Die Gottesanbeterin Sphodromantis lineola

 

Eigentlich habe ich ja noch bisher kaum Erfahrungen mit „richtigen“ Haustieren, allerdings hatte ich schon mal diverse Mantiden-Arten. Der große Vorteil dieser Tiere ist, dass sie wenig Platz brauchen, und auch nicht allzu lange leben, so dass man hier nicht unbedingt langfristige Planungen machen muss. Zudem bekommt man durch den schnellen Entwicklungszyklus dieser Tiere einen beeindruckenden Einblick in ihre Natur. Aus diesem Grund entschied ich mich vor etwa zwei Jahren dazu, mir einige junge Nymphen der Art Sphodromantis lineola anzuschaffen. Diese Art ist recht robust was Temperatur und Luftfeuchtigkeit angeht, und wird dazu noch relativ groß. Hinzu kommt auch noch, dass sie eine ganze Anzahl unterschiedlicher Farbtönungen annehmen können, abhängig davon in was für einer Umgebung sie aufwachsen, aber dazu später mehr.

Da Gottesanbeterinnen in der Regel recht unverträglich untereinander sind, bekam jede der kleinen Nymphen ein eigenes Miniaturterraium aus einem Plastikgefäß, welches mit Gaze bedeckt war, und auch noch diverse Äste und Stöcke aufwies, sowie am Anfang auch noch einen Bodengrund, um die Luftfeuchtigkeit etwas höher zu halten. Da ich natürlich sehr daran interessiert war, möglichst unterschiedlich gefärbte Tiere zu bekommen, habe ich in jedes der neun kleinen Terrarien eine möglichst andersfarbige Dekoration eingebracht, um das natürliche Farbenrepertoire dieser Art (verschiedene Braun-,Gelb-,Grün-und auch Rottöne) möglichst auszunutzen. Allerdings muss ich sagen, dass es dann doch nicht ganz so geklappt hat, wie ich es mir gewünscht hätte. Von den am Anfang grünen Tieren, färbten sich mit der Zeit alle bis auf eines um, und nahmen teilweise über eher gelbliche Zwischenstadien ein helles grau-braunes Muster an.

Hier sieht man eine der Gottesanbeterinnen in einem noch sehr frühen Stadium:

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Unter den acht Exemplaren welche bis ins adulte Stadium überlebten, war allerdings nur ein einziges Männchen, übrigens der einzige der ein sattes Grün hatte, und dieser zeigte sich was die Futteraufnahme anging, ausgesprochen unkoopoerativ, denn eigentlich fraß er so gut wie gar nichts. Bei Gottesanbeterinnen werden die Männchen etwas früher geschlechtsreif als die Weibchen, was etwas problematisch sein kann, da die Männchen im Zweifels sterben, bevor sie zu Paarung schreiten können. Mein Männchen (oder Bock) hatte allerdings ziemlich wenig Interesse am anderen Geschlecht, und selbst vollumgewandelte, mehrere Wochen alte Weibchen reizten ihn in keinster Weise, selbst wenn man ihn direkt von hinten an sie heranführte.

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Die Weibchen bauten zwar einige recht beachtliche Ootheken, doch aus diesen schlüpfte natürlich nie etwas, denn nur sehr wenige Mantiden sind in der Lage sich parthenogenetisch ohne Befruchtung durch die Männchen fortzupflanzen. So starben die Weibchen letztendlich leider ohne Nachkommen hinterlassen zu haben. Andererseits muss ich sagen, dass ich auch etwas erleichtert war. Gottesanbeterinnen zu füttern ist nämlich eine Menge Arbeit, und man muss nach Möglichkeit auch täglich, und natürlich immer mit Lebendfutter füttern. Für die kleinen Nymphen braucht man auch noch extra kleine Futtertiere wie Blattläuse oder Fruchfliegen, und bis sie in der Lage sind größere Fliegen zu erbeuten, kann das sehr sehr anstrengend sein sie zu füttern. Da ich keine flügellosen Drosophila hatte, war ich auf solche angewiesen, die fliegen konnten, und die in ein kleines Terrarium zu bringen, kan ziemlich schwierig werden. Als äußerst vorteilhaft hat es sich erwiesen, den Behälter mit den Drosophilas kurz (etwa zwei Minuten) in den Tiefkühlschrank zu stellen. Man darf sie weder zu kurz (dann sind sie immer noch beweglich) oder zu lang (dann sterben sie) darin lassen, aber im Optimalfall kann man sie dann sehr portionsgerecht wie Trockenfutter über die Kante des Behälters in die Mantidenterrarien geben, wo sie dann nach wenigen Minuten wieder aktiv werden, und gefressen werden können. Zugegebenerweise erscheint es teilweise äußerst grausam, wie gerade große Mantiden ihre Beutetiere bei lebendigen Leib auffressen. Andererseits hat es auch einen gewissen Reiz diese perfekten Jägern dabei zuzusehen, wie sie ihrer Beute auflauern und sich manchmal auch an sie heranschleichen, und auf jeder Bewegung achtend ihr Opfer ins Visier nehmen.

Hier mal ein Photo eines der Weibchen:

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Auf jeden Fall ist es äußerst interessant zumindest zeitweise solche Tiere zu halten, zu beobachen wie sie fressen, sich häuten und wachsen, und wenn man Glück hat sie sogar nachzüchten zu können. Hier muss man aber wirklich im Auge behalten, dass man für sie auch verantwortlich ist. Gerade das Füttern bei einer größeren Anzahl Mantiden kann sehr problematisch werden, da es nicht immer ganz einfach ist, genügend Futter zu bekommen. Ein ganz wichtiger Tipp sei hier noch genannt: Heimchen sind zwar gute Futtertiere, aber wenn sie im Terrarium bleiben, können sie frischgehäutete Mantiden anfressen und sogar töten! Meinem Männchen ist das leider passiert, zum Glück ist die Bissverletzung mit den späteren Häutungen fast gänzlich wieder ausgeheilt. Als zwar nicht sehr delikate, aber dafür praktische Futterquelle haben sich auch Maden erwiesen, wie man sie als Köder zum Angeln kaufen kann. Allerdings muss man auch hier darauf achten, dass man nicht auf einmal lauter Fliegen hat, da sie sich unter hohen Temperaturen sehr schnell verpuppen können.

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5 Kommentare zu Die Gottesanbeterin Sphodromantis lineola

  1. Linda sagt:

    Hi!

    Die Farbe von Sphodromantis lineola ist abhängig von der Luftfeuchte und nur indirekt von der Farbe des Untergrundes. Hohe LUftfeuchte = Grüne Pflanzen = Grüne Mantiden. Geringe Luftfeuchte = Gelbliche/braune Pflanzen = Gelbe/braune Mantiden.

    Gruß

  2. Piet sagt:

    Hallo, meine große Sphodromantis lineola hat vor ca. 3-4 Monaten Nachwuchs bekommen. Ich füttere die Kleinen täglich mit Fruchtfliegen und sprühe sie täglich mit Wasser ein. Das klappt auch eigentlich immer ganz gut. Aber vor kurzem sind meine 2 Größten (die füttere ich übrigens schon mit kleinen Heimchen) gestorben. Ich weiß nicht wieso. Beide haben immer gut gegessen und getrunken. Weiß Jemand, woran das liegen könnte?

  3. Markus Bühler sagt:

    Das ist im Einzelfall leider fast unmöglich zu sagen, wenn nicht irgendwelche Auffälligkeiten bekannt sind. Möglicherweise war es eine Krankheit die durch die Heimchen übertragen wurde, aber auch das ist jetzt nur reine Spekulation.

  4. Piet sagt:

    Hallo erneut, ich hätte mal eine Frage zum Thema Verpaarung von Gottesanbeterinnen. Und zwar würde mich mal interessieren, ob man verschiedene Arten von Gottesanbeterinnen verpaaren kann, oder ob man nur innerhalb der Art (bei mir Sphodromantis lineola) erfolgreich paaren kann. Schonmal danke im voraus 🙂

  5. Markus Bühler sagt:

    Teilweise hat man tatsächlich erfolgreich verschiedene Insektenarten miteinander gekreuzt, gerade bei Schmetterlingen gab es da eine ganze Menge interessanter Experimente. Auch bei anderen Insekten hat es das gegeben, allerdings kann ich dir leider nicht sagen wie das in Bezug auf Mantiden ist.

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