Paranogmius doederleini – ein unbekannter Riesenfisch aus der Bahariya-Formation Ägyptens

Die Bahariya-Formation Ägyptens ist vor allem durch einen ihrer einstmals größten und heutzutage wohl kontroversesten Bewohner bekannt, den riesigen und äußerst bizarren Spinosaurus. Dabei hatte dieses prähistorische Ökosystem eine ganze Menagerie von unglaublichen und vielfach nicht minder wunderlichen Arten zu bieten. Neben verschiedenen anderen großen bis sehr großen Arten, wie etwa gigantische Lungenfischen, Arapaima-großen Flösselhechten und gewaltigen Quastenflossern  lebten in den dortigen Gewässern auch Fische die keinerlei lebende Verwandte mehr haben. Etwa die Tselfatiiformes, eine einstmals außerordentlich erfolgreiche und vielgestaltige Ordnung innerhalb der Knochenfische.

Auch unter ihnen fanden sich einige Riesen, wie Paranogmius doederleini, dessen enorme Wirbel im frühen 20. Jahrhundert in der Bahariya-Formation gefunden wurden. Leider wurden aber keine weiteren Teile des Skeletts gefunden, und auch die von Ernst Stromer beschriebenen Wirbel sind mit vielen anderen der damals ausgegrabenen Fossilien während eines Bombenangriffs im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

Glücklicherweiswe hat man von der verwandten, und möglicherweise sogar mit Paranogmius identischen Art Concavotectum moroccensis einige sehr gut erhaltene Fossilien gefunden. Der außerordentlich komplett erhaltene Schädel zeigt auch gut die ungewöhnliche Kopfform dieser Fische. Joschua Knüppe hat basierend auf diesen Fossilien eine wunderbare Lebendrekonstruktionszeichnung von Paranogmius angefertigt.

 

 

Paranogmius doederleini

Paranogmius doederleini von Joschua Knüppe

Joschua hat ihn hier mit einer Länge von 3,5 m dargestellt, was der Größe von Concavotectum entspricht, wobei die von Ernst Stromer beschriebenen Wirbel sogar noch eher auf 4 m große Exemplare hindeuteten. Damit entsprachen diese Fische in ihrer Größe in etwa einem Roten Thun (Thunnus thynnus), einem der größten rezenten Knochenfische überhaupt.

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10 Kommentare zu Paranogmius doederleini – ein unbekannter Riesenfisch aus der Bahariya-Formation Ägyptens

  1. Dustin sagt:

    Zu welchem Taxon gehöhren die denn?
    Und was fraßen sie(Ich schätze mal kleine Fische)?

  2. Markus Bühler sagt:

    Leider habe ich keine Informationen über die vermutete Ernährung finden können. Ich denke allerdings auch eher das es sich hier nicht um „Großwildjäger“ handelte, sondern sie eher recht kleine Beutetiere fraßen. Was die Verwandtschaftsverhältnisse betrifft, verweise ich der Einfachheit einfach mal auf die Wikipedia-Seite über die Tselfatiiformes.

  3. Dustin sagt:

    Danke für die -leider spärliche- Information.

  4. Markus Bühler sagt:

    Ja, es ist wirlich schade dass es hier nur so wenige Informationen gibt. Das dürfte auch sicherlich daran liegen dass fossile Fische eben leider nicht einmal annäherungsweise die Aufmerksamkeit von Dinosauriern oder marinen Reptilien bekommen.

  5. Dustin sagt:

    Mir ging es genauso, bevor ich diesen Blog entdeckte.
    An Urzeitlichen Süsswasserfischen kannteich gerade mal Lepidotes, Hyneria und Onchopristis(eventuell auch Megapiranha, keine Ahnung wann ich den entdeckte), obwohl ein Rhizodus oder Bawitius extrem beeintruckend ist.

  6. Markus Bühler sagt:

    Über Megapiranha habe ich sogar vor einiger Zeit mal geschrieben. Es gibt noch eine ganze Reihe von fossilen Riesenfischen, über die ich hoffe irgendwann einmal schreiben zu können.

  7. Dustin sagt:

    Ja den artikel kennne ich, deswegen war ich mir nicht mehr sicher wann ich Megapiranha kennengelernt habe. Ich muss sagen ich mag die Idee vom Pacuähnlichen Megapiranha. Die Krönung der (Süsswasser-)Riesenfische dürfte wohl Rhizodus gewesen sein. Apropo Riesenfische, mir fallen, neben Megapiranha und eventuell Brachyplatystoma promagdalena, keine ausgestorbenen Riesenfische des Känozoikum ein, kennen sie welche?

  8. Cons sagt:

    Hallo!

    Neben deinen Beiträgen über wenig bekannte Tiere, ob fossil oder rezent, ist deine Spezialität allseits bekannte Tiere mit ihren wenig bekannten Seiten näher vorzustellen. Zum Thema dieses Beitrages ist mit eingefallen, ob du auch mal etwas über Stichlinge schreiben könntest. Sie kommen praktisch vom Süßwasser bis in Küstengewässer fast überall vor, was für sich eigentlich schon bemerkenswert ist, aber bei näherem Hinsehen fällt mir ihr urtümlich anmutendes Aussehen immer wieder auf.

  9. Markus Bühler sagt:

    Stichlinge sind auf jeden Fall sehe interessant, vor allem bezüglich ihrer Verwandschaftsbeziehungen und anatomischer Besonderheiten wie der Knochenpanzerung. Vielleicht komme ich ja irgendwann mal dazu darüber zu schreiben.

  10. Markus Bühler sagt:

    Es gibt an sich eine ganze Menge, etwa verwandte Arten der heutigen Arten von großen Süßwasserfischen, etwa Störe, große Welse oder Arapaimas. Leider sind diese Arten häufig so obskur dass man kaum etwas über sie herausfinden kann, da sie eben selten überhaupt irgendwelche Aufmerksamkeit bekommen. Leider führen dann solche Darstellungen sehr oft dazu dass Zuschauer glauben dass es tatsächlich so gewesen ist.

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