Der Riesenwels Pangasianodon sanitwongsei

In den letzten Jahren wurde sogenannter „Pangasius“ immer beliebter als Speisefisch, und ist inzwischen vielfach sogar zum festen Inventar der Tiefkühlfischtheken vieler Supermärkte geworden. Wie aber so ein Fisch, der primär für seine schmackhaften und obendrein auch noch grätenlosen Filets bekannt ist, im Lebendzustand aussieht, wissen wohl nur die wenigsten. Auch täuscht die Größe der Filets stark darüber hinweg, dass diese Tiere sehr erhebliche Größe erreichen können. Was uns üblicherweise als „Pangasius“ verkauft wird, sind üblicherweise junge Exemplare von Pangasianodon hypophthalmus aus asiatischer Aquakultur. Da die Fische besonders für die Supermarktketten genormte Filetgrößen aufweisen müssen, werden sie schon sehr früh geschlachtet. In freier Natur lebende Exemplare können aber zuweilen durchaus Längen um 1,5 m erreichen, womit sie unter Süßwasserfischen schon in den oberen Ligen angesiedelt sind. Dem Pangasius sehr ähnlich, aber noch deutlich größer werdend, ist der gewaltige Pangasianodon sanitwongsei. Dieses Photo stammt aus dem Aquarium des Zoologischen Gartens Berlin, wo einige Exemplare zu sehen sind:

pangasianodon-sanitwongsei

Leider ist die Qualität der Photos nicht allzu gut, was nicht nur an der Scheibe lag, sondern auch daran, dass es nicht so einfach war, so einen großen Fisch immer ganz aufs Bild zu bekommen. Das größte Exemplar im Berliner Aquarium bringt es auf etwa 1,5 m.

pangasianodon-sanitwongsei-berlin

Diese Tiere lebend aus allernächster Nähe einmal zu sehen, ist wirklich beeindruckend. Dabei waren diese Exemplare sogar noch ein gutes Stück von der möglichen Endlänge dieser Art entfernt. Der nahe mit ihm verwandte Mekong-Riesenwels oder Pa beuk ( Pangasianodon gigas ) ist relativ bekannt, vor allem seit vor einigen Jahren ein Rekordexemplar von 2,7 m Länge und 293 kg gefangen wurde, einer der allergrößten jemals nachgewiesenen Süßwasserfische überhaupt. Sowohl der Mekong-Riesenwels als auch Pangasianodon sanitwongsei sind beide massiv überfischt, so dass nur noch ganz selten wirklich riesige Exemplare gefangen werden. Es scheint aber, dass Pangasianodon sanitwongsei einstmals ähnliche Größen erreichte wie Pangasianodon gigas. In Anbetracht des gewaltigen Exemplares in Berlin erscheint dies auch keineswegs unglaubhaft.

Die Mitglieder der Gattung Pangasianodon sind keine wirklichen Raubfische, auch wenn vor allem große Exemplare auch mal andere Fische fressen. Das macht sie auch gerade für Aquakulturen sehr interessant, da sie sich auch mit pflanzlichen Produkten mästen lassen. Der Kopf ist ausgesprochen massiv und verfügt über ein sehr breites Maul. Der kompakte Körper, die großen Flossen, der silbirge Körper und die für Welsverhältnisse völlig unterentwickelten Barteln führen dazu, dass sie oberflächlich durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit Haien haben, weshalb sie besonders in der Aquaristik auch vielfach als „Haiwelse“ gehandelt werden. Eine Folge davon war ja auch dann der noch immer kursierende Internet-Hoax über einen angeblichen Menschen fressenden Riesenwels, der in einem asiatischen Wasserreservoir gefangen wurde. Tatsächlich handelte es sich dabei (wie ja schon in einem früheren Blogeintrag geschrieben) um einen jungen Walhai, und selbstverständlich hatte der weder Menschen gefressen, noch wurde er im Süßwasser gefangen, die ganze Geschichte wurde einfach um ein paar Photos eines ganz normal im Meer gefangenen Riesenhaies herumgesponnen. Zugegebenweise haben große Pangasianodon-Arten tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit Walhaien, aber dennoch ist es erschreckend mit was für einer Ignoranz viele Leute an die Geschichte glauben, selbst wenn ihnen Vergleichsbilder mit Walhaien gezeigt wurden.

Im Archiv des Naturkunde-Museums Berlin hatte ich auch die Gelegenheit einmal den präparierten Schädel eines solchen Riesenwels zu sehen:

pangasianodon-sanitwongsei-2

Leider ist kein geeigneter Größenvergleich vorhanden, aber der Schädel gehörte zweifellos einem Exemplar, das noch ein gutes Stück größer war als der größte Wels im Berliner Aquarium. Für einen Fischschädel ist der Kopf außerdem extrem massiv und kompakt gebaut.

pangasianodon-sanitwongsei-3

Wenn man also das nächste Mal einen Pangasius auf dem Teller hat, kann man sich ja noch mal vor Augen führen, um was für einen außerordentlichen Fisch mit noch außerordentlicherer Verwandtschaft es sich handelt.

Dieser Beitrag wurde unter Fische veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Der Riesenwels Pangasianodon sanitwongsei

  1. Martin sagt:

    Ich muss gestehen, dass ich erst seit sehr kurzer Zeit weiß, was ein Pangasius ist … obwohl ich immer schon nachschauen wollte, was ich da eigentlich esse.

    Als ich es dann getan habe, war ich ziemlich erstaunt. Früher habe ich in Aquariengeschäften sogenannte Haiwelse gesehen, da die aber für mein Aquarium nicht geeignet waren, habe ich mich auch nie weiter damit beschäftigt. Keine Ahnung, ob die heutzutage noch angeboten werden, ich hoffe aber nicht, Haiwelse werde alle sehr groß.

    Seit dem ich aber weiß, was ich da esse, sehe ich mir die Welse in den großen Aquarien immer besonders gerne an (obwohl ich schon immer ein großer Welsfan war)

    LG
    Martin

  2. Cronos sagt:

    Ab und zu bekommt man „Haiwelse“ immer noch im Aquarienhandel, wobei damit teilweise auch deutlich kleiner bleibenden Arten bezeichnet werden. Ich war allerdings auch äußerst überrascht, als ich letztes Jahr in einem der Teiche des Botanischen Gartens Tübingen neben den mir vertrauten Schwertträgern und Guppys auf einmal einen ziemlich großen Schatten am Boden des Teiches ausmachte. Das ist vor allem insofern erstaunlich, als dass ich diesen Gewächshausteich schon seit über 15 Jahren kenne, und mir dieser Fisch noch nie aufgefallen ist. Er war sicher einen guten halben Meter lang, und von der Form her ein typischer Pangasianodon, was mir dann auch von einem dort langjährig angestellten Gärtner bestätigt wurde, der mir sagte dass der „Haiwels“ dort schon seit zig Jahren in dem Teich lebt.

  3. Genesis sagt:

    Eine kleine Korrektur. Die beiden Pangasianodonarten (gigas und hypophthalamus) sind wirklich friedliche Giganten, die sich von pflanzlichem Material ernähren. Der oben abgebildete Pangasius sanitwongsei ist aber ein Raubfisch. (Quelle: http://www.worldwildlife.org/what/wherewework/mekong/WWFBinaryitem17481.pdf)

    Hier ist das Tier mal beim Fressen zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=0cwQ3XoGds8&feature=related

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.