Bild des Tages: Dinogorgon-Schädel

Säbelzähne werden in der Regel nur mit den verschiedenen Formen ausgestorbener Säbelzahnkatzen in Zusammenhang gebracht, bestenfalls vielleicht noch mit dem säbelzähnigen Beutelsäuger Thylacosmilus, der einst in Südamerika lebte. Tatsächlich haben sich stark vergrößerte „Säbelzähne“ (ich mag den Begriff nicht besonders, da er eine falsche Verwendung der Zähne suggeriert) während der Erdgeschichte auch bei verschiedenen anderen Raubtieren entwickelt, etwa in etwas schwächerer Form bei einigen Hyaenodonten. Die ersten wirklichen Säbelzähne-tragenden Beutegreifer lebten allerdings schon weitaus früher, nämlich schon im Perm, also vor rund 250-300 Millionen Jahren. Bei diesen Tieren handelte es sich um sogenannte Gorgonopsiden, welche früher zu den sogenannten Säugetier-ähnlichen Reptilien gestellt wurden. Inzwischen wird dieser Begriff in der Regel nicht mehr verwendet, da er etwas irreführend ist. Tatsächlich standen die Gorgonopsiden den Säugern schon näher als den Reptilien, auch wenn sie wohl nicht zu deren direkten Vorfahren gehörten. Diese Tiere reichten in der Größe zwischen kleinen Formen von etwa Schäferhundgröße bis zu gigantischen Raubtieren wie Inostrancevia, eine Art welche eine Länge von etwa 4,5m erreichte. In ihrer Gestalt ähnelten sie einer Mischung aus einer Säbelzahnkatze und einem Komodowaran, mit kräftigen, beinahe senkrecht unter dem Körper stehenden Gliedmaßen, einem für Reptilien relativ kuren Schwanz, und einem langen kräftigen Schädel mit teilweise sehr gut ausgeprägten Säbelzähnen. Diese Tiere zeigten schon viele Merkmale echter Säugetiere, wie etwa Gehörknöchelchen, besonders interessant ist aber, dass fossil erhaltene Hautabdrücke gezeigt haben, dass sie nicht wie in der Regel dargestellt, über Schuppen verfügten, sondern eine nackte Haut besaßen. Haarfolikel waren ebenfalls nicht vorhanden, und die Haut dürfte wohl jener von heutigen „nackten“ Säugetieren geähnelt haben, etwa Hirschebern oder Warzenschweinen, oder auch afrikanischen Nashörnern. Die großen Säbelzähne welche auch bei geschlossenen Kiefern aus dem Maul herausragten, und teilweise soger noch den Unterkiefer unterragten, gaben diesen Tieren den Namen, in Anlehnung an die Fangzähnigen Gorgonen der griechischen Mythologie. Ein sehr schönes Beispiel für einen solchen säbelzähnigen Gorgonopsiden ist dieser Schädel eines Dinogorgon quinquemolaris, welcher in der Schausammlung des paläontologischen Instituts in Tübingen ausgestellt ist.

Dinogorgon-Schädel

Interessanterweise verfügten diese Raubtiere nicht wie Raubsäuger über keine schneidenen Reißzähne im hinteren Kieferbereich, so dass sie nur auf relativ ineffiziente Weise mit ihren vor den Säbelzähnen liegenden Frontzähnen Fleisch aus ihrer Beute reißen konnten.

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4 Kommentare zu Bild des Tages: Dinogorgon-Schädel

  1. johannes sagt:

    Es sind Hautabdrücke von Gorgonopsiden erhalten? Ich dachte immer, die Hautabdrücke aus dem Perm stammen von Dinocephaliern (Estemmosuchus) – auch Therapsiden, aber mit den Gorgonopsiden nur entfernt verwandt.

  2. Cronos sagt:

    Hallo Johannes! Die Information über die Hautabdrücke habe ich von dieser Seite: http://www.alexfreeman.co.uk/skull/Skull.html

  3. johannes sagt:

    Schöne Seite, aber bei den Hautabdrücken würd auch dort wieder auf Estemmosuchus verwiesen, sogar mit dem Hinweis, dies seien die einzigen bekannten (von Therapsiden?). Estemmosuchus ist ein Dinocephalier. Soviel ich von der Systematik der Therapsiden verstehe, sind die Dinocephalier eine Schwestergruppe der Neotherapsiden, die Neotherapsiden ihrerseits unterteilen sich in die Schwestergruppen der Anomodonten (Pflanzenfresser, deren bekannteste Vertreter die Dicynodonten sind) und der Theriodonten (Gorgonopsiden, Therocephalier und Cynodonten inklusive der Säugetiere). Die Gorgonopsiden sind somit den Säugern wesentlich näher verwandt als den Dinocephaliern. Palaeos (http://www.palaeos.com/Vertebrates/Units/400Therapsida/700.html#Neotherapsida)nennt einerseits Fell als gemeinsames primitives Merkmal aller Theriodonten, erwähnt aber andererseits den erhaltenen Hautabdruck eines Gorgonopsiden, der unbehaart gewesen sei, leider ohne Quellen zu nennen.
    Intuitiv würde ich ja sagen, dass die Idee einer nackten drüsenreichen (schleimigen?) Haut gut in die lovecraftsche Vorstellung passt, die sich die meisten Leute vom Perm zu machen scheinen, aber wissenschaftlich scheint mir die Sache offen zu sein.

  4. Cronos sagt:

    Wenn man die vermutliche evolutionäre Entwicklung von Schuppen zu Fell betrachtet, dann macht es wohl mehr Sinn dass die ersten Haare nicht zwischen den Schuppen heraus, sondern aus „nackter“ Haut herausgewachsen sind, und da die Gorgonopsiden den echten Säugetieren schon sehr nahe standen, würde das auch sehr viel Sinn machen, wenn sie in einem Zwischenstadium ohne Schuppen und ohne Fell standen.

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