Der menschenfressende Riesenwels, ein Fallbeispiel eines Internet-Hoaxes

Das Internet ist eine wunderbare Sache um an alle möglichen Arten von Informationen heranzukommen, leider ist es aber auch so, dass man im Internet jede Menge Müll lesen kann. Manche Leute machen sich sogar bewußt einen Spaß daraus (gut, die BILD macht das jeden Tag, und die Leute verdienen sogar damit), Geschichten zu erfinden, und diese im Internet als wahre Begebenheiten zu verbreiten. Besonders beliebt ist es, echte Photos zu verwenden, und eine Story dazu herum zu erfinden, damit das ganze glaubhafter wirkt. Solche Sachen werden dann auch nicht selten direkt mit E-mail-Verteilern in die ganze Welt geschickt.

Vor kurzem machte wieder einmal einer dieser Internet-Hoaxes die Runde, und da es sich um ein Thema handelt, das gut zum Inhalt des Bestiarium paßt, und das ich hier kurz vorstellen wollte. Es geht um folgendende Geschichte: Im Huadu´s Furong Wasser-reservoir sollen jedes Jahr ein paar Leute auf mysteriöse Weise ertrunken sein, und erst kürzlich sollen dort beim Schwimmen zwei Personen ertrunken sein.  Als der Grund dieser Unfälle wird ein 3m langer Riesenwels präsentiert, dessen Kopf alleine schon einen Meter breit sein soll, und der die Leute gefressen haben soll. Im Magen dieses Riesenwelses, sollen sogar die Überreste eines Menschen gefunden worden sein. Zusätzlich zu der Geschichte werden jede Menge Photos gezeigt, die mehrere Asiaten zeigen, die sich um einen abgesperrten Bereich drängeln, in dem mehrere Männer und ein riesiger Fisch liegen. Spätere Photos zeigen dann wie der Fisch aufgeschnitten und zerlegt wird.

Das war jetzt die Geschichte, und nun kommen die Fakten. Zunächst gibt es weder in Asien noch sonstwo einen Wels der in der Lage wäre einen erwachsenen Menschen zu fressen. Außerdem handelt es sich bei dem gezeigten Fisch gar nicht um einen Wels. Der Fisch zeigt zwar für einen mit diesen Tieren nicht vertrauten Betrachter mit dem breiten endständigen Maul eine gewisse Ähnlichkeiten mit Welsen wie dem asiatischen Mekong-Riesenwels Pangasianodon gigas, der tatsächlich in Ausnahmefällen Längen von beinahe 3m erreichen kann (aber ein harmloser Algen-und Kleintierfresser ist) , aber es handelt sich bei diesem Fisch ohne jeden Zweifel um einen jungen Walhai (Rhyncodon typus). In den Kommentaren zu der Story wird das mehrfach auch schon gesagt, aber manche Leute versuchen mit den abstrusesten Gegenargumenten zu konntern, etwa wie der Walhai ins Süßwasser gekommen sein soll, oder warum er getötet wurde, obwohl sie vom Aussterben bedroht sind. Nun ist es vielen Ländern, vor allem in Asien, herzlich egal ob eine Tierart vom Aussterben bedroht ist oder nicht, solange sie Profit bringt, wird sie gejagt. Und gerade in Asien kann man mit Fleisch und Flossen von Walhaien eine ganze Menge Profit machen. Die ganze Geschichte vom Riesenwels im Wasser-reservoir ist natürlich nur erfunden, hier wurden einfach Photos, die irgendwo in der Nähe eines Hafens gemacht wurden, in eine Monster-Story integriert. Leider sind viele Leute allzu Bereit solchen Mist zu glauben.

Das ganze kann man hier nachlesen:

http://shanghaiist.com/2007/08/11/amazingly_huge.php

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6 Kommentare zu Der menschenfressende Riesenwels, ein Fallbeispiel eines Internet-Hoaxes

  1. Titus123 sagt:

    Dabei handelte es sich doch nicht um einen Riesenwels, es war doch ein Walhai. Wenn dieser Artikel jener ist über welchen ich ma gelesen habe.

  2. Cronos sagt:

    Natürlich ist das ganze nur ein Walhai und ein billiger Hoax gewesen. Das wird eigentlich klar erkenntlich wenn man sich durchliest was ich geschrieben habe.

  3. Genesis sagt:

    Hmm, mir sind mindestens 2 große Arten von Welsen bekannt, die im Ruf stehen, Menschenfresser zu sein. Der Goonch (Bagarius yarelli) aus Asien und der Piraíba (Brachyplatystoma filamentosum) aus Südamerika. Dem Goonch werden die Zwischenfälle am Kali River/ Uttarakhand in Indien zugeschrieben (http://en.wikipedia.org/wiki/Kali_river_goonch_attacks) und auch vom Piraíba gibt es wohl Geschichten, dass er Menschen frisst. Wobei die Serie ‚River Monsters‘ jetzt nicht unbedingt die zuverlässigste Quelle ist.

  4. Markus Bühler sagt:

    Das mit den Angriffen auf Menschen ist so eine Sache, ich denke dass da einiges stark übertrieben wurde, besonders im Falle des Goonch, auch wenn ich keinesfalls bezweifle dass sie gelegentlich an Leichen gehen. Es gibt auch über andere Welse, auch unseren heimischen Waller, Horrorgeschichten von angeblich gefressenen Menschen. Allerdings ist dies aus einer ganzen Reihe von Gründen unwahrscheinlich (bzw unmöglich), aber das genauer auszuführen würde eigentlich eines eigenen Artikels bedürfen.
    Der Piraiba wird zweifellos sehr groß, doch ob tatsächlich jemals ein Piraiba einen Menschen verschlungen hat, ist damit keineswegs bewiesen. In Anbetracht der Tatsache dass diese Raubfische erwiesenermaßen Ausnahmegewichte von über 200 kg erreichen können (aber keinesfalls, wie leider oft fälschlich angegeben wird, über 3,5 m lang werden), und obendrein ein sehr großes breites Maul haben, möchte ich es aber nicht unbedingt vollkommen ausschließen. Allerdings dürfte es sich dann aber auch nur um Kinder gehandelt haben. Man muss sich einfach mal einen Piraiba (bzw einer der anderen Welse) im Vergleich zu einem Menschen ansehen, und sich begreiflich machen dass der eigentliche Magen ja schließlich nicht den ganzen Fisch ausfüllt, und die Bauchhöhle nur in etwa bis zu den Bauchflossen reicht. Selbst wenn noch ein Teil aus dem Maul herausschauen sollte, ist das selbst bei einem extrem großen Exemplar von 2,5 m letzendlich gar nicht mal so viel.

  5. Genesis sagt:

    Ich habe nochmal gestöbert und bin bei Welsen der Gattung Cetopsis gelandet, von denen manche Arten wohl wirklich gelegentlich Menschen angreifen, um sie zu fressen. Zwar sind die Tiere viel zu klein, um einen Menschen mit einem Haps zu verschlingen, aber von ihnen ausgehöhlt zu werden ist sicherlich äußerst unangenehm. Hier ist mal ein Link zu einem Paper, in dem das erwähnt wird (http://www.scielo.br/scielo.php?pid=S1679-62252005000200001&script=sci_arttext)
    In der Serie ‚River Monsters‘ werden Bilder der angeblichen Opfer gezeigt, in wieweit die authentisch sind, kann ich aber nicht einschätzen. Auch das Fressverhalten der Welse wird an einem toten Fisch demonstriert.

  6. Markus Bühler sagt:

    Ja, die sind wirklich fies. Wobei es trotzdem immer noch ein Unterschied ist ob die sich auf einen lebenden Menschen oder einen toten Kadaver stürzen. Was häufig übersehen wird, ist dass eigentlich ziemlich viele Fisch im Prinzip „Monster“ wären, wenn sie nur groß genug wären und scharfe Zähne hätten. Egal ob im Aquarium oder im Teich, viele Fische stürzen sich teilweise mit einem geradezu bestialischem Eifer auf das ihnen dargebotene Futter, egal ob Goldfisch, Karpfen oder Guppy. Die Nasen die ich im Teich habe stürzen sich auf die an der Oberfläche schwimmenden Pellets auf ähnlich spektakuläre Weise wie ein Weißer Hai auf eine Robbe, nur eben in viel kleinerem Maßstab.

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