Naturerkundung auf Kreta Teil 2: Am Kournas-See

Panorama

Eines der schönsten Ausflugsziele auf meiner Kretareise war der Kournas-See in derNähe von Georgioupolis. Der See ist das einzige größere natürliche Gewässer der Insel, und malerisch direkt vor hochaufragenden Berghängen gelegen. Er erstreckt sich auf einer Länge von etwa 1,5 km und ist bis circa 45 m tief, an den meisten Stellen aber erheblich flacher. Leider führt kein Weg um den ganzen See, sondern nur vom natürlichen Abfluss im Norden bis zu seinem südwestlichen Bereich. Der Rest ist größtenteils von dichtem Gestrüpp bewachsen, und praktisch unpassierbar.

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Eines der ersten Tiere das ich am See gesehen habe war dieser Kreta-Wasserfrosch (Pelophylax cretensis):

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Leider blieb er auch so ziemlich der einzige Frosch den ich am ganzen See gesehen habe.

Wenn man direkt vom Abfluss des Sees aus nach Osten läuft, findet man mehrere kleine Tümpel, welche mehr oder weniger direkt mit dem See verbrunden sind.

Es lohnt sich sehr diese Tümpel einmal genauer anzuschauen, da sich in ihnen eine Reihe interessanter Tiere finden. So entdeckte ich beispielsweise ein paar kleinere Kaspische Bachschildkröten (Mauremys caspica) zwischen den Ästen versunkener Bäume. Allerdings waren diese sehr scheu, und es war auch sehr schwer von ihnen Photos zu machen.

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Ein Blick über einen der tümpelartigen Seeausläufer in Richtung des Abflusses nach Norden.

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Was speziell in diesen kleinen Tümpeln auffällt, ist die riesige Menge an kleinen Fischen. Es handelt sich dabei um Koboldkärpflingen (Gambusia affinis), eine Art welche eigentlich aus dem südlichen Bereich des nordamerikanischen Kontinents stammt, und nahe mit den bekannten Guppys verwandt ist. Zur Bekämpfung von Moskitolarven wurden diese Fische aber in vielen Teilen der Welt ausgesetzt, und sind daher nun auch in weiten Gebieten des Mittelmeerraumes zu finden, wobei ihre Fähigkeit sowohl in Süßwasser als auch in Brackwasser zu leben sicherlich dazu beigetragen hat, auch eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume zu besiedeln.

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Die kleinen Fische zu photographieren ist gar nicht so einfach, vor allem wegen der Lichtbrechung und der starken Sonneneinstrahlung.

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Wenn man genau hinschaut, sieht man teilweise außer den Koboldkärpflingen auch kleine durchsichtige Süßwassergarnelen.

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Um welche Garnelenart es sich hierbei handelt, kann ich aber leider nicht sagen.

Leider führt kein Weg zu den hinter dem See gelegenen Bergen.

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Hier einmal eine Sicht vom südlichsten Bereich des Sees den man noch erreichen kann. Man sieht im Hintergrund diverse Tavernen und Bootsverleihe. In diesem Bereich in welchem der See auch seine Quellen hat, ist er auch am tiefsten. Ich hatte leider keine Zeit auch noch eine Fahrt mit einem Tretboot zu machen, sonst hätte ich mir auch das Süd-und Westufer des Sees näher anschauen können.

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Neben einigen Bachschildkröten welche ich im dichten Gestrüpp nahe dem Ufer entdeckte, waren dies die ersten Exemplare von denen ich einigermaßer brauchbare Bilder machen konnte. Allerdings waren selbst diese Schildkröten extrem scheu, und sprangen von dem Ponton ins Wasser, obwohl ich mich noch in einer Entfernung von etwas 50 m befand.

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Während meines gesamten Urlaubes habe ich nach Gottesanbeterinnen Ausschau gehalten, aber leider konnte ich keine einzige entdeckten. Diese an einen Stein geklebt Oothek war der einzige Hinweis auf sie, den ich finden konnte.

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Vögel habe ich am See insgesamt nur recht wenige gesehen, insbesondere Wasservögel konnte ich fast keine entdecken, dafür aber immerhin einen wunderschönen Distelfink beim Trinken:

Distelfink

Neben den Koboldkärpflingen gibt es auch zahlreiche Goldfische im Kournas-See. Diese sind dort zweifellos schon vor längerer Zeit ausgesetzt worden, denn ihrer Anzahl und Größe nach haben sie sich dort inzwischen schon in mehreren Generationen vermehrt. Dabei fiel mir auch auf, dass unter den Goldfischen zahlreiche ungefärbte Exemplare waren. In der Goldfischzucht werden diese ausselektiert (was mich nicht davon abgehalten hat gerade einen wildfarbenen Shubukin für einen meiner Teiche zu kaufen), in der Natur ist aber tendenziell eher das Gegenteil der Fall. Auffallend war auch die Größe der Goldfische. Schon die auf dem Photo zu sehenden waren wohl schon etwa im 20-25 cm-Bereich, und deutlich größer als die meisten Teichgoldfische. Auch waren sie keineswegs verfettet, wie man das sonst oft sieht, sondern entsprachen in ihrer Körperform genau der Wildform, dem Giebel. Ich entdeckte dort auch den zweitgrößten Goldfisch den ich jemals gesehen habe, welcher eine Länge von etwa 35 cm hatte, und in seinen Dimensionen eher einem kleineren Kapfen entsprach. Der allergrößte den ich je gesehen habe schwimmt übrigens in einem der Teiche im Zoo Hellabrunn. Viele machen sich nicht bewusst, dass Goldfische durchaus das Potential haben erhebliche Größen zu erreichen. Dafür brauchen sie aber nicht nur einen entsprechenden Lebensraum, sondern auch Zeit, was ein Grund dafür ist, dass wirklich große Goldfische auch ziemlich teuer sind.

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Mit etwas Glück entdeckt man neben den schwer zu übersehenden Goldfischen auch dunkle Schlangen im oder am See. Hierbei handelt es sich um eine schwarze Form der Würfelnatter (Natrix tessellata). Diese sind für Menschen völlig ungefährlich und ernähren sich größtenteils von Fischen. Die über den Grund schwimmende Würfelnatter ist sehr schlecht zu sehen, daher habe ich sie einmal mit einem roten Kreis eingerahmt.

Würfelnatter

Auf meinem Rückweg zum Nordende des Sees entdeckte ich plötzlich im Gestüpp auf der Gegenseite eine Bewegung, die ich aber absolut nichts zuordnen konnte. Ich sah lediglich dass etwas orangenes ruckartig unter den Ästen zuckte. Ich stellte die Kamera auf maximale Vergrößerung und machte einfach mal auf Gutglück ein Bild. Erst am Abend konnte ich dann am Bildschirm des Laptop sehen, dass es sich um eine Würfelnatter gehandelt hat, welche einen Goldfisch gefangen und ans Ufer gezogen hat. Das hier zu sehende Photo ist nur ein Teilausschnitt des ursprünglichen Photos, entsprechend ist es leider etwas unscharf. Aber immerhin scheinen sich die eingeführten Goldfische, und vermutlich auch die Koboldkärpflinge, zumindest dahingehend positiv auszuwirken, als dass sie Beutetiere für die ansässigen Fischfresser sind.

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Im Kournas-See gibt es auch Süßwasserkrabben der Art Potamon potamios, welche teilweise auch im Uferbereich zu sehen sind. Leider konnte ich aber am See direkt keine einzige sehen, lediglich eine ihrer in den Uferschlamm gebauten Wohnhöhlen mit aufgeschichtem „Turm“.

Süßwasserkrabben-Burg

Erstaunlicherweise machte ich einige der schönsten Photos nicht am See selbst, sondern etwas entfernt auf dem Weg zurück Richtung Georgiopoulis an einer kleinen Brücke über einen schmalen Teil des Wassergrabens welcher vom See aus zum Meer fließt. Dort entdeckte ich insgesamt fünf Kaspische Bachschildkröten, welche im Gegensatz zu ihren Artgenossen am See alles andere als scheu waren, und sich von der Brücke aus sehr gut photographieren ließen.

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Eine der Schildkröten war noch sehr klein, mit einer Panzerlänge von weniger als 10 cm. Man sieht auch dass die am Hinterrand des Panzers gelegenen Zacken noch stärker ausgeprägt waren als bei dem erwachsenen Exemplar auf dem vorigen Photo.

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Bei einer der Schildkröten handelte es sich ganz offensichtlich um ein Männchen, welches ins offensichtlch amouröser Absicht ein Weibchen verfolgte. Unten links im Bild sieht man übrigens auch eine der in diesem Graben recht zahlreichen Meeräschen, welche von der Mündungs aus bis kurz vor den See geschwommen sind.

Bachschildkröten und Meeräsche

Zwischen den Schildkröten konnte ich auch die erste und einzige Süßwasserkrabbe entdeckten, aber leider war sie nur so kurz zu sehen, dass ich kein Photo von ihr machen konnte.

Auf der anderen Seit der Brücke entdeckte ich dann noch ein brütendes Teichhuhn.

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Als es nach einiger Zeit aufstand, konnte man auch sein  Gelege bewundern.

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Wer im Nordwesten Kretas Urlaub macht, dem sei unbedingt ein Ausflug zum Kournas-See empfohlen, denn er ist sicher einer der schönsten Orte auf der Insel.

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12 Kommentare zu Naturerkundung auf Kreta Teil 2: Am Kournas-See

  1. Hallo Markus, wunderbare Aufnahmen! Leider waren wir bei unserem Kreta-Aufenthalt nicht am Kournas-See, was ich nun sehr bedauere. Na, vielleicht beim nächsten Kreta-Urlaub!
    Gruß aus Berlin, Hans-Jörg

  2. C. Block sagt:

    Hallo!

    Wenn du dir einen wildfarbenen Shubunkin gekauft hast, interessieren dich vielleicht auch die so genannten Eisenfische (falls du sie nicht ohnehin schon kennst). Ein kurzer, aber informativer Artikel über diese Tiere ist hier zu finden: http://goldfische.verse.jp/frame.php?menu=P&content=jp_eisenfischD

  3. C. Block sagt:

    Hallo!

    Hast du den Artikel über die Eisenfische schon gelesen? Mich würde deine Meinung zu der Frage interessieren, ob diese Fische sich ohne direkten Eingriff des Menschen entwickelt haben könnten oder doch irgendwann einmal aus der Vermischung mit domestizierten Fischen enstanden. Ich persönlich finde die Ausprägung der Flossen sehr typisch für domestikationabedingt, aber ich lasse mich auch gern vom Gegenteil überzeugen.

  4. Markus Bühler sagt:

    Irgendwie finde ich den Artikel auf dem Link leider nicht.

  5. C. Block sagt:

    Hallo!

    Stimmt, der Link funktioniert nicht richtig. Aber so geht es: Anklicken, auf der Seite dann weiter auf „goldies in japan“ (direkt unter dem Banner). In der Auflistung findest du den Artikel unter „2) Eisenfische in Japan“.

  6. C. Block sagt:

    Konntest du den Artikel jetzt finden? Ich frage weil mich das wirklich interessiert.

  7. Markus Bühler sagt:

    Ja, habe ihn mir inzwischen angesehen. In Japan gibt es einige nahe mit dem Goldfisch, beziehungsweise dem Giebel verwandter Arten wie Carassius auratus grandoculis oder Carassius cuvieri. Leider findet man nur extrem wenige Informationen über diese Tiere. Rein prinzipiell kann die Mutation welche bei Goldfischen die Schleierflossen verursacht, auch bei anderen Arten vorkommen, etwa bei Kois, Kardinalfischen und selbst bei Antennenwelsen. Allerdings erscheint es eher unwahrscheinlich dass sich eine solche Mutation in freier Natur innerhalb einer Population tatsächlich durchsetzen könnte.

  8. C. Block sagt:

    Danke für deine Antwort!
    Wo wir gerade beim Thema sind: In der Dominikanischen Republik gibt es (oder gab es) verwilderte Schleierkampffische. Da sich die langen Flossen dominant vererben, sind die verwilderten Tiere dieses Merkmal noch nicht losgeworden. Ein Bekannter von mir sagte, diese Fische hätten das Wachstum der Flossen verlangsamt, so dass sie lange genug agil genug blieben, um sich fortpflanzen zu können. Setzt man sie in Aquarien, wachsen die Flossen mit der Zeit lang aus. Bilder dieser Tiere gibt es hier: http://www.ultimatebettas.com/index.php?showtopic=42901

  9. Markus Bühler sagt:

    Ja, wirklich interessant wie sich Zuchtformen teilweise auch in der Natur behaupten können. In der Regel setzen sich ja nach einigen Generationen eher wieder Phänotypen durch die der Wildform ähneln.

  10. Daniel sagt:

    Ich war gestern da. Einiges stimmt in deinem Text nicht. Man weiss nicht wie tief der See ist.Und es gab auch riesige Goldfische dort.Keiner der dortigen Fische war scheu.Die Fische haben sich nicht mal wegbewegt,als wir kamen

  11. Markus Bühler sagt:

    Die Tiefe des Sees wird an verschiedenen Stellen angegeben, eine Garantie kann ich dafür nicht geben. Ich verstehe auch nicht ganz was du damit meinst das „einiges“ im Text nicht stimmt.

  12. Christoph Schmidt sagt:

    Klasse Artikel! Ich sitze grade Kournas See und wollte mich mal zu den Tierarten belesen. Gerade die Fische interessierten mich. Die Libellen die einem beim Schwimmen direkt über den Kopf fliegen sind sehr prächtig. Später machen wir dann noch einen Tretbootausflug. Grade ist eine Biene auf meinem Handtuch gelandet… Na mal sehen was es hier noch so gibt 😉

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