Bild des Tages: Die Killerkrallen der Seriemas

Ein Seriema, genaugenommen ein Rotfuß-Seriema (Cariama cristata ) ist ja schon mal als Bild des Tages gepostet worden, damals handelte es sich um ein Exemplar aus dem Zoo Schönbrunn nahe Wien. Ich möchte hier jetzt auch gar nicht näher auf die Stammesgeschichte und verwandtschaftlichen Beziehungen (nur für alle die es nicht wissen, Seriemas sind vermutlich die nächsten lebenden Verwandten der räuberischen Phorusrhaciden) eingehen. Diese neuen Bilder stammen übrigens aus dem Zoologischen Garten Berlin:seriema-kopf

Dieses Mal möchte ich aber etwas näher auf ein besonderes anatomisches Detail eingehen, nämlich die Zehenkrallen der Seriemas. Diese Vögel leben ja ganz ähnlich wie Sekretäre vorwiegend in offenen Landschaften, und gehen zu Fuß auf Jagd nach kleinen Echsen, Schlangen, Nagern und größeren Insekten, manchmal auch kleinen Vögeln. Zwischen dem Sekretär und dem Seriema bestehen eine ganze Reihe sehr interessante Parallelen von Körperbau und Verhalten, etwa auffällige Federn am Kopf. Was mir aber erst auffiel, als ich einen Seriema aus nächster Nähe durch das Gitter seiner Voliere beobachten konnte, sind die ungewöhnlichen Zehen. Während der Sekretär mit allen seinen Zehen auftritt, inklusive der bei ihm für einen Greifvogel extrem verkürzten hinteren Kralle, läuft der Seriema primär nur auf zwei, oder vielleicht besser ausgedrückt zweieinhalb Zehen.

Dabei ist weniger auffällig dass die hintere Kralle soweit oben angesetzt ist, dass sie den Boden nicht berührt, sondern dass der erste innere Zeh stark verkürzt ist. Und im Gegensatz zu den beiden anderen vorderen Zehen trägt er auch keine kurzen, stumpfen Krallen, die ständig am Boden abgeschliffen werden, sondern eine recht große gebogene Sichelkralle, die so nach oben gestellt ist, dass sie keinen Bodenkontakt hat.

 seriema-krallen

Diese Ausbildung der Zehen und Krallen erinnert verblüffend an jene bei den Dromeosauriern, zu deren berühmtesten Vertretern zweifellos der Velociraptor gehört (dank Jurassic Park wurde dieser Räuber, der ja gerade mal so groß war wie ein großer Truthahn, weltweit als brutale Killermaschiche bekannt). In den Krallenproportionen kommen die Krallen des Seriemas zwar nicht an jene der großen Dromeosaurier wie Deinonychus, Dromeosaurus oder gar des riesigen Utharaptor heran, sondern entspricht eher jener des kleinen Troodon, aber in jedem Fall ist sie bemerkenswert. Die Beweglichkeit der Kralle und vielleicht auch ihr Einsatz unterscheiden sich möglicherweise von jenen der erstgenannten großen Räuber, aber der nicht gerade waffenstarke Troodon könnte seine Krallen bei der Jagd auf Kleintiere durchaus ähnlich eingesetzt haben, wie die lebenden Seriemas. Wie genau diese das tun, weiß ich allerdings auch nicht, aber es wäre sich einmal interessant, das Jagdverhalten unter spezieller Berücksichtung der Sichelkrallen zu untersuchen.

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7 Kommentare zu Bild des Tages: Die Killerkrallen der Seriemas

  1. Allosaurus sagt:

    Hallo!

    Ja, Seriemas sind schon in einiger Hinsicht faszinierend, darunter natürlich auch wegen der Fußkrallen. Die Fußkralle kommt in der Größe im Vergleich zum Fuß wirklich der Größe der meisten Deinonychosaurier nahe, obwohl sie bei größeren Dromaeosauriden vergleichsweise größer ist. Die Fähigkeit die Kralle nach oben zu ziehen sowie eine (anfangs leicht) vergrößerte Kralle sind übrigens basale Merkmale der Gruppe Paraves, und diese sind auch noch bei basalen Avialen zu finden z.B. Archaeopteryx. Dass die taubengroßen, basalen Paraves ihre Krallen für Kleintierjagd verwendeten, kann ich mir zwar denken, aber ich bevorzuge es, sie als Anpassung an WAIR (wing assisted incline running) zu sehen, wobei das Tier die Kralle vielleicht wie Steigeisen benutzte um mit den Flügeln schlagend an einem Baumstamm senkrecht hochlaufen zu können.
    Daher interessieren mich die Krallen der Seriemas sehr, denn sie können einen hilfreichen Vergleich darstellen. Ich meine gelesen zu haben, dass diese ihre ebenfalls dazu verwenden, beim Erklettern von Bäumen zu helfen.

    Grüße,

    Daniel

  2. Cronos sagt:

    Darren Naish hat mir auch geschrieben, dass Seriemas allem Anschein nach ihre Krallen als Hilfe beim Klettern benutzen, und auch schon tatsächlich als Vergleiche zu Dromeosauriern herangezogen wurden. Allerdings ist allem Anschein nach nicht bekannt, ob sie irgend eine Funktion bei der Jagd besitzen.

  3. Sven sagt:

    Ich konnte im Vogelpark Kevelear erleben wie eine Seriema einen Maulwurf erbeutete und diesen dann erst versuchte totzutreten, eben mit der Kralle. Später hob sie ihn mit dem Schnabel auf und schleuderte ihn mit Wucht auf den Boden.

    Super interessante Vögel auf jeden Fall!

  4. Cronos sagt:

    Das ist wirklich eine hochinteressant Beobachtung Sven. Eigentlich sollte man wirklich mal eine solche Jagdszene mit Ratten oder Mäusen nachstellen und filmen (gut, aus Tierschutzgründen wäre das wohl nicht möglich), denn allem Anschein nach ist die genaue Jagd-und Tötungsweise der Seriemas extrem schlecht dokumentiert.

  5. Sven sagt:

    Hierzu noch ein Foto, kurz bevor sie das Schleudern begann:

    http://i473.photobucket.com/albums/rr97/Svenimal/keavelar/amerika/klserima.jpg

  6. Cronos sagt:

    Tolles Bild Sven! Ist der Maulwurf dann eigentlich auch gefressen wurden? Ich meine mich zu erinnern, dass Maulwürfe wegen ihres strengen Geruchs oder Geschmacks nur von sehr wenigen Beutegreifern auch tatsächlich gefressen werden.

  7. Sven sagt:

    Sie wollte ihn erst fressen, jedoch lenkte sie dann der Partner ab und sie lies ihn liegen.

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