Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Allgemein’ Category

Bild des Tages: Dreifüßige Möwe

Donnerstag, August 5th, 2010

Heute gibt´s ein paar weitere Photos aus dem “Kuriositätenkabinett” des Jagdmuseums in Hørsholm, eine dreifüßige Möwe:

Wie man sieht handelt es sich nicht um ein komplettes drittes Bein, sondern nur um eine im Gelenkbereich gelegene Gabelung der rechten Hintergliedmaße:

Hier noch mal eine weitere Ansicht:

Bizarre Hirsche Teil 6: Geweihfehlbildungen bei Rehen

Samstag, Oktober 10th, 2009

Dies ist jetzt vorerst mal der letzte Teil der “Bizarre Hirsche”-Reihe. Ich hätte noch jede Menge weiteres Material über lebenden und ausgestorbenen Hirsche, aber das kommt dann mal in einer zweiten Reihe. Heute soll es mal wieder um Miss-und Fehlbildungen gehen, genauer um die Fehl-und Missmildunge bei Rehgeweihen. Dass ich ausgerechnet Rehe hier anführe hat einen einfachen Grund. Denn da diese die häufigsten Hirsche in Mitteleuropa sind, und auch noch dort vorkommen wo es schon lange keine Rothirsche mehr gibt und auch keine ohnehin nicht heimischen Damhirsche oder andere Arten eingeführt sind, finden sich auch entsprechend viele ungewöhnliche Geweihe. Natürlich kommen auch bei den anderen Hirsche gelegentlich sehr seltsame Geweihe vor, aber davon habe ich leider bei weitem nicht so viel Bildmaterial wie für Rehe. Die hier gezeigten Geweihe stammen allesamt, mal wieder, aus dem Jagd-und Forstmuseum im dänischen Hørsholm. Die Anzahl von dort ausgestellten Abnormitäten ist wirklich enorm, und ich muss mich hier leider auf einige besonders interessante Fälle beschränken, anderfalls würde ich hier stundenlang – nun ja, nicht grade wirklich stundenlang, aber schon wirklich ziemlich lange – nur damit beschäftigt sein, Bilder hochzuladen und in diesen Blogpost einzufügen. Außerdem möchte ich ja auch mal wieder über was anderes bloggen, allen die die letzten Beiträge im Allgemeinen und Hirsche im Besonderen langweilig finden, sei gesagt dass nicht mehr allzu viel zu diesem Thema kommt, zumindest für eine Weile. Oder auch nicht, ist ja schließlich mein Blog, und ich kann schreiben worüber ich will.

Hier sieht man einmal einen großen Teil der Geweihe:

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm

Wenn man sich all jene Abnormitäten ansieht, fragt man sich natürlich, wie es überhaupt zu so etwas kommen kann. Tatsächlich sind die Ursachen dafür äußerst vielfältig. Zum Einen kann eine Verletzung der Geweihknospen, zumal in der Jugend, zu verschiedensten Fehlformen des Geweihs führen, die dann auch zweitlebens beibehalten werden. Andererseits kann auch lediglich das im Wachstum begriffene, und noch weiche Geweih durch Verletzungen (und wahrscheinlich auch Krankheiten) deformiert oder verletzt werden, wobei in einem solchen Fall aber die Fehlbildung auch einmalig sein kann, also bei später geschobenen Geweihen nicht mehr auftritt.

Es gibt natürlich auch genetisch bedingte Abnormitäten, tatsächlich ist es sogar so, dass die allermeisten Hirsche (ich weiß nicht wie es bei Rehen ist, da ihr Geweih weit weniger komplex ist) gewisse Abnormitäten zeigen, freilich in verschiedenem Grade. Wenn man sich einmal die Geweihe großer Mengen von Hirschen, oder eben wie hier auch Rehen ansieht, merkt man schnell dass ein enormes Potential bezüglich der individuellen Variabilität besteht. Es gibt sehr kurze und sehr lange, sehr dicke und sehr dünne, mehr oder weniger stark gebogene Geweihe. Natürlich ist das immer auch teilweise vom Alter abhängig, sowie dem Ernährungszustand, aber nichtsdestotrotz sind die individuellen Grundformen im Allgemeinen genetisch festgelegt.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (2)

 

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (9)

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (13)

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (18)

 Ein besonderes Kuriosum sind Rehkühe welche leichte Geweihe entwickeln. Unter den Hirschen bilden normalerweise lediglich bei den Rentieren auch die Weibchen ein Geweih aus, bei anderen Arten ist so etwas abnorm. Auch erreichen die Geweihe weiblicher Hirsche nicht die Größe jener der Männchen, wie man auch bei der unten gezeigten Rehkuh mit Geweih sieht.. Die Ursachen liegen dabei vermutlich bei Hormonstörungen.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (15)

Gelegentlich können Verletzungen auch zum völligen Verlust eines einzelnen Geweihsprosses führen, so dass nur noch ein einzelner Ast ausgebildet wird. Man achte auch auf die ungewöhnlich langen und schlanken Geweihe welche man hier neben dem “Einhorn” sieht. Besonders das Geweih ganz rechts sieht beinahe schon etwas aus wie die Hörner einer Antilope, da keinerlei Gabelung vorhanden ist.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (21)

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (6)

Eine der spektakulärsten Fehlbildungen von Hirschgeweihen, sind die sogenannten Perücken. Sie zeigen auf besonders eindrucksvolle Weise wie stark die Geweihbildung von Hormonen bestimmt wird, insbesondere von Testosteron. Wird beispielsweise ein junger Rehbock, bzw irgend ein anderer männlicher Hirsch, im frühen Alter kastriert, bildet er gar kein Geweih aus. Die einzige Ausnahme mache hier die Rentiere, da bei ihnen die Geweihbildung nicht geschlechtsabhängig ist, und ja auch die Weibchen ein Geweih bekommen. Werden bei einem bereits geschlechtsreifen Hirsch die Hoden während der Geweihbildung geschädigt oder entfernt (sowas passiert manchmal bei schlechten Schüssen, wie es auch eine ganz Reihe anderer äußerst unappetitlicher Verletzungen gibt, welche durch schlechte Treffer bei der Jagd passieren können, und den Tieren oftmals grauenhafte aber vielfach nicht gleich tödliche Verletzungn zufügen), kommt es zu einem Perückengeweih, der Bast wuchert einfach immer weiter. Kommt es aber zu einem Verlust der Testosteron-bildenen Zellen wenn der Bast bereits abgestreift ist, so wird das Geweih sofort abgeworfen, und ein neues Geweih fängt an zu wachsen, welches aber nicht mehr besonders groß wird, ständig mit Bast bedeckt ist, und auch nicht mehr abgestoßen wird.  

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (10)

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (8)

Hier sieht man mal einen ganz besonders krassen Fall eines Perückengeweihs, welches sogar die Augen praktisch vollständig überwucherte.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (22)

Ich bin mit nicht ganz sicher was das ist, aber ich glaube hierbei handelt es sich um ein Perückengeweih, bei welchem der Bast entfernt wurde.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (3)

Es gibt noch andere Störungen und Merkwürdigkeiten, welche zu gestörtem Wachstum des Geweihs führen können. So kann man durch Einspritzen von weiblichen Geschlechtshormonen bei einem in der Geweihbildung befindlichen Hirsch bereits vorhandenes knorpeliges Kolbengeweih vorzeitig zum Verkalken bringen.

Die Rückkehr der Killerpottwale

Montag, Mai 5th, 2008

Ich habe ja schon ein paar mal über die sogenannten Killerpottwale geschrieben, ein archaischer Seitenzweig aus der Ahnenreihe der Pottwale, welche allem Anschein nach zu ihrer Zeit die ökologische Nische der Schwertwale besetzten, und im Gegensatz zu ihren lebenden Verwandten nicht nur von Kalmaren und Fischen, sondern vor allem von größeren Beutetieren lebten. Leider gibt es ja nur ziemlich wenige Informationen und kaum Bildmaterial über diese faszinierenden Wale, mal ganz abgesehen davon, dass sie ja kaum jemand überhaupt kennt, was auch mit daran liegt, dass mit wenigen Ausnahmen die bisherigen Funde äußerst fragmentarisch sind.  Wie der Zufall es wollte, wurde erst vor Anfang April in einem Felsen am Rappahannock River im Osten Virginias die fossilen Überreste eines Killerpottwales gefunden. Leider sind auch hier die erhaltenen Überbleibsel recht spärlich, und bestehen primär aus den Zähnen, sowie Fragmenten des Ober-und Unterkiefers. Die Benutzung der folgenden Photos wurde mit freundlicherweise von Dr. Alton Dooley vom Virginia Museum of Natural History erlaubt, welcher an der Bergung des Fossils beteiligt war. Einige weitere Photos findet man hier: http://web.mac.com/dooleyclan/Site_2/Blog/Blog.html

Die Fundsituation:

Die Killerpottwale unterschieden sich in einer ganzen Reihe von Merkmalen von den modernen großen Pottwalen, insbesondere dadurch, dass sie auch im Oberkiefer große funktionelle Zähne hatten (die Oberkieferzähne rezenter Pottwale sind nur sehr klein und brechen normalerweise nicht aus dem Kiefer). Ihre Zähne waren sehr groß, hatten wegen der starken Belastung der sie ausgesetzt waren ausgesprochen lange Wurzeln und besaßen im Gegensatz zu jenen von heutigen Pottwalen auch eine Schmelzschicht, waren also auch härter. Die Zähne der Killerpottwale zeigen häufig sehr starke Abnutzungserscheinungen, ganz ähnlich wie bei Schwertwalen, und die ineinandergreifenden Zähne von Ober-und Unterkiefer haben sich gegenseitig oft tiefe Furchen geschliffen. Häufig ist durch den starken Gebrauch der Zähne gut die Hälfte der ursprünglichen Schmelzschicht abgenutzt.

Hier ein einzelner Zahn mit sehr deutlich zu sehenden Abschliffspuren des Gegenzahnes:

Leider ist ja nur ein sehr geringer Teil des ursprünglichen Schädels erhalten, so dass man schwer sagen kann, wie dieser Killerpottwal ausgesehen haben könnte. So kann man etwa nicht mit Sicherheit sagen, obe es sich um eine Form wie Zygophyseter varolai mit einer langen und nur teilweise vom Spermacetiorgan bedeckter Schnauze handelte, oder um einen etwas robusteren Typus wie Brygmophyseter shigensis oder Hoplocetus ritzi, bei denen wohl die ganze Schnauze vom Walratorgan bedeckt war. Dr. Dooley vermutet aber, dass dieser Wal eher dem Zygophyseter-Typus entsprach.

Hier sieht man einen Teil des Jochbeines, welches auch den unteren Rand der Augenhöhle bildete :

Es bleibt zu hoffen dass in Zukunft noch mehr Fossilien dieser Wale gefunden werden, so dass man sich ein besseres Bild ihrer einstigen Lebensweise und ihres Aussehens machen kann.

Über das Bestiarium

Donnerstag, Mai 17th, 2007

In diesem Blog möchte ich mich vor allem mit Tieren befassen, sowohl lebenden, also auch solchen die schon ausgestorben sind. Dabei möchte ich nicht nur exotische und kaum bekannte Arten vorstellen, sondern auch interessante Aspekte der Biologie von Tieren, die man in der Regel für ganz gewöhnlich ansieht. Ein besonderes Augenmerk soll auch jenen Arten gelten, die in den letzten Jahrtausenden durch den Menschen ausgerottet wurden, insbesondere solchen, die allgemein kaum bekannt sind. Natürlich möchte ich mich auch der Kryptozoologie widmen, die schon seit vielen Jahren ein ganz besonderes Hobby von mir ist. Auch liegt es mir am Herzen hier über allgemein verbreitete Fehlinformationen, die leider teilweise auch in der Fachliteratur weit verbreitet sind, aufzuklären.