischen Reste einiger extrem großer Pliosaurier gefunden. Die größten Knochen ließen auf Pliosaurier von etwa 18m schließen, woraufhin die Macher von “Dinosaurier-Im Reich der Giganten” sich dachten, dass das größte jemals existierende Exemplar dieser Art mit Sicherheit noch größer war. Tatsächlich wird das in der Episode sogar tatsächlich erwähnt, nämlich dass es sich bei dem alten Liopleurodon-Männchen um das größte jemals existierende Exemplar seiner Art handeln soll. Einen physischen Beweis für derartig große Pliosaurier gab es bis dato aber überhaupt nicht, dazu kommt noch, dass jene Funde von Riesenpliosauriern allem Anschein nach überhaupt nicht zu Liopleurodon ferox, sondern einer anderen, bisher unbeschriebenen Art angehören. Liopleurodons mit einer Länge von 25m haben also mit allergrößter Wahrscheinlichkeit niemals existiert, auch wenn diese Art mit Längen von wahrscheinlich bis zu 10m immerhin noch größer als ein großer Orca wurde.

Dass es wahrscheinlich dennoch Pliosaurier gab, welche deutlich über 20m werden konnte, wurde erst später entdeckt, aber dazu in einem späteren Post mehr.

Angebliche Aasfresser Teil 2: Tyrannosaurus rex

Montag, Juni 25th, 2007

 Jurassic-Park Tyrannosaurus

Vor einiger Zeit machte in den Medien die Schlagzeile die Runde, dass neue Erkenntnisse zeigen sollen, dass kein geringerer als der berühmt berüchtigte Tyrannosaurus rex nicht ein furchteinflößendes Raubtier, sondern ein fauler Aasfresser gewesen ist. Die Idee dass die großen Theropoden nicht selbst jagten, sondern auf der Suche nach Aas in der Gegend herumstreiften, oder kleineren Raubtieren die Beute abjagten, ist nicht gerade neu. Im Falle von T-rex wurde sie allerdings vor allem von dem bekannten amerikanischen Paläontologen Jack Horner postuliert. In Horners Augen waren Tyrannosaurier große langsame Fleischberge, die mit ihrem gut entwickelten Geruchssinn nach Aas suchten, oder auch kleineren Theropoden die Beute stahlen, und praktisch unfähig waren, selbst auf die Jagd zu gehen.

Wie kommt Horner nun darauf? Eines seiner Hauptargumente sind die winzigen Stummelärmchen des T-rex, die kaum eine Rolle bei der Jagd gespielt haben dürften, außerdem war er seiner Ansicht nach viel zu langsam, um andere Tiere jagen zu können. Ein weiteres Argument Horners ist das Gehirn von T-rex. Dieses zeigt dass bei Tyrannosauriern die Bereiche die für das Riechen zuständig waren, ausgesprochen groß waren, woraus er Parallelen zu Geiern zieht, und annimmt, der gute Geruchssinn wäre dazu benutzt worden um Kadaver aufzuspüren. Gleichzeitig soll er nicht besonders gut gesehen haben. Inwiefern dass stimmen soll, wird später erörtert. Ein weiterer Punkt den Horner seltsamerweise glauben läßt dass Tyrannosaurier Aasfresser waren, ist jener dass jüngste Funde darauf hindeuten dass sie nicht als Einzelgänger, sondern in Familienverbänden gelebt haben. Ein weiteres Argument sollen Reste von großen herbivoren Pflanzenfressern sein, bei denen von Tyrannosauriern stammende Fraßspuren an jenen Stellen zu finden sind, wo beim Abfresser eines Kadavers die letzten Reste hängenblieben. Außerdem meint er dass die Zähne eher darauf ausgerichtet waren Knochen zu brechen, als Fleisch abzufressen.

Ich möchte mich nun jedem der Punkte einzeln widmen, um am Ende ein Resumee zu ziehen, von dem ich jetzt schon sagen kann, dass es Horner ziemlich schlecht dastehen läßt. Das hat nichts mit Voreingenommenheit zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit der Tatsache, dass Horner in seine Theorie haufenweise Fehler eingebaut hat, die so offensichtlich sind, dass es schon beinahe weh tut. Danach möchte ich noch auf einige Punkte eingehen, die zusätzlich gegen eine Spezialisierung auf eine Aas-fressende Lebensweies im Allgemeinen, und bei T-rex im Besonderen sprechen. Aber nun zu den Punkten im einzelnen:

 Eines der Hautargumente waren ja die winzigen Arme der Tyrannosaurier. Zum einen sollen sie viel zu klein gewesen sein um bei der Jagd eine Rolle gespielt zu haben, und zum anderen wäre mit ihnen kein Abfangen eines Sturzes möglich. Ich kann ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen wie Jack Horner darauf kommt, dass ein Tier wie Tyrannosaurus rex überhaupt zusätzlich auch noch große starke Arme gebraucht hat. Betrachtet man einmal die großen Theropoden im Allgemeinen, so fällt auf dass praktisch alle größeren Arten nur über relativ kleine und schwache Arme verfügten, in manchen Fällen sogar noch weitaus verkümmerter als bei T-rex. Einzige Ausnahmen waren hier die Spinosauriden, die relativ große, und kräftige Krallen mit einer stark vergrößerten Daumenkralle besaßen. Dafür hatten Spinosauriden auch relativ langezogene und und verhältnissmäßig schwache Kiefer, und vieles spricht dafür dass größere Fische in ihrem Speiseplan eine wichtige Rolle spielten, und ihre Lebensweise gänzlich anders war als jene der anderen großen Theropoden.

 Zwar hatten einige Arten wie etwa die Allosaurier dreifingrige Klauen die noch ein gutes Stück größer waren als jene von T-rex, aber selbst bei ihnen waren sie noch verhältnissmäßig klein, und es erscheint nicht allzu wahrscheinlich dass sie eine große Rolle bei der Jagd spielten. Überhaupt benutzen nur ausgesprochen wenige Raubtiere tatsächlich ihre Krallen um ihre Beute zu fangen. Unter den heutigen Raubsäugern sind es beinahe ausschließlich die Katzen, Wölfe oder Hyänen dagegen fangen und töten ihre Beute einzig mit ihren Kiefern. Auch Warane und Krokodile greifen und töten nur mit den Kiefern, und packen ihre Beute nicht mit den Krallen, was ja zumindest bei Waranen noch gut möglich wäre. Auch die ausgestorbenen Terrorvögeln, die Phorusrhaciden, kamen allen Anschein nach sehr gut ohne Arme aus, und töteten ihre Beute vor allem mit ihren teilweise monströsen Schnäbeln, und möglicherweise auch mit Tritten. Zwar weiß man zumindest von einer Art, Titanis walleri, dass sie sehr robust gebaute Flügel hatten, an denen zwei Klauen saßen, aber im Verhältniss zu Gesamtgröße, waren sie immer noch ziemlich klein, und obendrein auch sehr unbeweglich. Ein zweibeiniges Raubtier muss also keineswegs über zusätzliche starke Arme verfügen, um ein erfolgreicher Jäger zu sein. Gerade bei den Tyrannosauriern zeigt sich ein starker Trend zu Reduktion der Vordergliedmaßen, und einer gleichzeitgen Zunahme der Kräftigkeit des Kopfes. Selbst bei mit etwa 6m nur relativ kleine Formen wie Alioramus waren die Vordergliedmaßen winzig und zweifingrig. Sieht man eine geringe Größe der Vordergliedmaßen bei Theropoden als Beweis für eine Aas-fressende Lebensweise an, dann würde das nicht nur T-rex, sondern eine ganze Reihe anderer Arten betreffen, was genauer betrachtet reichlich unrealistisch ist. Es scheint bei den Tyrannosauriern vielmehr zu einer Verkleinerung der vorderen Gliemaßen gekommen zu weil sie zum einen sowieso keine große Rolle mehr spielten, und zum anderen Gewicht einsparten, was die Enwicklung eines schwereren Kopfes mit kräftigeren Kiefern ermöglichte. Tyrannusaurs und verwandte Arten werden ihre Beute wohl primär mit ihren gewaltigen Kiefern getötet haben, zusätzliche Angriffswaffen in Form von Armen hatten sie sicher gar nicht nötig. Zudem waren die Arme von T-rex gar nicht besonders schwach, sondern hatten im Gegenteil trotz ihrer geringern Größe enorme Muskelansätze, und dürften in der Lage gewesen sein auf jeder Seite mindestens 200kg zu tragen.

Inwieweit sich ein Tyrannosaurier oder ein anderer großer Theropode beim Hinfallen mit den Armen abzustützen vermochte, ist auch schwer zu sagen. Die Antwort dürfte wahrscheinlich unabhängig von der Armgröße die gleich sein, nämlich prakisch gar nicht. Auch heutige Großtiere wie Elefanten oder Giraffen haben im Prinzip keine Möglichkeit sich irgendwie abzufangen wenn sie bei höherer Geschwindigkeit einmal hinfallen, und auch große Laufvögel wie der Strauß, die ja schließlich enorme Geschwindigkeiten erreichen können, sind nicht in der Lage einen Sturz irgendwie abzubremsen. Aber solche Stürze sind relativ selten, und nur weil sie tödlich enden können, muss es ein Tier keineswegs davon abhalten nicht trotzdem schnell zu laufen. Obendrein besaßen Tyrannosaurier besonders gut entwickelte Rippen auf der Bauchseite, die wahrscheinlich die Eingeweide schützten, wenn sie sich niederlegten.

Zwar haben neuere Untersuchungen der Extremitäten von T-rex gezeigt, dass er keineswegs so schnell gewesen ist wie man früher dachte, aber dass bedeutet keineswegs dass er nicht in der Lage war zu jagen. Horner scheint hier vollkommen zu vergessen dass die Schnelligkeit eines Raubtieres keineswegs ausschlaggebend für die Fähigkeit Beute zu schlagen sein muss. Raubtiere die ihre Beute aus dem Hinterhalt anfallen, sind in der Lage Beute zu schlagen, die ihnen an Schnelligkeit weitaus überlegen ist. So sind Komodowarane in der Lage selbst Hirsche oder Pferde zu schlagen, und auch andere Raubtiere wie etwa Tiger sind in der Lage sich an Beutetiere anzupirschen und sie zu schlagen, obwohl sie eigentlich langsamer sind. Einen ganz offensichtlichen Punkt hat Horner auch gänzlich unterschlagen. Wenn Berechnungen zeigen dass ein Tier von der Größe eines Tyrannosaurus rex nicht besonder schnell gelaufen sein kann, wie stand es dann mit seinen ähnlich großen Beutetieren. Die zu seiner Hauptbeute zählenden Hadrosaurier dürften kaum schneller gewesen sein, und die ebenfalls von ihnen gejagten und noch größeren Triceratopse sowieso nicht. Außerdem zeigen Untersuchungen der Knochen dass gerade Tyrannosaurus für seine enorme Größe noch ausgesprochen gut an relativ hohe Geschwindigkeiten angepaßte Beine besaß, im Gegensatz zu Tieren wie etwa Hadrosauriern.

Horners Idee von einem nach Aas suchenden Riesenfleischfresser wurde vor allem durch die große Ausbildung des Riechkolbens im Gehirn des T-rex beeinflusst. Durch Silikonausgüße oder mit Computertomographen ist es möglich die Gestalt von Dinosauriergehirnen bei gut erhaltenen Schädeln recht gut zu rekonstruieren, und anhand von Vergleichen mit den Gehirnen lebender Tiere wie Krokodilen oder Vögeln auch zu analysieren. Aber sagt es tatsächlich etwas über die Lebensweise aus, dass Tyrannosaurier gut riechen konnten? Horner benutzte Geier als Vergleich, die mit ihrem Geruchssinn Kadaver ausspüren. Schon dieser Vergleich hinkt, denn lediglich die Neuweltgeier wie etwa Raben-, Truthahn- oder Königsgeier finden Kadaver tatsächlich mit dem Geruch, die Altweltgeier wie Mönchs-, Gänse-oder Bartgeier finden ihre Nahrung ausschließlich mit den Augen, ihr Geruchssinn ist nur sehr schlecht entwickelt. Betrachtet man einmal verschiedene Raubtiere, dann fällt auch auf dass ein gut entwickelter Geruchssinn in keinerlei Kontrast zu einer jagenden Lebensweise stehen muss. Wölfe etwa haben einen außerordentlich gut enwickelten Geruchssinn, aber sie sind dennoch ausgezeichnete Jäger. Löwen dagegen, bei denen der Geruchssinn auf Kosten des Sehsinnes verringert ist, fressen ziemlich häufig Aas das sie anderen Raubtieren wie etwa Hyänen abgejagt haben. Warane haben ebenfalls einen enorm guten Geruchssinn, aber sie benutzten ihn keineswegs nur zum Aufspüren von Aas, sondern genauso um auch Beutetiere aufzuspüren.

Laut Jack Horner soll T-rex auch schlecht gesehen haben. Was hier eindeutig dagegen spricht, ist dass gerade Tyrannosaurier die Fähigkeit besaßen binokular zu sehen, da sich die Sichtfelder beider Augen relativ großflächig überschritten, was bei vielen anderen Theropoden nicht der Fall war, wie etwa bei dem noch größeren Giganotosaurus, bei dem die Augen viel weiter seitlich lagen. Binokulares Sehen ermöglicht erst ein präzises Abschätzen von Entfernungen, und ist ein typisches Merkmal von Raubtieren wie etwa Greifvögeln oder Raubkatzen. Für einen hypothetischen Aasfresser hätte das wenig Sinn gemacht, vielmehr wären dann seitlich am Kopf liegenden Augen vorteilhafter gewesen, die einen möglichst weiten Umkreis auf einmal wahrnehmen können, etwa um an einem Kadaver beim Fressen möglichst früh herannahende Konkurrenten erkennen zu können. Bei diesem Photo, aufgenommen in der Sonderausstellung “Saurier – Erfolgsmodelle der Evolution” im Stuttgart Museum am Löwentor, kann man sehr gut erkennen, dass Tyrannosaurus ein binokulares Sehfeld hatte, und daher auch in der Lage war, räumlich zu sehen, und Entfernungen gut abschätzen zu können:

Warum Jack Horner Leben in Gruppen oder Rudeln bei Tyrannosauriern als Argument für einen Aasfresser heranzieht, ist mir gänzlich schleierhaft. In einem normalen Ökosystem dürfte es selbst für einen einzelnen Aasfresser von der Größe eines T-rex nahezu unmöglich sein, immer genug Nahrung zu finden, bei einer ganzen Familie, die aus mehreren Erwachsenen und halbwüchsigen Individuen besteht, ist das ganze praktisch ausgeschlossen. Viel mehr deutet das Leben im Rudel nicht nur auf eine soziale Lebensweise, sondern auch auf eine hochentwickelte Jagdweise hin. Raubtiere die im Rudel jagen, können noch viel größere Beutetiere überwältigen als Einzelgänger, außerdem ermöglicht es auch eine strategische Jagdweise, bei der Beutetiere eingekreist oder einzelnen Räubern zugejagt werden können. Das würde sogar das Manko geringerer Geschwindigkeit gegenüber kleinerer und schnellerer Beute zu einem gewissen Maße ausgleichen. Zudem deuten auch bei ganz anderen großen Raubsauriern fossile Reste darauf hin, dass sie in Gruppen lebten, etwa bei Giganotosaurus. Möglicherweise diente der Zusammenschluss zu Rudeln bei großen Theropoden sogar dazu ansonsten für Einzeltiere unüberwältigbares Großwild zu jagen, etwa Sauropoden. Bei Löwen kennt man das Phänomen dass manche großen Rudel regelmäßig ausgewachsene Elefanten töten, etwa aus dem Savuti. Zwar zieht sich das Töten in einem solchen Fall über einen langen Zeitraum, und oft sind die zu Boden gerungenen Elefanten noch eine ganze Weile am Leben wenn die ersten Löwen anfangen an ihnen herumzufressen, aber selbst bei einer großen Kopfzahl ist einem Löwenrudel bei einer solch gewaltigen Beute für einen langen Zeitraum die Nahrung gesichert. Im Falle der Tyrannosaurier scheinen kleinere Beutetiere wie etwa Hadrosaurier den Großteil der Beute ausgemacht zu haben, aber zumindest bei dem viel früher lebenden Giganotosaurus könnte es durchaus häufiger zu Makroprädationen gekommen zu sein, da sie ihren Lebensraum mit riesigen Sauropoden teilten.

Die fossilen Überreste von pflanzenfressenden Dinosauriern bei denen Zahnspuren von Tyrannosauriern an Stellen gefunden wurden, wo bei einem Kadaver das letzte Fleisch hängen bleibt, sind ebenfalls nicht viel wert für eine Argumentation gegen eine jagende Lebensweise. Zunächst einmal sind praktisch alle Raubtiere Opportunisten, die bei sich bietenden Gelegenheiten auch Aas fressen, und insofern wären einzelne Indizien für das Fressen von Kadavern kein Beweis für einen spezialisierten Aasfresser. Wenn ein Wolf oder ein Löwe Hunger hat, und einen abgefressenen Kadaver findet, dann gibt er sich auch mit den letzten Resten zufrieden. Außerdem wird hier völlig vergessen, dass es eigentlich keinen Grund gibt, warum ein großes Raubtier nicht so lange am Kadaver einer erlegten Beute bleiben soll, bis alles verwertbare davon abgefressen ist. Ein Tiger wird in der Regel auch so lange an einem Kadaver bleiben, bis er alles ihm zugängliche Fleisch davon gefressen hat, bevor er sich wieder auf die Jagd begeben muss. Auch ein Wolfsrudel wird üblicherweise so lange an einem Kadaver bleiben, bis nichts mehr verwertbares davon übrig ist. Da Tyrannosaurus das größtes Raubtier in seinem Habitat gewesen ist, konnte er auch nicht von anderen Raubtieren von seiner Beute verjagt werden, so dass er bis zum Schluss daran fressen konnte.

Jack Horner geht desweiteren davon aus, dass T-rex sein gewaltigen Kiefer dazu nutzte, um Knochen aufzubrechen, und so Kadaver möglichst gut zu verwerten. Zunächst einmal muss gesagt werden, dass ein kräftiges Gebiss, und auch die Möglichkeit Knochen zu zerbeißen, keineswegs bedeuten muss, dass ein Tier auch tatsächlich ein spezialisierter Aasfresser ist. Sowohl Wölfe als auch Hyänen sind in der Lage teilweise noch sehr große Knochen aufzubrechen oder sogar gänzlich aufzufressen, das bedeutet aber keineswegs, dass sie deshalb Aasfresser sind. Hyänen galten lange Zeit als feige Aasfresser, die darauf warten, dass “echte” Jäger wie Löwen ihnen die Reste ihrer Beute überlassen. Die Wahrheit ist, dass gerade die oft als typische Aasfresser verschrienen Tüpfelhyänen höchst effiziente Jäger sind, die auch so wehrhafte Beute wie ausgewachsene Zebras überwältigen. Studien haben sogar gezeigt, dass sie keineswegs nur kranke und schwache Beutetiere töten, sondern im Gegenteil die allermeisten ihrer Beutetiere in bester körperlicher Verfassung sind. Einen Kadaver bis auf den letzten Rest verwerten zu können, kann auch einem Jäger sehr hilfreich sein. Der Beutelwolf beispielsweise war auch in der Lage auch große Beutetiere restlos aufzufressen, und selbst sperrige Knochen wie Schafschädel zerbiss er mühelos. Auch er war kein Aasfresser.

Betrachtet man einmal die Tiere mit der höchsten Beißkraft überhaupt, nämlich Krokodile und Alligatoren, dann fällt auch auf dass diese ihre enormen Kieferkräfte auch ausschließlich zum Töten und zerteilen ihrer Beute nutzen, und nicht etwa um große Knochen damit zu knacken oder alte Kadaver zu zerreißen. Betrachtet man einmal andere Tiere, die ebenfalls in der Lage sind Kadaver sehr effizient zu verwerten, so fällt auf dass nicht einmal besonders kräftige Kiefer oder Knochen-zermalmende Zähne nötig sind. Komodowarane können selbst die Körper so großer Tiere wie Wasserbüffel innerhalb kürzester Zeit bis auf die allerletzten Reste verschlingen, und mit Ausnahme von keratinösen Bestandteilen wie Hufen oder Haaren auch fast vollständig verdauen. Ihre Zähne ähneln stark denen von Theropoden, und sie benutzen sie vor allem dazu, um Teile aus großen Beutetieren herauszureißen, die dann unzerkaut heruntergeschlungen werden, ganz ähnlich wie bei Krokodilen. Auch viele Geier sind in der Lage selbst noch große und sperrige Knochen zu verschlingen und zu verdauen, sie haben es nicht nötig sie vorher aufzubrechen, und selbst normale Greifvögel können teilweise noch selbst sehr große Fleischstücke mitsamt den Knochen herunterwürgen. Außerdem zeigen die Fossilien von Pflanzenfressern mit Zahnspuren von Tyrannosauriern zwar durchaus dass sie ihre Zähne in massive Knochen schlagen konnten, für ein wirkliches Aufbrechen von Knochen, wie es etwa Hyänen oder Wölfe machen, habe ich aber noch nirgend Hinweise gesehen. In ihrer Anatomie standen Tyrannosaurier irgendwo zwischen Krokodilen und Greifvögeln, und es erscheint relativ logisch anzunehmen, dass sie auch recht große Teile ihrer Beute mitsamt kleineren Knochen herunterschlingen konnte, und ihre Magensäure die eigentliche Arbeit machen ließen. Zumindest von Baryonyx weiß man dass er nicht nur Fleisch von den Knochen abfraß, sondern diese teilweise gleich mit verschluckte. Ein Raubtier muss im Zweifelsfall also nicht einmal knochenbrechende Kiefer haben um einen Kadaver restlos nutzen zu können, sofern es in der Lage ist große Stücke herauszureißen und herunterzuschlingen. Außerdem muss die Fähigkeit auch Knochen fressen zu können, in keinerlei Kontrast zu einer jagenden Lebensweise stehen.

Neben den schon genannten Gründen die gegen die von Horner vorgebrachten “Argumente” für eine rein aasfressende Lebensweise sprechen, gibt es noch einige andere. Zum einen gibt es Spuren von verheilten Bissverletzungen an den Skeletten von Hadrosaurier und einem Triceratops, welche von Tyrannosaurierns stammten. Die Tiere wurden also angegriffen und konnten entkommen, was klar zeigt dass sie gejagt wurden. Zudem zeigen die Funde von Hadrosauriern und Triceratopsen, die zu etwa gleichen Mengen in den Gebieten vorkamen wie Tyrannosaurier, dass die Skelette der vergleichsweise harmlosen Hadrosaurier sehr oft Bissspuren von Tyrannosauriern zeigen, jene der wehrhaften Triceratopse aber vergleichsweise selten, was auf eine selektive Jagd auf leichte Beutetiere hindeutet. Wäre T-rex tatsächlich ein spezialisierter Aasfresser gewesen, so hätte man auch an viel mehr Triceratops-Knochen seine Zahnspuren gefunden.

Aber noch etwas ganz anderes spricht dagegen dass Tyrannosaurus oder irgend ein anderes Großtier sich jemals zu einem reinen Aasfresser entwickelte. Leider scheinen viele Paläontologen davon auszugehen, dass in jedem Ökosystem für Populationen von Raubtieren jeglicher Größe genug Aas herum liegt. Das ist aber keineswegs so, andernfalls würde es auch sicher heute noch auf Aas spezialisierte Fleischfresser geben, was aber nicht so ist. Die einzigen Tiere die zu einem wirklich großen Teil von Aas leben können, sind Geier, da diese durch den Segelflug in der Lage sind, mit minimalen Energieaufwand riesige Gebiete abzusuchen, was einem terrestrischen Fleischfresser niemals möglich wäre, außerdem sind sind insgesamt doch relativ klein, und haben nur einen vergleichsweise geringen Kalorienbedarf. Tyrannosaurier waren obendrein enorm groß, und ihr Energiebedarf entsprechend hoch. Sie müßten ein riesiges Revier besitzen, um als reine Aasfresser genügend Nahrung zu finden. Aufgrund der langen Strecken zwischen einzelnen Kadavern würde in der Regel das allermeiste sowieso schon von anderen Räubern abgefressen sein, sofern überhaupt noch etwas übrig blieb. Kadaver wirklich großer Tiere sind in jedem Ökosystems sehr selten, und jene kleinerer Tiere können in der Regel auch von kleineren Raubtieren sehr schnell effizient verwertet werden. Und selbst die Kadaver kleiner Tiere fallen nicht sonderlich oft an, da sie in aller Regel eher im geschwächten Zustand Raubtieren zum Opfer fallen, als dass sie an einer Krankheit sterben oder gar an Altersschwäche zugrunde gehen. Eine Gruppe von Tyrannosauriern, die zusammen auf ein Gewicht von über 20 Tonnen kamen, können unmöglich alleine davon gelebt haben, dass sie herumliegendes Aas fraßen, oder anderen Räubern die Beute abjagten. Das ist ein weiteres Problem, denn Tyrannosaurus war zu seiner Zeit das mit Abstand größte Raubtier in seinem Lebensraum, es gab keine anderen großen Jäger, die regelmäßig für einen Nachschub an frischen Kadavern gesorgt hätten.

Betrachtet man einmal die extrem wildreichen Savannen Afrikas, so fällt auf dass die dorten Löwen vergleichsweise oft Aas fressen, das sie nicht selten kleineren Raubtieren wie Hyänen, Leoparden oder Geparden abgejagt haben. Sie sind die größten dortigen Raubtiere, und in Gruppen allen anderen Jägern an Stärke überlegen. Warum legen sie sich dann nicht auch einfach auf die faule Haut und fressen nur das was sie anderen Raubtieren abjagen können? Schlicht und einfach weil es nicht reicht. Selbst kaltblütige Fleischfresser wie Komodowarane, die nicht nur in der Lage sind Kadaver restlos aufzufressen, sondern sie mit ihrem feinen Geruchssinn über weite Strecken wittern können, sind nicht in der Lage allein von toten Tieren zu leben. Selbst Geier sind nicht nur passive Aasfresser, sondern gehen jahreszeitlich bedingt auch selbst auf die Jagd wenn sie nicht genug Kadaver finden, wobei sie teilweise sogar in der Lage sind recht große und schnelle Beutetiere zu überwältigen. Wäre T-rex tatsächlich wie von Horner postuliert, ein jagdunfähiger und auf Aas angewiesenes Tier gewesen, dann wäre er innerhalb kürzester Zeit ausgestorben. Ein Raubtier das nicht in der Lage ist auch selbst zu jagen, ist vor allem in Zeiten in denen Nahrung ohnehin schon knapp ist, vollkommen aufgeschmissen. Zwar geht kaum ein Raubtier an einem Kadaver vorbei (die einzigen Ausnahmen wären hier Geparden), oder unterläßt eine Gelegenheit einem schwächeren Raubtier die Beute abzujagen, da das schließlich viel einfacher ist als selbst die Gefahren und Anstrengungen einer Jagd einzugehen, aber auf Dauer funktioniert das einfach nicht. Praktisch alle größeren Raubtiere sind Opportunisten, egal ob es sich um Raubkatzen, Hyänen, Greifvögel oder Warane handelt, die sehr wohl in der Lage sind, selbst zu jagen, aber auch nicht die Gelegenheit auslassen, Fleisch von Tieren zu fressen, die sie nicht selbst getötet haben. Aasfresser sind sie deshalb noch lange nicht, und auch bei den ausgestorbenen Raubtieren wird das nicht viel anders gewesen sein. Betrachtet man einmal das Jagd-und Fressverhalten moderner Raubtiere, dann fällt auf dass der Anteil von Aas und selbst geschlagener Beute teilweise selbst innerhalb einer Art sehr stark variieren kann, da sich die Tiere den jeweiligen Begebenheiten anpassen. Die Tüpfelhyänen im Ngorongoro-Krater jagen 90% ihrer Nahrung selbst, in manchen anderen Gebieten sind es weniger als 50%. Das sind recht drastische Unterschiede innerhalb ein und derselben Art. Auch bei Löwen schwankt der Anteil von Aas und selbst gejagten Beutetiere teilweise sehr stark. Aber weder bei Hyänen noch bei Löwen bedeutet ein hoher Aas-Anteil in der Nahrung tatsächlich dass sie nicht jagen können. Gerade Raubkatzen gelten als Archetypen erfolgreicher Jäger, und kaum jemand käme auf die Idee sie als Aasfresser abzustempeln, nur weil sie auch das Fleisch von nicht selbst erlegten Tieren fressen. Das ist zwar praktisch, wenn die Möglichkeit dazu besteht, aber rein prinzipiell muss ein Raubtier in der Lage sein praktisch vollständig von selbst gejagten Tieren zu leben, selbst wenn in zu manchen Jahreszeiten Aas unter Umständen zu einem wichtigen Nahrungsbestandteil werden kann.

Tyrannosaurus werden wie praktisch jedes andere Raubtier auch bei Gelegenheit Aas gefressen haben, oder anderen Raubsauriern die Beute gestohlen haben, aber nichtsdestotrotz müssen sie auch äußerst effiziente Jäger gewesen sein, sonst hätten sie auch niemals derartig gewaltige Größen erreicht. Über den Anteil an selbsterjagter Beute und Aas am Gesamtfleischkonsum kann man auch keinerlei Pauschalaussagen machen. Die Beispiele von den Löwen und Hyänen zeigen das recht gut, und man kann wahrscheinlich beinahe auch mit Garantie sagen, dass der Anteil von Aas in der Nahrung bei Tyrannosauriern geographischen und jahreszeitlichen Schwankungen unterlegen war. Bei genauer Betrachtung zeigt sich aber dass es kein einziges stichhaltiges Indiz dafür gibt, dass Tyrannosaurier oder andere ausgestorbene Raubtiere professionelle Aasfresser gewesen sind.

Die teuflischen Mäusespuren von Devon

Donnerstag, Juni 14th, 2007

In der Nacht von 8. auf den 9. Februar 1855 soll in einigen Gemeinden in England der Leibhaftige umgegangen sein. Nach dem starken Schneefall vom 8. Februar fand man am nächsten Morgen im Gebiet von Exeter und Süd-Devon beinahe überall seltsame Spuren im Schnee, die Hufabdrücken glichen. Sie verliefen in schnurgeraden Linien, mit einer Spanne von etwa 20 cm von Abdruck zu Abdruck. Die Spuren selbst waren 38-63 Millimeter groß, und ähneltem einen ovalen, hinten offenem Huf. Bei einigen Abdrücken schien der vermeintliche Huf auch vorne gespalten zu sein, und auch einige erhaltene Zeichnungen der Abdrücke zeigen eine recht große Variabilität derselben.

Ungewöhnlich war aber nicht nur die Form der Verlauf der Spuren, sondern auch dass man sie praktisch überall fand, auf Feldern, Mauern, Fensterbänken, Gärten und sogar von Mauern umgebenen Höfen. Manche Spuren sollen sogar einfach aufgehört haben, als habe sich der Verursacher in Luft aufgelöst, während andere scheinbar durch Abflussrohre und kleine Löcher in Hecken führten.  Die unzähligen Fährten in den verschiedenen Gemeinden müssen insgesamt mehrere Kilometer lang gewesen sein.

Für viele der damaligen Menschen war die Sache klar, hier konnte es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, und das Wesen dass diese Spuren hinterlassen hatte, mußte zweifellos der Hölle selbst entstiegen sein. Darum findet dieses Phänomen auch oftmals Erwähnung unter der Bezeichnung “Teufelsspuren von Devon”. Die an winzige Hufeisen erinnernden Spuren, die scheinbare Fähigkeit über Dächer zu fliegen, durch Wände zu gehen oder gar völlig zu verschwinden, waren vielen Leuten äußerst unheimlich.

Etwas bodenständigere, und um rationalere Erklärungen bemühte Personen versuchten eine weniger mysteriöse Erklärung zu finden. Es wurde behauptet, dass alles nur ein Schwindel sei, und die Spuren mit Hilfe eines heißen Metallgegenstandes in den Schnee gerückt worden, dass sie von Fischottern, Dachsen, Hunden, Katzen, Eseln oder sogar einer bisher unbekannten Albatrossart stammten, aber keine dieser Erklärungsversuche schien wirklich plausibel. In vielen Fällen wird auch heute noch bei der Behandlung der Teufelsspuren von Devon das Vorkommnis stark mystifiziert.

Allerdings gibt es für all jene Spuren eine ausgesprochen einfache, und alles erklärende Lösung. Wie Karl Shuker schon in “Der Weltatlas der rätselhaften Phänomene” schrieb, stammten die seltsamen Spuren mit größter Wahrscheinlichkeit von Waldmäusen, die durch besonders grimmige Kälte getrieben, nachts in den Dörfern nach Nahrung suchten. Waldmäuse bewegen sich im Schnee springend fort, dabei formen sie an kleine Hufabdrücke erinnernde Spuren im Schnee. Da sie nicht immer gleich landen, sehen diese auch nicht alle gleich aus, und sind manchmal vorne offen. Zudem erklärt dies nicht nur den geringen Abstand zwischen den Spuren, sondern auch die gerade Spur. Während bei einem Zweibeiner die Spuren seitlich immer etwas versetzt sind, liegen Spuren der springenden Waldmaus immer genau hintereinander. Da diese Tiere auf offenen Flächen sehr gefährdet sind, versuchen sie diese auch möglichst schnell zu überqueren, was zur Folge hat, dass die Spuren in sehr geraden Linien liegen können. Die Fälle in denen Spuren abrupt aufhörten, läßt sich sehr einfach damit erklären, dass die Mäuse von Eulen gefangen wurden. Auch die Durchquerung von Rohren und kleinen Ritzen, sowie das Überwinden von Mauern und Dächern ergeben so einen Sinn, denn Waldmäuse sind sehr geschickte Kletterer, und können sich auch durch enge Gänge und Öffnungen zwängen.

Hier ein Bild einer Waldmaus, das ich vor ein paar Wochen beim Spazierengehen aufgenommen habe:

Waldmaus

Da ich vorletzten Winter im Wald Spuren gefunden habe, die den Beschreibungen und Darstellungen der “Teufelsspuren” exakt glichen, und genauso aussahen, als stammten sie von kleinen Hufen, kann ich diese Theorie nur bekräftigen. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Photoapperat zur Hand, wie so oft wenn man etwas interessantes photographieren möchte.

Nun kann man sich auch fragen warum damals scheinbar nicht schon jemand auf diese Idee gekommen ist. Zum einen kann dies durchaus der Fall sein, ohne dass dies überliefert wurde, während die skurilen und wenig einleuchtenden Erklärungsversuche ihren Weg in die Aufzeichnungen fanden. Vielleicht war das sogar ganz bewußt, denn nicht anders als heute werden gewiefte Journalisten auch schon früher enthüllende Erklärungen ihren Lesern verschwiegen haben, um die ganze Angelegenheit mysteriöser zu machen. Niemand interessiert sich für Mäusespuren im Schnee, dem gesunden Menschenverstand trotzende Teufelsspuren dagegen schon.

Zudem macht man sicht heute oftmals gar nicht mehr klar, wie abergläubisch die Bevölkerung früher gewesen ist. Dies fällt vor allem auf wenn man zeitgenössische Literatur aus dem 19. Jahrhundert liest. Viele Menschen waren damals oft auf eine unglaublich naive Weise abergläubisch, und der Teufel oder böse Mächte wurden von vielen hinter jedem Missgeschick und jedem Rätsel vermutet. Tatsächlich sind in vielen Gegenden der Welt die Menschen selbst heute noch so abergläubisch, sei es nun in Südamerika, Afrika oder Teilen Asiens, und es verwundert nicht dass man im 19. Jahrhundert hinter seltsamen Spuren im Schnee infernalische Mächte am Wallen vermutete. Vielleicht erschien vielen eine natürliche Erklärung sogar einfach zu banal um wahr zu sein. Besonders im Internet stößt man immer wieder darauf, dass sich viele Menschen nicht mit einfachen, logischen und an sich gut nachzuvollziehenden Erklärungen abfinden wollen, und statt dessen lieber verworrenen Gedankenkonstrukten hinterher laufen, egal wie oft man sie widerlegt.

Hatte Spinosaurus wirklich ein Segel auf dem Rücken?

Montag, Juni 11th, 2007

Spätestens seit dem teilweise ziemlich schwachen “Jurassic Park 3″ dürfte Spinosaurus den meisten ein Begriff sein. In jüngster Zeit erhielt er zusätzliche Furore, da man aufgrund neuerer Funde inzwischen davon ausgeht, dass Längen von über 17m erreichen konnte, und damit größer war als alle anderen bekannten Landraubtiere. Das Erscheinungsbild des Spinosaurus hat sich in den letzten Jahren recht stark gewandelt. Wurde er in älteren Büchern noch in der Regel als typischer Carnosauier mit großem bulligen Kopf und normalen, wenngleich auch etwas großen Armen dargestellt, weiß man inzwischen dass er in vieler Hinsicht anders war. Neuere Bilder, die auf den tatsächlichen Schädelproportionen basieren, zeigen ihn mit mit einem langen und relativ schmalen Schädel, und einer langen Schnauze, mit einer deutlichen Einkerbung an der Spitze. Zudem hatte Spinosaurus auch einen kleinen Knochenbuckel auf der Stirn vor den Augen, was in älteren Darstellungen auch nicht berücksichtigt wurde (und woraus in JP3 zwei Buckel gemacht wurden).Auch die Hände werden nun in aller Regel so gezeigt, wie sie bei seinen Verwandten aussahen, nämlich mit einer übergroßen kräftigen Daumenklaue.

Was praktisch immer noch unverändert geblieben ist, ist das große Segel das auf dem Rücken trohnt. Diese Darstellung ist so weit verbreitet und so allgemein akzeptiert, dass es beinahe ketzerisch anmutet, wenn man davon ausgeht, dass Spinosaurus überhaupt kein Segel hatte.

Die Frage ist nun natürlich, warum Spinosaurus kein Segel gehabt haben soll. Um das zu beantworten, muss man erst einmal etwas mehr auf die Anatomie des Spinosaurus eingehen. Die Rückenwirbel des Spinosaurus besaßen wie jene praktisch aller anderer Wirbeltiere nach oben weißende Dornfortsätze. Allerdings waren diese teilweise ganz enorm verlängert, und dürften bei den größten Exemplaren teilweise über zwei Meter lang gewesen sein. Diese extrem verlängerten Dornfortsätze führten zu der Annahme, dass sie ein dünnes Segel bildeten. Hier muss man nun eigentlich auch fragen, warum Spinosaurus überhaupt ein Segel gehabt haben soll. Sind derartig verlängerte Wirbelausläufer tatsächlich ein Beweis dafür, dass ein Tier eine Art Rückensegel besaß? Der Grund warum bei Spinosaurus (und anderen) allgemein davon ausgegangen wird, dass er ein Segel hatte, geht vor allem auf hausgemachte Vorurteile zurück. Spinosaurus war ein Reptil, und daher hatten die Leute die ihn untersuchten wohl eher die mit allerlei schuppigen Hautlappen, Stachelschuppen und in einigen ganz wenigen Fällen auch mit Rückenkämmen ausgestatteten Echsen im Hinterkopf, als sie ihn rekonstruieren wollten. Daher mußten diese seltsamen Wirbel ganz einfach Haut aufgespannt, und einen archaisch bizarren Rückenschmuck gebildet haben, etwas anderes wäre bei einem Reptil ganz undenkbar…

Bevor ich genauer auf die eigentlichen Rückenwirbel eingehe, möchte ich noch etwas über die verschiedenen Schlussfolgerungen schreiben, die von dieser Segelvorstellung ausgingen. Eine weit verbreitete Vorstellung geht davon aus, dass der Spinosaurus dieses Segel benutzte, um seine Körperoberfläche zu vergrößern, damit er sich in der Sonne schneller aufwärmte. Diese Idee geht von einigen falschen Grundlagen aus. Zum einen ist es inzwischen ziemlich gesichert, dass Dinosaurier mehr oder weniger warmblütig gewesen sind, und daher von externen Wärmequellen relativ unabhängig waren. Zum anderen war Spinosaurus ein wirklich gewaltiges Tier, das wahrscheinlich ein Gewicht von über neun Tonnen erreichte. Für ein Wesen dieser Größe ist es schlicht unmöglich sich alleine durch Sonnenwärme aufzuwärmen, da die Körperoberfläche (selbst wenn sie durch ein Segel vergrößert wäre) im Vergleich zur Körpermasse viel zu gering wäre. Schon unter den heutigen Reptilien benötigen die größten unter ihnen teilweise stundenlange Sonnenbäder um auf eine entsprechende Körpertemperatur zu kommen. Genau genommen gibt es bei sehr großen Tieren in der Regel kaum Probleme mit Unterkühlung, die durch Stoffwechselprozesse im Körper gebildete Wärme kann durch die verhältnissmäßig geringe Körperoberfläche nur geringfügig verloren gehen. Daher ist nicht Unterkühlung, sondern Überhitzung ein Problem. Elefanten etwa haben darum riesige, gut durchblutete Ohren, über die sie überschüssige Wärme an die Umgebung abgeben können. Insofern hätte ein Segel wenn überhaupt als Wärmeableiter einen Sinn gehabt. Da Spinosaurus aber in einer Landschaft lebte, in der es viel Wasser gab, hätte er sich auch ganz einfach abkühlen können, indem er bei zu großer Hitze ab und zu mal ein Bad nahm. Außerdem hatten andere große Theropoden wie Giganotosaurus oder auch T-rex kein solches “Luxusorgan” und hatten daher allem Anschein nach andere Möglichkeiten, einer Überhitzung entgegen zu wirken. Ob sich daher wirklich ein so aufwendiges Organ entwickelte um eine thermoregulierende Rolle zu spielen, obwohl es sicherlich auch wenige aufwändige Alternativen gab, ist also eher fraglich.

Eine andere, ebenfalls weit verbreitete Vorstellung ist jene, dass ein solches Rückensegel eine Rolle in der innerartlichen Kommunikation gespielt hat, und vielleicht etwa bei den Männchen zur gegenseitigen Einschüchterung diente. Um das genauer sagen zu können, bräuchte man eigentlich genauere Informationen, etwa ob alle Spinosaurier solche langen Wirbelausläufer hatten, oder womöglich nur Männchen. Bisher ist aber noch keine ohne bekannt. Zudem erscheint es nicht allzu plausibel dass ein großer Fleischfresser ein derartig großes und in physiologischen Sinne teuer erkauftes Merkmal auszubilden.

Unabhängig der verschiedenen Spekulationen über den Sinn eines solchen Segels, wurde es auch des öfteren als Argument herangezogen, um zu zeigen dass Spinosaurus ein Aasfresser gewesen sein soll, da es viel zu verletztlich gewesen sein soll, als das er damit auf die Jagd gegangen sein kann. Zudem wurden die geraden Zähne als Indiz dafür gesehen, dass er das Fleisch verwesender Kadaver fraß. Die Vorstellung eines jagdunfähigen neun Tonnen schweren Kolosses, der durch die Gegend stampft und nach verfaulten Fleisch sucht, ist zugegebenerweise ziemlich absurd. Kein Ökosystem kann ständig derartige Massen an frei zugänglichen Kadavern liefern, um eine ganze Population solcher Monster zu ernähren. Inzwischen geht man aufgrund von Vergleichen mit verwandten Arten wie Baryonyx oder Suchomimus eher davon aus, dass Spinosauriden eine gewisse Spezialisierung auf den Fang großer Fische zeigten, die sie zusammen mit den kräftigen Daumenkrallen und den langen schmallen Schnauzen, und den geraden krokodilähnlichen Zähnen erbeuteten. Im Gegensatz zu verwandten Arten wie Suchomimus waren die Zähne allerdings weniger zahlreich und die Kiefer stärker, was wohl auf eine etwas ausgewogenere Nahrung hindeutet, die öfters auch Landtiere miteinschloss. Seltsamerweise wurde dies teilweise als Argument für eine Aasfresserlebensweise benutzt.

Aber zurück zu dem Rücken. Spinosaurus wird oft in einem Atemzug mit dem permischen Reptil Dimetrodon und manchmal auch Edaphosaurus genannt, und behauptet, dass es sich bei ihren Wirbelausläufern um parallele Entwicklungen handelte. Betrachtet man aber einmal die Dornfortsätze von diesen Tieren genauer, so fällt auf, dass sie gänzlich anders sind als die von Spinosaurus. Das einzige was gleich ist, ist dass es sich um Dornfortsätze der Rückenwirbel handelt, und dass diese ziemlich lang sind. Allerdings sind sie bei Dimetrodon und Edaphosaurus ziemlich dünn, und im Querschnitt beinahe kreisrund, bei Edaphosaurus weise sie sogar noch in Reihen angeordnete seitliche Ausläufer. Bei diesen Tieren ist es durchaus gut möglich dass zwischen diesen runden Ausläufern Haut gespannt war, die womöglich bei einer schnelleren Erhöhung der Körpertemperatur diente. Bei der doch relativ geringen Größe dieser höchstwahrscheinlich noch wechselwarmen Tiere hätte ein solches Segel einen deutlichen Vorteil erbracht, wenn es darum ging morgens vermehrt Wärme aufzutanken, und so den Tag länger aktiv nutzen zu können. Aber auch für diese allgemein geäußerte These gibt es an sich keine echten Beweise, vielleicht spielten die Segel bei diesen Tieren eine Rolle im Sozialverhalten, oder hatten sogar noch andere Funktionen. 

Bei diesem Dimetrodon-Skelett aus der Schausammlung des Paläontologischen Instituts in Tübingen sieht man sehr gut, dass die Dornfortsätze von Dimetrodon ausgesprochen dünn, und von beinahe rundem Querschnitt waren, ganz anders als jene von Spinosaurus.

Dimetrodon-Skelett

 Die Dornfortsätze bei Spinosaurus sahen dagegen ganz anders aus. Genau genommen waren sie beinahe identisch mit ganz normalen Dornfortsätzen, nur dass sie eben deutlich länger, und oben etwas verbreitert waren. Im Gegensatz zu Dimetrodons Dornfortsätzen waren sie nicht rund im Querschnitt, sondern seitlich abgeflacht, und viel länger als breit, und an der Vorder-und Hinterkante etwas verdickt. Normalerweise dienen solche Dornfortsätze als Ansatzstellen für Muskeln. Zum einen spannen sich zwischen ihnen Muskeln, welche die Wirbelsäule kräftigen, zum anderen dienen sie seitlichen Muskeln als Halt. Betrachtet man die Dornfortsätze von Spinosaurus einmal ganz unvoreingenommen und versucht die ganzen mehr oder weniger liebgewonnenen Bilder eines Rückensegels aus dem Kopf zu verbannen, so gibt es eigentlich keine Indikation dafür, dass sich über sie nur Haut spannte. Wenn die Dornfortsätze einfach nur sehr lang waren, ist es an sich naheliegend dass auch die an ihnen ansetzenden Muskeln ensprechend weit nach oben reichten. Das ist nun auch keineswegs reine Spekulation, denn ganz ähnliche Dornfortsätze sind von anderen Tieren gut gekannt.

Unter den Rindern gibt es einige große Arten welche einen sehr stark ausgebildeten Rückenbuckel besitzen, insbesondere Bisons und Wisente, aber auch die asiatischen Gaur haben einen solchen. Dabei handelt es sich um Rückenmuskeln, die an den stark verlängerten Dornfortsätzen der Wirbelkörper sitzen. Der Schulterhücker der Zebus dagegen hat keine knöcherne Stütze und besteht ausschließlich aus dem stark vergrößerten Musculus rhomboideus. Bei dem ausgestorbenen Riesenbison Bison antiquus erreichten diese Ausläufer der Wirbel sogar Proportionen, die durchaus mit denen von Spinosaurus vergleichbar sind. Allerdings käme wohl kein Mensch darauf, dass diese ausgestorbenen Rinde eine Art Rücksegel besaßen, sondern dass der schon bei ihren noch lebenden Verwandten vorhandene Schulter-oder Rückenbuckel einfach in ganz extremer Weise ausgeprägt war. In ihren Proportionen sind sich die Dornfortsätze von Spinosaurus und “buckeligen” Huftieren äußerst ähnlich, und es scheint sehr wahrscheinlich dass auch Spinosaurus keine nur von Haut bedeckten Knochen auf dem Rücken hatte, sondern dass auch bei ihm die Rückenmuskulatur bis an die Spitzen der Dornfortsätze reichten. Wieviel Muskelmasse dann tatsächlich über diesen Knochen gewesen wäre, ist allerdings schwer zu sagen. Betrachtet man etwa heutige Bisons oder Gaur, so fällt auf dass ihr Buckel eigentlich gar nicht einmal besonders breit ist, und nach oben hin immer schmaler wird. Man dürfte sich einen Spinosaurus mit einem muskelbedeckten “Segel” also nicht als eine Art prähistorische Glöckner von Notre-Damme vorstellen, sondern eher dahingehen, dass sein Rücken nach ober gehend im Querschnitt wie ein umgedrehtes schmales V ausgesehen hat.

 Bei diesem Skelett einer ausgestorbenen Wisentart, welches ich im Naturhistorischen Museum Wien aufgenommen habe, sieht man sehr gut die massive Verlängerung der Dornfortsätze. Diese Dornfortsätze sind nicht wie bei Dimetrodon dünn und mit runden Querschnitt, sondern deutlich länger als breit, und obendrein an der Spitze breiter als an der Basis, so dass die Muskeln des Rückens einen guten Ansatz finden.

Wisen-Skelett

Auf diesem, leider nicht allzu gut gewordenen Bild zweier Bisons aus dem Schönbrunner Zoo sieht man den Rückenbuckel am lebenden Tier. Durch das dicke Fell sieht er voluminöser aus als er eigentlich ist, aber bei dem Bison auf der linken Seite, sieht man ganz gut, dass es sich hierbei nicht um einen massiven “Quasimodo-Buckel” handelt, sondern dass er verhältnissmäßig schmal ist, und über den Schulter im Questschnitt wie ein stumpfes Dreieck ausläuft.

Bisons

Wenn aber Spinosaurus nun tatsächliche eine Art Büffelrücken hatte, wozu brauchte er ihn dann? Zugegebenerweise habe ich darauf auch noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden, aber das waren die Erklärungsversuche für ein Segel auch nicht. Falls Spinosaurus tatsächlich in Sumpfgebieten lebte, und in gebückter Haltung nach großen Fischen jagte, wäre ein solcher Rücken möglicherweise wie eine Art Stütze denkbar. Es wurde auch schon vermutet, dass sie eine Art Fetthöcker stützten, aber das ist wenig wahrscheinlich. Die einzigen lebenden Tiere mit Fetthöckern sind Dromedare und Kamele, wobei bei diesen die Höcker keinerlei Stütze durch die Wirbelsäule haben, während sich bei den buckeltragenden Rinderarten eigentlich keine größeren Fettansammlungen an diesen Stellen befinden. Um Fett zu tragen, benötigt es keiner besonderen Knochen um es zu stützen, bei Muskeln dagegen schon. Auch bei dem Riesenhirsch Megaloceros wurde schon spekuliert seine verlängerten Dornfortsätze an der Schulter hätten einen Fetthöcker getragen, viel wahrscheinlicher ist aber dass die an ihm sitzenden Muskel und Bänder ähnlich wie bei Elchen und anderen Tiere mit schweren Köpfen oder Hälsen als zusätzliche Stütze dienten.

Neben Spinosaurus gab es auch andere ausgestorbene Reptilien welche anatomisch ähnliche verlängerte Dornfortsätze hatten, etwa sein etwas kleinerer Verwandter Suchomimus, bei dem sie allerdings noch deutlich kürzer waren. Auch Ouranosaurus, ein Ornithopode, hatte sehr stark verlängerte Dornfortsätze, die allgemein als Segel gedeutet werden, aber wohl auch eher wie bei Büffeln als Muskelansätze gedient haben, zumal sie wie bei ihnen ihr Zentrum über den Vorderbeinen hatten. Ouranosaurus hatte zudem noch waagrecht verlaufende verknöcherte Sehnen auf den Dornfortsätzen, was allein schon zeigt, dass er kein dünnes Segel gehabt haben kann, sondern einen zumindest einigermaßen dicken Rückenkamm, vergleichbar einem Riesenbison. Daneben gab es auch den relativ kleinen Archosaurier Arizonasaurus, dessen Rückenkamm sein Zentrum ähnlich wie Spinosaurus weiter hinten hatte.

Nach ausgiebiger Betrachtung dieses Themas, insbesondere nach dem Vergleich mit den anatomischen Begebenheiten anderer Tiere, kann ich ehrlich gesagt nicht mehr glauben, dass Spinosaurus und Arten mit vergleichbaren Dornfortsätzen an den Wirbeln tatsächlich häutige Segel besaßen. In der Paläontologie ist leider ziemlich viel auf Mutmaßungen und Spekulationen basierend, weshalb viele ausgestorbene Tiere im Laufe der Zeit ihr Aussehen in Büchern auch stark verändert haben. Vielfach wurden auch Dinge rekonstruiert, ohne wirklich genau nachgeprüft zu haben, ob es überhaupt realistisch ist. Darum sehen wir immer noch in manchen Büchern aufrecht laufende Tyrannosaurier, die sich auf ihrem Schwanz aufzstützen, oder Sauropoden die ihren Hals in Schwanenmanier verkrümmen. Leider ist es manchmal ziemlich schwierig neue Vorstellungen anzunehmen, und alte abzugeben, weshalb sich neue Ideen oft nur sehr langsam einigermaßen etablieren können. Über Jahrzehnte ging man einfach mal davon aus dass die Ausläufer an den Wirbeln des Spinosaurus ein Segel gespannt haben müssen, und debatierte erhitzt über den Zweck eines solchen Segels. Bis sich aber tatsächlich jemand einmal fragte, ob ein solches Tier nun überhaupt zwingend ein Segel gehabt haben muss (oder kann), ist ziemlich viel Zeit vergangen.

Quellen:

Jack Bowman Bailey

Neural spine elongation in dinosaurs; sailbacks or buffalo-backs?

Western Illinois University, Department of Geology, Macomb, IL, United States

Angebliche Aasfresser Teil 1: Dilophosaurus

Mittwoch, Juni 6th, 2007

Dilophosaurus aus Jurassic Park - fälschlicherweise ohne Kerbe im Oberkiefer 

Wenn man sich mit paleontologischer Literatur befaßt, dann fällt auf dass eine ganze Menge ausgestorbener Fleischfresser als Aasfresser abgestempelt werden. Die Argumentation für diese Vermutungen stehen aber oftmals auf äußerst wackeligen, und teilweise sogar diametral verschiedenen Überlegungen. Ich möchte mich hier mit einigen Fällen befassen, und darauf eingehen, auf welchen Überlegungen die Vorstellungen für angeblich Aas-fressendes Verhalten zurückgehen, und natürlich vor allem, was dagegen spricht.

Den Anfang wollte ich mit Dilophosaurus machen, nicht zuletzt deshalb, weil vor kurzem eine sehr interessante Meldung durch die Presse ging, aber dazu später mehr. Dilophosaurus kennen sicher alle die Jurassic Park gesehen haben noch als den kleinen hinterhältigen Raubsaurier, der den verräterischen und nicht minder korpulenten Computerspezialisten Dennis Nedry auf ziemlich unappetitiche Weise von der Leinwand verschwinden läßt. Der Dilophosaurus-Animatronic sah an sich ziemlich gut aus, mal abgesehen davon dass er viel zu klein war, aber die Macher von JP ließen sich es nicht nehmen, ihm noch eine frei erfundene Kragenechsen-artige Halszierde zuzugestehen, die ebensowenig auf Fakten basiert, wie das Spucken von Gift.

Dilophosaurus war für die Zeit in der er lebte ein ziemlich großer Raubsaurier, einer der größten die es damals gab, und erreichte eine Länge von 6m bei einem Gewicht von etwa einer knappen halben Tonne. Er gehörte noch einer ziemlich primitiven Gruppe von Raubsauriern an, was sich darin zeigte dass er an der Hand noch vier, und nicht wie praktisch alle späteren Theropoden drei Finger hatte. Dieser vierte Finger war schon relativ klein und in der Rückbildung bemeßen, genau wie zwei seiner fünf Zehen (ebenfalls ein primitives Merkmal, die moderneren Theropoden hatten alle nur noch vier Zehen). Insgesamt war Dilophosaurus relativ schlank gebaut für einen Raubsaurier seiner Größe, die meisten größeren Theropoden waren deutlich kompakter. Das wohl herausragenste Merkmal dieses Tieres waren die beiden vertikalen, einigermaßen halbkreisförmigen Knochenkämme auf dem Schädel. Ihre genaue Funktion is unbekannt, doch vermutlich spielten sie entweder eine Rolle in der innerartlichen Kommunikation, oder sie waren möglicherweise Rangabzeichen bei den Männchen, ähnlich wie bei vielen Vögeln. Ein weiteres ungewöhnliches Merkmal waren die Kiefer und Zähne. Die Kiefer waren relativ schmal und schwach, und wohl kaum in der Lage besonders kräftig zuzubeißen. Zudem besaß er im vorderen Teil der Schnauze eine seltsame Einkerbung, so dass es beinahe aussah als hätte er mal eins auf die Nase bekommen, woraufhin die Schnauzenspitze schräg nach unten wuchs. Auch die Zähne waren eher ungewöhnlich, da sie ziemlich lang, und dabei relativ dünn waren.

Die Argumentation für eine Aas-fressende Lebensweise beläuft sich nun vor allem auf die drei Eigenheiten, nämlich die Kämme auf dem Kopf, die schwachen, seltsam geformten Kiefer, und die langen dünnen Zähne. Nach der Auffassung mancher Wissenschaftler war Dilophosaurus nicht in der Lage Beutetiere mit seinen Kiefern und Zähnen zu töten, zudem wäre die Gefahr dass bei einer Jagd die dünnen Kämme zu verletzen, viel zu groß. Folglich soll Dilophosaurus also durch die Gegend gestreift, und nach Kadavern gesucht haben.

Aus irgend einem Grund gehen viele Paläontologen scheinbar davon aus, dass in der Wildniss überall Kadaver herumliegen, von denen sich eine beliebig große Anzahl beliebig großer Tiere ernähren kann. Dabei wird zun einen übersehen dass Kadaver zwar in der Natur vorkommen, dass dies aber ein relativ seltenes Ereigniss ist, nicht zuletzt deshalb weil schwache oder kranke Tiere in der Regel schon zu Lebzeiten Raubtieren zum Opfer fallen, und weil eine ganze Reihe opportunistischer kleiner Raubtiere in der Regel als erstes an einem Kadaver ist, und ihnen oft ein nicht geringfügiger Teil des Fleisches zufällt. Könnten große Fleischfresser tatsächlich ausschließlich von in der Gegend herumliegenden Kadavern ernähren, dann könnte man das heute noch sehen. Tatsächlich gibt es unter den Großtieren aber keinen einzigen reinen Aasfresser.

Mal angenommen Dilophosaurus wäre tatsächlich ein Aasfresser gewesen, wäre er dann in der Lage gewesen einen Kadaver überhaupt sinnvoll zu nutzen? Lange dünne Zähne und relativ schwache Kiefer sind alles andere als gut geeignet um von Kadavern zu fressen. Sinnvoll wären bei einer solchen Lebensweise viel eher kräftige Kiefer und kürzere, breitere Zähne, um so Stücke aus größeren Kadavern herauszureißen. Ein dem Dilophosaurus noch einigermaßen vergleichbares heutiges Tier, das in der Lage ist die Körper toter Tiere extrem gut in Stücke zu reißen ist der Komodowaran. Er hat robuste Kiefer, und nach hinten gebogenene, relativ kurze und kompakte Zähne. Unabhängig davon dass Komodowarane sehr gute Jäger sind, ist ihr Schädel und Gebiß darauf ausgerichtet Kadaver in kürzester Zeit zu zerlegen, unabhängig davon ob es Fleisch von einem gefundenen, oder selbst gejagten Tier handelt. Tiere die viel Fleisch von größeren Tieren fressen, haben in der Regel ziemlich ausgeprägte schneidende Anteile in ihrem Gebiss, lange dünne Zähne deuten in der Regel eher auf andere Nahrung hin.

Dilophosaurus war also wohl weder in der Lage für größere Tiere tödliche Bisse auszuteilen, noch war er besonders gut darin Kadaver zu verwerten. Dann kommt noch die Sache mit den Kämmen dazu. Inzwischen hat man noch einige andere mittelgroße Theropoden gefunden, die teilweise ebenso skurrile wie relativ zerbrechliche Kopfschmücke trugen. Dass solche Gebilde bei der Jagd auf große und wehrhafte Tiere sicher nicht gerade von Vorteil war, dürfte wohl sicher sein. Aber daraus gleich zu schließen, dass diese Tiere gar nicht jagten, halte ich für wenig sinnvoll. Wenn man die heutigen Raubtiere betrachtet, so fällt auf dass keineswegs alle auch tatsächlich größere Tiere jagen. Der südamerikanische Mähnenwolf etwa, ernährt sich trotz seiner Größe fast ausschließlich von relativ kleinen Nagetieren, genau wie der Abessinische Fuchs(bzw Wolf). Der Erdwolf begnügt sich trotz seines Hyänenerbes mit Insekten, und viele andere Fleischfresser haben sich ebenfalls nicht in der Rolle eines gefährlichen Großwildjägers festgefahren. Von den Fleischfressern unter den Säugetieren gibt es keine die besondere Ausbildungen haben, die mit den Kämmen von Dilophosaurus vergleichbar wären. Unter den Vögeln gibt es aber eine ganze Reihe teilweise recht großer Arten, die trotz einer jagenden Lebensweise ausgeprägte Auswüchse an Kopf oder Schnabel haben. Ein Beispiel wäre der Sudan-Hornrabe, ein ziemlich großer Vogel, der mit seinem riesigen Schnabel in den Savannen vor allem Reptilien, größere Insekten und auch mal kleinere Säuger fängt. Der seltsame Buckel auf dem Kopf scheint ihn dabei wenig zu stören, genausowenig die die teils enorm großen Schnabelfortsätze der Nashornvögel, welche ebenfalls oft kleinere Tiere fangen.

Bedenkt man dass Dilophosaurus ziemlich schlank und wenig gewesen ist, und obendrein einen abspreizbaren Finger besaß, so erscheint es weitaus logischer zu vermuten dass er sich statt von großen oder gar schon toten Tieren, eher von kleineren Beutetieren ernährte, die er vielleicht mit seinen Klauen greifen, und mit den relativ schwachen Kiefern töten könnte, wobei auch keine Gefahr bestände, dass sein Kopfschmuck Schaden nähme.

Betrachtet man nochmal die Kiefer von Dilophosaurus, so kann man sogar noch einen Schritt weiter gehen. Die seltsame Einkerbung und der nach unten weißende Knick im Oberkiefer kommen nämlich noch bei anderen Tieren vor, nämlich beispielsweise bei Krokodilen oder den Spinosauriden, von denen man aufgrund verschiedener Hinweise davon ausgeht, dass sie eine gewisse Spezialisierung auf Fische entwickelt hatten. Seltsamerweise hatte auch das mit einem großen Rückensegel ausgestattete Reptil Dimetrodon einen ähnlichen Knick im Kiefer, wobei hier fraglich ist, ob hier ein Bezug zu einer Fische-jagender Lebensweise bestand. Diese besondere Form der Schnauze scheint gewisse Vorteile beim Packen von Fischen zu haben, und an dieser Stelle bekommen auch die recht langen dünnen Zähne einen Sinn, denn selbst wenn diese nicht gut zum Zerteilen von Fleisch sind, so eignen sie sich doch ausgezeichnet um einen schleimigen zappelnden Fisch festzuhalten.

Derartige Beutetiere würden auch keine starken Kiefer zur Tötung benötigen, genausowenig wie sie eine Gefahr für verletzungsanfällige Kopfaufbauten darstellen würden. Auch die schlanke Gestalt und dier lange beweglich Hals würden gut zu einem Fischfresser passen, der wie ein riesiger Reiher an Gewässern oder in Sumpfegebieten nach Beute suchte.

Diese Vermutungen hatte ich schon vor relativ langer Zeit, und zugegebenerweise fühlte ich eine gewisse Bestätigung, als vor kurzem ein Verwandter des Dilophosaurus gefunden wurde, der nicht nur die gleiche Größe und das seltsame Gebiss hatte, sondern man konnte anhand von mehr als 3000 fossil erhaltenen Spuren nachweißen, dass diese Tiere häufig in Seen wateten, oftmals bis in Wasser dass ihnen bis zur Brust gereicht haben muss. In jenen Gewässern gab es eine ganze Reihe größerer Fische, die für einen solchen Jäger eine respektable, aber doch noch zu überwältigende Beute dargestellt haben dürften. Dass auch Dilophosaurus ein ähnliches Verhalten zeigte, ist insofern durchaus nicht unwahrscheinlich.

Verkehrte Welt bei Flusspferd-jagenden Löwen

Sonntag, Mai 27th, 2007

In Tierdokumentationen und den meisten Büchern wird über Löwen in der Regel ein ziemlich stereotypisches Verhalten propagiert, nämlich dass er in Rudeln lebt, die vor allem aus Weibchen und ihren Jungen bestehen, und von ein oder zwei männlichen “Paschas” dominiert wird, welche nicht selbst jagen, sondern von den Tieren fressen, die die Weibchen erlegt haben.  In aller Regel stimmt das auch mehr oder weniger, aber Löwen sind weitaus anpassungsfähiger in Bezug auf ihre Lebensweise, sowohl in Hinsicht auf ihre Jagdstrategien und bevorzugten Beutetiere, als auch auf ihr Sozialverhalten, als allgemein bekannt ist. In der Regel besteht die Nahrung der meisten Löwenrudel aus mittelgroßen und relativ einfach zu tötenden Huftieren wie Gnus oder Zebras. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Rudeln, die sich auf deutlich wehrhaftere und größere Beutetiere spezialisiert haben. In manchen Gegenden werden etwa bevorzugt Kaffernbüffel gejagt, in anderen Giraffen-Bullen. Im Tsavuti haben sich sogar Löwenrudel darauf spezialisiert ausgewachsene (!) Elefanten zu töten. Oft geht eine solche Adaption an solche Beutetiere mit einer Veränderung der Sozialstruktur einher.

Besonders interessant sind hier bestimmte Löwenrudel im Virunga-Nationalpark in Zaire. In diesem Gebiet gibt es weder Zebras noch Gnus, und die kleineren solitär lebenden Gazellenarten sind keine lohnende Beutetiere für die Löwen. Dafür kommen dort große Mengen an Kaffernbüffeln und Flusspferden vor. Um dort also überleben zu können, mußten sich die Löwen den dortigen Gegebenheiten anpassen. Einige Rudel spezialisierten sich auf die Kaffernbüffel, während andere bevorzugt Flusspferde jagen. Der bekannte Naturbuchautor Vitus Dröscher schilder in seinem Buch “Die Welt in der die Tiere leben” eindrucksvoll eine selbst beobachtete Flusspferd-Jagd im Virunga. Schon das Rudel an sich war sehr ungewöhnlich, sowohl in seiner Zusammensetzung, als auch in seinem Verhalten. Es bestand aus fünf ziemlich großen Männchen, und einem einzelnen Weibchen, dass sich allerdings bei der Jagd nicht beteiligte. Dass diese Löwen sich überhaupt an ausgewachsene Flusspferde herantrauen, ist schon beachtlich, denn diese Tiere gehören zu den größten Landtieren überhaupt, und erreichen oft Gewichte von mehr als zwei Tonnen. Zudem sind sie alles andere als ungefährlich, und jedes Jahr fallen wütenden Flusspferden eine große Anzahl von Menschen zum Opfer, und auch gegen andere Tiere zeigen sie zuweilen sehr aggressives Verhalten. Auch gegen Räuber wie etwa Krokodile wissen sie sich in der Regel mit ihren riesigen Hauern sehr gut zur Wehr zu setzen. Nur an Land sind sie für die Löwen überhaupt angreifbar. Normalerweise verhalten sich Löwen bei der Jagd extrem ruhig um ihre Beute nicht zu verjagen, diese Löwen brüllten dagegen in Angesicht iher Beute laut herum, möglicherweise um das Flusspferd einzuschüchtern. Der Angriff erfolgte zuerst durch zwei Löwen von hinten, die sich in die Hinterbeine ihres Opfers verbissen, was sie dreimal wiederholten, bis das Flußpferd seine Hinterbeine nicht mehr aufrecht halten konnte, und sein Hinterteil herabsackte. Daraufhin sprangen es die drei anderen Löwen-männchen mit der geballten Masse von über einer halben Tonne von der Seite her an und warfen es um, woraufhin es mit einem Kehlbiss getötet wurde.

Flusspferde im Schönbrunner Zoo

Eine solche Jagd ist natürlich weitaus gefährlicher als kleinere Zebras oder Gnus zu jagen, auf der anderen Hand sichert hier eine einzige erfolgreiche Jagd auf mehrere Tage hinaus eine ausreichende Fleischversorgung. Da männliche Löwen deutlich größer und stärker sind als Löwinnen, konnte sich hier eine auf relativ brachialer Gewalt basierende Jagdstrategie auf verhältnissmäßig riesige und gefährliche Beutetiere entwickeln, die für ein normales aus weiblichen Löwen bestehendes Rudel wahrscheinlich kaum bezwingbar wäre. Die Flusspferd-Killer müssen weder besonders schnell noch besonders leise sein, wichtig ist vor allem dass sie genug Kraft besitzen, um ihre langsame Beute auf den Boden bringen zu können, wo sie dann getötet werden kann. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass solches Verhalten die Selektion besonders großer und starker, aber sozial kompetenter Löwen fördert. Andererseits führt dies zu einer massiven Umverteilung des Geschlechterverhältnisses, da auf diese Männchen-starken Rudel nur ein oder zwei Weibchen kommen, deren Zweck lediglich im Austragen und Aufziehen der Jungen liegt.

Das ist nur eine von mehreren ungewöhnlichen Lebensweisen bei Löwen, und zeigt auch gut wie Tiere in der Lage sind, ihr Verhalten den gegebenen Umständen entsprechend anzupassen, und dass oftmals propagiertes stereotypes Verhalten in der Natur ganz anders aussehen kann.

Irgendwann wollte ich auch mal über die Elefanten-jagenden Tsavuti-Löwen und über einige skurrile Entwicklungen bei der Jagd auf Kaffernbüffel schreiben.

Quelle: Vitus. B. Dröscher “Die Welt in der die Tiere leben – Meine Expeditionen auf sechs Kontinenten” Rasch und Röhring-Verlag 1991 

Kann ein Aal zu einem Monster wachsen?

Donnerstag, Mai 24th, 2007

In der kryptozoologischen Literatur findet man eine ganze Reihe von teils sehr verschiedenen Untieren, welche die Seen Großbritanniens, insbesondere von Irland bevölkern sollen. Einige sollen wie Drachen ausgesehen haben, andere wie Schlangen oder sogar säugerähnlich gewesen sein. Einige von ihnen wurden auch als riesige Aale beschrieben. Vor einiger Zeit kam auch die Hypothese in Umlauf, dass solche Kreaturen, insbesondere das Monster von Loch Ness, auf Aale zurück gehen sollen, die nicht zum Laichen in die Sargasso-See abwanderten, sondern in den Seen blieben, dort uralt wurden, und immer weiter wuchsen. Hört sich ja an sich ganz plausibel an, und würde auch eine ganze Reihe von Fragen beantworten, etwa warum nicht ganze Populationen von Monstern existieren müssen, oder wie sie in teils winzigen Gewässern überleben könnten.

Doch der Teufel steckt hier im Detail, denn der Urheber dieser Vermutung, wußte allem Anschein herzlich wenig über das Wachstumsverhalten von Aalen. Wie viele andere ist er dem Irrglauben aufgessesen, dass Fische ihr ganzes Leben lang immer weiter wachsen, und so theoretisch jede beliebige Länge erreichen, und so zu Monstern heranwachsen können. Nun ist es tatsächlich so dass die allermeisten Fische ab einer gewissen Größe so gut wie gar nicht mehr wachsen, meist nach Erlangen der Geschlechtsreife. Auch wenn danach das Wachstum noch anhält, ist es bei den meisten Arten so gering, dass es kaum noch ins Gewicht fällt. Andernfalls gäbe es unter vielen Fischen, insbesondere solchen die im Aquarium gehalten, und so gut über einen langen Zeitraum beobachtet werden können, enorme Größendifferenzen unter den geschlechtsreifen Tieren. Nun gibt es tatsächlich Fische, bei denen auch nach dem Erlangen der Geschlechtsreife das Wachstum noch vergleichsweise stark ist, und bei denen in der Regel die größten Exemplare tatsächlich schon ziemlich alt sind. Dank einer Studie aus den Jahren 1987 und 1988, bei der insgesamt 8612 weibliche Aale aus dem Burrishole-System in West-Irland vermessen, und ihre Wachstumsraten anhand von Gehörsteinuntersuchungen ausgewertet wurden, liegen für die Wachstumsraten von Flussaalen sehr gute Daten vor. Interessant war dass von dieser riesigen Menge Aale nur ein winzigen Bruchteil eine Länge von mehr als 62 cm hatte, nämlich nur 0,6% ´87 und 0,7% ´88. Jene übergroßen Aale zeigten auch ein anderes Wachstumsverhalten als ihre kleineren Artgenossen. Sie wuchsen nicht nur geringfügig schneller, sondern auch länger schnell. Anhand der an den Gehörsteinen feststellbaren Wachstumsraten konnten auch Diagramme angefertigt werden, die die Zuwachsraten im Verlauf der Jahre zeigen. Unter den Aalen mit einer Länge von mehr als 62 cm konnten Alter von 32-57 Jahren ermittelt werden, und bei jenen unter 62 cm Alter von 8-42 Jahren. Das schnellste Wachstum fand im ersten Lebensjahr statt, bei den kleinen Aalen hielt ein relativ schnelles Wachstum etwa 17 Jahre an, bei den großen dagegen etwa 34 Jahre. Die durchschnittliche Längenzunahme bei den normalen Aalen betrug 1,42 cm, das der großen 1,6cm pro Jahr, der Unterschied war also relativ gering. Die großen Aale übertrafen ihre Artgenossen also nicht einfach dadurch deutlich an Größe, dass sie über einen sehr langen Zeitraum wuchsen, sondern vor allem weil sie langanhaltend relativ schnell wuchsen. Die Wachstumskurven verlaufen anfangs bei beiden Variäteten in etwa gleich, bei den normalen Aalen wird die Kurve allerdings deutlich flacher, bei den großen Aalen dagegen nur relativ geringfügig, wenngleich ebenfalls stetig. Anhand der Abnahme der Steilheit der Wachstumskurve läßt sich berechnen bei welcher Länge das Wachstum so weit abgenommen hätte, dass es zu überhaupt keinem Längenzuwachs mehr kommt. Bei den normalen Aalen wäre das eine Länge von 99,9cm, bei den großen eine hypothetische Länge von 204,5cm,  bei einem Alter das irgendwo zwischen 150 und 200 Jahren liegen würde (genaue Angabe fehlt hier).

Üblicherweise werden sie aus verschiedenen Gründen gar nicht erst so groß, entweder weil sie teilweise noch in sehr hohem Alter abwandern, oder, falls dies in einem Gewässer ohne Meereszugang passiert, weil sie schlicht und einfach auch nicht unsterblich sind, und irgendwann einmal den Löffel abgeben, bevor sie so eine Länge erreichen könnten. Tatsächlich stammen die größten Aale meist aus Gewässern, in denen sie eingesetzt wurden, aber mangels fehlender Abwanderungsmöglichkeiten nicht ins Meer konnten. Die größten bestätigten Längen für Europäische Flussaale liegen bei etwa 1,5m. Man liest zwar gelegentlich auch von 2m, aber allem Anschein gibt es dafür keine Beweise, weshalb es sich hier auch um Anglerlatein handeln kann. Warum diese Unterschiede im Wachstumsverhalten überhaupt aufkommen, ist nicht ganz klar, vielleicht hängt es mit einer unterschiedlichen Ernährungsweise zusammen, die bei den großen Aalen vor allem aus Fisch besteht, möglicherweise hat es auch genetische Hintergründe.

Dass es sich hier um Aale aus einem irischen Gewässer (das obendrein einen sehr guten Fischbestand aufweist und nicht wie viele andere überfischt wurde), ist besonders praktisch, wenn man Vergleiche mit angeblichen Riesenaalen in irischen Seen machen möchte.

Das Wachstum dieser Tiere hat natürlich noch ein paar andere wichtige Komponenten, etwa die Verfügbarkeit und Menge der Nahrung, sowie die Wassertemperatur. Ein Aal der bei einer optimalen Temperatur (diese liegt beim Aal bei 26°C) und optimaler Nahrungsversorgung aufwächst, überdurchschnittlich gute genetische Anlagen besitzt und nicht ins Meer abwandern kann, wäre sicher in der Lage ein noch stärkeres Wachstum als die “großen” Aale zu zeigen, und auch eine etwas größere Länge zu erreichen. Aber auch die würde in Anbetracht der limitierten Lebensjahre wohl kaum die 2m erreichen.

In Anbetracht dieser Fakten kann die Hypothese, dass Aale, welche nicht abwandern und in Gewässern bleiben, zu Monstern heranwachsen können, guten Gewissens zu den Akten gelegt werden. Selbst wenn ein Aal Jahrzehnte lang und obendrein noch ungewöhnlich schnell wachsen würde, wäre er selbst nach 100 Jahren weit davon entfernt, auch nur annährend echte Monster-Maße erreichen. Bedenkt man dass beispielsweise im Loch Ness mit einer maximalen Wassertemperatur von 6-7°C auch noch alles andere als optimale Bedingungen für das Abwachsen von Aalen herrschen, verliert die “Nessie-ist-ein-uralter-Riesenaal”-Hypothese gänzlich an Glaubwürdigkeit. Dass dies auch für eine Reihe von anderen Fischen zutrifft, soll später auch irgendwann noch bearbeitet werden.

Quellen:

VARIABILITY IN GROWTH RATE IN. EUROPEAN EEL ANGUILLA ANGUILLA. (L.) IN A WESTERN IRISH CATCHMENT. W. Russell Poole and Julian D. Reynolds.
                                                                                                                                             

H. Kuhlmann: Der Einfluß von Temperatur, Futter, Größe und Herkunft auf die sexuelle Differenzierung von Glasaalen(Anguilla anguilla)

Arapaima gigas – wie groß wird er wirklich?

Freitag, Mai 18th, 2007

Im Laufe vieler Jahre des Studiums von Fachliteratur und Dokumentationen über Tiere fiel mir immer wieder auf, dass für viele Tiere, insbesondere Fische, oftmals Größen angegeben werden, die weit über den tatsächlich verbürgten Rekorden liegen. Bei genauerer Recherche hat sich tatsächlich in vielen Fällen herausgestellt, dass die allgemein verbreiteten Angaben über vermeintliche Maximalgrößen in vielen Fällen nichts als vom Hörensagen übernommenes Anglerlatein sind, das vorbehaltlos seinen Weg in die Literatur gefunden hat, und dort über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte ungeprüft weiter verbreitet wurde, ohne dass sich jemals jemand Gedanken darüber gemacht hat, ob die Angaben denn überhaupt stimmen können. In diesem ersten Post möchte ich mich dem Arapaima gigas widmen, und in späteren Posts auch noch verschiedenen anderen Arten. Für alle die nicht wissen was ein Arapaima überhaupt ist, empfehle ich eine kurze Google-suche, das macht mehr Sinn als wenn ich mich hier über das Aussehen, die (sehr interessante) Biologie und das Verbreitungsgebiet dieser Art auslasse, wo es doch andernorts schon viel ausführlicher nachzulesen ist. Zumindest eine kurze Beschreibung sei hier allerdings schon angebracht. Der Arapaima ist ein südamerikanischer Fisch aus der Familie der Knochenzüngler. Er hat einen langestreckten, im hinteren Teil seitlich abgeplatteten Körper, und ein sehr weit aufsperrbares breites Maul.

Farblich zählt er zweifellos zu den schönsten Riesenfischen des Süßwassers, und kombiniert verschiedene  Grün-, Braun-, Grau-und Schwarztöne mit einem oftmals tiefroten Muster darauf. Hier sieht man recht gut die Farben eines etwa 30 kg schweren Arapaima aus dem Dream-Lake in Chiang Mai (Thailand) das mir Nathan Wardle freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat:

30kg+ Arapaima aus dem Dream-Lake Chiang Mai

Hier sieht man ein Präparat eines deutlich größeren, aber leider ziemlich ausgebleichten Arapaima aus dem Naturhistorischen Museum in Wien:

Arapaima gigas

Wenn man in Bücher über den Arapaima liest, oder auch in Fernsehdokumentationen die Sprache auf ihn kommt, heißt es beinahe immer, dass er der größte Süßwasserfisch der Welt ist, und Längen von 4,5m bei einem Gewicht von 200kg erreichen kann.

Tatsächliche Bilder von solchen Giganten bekommt man allerdings nie zu Gesicht. Vorweggenommen sei auch, dass diese Tiere keineswegs die größten Süßwasserfische sind, um welche Arten es sich dabei aber handelt, und warum die Antwort auf die Frage nach dem größten Süßwasserfisch nicht ganz einfach zu beanworten ist, soll in einem späteren Post folgen.

Wenn man im Internet nach Bildern vom Arapaima sucht, wird man einige erstaunliche Photos von mehr als mannsgroßen Riesenfischen finden, von denen einige deutlich über der Zweimetermarke liegen, aber nie wird man einen finden, der auch nur annäherungsweise in die Nähe der proklamierten 4,5m kommt. Nun stellt sich vielleicht die Frage, woher diese Angabe überhaupt stammt. Die Anwort ist ebenso entlarvend wie beschämend, wenn man bedenkt dass seit über einem Jahrhundert Behauptungen als Tatsachen dargestellt werden, die nie irgend jemand bewiesen hat. Die Angaben stammen  von dem Naturforscher Schomburgk (nicht zu verwechseln mit dem bekannten Forschungsreisenden Hans Schomburgk, der 1880-1967 lebte), der 1836 über seinen Besuch in Guyana schrieb, dass der Arapaima eine Länge von 4,5m und ein Gewicht von 200 kg erreichen soll. Aber hat Schomburgk jemals einen solchen Fisch mit eigenen Augen gesehen oder gar vermessen? Die Anwort lautet nein, Schomburgk hatte diese Angaben auch nur vom Hörensagen, welches von den Eingeborenen stammte. Das hinderte aber Generationen von Autoren und Zoologen nicht daran, dies als Tatsachen zu übernehmen, und kaum jemand hat jemals daran gezweifelt, dass dies nicht so sei, obwohl kein einziger solcher Riesefisch jemals bekannt wurde. Einer der sich Gedanken darüber gemacht hat, war Karl-Heinz Lüling, der sich mit diesem Fisch auch in dessen natürlichen Lebensraum befaßt hat, und wichtige Beiträge über die Biologie dieser Art leistete.
Er fand heraus, dass der größte bekannte Arapaima tatsächlich “nur” eine Länge von 2,32m hatte, und 133kg wog. Nun ist der Arapaima ein sehr stark befischter Fisch, bei dem übermäßige Fangzahlen auch zu einer negativen Selektion führen, und viele Fische gefangen werden, bevor sie ihre Maximalgröße erreichen können. Dennoch sollte sich unter den vielen Millionen Arapaimas die über die Jahre gefangen wurden (bei einer einzigen Untersuchung wurden einmal die Mägen von nicht weniger als 5000 Exemplaren untersucht), auch ab und an einer befunden haben, der in abgelegeneren Gebieten lebte, und zu seiner vollen Größe auswachsen konnte, bevor ihn irgendein Fischer mit einer Leine oder einer Harpune aus dem Wasser gezogen hat. Dazu muss man sich auch vergegenwärtigen, dass der Arapaima ein sehr schnell wachsender, und auch nicht übermäßig alt werdender Fisch ist. Er bewohnt ein riesiges Gebiet, und es ist keineswegs so, dass er überall vollkommen überfischt ist. Zudem führt die fortschreitende Abholzung und Urbarmachung des südamerikanischen Regenwaldes dazu, dass Menschen immer tiefer in den Dschungel eindringen, auch in Gebiete in denen noch zuvor jemand gewesen ist. Zumindest an solchen Stellen müßte man auf Exemplare stoßen, welche lange ungestört wachsen konnten, und auch zumindest teilweise nahe der biologischen Maximalgröße wären. Tatsächlich dürfte das auch so sein, nur sind auch die dort gefangenen Arapaimas nie auch nur annäherungsweise an den oft verbreiteten 4,5m. Würden diese Tiere tatsächlich so groß werden können, dann hätte man längst irgendwo Exemplare gefangen, welche wenigstens einigermaßen in diesem Größenbereich lägen. Dass unter den Millionen, teilweise auch in vormals unberührten Gebieten Südamerikas gefangenen Arapaimas aber selbst der allergrößte wirklich dokumentierte nur etwa die Hälfte der angegebenen Länge hatte, und damit schon deutlich über dem Durchschnitt lag, sollte eigentlich schon gewisse Zweifel aufkommen lassen, ob diese Angaben tatsächlich stimmen. Seltsam ist dass diese Angaben so lange immer wieder kopiert wurden, ohne die tatsächlich dokumentierten Rekordexemplare und Durchschnittsgrößen zu beachten.
Was auch auffallen sollte, ist das seltsame Verhältniss aus Länge und Gewicht, das Schomburgk angibt. Wer sich ein bißchen mit Fischen auskennt, der sollte bei einem Fisch mit dem Körperbau des Arapaima stutzig werden, wenn ein 4,5m langes Exemplar nur 200kg wiegen soll. Um das etwas zu verdeutlichen, möchte ich an dieser Stelle eine von mir entwickelte Vergleichseinheit einführen, die sogenannte Einmetermasse, auf die ich in Zukunft öfter mal zurückgreifen möchte. Die Einmetermasse bezeichnet die Masse, die ein Objekt, oder in diesem Fall ein Fisch, bei einer hoch-oder heruntergerechneten Länge von einem Meter haben würde. Das ermöglicht objektive Vergleiche der Proportionen von verschiedenen Objekten unterschiedlicher Größe, und aufgrund der gewählten Länge von einem Meter auch eine gut vorstellbare Größe.
In diesem Fall soll die Einmetermasse dazu dienen, die Proportionen eines Arapaima mit bekannter Länge und Gewicht mit dem vorgeblichen 4,5m-Riesen zu vergleichen.
Bei dem 2,32 langen Arapaima kommt man auf eine Einmetermasse von 10,65kg, also durchaus vergleichbar einem Hecht dieser Länge, der einen ähnlichen Körperbau wie der Arapaima hat. Aber wie sieht es nun bei 4,5m und 200kg aus? Hier kommt man auf eine Einmetermasse von gerade einmal 2,19kg. Ein Fisch mit solchen Proportionen würde aussehen wie ein Aal, im Falle eines Arapaima würde er nur aus Haut und Gräten bestehen. Mir fiel auch auf, dass bei übertriebenen Größenangaben oft viel zu geringe Gewichte für die angeblichen Riesentiere angegeben werden, und sie zu analysieren, ist in der Regel eine recht sichere Möglichkeit um ihren Wahrheitsgehalt zu erkennen.  Ein hypothetischer Arapaima mit den realistischen Proportionen würde um die 970kg wiegen…
Ich schrieb vorhin von Arapaimas die noch größer wurden als das südamerikanische 2,32m Exemplar. Da der Arapaima extrem gute Wachstumseigenschaften besitzt, und ein gutes Fleisch (hier streiten sich allerdings die Angaben) besitzen soll, wurde er in Asien in Angelteiche und teilweise sogar schon in Aquakulturen eingeführt. Unter den dortigen Bedingungen wuchsen die Fische zu teilweise enormer Größe, ein weitverbreitetes Phänomen von Fischen, die in fremden Ländern ausgesetzt werden. Das kann zum einen an verbesserten klimatischen Bedingungen liegen, oftmals liegt es aber auch an einem überreichen Nahrungsangebot, fehlender Konkurrenz und dem Fehlen artspezifischer Krankheitserreger und Parasiten, die in den angestammten Lebensräumen einen negativen Einfluss auf das Wachstum haben. Vor einigen Jahren wurde in einem thailändischen Angelteich ein übergroßes Monstrum von einem Arapaima gefangen, der 2,63m lang war, und 185kg gewogen hat, wobei man hier natürlich bedenken muss, dass es sich hier um einen echten Ausnahmefisch handelt.  Das zeigt dass diese Fische zumindest das biologische Potential besitzen, um Gewichte um die 200kg zu erreichen, und wahrscheinlich gab es zu Zeiten vor der massiven Überfischung auch in Südamerika einige über einen langen Zeitraum ungestört abgewachsene Arapaimas, die von guten genetischen Anlagen und einem reichen Nahrungsagebot profitieren konnten, und Gewichte von etwa 200kg erreichten, aber selbst diese Fische dürften nicht viel mehr als 2,70m lang gewesen sein, und die Angaben welche Schomburgk über das Maximalgewicht erhielt, dürften durchaus richtig gewesen sein könnten, wohingegen es die Indianer bei der Länge mit der Wahrheit nicht allzu genau nahmen, womöglich lag hier sogar ein Übersetzungsfehler bei den Maßeinheiten vor. Dass Schomburgk vor mehr als 169 Jahren im Dschungel besseres zu tun hatte, als die Längen-Gewichts-Verhältnisse exotischer Fische zu berechnen, kann man ihm kaum anlasten, und schließlich gab es zu jener Zeit ja auch noch kaum Vergleichsmöglichkeiten, und es sprach nichts dagegen, dass es in Südamerika tatsächlich einen bis 4,5m lang werdenden Riesensüßwasserfisch geben könnte. Einen Vorwurf machen muss man allerdings all jenen, die diese Angaben ohne jeden Zweifel weiter verbreitet haben, und es teilweise auch immer noch tun. Dazu kommt auch noch, dass es sich hier keineswegs um einen Einzelfall handelt, wenngleich auch der Arapaima eines der prominentesten Beispiele maßlos übertriebener Größenangaben ist.
Hier noch ein kleiner Vorgeschmack über Tiere, bei denen ich mich irgendwann auch noch dieser Thematik widmen möchte: Waller, Störe und Hausen, Weiße Haie, Walhaie, angebliche Riesenaale, Krokodile, Riesenkalmare.
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