Es darf auch Fisch sein – was Furchenwale tatsächlich so alles fressen

Viele Leute sind der Ansicht dass sich die großen Bartenwale primär von Krill oder Plankton ernähren, doch diese Vorstellung trifft nur bedingt und auch nur auf einige Arten zu. Zwar fressen einige von ihnen, etwa der Blauwal, tatsächlich primär Krill und andere Kleinsttiere, doch das Beutespektrum vieler anderer Arten ist erheblich breiter, und umfasst teilweise erstaunlich große Beutetiere. Die Ernährungsgewohnheiten der Bartenwale unterscheiden sich zum Teil ganz erheblich, sowohl was die Art des Beutefangs angeht, als auch in Bezug auf die Art und Größe der Beute. Auch scheinen viele die Bartenwale aufgrund ihrer Ernährung tendenziell eher mit Pflanzenfressern gleichzusetzen, doch auch sie sind Fleischfresser, die andere Tiere jagen, auch wenn diese im Vergleich zu ihnen selbst in der Regel verschwindend klein sind. Daher ist auch der Blauwal nicht nur das größte Tier auf der Welt, sondern genau genommen auch der größte Räuber.

Ein Bartenwal der deutlich von der allgemeinen Vorstellung eines Krillfressers abweicht, ist der Brydewal (Balaenoptera brydei), ein mit 12-14 m eher kleinerer bis mittelgroßer Vertreter der Furchenwale. Seine Nahrung besteht zum Großteil aus Fisch, wobei nicht nur kleine Schwarmfische wie Sardinen, sondern auch solche wie Makrelen gefressen werden. Daneben fressen sie auch Krebstiere und sogar Kopffüßer. Hier ein Photo eines Brydewal vor Thailand (von Wikipedia):

Brydewal (von Wikipedia)

Auch der nahe mit dem Brydewal verwandete Edenwal (Balaenoptera edeni), der erst 1993 als separate Art erkannt wurde, ernährt sich größtenteils von Fischen. Mit nur etwa 10 m Maximallänge ist der Edenwal einer der kleinsten Furchenwale. Hier eine Illustration von Wikipedia:

Edenwal

Mit 12-16 m ein gutes Stück größer ist der Seiwal (Balaenoptera borealis). Er ernährt sich zwar auch von Krill, doch auch von Schwarmfischen, besonders von Köhlern (welche die meisten unter ihrer gastronomischen Bezeichnung „Seelachs“ kennen), was ihnen auch ihren Namen gegeben hat, denn „Sei“ ist das norwegische Wort für Köhler. Um den Artikel interessanter zu machen, gibt es auch hier ein Bild, ebenfalls von Wikipedia:

Seiwal

Ein weiterer ausgesprochener Fischfresser ist der Nördliche Zwergwal (Balaenoptera acutorostrata). Zwergwale werden oft in den Medien als Minkwale bezeichnet. Warum das dumm ist werde ich mal bei Gelegenheit schreiben. Der Nördliche Zwergwal ist der kleinste aller Furchenwale, und nur der Zwergglattwal ist unter den Furchenwalen noch kleiner. Erwachsene Bullen sind im Durchschnitt nur etwa 8 m, während Kühe etwa 8,5 m messen. Umso erstaunlicher ist, dass sich unter ihrer Beute nicht nur erstaunlich viele, sondern teilweise sogar erstaunlich große Fische finden. Zwar finden sich durchaus auch viele kleine Schwarmfische in ihrer Nahrung, etwa Sandaale, Sardellen oder Lodden, aber auch mittelgroße Arten wie Herringe und Makrelen. Daneben finden sich aber  in ihren Mägen auch größere Arten wie Lachs, Kabeljau, Köhler oder Schellfisch und sogar wieder nur bedingt oder gar nicht schwarmlebende Fische wie Seewölfe oder Dornhaie. Der Südliche Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis) frisst zwar durchaus auch kleine Schwarmfische, doch machen bei ihm Krill und andere kleine Krebstiere einen größeren Anteil der Nahrung aus.

Hier ein Photo eines springenden Zwergwals vor den Azoren (von Wikipedia):

Springender Zwergwal

Das wahrscheinlich komplexeste Verhalten zum Fangen von Fischen haben Buckelwale (Megaptera novaeangliae) entwickelt, welche in Gruppenarbeit unter Wasser Schwärme von Fischen mit Hilfe von kreisförmig gezogenen Bahnen von Luftblasen zusammentreiben. Auch sie fressen Krill und in einigen Gegenden auch noch kleinere Beute wie Ruderfußkrebse, aber auch Lachse, Köhler, Heringe, Makrelen und andere größere Fische. Interessanterweise fangen sie ihre Beutefische nicht nur durch bloßes Verschlingen, sondern teilweise auch durch Schläge ihrer Brust-und Schwanzflossen, mit denen sie die Fische betäuben. Ein sehr eindrucksvolles Photo von Buckelwalen beim Abfischen eines zusammengetriebenen Fischschwarmes sieht man hier (von Wikipedia):

Buckelwale beim Fressen

Blauwale ernähren sich wie bereits erwähnt, tatsächlich zum Großteil von Krill und auch von kleinen Ruderfußkrebsen, Beutetieren die oft nur wenige Milimeter groß sind. Der etwas kleinere Finnwal dagegen frisst durchaus auch gelegentlich kleinere Schwarmfische. Über die Ernährung des kaum bekannten Omurawales (Balaenoptera omurai) weiß man so gut wie gar nichts, daher kann ich hier leider nichts über diese Art sagen.Natürlich muss man sich auch klar machen, dass die Beute bei allen hier vorgestellten Furchenwalen abhängig von Jahreszeit, Region und vermutlich teilweise auch familienbedingt wechseln kann. Dennoch ist es relevant sich klar zu machen, dass mit wenigen Ausnahmen auch die meisten Furchenwale zu einem mehr oder weniger starken Grad Fischfresser sind. Dies soll in keinster Weise eine Rechtfertigung für Walfang sein, wie sie etwa genau auf diese Weise in Japan betrieben wird, nämlich indem behauptet wird dass Wale eine Bedrohung für die Fischbestände darstellen, und daher eine Konkurrenz für die Fischer darstellen. Das ist natürlich völliger Unsinn, in früheren Zeiten gab es erheblich viel mehr Wale als heute, und trotzdem waren die Fischbestände ebenfalls viel größer. Der Rückgang vieler kommerziell genutzter Fischarten ist einzig auf Überfischung durch den Menschen zurückzuführen, und nicht auf Tiere, die sich in einem viele Jahrmillionen andauernden Prozess zu einem auf Gleichgewicht basierenden Räuber-Beute-Verhältnis mit ihrer Nahrung entwickelt haben.

Alle hier vorgestellten Wale waren Furchenwale. Wenn man die übrigen Bartenwale, die Glattwale, den Zwergglattwal und den Grauwal miteinbezieht, kommt man auf einige noch merkwürdigere Beutetiere, welche viele wohl kaum bei einen Wal vermuten würden, aber das soll in einem anderen Blogpost irgendwann später Erwähnung finden.

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Populäre Irrtümer, Wale veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.