Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Wale’ Category

Ein Blick ins Innere mariner Tetrapoden und warum Weichteile lügen

Sonntag, Juli 12th, 2009

Im Laufe der Evolution haben ja zahllose bereits an Land lebende Wirbeltiere wieder den Schritt zurück ins Wasser gemacht, um sich zu amphibischen oder sogar vollaquatischen Lebensformen zu entwickeln.  Zu diesem Thema gibt es im Naturkunde-Museum Berlin eine Reihe wirklich schönen Ausstellungsstücken, welche die Skelette verschiedene marine Tetrapoden in Schwimmstellung zeigen, welche zur Hälfte als Modell des lebenden Tieres dargestellt sind. Dabei sieht man nicht nur sehr gut wie sich das Skelett ins Innere eines Tieres “einfügt”, sondern man erkennt bei den Detailaufnahmen auch viele anatomischen Besonderheiten. Da die Modelle in Vitrinen ausgestellt waren, konnte ich wegen der Spiegelung leider nicht die ganzen Präparate am Stück photographieren, sondern leider immer nur teilweise. Besonders schön finde ich dieses halbseitig verkleidete Skelett eines Pinguins (entweder ein Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) oder ein Kaiserpinguin(Aptenodytes forsteri) ). Man sieht sehr schön die ringförmig um das Auge angeordneten Knochenplättchen, und auch dass die äußerliche Erscheinung des Halses völlig anders ist als die tatsächlichen skeletalen Verhältnisse. Von außen erscheint der Hals relativ kurz und gestreckt, tatsächlich ist er aber S-förmig angezogen, und kann noch deutlich nach vorne gestreckt werden.

Pinguin Skelett

Ähnliche Verhältnisse erkennt man auch bei diesem Skelett eines Seehundes (Phoca vitulina), der Hals erscheint auch hier von außen gerade zu sein, ist aber tatsächlich ebenfalls S-förmig gebogen. Diese typische Haltung des Halses ist innerhalb der Tetrapoden extrem weit verbreitet, angefangen bei Reptilien wie Leguanen und Krokodilen, bis hin zu Vögeln und den meisten Säugern, selbst wenn man es am lebenden Tier kaum vermuten würde, da das Weichgewebe oftmals keinerlei Rückschlüsse auf die Ausrichtung der Halswirbelsäule ermöglicht. Man achte auch auf das sehr lange Brustbein (Sternum) welches unterhalb des Halses an den Rippen entspringt.

Seehund Skelett

Ein anderes Bild findet man bei diesem Gewöhnlichen Schweinswal (Phocoena phocoena).  Die extrem kurzen und ineinander praktisch unbeweglichen Wirbel sind gerade nach vorne gerichtet, und ensprechen den äußeren Umrissen. Allerdings sieht man auch seh gut, dass die Umrisse des lebenden Tieres nur äußerst vage mit dem tatsächlichen Schädel übereinstimmen. Das liegt nicht nur an der Melone welche sich in der Stirnregion befindet, sondern vor allem auch an den großen Mengen an Fettgewebe, welche sich vor allem im Bereich zwischen Unterkiefer und Hals befinden. Auch das große und gut ausgebildete Zungenbein, sowie die für Schweinswale typischen kurzen stumpfen Zähne sind gut zu erkennen.

Schweinswal Skelett

Wieder andere Verhältnisse findet man bei dieser Schildkröte. Ich bin mir nicht ganz sicher um was für eine Art es sich handelt, möglicherweise war es eine Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata). Hier sind die Form des Schädels und die Form des Kopfes wie bei Reptilien üblich fast vollkommen kongruent. Es liegt kaum Weichgewebe über den äußeren knöchernen Schädelanteilen, sondern fast sofort die Haut mit den in sie eingelagerten Hornschildern. Die Halswirbelsäule ist auch hier wieder sehr interessant, wenn auch schlecht zu erkennen, denn sie ist an der Öffnung des Panzers fast rechtwinkelig nach oben gebogen, um dann in einem zweiten rechten Winkel in die mit dem Rückenpanzer verwachsene Wirbelsäule des Rückens überzugehen.

Schildkröte Skelett

Hier sieht man noch mal eine Frontalansicht des Schildkrötenschädels mit der halbseitigen Lebenddarstellung (bei der es sich vermutlich um einen Abguss handelt):

Schildkröte Schädel frontal

Mehr über die merkwürdige Divergenz zwischen der Form der Halswirbelsäule und des sie umgebenden Weichgebwebes findet man in vielen tollen Bildern und interessanten Hintergrundinformationen auch auf Tetrapodzoology und Sauropod Vertebra of the Week:

http://scienceblogs.com/tetrapodzoology/2009/05/sauropods_held_necks_erect.php

http://svpow.wordpress.com/2009/05/31/necks-lie/

Mysteriöser Walkiefer

Freitag, Mai 22nd, 2009

Zoologische Kuriositäten findet man bei weitem nicht nur in Naturkundemuseen, sondern manchmal auch an Orten, an denen man nur bedingt damit rechnet, etwas wirklich Interessantes zu finden. So war es auch bei diesem Walunterkiefer, der in der Ozeanien-Ausstellung des Völkerkundemuseums in Berlin zu sehen ist. Das Museum ist wirklich hoch interessant, und absolut zu empfehlen. Ich habe dort auch noch einige andere Dinge gesehen, über die ich in nächster Zeit noch bloggen wollte. Neben diversen anderen, wirklich faszinierenden Ausstellungen, wie etwa über diverse frühe  südamerikanische  Kulturen, hat mir ganz besonders die große Ozeanien-Ausstellung gefallen. Neben einigen wirklich skurilen künstlerischen Darstellungen diversen lebender und mythologischer Wesen, kompletten Katamaranen, Langhäusern und einer Unzahl verschiedener Waffen, Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände lag dort auch diese Mandibula eines Wales. Der Aufschrift nach stammt er von den südlichen Salomon-Inseln, also einer Inselgruppe im Süd-Pazifik, und wurde im Jahre 1934 gesammet. Die Zähne diverser Wale wurden und werden dort teilweise immer noch als Zahlungs-oder Prestigeobjekte gehandelt, wobei der größte Wert natürlich den großen Pottwalzähnen zukommt. Diese noch weitgehend intakte Mandibula wurde allerdings als ein Delphinunterkiefer beschriftet. Wer sich etwas mit Walen und ihrer Anatomie auskennt, dürfte aber sicherlich sofort erkennen, dass es sich hierbei keineswegs um den Unterkiefer irgend eines Delphines handelt. Die Photos sind leider nicht ganz so toll, weil ich sie ohne Blitz machen mußte, und auch das Stativ nicht verwenden konnte.

Kogia Mandibula 1

Wie man sieht zeigt dieser Unterkiefer eine ganze Reihe von Besonderheiten, etwa die extrem weit auseinander stehenden Kieferäste, welche dem ganzen Kiefer in der Aufsicht ein sehr Y-artiges Aussehen geben. Insgesamt ist der Teil in dem die Zahnbögen stehen auch nur ungewöhnlich kurz im Verhältnis zur Gesamtlänge. Auch fällt auf, dass der Hinterteil der Kieferäste beinahe nur papierdünn ist, was man auch ganz gut an der Beschädigung am Hinterende des rechten Kieferastes sieht.

Kogia Mandibula 2

Sehr ungewöhnlich für einen Wal sind auch die Zähne. Insgesamt 14 Stück in jeder Kieferhälfte, sind sie extrem lang, dünn, und dazu auch noch ziemlich spitz. Man sieht auf dem unteren Bild auch ganz gut die gekrümmte Form, die beinahe schon an jene von Pythonzähnen erinnert.

Kogia Mandibula 4

Hier sieht man noch mal gut die Y-Form des Unterkiefers.Kogia Mandibula 3

Um was für einen Kiefer handelt es sich hier also? Anhand der aufgeführten Merkmale kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass er von einer der Kogia-Arten stammt, also entweder von einem Kleinen Pottwal (Kogia simus) oder einem Zwergpottwal (Kogia breviceps). Ersterer hat im Unterkiefer in der Regel 7-13 Zähne pro Seite, während es beim Zwergpottwal zwischen 10 und 16 pro Kieferhälfte sind. Daher vermute ich mal eher, dass es sich um Kogia breviceps handelt, und nicht um Kogia simus. Diese kleinen, und auch ziemlich unbekannten Wale sind wirklich hochinteressant. Nicht nur dass sie ziemlich merkwürdige Kiefer besitzen, sie haben auch andere Merkwürdigkeiten zu bieten, wie etwa die Verteidungsstrategie sich bei Haiangriffen in einer undurchsichtigen Wolke aus Kot zu verstecken… Für alle die noch nie ein Bild von einem Zwergpottwal gesehen haben, stelle ich hier mal eines von Wikipedia rein:

Man könnte leicht der Annahme verfallen, dass Zwergpottwale und Kleinpottwale praktisch ursprüngliche “Stammformen” des hochspezialisierten Pottwales sind. Doch auch wenn ihr Äußeres weniger spektakulär anmutet als jenes des gewaltigen Physeter catodon, zeigt sich bei der genaueren Betrachtung ihrer Schädelanatomie, dass sie sogar noch viel komplexer und höher entwickelt ist, als jene ihres riesigen Verwandten. Vielleicht sahen die frühen Vorfahren der Pottwale tatsächlich so ähnlich aus wie die heutigen Kogia-Arten, nur mit etwas längeren Schädeln vermutlich, ähnlich der aus der peruanischen Pisco-Formation (über die tollen Sachen die man dort gefunden hat irgendwann mehr…) bekannten Art Scaphokogia cochlearis, die möglicherweise zu einem Schwestertaxon der Kogia-Gattung gehörte. Interessant ist, dass auch die Zwerg-und Kleinpottwale üblicherweise nur im Unterkiefer Zähne haben, auch wenn bei Kogia simus teilweise bis zu sechs verkümmerte Zähne im Oberkiefer auftreten können. Frühe Pottwale mit gut ausgebildeten Zähnen in beiden Kiefern kennt man ja auch einige, nicht nur die Orca-artigen Killerpottwale wie Zygophyseter varolai oder Brygmophyseter shigensis, sondern auch Formen wie Idiorophus patagonicus, dessen Gebiss vermuten lassen könnte, dass er bereits auf dem Weg zu einem spezialisiertem Kalmarjäger war.

Wie ihr großer Verwandte,  der Pottwal Physeter catodon, tauchen sie zum Jagen in große Tiefen herab, um dort vor allem Cephalopoden zu jagen. Dabei tauchen sie nicht einfach mit dem Kopf voran ab, wie man es eigentlich erwarten würde, sondern versinken einfach völlig laut-und bewegungslos unter die Wasseroberfläche.

Knochen einer Finnwalflosse

Sonntag, Februar 8th, 2009

Leider hat fast den gesamten Januar mein Internet nicht funktioniert, daher gab es die ganze Zeit auch nichts neues, aber ich versuche in nächster Zeit mal wieder des öfteren etwas für den Blog zu schreiben. Es ging ja in den letzten Beiträgen viel um Wale, und darum wollte ich (vorerst mal als letztes Bild des Tages, um das Thema nicht zu überstrapazieren) heute noch einmal etwas passendes schreiben.
Welche gewaltigen Größen die großen Bartenwale erreichen, wird in der Regel erst bewußt, wenn man sie einmal in Relation zur Größe eines Menschen sieht. Sehr eindrucksvoll kann man das bei dieser Montage einer skelettierten Finnwalflosse im Vergleich zum Skelett eines Menschen sehen:

pict58281

Das Photo stammt übrigens aus dem Zoologischen Museum Hamburg. Man muss sich auch vor Augen halten, dass Finnwale im Verhältnis zu ihrer Körpergröße sogar relativ kleine Flosse haben, die Flipper eines Blauwales, und erst recht jene eine Buckelwales wären noch deutlich größer.

Buchrezension: Seeungeheuer – Mythen, Fabeln und Fakten

Samstag, Januar 3rd, 2009

Wenn man von Seeungeheuern spricht stellt man sich zumeist fantastische Monstren vor, etwa die große Seeschlange oder gewaltige Schiffe versenkende Kraken. In diesem Buch werden zahlreiche "Ungeheuer" vorgestellt, sowohl solche die tatsächlich existieren als auch solche, von denen man stark annehmen muss dass ihre Existenz zumindest stark zweifelhaft ist wie zum Beispiel das Ungeheuer von Loch Ness. Das Hauptthema dieses mit 388 Seiten ziemlich umfangreichen Werkes sind jene Meereslebewesen die von jeher den Menschen in seinen Bann ziehen und vielfach mystifiziert oder sogar dämonisiert wurden, aber auch die echten Ungeheuer der Kryptozoologie kommen keineswegs zu kurz. Da dieses Buch erst 1997 erschien, sind die darin erhaltenen wissenschaftlichen Daten auf ziemlich aktuellem Stand da der Autor sich stark bemühte veraltete Vorstellungen und unnötige, aber leider weit verbreitete Fehldarstellungen zu vermeiden, was ihm auch mit Bravour gelungen ist. Es werden viele Wesen vorgestellt, die an sich schon faszinierend genug sind, etwa Tiefseekalmare oder Seekühe, gleichzeitig wird auf viele erst relativ neu entdeckte oder nur sehr unzureichende Meeresbewohner eingegangen. Zudem räumt der Autor mit vielen alten Märchen und Mythen auf, die leider auch in vielen kryptozoologischen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen seit Jahrzehnten ungeprüft übernommen werden, etwa der tatsächlichen Größe des Megalodon oder der wirklichen Größe von Saugnäpfen des Riesenkalmar, die entgegen unzähliger Bücher keineswegs tellergroß sind. Besonders interessant ist auch die Geschichte der Entdeckung des Riesenkalmars und dessen Biologie, aber auch die vielfältigen und in der Regel gut nachvollziehbaren Erklärungsversuche von Seeungeheuer durch bereits bekannte Lebewesen oder optische Phänome. Es wird sogar auf Literatur und Filme eingegangen, die tatsächliche oder erfundene Monster zum Inhalt haben, wie etwa "Moby Dick" oder "Der Weiße Hai", sowie kurze Ausschnitte aus Romanen oder Geschichten, die vielfach aus dem Blickwinkel der Wissenschaft betrachtet und nach Notwendigkeit ins rechte Licht gerückt werden. Die zahlreichen Bilder sind zwar leider nur in schwarz-weiß, dafür aber in der Regel sehr interessant und ansonsten selten zu finden, wie etwa ein Photo eines 6m langen Mesonychoteuthis oder alten Darstellungen und Steckbriefe des Riesenkalmar. Der Inhalt ist recht weit gefächert und in 14 Kapitel unterteilt, so dass hier wirklich nur ein sehr kleiner Einblick wiedergegeben werden kann.

  1. Kapitel: Seeungeheuer-eine Einfürung: Hier wird auf die Darstellung von Seeungeheuern in der Geschichte eingegangen, sowie zoologischen Neuentdeckungen wie dem Riesenmaulhai
  2. Kapitel: Das Ungeheuer von Loch Ness: Der Name sagt eigentlich schon alles, wobei der Autor u.a. gut zeigt was im biologischen Sinn möglich wäre und was alles nicht
  3. Kapitel: Seeschlangen: Hier werden zahlreiche Berichte von Seeungeheuern vorgestellt, die ins Seeschlangen-Schema passen, sowie Lebewesen die dahinter stecken könnten
  4. Kapitel: Seejungfrauen und Seekühe: Hier werden alte Fälschungen aus Rochen oder anderen Fischen gezeigt, die zu vermeintlichen Meerjungfrauen oder Drachen umgestaltet wurden, zudem die Biologie der Seekühe unter besonderer Berücksichtigung der Stellerschen Seekuh.
  5. Kapitel: Der Krake: Wissenschaftliche Erkenntnisse über den Riesenkalmaren sowie dessen Enteckungsgeschichte
  6. Kapitel: Die Biologie des Kalmaren: Hier werden verschiedene Tiefseekalmare, allgemein unbekanntere Riesenkalmare und ihre Biologie im Allgemeinen behandelt
  7. Kapitel: Leviathan oder der Wal: Hier geht es vor allem um den Pottwal
  8. Kapitel: Levianthan versus Krake: Die Jagdstrategien des Pottwales und das gar nicht so dramatische Zusammentreffen von Riesenkalmar und Pottwal
  9. Kapitel: Der Oktopus als Monster: Der Oktopus in Geschichte, Film, Literatur und Wirklichkeit
  10. Kapitel: Biologie des Oktopus: Lebensweise und Biologie des achtarmigen Kraken
  11. Kapitel: Blobs und Globster: Hier werden seltsame und schwer zu identifizierende Fleischklumpen behandelt, die seit Jahrzehnten immer wieder an Küsten angespült werden
  12. Kapitel: Der Hai: Biologie und Verhalten von Haien, besonders des Großen Weißen, sowie neueste Erkenntnisse über den Megalodon
  13. Kapitel: Die neue Mythologie der Monster: Hier werden zahlreiche Erklärungsmöglichkeiten für verschiedene Seeungeheuer vorgestellt
  14. Kapitel: Fragebogen der Linné-Gesellschaft: Als kleiner Gag wird hier ein ernsthafter Fragebogen für eine Seeungeheuer-Sichtung gezeigt.

Dieses Buch sollte wirklich jeder haben der sich auch nur ein bisschen für Seeungheuer und die Biologie von Kalmaren interessiert. Der Kauf lohnt sich alle mal, zumal dieses Buch inzwischen in einigen Versandkatalogen oder auch unter Amazon teilweise für einen absolut ungerechtfertigten Spottpreis zu haben ist. Mein Tipp: Kaufen solange dieses wunderbare Buch noch erhältlich ist.

Bilder des Tages: Entenwalschädel

Samstag, Januar 3rd, 2009

Die Schnabelwale beinhalten einige der bizarrsten und auch größten Zahnwale überhaupt, dennoch ist bisher nur sehr wenig über die meisten Arten bekannt. Auch in Büchern findet man in der Regel nur relativ spärliche Angaben über jene hochinteressanten Tiere. Dass so wenig über viele Schnabelwale bekannt ist, ist vor allem insofern erstaunlich, als dass sie teilweise äußerst beachtliche Größen erreichen können. Der Baird´s Schnabelwal ist nach dem Pottwal der zweitgrößte Zahnwal der Erde, und übertrifft selbst die kleinsten Bartenwale noch an Größe. Aber auch der Nördliche Entenwal (Hyperoodon ampullatus), welcher in Ausnahmefällen sogar in den Gewässern Norddeutschlands als Irrgast vorkommt, erreicht außerordentlich respektable Ausmaße. Das wird allein schon bei der gewaltigen Größe des Schädels sichtbar, welcher jenem eines Orcas absolut nicht nachsteht. Entenwale sind spezialisierte Tieftaucher, welche ganz ähnlich den Pottwalen weit in die Tiefsee abtauchen, wo sie sich vor allem von Kalmaren und Fischen ernähren. Die allermeisten Schnabelwale zeigen eine massive Reduktion des Gebisses, wobei bei einigen Arten wie Mesoplodon densirostris die verbliebenen Zähne aber bei den Männchen zu hauerartigen Waffen für Rivalenkämpfe umgebildet sind. Beim Nördlichen Entenwal sind die verbliebenen Zähne dagegen nur noch äußerst klein, und sitzen ganz vorne an der Spitze der Kiefer. Wie viele andere spezialisierte Kalmarfresser, saugen sie ihre Beute primär ein, anstatt sie mit dem Maul zu packen. Interessant ist auch die Entwicklung des Schädels mä nnlicher Entenwale. Junge Exemplare ähneln noch stark den Weibchen, doch je älter sie werden, um so stäker prägt sich die Melone am Kopf aus, siw wird immer höher und steiler, und wölbt sich sogar schärg nach vorne, nicht unähnlich der Kopfform alter männlicher Pottwale, nur mit dem Unterschied, dass bei den Entenwalen die Schnauze noch frei bleibt.
Hier ein Exemplar aus dem Zoologischen Museum in Hamburg:

entenwal

Ein weiteres aus dem Zoologischen Museum in Kiel:

nordlicher-entenwal

Und noch mal eine andere Ansicht:

nordlicher-entenwal2

Bild des Tages: Schädel eines La Plata Delphins

Freitag, Januar 2nd, 2009

Heute gibt es ein Photo eines La-Plata-Delphines (Pontoporia blainvillei), des kleinsten aller lebenden Flussdelphine. Allerdings muss hier zugefügt werden, dass der kleine La-Plata-Delphin nicht wie etwa der Amazonas-Delphin ein ausschließlicher Süßwasserbewohner ist, sondern sich primär in Küstengewässern aufhält.
Hier ein Photo aus dem Zoologischen Museum Hamburg:

la-plata-delphin

Man achte vor allem auf die extrem lange Schnauze mit den sehr zahlreichen Zähnen. Seltsamerweise gibt es unter den heutigen Zahnwalen nur sehr wenige Arten mit relativ langen Schnauzen, und keine einzige, bei der dies in extremer Weise ausgeprägt ist. Unter den ausgestorbenen Walen kennt man dagegen eine ganze Reihe, auch unverwandter Formen, welche teilweise massiv verlängerte schmale Kiefer hatten.

Bild des Tages: Belugaschädel

Mittwoch, Dezember 31st, 2008

Hier mal ein paar Schädelansichten eines Belugaschädels aus dem Zoologischen Museum in Hamburg:

beluga

Man sieht schöne eine gewisse Assymetrie des Schädels, wie man sie in verschieden stark ausgeprägter Weise bei vielen Zahnwalen findet. Was man leider nicht gut sind, sind die Zähne, denn Belugas entwickeln wirklich sehr seltsame Abkaumuster ihrer Zähne, wobei seltsame, beinahe teelöffelartige Formen entstehen.
Belugas nehmen ihre Nahrung ja vor allem am Grund auf, etwa Plattfische oder auch diverse eher bodenorientiert lebende Dorschfische, und vielleicht spielt ja der Abrieb durch mit aufgenommenes Sediment auch eine gewisse Rolle bei der Zahnabrasion.
Interessant ist auch die Form des Belugaschädels, welche ja vor einiger Zeit dazu führte, dass ein an der russischen Küste angetriebener Belugakadaver zigfach als Überrest eines Meeresreptils angesehen wurde. Aber wie bei den meisten anderen Zahnwalen auch, wird beim Beluga der Großteil der äußeren Kopfform von Muskulatur, Blubber sowie natürlich auch der gut ausgeprägten Melone ausgemacht, und kaum von der tatsächlichen Form des Schädels.

Bild des Tages: Deformierter Pottwalschädel

Montag, Dezember 29th, 2008

Ich habe ja schon öfter mal von Pottwalen gelesen, welche stark deformierte Kiefer aufwiesen, und dank des Internets kannte ich auch bereits ein Photo eines solchen, aber mit eigenen Augen zu sehen bekam ich ich solches Exemplar leider noch nie. Umso erstaunter war ich darum, als ich im Hamburger Museum für Zoologie solch einen deformierten Pottwalkiefer zu sehen bekam:

deformed-sperm-whale-mandible-1

Wie man sieht ist der Kiefer so stark nach rechts gewachsen, dass er schon beinahe einen geschlossenen Kreis bildet. Was die genaue Ursache solcher Deformationen ist, ist schwer zu sagen, aber wahrscheinlich entstehen sie durch ein einseitig verstärktes Wachstum des Kiefers. In diesem Fall muss die linke Hälfte des Unterkiefers stärker gewachsen sein als die rechte, wobei sie einen kontinuiertlichen Druck auf die rechte ausübte. Als Folge dessen kam es wohl auch zu einem gewissen Knochenabbau auf der rechten Seiten (Üblicherweise bildet sich Knochen zurück wenn Druck auf ihn ausgeübt wird, und verstärkt sich wenn Zug ausgeübt wird), was dann in dieser massiven Deformation endete.

Hier sieht man noch einmal eine Nahaufnahme des Kiefers, der leider keinen einzigen Zahn mehr aufwies:

deformed-sperm-whale-mandible-subadult

Diese Deformation mag sehr drastisch aussehen, doch tatsächlich kennt man von Pottwalen sogar noch weitaus massivere Wachstumsstörungen des Kiefers. Ich kenne ein Photo eines Pottwalunterkiefers aus einem Museum in den USA, dessen Form and die Spitze eines Korkenziehers erinnert, auf den man mit einem Hammer geschlagen hat.

Eine gewisse Assymetrie des Schädels ist bei Zahnwalen an sich nichts ungewöhnliches, besonders bei langschnäuzigen Formen, sowohl lebenden als auch ausgestorbenen, findet man nicht selten eine leichte Bogenform. Besonders ausgeprägt findet man dies relativ häufig bei Amazonas-Flussdelphinen, auch wenn der Grad der Assymetrie keineswegs an den hier gezeigten Pottwalkiefer heranreicht. Das hier gezeigte Exemplar stammt, wie man im Vergleich zum Schädel eines erwachsenen Pottwales erkennen kann, von einem Jungtier:

pottwal-mandibula-deformiert

Das eigentlich erstaunliche an diesen Deformationen an Pottwalkiefern ist nicht dass sie es gibt, denn auch bei anderen Tieren kommt es zuweilen im Embryonalstadium oder auch im späteren Verlauf des Wachstums zu massiven Wachstumsstörungen. Das wirklich besondere bei den Pottwalen ist die Tatsache, dass selbst solche gravierenden Missbildungen scheinbar keinen Einfluss auf die Nahrunsaufnahme haben, denn man hat sie nicht nur bei Kälbern gefunden, welche ja noch von ihren Müttern gesäugt wurden, sondern auch bei ausgewachsenen Exemplaren, die sich erstaunlicherweise in ansonsten ausgezeichneter und wohlgenährter Verfassung befanden. Man hat neben Exemplaren mit Wachstumsstörungen aber auch schon solche gefunden, welche gebrochene oder sogar abgebrochene Unterkiefer aufwiesen, wahrscheinlich eine Folge von Rivalenkämpfen bei den Bullen, und auch jene befanden sich in gutgenährten Zustand. Das bedeutet zum Einen dass der Unterkiefer trotz seiner großen Länge scheinbar keine gravierende Rolle bei der Nahrungsaufnahme des Pottwales spielt, und zum Anderen dass wir nur ziemlich wenig über das Fressverhalten dieser Art wissen. Tatsächlich basiert hierbei vielen auf Spekulationen und Mutmaßungen. Man weiß nicht genau wie der Pottwal seine Beute fängt, noch genau wie er sie frisst. Da teilweise sogar die Kadaver großer Riesen-und Kolosskalmare in relativ unbeschädigten Zustand in den Pottwalmägen gefunden wurden, müssen sie in aller Regel am Stück heruntergeschluckt worden sein. Das Zungenbein und die an ihnen ansetzende Muskulatur ist beim Pottwal sehr gut ausgeprägt, weshalb man davon ausgehen kann, dass sie mit ihrer Hilfe fähig sind, einen starken Unterdruck aufzubauen, und damit ihre Beutetiere wie ein Staubsauger einsaugen können. Ähnliches ist auch bei Schnabelwalen der Fall, und auch von den Ichthyosauriern sind bei einigen Formen ähnliche durch das Zungenbein bewegbare Saugvorrichtungen gefunden worden. Interessanterweise scheint dies besonders bei solchen Meeressäugern und Reptilien aufzutreten, die sich zu einem großen Teil von Kopffüßern ernähren, oftmals gekoppelt mit einer mehr oder weniger starken Reduktion der Zähne. So treten ja auch beim Pottwal die Zähne des Oberkiefers üblicherweise überhaupt nicht aus dem Knochen, und bei den jungen

Dabei ist es erstaunlich dass die große Masse der Beutetiere des Pottwales in der Regel nicht wie vielfach behauptet aus Riesenkalmaren vesteht, sondern aus nur relativ kleinen Kalmaren und Fischen, die häufig nur etwa einen halben Meter groß sind. Wie ein Pottwalbulle von teilweise mehr als 50 Tonnen es schafft, jeden Tag mehr als 1000kg Nahrung in Form von vergleichsweise winzigen Beutetieren zusammenzubekommen, ist wirklich erstaunlich, und wieder einmal ein wunderbares Beispiel dafür, wie wenig wir immer noch über viele Tiere wissen.

Bild des Tages: Orcaschädel mit SEHR schlechten Zähnen

Sonntag, Dezember 28th, 2008

Im Sommer dieses Jahres verweilte ich für ein paar Tage in Hamburg, von wo ich eine Riesenmenge an teilweise sehr interessanten Photomaterial mitgebracht habe, sowohl aus dem Hagenbeck-Zoo, als auch aus diversen Museen. Besonders das Zoologische Museum in Hamburg ist wirklich absolut empfehlenswert und birgt zahlreiche Schätze. Wer sich für Zoologie interessiert, der sollte bei einem Aufenthalt in Hamburg unbedingt einen Abstecher dorthin planen, zumal es nicht einmal Eintriff kostet. Übrigens liegt die , zugegebenerweise recht kleine Paläontologische Sammlung nur ein paar Minuten Fußweg davon entfernt. Besonders angenehm fiel mir dort auf, dass viele der dortigen Präparate (die zu einem Teil auch direkt aus dem Hagenbeck Zoo stammen, etwa das berühmte Walross Antje) von ausgesprochen guter Qualität und wunderschön dargestellt sind. Neben zahlreichen Präparaten findet man dort auch eine recht große Anzahl von Schädeln und Skeletten verschiedener Tiere, darunter eine ganze Menge Wale. Auch auf meinem Tagesausflug nach Kiel konnte ich im dortigen Zoologischen Museum eine enorme Zahl von teilweise einzigartigen Ausstellungsstücken bestaunen. Da auch dort eine ganze Anzahl von Walknochen und Schädeln ausgestellt war, habe ich mich mal entschlossen, mal ein paar Tage primär Photos von Walschädeln zu posten. Wer regelmäßig Tetrapod-Zoology liest, weiß natürlich dass die Idee nicht von mir stammt, aber sie passt mir grade ziemlich gut ins Konzept, außerdem habe ich ja auch andere Photos. Da ich im Naturkunde-Museum in Karlsruhe auch noch eine ganze Menge fossiler Walschädel photographieren konnte, kommt vielleicht auch irgendwann noch eine Woche mit diesem Thema, aber das wäre jetzt direkt im Anschluss wohl zu viel des Guten.

An dieser Stelle möchte ich aber auch gleich noch ein bisschen Werbung für die von mir besuchten Museen machen, und mich auch noch mal ganz herzlich für die ausgesprochen netten Museumsmitarbeiter aussprechen.

Hier die Homepage des Hamburger Zoologie-Museums:

http://www.biologie.uni-hamburg.de/zim/#Museum

Und hier die Homepage des Zoologischen Museums in Kiel:

http://www.uni-kiel.de/zoologisches-museum/

Dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere zuweilen sehr schlechte Zähne haben, kann man sehr gut an diesem Schädel eines Orca erkennen, den ich im Zoologischen Museum in Kiel photographiert habe:

pict6292

Schon auf dem großen Überblickphoto erkennt man, dass die Zähne sehr stark abgenutzt sind, das wahre Ausmaß der Abrasionen der Zähne und der Athrophien des Knochens erkennt man erst bei der Detailaufnahme:

pict6293

Wie man sieht, sind die Zähne so stark abgenutzt, dass das Pulpenkavuum der Zähne teilweise sehr breitflächig eröffnet ist. Mit größter Wahrscheinlichkeit waren diese Zähne auch nicht mehr vital. Ob die Längsfrakturen der Zähne bereits zu Lebzeiten, oder vielleicht auch erst durch die Präparation des Schädels entstanden, kann ich nicht sagen, auch wenn ich eher ersteres vermute. Wie man sieht, ist der am vordersten stehende Zahn am aller stärksten abgenutzt, und die ursprünglich vor ihm gelegenen Zähne fehlten bereits seit längerer Zeit, was man daran erkennen kann, dass die Alveolen in welchen sie ursprünglich im Unterkiefer verankert waren, bereits sehr stark verknöchert sind.

Zweifellos stammt dieser Schädel von einem bereits sehr altem Schwertwal, doch der Zustand der Zähne ist dennoch von geradezu erschreckend schlechten Ausmaß. Die an den Lateralflächen der Zähne liegende Abrasionsflächen stammen wahrscheinlich von den Zähnen im Gegenkiefer, aber die wie mit einer Feile abgeschmirgelten Spitzen der Zahnkronen haben vermutlich eine andere Ursache. Man könnte vermuten, dass dieser Orca sich möglicherweise über viele Jahrzehnte zu einem guten Teil von Haien und Rochen ernährt hat, und dass deren schmirgelpapierartige Haut die Zähne abradiert hat. Schwertwale gehören neben großen Haien wie Tigerhaien, großen Hammerhaien oder den Weißen Haien zu den wenigen marinen Raubtieren, welche sich teilweise zu einem großen Teil von Knorpelfischen ernähren, sogar von Stachelrochen und größeren Haien. Es existieren sogar Aufnahmen, die beweisen dass Schwertwale zuweilen selbst Weiße Haie jagen und fressen, auch wenn dies eher selten passieren dürfte.

Die Rückkehr der Killerpottwale

Montag, Mai 5th, 2008

Ich habe ja schon ein paar mal über die sogenannten Killerpottwale geschrieben, ein archaischer Seitenzweig aus der Ahnenreihe der Pottwale, welche allem Anschein nach zu ihrer Zeit die ökologische Nische der Schwertwale besetzten, und im Gegensatz zu ihren lebenden Verwandten nicht nur von Kalmaren und Fischen, sondern vor allem von größeren Beutetieren lebten. Leider gibt es ja nur ziemlich wenige Informationen und kaum Bildmaterial über diese faszinierenden Wale, mal ganz abgesehen davon, dass sie ja kaum jemand überhaupt kennt, was auch mit daran liegt, dass mit wenigen Ausnahmen die bisherigen Funde äußerst fragmentarisch sind.  Wie der Zufall es wollte, wurde erst vor Anfang April in einem Felsen am Rappahannock River im Osten Virginias die fossilen Überreste eines Killerpottwales gefunden. Leider sind auch hier die erhaltenen Überbleibsel recht spärlich, und bestehen primär aus den Zähnen, sowie Fragmenten des Ober-und Unterkiefers. Die Benutzung der folgenden Photos wurde mit freundlicherweise von Dr. Alton Dooley vom Virginia Museum of Natural History erlaubt, welcher an der Bergung des Fossils beteiligt war. Einige weitere Photos findet man hier: http://web.mac.com/dooleyclan/Site_2/Blog/Blog.html

Die Fundsituation:

Die Killerpottwale unterschieden sich in einer ganzen Reihe von Merkmalen von den modernen großen Pottwalen, insbesondere dadurch, dass sie auch im Oberkiefer große funktionelle Zähne hatten (die Oberkieferzähne rezenter Pottwale sind nur sehr klein und brechen normalerweise nicht aus dem Kiefer). Ihre Zähne waren sehr groß, hatten wegen der starken Belastung der sie ausgesetzt waren ausgesprochen lange Wurzeln und besaßen im Gegensatz zu jenen von heutigen Pottwalen auch eine Schmelzschicht, waren also auch härter. Die Zähne der Killerpottwale zeigen häufig sehr starke Abnutzungserscheinungen, ganz ähnlich wie bei Schwertwalen, und die ineinandergreifenden Zähne von Ober-und Unterkiefer haben sich gegenseitig oft tiefe Furchen geschliffen. Häufig ist durch den starken Gebrauch der Zähne gut die Hälfte der ursprünglichen Schmelzschicht abgenutzt.

Hier ein einzelner Zahn mit sehr deutlich zu sehenden Abschliffspuren des Gegenzahnes:

Leider ist ja nur ein sehr geringer Teil des ursprünglichen Schädels erhalten, so dass man schwer sagen kann, wie dieser Killerpottwal ausgesehen haben könnte. So kann man etwa nicht mit Sicherheit sagen, obe es sich um eine Form wie Zygophyseter varolai mit einer langen und nur teilweise vom Spermacetiorgan bedeckter Schnauze handelte, oder um einen etwas robusteren Typus wie Brygmophyseter shigensis oder Hoplocetus ritzi, bei denen wohl die ganze Schnauze vom Walratorgan bedeckt war. Dr. Dooley vermutet aber, dass dieser Wal eher dem Zygophyseter-Typus entsprach.

Hier sieht man einen Teil des Jochbeines, welches auch den unteren Rand der Augenhöhle bildete :

Es bleibt zu hoffen dass in Zukunft noch mehr Fossilien dieser Wale gefunden werden, so dass man sich ein besseres Bild ihrer einstigen Lebensweise und ihres Aussehens machen kann.