Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for September, 2007

Der Blainville-Schnabelwal (Mesoplodon densirostris)

Donnerstag, September 20th, 2007

Vor ein paar Monaten wollte ich mal abends praktisch “nebenher” ein neues Modell bauen. Es benötigte schon geraume Zeit, sich für das Motiv zu entscheiden. Ich wollte einen Meeressäuger machen, da diese weniger Arbeit machen, als ein normales Landsäuger. Es sollte nicht gerade ein 0815- Modell von einem Schwertwal oder einem Seelöwen sein, wie es schon ungezählte gibt, sondern nach Möglichkeit etwas ungewöhnliches, von dem es vielleicht sogar noch überhaupt kein Modell gibt. Ich entschied mich dann für einen Blainville-Schnabelwal, einem der ungewöhnlichsten Vertreter der in der Tiefsee jagenden Schnabelwale. Trotz ihrer zum Teil enormen Größe (der Baird-Schnabelwal kann so groß werden wie ein Grauwal, und ist der zweitgrößte Zahnwal überhaupt) und ihrer teilweise extrem bizarren Anatomie werden diese Tiere meist ziemlich stiefmütterlich behandelt. Das mag zum Einen daran liegen, dass sie eine sehr versteckte Lebensweise führen, und auf See kaum zu beobachten, geschweige denn zu filmen sind. Über die Lebensweise vieler Arten ist nach wie vor so gut wie nichts bekannt. Bei den Schnabelwalen ist das Gebiss bei fast allen Arten massiv reduziert, da diese vor allem Fische und Kalmare fressenden Wale ihr Beute dadurch fangen, dass sie mit Hilfe ihres Zungenbeines einen Unterdruck im Maul erzeugen, und sich ihre Beute so wie mit einem Staubsauger einverleiben können. Dafür tragen die Männchen teilweise sehr seltsame Hauer im Unterkiefer, die dazu dienen andere Männchen bei innerartilichen Konfrontationen zu verletzten. Die Haut dieser Tiere ist darum häufig von einzelnen, teilweise aber auch doppelt oder sogar vierfach parallel verlaufenden Narben bedeckt. Der vermutlich zweitkurioseste Schnabelwal ist Blainvilles Schnabelwal. Es handelt sich um eine für Schnabelwalverhältnisse eher mittelgroße bis kleine Art, die Längen von etwa 4,5 bis maximal 6m erreichen, bei einem Gewicht von 0,7-1.0 Tonnen. Die Männchen dieesr Arten besitzen einen äußerst ungewöhnlichen Unterkiefer. Die hintere Hälfte des Kieferkammes ist sehr stark erhöht, und überragt annäherungsweise halbkreisförmig dern Oberkiefer. Auf diesem seltsamen Kiefergrat, der fast ein bisschen so aussieht wie die Mäuler von Glattwalen (bei denen das hochgewölbte Maul aber aus Muskeln und nicht aus Knochen besteht), sitzt ein großer Zahn, der ein bisschen so aussieht, wie die spitz zulaufende Hälfte eines geschälten Sonnenblumenkerns. Da dieser auch bei geschlossenen Maul den Oberkiefer deutlich überragt, können sich die Männchen dieser Art auch besonders tiefe Wunden zufügen. Die Wirkung der Zähne kann sogar noch verstärkt werden, denn manchmal siedeln sich auf ihnen Seepocken an, deren scharfkantige Schalen die Wirkungsfläche der Zähne noch vergrößern.

Interessant sieht es auch aus, wenn diese Tiere ihr Maul öffnen. Da der hintere Teil des Kiefers so stark erhöht ist, bleibt die hintere Hälfte des Maules auch bei geöffneten Kiefern praktisch zu, und bildet so eine Art Röhre. Ob dies allerdings irgendeinen Vorteil bei der Jagd bedeutet, oder ob sich die diese seltsame Kieferform entwickelte, um den Männchen einen Vorteil bei Rivalenkämpfen zu bieten, ist nicht bekannt. Vielleicht trifft auch beides zu. Jedenfalls hatte ich mich dann irgendwann dazu entschieden einen männlichen Blainville-Schnabelwal zu modellieren. Wie alle anderen Modelle auch, besteht es aus Fimo, wobei ich eine Mischung aus weißen und schwarzen Fimo classic und etwas weißen Fimo soft benutzt habe, um ein möglichst gut zu bearbeitendes Material zu haben. Wenn man weiß und schwarz zusammenknetet, hat man den Vorteil dass man sieht, wann man es lange genug geknetet hat, denn man sieht ziemlich lange noch schwarze und weiße Streifen. Darum muss man ziemlich lange kneten um eine wirklich homogene graue Masse zu bekommen, bei der Fimo soft und classic verbunden sind. Früher gab es noch das großartig zu verarbeitende Fimo medium, das perfekte Eigenschaften hatte, und nich gemischt werden mußte. Leider gibt es das nicht mehr zu kaufen. Aus Stabilitätsgründen habe ich einen doppelt gedrehten Draht sozusagen als Wirbelsäule eingearbeitet, und darum etwas verknüllte Alufolie eingefügt, um Material zu sparen. Darüber habe ich dann den Körper modelliert. Und es kam natürlich wie es kommen mußte, aus dem nebenher wurden einige Stunden mehr, und irgendwann hatte ich keine Lust mehr. Also habe ich ihn eingepackt und erst mal liegen gelassen. Nach ein paar halbherzigen Versuchen ihn fertig auszumodellieren, habe ich mich nach mehreren Monaten jetzt endlich dazu entschieden, ihn fertig zu machen. Augen, Zähne und Flossen habe ich vorgehärtet und anmodelliert. Das Anmodellieren der Schwanzflosse war ziemlich kompliziert, aber da Walflossen so dünn sind, haben sie nicht genügend Eigenstabilität, weshalb es einfacher ist, sie auf einer flachen oder leicht geschwungenen Fläche vorzuhärten. Vor allem die korrekte Ausmodellation des Kopfes hat sehr viel Zeit benötigt, immer wieder merkte ich dass etwas nicht stimmte, und selbst jetzt ist sie nicht ganz zufriedenstellend. Andererseits muss man eben manchmal mit Kompromissen leben. Das Modell habe ich dann etwa 40 Minuten bei etwa 110°C im Backofen gehärtet, und ich finde es kann sich durchaus sehen lassen:

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Die Form der Zähne stimmt leider nicht ganz, und ich muss sie wahrscheinlich noch mit einer Rasierklinge noch etwas nachbearbeiten. Auf dem nächsten Bild sieht man recht gut die vielen aufmodellierten Narben. Bei den runden Dellen handelt es sich um die Bissspuren von Cookie-cutter-Haien, die sich diese Wale in der Tiefsee oft einfangen. Leider sind immer noch Fingerabdrücke auf dem Modell, aber die bekomme ich mit feiner Stahlwolle wahrscheinlich noch weg:

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Noch eine Ansicht von oben:

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Als Vorlage dienten mir übrigens die hervorragenden Illustrationen von Bratt Jarrett aus Hadoram Shirihais “Whales Dolphins and Seals. A Field Guide to the Marine Mammals of the World” dem wahrscheinlich besten und umfangreichsten Bestimmungsbuch für Meeressäuger, das es auf der Welt gibt. Irgendwann muss ich eine Rezession für dieses Buch schreiben, da es einfach unglaublich ist.

Hier sieht man einmal den direkten Vergleich (und die Fehler bei der Modellation) von Modell und Vorlage:

mesoplodon-densirostris.JPG

Einige Dinge konnte ich nicht hundertprozentig nachmodellieren, beispielsweise sind die Flippen und der Schwanzstiel von Walen so dünn, dass man sie bei dieser Modellgröße und aus diesem Material fast nicht wiedergeben kann.

Das Originalbild kann man übrigens auch hier auf Brett Jarretts Homepage sehen: http://www.brettjarrett.com/images/wds036.jpg

Ringelnattern

Mittwoch, September 19th, 2007

Zugegebenerweise habe ich in meinem Leben erst zwei mal Ringelnattern gesehen, einmal vor mehr als zehn Jahren, als eine an der Böschung einer Wiese neben mir aus einem Mauseloch schaute, und voriges Jahr im Teich eines botanischen Gartens. Dieses Jahr sollte sich da einiges ändern. Vor einiger Zeit sah ich beim Spazierengehen plötzlich vor mir auf dem Weg ein wahres Prachtexemplar einer Ringelnatter (Natrix natrix) vor mir, leider konnte ich nicht schnell genug ein Photo machen, und daher sieht man nur einen Teil, der noch auf dem Weg liegt:

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Die Schlange war für eine Ringelnatter wirklich sehr groß, außerdem muss sie etwas recht großes gefressen haben, denn an der dicksten Stelle ihres Körpers war sie beinahe so dick wie ein Ei. Noch während des gleichen Spazierganges konnte ich dann an einem nahe gelegenen Teich gleich vier oder fünf halbwüchsige Ringelnattern von etwa 25-30cm beobachten. Leider waren sie immer relativ weit weg, und tauchten ständig ab, aber immerhin ein halbwegs brauchbares Bild ist mir gelungen:

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Das war ja schon ein ziemlicher Zufall, aber wenn man bedenkt dass ich schon zwei Tage später im Wald noch eine Ringelnatter entdeckt habe, wird das Ganze schon beinahe unheimlich. Sie war winzig klein, und dünner als ein großer Regenwurm. Sie lag zusammengerollt im Gras, und ich habe sie erst bemerkt, als ich schon fast an ihr vorbei gegangen bin:

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Da Ringelnattern vollkommen harmlos sind, und da ein Exemplar dieser Größe noch nicht einmal in einen Finger beißen kann, habe ich sie auch einmal vorsichtig auf die Hand genommen. Ringelnattern sind wirklich wunderschöne Reptilien, und selbst diese winzige Schlange, die wie eine Miniaturversion der Erwachsenen aussieht, besitzt die für ihre Art typischen gelben Flecken hinten am Kopf:

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Vorletztes Wochenende hatte ich das große Glück an einer anderen Stelle wieder eine winzige Ringelnatter zu entdecken, wobei mir auch ein paar schöne Bilder gelunden sind:

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Man kann auf diesem Photo gut erkennen, dass die Haut etwas matt und die Augen leicht trübe sind, was darauf hindeutet, dass diese Schlange kurz vor der Häutung stand:

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Und noch ein letztes Bild:

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Der menschenfressende Riesenwels, ein Fallbeispiel eines Internet-Hoaxes

Montag, September 10th, 2007

Das Internet ist eine wunderbare Sache um an alle möglichen Arten von Informationen heranzukommen, leider ist es aber auch so, dass man im Internet jede Menge Müll lesen kann. Manche Leute machen sich sogar bewußt einen Spaß daraus (gut, die BILD macht das jeden Tag, und die Leute verdienen sogar damit), Geschichten zu erfinden, und diese im Internet als wahre Begebenheiten zu verbreiten. Besonders beliebt ist es, echte Photos zu verwenden, und eine Story dazu herum zu erfinden, damit das ganze glaubhafter wirkt. Solche Sachen werden dann auch nicht selten direkt mit E-mail-Verteilern in die ganze Welt geschickt.

Vor kurzem machte wieder einmal einer dieser Internet-Hoaxes die Runde, und da es sich um ein Thema handelt, das gut zum Inhalt des Bestiarium paßt, und das ich hier kurz vorstellen wollte. Es geht um folgendende Geschichte: Im Huadu´s Furong Wasser-reservoir sollen jedes Jahr ein paar Leute auf mysteriöse Weise ertrunken sein, und erst kürzlich sollen dort beim Schwimmen zwei Personen ertrunken sein.  Als der Grund dieser Unfälle wird ein 3m langer Riesenwels präsentiert, dessen Kopf alleine schon einen Meter breit sein soll, und der die Leute gefressen haben soll. Im Magen dieses Riesenwelses, sollen sogar die Überreste eines Menschen gefunden worden sein. Zusätzlich zu der Geschichte werden jede Menge Photos gezeigt, die mehrere Asiaten zeigen, die sich um einen abgesperrten Bereich drängeln, in dem mehrere Männer und ein riesiger Fisch liegen. Spätere Photos zeigen dann wie der Fisch aufgeschnitten und zerlegt wird.

Das war jetzt die Geschichte, und nun kommen die Fakten. Zunächst gibt es weder in Asien noch sonstwo einen Wels der in der Lage wäre einen erwachsenen Menschen zu fressen. Außerdem handelt es sich bei dem gezeigten Fisch gar nicht um einen Wels. Der Fisch zeigt zwar für einen mit diesen Tieren nicht vertrauten Betrachter mit dem breiten endständigen Maul eine gewisse Ähnlichkeiten mit Welsen wie dem asiatischen Mekong-Riesenwels Pangasianodon gigas, der tatsächlich in Ausnahmefällen Längen von beinahe 3m erreichen kann (aber ein harmloser Algen-und Kleintierfresser ist) , aber es handelt sich bei diesem Fisch ohne jeden Zweifel um einen jungen Walhai (Rhyncodon typus). In den Kommentaren zu der Story wird das mehrfach auch schon gesagt, aber manche Leute versuchen mit den abstrusesten Gegenargumenten zu konntern, etwa wie der Walhai ins Süßwasser gekommen sein soll, oder warum er getötet wurde, obwohl sie vom Aussterben bedroht sind. Nun ist es vielen Ländern, vor allem in Asien, herzlich egal ob eine Tierart vom Aussterben bedroht ist oder nicht, solange sie Profit bringt, wird sie gejagt. Und gerade in Asien kann man mit Fleisch und Flossen von Walhaien eine ganze Menge Profit machen. Die ganze Geschichte vom Riesenwels im Wasser-reservoir ist natürlich nur erfunden, hier wurden einfach Photos, die irgendwo in der Nähe eines Hafens gemacht wurden, in eine Monster-Story integriert. Leider sind viele Leute allzu Bereit solchen Mist zu glauben.

Das ganze kann man hier nachlesen:

http://shanghaiist.com/2007/08/11/amazingly_huge.php

Wie groß werden Krokodile wirklich?

Sonntag, September 9th, 2007

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Dass zwischen den in der allgemeinen Literatur vorhandenen, und den tatsächlichen Maximalgrößen von Tieren teilweise massive Differenzen bestehen, habe ich ja schon im allerersten Post über den Arapaima dargelegt (http://bestiarium.kryptozoologie.net/?p=6). Nun soll es um Krokodile gehen, speziell um Leistenkrokodile. Selbst in der Fachliteratur kann man immer wieder über angeblich gewaltige Größen lesen, welche diese Tiere erreichen sollen. Vielfach wird sogar nicht einmal die Durchschnittsgröße, oder wenigstens die nachgewiesene Maximalgröße abgeruckt, sondern nur teilweise lediglich vom Hörensagen übernommene, und maßloß übertriebene Größen. Nicht selten kann man lesen dass Leistenkrokodile 7, 8, 9 oder auch 10m lang werden können. Aber wie sieht es mit der Wirklichkeit aus, gab es tatsächlich jemals so große dokumentierte Exemplare?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich mich erst noch etwas mit dem  Wachstum von Leistenkrokodilen befaßen. Diese Krokodile zeigen ein typsches Wachstumsverhalten für Krokodile, sie wachsen in den ersten Jahren sehr schnell, und können mit etwa 10 Jahren eine Länge von 3m erreichen. Mit 10-15Jahren, je nach dem wann die Geschlechtsreife erreicht wurde, nimmt das Wachstum deutlich ab, um mit zunehmenden Alten immer weiter abzunehmen, bis es praktisch gar keine sichtlichen Zuwachs mehr gibt. Dabei sei anzumerken dass die Männchen deutlich größer werden als die Weibchen, und auch ein etwas anderes Wachstumsverhalten zeigen. Bei Leistenkrokodile werden die Männchen deutlich größer als die Weibchen, da sie auch deutlich schneller wachsen, und auch später die Geschlechtsreife erreichen. Viele Leute sind der Meinung, dass Reptilien, und speziell Krokodile ihr Leben lang wachsen, und dadurch auch theoretisch jede Größe erreichen können, wenn sie nur alt genug werden. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Entscheidend für die Größe die ein Krokodil erreichen kann, sind weniger die Lebensjahre, als viel mehr die Größe, die es vor der Geschlechtsreife erreicht. Ein Krokodil das durch gute Bedingungen wie viel Nahrung, günstige Temperaturen oder auch gute genetische Anlange schon vor Erreichen der Geschlechtsreife sehr groß ist, hat gegenüber seinen Artgenossen nach der Geschlechtsreife einen deutlichen Vorteil, denn diese brauchen dann mehrere Jahre, um diesen Vorsprung nachzuholen, und in dieser Zeit kann das ohnehin schon große Krokodil auch noch zusätzlich wachsen. Ein Krokodil das nicht schon in seiner Jugend sehr groß geworden ist, wird auch später nie wirklich riesig werden können. Selbiges gilt im Übrigen auch für praktisch alle anderen Reptilien und Fische, welche sehr alt werden können. Die Wachstumskurve nimmt mit dem Alter immer weiter ab, und selbst wenn ein Krokodil wirklich alt wird, kann es nur noch relativ geringfügig an Größe zunehmen. Da ich wenig Bildmaterial zu diesem Thema besitze, und weil lange Posts ohne Bilder langweilig sind und viele vom Lesen abschreckt, zeige ich hier einfach mal zwei Photos eines sehr großen Leistenkrokodilschädels, dass ich vor kurzem im Archiv des Zoologischen Institutes in Tübingen gemacht habe. Als Größenvergleich (und damit jeder sieht dass ich ein uraltes, spartanisches und beinahe unkapputbares Nokia-Handy habe) habe ich mal mein Handy daneben gelegt:

Leistenkrokodilschädel

Einen solchen Schädel einmal aus nächster Nähe zu sehen macht einem erst einmal bewußt wie gewaltig diese Tiere werden können. Ich habe keine Ahnung wie lang der Schädel gewesen ist, oder das gesamte Tier als es noch lebendig war. Das restliche Skelett lag unter dem eines aufgestellten Zwergwalskelettes, und ich vermute einmal dass die Gesamtlänge zu Lebzeiten etwa 4,5m Meter betragen hat. Da das Skelett aber nicht aufgebaut war, und auch der Schädel nicht dabei gewesen ist, möchte ich mich hier aber nicht allzu sehr festlegen. Das Verhältnis von der Schädel- zur Körperlänge liegt bei Krokodilen bei etwa 1:7,5, das heißt man könnte die ursprüngliche Gesamtlänge durchaus recht gut bestimmen, wenn man die genaue Länge des Schädels wüßte. Hier noch mal ein Bild aus einer anderen Ansicht (kleiner Tipp: um sich die Größe dieses Schädels bewußt zu machen speichert man am besten die Bilder, und vergrößere sie mit Hilfe eines gleichgroßen Handys auf Originalgröße):

Leistenkrokodilschädel von vorne

Das sieht man ziemlich gut an einem der weltgrößten Krokodile überhaupt, dem thailändischen Riesenkrokodil Yai. Es ist das größte in Gefangenschaft lebende Krokodil der Welt. Es handelt sich bei ihm nicht um ein echtes Leistenkrokodil, sondern um einen Hybriden aus Leistenkrokodil und Siam-Krokodil (Crocodylus siamensis). Solche Hybriden werden manchmal auf Krokodilfarmen gezüchtet, da sie schneller wachsen als normale Krokodile, und daher auch profitabler sind. Man sieht Yai auch an dass er kein reinrassiges Leistenkrokodil ist, denn die Farben und Muster seiner Haut sind etwas abweichend von denen echter Leistenkrokodile. Als Yai das letzte Mal gemessen wurde, war er 6m lang und wog 1114 kg, inzwischen dürfte er sogar noch etwas größer sein, allerdings hat sein Wachstum in den letzten Jahren stark abgenommen. Erstaunlich ist dass Yai erst 35 Jahre alt ist, er also schon in einem relativ frühen Alter wahrlich monströse Ausmaße erreicht hat. Hier sollte man aber bedenken, dass daran mehrere Faktoren beteiligt waren. Zunächst hatte Yai durch den Hybrid-bedingten Heterosiseffekt einen massiven Wachstumsvorteil gegenüber normalen Leistenkrokodilen, außerdem ist seine Größe selbst unter anderen Hybriden ungewöhnlich, so dass man davon ausgehen kann, dass dieses Exemplar besonders günstige genetische Voraussetzungen besitzt. Zudem wurde Yai auf einer Krokodilfarm ausgebrütet und aufgezogen, das heißt er konnte unter annäherungsweise idealen Lebensbedingungen aufwachsen. Die Temperaturen in Thailand lassen einen hohen Stoffwechsel bei diesen Tieren zu, und Nahrung war ebenfalls immer genügend vorhanden. Yai konnte sein Wachstumspotential also annäherungsweise voll ausschöpfen. Vor einiger Zeit habe ich in einer Reportage über die Krokodilfarm, auf der Yai lebt, gesehen, und war wirklich beeindruckt einmal Videoaufnahmen dieses Giganten zu sehen. Er lebt zusammen mit dutzenden anderen Krokodilen in einem riesigen Gehege, über das eine Brücke führt, von dem aus Touristen Photos machen, und die Krokodile füttern können. Die anderen Krokodile waren auch nicht gerade klein, aber im Gegensatz zu Yai wirkten sie allesamt wie Zwerge. Übrigens ist Yai auf einer Seite blind, eines seiner Augen ist weiß-rot verfärbt, warum das so ist, wurde aber nicht gesagt, vermutlich geht es auf eine Rangelei mit Artgenossen zurück. Ein makabres Detail über Yai ist auch, dass er wahrscheinlich auch schon Menschenfleisch gefressen hat. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber da jedes Jahr wieder einige Leute auf die bescheuerte Idee kommen, Suizid zu begehen, indem sie von der Brücke ins Krokodilbecken springen, wird Yai als “Big Boss” in der Anlage sicher auch schon den einen oder anderen Bissen Mensch abgekriegt haben.

Es gibt noch ein paar andere sehr große Leistenkrokodilhybriden in Gefangenschaft, ist der 1964 auf der Samut Prakan Krokodilfarm in Thailand geborene Utan, der seit 2002 in South Caroline im Alligator Adeventure Parc lebt. Er hat eine Länge von knapp 6m, und wie etwa eine Tonne, ist also etwas kleiner als Yai. Auch einige reinrassige Leistenkrokodile von sehr großen Ausmaßen sind aus Zoos bekannt, etwa der etwa 6m lange Oscar, welcher im australischen Queensland beheimatet ist. Er stammt aus Papua Neuguinea, von wo er vor mehreren Jahrzehnten zusammen mit einem anderen Krokodil gebracht wurde. Diese andere Krokodil erhielt den Namen Gomek, und wurde vor mehreren Jahrzehnten nach Florida verkauft, wo er äußerst populär als größtes Krokodil der Vereinigten Staaten. Als er 1997 gestorben ist, war er 5,5m lang, und wog etwa eine knappe Tonne. Zu seinem Todeszeitpunkt war er bereits 70-80 Jahre alt, und es scheint dass er tatsächlich an altersbedingten Kreislaufversagen gestorben ist. In den 20 Jahren in denen Gomek in Florida lebte, wuchs er weniger als 30cm, und das obwohl er sicherlich immer genug zu fressen bekam. Das zeigt sehr gut, dass ein langes Leben keineswegs der Hintergrund für ungewöhnliche Größen bei Krokodilen ist. Nicht unerwähnt bleiben soll das “weiße” Leistenkrokodil das früher in der Wilhelma lebte, und Generationen von Zoobesuchern mit seiner stoischen Trägheit langweilte. Ich habe es zu Lebzeiten viele Male gesehen, aber niemals wie es irgend eine Bewegung vollführt hätte.  Dieses Leistenkrokodil war ungewöhnlich hell, wenn auch nicht wirklich weiß, und stammte von einer Krokodilfarm aus Asien, von wo es 1967 nach Stuttgart gebracht wurde. Mit einer Länge von 4,5m und einem Gewicht von etwas unter einer halben Tonne war es zwar ein gutes Stück unter den bisher genannten Krokodilen, aber dennoch für seine Art von sehr beachtlicher Größe. Inzwischen kann man es übrigens von der Decke hängend im Stuttgartere Rosenstein-Museum bewundern:

Das “weiße” Leistenkrokodil aus der Wilhelma

Das waren jetzt alles Krokodile, welche entweder in Gefangenschaft geboren, oder zumindest über längere Zeit dort gelebt haben, aber wie sah es mit den Krokdilen aus der Wildnis aus? Während man in Zoos relativ verläßliche Größenangaben (und nicht zu vergessen Bildmaterial) bekommen kann, und davon ausgehen kann, dass die gemachten Angaben auch stimmen, sieht die Sache von in der Wildnis gesehenen oder geschossenen Krokodilen vollkommen anders aus, hier gehen Wirklichkeit und pure Fiktion Hand in Hand.

Viele große Tiere, insbesondere solche die im Wasser leben, und daher oft nut teilweise gesehen werden, haben die Eigenschaft sehr viel größer auszusehen, als sie tatsächlich sind. Vor allem bei Reptilien scheint dies ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, Größen werden hier extrem oft maßlos überschätzt, nicht selten um 100% oder sogar mehr. Daher werde ich gar nicht erst auf verschiedene ominöse Sichtungen von Krokodilen eingehen, deren Größe weit über den belegten Rekorden gelegen haben soll. Betrachtet man die geschossenen Riesenkrokodile, so fällt auf dass auch diese oft auf wundersame Weise schrumpften, wenn man sie genauer untersuchte (ein mysteriöses Phänomen, das man seltsamerweise auch oft bei Schlangen, Haien und anderen Fischen findet…). Etwa das vermeintliche Riesenkrokodil, das 1840 in der Bucht von Bengalen geschossen wurde, und das so groß war, dass man nur seinen Kopf mitnehmen konnte. Dieser landete dann später im Naturhistorischen Museum von London. Eine genaue Untersuchung des Schädels zeigte dann aber, dass dieses Krokodil keineswegs wie ursprünglich angegeben 10,1m lang gewesen ist, sondern nur etwa 4,8m (nach einer anderen Quelle 5,98m). Leider findet man die zuerst angegebene Größe von 10,1m immer noch in einigen Büchern als Rekordgröße. Bei einem anderen Krokodil, das einst eine Länge von 8,8m gehabt haben soll, stellte sich beim Vermessen des Schädels später heraus, dass es lediglich 4,9m lang gewesen ist. Das ist immer noch ziemlich viel für ein Leistenkrokodil, aber es zeigt doch wie massiv die Leute zum Übertreiben neigen, und wie leicht reines Jägerlatein als Tatsachen den Einzug in die Fachliteratur finden kann. Derartige Abenteuergeschichten von Riesenkrokodilen, bei denen spätere Messugen der Schädel ergaben, dass diese Tiere viel kleiner waren als angegeben, gibt es viele. Etwa ein 1823 auf den Philippinen geschossenes Leistenkrokodil, von dem es hieß, es habe eine Länge von 8,2m, das aufgrund der Schädelgröße aber nur etwa 6m lang gewesen sein kann. 

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie groß die größten wirklich nachprüfbaren Leistenkrokodile gewesen sind. 1974 geriet im Mary River in Nordaustralien ein Krokodil in ein Fischernetz, und wurde mit einer Axt getötet. Der Kadaver wurde dann geköpft, aber später konnte der Körper von Rangern gefunden, und noch einmal vermessen werden. Dieses Krokodil, dessen von Axthieben gezeichneter Schädel auf der Darwin-Crocodile-Farm zu sehen ist, hatte eine Länge von 6,2m. 1983 wurde im Fly River auf Papua Neuguinea ein Leistenkrokodil getötet, dessen Haut von mehreren Zoologen untersucht werden konnte. Nach der Messung der Haut zu urteilen, muss dieses Exemplar auch etwa 6,2m lang gewesen sein, aber da Krokodilhäute etwas kürzer werden als die lebenden Tiere, war dieses Krokodil ursprünglich wahrscheinlich sogar 6,3m lang. Man kennt auch den Schädel eines Leistenkrokodil aus Orissa, Indien, der einem Krokodil gehörte, das einst eine Länge zwischen 6m und 6,9m gehabt haben muss. Vor wenigen Jahren wurde im Archiv des Paleontologischen Museums of Paris auch ein Leistenkrokodilschädel mit einer Länge von 98,2 cm und einem Gewicht von 25kg entdeckt. Da die Gesamtlänge das 7-7,5-fache der Schädellänge beträgt, muss dieses Tier mindestens eine Länge von 6,9m gehabt haben. In der vierten Ausgabe des Crocodile Specialist Group Newsletter von 2006 wird auch von einem gigantischen Leistenkrokodilschädel aus Indien berichtet, der von einem Exemplar stammte, das 1926 im Dhamara-Fluss geschossen wurde. Der Schädel befindet sich momentan im Kanika-Palast der Raja von Kanika. Die Länge des Schädels beträgt 99cm, und er ist der größte bekannte Krokodilschädel der Welt. Die Länge soll bei 7,5m gelegen haben, was in Anbetracht des Schädels durchaus glaubhaft ist. Das abgebildete Photo des Schädels zeigt auch die enorme Robustheit des selben, er ist ungewöhnlich breit, und noch viel massiver als der oben gezeigte große Schädel aus Tübingen. Bei Krokodilen wird wie bei vielen anderen Reptilien der Schädel mit zunehmender Größe immer kräftiger und kompakter. Das Gewicht dieses Monstrums muss nach groben Schätzungen bei etwa 2 Tonnen gelegen haben, vielleicht aber sogar noch etwas mehr. Ein Krokodil dieser Größe wäre theoretisch sogar in der Lage gewesen, ausgewachsene Wasserbüffel, Nashörner und halbwüchsige Elefanten zu überwältigen. Selbst Riesen wie Yai oder Utan würden neben einem solchen Giganten wie Hänflinge aussehen.

Was bleibt also abschließend zu sagen? Man kann Größenangaben von 10m guten Gewissens ignorieren, auch solche von 9m. Angaben über 8m für Leistenkrokodile würde ich sehr vorsichtig betrachten, da dies vielleicht schon über der biologischen Grenze liegt, die diese Art erreichen kann, und auch viele Geschichten von 6 oder 7m langen Krokodilen werden übertrieben sein. Die Beispiele von schamlos übertriebenen Größenangaben zeigen auch, dass vieles, selbst wenn es in der Literatur verbreitet wird, nichts wert ist. Wirklich glaubhaft sind nur solche Angaben, die wirklich nachprüfbar sind, etwa durch Vermessen der Haut, des Schädels, oder im Idealfall des ganzen Tieres durch autenthizierte Personen. Die Tatsache dass es unzweifelhafte Beweise in Form von Schädeln für die Existenz von mehr als 7m großen Leistenkrokodilen gibt, bedeutet natürlich auch, dass es sicherlich auch einige Berichte über riesige Krokodile gibt, die nicht übertrieben gewesen sind, aber mangels entsprechend erhaltener Relikte nicht mehr nachprüfbar sind. Leider kann man solche Fälle nicht wirklich berücksichtigen, da der Hang des Menschen zur Übertreibung leider viel zu groß ist, und so allzuleicht falsche Informationen als Tatsachen verbreitet werden. Die Tatsache dass es weltweit wirklich nur eine Handvoll bekannte Krokodile gibt oder gab, die nachweislich Größen von 6m und mehr erreichten, zeigt auch gut, wie extrem selten solche Tiere sind, und dass es sich um außerordentlich Ausnahmen handelt. Die Ausführugen über das Wachstumsverhalten zeigen auch, dass keineswegs einfach ein langes Leben der ausschlaggebende Faktor für solche Größen sind. Gerade in Populationen in denen eine große Anzahl von Krokodilen praktisch unter den gleichen Lebensbedingungen leben, kann man viel eher davon ausgehen, dass das Vorhandensein einiger extrem überdurchschnittlich großer Individuen auf genetischen Hintergründen basiert, und diese Tiere primär dank ihrer Anlagen (gekoppelt mit optimalen Umweltbedingungen) die enormen Größen erreichen konnten. Krokodile die sehr groß sind, haben natürlich auch bessere Chancen ein hohes Alter zu erreichen, nicht nur weil sie keine Feinde mehr zu fürchten haben, sondern auch weil sie sich gegenüber Artgenossen besser durchsetzen können, was nicht nur das Risiko bei einer innerartlichen Konfrontation schwer verletzt zu werden senkt, sondern auch Vorteile beim Besetzen von Revieren oder dem gemeinsamen Fressen an Kadavern bietet.

Bevor die Krokodilpopulationen im großen Ziel hauptsächlich mit Hilfe von Schusswaffen dezimiert wurden, waren extrem große Exemplare sicherlich noch häufiger, wenngleich Längen von 6m und mehr niemals dem Standard ensprochen haben, und immer schon sehr selten gewesen sind. Durch die unnatürliche Selektion menschlicher Jäger, die bevorzugt die größten und eindrucksvollsten Exemplare einer Tierart schießen, sind derartige Riesen natürlich besonders selten geworden. Das vielleicht größte Krokodil der Welt lebt im Orissa-Reservat in Indien, das eine Länge von beinahe 7m hat.

Weiterführende Links:

Artikel der Crocodylian Biology Database über die Größe von Krokodilen:

http://www.flmnh.ufl.edu/cnhc/cbd-faq-q2.htm

Newsletter der Crocdile Specialist Group mit Photo des 99cm langen Krokodilschädels (ganz unten):

http://www.flmnh.ufl.edu/natsci/herpetology/Newsletter/csgnews254.pdf

Irgendwann möchte ich noch über den Mythos über das riesige Nilkrokodil namens Gustave eingehen, und vielleicht auch einmal kurz auf die Größe von Ganges-Gavialen.

Bild des Tages: Nautilus

Sonntag, September 9th, 2007

Momentan sind mehrere längere Beiträge in Arbeit, weshalb ich seit einiger Zeit nicht mehr dazu gekommen bin, einen neuen zu posten, darum gibt es hier mal wieder ein Bild des Tages, einen Nautilus aus dem Haus des Meeres in Wien:

Nautilus

Bild des Tages: Platybelodon

Freitag, September 7th, 2007

Hier ist ein Bild einer lebensgroßen Rekonstruktion von Platybelodon, aufgenommen bei der Ausstellung “Die Erben der Dinos” in Reutlingen:

Platybelodon

Bild des Tages: Der Belemnit in der Fensterbank

Mittwoch, September 5th, 2007

Manchmal findet man sogenannte Donnerkeile, das sind in der Regel etwa kleinfingerdicke leicht konische steinerne Stäbe, die in eine Spitze auslaufen. Es handelt sich dabei um das versteinerte Innenskelett von ausgestorbenen Kopffüßern, den Belemniten. Sie ähnelten schon recht stark den modernen Kalmaren, und hatten ebenfalls stomlinienförmige Körper ohne Außenskelett. Anhand einiger extrem gut erhaltener Fossilien kann man das Aussehen dieser Tiere recht gut rekonstruieren. Statt Saugnäpfen trugen sie kleine Chitinhaken an ihren acht Armen, die männlichen Tiere verfügten überdies noch über ein zusätzliches Paar Fangarme, an denen jeweils ein riesiger gebogener Chitinhaken saß, der möglicherweise eine Rolle bei der Paarung spielte. Normalerweise findet man Donnerkeile in Steinbrüchen, Baugruben oder anderen Orten an denen die Erde aufgebrochen wird. Manchmal findet man sie aber auch an ganz anderen Orten, etwa in Häusern als zufällige Dekoration einer Fensterbank:

Der Belemnit in der Fensterbank

Man kann gut den massiven hinteren Teil erkennen, sowie den vorderen in dem das Tier teilweise noch drin saß. Aber wie der Schulp bei modernen Kalmaren war die gesamte kalkige Innenschale von Weichgewebe umgeben.

Genaueres zum Aussehen und der Biologie der Belemnite soll in einem späteren Post folgen.

Bild des Tages: Ornithocheirus bunzeli

Montag, September 3rd, 2007

Hier hier sieht man zwei Modelle des Flugsauriers Ornithocheirus bunzeli aus dem Naturhistorischen Museum in Wien. Man achte auch vor allem auf den Hintergrund, der eine Vorstellung der enormen architektonischen und künsterlischen Gestaltung dieses im klassischen Stile erbauten Museums erahnen läßt:

Ornithocheirus bunzeli

Mein erstes Nautiloiden-Modell

Samstag, September 1st, 2007

Es gibt ja alle möglichen Figuren von ausgestorbenen Tieren zu kaufen, aber wenn man sie sich mal genau ansieht, dann fällt einem ziemlich schnell auf, dass es zwar eine riesige Anzahl von Tyrannosauriern, Triceratopsen, Sauropoden und auch mal Tiere wie Mammuts gibt, aber von einer ganzen Anzahl interessanter Arten (wobei das natürlich Ansichtssache ist…) gibt es kaum oder gar keine Modelle. Bei Cephalopoden etwa. Zwar findet man ohne Probleme Oktopusse aus Gummie oder Plastik, was aber andere Vertreter der Kopffüßer darstellen soll, kann man beinahe an einer Hand abzählen. Auch von ausgestorbenen Belemniten, Ammoniten und anderen Nautiloiden gibt es weltweit nur eine Handvoll Modelle. Da ich vor einiger Zeit begann, mich auch für diese Tiere zu interessieren, war es naheliegend, einfach mal nach dem Motto “Selbst ist der Mann” ein paar Figuren zu modellieren. Also habe ich etwas Fimo genommen, und mir ein paar Nautiloiden modelliert. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich sie ziemlich hässlich finde, und wenn ich die aktuellen Erkenntnisse und Kontroversen über die Lebenddarstellung von Nautiloiden ansehe, dann halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass es wirklich einmal so aussehende Cephalopoden gegeben hat. Das kommt eben wenn man anfängt zu arbeiten, ohne sich darauf vorzubereiten. In jedes der Modelle habe ich nur etwa eine halbe Stunde Modellierarbeit gesteckt, und das sieht man leider auch. Jedenfalls sind diese Modelle jetzt da, und da gestern wieder mal einer der Freitage gewesen ist, an denen überhaupt nichts los ist, habe ich mir eines dieser Modelle gepackt, und angemalt. Ich muss im Voraus sagen, dass sie nicht nur hässlich modelliert, sondern auch hässlich angemalt sind, was u.a. daran liegt, dass sich mit Wasserfarben auf Fimo nicht wirklich gut malen läßt. Bei diesem ersten Modell das ich gemacht habe, habe ich mich stark an dem “giant orthocone”, also einem riesigen Nautiloiden mit langgestreckten Gehäuse aus der BBC-Doku “Monster der Tiefe” orientiert, und letztendlich auch was die Bemalung angeht. Sowohl Form als auch Farbe zeigen sehr viele Ähnlichkeiten zu dem rezenten Nautilus oder Perlboot. Nach dem Bemalen mit Wasserfarben habe ich das ganze noch lackiert, und um es etwas stimmiger zu machen, noch ein paar Aufnahme vor einem passenden Hintergrund (welcher aus einem sehr empfehlenswerten Urzeit-Buch namens “Das Leben im Meer” stammt) photographiert:

Nautiloid Diorama

Noch mal sozusagen als Photomontage mit einer Schnecke in den Fangarmen:

Nautiloid mit Schnecke

Noch ein bißchen zur Entstehungsgeschichte des Modells. Als erstes habe ich das Gehäuse modelliert, wobei ich ein gebogenes und in sich verdrehtes Stück Draht vorne eingefügt habe. So hatte man nach dem Härten ein fest Stück in den Hand, von dem aus man weitermodellieren konnte, ohne Gefahr zu laufen, dass man wieder irgend etwas kaputt mach. Dann habe ich den ebenfalls vorher gehärteten Schnabel eingesetzt, und das ganze noch mal in den Ofen geschoben.

Hier sieht man noch mal das Modell wie es ursprünglich ausgesehen hat, und daneben die beiden anderen. Ich frage mich heute noch warum ich die Augen so wulstig modelliert habe. 

Nautiloiden unangemalt

Hier noch mal eine Seitenansicht vor dem Lackieren:

Nautiloid unlackiert

Und noch das fertig bemalte und lackierte Modell auf einer kleinen Basis mit Schwämmen und Korallen, deren Modellation ein Vielfaches der Zeit des Nautiloiden benötigt hat:

Nautiloid auf Basis 1

Und noch mal schräg von oben:

Nautiloid auf Basis 2

Inzwischen habe ich ein deutlich besseres und weitaus aufwändigeres Modell gemacht, bei dem ich mich möglichst detailgetreu (auch wenn die Vorlage wahrscheinlich auch nicht authentisch ist, aber eben gut aussieht) an dem Riesennautiloiden der BBC orientiert habe. Allerdings wird diese unangemalt bleiben, bis ich die Möglichkeit habe, Airbrush dafür zu benutzen, denn mit den bisher benutzten Farben würde ich ihn nur verhuntzen.