Der Killerpottwal Zygophyseter varolai

 Zygophyseter varolai

Vor geraumer Zeit habe ich ja schon einmal über die sogenannten Killer-Pottwale geschrieben ( http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/prahistorische-killer-pottwale/), eine archaische Seitenlinie aus dem Stammbaum der modenen Pottwale. Leider lagen mit damals noch keine Artikel vor, sondern lediglich deren Abstracts. Vor einiger Zeit gelangte mir jedoch glücklicherweise ein solcher Artikel in die Hände, welcher den neuentdeckten Killer-Pottwal Zygophyseter varolai beschrieb. Grund genug also, noch einmal auf das Thema einzugehen. Auf die allgemeine Darstellung der Killer-Pottwale möchte ich gar nicht noch einmal näher eingehen, da dies schon im ersten Teil gemacht wurde, und gleich direkt auf Zygophyseter eingehen. Diese Art ist durch ein recht gut erhaltenes Skelett aus dem Miozän Süditaliens bekannt, und weißt eine ganze Reihe anatomischer Besonderheiten auf. Der Schädel wies eine Länge von 1,5m auf, und zu Lebzeiten dürfte die Gesamtlänge bei 6,5-7m gelegen haben, also etwa gleich groß wie ein Schwertwal. Im Oberkiefer saßen 26 große Zähne, im Unterkiefer insgesamt 28. Die eigentlich Zahnkronen sind verhältnismäßig kurz, und machen nur etwa 18% der gesamten Länge aus, die Wurzeln waren also sehr lang, und mußten starken Belastungen standhalten. Die vorderen Zähne sind nach vorne geneigt, insbesondere das vorderste Paar im Unterkiefer. Es könnte (und das ist jetzt meine persönliche Überlegung) auch bei innerartlichen Konfrontationen genutzt worden sein, um die Haut des Gegners aufzuritzen, wie es auch moderne Pottwale, sowie viele Schnabelwale und manche Delphine machen. Die im hinteren Kieferbereich gelegenen Zähne zeigen dagegen nach hinten, und sind im Gegensatz zu den relativ runden vorderen Zähne seitlich abgeflacht. Die voderen und hinteren Zähne unterscheiden sich auch in der Größe sowie anderen Merkmalen wie der Wurzel, aber das ist momentan nicht so wichtig. Viel interessanter sind die massiven Abnutzungsspuren der Zähne. Die ineinandergreifenden Zähne von Ober-und Unterkiefer haben teilweise tiefe Furchen in ihre Antagonisten im Gegenkiefer geschliffen, und auch die Kronenspitzen seltbst sind recht stark abgenutzt, ursprünglich müssen sie etwa 45% länger gewesen sein. Derartige Abnutzungserscheinungen findet man auch bei Schwertwalen, vor allem bei älteren Exemplaren. Diese Zähne waren nicht einfach nur dazu da die Beute zu packen und zu verschlucken, sondern um sie gegebenenfalls auch zu zerteilen und in Stücke zu reißen. Die ineinandergreifenden Zähnen wirken dabei wie die Scherkanten einer Heckenschere. Übrigens besaßen die Zähne von Zygophyseter auch eine Schmelzschicht, während jene des Pottwals lediglich Dentin besitzen (von der Zementschicht um die Wurzel mal abgesehen).Der Unterkiefer läßt sich sehr gut als Y-förmig beschreiben, und war wie bei modernen Pottwalen im vorderen Bereich sehr schmal, und in der Seitenansicht auch leicht nach oben gekrümmt. Insegesamt unterscheidet sich der Unterkiefer oberflächlich betracht nur wenig von dem des Pottwales. Aber er ist insgesamt massiver, und die Anzahl der im Verhältnis viel größeren Zähne ist ebenfalls geringer. Zudem ist der Ansatz für die Kiefermuskeln beim Pottwal verhältnismäßig deutlich größer. Im direkten Vergleich wirkt der Unterkiefer des Pottwales im Vergleich zu jenem von Zygophyseter dennoch beinahe fragil. Das ist allerdings auch kein Wunder, denn Pottwale sind hochspezialisierte Kalmarfresser, die ihre Beute wahrscheinlich vor allem durch einen mit der Zungenmuskulatur erzeugten Sog einsaugen, anstatt sie mit den Kiefern zu packen. Man kennt sogar Funde von Pottwalen mit gebrochenen, völlig deformierten und zum Fressen nicht mehr geeigneten, ja teilweise sogar fehlenden Unterkiefern, welche dennoch wohlgenährt waren, was beweißt, dass die Kiefer bei der Nahrungsaufnahme des Pottwales nur eine untergeordnete Rolle spielen. Außerdem können sie mangels Zähnen im Oberkiefer auch keine Scherwirkung erzeugen.Der Schädel selbst ist ziemlich breit und zeigt eine deutliche Assymetrie. Im Stirnbereich bildet der Knochen eine Art Basin, in welcher das Spermaceti-Organ lag. Dieses Basin war nach vorne hin begrenzt, und reichte nicht viel weiter als etwas vor die Augen. Das bedeutet dass sich das Spermaceti-Organ nicht wie bei den heutigen Pottwalen, sowie den Zwerg-und Kleinstpottwalen bis an die Spitze der Schnauze reichte und diese nach vorne überragte, sondern dass der im Querschnitt halbrunde Oberkiefer schnabelförmig hervorragte, wobei die Prämaxilla, der vorderste Teil des Kiefers, erstaunlich dorso-ventral abgeplattet war. Damit sah Zygophyseter völlig anders aus als die uns vertrauten Pottwale mit ihrem massigen kastenförmigen Kopf, sondern viel eher wie eine Killer-Version eines Schnabelwales, und daher anders als alles andere was wir an Walen kennen.

Ich habe mal eine einfache Zeichnung von Zygophyseter angefertigt, welche oben zu sehen ist. Leider hat der Versuch die Falten, welche beim Verwischen der Wasserfarbstifte entstanden sind, nur zu noch mehr Falten geführt… Ich habe Zygophyseter bewußt etwas anders gestaltet, als in dem Artikel, da der Zeichner jener Rekonstruktion einige Fehler begangen hat. Zum Einen sieht der Wal vor allem durch die Gestaltung des Kopfes insgesamt ziemlich seltsam aus, und die Flossen sind auf sehr unnatürliche Weise dargestellt. Ein Fehler bei dieser Darstellung des Kopfes im Artikel sind die fehlenden Lippen. Abgesehen von ganz wenigen Arten wie dem Gangesdelphin, dessen lange Zähne im vorderen Kieferteil ein wirkliches Schließen des Maules verhindern, und ständig dem Wasser ausgesetzt sind, können Zahnwale ihr Maul dicht schließen. Die Zähne des Ober-und Unterkiefers greifen eineinander, so dass sie beinahe auf gleicher Höhe sind, wenn die Kiefer geschlossen bleiben. Nun werden die Oberkieferzähne von den festen Lippen umrandet, weshalb man selbst bei großzähnigen Arten wie dem Schwertwal bei geöffneten Maul meist nur die Zähne des Unterkiefers sieht. Dieses Fehlen der Oberlippen gibt dem Kopf ein sehr seltsames Aussehen. Außerdem wurde das Vorhandensein gewisser anatomischer Begebenheiten im Halsbereich völlig unterschlagen, denn die Kehle ist dermaßen dünn dargestellt, dass dort das Zungenbein, die Speise-und Luftröhre sowie die dazugehörige Muskulatur keinen Platz gehabt hätte. Zudem habe ich das Spermacetiorgan nicht allzu weit nach vorne verlagert, da ich das Gefühl habe, dass es bei der Originalrekonstruktion zu groß dargestellt wurde. Inwieweit die Form der Melone dem tatsächlichen Aussehen entspricht, ist sehr schwer zu sagen. Sowohl die großen als auch die kleinen Pottwale besitzen ein teilweise schräg vorstehendes Spermacetiorgan, und auch manche Schnabelwale besitzen eine ähnliche Kopfform, wobei bei ihnen der Schnabel frei bleibt. Rein theoretisch könnte aber der Übergang von Schnauze zur Melone durch eine andere Verteilung des Weichgewebes auch deutlich weniger aprupt gewesen sein. Aber genau sagen können wird man das wohl nie. Vielleicht werde ich ja auch irgendwann mal ein Modell dieses bizarren Killer-Pottwales anfertigen.

Quellen:

GIOVANNI BIANUCCI* and WALTER LANDINI
Killer sperm whale: a new basal physeteroid (Mammalia, Cetacea) from the Late Miocene of Italy

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2 Kommentare zu Der Killerpottwal Zygophyseter varolai

  1. maximilian sagt:

    ich habe gehört, dass er ursprünglich in japan entdeckt wurde und 14m lang wurde

  2. Markus Bühler sagt:

    Da verwechselst du etwas, das war Brygmophyseter shigensis. Dieser wurde allerdings keine 14 m lang, auch wenn das in „Jurassic Fight Club“ behauptet wurde.

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