Wozu Fantasy-Monsterwürmer wenn es terrestrische Nemertinea gibt?

Es gibt Wesen die erscheinen einfach zu bizarr als dass sie echt sein könnten. Als ich das folgende Video zum allerersten Mal gesehen habe, war das einer dieser absoluten WTF!?-Momente, denn ich hatte absolut gar keine Ahnung was das sein könnte:

 

Dieses von Daniel O`Brien aufgenommene Video, sowie die folgenden Photos wurden in Australien aufgenommen. Glücklicherweise haben einige der Kommentatoren auf seiner Flickr-Photoseite  dieses groteske Wesen näher identifizieren können. Aber was ist das nun eigentlich, es sieht irgendwie aus wie eine Made, hat aber einen geradezu aberwitzig langen Rüssel den man sonst vielleicht eher von einer marinen Kegelschnecke erwarten könnte. Tatsächlich handelt es sich um einen terrestrischen Verterter der Nemertinea, welche auch unter der Bezeichnung Schnurwürmer bekannt sind. Schnurwürmer haben vor allem dadurch Berühmtheit erlangt, dass einige ihrer marinen Formen unglaubliche Längen von mehreren Dutzend Metern erreichen können, und das nur bei einer Körperdicke von einer Makaroni-Nudel (Mehr dazu bei Cameron McCormick´s blog ). Man findet die meisten Schnurwürmer im Meer, es gibt aber auch ein paar die in Brack-oder Süßwasser leben, und eben einige die auch eine terrestrische Lebensweise angenommen haben.

Die meisten Schnurwürmer sind carnivor und jagen ihre Beute, primär andere Wirbellose, mit ihrem langen ausfahrbaren Rüssel. Dieser ist entweder mit giftigen Stacheln oder mit klebrigen Sekretdrüsen besetzt, und ernöglicht diesen Räubern teilweise Beutetiere zu überwältigen, die ihre eigene Körpergröße um ein Mehrfaches übertreffen. Dabei ist der Rüssel in der Ruheposition oberhalb des Darmes in einer Art Aussackung der Leibeshöhle gelegen.
schnurwurm-mit-eingefahrenem-russel
Wie die genauen Mechanismen der Motorik dieses bizarren Organes funktionieren kann ich leider auch nicht weiter erörtern, auch wenn ich vermute dass Hydraulik dabei eine wichtige Rolle spielt. Auch ist es mir ein Rätsel, wie ein solch voluminös erscheinender Rüssel in so einem kleinen Lebewesen Platz finden kann:
schnurwurm
Die entsprechenden Wände des Rüssels müssen extrem dünn sein, gleichzeitig aber noch gute statische Eigenschaften aufweisen die ein Fangen der Beute ermöglichen, und außerdem auch noch so dehnbar sein, dass selbst große Beutetiere verschlungen werden können.
Vielleicht kann sich der ein oder andere der Peter Jacksons Neuverfilmung von King Kong gesehen hat, noch an die Szene erinnern in der einige monströse Riesenwürmer versuchen die Protagonisten aufzufressen (und es bei dem von Andy Serkis gespielten Charakter auch auf sehr unappetitliche Weise schaffen). Diese Geschöpfe erscheinen ja wirklich reichlich fantastisch, aber tatsächlich basieren sie auf real existierenden terrestrischen Schnurwürmern, und mal abgesehen von der Größe und ein paar Details wie den großen Zähnen und Borsten unterscheiden sie sich eigentlich gar nicht mal groß. In „The World of Kong“ (Rezension von mir gibt es hier) wird auch etwas näher auf diese fiktiven Monster-Nemertinea eingegangen. Sie tragen den Populärnamen „Vile Meat Weasel“ (Carnictis sordicus) und bewohnen die tiefen Urwaldschluchten von Skull Island. In der dortigen fiktiven Evolutionsgeschichte stammen sie von kleinen Parasiten ab, welche in großen Raubsauriern lebten. Irgendwann stürtze ein großer V-rex in eine der Schluchten, und anstatt einzugehen, konnten sich die Würmer in der warmen, feuchten und durch hereinstürzende Dinosaurier auch nahrungsreichen Fallgrube behaupten, und von reinen Aasfressern zu potentiellen Raubtieren entwickeln. Auch wenn das jetzt natürlich alles recht fantastisch ist, so schlecht ist diese Idee gar nicht mal.

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Ein Kommentar zu Wozu Fantasy-Monsterwürmer wenn es terrestrische Nemertinea gibt?

  1. Sven sagt:

    Ganz klarer ‚Ihhhh wie eklich‘ Faktor 😉

    Auf jeden Fall etwas das mir vorher so nicht bekannt war! Danke dafür. 🙂

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