Schwimmbeutler

Beuteltiere werden im Allgemeinen ausschließlich mit Australien assoziiert, dass es aber auch auf dem amerikanischen Doppelkontinent Beuteltiere gibt, ist nicht vielen bewußt. Abgesehen vom Opossum hat auch keine dieser Spezies aus dieser gar nicht mal so artenarmen Gruppe größere Bekanntheitsgrade erlangt. Eine in vieler Hinsicht besonders spektakuläre Art möchte ich nun hier kurz vorstellen, den in Mittel-und Südamerika beheimateten Schwimmbeutler  (Chironectes minimus). Das hier zu sehende Exemplar habe ich im Zoologischen Museum in Heidelberg (dessen Besuch ich wirklich sehr empfehlen kann) photographiert:

Schwimmbeutler sind im Gegensatz zu den meisten anderen Beutelratten, deren Größe meist zwischen jener von großen Mäusen und Ratten schwankt, relativ große Tiere. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von etwa 30-40 cm und eine Schwanzlänge bis etwa 40 cm, also durchaus im Größenbereich einer kleineren Hauskatze. Das Nordopossum  (Didelphis virginiana)und das Südopossum (Didelphis marsupialis) werden allerdings noch größer. Wie man auf dem Photo gut sieht, sind Schwimmbeutler gut an eine amphibische Lebensweise angepasst, mit gut ausgebildeten Schwimmhäuten und einem dicken Schwanz, der zum großen Teil mit Hornschuppen bedeckt ist. An den langen Fingern der Vorderpfoten sind allerdings keine Schwimmhäute ausgebildet. Sie finden ihre Nahrung auch primär im Wasser, nämlich Fische, Frösche, Krustentiere und Muscheln, allerdings fressen sie gelegentlich auch Wasserpflanzen und Früchte.  Über die Lebensweise dieser Tiere ist insgesamt nur recht wenig bekannt, was auch an ihrer eher versteckten Lebensweise liegen dürfte.

Die Beuteltiere haben im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte eine große Anzahl verschiedener Formen ausgebildet, von maulwurfsartigen bis säbelzahnkatzenähnlichen Linien, welche oft eine erstaunliche Konvergenz zu verschiedenen Plazentatieren aufweisen. Allerdings haben die Beuteltiere niemals den Formenreichtum der Placentatiere erreicht. Interessanterweise haben sich auch niemals wirklich aquatische Arten entwickelt (zumindest so weit man weiß). Dass mag zu einem Teil mit der besonderen Fortpflanzungweise der Beuteltiere liegen, welche einer vollaquatischen Lebensweise wie etwa bei Walen oder Seekühen im Wege steht. Rein theoretisch würde dies einer robben-oder zumindest fischotterartigen Lebensweise nicht im Wege stehen. Daher verwundert es schon etwas, dass die Schwimmbeutler der einzige wirklich amphibisch lebende Sproß der Beutelsäuger sind, obwohl prinzipiell alle Beuteltiere schwimmen können, teilweise sogar sehr gut.

Allerdings sind durchaus gewisse anatomische Adaptionen an eine wasserbewohnende Lebensweise bei einem Beuteltier nötig. Schwimmbeutler besitzen einen Beutel der wasser-und luftdicht verschließbar ist, so dass sie ihre Jungtiere mit auf die Nahrungssuche nehmen können. Junge Schwimmbeutler wachsen sehr schnell, und nach etwa 40 Tagen ragen die Füße der zwei bis fünf Jungtiere bereits mit den Füßen aus dem Beutel, sie bleiben aber immer noch an den Zitzen im Beutel hängen. Etwa eine Woche später lösen sie sich dann von den Zitzen, werden aber nach wie vor gestillt, und klammer sich dann außen an das Muttertier.

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4 Kommentare zu Schwimmbeutler

  1. Greenhorn sagt:

    Wenn ich mir da Fotos von lebenden Tieren ansehe ist dieses Exemplar aber schon arg ausgebleicht …

  2. Markus Bühler sagt:

    Ja, die meisten Exponate in der Sammlung des zoologischen Museums in Heidelberg stammen noch aus dem 19. Jahrhundert, insofern verwundert es nicht dass die Farben teilweise nicht mehr ganz denen von lebenden Tieren entsprechen.

  3. Greenhorn sagt:

    Die Haltung in voller Aktion ist aber recht modern. Insofern müsste dieses Exemplar ja in jüngerer Zeit mal nachbearbeitet worden sein, weil ich mir nicht vorstellen kann dass das Präparat in dieser Haltung – und auch in dieser „Lebendigkeit“ – aus 19. Jahrhundert stammt.
    Ist es eigentlich zulässig bzw. üblich, solche ausgebleichten oder verfärbten Exponate nochmal nachzufärben? Hier würde sich das doch direkt anbieten.

  4. Markus Bühler sagt:

    Ich denke ein nachträgliches Einfärben dürfte ziemlich schwierig sein, da ja alle Haare des Fells davon betroffen wären, auch die hellen Partien. Ich habe auch noch nie gehört dass man so etwas machen würde.

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