Die Mähne des Höhlenlöwen

Löwen werden ja allgemein speziell mit Afrika assoziiert, auch wenn es mit einer kleinen Population im indischen Gir-Forest auch eine letzte Bastion des noch vor gar nicht langer Zeit viel weiter verbreiteten asiatischen Löwen gibt. Noch in der frühen Antike gab es Löwen sogar noch auf dem Balkan. Dass die letzten Löwen in Mitteleuropa jagten, ist aber schon etwas länger her, nämlich etwa 10.000 Jahre. Die damals lebenden Höhlenlöwen waren nahe verwandt mit den modernen Löwen, und stellten möglicherweise sogar nur eine an die nördlichen Gefilde angepaßte Variante des afrikanischen Löwen dar. Man kennt das Aussehen dieser Tiere recht gut von gut erhaltenen Skelettfunden, sowie steinzeitlichen Plastiken und Höhlenmalereinen. Der Höhlenlöwe war etwas größer als heutige Löwen, was vielleicht eine Anpassung an das kältere Klima war. Von steinzeitlichen Kunstwerken ist auch bekannt, dass diese Tiere eine Schwanzquaste besaßen, aber meistens auch keine Mähne. Wohlgemerkt meistens. Zwar kann man in der Regel lesen, dass Höhlenlöwen, und auch ihre Verwandten, die über die trockengefallene Beringstraße nach Nordamerika gelangt waren, überhaupt keine Mähne besaßen. Einige alte Darstellungen zeigen aber unzweifelhaft, dass zumindest einige Höhlenlöwen eine Mähne besaßen. Diese war zwar nicht so stark ausgeprägt, wie bei den meisten modernen Löwen, aber dennoch vorhanden. Einige Darstellungen zeigen lediglich eine sehr kurze Mähne, die an Nacken und Kehle vorhanden war, und nicht viel länger als der Rest des Fells gewesen ist, aber eindeutig eine andere Fellstruktur aufwies. Aber es gibt auch Darstellungen, die längere Mähnen zeigen, etwa aus der französischen Chauvet-Höhle, welche man hier sehen kann: http://www.uf.uni-erlangen.de/chauvet/Chauvet_09.jpg

Ein solcher bemähnter Höhlenlöwe wird wohl zu Lebzeiten so ähnlich ausgesehen, haben wie diese Photoshop-Rekonstruktion eines Amerikanischen Löwen von Daniel Reed:

Panthera leo atrox mit Mähne

Die Behauptung dass der Höhlenlöwe grundsätzlich mähnenlos war, ist folglich falsch. Wahrscheinlich traf dies zwar auf die meisten männliche Höhlenlöwen zu, aber wenigsten manchen scheint sich eine Mähne erhalten zu haben, die darüber hinaus ging, bloß rudimentär zu sein. Auch die modernen afrikanischen Löwen zeigen eine extreme Variabilität in Bezug auf die Mähne. Während sie bei manchen über den gesamten Vorderkörper wallt, und am Bauch entlang seitlich bis zu den Hinterbeinen reicht, haben andere praktisch gar keine Mähne, und selbstverständlich gibt es sämtliche Formen dazwischen. Hier sieht man etwa den Vergleich eines riesigen Berberlöwen mit einer enormen Mähne, und einen kleinen Somali-Löwen, bei dem sie kaum vorhanden ist:

Berberlöwe vs Somali-Löwe

Das Photo stammt übrigens aus dem Naturhistorischen Museum in Wien, wo sich eines der letzten existierenden Präparate eines Berberlöwen befindet. Leider war der Raum sehr dunkel, und eng, darum ist die Qualität des Photos leider nicht besonders gut.

Wahrscheinlich werden selbst die größten Mähnen bei Höhlenlöwen nicht viel größer gewesen sein, als jene dieses Somali-Löwen, und bei den meisten war es wohl noch weniger. Dennoch ist es nicht richtig zu behaupten, dass sie gar nicht existierten. Da die Mähne bei modernen Löwen eine wichtige Rolle im Sozialleben spielt, und auch einen ausgezeichneten Schutz bei innerartlichen Kämpfen zwischen den Männchen darstellt, könnte man dahingehend auch spekulieren, dass sich die Sozialstruktur von Höhlenlöwen und modernen Löwen unterschieden haben könnte.

Hier ist noch eine ausgezeichnete Rekonstruktion des amerikanischen Höhlenlöwen von Daniel Reed, welche ein relativ typisches Männchen mit nur angedeuteter Mähne zeigt:

Panthera leo atrox

Dieser Beitrag wurde unter Paläontologie, Populäre Irrtümer, Säugetiere veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Kommentare zu Die Mähne des Höhlenlöwen

  1. Cristian sagt:

    Wow! Thank you for the post.
    Can I ask you something? This image of Barbary and Somalia lion
    At which museum did you take that image?

  2. Cronos sagt:

    This Photo was made in the Museum of Natural History at Vienna.

  3. Literatur über Höhlenlöwen: Ernst Probst: Höhlenlöwen. Raubkatzen im Eiszeitalter, GRIN, München 2009

  4. Cronos sagt:

    Vielen Dank für die Information.

  5. Yoult sagt:

    Hi,
    könnte es nicht auch einfach sein, dass die eiszeitlichen Menschen Europas und Amerikas schlichtweg selten männliche Löwen zu Gesicht bekommen haben? Die Menge der verfügbaren Beutetiere unterschiedet sich ja im Vergleich zu Afrika, also ist es gut vorstellbar, dass die Eiszeit-Löwen keine so „große“ Populationsdichte darstellten wie die tropischen Verwandten.
    In dem Sinne denke ich, dass die Menschen dann eher einem weiblichen Jagdverbund begegneten als den jeweiligen Männchen oder eine Begegnung mit einem ganzen Rudel in den meisten Fällen tödlich war.
    Diese Theorie ist natürlich nur haltbar, wenn die Eiszeit-Löwen eine ähnliche Sozialstruktur, besonders was die Rollenverteilung und Jagd angeht, hatten. Kann aber auch gut sein, dass im eiszeitlichen Klima die größeren männlichen Löwen wichtig auf der Jagd waren um die großen Beutetiere zu schlagen.
    Schöne Grüße

  6. Cronos sagt:

    Ich glaube eigentlich nicht dass unsere Vorfahren männliche Höhlenlöwen besonders selten zu sehen bekamen, auch müssen Begegnungen mit Löwen, auch nicht mit ganze Rudeln, gleich tödlich sein. In Afrika sind die im gleichen Gebiet mit Löwen lebenden Völker, auch jene die wirklich noch beinahe auf Steinzeit-Niveau leben, auch ganz „gut“ mit Löwen ausgekommen. Was die Sozialstruktur angeht, so könnte es zumindest lokal durchaus so gewesen sein, dass ähnlich wie in afrikanischen Rudeln, die sich auf sehr große und wehrhafte Beute wie Flusspferde oder Büffel spezialisierte Rudel, teilweise sogar fast nur aus Männchen bestanden. Den alten Darstellungen nach, scheinen in der Ernährung des Höhlenlöwen in Europa aber vor allem Wildpferde eine dominante Rolle gespielt zu haben, was für eine eher „konservative“ Sozialstruktur spräche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.