Bild des Tages: Schädel des Riesenbibers Castoroides ohioensis

Die bisher vorgestellten Schädel großer Nagetiere stammten alle von noch rezenten Arten, aber an dieser Stelle möchte ich auch noch eine -leider ausgestorbene – fossile Spezies vorstellen. Es handelt sich um Castoroides ohioensis, eine von mehreren Arten prähistorischer Riesenbiber. Die Größe von Casteroides wird oft als „so groß wie ein Schwarzbär“ angegeben. Dieser Vegleich ist allerdings aus mehreren Gründen problematisch, unter anderem deswegen weil Schwarzbären abhängig von Geschlecht, Alter, Ernährung und lokaler Rasse ganz erheblich in ihrer Größe schwanken, und zwar im Extremfall im Faktor eins zu zehn. Zudem war Castoroides allem Anschein nach auch weniger schwer als die in früherer Zeit verbreiteten Schätzungen von bis zu 220 kg. Die teilweise angegebenen Schätzungen von 60-100 kg kommen mir allerdings zumindest im unteren Bereich als zu wenig vor, vor allem wenn man bedenkt dass schon ein normaler Biber leicht Gewichte zwischen 20 und 30 kg erreicht. Insgesamt erreichten sie eine Länge bis zu 2,5 m, wobei der Schwanz, welcher übrigens im Gegensatz zu den heutigen Bibern nicht paddelförmig abgeplattet war, relativ lang gewesen ist. Hier sieht man einen Schädel von C. ohioensis aus dem Naturkunde-Museum Berlin:

Die Schneidezähne von waren nicht nur in der absoluten Dimensions, sondern auch proportional noch größer als die von lebenden Biber, auch war der Kopf proportional zum Körper größer. Einen Vergleich in der Größe der Schädel sieht man auf diesem Photo aus dem Naturkunde-Museum Karlsruhe:

Die Zähne waren auch nicht nur proportional länger, sondern auch breiter als bei modernen Bibern, und deuten darauf hin dass sie sich weniger von Weichhölzern und Rinde, sondern vor allem ähnlich wie Capybaras als Weidetiere ernährten. Es gibt aber Hinweise darauf dass sie durchaus auch Dämme oder zumindest „Biberburgen“ bauten.

Noch mal eine Ansicht welche schön die Zähne zeigt:

Anzumerken sei noch dass es sich sowohl bei Castoroides ohioensis, als auch der aus Florida bekannten verwandten Art Castoroides leiseyorum nicht um Biber im eigentlichen Sinne handelte, und sie sich außer in der Größe auch in vielen anderen Aspekten ihrer Anatomie und ihres Verhaltens unterschieden. Auch handelte es sich nicht wie gelegentlich fälschlich behauptet um die Vorfahren der heute lebenden nordamerikanischen Biber.

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5 Kommentare zu Bild des Tages: Schädel des Riesenbibers Castoroides ohioensis

  1. Allosaurus sagt:

    Hallo,

    da frage ich mich doch, ob die Gewichtsangaben für die ausgerotteten karibischen Riesenhutias von bis zu 200 kg realistisch sind. Weißt du vielleicht mehr dazu?

    LG

  2. Markus Bühler sagt:

    Leider gibt es über diese nur ziemlich wenige Informationen, und ich glaube die bekannten Reste sind auch nur recht fragmentarisch. Auf welche Weise und anhand welcher Knochen das Gewicht berechnet (oder nur geschätzt?) wurde, weiß ich allerdings auch nicht. Ich meine mich zu erinnern dass es eine ganze Reihe verschiedener Großnager auf den westindischen Inseln gegeben hat, die sich teilweise auch deutlich in ihrer Größe unterschieden.

  3. Sven sagt:

    Bis wann gab es denn das ganze Viehzeug?

  4. Allosaurus sagt:

    Nicht zu vergessen, es gab in Europa einst ähnlich große Biber der Gattung Trogontherium, für dessen Verschwinden möglicherweise ebenfalls ein gewisser haarloser Primat verantwortlich sein könnte. Trogontherium cuvieri gab es bis zum mittleren Pleistozaen, die beiden Castoroides-Arten meines Wissens bis zum Ende des Pleistozaens.

    LG

  5. Markus Bühler sagt:

    Ja, neben den durchaus relativ bekannten nordamerikanischen Riesen-„Bibern“ gab es auch in Europa und Nordasien ähnliche Arten. Ich wollte eigentlich auch noch etwas darauf eingehen, aber das war mir dann irgendwie zu viel.

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