Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Evolution’ Category

Megapiranha paranensis- der größte Piranha aller Zeiten

Dienstag, Juli 14th, 2009

Piranha Serrasalmus natteri

Die allermeisten Fische die beim Menschen für Horror sorgen können, sind ziemlich groß, nur ganz wenige, wie etwa die Piranhas, sind an sich ziemlich klein. Allerdings wurde kürzlich eine neue Art beschrieben, die durchaus recht erhebliche Ausmaße erreichte, und alle lebenden Arten deutlich in den Schatten stellte, Megapiranha paranensis. Diese in Argentinien entdeckte Art lebte vor etwa 8-10 Millionen Jahren während des späten Miozäns, und erreichte eine Länge von etwa einem Meter. Leider sind die Reste die man von Megapiranha kennt, nur äußerst spärlich, und bestehen nur aus einem gut 10 cm langen partiellem Oberkiefer mit einigen Zähnen. Tatsächlich wurden die Überreste bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt, aber damals noch nicht weiter beachtet. Es scheint als wäre Megapiranha auch kein echter Piranha gewesen, sondern einer Seitenlinie angehört zu haben, denn die Bezahnung zeigt auch Merkmale der mit den Piranhas verwandten pflanzenfressenden Pacus. Seine Zähne nehmen eine Art Zwischenstellung ein zwischn den einreihig angeordneten Zähnen der Piranhas und der in einer Doppelreihe angeordneten Zähne der Pacus. Sie waren in zwei Reihen angeordnet, aber standen praktisch im Zickzack zueinander, jeweils so versetzt, keine zwei Zähne hintereinander angeordnet waren. Während aber die Zähne der Pacus relativ stumpf sind, und fast etwas aussehen wie die Prämolaren von Menschen, hatte Megapiranha Zähne mit scharfen, leicht gesägten Kanten. Das obere Photo stammt aus einem Aquarium der Pomologie in Reutlingen, und zeigt einen Roten Piranha (Pygocentrus, bzw Serrasalmus natteri). Auf diesem neben dem Aquarium angebrachten Schild, sieht man auch noch die Darstellung eines Piranhagebisses, leider ist die Qualität des Photos nicht besonders gut geworden:

Piranha Gebiss

Es wäre jetzt natürlich sehr interessant zu wissen, wie Megapiranha gelebt hat. Handelte es sich um einen reinen Fleischfresser, oder vielleicht sogar um einen Omnivoren? Interessant ist hierbei auch die Tatsache, dass auch die Paccus ziemlich große Fische sind. Selbst die größten Piranhaarten erreichen nur ausnahmsweise mal Längen von mehr als 45 cm, die allermeisten bleiben aber viel kleiner. Pacus können aber durchaus einen Meter und etwa 30 kg erreichen, auch wenn das ebenfalls schon sehr ungewöhnliche Maße sind. Der Schwarze Pacu (Colossoma macropomum) ernährt sich nur in seiner Jugend von Tieren, vor allem verschiedenen Invertebraten, später entwickelt er sich zu einem hochspezialisiertem Früchte-und Nussfresser. Dieses Photo aus dem Aquarium des Zoologischen Gartens Berlin zeigt zwei recht großen Pacus, leider ist aber auch dieses Photo nicht gerade überragend geworden. Im Hintergrund sieht man noch einen Rotflossen-Antennenwels:

Pacu Colossoma macropomum

Näheres findet man hier:

Alberto Luis Cione,1 Wasila M. Dahdul John G. Lundberg and Antonio Machado-Allison

 Megapiranha paranensis, a New Genus and Species of Serrasalmidae (Characiformes, Teleostei) from the Upper Miocene of Argentina

Journal of Vertebrate Paleontology 29(2):350-358. 2009

Ein Blick ins Innere mariner Tetrapoden und warum Weichteile lügen

Sonntag, Juli 12th, 2009

Im Laufe der Evolution haben ja zahllose bereits an Land lebende Wirbeltiere wieder den Schritt zurück ins Wasser gemacht, um sich zu amphibischen oder sogar vollaquatischen Lebensformen zu entwickeln.  Zu diesem Thema gibt es im Naturkunde-Museum Berlin eine Reihe wirklich schönen Ausstellungsstücken, welche die Skelette verschiedene marine Tetrapoden in Schwimmstellung zeigen, welche zur Hälfte als Modell des lebenden Tieres dargestellt sind. Dabei sieht man nicht nur sehr gut wie sich das Skelett ins Innere eines Tieres “einfügt”, sondern man erkennt bei den Detailaufnahmen auch viele anatomischen Besonderheiten. Da die Modelle in Vitrinen ausgestellt waren, konnte ich wegen der Spiegelung leider nicht die ganzen Präparate am Stück photographieren, sondern leider immer nur teilweise. Besonders schön finde ich dieses halbseitig verkleidete Skelett eines Pinguins (entweder ein Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) oder ein Kaiserpinguin(Aptenodytes forsteri) ). Man sieht sehr schön die ringförmig um das Auge angeordneten Knochenplättchen, und auch dass die äußerliche Erscheinung des Halses völlig anders ist als die tatsächlichen skeletalen Verhältnisse. Von außen erscheint der Hals relativ kurz und gestreckt, tatsächlich ist er aber S-förmig angezogen, und kann noch deutlich nach vorne gestreckt werden.

Pinguin Skelett

Ähnliche Verhältnisse erkennt man auch bei diesem Skelett eines Seehundes (Phoca vitulina), der Hals erscheint auch hier von außen gerade zu sein, ist aber tatsächlich ebenfalls S-förmig gebogen. Diese typische Haltung des Halses ist innerhalb der Tetrapoden extrem weit verbreitet, angefangen bei Reptilien wie Leguanen und Krokodilen, bis hin zu Vögeln und den meisten Säugern, selbst wenn man es am lebenden Tier kaum vermuten würde, da das Weichgewebe oftmals keinerlei Rückschlüsse auf die Ausrichtung der Halswirbelsäule ermöglicht. Man achte auch auf das sehr lange Brustbein (Sternum) welches unterhalb des Halses an den Rippen entspringt.

Seehund Skelett

Ein anderes Bild findet man bei diesem Gewöhnlichen Schweinswal (Phocoena phocoena).  Die extrem kurzen und ineinander praktisch unbeweglichen Wirbel sind gerade nach vorne gerichtet, und ensprechen den äußeren Umrissen. Allerdings sieht man auch seh gut, dass die Umrisse des lebenden Tieres nur äußerst vage mit dem tatsächlichen Schädel übereinstimmen. Das liegt nicht nur an der Melone welche sich in der Stirnregion befindet, sondern vor allem auch an den großen Mengen an Fettgewebe, welche sich vor allem im Bereich zwischen Unterkiefer und Hals befinden. Auch das große und gut ausgebildete Zungenbein, sowie die für Schweinswale typischen kurzen stumpfen Zähne sind gut zu erkennen.

Schweinswal Skelett

Wieder andere Verhältnisse findet man bei dieser Schildkröte. Ich bin mir nicht ganz sicher um was für eine Art es sich handelt, möglicherweise war es eine Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata). Hier sind die Form des Schädels und die Form des Kopfes wie bei Reptilien üblich fast vollkommen kongruent. Es liegt kaum Weichgewebe über den äußeren knöchernen Schädelanteilen, sondern fast sofort die Haut mit den in sie eingelagerten Hornschildern. Die Halswirbelsäule ist auch hier wieder sehr interessant, wenn auch schlecht zu erkennen, denn sie ist an der Öffnung des Panzers fast rechtwinkelig nach oben gebogen, um dann in einem zweiten rechten Winkel in die mit dem Rückenpanzer verwachsene Wirbelsäule des Rückens überzugehen.

Schildkröte Skelett

Hier sieht man noch mal eine Frontalansicht des Schildkrötenschädels mit der halbseitigen Lebenddarstellung (bei der es sich vermutlich um einen Abguss handelt):

Schildkröte Schädel frontal

Mehr über die merkwürdige Divergenz zwischen der Form der Halswirbelsäule und des sie umgebenden Weichgebwebes findet man in vielen tollen Bildern und interessanten Hintergrundinformationen auch auf Tetrapodzoology und Sauropod Vertebra of the Week:

http://scienceblogs.com/tetrapodzoology/2009/05/sauropods_held_necks_erect.php

http://svpow.wordpress.com/2009/05/31/necks-lie/

Buchrezension:The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History

Mittwoch, März 4th, 2009

Kürzlich habe ich ja bereits das Buch “Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large Mammal Fauna” vorgestellt. Das ist aber zum Glück nicht das einzige Buch das von Alan Turner und Mauricio Anton veröffentlich wurde. Mit “The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History” haben die beiden nicht wenige als DAS absolute Standardwerk über fossile Katzen geschrieben. Nirgendwo sonst findet man derartig viele und hintergründige Informationen zur Entwicklung, Anatomie und Biologie ausgestorbener Katzenartiger. Wie dem Titel schon zu entnehmen ist, finden aber auch die heutigen Arten Erwähnung, was in direkten Vergleichen zu ihren ausgestorbenen Verwandten durchaus sehr interessant ist.

Extem positiv fällt die enorme Fülle an Illustrationen auf. Man merkt sofort dass Mauricio Anton einer der fähigsten und wohl auch produktivsten Paläo-Illustratoren ist, in Bezug auf ausgestorbene Säugetiere womöglich sogar weltweit der beste. Der Großteil der Zeichnungen sind Bleistiftzeichnungen, daneben findet man noch einige größere colorierte Bilder. Was den Inhalt der Bilder angeht, so kann man sich diesen fast nicht mehr besser wünschen. Man findet nicht nur jede Menge Lebendrekonstruktionen welche die entsprechenden Tiere von der Seite zeigen, was eine sehr gute Anschauung der Proportionen ermöglicht, sondern auch unzählige Zeichnungen von Schädeln und anderen anatomischen Details, wunderbare schrittweise Lebendrekonstruktionen die direkt auf dem Skelett und den darauf rekonstruierten Muskeln basieren, Vergleichsdarstellungen mit lebenden Arten, schematische Darstellungen wie etwa die beim Tötungsbiss im Halsbereich getroffenen anatomischen Strukturen des Beutetieres, Bewegungssequenzen, Verhaltensrekonstruktionen und und und. Man findet selbstverständlich auch nicht nur die bekannteren Vertreter ausgestorbener Katzenartiger wie etwa die populären Angehörigen der Gattung Smilodon, Machairodus oder Homotherium, sondern auch viele eher unbeanntere Arten wie etwa den Riesengeparden Acinomyx pardinensis oder der winzigen Säbelzahnkatze Paramachairodus. Auch wird auf eine ganze Reihe kleiner Formen aus der frühen Entwicklungszeit der Katzenartigen eingegangen, und man findet auch noch eine nicht unerhebliche Menge anderer prähistorischer Fleischfresser, angefangen bei Beuteltieren wie Thylacosmilus oder Thylacoleo zu verschiedenen Hunde-und Hyänenarten sowie ein paar anderen. 

Man kann dieses Buch wirklich nur absolut empfehlen, denn es handelt sich um ein absolutes Musterbeispiel paläontologischer Literatur, genau so sollte ein solches Buch sein.

Buchrezension: Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large-Mammal Fauna

Montag, März 2nd, 2009

 

Ich denke die meisten Leser die sich für die Inhalte des Bestiariums interessieren, habe zu Hause mindestens ein (wenn nicht gar mehrere Dutzend)Buch über Paläontologie. In aller Regel sind die meisten dieser Bücher relativ allgemein gehalten, und man bekommt einen groben Überblick über alles mögliche, angefangen bei irgendwelchen kambrischen Wirbellosen wie Anomalocaris über Dinosaurier bis zu Neandertalern. Dabei werden zu einem recht großen Teil mehr oder weniger die gleichen Arten beschrieben, der Anteil der weniger bekannten “Exoten” ist dabei normalerweise nur sehr gering, und die dazu vorhandenen Hintergrundinformationen oftmals dürftig. Wirklich spezielle Paläontologiebücher, die sich nur mit einem relativ eingegrenzten Gebiet befassen, gibt es leider nur relativ wenige. Eines dieser Bücher ist “Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large-Mammal Fauna” von Alan Turner und Mauricio Anton, welcher dieses wunderbare Werk auch illustriert hat. Der Titel sagt dabei schon ziemlich gut, um was für einen Inhalt es geht, nämlich die fossilen Säugetieren Afrikas. Das ist gerade ein Themengebiet, das in der Literatur in aller Regel sträflilch vernachlässigt wird, obwohl es auf diesem Kontinent enorm viele hochinteressante Tiere gegeben hat. Dabei erfährt man nicht nur über die ältesten gefundenen Fossilien, sondern auch über solche Wesen, die es teilweise noch bis zur letzten Eiszeit gegeben hat. Man bekommt dabei einen ziemlich guten Überblick diverser Raubtiere, Primaten, Paar-und Unpaarhufer, Rüsseltiere, Insektenfresser und noch einige andere, darunter viele die man kaum jemals in einem anderen Buch auch nur erwähnt findet. Die von Mauricio Anton stammenden Bleistiftillustrationen sind überaus reichlich vorhanden, und werden durch einige colorierte Bilder ergänzt. Man findet dabei auch eine ganze Reihe von Rekonstruktionszeichnungen, welche zeigen wie ausgehend vom Skelett über die Muskulatur das Lebendbild gezeichnet wurde. Besonders interessant finde ich die vielen Raubtiere die behandelt werden, nicht nur verschiedene Säbelzahnkatzen, sondern auch sonst nur selten gezeigte Arten wie verschiedene Riesenhyänen oder sogar Riesenschleichkatzen. Auch unter den Rüsseltieren findet man jede Menge teils sehr bizarrer Arten, etwa Tetrabelodon mit den vier Stoßzähnen. Die vielen Arten hier aufzuzählen ist sicherlich müßig, da es schlichtweg zu viele sind. Besonders interessant ist es dabei, wenn ausgestorbene Arten mit noch heute lebenden zusammen dargestellt werden. Dabei fällt auch auf, dass viele Tiere die uns heutzutage überaus seltsam vorkommen, eigentlich gar nicht so ungewöhnlich sind, beziehungsweise dass auch die heutigen Arten auf ihre Weise genauso faszinierend sind. Mit 269 Seiten hat dieses Buch auch einen durchaus umfangreichen Inhalt. Wer stereotype Mammuts, Höhlenbären und nordamerikanische Säbelzahnkatzen nicht mehr sehen kann, und stattdessen lieber mal etwas Neues sehen will, der ist mit diesem Buch wirklich gut beraten.

Buchrezension: The World of Kong – A Natural History of Skull Island

Sonntag, Dezember 28th, 2008

Wenn es so etwas wie den ultimativen Klassiker des Monsterfilms gibt, dann ist das sicherlich King Kong. Leider hatte ich noch nie Gelegenheit mir den Originalfilm anzusehen, aber ich denke, das wird auch irgendwann einmal. Die Monster im Original aus den frühen 30iger Jahren waren natürlich noch etwas plumpe Stopmotion-Animationen, welche dennoch für die damalige Zeit absolut bahnbrechend waren. Dank der inzwischen extrem ausgereiften CGI-Technik ist man ja aber inzwischen auch in der Lage mit Hilfe von Computern extrem realistische Effekte zu erreichen, und die Monster in der Neuverfilmung von Peter Jackson waren wirklich klasse. Mal ganz unabhängig von der zugegebenerweise teilweise etwas langatmigen Handlung des Filmes, sind es die ganzen Kreaturen und Monster schon für sich gesehen wert, dass man sich den Film ansieht. Dabei sind in der ungeschnittenen Version sogar noch viel mehr zu sehen, als in der normalen Kino-Version. Neben verschiedenen Begleitbüchern über die Hintergründe des Films gibt es auch ein ganz besonderes Werk, welches zu diesem Film herausgegeben wurde: The World of Kong - A Natural History of Skull Island

Nun ist dies ja kein Film-oder Fantasy-Blog, aber dennoch wollte ich nicht darauf verzichten, über dieses Buch zu schreiben, da es eine ganze Menge mit Paläontologie, Zoologie und auch Evolutionsbiologie zu tun hat. Zugegebenerweise hatte ich auch schon immer viel für die Hintergrundbücher von Star Wars oder Mittelerde übrig, in denen allerlei fantastische Kreaturen beschrieben wurden, und selbst fantastische (aber nach Möglichkeit biologisch und evolutionär realistische) Kreaturen zu erfinden, ist für mich schon immer ganz besonders interessant gewesen. The World of Kong ist in dieser Hinsicht ein echtes kleines Meisterwerk. Darin werden all die Wesen, selbst jene welche in Film nur für wenige Augenblicke zu sehen sind, mehr oder weniger ausführlich behandelt, und dazu kommen noch unzählige andere, welche gar nicht in der Handlung vorkommen. Es handelt sich hierbei um kein Filmbuch im eigentlichen Sinne, und es findet sich auch kein einziges Photo aus dem Film oder von Modellen, welche für ihn erstellt wurden darin, sondern ausschließlich Bilder und Zeichnungen, welche entweder für Storyboards, Kreaturen-Design und eben speziell für dieses Buch gemacht wurden. Sie sind auch von durchgehend guter bis sehr guter Qualität, und haben mir auch sehr gut gefallen, wenngleich auch teilweise ein gewisser Comic-Style mitschwingt. Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, welche sich primär an den geographischen Begebenheiten von Skull Island orientieren, so dass jeweils unterschiedliche Lebewesen aus den selben Ökosystemen miteinander abgehandelt werden, etwa der Strand, die Sumpfgebiete oder etwa die Gebirgsregionen. Außerdem wird auch etwas auf die Hintergründe der martialischen Kliffbewohner und der einstmals auf der Insel lebenden Hochkultur eingegangen, sowie die geologischen Hintergründe der Insel ausgeführt. Diese sind von besonderer Bedeutung um die Lebewesen der Insel zu verstehen, und sie ergeben trotz der künsterlischen Freiheiten doch durchaus zum größten Teil Sinn.

Das vor West-Sumatra gelegene Skull Island war ursprünglich weitaus größer, fast schon ein eigener Kontinent und einst mit der Riesenlandmasse Gondwana verbunden, weshalb sich dort auch all die Dinosaurier und anderen größtenteils mesozoischen Kreaturen finden. Es gab verschiedene Isolationen vom Festland, welche gelegentlich von neu entstandenen Landbrücken unterbrochen wurden, so dass sich über die Millionen eine äußerst einzigartige Fauna bilden konnte, wozu auch noch eine ganze Reihe, teils erst in allerjüngster Zeit erfolgte Kolonisierungen von modernen Tieren erfolgte, welche die Insel auf dem Luftweg oder übers Meer erreichten.

Wenn man sich den Film ansieht, dann fragt man sich unwillkührlich, warum eine Insel von solchen Ausmaßen voll sein kann von riesigen zähnefletschenden Monstern, die scheinbar nichts besseres zu tun haben, als von morgens bis abends zu versuchen sich gegenseitig umzubringen und aufzufressen. Der Hintergrund für diese Zustände findet sich in den geologischen Prozessen, welche durch Plattentektonik und Vulkanaktivitäten die Insel im Laufe der Zeit immer kleiner werden ließen, so dass für die auf ihr lebenden Wesen immer weniger Platz zur Verfügung stand, und sie immer aggressiver und stärker werden mußten, um sich bei den noch vorhandenen Ressourcen behaupten zu können. Das Resultat war ein evolutionäres Wettrüsten höchsten Grades. In der Realität würde dies natürlich nicht so drastisch aussehen, aber rein prinzipiell handelt es sich um natürliche Prozesse beschleunigter Evolution, welche in abgeschwächter Form auch in der Natur beobachtet werden können.

Damit ist nun geklärt wie all die seltsamen Monster auf der Insel ihr martialisches Aussehen bekamen, und auch woher sie kamen. Man darf nun nicht glauben, dass in dem Buch lediglich irgendwelche riesigen Ungeheuer vorkommen, denn tatsächlich wurden hier wirklich ganze Ökosysteme entworfen. Neben den großen und kleinen Räubern und Pflanzenfressern findet man auch eine ganze Reihe von kleinen und kleinsten Lebewesen wie Vögel, kleine Reptilien und sogar Insekten. Selbst eine Reihe von Parasiten werden extra behandelt. Diese Tiere sind zum größten Teil wirklich erstaunlich glaubhaft und realistisch präsentiert, auch wenn natürlich einige von ihnen, etwa die übergroßen Insekten, freilich nicht in der Realität existieren könnten. Was mich besonders erfreut hat, war die Tatsache dass hier nicht einfach verschiedenste Relikte aus verschiedenen geologischen Zeitaltern miteinander auf eine Insel verfrachtet wurden, sondern hier teilweise sehr extreme evolutionäre Weiterentwicklungen bedacht wurden. Besonders auffallend sind hier die verschiedensten Parallelentwicklungen von Flugfähigkeit bei verschiedensten Wirbeltieren. Neben den verschiedenen Vögeln (von denen auf der Insel viele flugunfähig sind) gibt es etwa die kleinen Vultursaurier, fledermausartige Theropoden, welche Flughäute anstelle von befiederten Flügeln entwickelten, oder die aus Cynodonten hervorgegangen Pugbats. Außerdem gibt es auch den im Film in einer längeren Kampfszene zu sehenden Terapusmordax, eine riesige nackte fledermausartige Kreature, welche von Nagetieren abstammt (auch wenn das aufgrund der gezeigten Zahnformel an sich unmöglich ist...). Der wohl bizarrste fliegende Bewohner von Skull Island ist aber wohl Xamopteryx, eine Art Frosch mit Fledermausflügeln, welcher die Sümpfe bewohnt. Hier jetzt auf jedes weitere Wesen einzugehen, welches zumindest den Gleitflug beherrscht, würde allerdings den Rahmen dieser Rezession sprengen.

In den Sümpfen findet sich auch der über 15m groß werdene Riesenfisch Piranhadon, welcher in bester Krokodilmanier auch Beutetiere am Ufer angreift, oder sich aber gelegentlich auf Sandbänke wirft, damit Vögel ihn von seinen zahlreichen und äußerst unappetitlichen Schmarotzern befreien. Einige Wesen wie eben der genannte Piranhadon werden recht ausführlich auf mehreren Seiten behandelt, mit seinem Aussehen, den Nahrungsgewohnheiten, der Fortpflanzung und vielen anderen Details. Bei den allermeisten anderen weniger spektakulären Wesen findet sich verständlicherweise weniger Text, dafür fast immer auch der (natürlich erfundene) lateinische Name sowie Größenangaben. Was wirklich gut gemacht wurde, ist die ökologische Interaktion der einzelnen Arten, nicht nur bezogen auf Räuber-Beute-Verhältnisse, sondern auch in vielen anderen Hinsichten, etwa welche opportunistischen und spezialisierten Aasfresser sich an der Beute großer Karnivoren einfinden, oder sogar welche Insekten (der Dungkäfer Nigracassida) den Dung von Sauropoden verwerten, und welche Eidechsen sich wiederum auf diese Käfer als Nahrung spezialisiert haben.

Man könnte hier noch ewig weiterschreiben, selbst wenn man sich nur auf die größten und spektakulärsten Bewohner von Skull Island wie etwa der furchteinflösende Vastatosaurus rex beschränken würde. Ich kann dieses Buch besten Gewissens an jeden empfehlen, der sich für spekulative Evolution, Paläontologie oder Monster allgemein interessiert. Natürlich kann man über einzelne Aspekte in der Biologie und Herkunft des einen oder anderen Wesens streiten, doch im großen und ganzen sind sie doch sehr gut überlegt und nachvollziehbar, ganz im Gegensatz zu vielen Wesen aus der "The Future is Wild"-Serie, und die Lektüre des Buches ist wirklich äußerst spannend, um nicht zu sagen inspirierend, vor allem wenn man ähnliche Projekte in der Planung hat.

Janjucetus hunderi – der scharfzähnige Uronkel der Bartenwale

Mittwoch, November 21st, 2007

 Janjucetus hunderi Modell (bearbeitet)

Mitte August letzten Jahres wurde der Öffentlichkeit ein neuer fossiler Wal mit einem Alter von etwa 25 Millionen Jahren beschrieben, welcher in der Gesamtheit seiner Merkmale und seiner entwicklungsgeschichtlicher Stellung bisher absolut einzigartig ist, Janjucetus hunderi. Der Ende der 90iger Jahre entdeckte und von Erich Fitzgerald beschriebene Wal war mit einer Gesamtlänge von etwa 3,5m nicht einmal besonders groß, also vergleichbar den großwüchsigen Offshore-Populationen des Großen Tümmlers. Was war also so besonders an Janjucetus? Nun, primär die Tatsache dass er sehr gut ausgebildete, noch heterodonte Zähne in seinen kräftigen Kiefern besaß, aber einer Linie angehört, aus der auch die heutigen Bartenwale hervorgegangen sind. Ungewöhnlich waren auch die extrem großen Augen dieser Tiere, die proportional größten, die man von einem Meeressäuger kennt. Da Janjucetus allem Anschein nach über keine Echoortung verfügte, mußte er sich unter Wasser mit den Augen orientieren. Und das hatten sie auch nötig, denn anders als ihre modernen Verwandten, welche für das Fangen von Krill, Schwarmfischen oder Kleinlebewesen keine besonders scharfen Sinne besaßen, war Janjucetus ein echtes Raubtier. Bei den modernen Walen spielen die Augen keine größere Rolle, Arten wie der Pottwal welche ohnehin gewohnt sind sich per Echolot in der Tiefsee zu orientieren, sind sogar in der Lage gänzlich ohne ihr Augenlicht auszukommen, was durch die Funde von gänzlich blinden, aber dennoch wohlgenährten Exemplaren bewiesen ist. Der einzige bekannte Wal mit wirklich großen Augen, welche jenen von Janjucetus nahe kommen, ist der extrem bizarre Odobenocetops peruvianus. Diese entfernt mit den Narwalen verwandte Art besaß ursprünglich ein Echolot, welches dann aber aufgrund einer extrem bodenorientierten Lebensweise zugunster besserer Sehleistung zurückgebildet wurde.

 Der in der Aufsicht beinahe wie ein Dreieck aussehende Schädel war extrem kompakt und bot sehr starken Kiefermuskeln Platz und Ansätze. Auch die Kiefer selbst waren ziemlich kräftig, und die Zähne griffen wie bei Schwertwalen dicht ineinander, so dass sie Scherkanten entwickelten, mit denen sie ihre Beute regelrecht zerstückeln konnten. Moderne Zahnwale haben in der Regel ziemlich homodonte, mehr oder weniger kegelförmige Zähne, welche bei den meisten Arten primär zum Festhalten der Beute dienen. Im Falle von Janjucetus waren (je Kieferhälfte) die drei Schneidezähne, der Eckzahn sowie der erste Prämolar ähnlich wie bei modernen Zahnwalen auch eher kegelförmig und leicht nach hinten gebogen, außerdem besaßen sie lange Wurzel, und diente zum Festhalten, die dahinter liegenden drei Prämolaren und die zwei Molaren waren allerdings wie bei den Archeoceti, welche vor allem durch Arten wie Basilosaurus oder Dorudon bekannt sind, tief eingekerbt und ähnelten Haizähnen. Solche mit Sägekanten versehenen Zähne waren außerordentlich gut dazu geeignet, Beutetiere regelrecht in Stücke zu reißen.

Diese Anpassung deutet auch eher auf große Beutetiere hin, als nicht nur auf kleine Fische oder Kalmare, wie sie die meisten heutigen Zahnwale bevorzugen. Auch weisen die Zähne Abnutzungsspuren auf, welche nicht unbedingt nur auf weiche Nahrung hinweisen. In seiner ökologischen Nische dürften diese Tiere wahrscheinlich einem kleinen Schwertwal oder einem Seeleoparden vergleichbar gewesen sein, das heißt dass eine relativ große Bandbreite von Beutetieren gejagt wurde, sowohl kleinere Fische und Kopffüßer, aber wahrscheinlich auch größere Fische, und vielleicht auch Wasservögel und womöglich auch kleinere Robben oder Wale. Interessanterweise ähnelt die Morphologie des Schädels und die Anordnung der vorderen Zähne jener bestimmter Pliosaurier, welche sich ebenfalls auf relativ große Beutetiere spezialisiert hatten, aber auch mit dem Seeleoparden finden sich verschiedene Übereinstimmungen.

Janjucetus bietet einen interessanten Einblick in die Evolution der Bartenwale, allerdings kann er nicht als Vorfahre der heutigen Arten angesehen werden, da auch ältere Arten wie Eomysticeuts bekannt sind,  welche Barten statt Zähnen besaßen und auch schon schwarmlebende Beutetiere jagten. Folglich war Janjucetus eher ein langausdauernder spezialisierter Seitenzweig aus der frühen Entwicklungsphase jener Urwale, aus welchen die modernen Bartenwale hervorgegangen sind.

Die Entwicklung von eines fischfressenden Zahnwales zu einem filterten Bartenwal ist in vieler Hinsicht nicht leicht nachzuvollziehen, was unter anderem in einem nicht gerade übermäßig vollständigen Fossilrekord liegt. Allerdings weiß ich aus vertraulicher Quelle, dass einige hochinteressante neue Entdeckungen bezüglich der Evolution des Filter-Fressens gemacht wurden, und in absehbarer Zeit veröffentlicht werden. Einige dieser Zwischenformen besaßen sowohl kammartige Zähne, als auch primitive Barten, und wahrscheinlich gingen sie aus Vorfahren hervor, welche wie Krabbenfresserrobben anfangs ihre Zähne benutzten, um schwarmlebende Beutetiere wie kleine Fische oder Krill aus dem Wasser zu seihen. Die massive Größe der meisten lebenden Bartenwale täuscht darüber hinweg dass es einst eine ganze Reihe ziemlich kleiner Arten gegeben hat, welche noch nicht einmal an die beiden kleinsten heutigen Arten heranreichten, den Zwergglattwal und den Zwergminkwal. Überhaupt hat die Fossilgeschichte der Wale noch einiges zu bieten, und ich habe von neuen Funden gehört, an die ich nicht einmal im Traum gedacht habe, so ungewöhnlich sind sie. Leider finden solche Tiere in Büchern über ausgestorbene Tiere sie gut wie keine Erwähnung, was wirklich schade ist, denn allein mit den bisher bekannten fossilen Walen ließen sich bändeweise Bücher füllen. Darum versuche ich ja auch immer mal wieder gerade ein paar dieser kaum bekannten, aber defür umso interessanteren Wale vorzustellen.

Das Bild oben zeigt übrigens ein Modell des Janjucetus das ich vor kurzem fertig gestellt habe. Ich habe es digital etwas bearbeitet und auch noch mit Paint ein Auge drauf gemalt, damit es etwas natürlicher aussieht. Im Gegensatz zu der im Internet verbreiteten Darstellung habe ich den Kopf nicht glatt nach dem Schädel rekonstruiert, sondern die Nasenregion mit erhöhten Nasenlöchern modelliert, da bei Janjucetus sicherlich wie bei modernen Bartenwalen auch knorpelige und muskuläre Anteile die Nasenregion sicherlich voluminöser machten, als die Schädel auf den ersten Blick erkennen lassen.

Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass der Kopf wahrscheinlich etwas zu groß geraten ist. Ich habe mich bei der Vorlage vor allem an Rekonstruktionen des mit Janjucetus entfernt verwandten Mammalodon orientiert, welche meistens einen recht großen Kopf haben, aber ich vermute mal, dass er in Wirklichkeit etwas kleiner war. Leider lag mir für Janjucetus nur der Schädel als Rekonstruktionsvorlage zur Hand, und keine Komplettrekonstruktion, welche den ganzen Körper gezeigt hätte. Außerdem wurde der Schädel während des Modellierprozesses deutlich größer, da mir vor der Vorlage des Artikels von Erich Fitzgerald nicht bewußt war, wie enorm breit der Schädel von Janjucetus tatsächlich gewesen ist. Als Folge davon wurde er dann auch etwas länger und naja…die Proportionen ähneln jetzt eher denen eines Orca. Aber da von Janjucetus sowieso nur der Schädel bekannt ist, kann man bisher auch nicht genau sagen, wie groß der Kopf im Verhältnis zum Körper tatsächlich gewesen ist. Erich Fitzgerald meinte auch dass der Hals etwas länger sein müßte, war ansonsten mit der Rekonstruktion aber sehr zufrieden.

Hier sieht man nochmal das Modell in unbearbeiter Ansicht, bei dem man auch gut die Gestalung der Nasenregion erkennt:

Janjucetus Modell

Noch eine Bemerkung zur Darstellung archaischer zähnetragender Bartenwalvorläufer: Tiere wie Mammalodon oder Aetiocetus werden oft mit Kehlfurchen dargestellt. Es ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich welche besaßen. Die modernen Bartenwale werden in zwei große Hauptgruppen unterteilt, die Furchenwale wie etwa den Blauwal, und die Glattwale, zu denen beispielsweise der Nordkapper zählt. Zwischen diesen beiden steht irgendwo noch der Grauwal, dem eine eigene Gattung zugesprochen wurde, da er sowohl Merkmale besitzt, welche den Furchen-und den Glattwalen entsprechen, als auch eine Reihe von Sondermerkmalen in Anatomie und Verhalten zeigt, welche nur bei ihm vorkommen. Nichtsdestotrotz dürfte er im Aussehen den frühen Bartenwalen noch am ähnlichsten kommen, wobei wahrscheinlich auch der kaum bekannte Zwergglattwal diesen Formen im Aussehen wohl noch sehr nahe steht, vor allem in Form und Größe des Körpers und der Flossen. Es ist sehr wahrscheinlich dass die frühen Bartenwale wie der Grauwal noch keine Kehlfurchen besaßen, und diese sich erst bei den Vorläufern der Furchenwale entwickelten. Die Darstellung von frühen, noch zähnetragenden Bartenwalvorläufern soll wohl eher die Verbindung dieser Tiere mit heutigen Bartenwalen nahebringen, denn mit ihren großen Köpfen, und den teilweise mit sehr großen Zähnen ausgestatteten Kiefern, wirken diese Wale noch weitaus räuberischer und gefährlicher als die meisten heutigen Zahnwale.

Literatur:

Fitzgerald, E.M.G. (2006). “A bizarre new toothed mysticete (Cetacea) from Australia and the early evolution of baleen whales.”