Hatte Spinosaurus wirklich ein Segel auf dem Rücken?

Spätestens seit dem teilweise ziemlich schwachen “Jurassic Park 3″ dürfte Spinosaurus den meisten ein Begriff sein. In jüngster Zeit erhielt er zusätzliche Furore, da man aufgrund neuerer Funde inzwischen davon ausgeht, dass Längen von über 17m erreichen konnte, und damit größer war als alle anderen bekannten Landraubtiere. Das Erscheinungsbild des Spinosaurus hat sich in den letzten Jahren recht stark gewandelt. Wurde er in älteren Büchern noch in der Regel als typischer Carnosauier mit großem bulligen Kopf und normalen, wenngleich auch etwas großen Armen dargestellt, weiß man inzwischen dass er in vieler Hinsicht anders war. Neuere Bilder, die auf den tatsächlichen Schädelproportionen basieren, zeigen ihn mit mit einem langen und relativ schmalen Schädel, und einer langen Schnauze, mit einer deutlichen Einkerbung an der Spitze. Zudem hatte Spinosaurus auch einen kleinen Knochenbuckel auf der Stirn vor den Augen, was in älteren Darstellungen auch nicht berücksichtigt wurde (und woraus in JP3 zwei Buckel gemacht wurden).Auch die Hände werden nun in aller Regel so gezeigt, wie sie bei seinen Verwandten aussahen, nämlich mit einer übergroßen kräftigen Daumenklaue.

Was praktisch immer noch unverändert geblieben ist, ist das große Segel das auf dem Rücken trohnt. Diese Darstellung ist so weit verbreitet und so allgemein akzeptiert, dass es beinahe ketzerisch anmutet, wenn man davon ausgeht, dass Spinosaurus überhaupt kein Segel hatte.

Die Frage ist nun natürlich, warum Spinosaurus kein Segel gehabt haben soll. Um das zu beantworten, muss man erst einmal etwas mehr auf die Anatomie des Spinosaurus eingehen. Die Rückenwirbel des Spinosaurus besaßen wie jene praktisch aller anderer Wirbeltiere nach oben weißende Dornfortsätze. Allerdings waren diese teilweise ganz enorm verlängert, und dürften bei den größten Exemplaren teilweise über zwei Meter lang gewesen sein. Diese extrem verlängerten Dornfortsätze führten zu der Annahme, dass sie ein dünnes Segel bildeten. Hier muss man nun eigentlich auch fragen, warum Spinosaurus überhaupt ein Segel gehabt haben soll. Sind derartig verlängerte Wirbelausläufer tatsächlich ein Beweis dafür, dass ein Tier eine Art Rückensegel besaß? Der Grund warum bei Spinosaurus (und anderen) allgemein davon ausgegangen wird, dass er ein Segel hatte, geht vor allem auf hausgemachte Vorurteile zurück. Spinosaurus war ein Reptil, und daher hatten die Leute die ihn untersuchten wohl eher die mit allerlei schuppigen Hautlappen, Stachelschuppen und in einigen ganz wenigen Fällen auch mit Rückenkämmen ausgestatteten Echsen im Hinterkopf, als sie ihn rekonstruieren wollten. Daher mußten diese seltsamen Wirbel ganz einfach Haut aufgespannt, und einen archaisch bizarren Rückenschmuck gebildet haben, etwas anderes wäre bei einem Reptil ganz undenkbar…

Bevor ich genauer auf die eigentlichen Rückenwirbel eingehe, möchte ich noch etwas über die verschiedenen Schlussfolgerungen schreiben, die von dieser Segelvorstellung ausgingen. Eine weit verbreitete Vorstellung geht davon aus, dass der Spinosaurus dieses Segel benutzte, um seine Körperoberfläche zu vergrößern, damit er sich in der Sonne schneller aufwärmte. Diese Idee geht von einigen falschen Grundlagen aus. Zum einen ist es inzwischen ziemlich gesichert, dass Dinosaurier mehr oder weniger warmblütig gewesen sind, und daher von externen Wärmequellen relativ unabhängig waren. Zum anderen war Spinosaurus ein wirklich gewaltiges Tier, das wahrscheinlich ein Gewicht von über neun Tonnen erreichte. Für ein Wesen dieser Größe ist es schlicht unmöglich sich alleine durch Sonnenwärme aufzuwärmen, da die Körperoberfläche (selbst wenn sie durch ein Segel vergrößert wäre) im Vergleich zur Körpermasse viel zu gering wäre. Schon unter den heutigen Reptilien benötigen die größten unter ihnen teilweise stundenlange Sonnenbäder um auf eine entsprechende Körpertemperatur zu kommen. Genau genommen gibt es bei sehr großen Tieren in der Regel kaum Probleme mit Unterkühlung, die durch Stoffwechselprozesse im Körper gebildete Wärme kann durch die verhältnissmäßig geringe Körperoberfläche nur geringfügig verloren gehen. Daher ist nicht Unterkühlung, sondern Überhitzung ein Problem. Elefanten etwa haben darum riesige, gut durchblutete Ohren, über die sie überschüssige Wärme an die Umgebung abgeben können. Insofern hätte ein Segel wenn überhaupt als Wärmeableiter einen Sinn gehabt. Da Spinosaurus aber in einer Landschaft lebte, in der es viel Wasser gab, hätte er sich auch ganz einfach abkühlen können, indem er bei zu großer Hitze ab und zu mal ein Bad nahm. Außerdem hatten andere große Theropoden wie Giganotosaurus oder auch T-rex kein solches “Luxusorgan” und hatten daher allem Anschein nach andere Möglichkeiten, einer Überhitzung entgegen zu wirken. Ob sich daher wirklich ein so aufwendiges Organ entwickelte um eine thermoregulierende Rolle zu spielen, obwohl es sicherlich auch wenige aufwändige Alternativen gab, ist also eher fraglich.

Eine andere, ebenfalls weit verbreitete Vorstellung ist jene, dass ein solches Rückensegel eine Rolle in der innerartlichen Kommunikation gespielt hat, und vielleicht etwa bei den Männchen zur gegenseitigen Einschüchterung diente. Um das genauer sagen zu können, bräuchte man eigentlich genauere Informationen, etwa ob alle Spinosaurier solche langen Wirbelausläufer hatten, oder womöglich nur Männchen. Bisher ist aber noch keine ohne bekannt. Zudem erscheint es nicht allzu plausibel dass ein großer Fleischfresser ein derartig großes und in physiologischen Sinne teuer erkauftes Merkmal auszubilden.

Unabhängig der verschiedenen Spekulationen über den Sinn eines solchen Segels, wurde es auch des öfteren als Argument herangezogen, um zu zeigen dass Spinosaurus ein Aasfresser gewesen sein soll, da es viel zu verletztlich gewesen sein soll, als das er damit auf die Jagd gegangen sein kann. Zudem wurden die geraden Zähne als Indiz dafür gesehen, dass er das Fleisch verwesender Kadaver fraß. Die Vorstellung eines jagdunfähigen neun Tonnen schweren Kolosses, der durch die Gegend stampft und nach verfaulten Fleisch sucht, ist zugegebenerweise ziemlich absurd. Kein Ökosystem kann ständig derartige Massen an frei zugänglichen Kadavern liefern, um eine ganze Population solcher Monster zu ernähren. Inzwischen geht man aufgrund von Vergleichen mit verwandten Arten wie Baryonyx oder Suchomimus eher davon aus, dass Spinosauriden eine gewisse Spezialisierung auf den Fang großer Fische zeigten, die sie zusammen mit den kräftigen Daumenkrallen und den langen schmallen Schnauzen, und den geraden krokodilähnlichen Zähnen erbeuteten. Im Gegensatz zu verwandten Arten wie Suchomimus waren die Zähne allerdings weniger zahlreich und die Kiefer stärker, was wohl auf eine etwas ausgewogenere Nahrung hindeutet, die öfters auch Landtiere miteinschloss. Seltsamerweise wurde dies teilweise als Argument für eine Aasfresserlebensweise benutzt.

Aber zurück zu dem Rücken. Spinosaurus wird oft in einem Atemzug mit dem permischen Reptil Dimetrodon und manchmal auch Edaphosaurus genannt, und behauptet, dass es sich bei ihren Wirbelausläufern um parallele Entwicklungen handelte. Betrachtet man aber einmal die Dornfortsätze von diesen Tieren genauer, so fällt auf, dass sie gänzlich anders sind als die von Spinosaurus. Das einzige was gleich ist, ist dass es sich um Dornfortsätze der Rückenwirbel handelt, und dass diese ziemlich lang sind. Allerdings sind sie bei Dimetrodon und Edaphosaurus ziemlich dünn, und im Querschnitt beinahe kreisrund, bei Edaphosaurus weise sie sogar noch in Reihen angeordnete seitliche Ausläufer. Bei diesen Tieren ist es durchaus gut möglich dass zwischen diesen runden Ausläufern Haut gespannt war, die womöglich bei einer schnelleren Erhöhung der Körpertemperatur diente. Bei der doch relativ geringen Größe dieser höchstwahrscheinlich noch wechselwarmen Tiere hätte ein solches Segel einen deutlichen Vorteil erbracht, wenn es darum ging morgens vermehrt Wärme aufzutanken, und so den Tag länger aktiv nutzen zu können. Aber auch für diese allgemein geäußerte These gibt es an sich keine echten Beweise, vielleicht spielten die Segel bei diesen Tieren eine Rolle im Sozialverhalten, oder hatten sogar noch andere Funktionen. 

Bei diesem Dimetrodon-Skelett aus der Schausammlung des Paläontologischen Instituts in Tübingen sieht man sehr gut, dass die Dornfortsätze von Dimetrodon ausgesprochen dünn, und von beinahe rundem Querschnitt waren, ganz anders als jene von Spinosaurus.

Dimetrodon-Skelett

 Die Dornfortsätze bei Spinosaurus sahen dagegen ganz anders aus. Genau genommen waren sie beinahe identisch mit ganz normalen Dornfortsätzen, nur dass sie eben deutlich länger, und oben etwas verbreitert waren. Im Gegensatz zu Dimetrodons Dornfortsätzen waren sie nicht rund im Querschnitt, sondern seitlich abgeflacht, und viel länger als breit, und an der Vorder-und Hinterkante etwas verdickt. Normalerweise dienen solche Dornfortsätze als Ansatzstellen für Muskeln. Zum einen spannen sich zwischen ihnen Muskeln, welche die Wirbelsäule kräftigen, zum anderen dienen sie seitlichen Muskeln als Halt. Betrachtet man die Dornfortsätze von Spinosaurus einmal ganz unvoreingenommen und versucht die ganzen mehr oder weniger liebgewonnenen Bilder eines Rückensegels aus dem Kopf zu verbannen, so gibt es eigentlich keine Indikation dafür, dass sich über sie nur Haut spannte. Wenn die Dornfortsätze einfach nur sehr lang waren, ist es an sich naheliegend dass auch die an ihnen ansetzenden Muskeln ensprechend weit nach oben reichten. Das ist nun auch keineswegs reine Spekulation, denn ganz ähnliche Dornfortsätze sind von anderen Tieren gut gekannt.

Unter den Rindern gibt es einige große Arten welche einen sehr stark ausgebildeten Rückenbuckel besitzen, insbesondere Bisons und Wisente, aber auch die asiatischen Gaur haben einen solchen. Dabei handelt es sich um Rückenmuskeln, die an den stark verlängerten Dornfortsätzen der Wirbelkörper sitzen. Der Schulterhücker der Zebus dagegen hat keine knöcherne Stütze und besteht ausschließlich aus dem stark vergrößerten Musculus rhomboideus. Bei dem ausgestorbenen Riesenbison Bison antiquus erreichten diese Ausläufer der Wirbel sogar Proportionen, die durchaus mit denen von Spinosaurus vergleichbar sind. Allerdings käme wohl kein Mensch darauf, dass diese ausgestorbenen Rinde eine Art Rücksegel besaßen, sondern dass der schon bei ihren noch lebenden Verwandten vorhandene Schulter-oder Rückenbuckel einfach in ganz extremer Weise ausgeprägt war. In ihren Proportionen sind sich die Dornfortsätze von Spinosaurus und “buckeligen” Huftieren äußerst ähnlich, und es scheint sehr wahrscheinlich dass auch Spinosaurus keine nur von Haut bedeckten Knochen auf dem Rücken hatte, sondern dass auch bei ihm die Rückenmuskulatur bis an die Spitzen der Dornfortsätze reichten. Wieviel Muskelmasse dann tatsächlich über diesen Knochen gewesen wäre, ist allerdings schwer zu sagen. Betrachtet man etwa heutige Bisons oder Gaur, so fällt auf dass ihr Buckel eigentlich gar nicht einmal besonders breit ist, und nach oben hin immer schmaler wird. Man dürfte sich einen Spinosaurus mit einem muskelbedeckten “Segel” also nicht als eine Art prähistorische Glöckner von Notre-Damme vorstellen, sondern eher dahingehen, dass sein Rücken nach ober gehend im Querschnitt wie ein umgedrehtes schmales V ausgesehen hat.

 Bei diesem Skelett einer ausgestorbenen Wisentart, welches ich im Naturhistorischen Museum Wien aufgenommen habe, sieht man sehr gut die massive Verlängerung der Dornfortsätze. Diese Dornfortsätze sind nicht wie bei Dimetrodon dünn und mit runden Querschnitt, sondern deutlich länger als breit, und obendrein an der Spitze breiter als an der Basis, so dass die Muskeln des Rückens einen guten Ansatz finden.

Wisen-Skelett

Auf diesem, leider nicht allzu gut gewordenen Bild zweier Bisons aus dem Schönbrunner Zoo sieht man den Rückenbuckel am lebenden Tier. Durch das dicke Fell sieht er voluminöser aus als er eigentlich ist, aber bei dem Bison auf der linken Seite, sieht man ganz gut, dass es sich hierbei nicht um einen massiven “Quasimodo-Buckel” handelt, sondern dass er verhältnissmäßig schmal ist, und über den Schulter im Questschnitt wie ein stumpfes Dreieck ausläuft.

Bisons

Wenn aber Spinosaurus nun tatsächliche eine Art Büffelrücken hatte, wozu brauchte er ihn dann? Zugegebenerweise habe ich darauf auch noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden, aber das waren die Erklärungsversuche für ein Segel auch nicht. Falls Spinosaurus tatsächlich in Sumpfgebieten lebte, und in gebückter Haltung nach großen Fischen jagte, wäre ein solcher Rücken möglicherweise wie eine Art Stütze denkbar. Es wurde auch schon vermutet, dass sie eine Art Fetthöcker stützten, aber das ist wenig wahrscheinlich. Die einzigen lebenden Tiere mit Fetthöckern sind Dromedare und Kamele, wobei bei diesen die Höcker keinerlei Stütze durch die Wirbelsäule haben, während sich bei den buckeltragenden Rinderarten eigentlich keine größeren Fettansammlungen an diesen Stellen befinden. Um Fett zu tragen, benötigt es keiner besonderen Knochen um es zu stützen, bei Muskeln dagegen schon. Auch bei dem Riesenhirsch Megaloceros wurde schon spekuliert seine verlängerten Dornfortsätze an der Schulter hätten einen Fetthöcker getragen, viel wahrscheinlicher ist aber dass die an ihm sitzenden Muskel und Bänder ähnlich wie bei Elchen und anderen Tiere mit schweren Köpfen oder Hälsen als zusätzliche Stütze dienten.

Neben Spinosaurus gab es auch andere ausgestorbene Reptilien welche anatomisch ähnliche verlängerte Dornfortsätze hatten, etwa sein etwas kleinerer Verwandter Suchomimus, bei dem sie allerdings noch deutlich kürzer waren. Auch Ouranosaurus, ein Ornithopode, hatte sehr stark verlängerte Dornfortsätze, die allgemein als Segel gedeutet werden, aber wohl auch eher wie bei Büffeln als Muskelansätze gedient haben, zumal sie wie bei ihnen ihr Zentrum über den Vorderbeinen hatten. Ouranosaurus hatte zudem noch waagrecht verlaufende verknöcherte Sehnen auf den Dornfortsätzen, was allein schon zeigt, dass er kein dünnes Segel gehabt haben kann, sondern einen zumindest einigermaßen dicken Rückenkamm, vergleichbar einem Riesenbison. Daneben gab es auch den relativ kleinen Archosaurier Arizonasaurus, dessen Rückenkamm sein Zentrum ähnlich wie Spinosaurus weiter hinten hatte.

Nach ausgiebiger Betrachtung dieses Themas, insbesondere nach dem Vergleich mit den anatomischen Begebenheiten anderer Tiere, kann ich ehrlich gesagt nicht mehr glauben, dass Spinosaurus und Arten mit vergleichbaren Dornfortsätzen an den Wirbeln tatsächlich häutige Segel besaßen. In der Paläontologie ist leider ziemlich viel auf Mutmaßungen und Spekulationen basierend, weshalb viele ausgestorbene Tiere im Laufe der Zeit ihr Aussehen in Büchern auch stark verändert haben. Vielfach wurden auch Dinge rekonstruiert, ohne wirklich genau nachgeprüft zu haben, ob es überhaupt realistisch ist. Darum sehen wir immer noch in manchen Büchern aufrecht laufende Tyrannosaurier, die sich auf ihrem Schwanz aufzstützen, oder Sauropoden die ihren Hals in Schwanenmanier verkrümmen. Leider ist es manchmal ziemlich schwierig neue Vorstellungen anzunehmen, und alte abzugeben, weshalb sich neue Ideen oft nur sehr langsam einigermaßen etablieren können. Über Jahrzehnte ging man einfach mal davon aus dass die Ausläufer an den Wirbeln des Spinosaurus ein Segel gespannt haben müssen, und debatierte erhitzt über den Zweck eines solchen Segels. Bis sich aber tatsächlich jemand einmal fragte, ob ein solches Tier nun überhaupt zwingend ein Segel gehabt haben muss (oder kann), ist ziemlich viel Zeit vergangen.

Quellen:

Jack Bowman Bailey

Neural spine elongation in dinosaurs; sailbacks or buffalo-backs?

Western Illinois University, Department of Geology, Macomb, IL, United States

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34 Antworten auf Hatte Spinosaurus wirklich ein Segel auf dem Rücken?

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  2. Dromeus (Marcel) sagt:

    Hallo,
    interessanterweise vermutete Oliver Rauhut auch schon einmal, dass das Typmaterial von Spinosaurus eine Chimäre war und die langen Dornfortsätze vielleicht von einem Allosauroiden stammen. Leider weiss ich nichts näheres darüber, die Theorie ist aber sicherlich nicht uninteressant. Ob Rauhut allerdings die Spinosaurus Wirbel mit denen anderer Theropoden verglichen hat weiss ich allerdings auch nicht. Wenn seine Theorie stimmt, dann wäre Acrocanthosaurus wohl der beste Vergleich: Seine Dornfortsätze sind “recht” lang und er ist mit den Allosauroiden verwandt, die gleichzeitig mit Spinosaurus lebten.

    Liebe Grüße

    Marcel

  3. Cronos sagt:

    Das ist nun allerdings die Frage. Wenn man bedenkt dass nahe Verwandte des Spinosaurus (etwa Suchomimus) auch schon ziemlich stark verlängerte Dornfortsätze der Wirbelsäule besaßen, ist es an sich durchaus nicht unlogisch, dass auch Spinosaurus selbst welche besaß. Hier wäre es interessant zu wissen ob die Chimären-Hypothese vor oder nach der Entdeckung von Suchomimus entspanden ist.

  4. Kouprey sagt:

    Eine weitere moegliche Erklaerung fuer die Option “Buckel” bei Spinosaurus u. Co. liefert der erwaehnte Vergleich mit Bison, Wisent und v.a. Gaur: die Verwendung als ein die Balz unterstuetzendes Koerperattribut, das das Maennchen groesser und imposanter erscheinen laesst. Beim Paarungsvorspiel des Gaurs mit seitlicher Imponierhaltung wird dies recht schoen deutlich. Dementsprechend koennte ein “Quasimodobuckel” in aehnlicher Weise Spinosauriern bei der Partnerwahl zweckdienlich gewesen sein.

  5. Cronos sagt:

    Das wäre auch eine Möglichkeit, allerdings scheint sie mir für einen Fleischfresser irgendwie eher unwahrscheinlich.

  6. Kouprey sagt:

    Nicht unbedingt; Imponierverhalten, bei dem die Koerperbreitseite dem potentiellen Kontrahenten bzw. Geschlechtspartner praesentiert wird (wobei diese durchs “Aufblaehen” noch weiter vergroessert wird und in manchen Arten in ihrer Wirkung durch diverse Koerperanhaengsel verstaerkt wird) findet sich heutzutage z.B. auch bei verschiedensten Reptilienarten, darunter manch ein Nicht-Herbivore (Chamäleons etwa). Gerade bei so riesigen Fleischfressern wie Spinosaurus mit einem Arsenal an “Waffen”, Koerperkraft und wahrscheinlich auch Aggressivitaet waere ein derart augenfaelliges, plakatives Merkmal durchaus von Nutzen in der Partnerwahl gewesen.

  7. Cronos sagt:

    Das stimmt schon, aber die Fähigkeit durch Aufblähen oder durch bloße Hautanhängsel größer zu erscheinen, ist für den Körper eine relativ geringfügige Investition, massiv verlängerte Knochen und mehrere hundert Kilogramm ansetzende Muskelmasse benötigen aber schon eine ganze Menge zusätzliche Energie, weshalb ich da immer noch gewisse Bedenken habe. Ich möchte diese Möglichkeit nicht vollkommen ausschließen, glaube aber immer noch eher, dass die verlängerten Dornfortsätze mit der ansetzenden Muskulatur einen eher aktiven Zweck erfüllten.

  8. Kouprey sagt:

    Wenn es um die schönste Nebensache der Welt geht und die sexuelle Selektion dank kritischer Weibchen und deren Verständnis von Attraktivität gelenkt wird, kann man auch bei noch heute lebenden Tieren manch eine “Energieverschwendung” beobachten: sei es z.B. eher hinderliches Prachtgefieder bei Paradiesvögeln oder Argusfasan, aufwändige Balzspiele (Pipras, Laubenvögel, Leierschwanz uvm.) oder pure Masse & groteskes Aussehen (z.B. Seeelefanten). Diese “Energieverschwendung” wird als Zeichen für das Weibchen gedeutet, dass der Verschwender “fit” und gesund genug ist, sich dies zu leisten-und dementsprechend auch “fitte” Nachkommen zeugen kann. Das könnte für Spinosaurus ebenso gegolten haben.

    In diesen Zusammenhang sei auch auf eine weitere interessante Art hingewiesen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Arizonasaurus
    Wie könnte hier eine Rückenmuskulatur einen aktiven Zweck erfüllen?

  9. Cronos sagt:

    Naja, nun ist es aber so dass es bei Spinosauriden bisher keinen Hinweis darauf gibt, dass verlängerte Wirbelausläufer geschlechtsspezifisch sind. Zudem handelt es sich im Fall von Paradiesvögeln oder Fasanen ja auch nicht um Raubtiere, sondern vor allem um Tiere, welche von pflanzlicher Kost und Kleintieren leben, und im Falle der Paradiesvögel auch kaum natürliche Feinde zu fürchten haben. Ich denke es kommt nicht von ungefähr, dass größere Raubtiere kaum aufwendige Körperzierden entwickelten.
    Den Arizonasaurus wollte ich übrigens demnächst auch einmal abhandeln. Ich habe erst letztes Wochenende im Museum am Löwentor eine sehr schöne Rekonstruktion dieses Tiere zu sehen. Was mich dabei besonders gefreut hat, war die Tatsache, dass der Rücken dieses Tieres nicht von einem Segel geziert wurde, sonder hier tatsächlich Muskulatur auf die Wirbelausläufer modelliert wurde. Im Falle des Arizonasaurus ist es allerdings in der Tat schwer zu sagen, warum er diese verlängerten Ausläufer hatte. Eine mögliche Vermutung wäre, dass sie irgend eine Stützfunktion beim Laufen ausübten, denn diese Tiere konnten sich mit größter Wahrscheinlichkeit auch über kurze Strecken zweibeinig fortbewegen.

  10. Kouprey sagt:

    Die Geschlechterdifferenzierung per se ist bei Spinosauridae allein aufgrund der nur fragmentären Funde idT bislang so gut wie nicht möglich; diese Option aber deswegen grundsätzlich zu negieren, halte ich allerdings für übereilt. Auch Spinosaurus sp. dürfte erwachsen kaum natürliche Feinde gehabt haben-und auch ein heutiger Großräuber wie Panthera leo leistet sich den “Luxus” eines deutlichen sexuellen Dimorphismus (wobei die Mähne in Hinblick auf den Energieaufwand & ihre Wirkung im Thermoregulationsgeschehen-s. Tsavo-Löwen-Untersuchung in NG bzgl. dieses Aspektes-nicht als im Vergleich zum Enegrieaufwand für vergrößerte Proc. spinosi zu bagatelisieren ist; auch sie erfordert “Energie” zum Aufbau & Erhaltung).
    Die Theorie bzgl. wechselnder Zwei-bzw. Vierbeinigkeit von Arizonasaurus u.a. könnte ggf. auch auf Spinosaurus mit seinen vergleichsweise langen Vorderläufen verwendet werden.

  11. Kouprey sagt:

    Des weiteren sei in Hinblick auf heutige Großraubtiere & “Luxus” des Dimorphismus auch auf genannte Seeelefanten verwiesen, die Du ja klammheimlich unterschlagen hast;).
    Zwar wird deren Masse u.a. durch die aquatische Lebensweise “gefördert”; nichtsdestotrotz sind auch hier die “verschwenderisch üppigen” Körperattribute der Männchen dieser Großraubtiere(!) im Vergleich zu den Weibchen augenscheinlich. Vielleicht war Spinosaurs sp. auch ein “Verschwender” im Sinne der “Liebe”;)-das werden zukünftige Funde ggf. zeigen…

  12. Kouprey sagt:

    Ferner sei noch darauf hingewiesen, dass Gaure-und auch genannten Reptilien ala Chamäleons-derlei “Breitseite zeigen” nicht nur zur Balz verwenden; auch interspezifisch wird dieses Verhalten zum Einschüchtern von potentiellen Prädatoren verwendet. Vielleicht machten sich die ohnehin schon gewaltigen Spinosaurier sich so noch “größer”, um kleinere Raubtiere vom Riß zu vertreiben. (eine beliebte “Trex-Aasfresser”-These ala Jack Horner ;)

  13. Cronos sagt:

    Hallo Kouprey. Um ehrlich zu sein habe ich auch keine wirklich plausible Lösung für die verlängerten Wirbel zu bieten, mir ging es ja eigentlich eher darum, dass es sich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht um ein Hautsegel, sondern einen Muskelbuckel handelte. Die von dir gebrachten Einwände, welche eher für eine optische Vergrößerung zwecks Einschüchterung sprechen, sind durchaus nicht unberechtigt. Allerdings kann ich mich mit diesem Gedanken einfach nicht so ganz anfreunden. Es wäre diesbezüglich sehr interessant zu wissen, ob es ein geschlechtsspezifisches Merkmal gewesen ist, denn damit könnte man eine Menge Hypothesen ausschließen. Was mich an der Sache auch etwas irritiert, ist die Tatsache dass Spinosaurus das größte bisher bekannte Landraubtier ist. Eine optische Vergrößerung hätte er wohl nicht unbedingt nötig gehabt. Bei Löwen gibt es ja massive Differenzen bezüglich der Länge, Farbe und Ausprägung der Mähne, aber für die Wirbelausläufer gibt es dafür keinen Hinweis.
    Was ebenfalls interessant ist, ist die Tatsache dass vollkommen verschiedene Tiere (Spinosaurus, Ouranosaurus, Arizonasaurus um nur ein paar zu nennen) alle diese ähnlichen Wirbelausläufer entwickelten, aber das an unterschiedlichen Stellen der Wirbelsäule. Bei Ouranosaurus könnte es durchaus Parallelen zu Gaurn oder Bisons geben, denn bei ihnen war der Buckel eher im Schulterbereich. Mir kommt momentan eine wie auch immer geartete statisch unterstützende Funktion immer noch am wahrscheinlichsten vor. Interessanterweise haben eine ganze Reihe von Tieren sehr stark verlängerte Wirbelsäulenausläufer, und zwar an allen möglichen Stellen. Bei Batrachotomus etwa waren sie am Schwanzansatz ziemlich lang, und vielleicht halfen sie den Körper bei kurzen Sprints auf den Hinterbeinen aufrecht zu halten.
    Was ich beim Vergleich von Theropoden und Rindern interessant finde, ist die Tatsache dass verlängerte Wirbelfortsätze manchmal vorkommen, und manchmal nicht. Gaur und Bison, und vor allem Bison antiquus haben massiv verlängerte Dornfortsätze, aber normale Hausrinder, bzw Auerochen oder auch Kaffernbüffel haben das nicht. Ähnlich verhält es sich ja auch bei den Spinosauriden, von denen ja auch nicht alle verlängerte Wirbelfortsätze haben. Das führt auch zu einer weiteren Frage: Kann man mit absoluter Sicherheit sagen, warum Ein Bison antiquus einen Riesenbuckel hatte, und ein gleich großer Auerochse nicht? Hier scheint zumindest eine Analogie mit Ouranosaurus berechtigt, denn dessen Verwandte hatten auch keine Rückenbuckel. Insofern halte ich deine Vermutung dass diese Rückenzierden primär eine innerartliche Rolle spielten, ohne direkten Einfluss auf die sonstigen Lebensbereiche zu nehmen, durchaus für nicht unwahrscheinlich. Weißt du zufällig in wie weit sich dir Wirbelausläufer bei männlichen und weiblichen Bisons oder Gaurn unterscheiden?

  14. Kouprey sagt:

    Gute Frage bzgl. der Proc. spinosi von Gaur/Bison; soweit ich weiß, sind bei den männlichen Tieren diese deutlich länger. Lass uns beide mal unabhängig voneinander beim nächsten Besuch einer naturwissenschaftlichen/anatomischen Sammlung gezielt darauf achten ;).
    Dementsprechend wäre, sollte ähnliches für Spinosauridae gelten, ein mächtiger “Muskelbuckel” vielleicht auch ein visuelles Erkennungsmerkmal-”Aha, das da hinten muss ein Männchen sein”.
    Was die Größe angeht: nach den bisherigen Schätzungen(!) soll Spinosaurus der bislang größte Raubsaurier gewesen sein. Bedenke aber auch, dass ähnlich riesige Theropoden wie Carcharodontosaurus saharicus die Gegend zur etwa gleichen Zeit unsicher machten. Vielleicht konnte ein Attribut wie ein mächtiger Muskelbuckel noch mehr “Eindruck” schinden und den Träger noch imposanter und unantastbarer erscheinen lassen…frei nach dem Motto: “Uh, mit dem großen Kerl mit dem dicken Stiernacken legen wir uns besser nicht an”.

  15. milchbubi sagt:

    also schwach fand ich den jurrasic park 3 nicht aber jeder das seine
    sonst super text

  16. Cronos sagt:

    Jurassic Parc 3 war derartig voll von Logikfehlern wie ich es selten einmal bei einem Film erlebt habe, auch ansonsten fand ich dass er nicht unbedingt an die ersten zwei Teile anknüpfen kann. Freut mich aber dass dir der Artikel gefällt.

  17. Yoult sagt:

    Bezüglich des Buckels von Ouranosaurus und Spinosaurus, die ja defintiv keine Segel waren, mal eine Theorie:

    Das Afrika des Cenoman war doch ein großer Kontinent, der offensichtlich nur teilweise von einem Flachmeer geteilt wurde. Es ist naheliegend dass dort kontinentales Klima herrschte. Also wäre anzunehmen, dass in den Gebieten in denen diese Dinosaurier lebten semi-arides Klima herrschte, jahreszeitenbedingt.
    Für die Vorfahren des Ouranosaurus, also basalen Iduanodonten, war klar dass sich ihre Körper auf weitstreckige anpassen mussten. Konvergent zu den heutigen Kamelen, Büffeln usw. bildeten sich verlängerte Rückenwirbelfortsätze, die gewaltige Vorratsspeicher tragen konnten, die in der nicht-ariden Zeit angefressen wurden. So ausgestattet konnten diese Dinosaurier lange Strecken ohne Nahrung und Wasser durchstehen, die zusätzlich große Körperoberfläche konnte desweiteren zur Abkühlung des Körpers dienen (wie ja gerne vom Hautsegel behauptet wird).
    Auf Spinosaurus ist das nicht 1:1 anwendbar. Jedoch scheint dieser Theropode an aquatische Lebensräume, bedingt durch seine Hauptbeute, gebunden zu sein. Auch er konnte nicht ganzjährig am gleichen Platz leben, da entweder seine Jagdgründe austrockneten, seine Beutetiere nur saisonal dort zu finden waren oder beides. Auch hier machte es Sinn sich einen möglichst üppigen Buckel anzufressen, dessen Muskeln beim Fischfang möglicherweise sogar noch Vorteile brachte.
    Somit könnte der Buckel des Spinosaurus multifunktional gewesen sein:
    1. Vorratsspeicher für lange Wanderungen
    2. unterstützend beim Fischfang
    3. Thermoregulierung
    4. Inner- & außerartliche Interaktion (Drohen, Balzen usw.)
    Warum dann aber andere Dinosaurier der gleichen Zeit und Gegend diesen Vorteil nicht nutzten, lässt sich eigentlich auch erklären. Giganotosaurus war nicht annähernd so wassergebunden wie der Spinosaurus und konnte somit sicher auch gut im ariden Klima überleben, zudem ist diese Art in etwa dieser Zeitepoche langsam ausgestorben. Die afrikanischen Sauropoden scheinen ohnehin an migratorisches verhalten angepasst zu sein, die bei Ouranosaurus genannten Vorteile scheinen sie schon besessen zu haben.
    Diese Überlegung legt m.E. auch nahe, warum Suchomimus bereits einen Ansatz von Buckel hatte, schließlich lebte er unmittelbar vor Spinosaurus und musste sich bereits an dieses Klima anpassen.
    Was denkt ihr von dieser Überlegung? War das Klima damals wirklich so? Andernfalls lässt es sich leider nicht halten.

  18. Yoult sagt:

    Gemeint war natürlich Carcharodontosaurus und nicht Giganotosaurus :) Die Namen bring ich immer durcheinander.

  19. huggeriin sagt:

    Gudde zusammen, mit interesse habe ich euren diskurs gelesen leider mu? ich ein paar kritikpunkte formaler natur anmerken. Nicht jedem der sich f?r praehistorisch fauna (vorgeschichtliche tiere) interessiert sind alle, meist aus dem lateinisch/griechischen stammende, fachbegriffe gelaeufig.Desgleichen gild f?r die Vielfalt der Spezies.Daher w?rde ich es begr??en wenn hinter denn latein./griech.begriffen in klammern eine deutsche ?bersetzung stehen w?rde. Dies gild nicht nur f?r die Spezifizierungen der Arten sondern auch f?r die der Habitat (lebensraum) zustands beschreibungen.Zudem waere es ausgesprochen hilfreich abbildungen, wenigstens der Fossilien vorzufinden. So lie?en sich vergleiche besser nach vollziehen. Beispielsweise ist leider keine abbildung eines Spinosaurus zu finden.Desweiteren fand ich den diskurs ?beraus aufschlu? reich.Mfg K. Huggeriin

  20. Markus Bühler sagt:

    Viele ausgestorbene Arten haben lediglich einen lateinischen Namen, und keinen Trivialnamen. Ich habe leider kein Photo eines Spinosaurusskelettes, aber dafür beinhaltet der Artikel doch einige andere Photos, auch von Fossilien.

  21. Ron-O-Saur sagt:

    Andere Säugetiere die solche Verlängerungen an den Wirbeln haben sind Wildschweine, auch das Wollnashorn verfügte über diese Auswüchse.
    Alles Tiere die mit dem Kopf aufwärtsgewandte Schaufelbewegungen ausführen,
    um Schnee oder Schlamm wegzuschieben.
    Auch die Verwandten von S. zierten sie,
    sie waren nicht so schwer wie S. selbst
    und dieses Merkmal war dann weniger stark ausgeprägt.
    Nun schaufelte S. sicherlich keinen Schnee,
    aber auch er musste eine Bewegung in dieser Richtung
    ausführen um seine zappelnde Beute aus dem Wasser zu hieven.
    Bei Säugern die über diesen Knochenkamm verfügen befindet er sich auf Schulterhöhe, flacht nach hinten ab.
    Da sich S. aber nicht wie diese auf den Vorder- sondern auf den Hinterbeinen abstützt ist dieser dementsprechend dorthin verlagert worden.
    Die Fische die er verzehrte sollen über 1t gewogen haben können, das wäre also in etwa so als
    würde ein menschlicher Fischer mit einer
    zappelnden 10kg-Beute ringen
    -vorrausgesetzt man würde S. auf
    menschliche Proportionen verkleinern.
    Was aber nicht so einfach geht,
    denn die Kraft steigt ja nicht proportional zum Gewicht,
    verdoppelt sich die Grösse, vervierfacht sich die Kraft,
    verachtfacht sich das Gewicht, so in etwa.
    Die Belastungen für S.’s Nacken müssen enorm gewesen sein.
    Daher benötigt er einen Hals wie ein Bison
    ( wenn auch mit harmonischerem Ansatz, viellicht etwa wie bei einem Piranha, jetzt nur die obere Hälfte im Profil ).
    Und Greifklauen noch dazu.
    Kleinere Verwandte kamen bei gleicher Ernährungsweise
    mit einem kleineren Kamm aus,
    da die Belastungen im Verglich geringer sind.

    Die Renn-S. bei Terra-X neulich mit Knochenkamm gefielen mir übrigens garnicht.
    S. war der Kran unter den Dino-Kranichen,
    Meister seiner Disziplin.

  22. Ron-O-Saur sagt:

    Ich hatte gestern mal einen Beitrag geschrieben,
    der wurde ein paar Stunden später gelöscht.
    Ich stelle ihn einfach noch mal rein :
    —————————————————–
    Andere Säugetiere die solche Verlängerungen an den Wirbeln haben sind Wildschweine,
    auch das Wollnashorn verfügte über diese Auswüchse.
    Alles Tiere die mit dem Kopf aufwärtsgewandte Schaufelbewegungen ausführen,
    um Schnee oder Schlamm wegzuschieben.
    Auch die Verwandten von S. zierten sie,
    sie waren nicht so schwer wie S. selbst
    und dieses Merkmal war dann weniger stark ausgeprägt.
    Nun schaufelte S. sicherlich keinen Schnee,
    aber auch er musste eine Bewegung in dieser Richtung
    ausführen um seine zappelnde Beute aus dem Wasser zu hieven.
    Bei Säugern die über diesen Knochenkamm verfügen befindet er sich auf Schulterhöhe,
    flacht nach hinten ab.
    Da sich S. aber nicht wie diese auf den Vorder- sondern auf den Hinterbeinen abstützt
    ist dieser dementsprechend dorthin verlagert worden.
    Die Fische die er verzehrte sollen über 1t gewogen haben können, das wäre also in etwa so als
    würde ein menschlicher Fischer mit einer zappelnden 10kg-Beute
    ringen-vorrausgesetzt man würde S. auf
    menschliche Proportionen verkleinern.
    Was aber nicht so einfach geht,
    denn die Kraft steigt ja nicht proportional zum Gewicht,
    verdoppelt sich die Grösse, vervierfacht sich die Kraft,
    verachtfacht sich das Gewicht, so in etwa.
    Die Belastungen für S.’s Nacken müssen enorm gewesen sein.
    Daher benötigt er einen Hals wie ein Bison
    ( wenn auch mit harmonischerem Ansatz, viellicht etwa wie bei einem Piranha, jetzt nur die obere Hälfte im Profil ).
    Und Greifklauen noch dazu.
    Kleinere Verwandte kamen bei gleicher Ernährungsweise
    mit einem kleineren Kamm aus, da die Belastungen im Verglich geringer sind.

    Die Renn-S. bei Terra-X neulich mit Knochenkamm gefielen mir übrigens garnicht.
    S. war der Kran unter den Dino-Kranichen,
    Meister seiner Disziplin.
    ——————————————————-
    Ich ergänze noch mal : bei den Dornfortsätzen wird es sich wohl um den Widerrist handeln.
    Alle möglichen Tiere bei denen der Nacken stärkeren Belastungen
    durch Vor-oder Aufwärtsbewegungen ausgesetzt ist haben sowas.
    Bei Vierbeinern sitzt er zwischen den Schultern.
    Bei Zweibeinern muss er dann auch die Hüfte umranden,
    sonst wäre es ja so als ob zB eine Giraffe den
    Widerrist in der Mitte des Halses hätte,
    die würde dann bloss umkippen.
    Ein heutiges Tier das von den Proportionen
    gewisse Ähnlichkeit mit S. hat wäre : der Elch.
    Zum Vergleich :

    http://blog.burpee.org/wp-content/uploads/2009/05/moose-300×224.jpg

    http://www.myjurassicpark.com/spino.skeleton.jpg

    Würde man die Dornfortsätze eines Elches bis zum Becken
    weiterführen würde das in etwa so aussehen wie beim S..
    Dieser wiegt nun etwa so viel wie 10 grosse Elche.
    Wenn ein Mensch da mithalten wollte müsste er etwa
    5 mal so gross sein.
    Dann wäre er 125 mal so schwer,
    aber vorraussichtlich, nach Milchmädchenart,
    nur etwa 25 mal so stark.
    Wenn ein 9t S. einen 1,5t Fisch aud dem Wasser holt,
    dann müsste es daher von den Belastungen so sein
    als würde ein Mensch einen 50kg Fisch rausziehen.
    Daher ist der schlanke und relativ langhalsige S.
    mit dieser Aufhängung gut beraten.
    Wenn er sich aufrichtet und etwa so wie ein Seepferdchen einkrümmt,
    dann würde die Beute in Reichweite der Krallen kommen.
    Danach könnte sie in Verschlingposition gedreht werden,
    oder grösserer Beute könnte an Land gebracht werden.
    Fast immer der gleiche Bewegungsablauf,
    andere Beute als Fische am ehesten wenn sie den Fluss überqueren will.

    So könnte das zusammenpassen.

  23. Markus Bühler sagt:

    Also ich habe nichts gelöscht, deine beiden Kommentare haben beide ganz normal in der Moderation gewartet.
    Ich glaube bei der Kraft hast du etwas falsch verstanden. So einfach läßt sich das nicht ausrechnen, und da spielen eine ganze Reihe mehr Komponenten mit. Es stimmt zwar schon dass sich bei doppelter Länge das Gewicht verachtfacht (vorausgesetzt dass die Proportionen gleich bleiben), da ja die Masse mit der dritten Potenz zunimmt. Aber warum soll die Kraft nur mit der zweiten zunehmen?

  24. Ron-O-Saur sagt:

    Sorry für Doppelposting.
    Erst konnte ich es sehen, später dann nicht mehr…
    wird wohl an meinem Browser liegen.

    Doch, die Kraft nimmt nicht proportional zur Masse zu.
    Sonst wären Elefanten ja bessere Kletterer als Ameisen,
    da sie proportional mehr Muskelmasse haben.
    O.k., sie haben auch nicht die Anatomie dafür,
    aber wenn sie die hätten würde es ihnen auch nichts nützen, sie sind halt zu schwer.
    Die Muskeln ziehen sich ja nicht in allen 3 Dimensionen zusammen, in 2 werden sie breiter, in einer kürzer.
    Geht sicher genauer, aber das Prinzip stimmt.

    Ouranosaurus würde ich auch Muskeln verpassen,
    ein grosses Tier im Sumpfgebiet mit blanker Wirbelsäule
    würde einfach am nächsten Ast hängen bleiben.
    Mit Muskeln könnte er eine Art Bohrmaschine gewesen sein,
    die den Kopf in den Schlamm schiebt im nach Keimlingen zu suchen.
    So eine Art Schwein mit Tiefenwirkung.

  25. Markus Bühler sagt:

    Dass kleine Tiere proportional stärker sein können als große ist mir schon klar. Es kommt ja auch nicht von Ungefähr dass beim Gewichtheben die kleineren Sportler proportional mehr Gewicht stemmen können als die größeren. Aber deine Rechnung stimmt einfach nicht ganz. Ameisen mit Elefanten kann man da auch überhaupt gar nicht vergleichen, da diese in so ziemlich jeder Hinsicht verschieden sind, schon allein weil Ameisen ein Exoskelett haben. Man darf auch nicht vergessen dass gerade bei sehr kleinen Tiere die Naturgesetze ganz andere Auswirkungen haben, etwa die Oberflächenspannung von Wasser, oder auch der Luftwiderstand.
    Wenn ein Lebewesen größer wird, ist ja nicht alleine nur die Muskelansatzfläche größer, die Muskeln sind auch länger, und können sich daher auch stärker verkürzen. Dieser “Gewinn” multipliziert sich zusätzlich noch mit der Ansatzfläche, außerdem spielen da noch zusätzliche Faktoren eine Rolle, etwa die Länge von Hebelarmen. Daher ist die Annahme dass die Kraft bei zunehmender Größe nur mit dem Quadrat zumimmt auch nicht richtig.

  26. Ron-O-Saur sagt:

    Also o.k., meine Erklärung war etwas konfus.
    Wenn ein Tier doppelt so gross gemacht wird,
    dann wird es achtmal so schwer,
    aber die Wege sind nun alle doppelt so lang, die Hebel ungünstiger, daher wird zur Strafe 1D abgezogen, Kraftgewin daher nur in 2D.
    Ist wie gesagt eine Milchmädchenrechnung,
    aber man kann auch nicht ausser Acht lassen das es in die Richtung geht.
    Das Exoskelett ist zum Unterbringen von Muskelmasse weniger geeignet, daher haben ja die grösseren Tiere Endoskelette.
    Und Menschen und Spinosaurier haben beide Endoskelette.

    Würde mitlerweile übrigens beim Spinosaurus( und nur bei dem ) den oberen Teil der Fortsätze herausragen lassen und dann an den Seiten das elastische Bindegewebe, das normalerweise oben drüber laufen sollte, anbringen.
    Die Form ist doch etwas ungewöhnlich.

  27. Markus Bühler sagt:

    Dein Rechnungsansatz ist zugegebenerweise schon etwas – nun – ungenau. So einfach funktioniert das nicht. Man kann nicht einfach “1D” abziehen. Und warum werden die Hebel zwangsläufiger ungünstiger? Gerade ein langer Hebel kann sehr praktisch sein.

  28. Ron-O-Saur sagt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hebel_%28Physik%29

    Lange Hebel sind auch praktisch, aber nicht für Spino, sondern für den Fisch.
    Nimm einen Fisch, hebe ihn hoch und dann strecke den Arm…
    der Fisch zieht dir dafür 1D ab.

  29. Markus Bühler sagt:

    Das mit dem 1D abziehen funktioniert so einfach nicht, das ist alles viel komplexer. Was du hier auch vergisst ist die Tatsache dass auch die Muskeln an einem längeren Arm einen größeren Hebel haben.

  30. Markus Bühler sagt:

    Ich frage mich immer noch wie du darauf kommst dass man bei zunehmender Größe eine komplette Dimension der Kraftzunahme abziehen kann. Ich bestreite keineswegs dass einige Parameter aus physikalischen Gründen bei zunehmender Größe zu einer proportional geringeren Stärke führen, aber sicherlich nicht in dem Ausmaß. Du vergisst auch dass bei längeren Armen auch die Muskelansätze einen längeren Hebel bekommen, zum Beispiel im Bereich der Ellenbeuge.

  31. Benedikt sagt:

    Nun ja, die Kraft ist proportional zum Muskelquerschnitt, nicht zur Muskellänge, obwohl letztere (und andere Faktoren) sicher auch eine Rolle spielen. Und der Querschnitt wächst in der zweiten Potenz, nicht in der dritten.
    Auch mit dem Hebelarm hat Ronosaurier im Prinzip recht – durch den längeren Hebel wirkt die Kraft, die ein langes Körperglied belastet, stärker (z. B. ein am langen Arm ghaltenes Gewicht oder ein von langen Beine getragener Körper) während der Muskel, der naturgemäß dicht am Gelenk ansetzt, diesen Hebelarm nicht in dem Maße zur Verfügung hat. Dies ist auch erwiesermaßen der Grund, warum kleinere Kraftsportler proportional größere Gewicht bewältigen (jedenfalls habe ich mal so etwas gelesen).

    Aber zurück zum eigentlichen Thema dieses Artikels, dem Rückenkamm. Mir ist noch ein weiteres Argument für deine These vom muskulösen Widerist bzw. gegen die These vom Sonnensegel eingefallen. Wie stichhaltig es ist, weiß ich nicht, ich bibn kein Biologe, aber ich wollte es zumindest mal erwähnen.
    Wenn man sich einmal das Skelett des Suchomimus anschaut (z. B. das linke Foto auf seiner englischen Wikipedia-Seite http://en.wikipedia.org/wiki/Suchomimus), dann fällt auf, daß er ebenfalls stark verlängerte Dornforsätze besitzt,jedoch bei weitem nicht so lang wie bei Spinosaurus. Suchomimus gilt als eng verwandt mit Spinosaurus, und zwar nicht nur wegen des Rückenkamms, sondern vor allem wegen des Schädels (eine Ähnlichkeit, die auch dem Laien ohne weiteres auffällt). Man darf also annehmen, daß sich auch die Weichteilanatomie des Rückenkamms bei beiden in etwa entsprochen hat. Bei Suchomimus sind die Dornfortsätze kürzer und vor allem noch deutlich breiter als bei Spinosaurus. Ihr Aussehen läßt sofort an einen Muskelkamm denken, auf ein Hautsegel würde niemand kommen, der diese Idee nicht vom Spinosauraus her überträgt. Die knöchernen “Stützen” würden fast genausoviel Fläche ein nehmen wie die dazwischen aufgespannten Hautpartien. Auch sind die verlängerten Dornfortsätze bei Suchomimus ganz deutlich über der Hüfte am stärksten ausgeprägt, wo man es für einen Muskelkamm bei einem zweibeinigen Saurier auch erwarten würde.

  32. Benedikt sagt:

    Ups, sehe gerade, daß Du Suchomius oben schon erwähnt hast – sorry, mein Fehler. Es ist schon eine Weile her, daß ich deinen Artikel gelesen hatte. Auf Suchomimus war ich heute zufällig gestoßen, und hatte gleich die oben erwähnte Idee…

  33. Darüber hab ich noch nie so wirklich nachgedacht, aber wenn man sich deinen Artikel so durchliest gibt das durchaus Sinn.

    Der Artikel hat mich zu folgender Zeichnung eines Bisons inspiriert: http://zaubererbruderasp.deviantart.com/art/All-Yesterdays-American-Bison-415594900

  34. Markus Bühler sagt:

    Ich gehe nicht so weit zu behaupten dass es definitiv so gewesen ist. Ich halte es nur aus den schon genannten Gründen für wahrscheinlicher dass Spinosauriden und einige andere prähistorischen Reptilien mit stark verlängerten Wirbelsäulenfortsätzen kein ausschließlich von Haut überzogenes “Segel” hatten.

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