Dakosaurus maximus – der große Bruder des Godzilla-Krokodils

Dakosaurus maximus frontal

Vor einiger Zeit kam ja in der Presse eine neu entdeckte Meereskrokodilart groß raus, und schaffte es sogar auf die Titelseite von National Geographic. Das äußerst medienwirksam als Godzilla-Krokodil bezeichnete Krokodil bekam den Namen Dakosaurus andiniensis verliehen. In den Presseberichten war häufig von einem Riesenkrokodil die Rede, tatsächlich deuten die bisher gefundenen Reste dieser Art nicht darauf hin, dass es größer als die heutigen großen Panzerechsenarten wurde, aber so sind Journalisten nun mal. „Riesiges Godzilla-Krokodil“ hört sich eben viel besser an, als „großer Metriorhynchid mit kranialen Anpassungen an Makroprädation“. Naja. Jedenfalls wurde dieses Tier weltbekannt, und das nur, weil es einen interessanten Schädel hatte, denn dieser war nicht wie bei den heutigen Krokodilen entweder lang und schmalschnäuzig oder kurz und breitschnäuzig, sondern insgesamt sehr kompakt, und vor allem sehr hoch. Der Kopf erinnert viel eher an die Schädel verschiedener landbewohnender fleischfressender Reptilien, wie etwa den terrestrischen Sebeciden, oder bestimmten Archosauriern und Theropoden. Die Kiefer sind verhältnissmäßig kurz und sehr kräftig, und alles deutet darauf hin, dass man es hier keineswegs mit einem Fischfresser zu tun hatte, sondern mit einem Wesen, das relativ große Beutetiere tötete, und fähig war, große Fleischstücke aus Kadavern herauszureißen, ähnlich wie Schwertwale oder Weiße Haie. Heutzutage gibt es nur noch sehr wenige marine Fleischfresser, wie wirklich große Beutetiere töten und fressen, darunter ein paar Haie und eine Handvoll Zahnwale. Einst gab es  eine ganze Reihe von Pliosauriern und Mosasauriern, und wie man sieht auch Krokodile welche Spezialisierungen auf Makroprädation aufwiesen. Völlig verschwiegen wurden bei all den Newsmeldungen aber, dass „Godzilla“ noch einen großen Bruder, oder eher Cousin hatte. Die Rede ist von Dakosaurus maximus, eines riesigen Metriorhynchiden, dessen Reste in Deutschland gefunden wurden. Dieses Monster erreichte eine Länge von etwa 8m, war also mindestens zwei Meter länger als Dakosaurus andiniensis. Da ihre Schwanzflosse wie bei Ichthyosauriern durch die nach unten geknickte Schwanzspitze bebildet wurde, war Dakosaurus im Vergleich zu normalen Krokodilen proportional kompakter, da weniger Länge des Schwanzes auf die Gesamtlänge entfielen. Das Gewicht großer Exemplare könnte bei durchaus drei Tonnen gelegen haben, also weit mehr als jeder Weiße Hai. Auch der Schädel von Dakosaurus maximus war sehr kräftig gebaut, mit sehr langen und leicht nach hinten gebogenen Zähnen, und sehr kräftigen Kiefer. Der Schädel weist große Ähnlichkeiten mit jendem von Dakosaurus andiniensis auf, war aber propotional noch länger und etwa weniger hoch und robust. Dass ihre Kiefer enorm kräftig waren, zeigt sich teilweise an Fossilien kleinerer Meereskrokodile, die von Dakosaurus regelrecht in Stücke gebissen wurden.

In der Sonderausstellung des Museum am Löwentor in Stuttgart kann man momentan Fossilien von Dakosaurus maximus bestaunen, sowie neben vielen anderen Modellen, auch eine lebensgroße Rekonstruktion in einem Meeresdiorama. Von dort stammen auch die Bilder.

 

Hier sieht man den Kopf noch einmal besser von der Seite. Eigentlich mag ich derartig perspektifisch verzerrte Bilder nicht, und bevorzuge Darstellungen, welche ein Tier auf der ganzen Länge zeigen, aber da die Scheibe extrem stark reflektierte, mußte ich die Kamera direkt ans Glas drücken und ohne Blitz photographieren, wobei natürlich die Ansichten entsprechend eingeschränkt waren.

Das Modell ist wirklich sehr gut gemacht, allerdings habe ich persönlich den Eindruck, dass die Hautstruktur nicht dem Original entspricht. Heute gibt es keine vergleichbaren Tiere mehr, und man ist daher bei der Rekonstruktion von Meeresreptilien gerne versucht, sie mit einer sehr glatten, walartigen Haut mit kleinen Schuppen darzustellen. Aber das muss nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Von Mosasauriern kennt man etwa Hautabdrücke, die auf relativ große, nicht überlappenden und kachelförmig angeordnete Schuppen sprechen. Auch moderne Meeresschildkröten haben ja noch sehr große Schuppen an ihren Flossen. Und schließlich war Dakosaurus nach wie vor ein Krokodil, und ausnahmslos alle heutigen Krokodile zeigen eine relativ typische Struktur aus großen, polygonen Schuppen. Auch sehr stark ans Wasser gebundene Arten wie die Gaviale haben eine solche Hautstruktur, und selbst wenn eine Art vollkommen ans marine Leben angepaßt ist, und die Oberfläche entsprechend strömungsgünstiger wird, etwa indem sich Hautunebenheiten, wie sie durch die Rückenkämme oder Panzerplatten hervorgerufen werden, zurückbilden, aber ich sehe jetzt keinen Grund weshalb sich die eigentliche Hautstruktur verändern sollte. Naja, das sind jetzt meine persönlichen Überlegungen, und vielleicht kann mir jemand eine begründete Antwort darauf geben, warum Meereskrokodile doch so eine Haut gehabt haben könnten.

Hier sieht man noch einmal einen leider nur fragmentarisch erhaltenen Schädel. Gut zu erkennen sind die sehr großen und langen Zähen:

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