Fossile Riesenfische Teil 3: Der Riesenquastenflosser Mawsonia

Quastenflosser sind definitiv unter den bekanntesten „Urfischen“ überhaupt,  was nicht nur an ihrer ungewöhnlichen Anatomie, sondern auch an ihrer Stellung innerhalb der Entwicklung der Landwirbeltiere liegt (deren direkte Vorfahren sie im Übrigen nicht sind). Hinzu kommt natürlich der Umstand dass man sie einstmals für komplett ausgestorben hielt, und dann eine überlebende Art 1938 vor den Komoren wiederentdeckt wurde, sowie 1997 eine weitere Art vor Sulawesi. Dass die Quastenflosser aber früher eine recht formenreiche Gruppe waren, unter der sich eine Reihe von sehr ungewöhnlichen, und teilweise auch extrem großen Arten befanden, ist beinahe unbekannt.

Das ist umso bedauerlicher in Anbetracht der Tatsache, dass die Quastenflosser ein paar der größten Knochenfische der Erdgeschichte hervorgebracht haben. Bereits die modernen Quastenflosser sind relativ groß, der Komoren-Quastenflosser kann bis knapp 2 m lang werden (was jedoch extrem selten ist), vom weniger erforschten Mandao-Quastenflosser weiß man dass er immerhin bis mindestens 1,4 m lang wird. Doch einige der ausgestorbenen Riesenquastenflosser wären groß genug gewesen um selbst einen so großen Fisch am Stück zu verschlingen.

Es gab mehrere Gattungen von großen bis riesigen Quastenflossern, von denen  Mawsonia gigas am größten wurde. Im Gegensatz zu den modernen Quastenflossern lebte Mawsonia in Süßwasser und teilweise auch Brackwasser, was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt wie riesig diese Fische werden konnten. Man hat von Mawsinia einige überaus gut erhaltene Fossilien gefunden, sowohl komplett erhaltene Schädel, wie auch ganze Skelette, so dass man eine sehr gute Vortstellung davon hat, wie dieses Tiere ursprünglich ausgesehen haben. Die besterhaltensten Fossilien stammen aus Brazilien, wo auch das Fragment des größten bisher bekannt gewordenen Exemplares gefunden wurden. Dieses hatte eine vermutete Gesamtlänge von etwa 6,3 m, womit es nahe an der nachgewiesenen Maximalgröße des Weißen Haies heranreichte. Das größte von Fossilien bekannte Exemplar aus Ägypten maß immerhin etwa 4,5 m. Die Mawsoniidae kamen von der Mitteltrias bis zur Oberkreide vor, und man hat ihre Überreste sowohl in Nord-und Südamerika, als auch in Nord-und Westafrika gefunden. Da diese Quastenflosser keine Meeresbewohner waren, müssen die süd-und nordamerikanischenPopulationen nach der Entstehung des Südatlantiks voneinander getrennt gewesen sein.

Hier eine wunderbare Lebendrekonstruktion, welche das größte Exemplar von Mawsonia libyca aus Ägypten sowie das 6,3 m lange Exemplar von Mawsonia gigas aus Brasilien zeigt, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Joschua Knüppe.

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Eine besonders schöne Darstellung von Mawsonia libyca im natürlichen Lebensraum zusammen mit Retodus tuberculatus, ebenfalls von Joschua Knüppe, wobei mir der Spinosaurus-Schädel als dekoratives Element ganz besonder gut gefällt. Das ganze ist so dargestellt, als würden sie sich in einem Großaquarium befinden, darum auch die menschlichen Silhouetten im Vordergrund, was ebenfalls sehr anschaulich die Größe dieser Fische verdeutlicht:

Mawsinia und Retodus tuberculatus von Joschua Knüppe

Hier sind noch ein paar phantastische Photos einer Skelettrekonstruktion von Mawsonia die mein Freund Hirokazu Tokugawa im Naturhistorischen Museum in Gunma, Japan aufgenommen hat.

Mawsonia

Detailansicht des Schädels:

Mawsonia

Der Schädel allein war bei diesem Exemplar bereits beinahe einen Meter lang. Entsprechend große Beutetiere dürften auch in ihr Maul gepasst haben:

Mawsonia frontal

Hier noch Photo eines anderen Mawsonia-Schädels (von Wikipedia):

Mawsonia-Schädel

Mawsonia war im Übrigen nicht einfach eine Riesenversion des „klassischen“ Quastenflossers, sondern unterschied sich in einer Reihe von Merkmalen von den heutigen Arten. Vor allem die Proportionen des Kopfes sind unterschiedlich, denn er war bei Mawsonia langezogener und nach vorne hin abgeflachter, wie man auch bei diesem komplett erhaltenen Fossil der mit Mawsonia verwandten Art Axelrodichthys araripensis besonders gut sehen kann  (von Wikipedia):

Axelrodichthys araripensis

Hier ist zum Vergleich noch einmal ein moderner Quastenflosser (Latimeria chalumnae) aus dem Zoologischen Museum in Kopenhagen. Man sieht wie sich die Proportionen im Vergleich zu Mawsonia unterscheiden, vor allem im Kopfbereich. Die kleine „Flössel“ am Schwanzende fehlt bei diesem Exemplar übrigens.

Quastenflosser im Zoologischen Museum Kopenhagen

 

Das ist nun vorerst der letzte Teil in der Reihe über riesige fossile Fische. Sie soll irgendwann einmal weiter geführt werden, doch zuerst möchte ich mit einer anderen Reihe fortfahren.

Quellen:

MARISE S. S. DE CARVALHO1 & JOHN G. MAISEY2

New occurrence of Mawsonia (Sarcopterygii: Actinistia) from theCretaceous of the Sanfranciscana Basin, Minas Gerais, southeastern Brazil

 

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6 Kommentare zu Fossile Riesenfische Teil 3: Der Riesenquastenflosser Mawsonia

  1. C. Block sagt:

    Hallo!

    Ein Einfall der mir durch die Abbildeung des Spinosaurus-Schädels gekommen ist. Es wird bekanntlich angenommen, dass Spinosaurus zumindest zum Teil piscivor war. Wenn ich mir die Dimensionen dieser Fische ansehe frage ich mich: Waren adulte Spinosarier überhaupt in der Lage, ausgewachsene Tiere der in dieser Serie vorgestellten Spezies zu erbeuten?

  2. Markus Bühler sagt:

    Ich denke es ist ziemlich wahrscheinlich dass große Spinosaurier, die vermutlich über 10 Tonnen und vielleicht sogar noch mehr gewogen haben könnten, in der Lage waren mit derartig großen Fischen fertig zu werden. Selbst ein eineinhalb Tonnen schwerer Mawsonia war im Verglich zu ihnen immer noch sehr klein. Ich finde es an dieser Stelle auch interessant, dass viele Vögel, beispielsweise Kormorane, erstaunlich große Fische erbeuten können. Spinosaurus und verwandte Arten hatten obendrein neben ihrer langen Schnauze auch noch sehr kräftige Arme mit hakenförmigen Krallen, mit der sie zusätzlich sehr große Beute halten konnten. Hier ist eine fabelhafte Rekonstruktion von Spinosaurus in Originalgröße, samt Beutefisch in Form von Mawsonia, bei der man sehr gut sieht, wie die Größenverhältnisse zwischen Räuber und Beute waren: http://www.geomodel.it/images/Spinosaurus-aegyptiacus/spinosaurus-11.jpg
    Dieses Mawsonia-Exemplar ist zwar noch ein gutes Stück von der Maximalgröße entfernt, aber selbst bei doppelter Länge wäre er für einen Spinosaurus kein Gegner.

  3. C. Block sagt:

    Danke für die Antwort, aber ich kann den Link, der wohl angezeigt werden sollte, nicht sehen.

  4. Markus Bühler sagt:

    Da scheint etwas schief gelaufen zu sein, aber jetzt sollte der Link funktionieren.

  5. Genesis sagt:

    Irgendwie vermisse ich bei den Riesenquastenflossern Hyneria lindae. Er ist zwar wesentlich älter als die anderen hier genannten Riesenfische (Devon), stammt aus Nordamerika und ist „nur“ 2-4 m lang. Er ist durch seinen Auftritt in den BBC-Dokus zwar einem größeren Publikum bekannt, aber so wirklich viel erfährt man über ihn im Netz auch nicht.

    Hier sind mal zwei Links, die ich auf die Schnelle gefunden habe:

    1. http://www.devoniantimes.org/who/pages/hyneria.html

    2. http://www.prehistoric-wildlife.com/species/h/hyneria.html

  6. Markus Bühler sagt:

    Ja, bei Hyneria habe ich mich damals in der BBC-Doku ziemlich geärgert weil die dort vollkommen spekulativ (und extrem unwahrscheinlich) dargestellt worden sind wie sie an Land gekrochen sind um dort Beutetiere zu fangen. Das wäre allerdings schon aufgrund der sehr großen Afterlosse recht unwahrscheinlich, abgesehen davon dass ich nicht denke dass sie sich mit ihren Flossenstummeln schnell genug fortbewegt hätten um damit noch irgendwas zu erwischen.

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