Bild des Tages: Torfrind-Skelett

Ich betone ja immer wieder dass nicht nur Wildtiere, sondern auch Haustiere ziemlich interessant sein können, da unter teils gezielter, teils ungezielter Selektion unter dem Einfluss des Menschen teilweise sehr ungewöhnliche anatomische oder auch verhaltensspezifische Merkmale entstanden sind. Interessanterweise unterscheiden sich teilweise gerade besonders frühe Haustierformen in manchen Merkmalen besonders drastisch von ihren Stammformen, zumindest in Bezug auf die Körpergröße. So waren die von der Jungsteinzeitn bis zur Eisenzeit in Mitteleuropa gehaltenen Hausrinder teilweise geradezu winzig. Ein besonders extremes Beispiel ist dieses „Torfrind“ welches im Museum am Löwentor in Stuttgart ausgestellt ist:

Leider fehlt hier ein geeigneter Größenvergleich, aber dieses Rind, genaugenommen war es eine Kuh, war nicht sehr viel höher als ein Bernhardiner, wenngleich zu Lebzeiten sicherlich deutlich schwerer. Ursprünglich war noch viel mehr erhalten, denn dieses Rind wurde 1868 teilweise mummifiziert im Steinhauser Ried bei Schussenried entdeckt. Allerdings schrumpfte das noch vorhandene Weichgewebe sehr schnell ein nachdem es getrocknet war, weshalb es entfernt wurde, so dass heute davon lediglich noch die Rippenknorpel erhalten sind. Heutzutage würde man natürlich versuchen eine solche Mumie so weit wie möglich im Originalzustand zu erhalten, aber die Zeiten waren damals einfach anders, zahlreiche teilweise perfekt erhaltene Tiermumien aus Mooren wurden früher überhaupt nicht aufgehoben.

In ihrer Größe und allgemeinem Aussehen dürften diese winzigen Torfrinder wohl den heutigen Dahomey-Rindern geähnelt haben, welche aus dem afrikanischen Benin stammen. Kühe haben eine Schulterhöhe von gerade einmal 80-90 cm, Stiere etwa 90-105 cm. Diese Dahomey-Kühe habe ich im Zoo Hellabrunn in München photographiert:

Das Dahomey-Zwergrind entstand aufgrund einer natürlichen Selektion auf sehr kargen Weideflächen in tropischen Regionen, in denen sie unter anderem zahlreichen Parasiten und Krankheiten ausgesetzt waren. Diese Umstände führten auch dazu dass Dahomey-Rinder besonders resistent gegen zahlreiche Tropenkrankheiten sind, und auch noch in Gebieten gehalten werden können in denen die Haltung anderer Rinder gar nicht mehr möglich ist. Wahrscheinlich führte auch bei den ohnehin schon kleinen Rindern Mitteleuropas die Haltung auf besonders kargen Weideflächen zur Entwicklung besonders kleiner und robuster Rassen. Ähnliche Verzwergungen von Haustieren durch natürliche Selektion kennt man auch von anderen Arten, etwa auch von Pferden oder Schweinen.

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2 Kommentare zu Bild des Tages: Torfrind-Skelett

  1. Genesis sagt:

    Täuscht die Perspektive, oder ist der Schädel in der Frontansicht völlig asymetrisch? Die linke Seite wirkt, als habe das Tier eine mit dem Vorschlaghammer abbekommen. Weiß man, ob das zu Lebzeiten geschah oder erst nach dem Tod des Tieres/ der Restaurierung?

  2. Markus Bühler sagt:

    In Mooren werden Knochen durch den niedrigen pH-wert entkalkt und daher ziemlich weich und teilweise auch stark deformiert, vermutlich war das auch hier der Fall.

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