Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

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Buchrezension: The World of Kong – A Natural History of Skull Island

Sonntag, Dezember 28th, 2008

Wenn es so etwas wie den ultimativen Klassiker des Monsterfilms gibt, dann ist das sicherlich King Kong. Leider hatte ich noch nie Gelegenheit mir den Originalfilm anzusehen, aber ich denke, das wird auch irgendwann einmal. Die Monster im Original aus den frühen 30iger Jahren waren natürlich noch etwas plumpe Stopmotion-Animationen, welche dennoch für die damalige Zeit absolut bahnbrechend waren. Dank der inzwischen extrem ausgereiften CGI-Technik ist man ja aber inzwischen auch in der Lage mit Hilfe von Computern extrem realistische Effekte zu erreichen, und die Monster in der Neuverfilmung von Peter Jackson waren wirklich klasse. Mal ganz unabhängig von der zugegebenerweise teilweise etwas langatmigen Handlung des Filmes, sind es die ganzen Kreaturen und Monster schon für sich gesehen wert, dass man sich den Film ansieht. Dabei sind in der ungeschnittenen Version sogar noch viel mehr zu sehen, als in der normalen Kino-Version. Neben verschiedenen Begleitbüchern über die Hintergründe des Films gibt es auch ein ganz besonderes Werk, welches zu diesem Film herausgegeben wurde: The World of Kong - A Natural History of Skull Island

Nun ist dies ja kein Film-oder Fantasy-Blog, aber dennoch wollte ich nicht darauf verzichten, über dieses Buch zu schreiben, da es eine ganze Menge mit Paläontologie, Zoologie und auch Evolutionsbiologie zu tun hat. Zugegebenerweise hatte ich auch schon immer viel für die Hintergrundbücher von Star Wars oder Mittelerde übrig, in denen allerlei fantastische Kreaturen beschrieben wurden, und selbst fantastische (aber nach Möglichkeit biologisch und evolutionär realistische) Kreaturen zu erfinden, ist für mich schon immer ganz besonders interessant gewesen. The World of Kong ist in dieser Hinsicht ein echtes kleines Meisterwerk. Darin werden all die Wesen, selbst jene welche in Film nur für wenige Augenblicke zu sehen sind, mehr oder weniger ausführlich behandelt, und dazu kommen noch unzählige andere, welche gar nicht in der Handlung vorkommen. Es handelt sich hierbei um kein Filmbuch im eigentlichen Sinne, und es findet sich auch kein einziges Photo aus dem Film oder von Modellen, welche für ihn erstellt wurden darin, sondern ausschließlich Bilder und Zeichnungen, welche entweder für Storyboards, Kreaturen-Design und eben speziell für dieses Buch gemacht wurden. Sie sind auch von durchgehend guter bis sehr guter Qualität, und haben mir auch sehr gut gefallen, wenngleich auch teilweise ein gewisser Comic-Style mitschwingt. Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, welche sich primär an den geographischen Begebenheiten von Skull Island orientieren, so dass jeweils unterschiedliche Lebewesen aus den selben Ökosystemen miteinander abgehandelt werden, etwa der Strand, die Sumpfgebiete oder etwa die Gebirgsregionen. Außerdem wird auch etwas auf die Hintergründe der martialischen Kliffbewohner und der einstmals auf der Insel lebenden Hochkultur eingegangen, sowie die geologischen Hintergründe der Insel ausgeführt. Diese sind von besonderer Bedeutung um die Lebewesen der Insel zu verstehen, und sie ergeben trotz der künsterlischen Freiheiten doch durchaus zum größten Teil Sinn.

Das vor West-Sumatra gelegene Skull Island war ursprünglich weitaus größer, fast schon ein eigener Kontinent und einst mit der Riesenlandmasse Gondwana verbunden, weshalb sich dort auch all die Dinosaurier und anderen größtenteils mesozoischen Kreaturen finden. Es gab verschiedene Isolationen vom Festland, welche gelegentlich von neu entstandenen Landbrücken unterbrochen wurden, so dass sich über die Millionen eine äußerst einzigartige Fauna bilden konnte, wozu auch noch eine ganze Reihe, teils erst in allerjüngster Zeit erfolgte Kolonisierungen von modernen Tieren erfolgte, welche die Insel auf dem Luftweg oder übers Meer erreichten.

Wenn man sich den Film ansieht, dann fragt man sich unwillkührlich, warum eine Insel von solchen Ausmaßen voll sein kann von riesigen zähnefletschenden Monstern, die scheinbar nichts besseres zu tun haben, als von morgens bis abends zu versuchen sich gegenseitig umzubringen und aufzufressen. Der Hintergrund für diese Zustände findet sich in den geologischen Prozessen, welche durch Plattentektonik und Vulkanaktivitäten die Insel im Laufe der Zeit immer kleiner werden ließen, so dass für die auf ihr lebenden Wesen immer weniger Platz zur Verfügung stand, und sie immer aggressiver und stärker werden mußten, um sich bei den noch vorhandenen Ressourcen behaupten zu können. Das Resultat war ein evolutionäres Wettrüsten höchsten Grades. In der Realität würde dies natürlich nicht so drastisch aussehen, aber rein prinzipiell handelt es sich um natürliche Prozesse beschleunigter Evolution, welche in abgeschwächter Form auch in der Natur beobachtet werden können.

Damit ist nun geklärt wie all die seltsamen Monster auf der Insel ihr martialisches Aussehen bekamen, und auch woher sie kamen. Man darf nun nicht glauben, dass in dem Buch lediglich irgendwelche riesigen Ungeheuer vorkommen, denn tatsächlich wurden hier wirklich ganze Ökosysteme entworfen. Neben den großen und kleinen Räubern und Pflanzenfressern findet man auch eine ganze Reihe von kleinen und kleinsten Lebewesen wie Vögel, kleine Reptilien und sogar Insekten. Selbst eine Reihe von Parasiten werden extra behandelt. Diese Tiere sind zum größten Teil wirklich erstaunlich glaubhaft und realistisch präsentiert, auch wenn natürlich einige von ihnen, etwa die übergroßen Insekten, freilich nicht in der Realität existieren könnten. Was mich besonders erfreut hat, war die Tatsache dass hier nicht einfach verschiedenste Relikte aus verschiedenen geologischen Zeitaltern miteinander auf eine Insel verfrachtet wurden, sondern hier teilweise sehr extreme evolutionäre Weiterentwicklungen bedacht wurden. Besonders auffallend sind hier die verschiedensten Parallelentwicklungen von Flugfähigkeit bei verschiedensten Wirbeltieren. Neben den verschiedenen Vögeln (von denen auf der Insel viele flugunfähig sind) gibt es etwa die kleinen Vultursaurier, fledermausartige Theropoden, welche Flughäute anstelle von befiederten Flügeln entwickelten, oder die aus Cynodonten hervorgegangen Pugbats. Außerdem gibt es auch den im Film in einer längeren Kampfszene zu sehenden Terapusmordax, eine riesige nackte fledermausartige Kreature, welche von Nagetieren abstammt (auch wenn das aufgrund der gezeigten Zahnformel an sich unmöglich ist...). Der wohl bizarrste fliegende Bewohner von Skull Island ist aber wohl Xamopteryx, eine Art Frosch mit Fledermausflügeln, welcher die Sümpfe bewohnt. Hier jetzt auf jedes weitere Wesen einzugehen, welches zumindest den Gleitflug beherrscht, würde allerdings den Rahmen dieser Rezession sprengen.

In den Sümpfen findet sich auch der über 15m groß werdene Riesenfisch Piranhadon, welcher in bester Krokodilmanier auch Beutetiere am Ufer angreift, oder sich aber gelegentlich auf Sandbänke wirft, damit Vögel ihn von seinen zahlreichen und äußerst unappetitlichen Schmarotzern befreien. Einige Wesen wie eben der genannte Piranhadon werden recht ausführlich auf mehreren Seiten behandelt, mit seinem Aussehen, den Nahrungsgewohnheiten, der Fortpflanzung und vielen anderen Details. Bei den allermeisten anderen weniger spektakulären Wesen findet sich verständlicherweise weniger Text, dafür fast immer auch der (natürlich erfundene) lateinische Name sowie Größenangaben. Was wirklich gut gemacht wurde, ist die ökologische Interaktion der einzelnen Arten, nicht nur bezogen auf Räuber-Beute-Verhältnisse, sondern auch in vielen anderen Hinsichten, etwa welche opportunistischen und spezialisierten Aasfresser sich an der Beute großer Karnivoren einfinden, oder sogar welche Insekten (der Dungkäfer Nigracassida) den Dung von Sauropoden verwerten, und welche Eidechsen sich wiederum auf diese Käfer als Nahrung spezialisiert haben.

Man könnte hier noch ewig weiterschreiben, selbst wenn man sich nur auf die größten und spektakulärsten Bewohner von Skull Island wie etwa der furchteinflösende Vastatosaurus rex beschränken würde. Ich kann dieses Buch besten Gewissens an jeden empfehlen, der sich für spekulative Evolution, Paläontologie oder Monster allgemein interessiert. Natürlich kann man über einzelne Aspekte in der Biologie und Herkunft des einen oder anderen Wesens streiten, doch im großen und ganzen sind sie doch sehr gut überlegt und nachvollziehbar, ganz im Gegensatz zu vielen Wesen aus der "The Future is Wild"-Serie, und die Lektüre des Buches ist wirklich äußerst spannend, um nicht zu sagen inspirierend, vor allem wenn man ähnliche Projekte in der Planung hat.

Die Evolution des Narwals

Freitag, Mai 25th, 2007

Ein meinr Ansicht nach besonders interessanter Fall spekulativer Paläontologie ist die Evolution des Narwals Monodon monoceros. Bei heutigen Narwalen bestitzen die Männchen einen massiv vergrößerten und an der Oberfläche spiralig gewundenen linken mittleren Schneidezahn, der außerhalb des Mauls aus die Haut bricht. Die frühesten Vorfahren dieser Wale haben wahrscheinlich so ähnlich ausgesehen wie die mit ihnen verwandten Belugas, aber wie die ganzen Vorfahren ausgesehen haben, die zu diesem oftmals Einhorn des Meeres genannten Wesens führten, ist durch keinerlei fossilen Funde belegt. Hier stellen sich mehrere Fragen, etwa wann die Schneidezähne anfingen waagrecht statt senkrecht zu stehen, wann sie nicht mehr aus dem Zahnfleisch, sondern außerhalb des Maules herauswuchsen, seit wann sie nur noch auf einer Seite einen großen Zahn ausbilden, oder wann sich die Spiralwindung entwickelt hat. 

Hier sieht man den Schädel eines Narwales in der Seitenansicht:

Narwal-Schädel1

Man kann gut erkennen, dass die Kiefer außer dem linken ersten oberen Schneidezahn (sowie dem im Kiefer verborgenen rechten ersten oberen Schneidezahn) vollständig zahnlos ist.

In der Aufsicht wird die durch den Zahn verursachte Assymetrie des Kieferknochens noch deutlicher:

Narwal-Schädel2

 Die Vorfahren der Narwale müssen zweifellos teilweise ziemlich eigentümlich ausgesehen haben, es gibt sogar gewisse Hinweise darauf, dass anfangs nicht nur die oberen Schneidezähne etwas verlängert waren, sondern auch die unteren…

Der Vergleich mit dem Schädel des Belugas, welcher dem der frühesten Narwalvorfahren sehr ähnlich sein dürfte,  zeigt gut welche enormen Modifikationen des Schädels und der Zähne diese Tiere in ihrer Evolutionsgeschichte durchgemacht haben:

Beluga-Schädel

Der evolutionäre Prozess der von einem Tier mit einem Schädel ähnlich dem Beluga zu den modernen Narwalen geführt hat, kann nicht von jetzt auf gleich, und auch nicht vollkommen geradlinig stattgefunden haben. Die dazwischen gelegenen Zwischenstufen müssen teilweise äußerst seltsam ausgesehen haben.

 Auch wenn man bisher keine Knochen dieser Protonarwale gefunden hat, so kann man sich doch einigermaßen ausmalen wie zumindest einige ihrer Ahnen ausgesehen haben müssen. Da bei heutigen Narwalen normalerweise nur die Männchen einen Stoßzahn haben, und auch viele andere Wale teilweise sehr seltsam ausgebildete Zähne besitzen, die ausschließlich zur Austragung innerartlicher Rivalitäten dienen, kann man davon ausgehen, dass die allerfrühesten Narwale ihre leicht verlängerten und schräg aus dem Maul ragenden Schneidezähne bei Rivalenkämpfen benutzt haben könnten, ähnlich wie das die Männchen vieler Schnabelwale machen, deren Körper oft stark von Narben bedeckt ist, welche von den Zähnen anderer Bullen stammen. Spätere Formen hatten wohl schon recht gut entwickelte doppelte Schneidezähne, die aber vielleicht immer noch aus dem Maul heraus ragten. Interessanterweise kennt man einige primitive langschnäuzige, sogenannte haizähnige Wale (die Squalodontiden), welche neben ihren gesägten Zähnen im hinteren Kieferbereich auch senkrecht nach vorne stehende Schneidezähne an der Schnauzenspitze besaßen. Möglicherweise entwickelte sich dieses Merkmal bei ihnen aus ähnlichen Gründen wie bei den Vorfahren der Narwale. Ohne entsprechende Fossilien läßt sich hier leider sehr schwer sagen, wann die Zähne der Protonarwale außerhalb des Maules heraus wuchsen. Bei allen große Zähne tragenden Walen wachsen die Zähne noch aus dem Zahnfleisch, und das vorzugsweise im Unterkiefer, der Narwal ist hier die einzige Ausnahme. Heutige Tiere bei denen die Zähne auch außerhalb des Maules herauswachsen wären etwa die skurilen asiatischen Hirscheber oder Babirussas, bei denen die Eckzähne der Eber senkrecht aus oder Schnauzenoberseite herauswachsen, und einen Bogen nach hinten bilden. Vor einiger Zeit modellierte ich auch ein Modell eines solchen Protonarwales, oder Furcadon (nach dem Wort für eine zweizinkige Gabel) wie ich ihn inoffiziell genannt habe, das ein frühes mögliches Entwicklungsstadium aus der Ahnenreihe der Narwale zeigt. Das Modell besteht aus Fimo und wurde mit Wasserfarben bemalt, und anschließend lackiert:

 protonarwal-seitlich.jpg

 Der Körper bildet eine Art Zwischenform zwischen Narwal und Beluga, wobei mir im Nachhinein leider aufgefallen ist, dass der Kopf proportional zu groß geworden ist.

Protonarwal Unterseite

 Man sieht gut dass die beiden kurzen Stoßzähne noch nicht außerhalb des Maules durch die Haut stoßen, sondern noch aus dem Zahnfleisch ragen. Auch eine Drehung ist noch nicht vorhanden. Was man auf dem bemalten und lackierten Modell leider nicht mehr so gut sieht, sind die zahlreichen parallel verlaufenden Narben, die ich noch aufmodelliert habe, ähnlich wie bei vielen Schnabelwalen, die sich auch mit ihren Zähnen gegenseitig solche Verletzungen zufügen.

Nicht minder interessant ist hier auch die Evolution und die spekulativen Zwischenformen der bizarren “Walroßwale” Odobenocetops peruvianus und Odobenocetops leptodon, welche entfernte Verwandte von Narwal und Beluga waren, vielleicht werde ich mich auch mal denen widmen. Bis dahin werden aber noch weitere Beiträge folgen.

Anmerkung: Die Bilder der Schädel von Narwal und Beluga stammen aus der Sammlung des Zoologischen Institutes in Tübingen.

Spekulative Paläontologie

Freitag, Mai 25th, 2007

Seit Menschen angefangen haben gezielt nach Fossilien zu suchen und diese zu untersuchen, wurden Unmengen von Resten fossiler Lebewesen gefunden, und ständig werden es mehr. Seit bekannt ist dass sich Lebewesen aus anderen Lebewesen entwickeln, und jede einzelne Art aus einer anderen, ganz ähnlichen Art hervorgegangen ist, konnte man anhand des Fossilrekordes für viele Arten, Gattungen und Familien teils sehr gute und in manchen Fällen sogar beinahe lückenlose Abfolgen von Abstammungslinien erstellen. Man weiß heute schon ziemlich gut wie sich aus Fischen Amphibien, aus Amphibien Reptilien, aus Reptilien Säuger und letztendlich über die Dinosaurier auch Vögel entstanden sind, um nur mal ein paar der ganz großen Langzeitransformationen zu nennen. Man kennt unzählige ausgestorbene Arten, und ständig findet man neue, die teilweise Lücken zwischen zwei Arten oder Gruppen füllen können. Da Fossilation allerdings nur unter extrem günstigen Umständen stattfindet, und die Chancen genau jene Fossilien vor ihrer Zerstörung durch Erosion oder geologische Aktivitäten auch noch zu finden extrem gering sind, kennt man nach wie vor nur einen kleinen Bruchteil aller bisher existierenden Arten. Viele Tiere wurden überhaupt nie fossil überliefert, etwa weil sie nur Weichgewebe besaßen, das nur außergewöhnlich selten als Abrdruck erhalten bleibt, oder weil sie in Gegenden lebten, in denen kaum Fossilation stattfinden konnte, etwa im Regenwald. Insofern ist es kaum verwunderlich dass viele Arten teils nur von unvollständigen oder gar nur fragmentarischen Resten bekannt ist, und in manchen Fällen tatsächlich noch riesige Lücken in den Entwicklungslinien bestimmter Arten herrschen.

Da nun aber jede einzelne Tier-oder auch Pflanzenart eine lückenlose Reihe von Vorfahren gehabt hat, muss es auch unzählige noch unentdeckte Zwischenformen gegeben haben. Hierbei muss ich anmerken dass mir der Begriff Zwischenformen etwas missfällt. Jede Zwischenform war an sich zu ihrer Zeit eine eigene “saubere” Art, und da Evolution pratktisch immer schleichend verläuft, und keine rasanten Sprünge macht, kann man keineswegs immer abgrenzen. Selbst unter lebenden Tieren ist es schwierig genug zwischen Arten, Unterarten und Rassen abzugrenzen, und die Frage wie man sie überhaupt genau definieren soll, hat schon zu vielen bösen Worten geführt. Tatsache ist doch dass es bei Transformationen, die über kleine Änderungen geschehen, andauernd gewisse Graustufen gibt, und es in aller Regel unmöglich ist, genau abzutrennen, und genau den Moment zu finden, an dem man sagen kann “so, und jetzt ist es ein Vogel”. Etwa ab wann ein lungenatmender Fisch mit Füßen ein Amphibium ist, oder eben doch noch ein hochentwickelter Fisch.

Auf was ich eigentlich hinaus wollte, ist dass es unzählige spektakuläre Tiere gegeben haben muss, von denen wir bisher nichts gefunden haben, und in manchen Fällen wohl auch nie finden werden. Wenn man beispielsweise bedenkt was für fantastische Lebewesen sich auf abgelegenen Inseln entwickelten, fällt es schwer sich auszumalen was in prähistorischen Zeiten alles auf Inseln gelebt haben muss. In einigen wenigen Fällen hat man Fossilien von Dinosauriern und anderen Tieren gefunden, die einst auf Inseln gelebt haben, und unter ihnen waren viele, teils extrem bizarre Formen, etwa winzige Sauropoden, räuberische Riesenigel oder fünfhörnige (ja, Hirsche mit Hörnern, das gab´s auch)Hirsche. Das sind aber extreme Ausnahmen, die meisten Inseln die vor Jahrmillionen existiert haben, dürften längst wieder im Meer verschwunden sein, oder trockengefallen und von der Erosion abgeschliffen worden sein. Folglich kann man in vielen Fällen nur spekulieren, was für Wesen im Laufe der Erdgeschichte womöglich entstanden sind. Hier geht es nicht nur darum möglichst sinnvolle Zwischenformen in Stammbäumen zu konstruieren, sondern auch darum, sich zu überlegen zu was sich einige bekannte Arten womöglich entwickelt haben könnten. 

 Betrachtet man etwa die auf Inseln allgemein üblichen Entwicklungstrends, so kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass viele urtümliche kaltblütigen Reptilien auf Inseln Riesenformen entwickelt haben, das große warmblütige Arten verzwergten, und sie vielleicht in der Abgeschiedenheit ähnlich fantastische Eigenheiten ausbildeten wie etwa die Paradiesvögel auf Neu-Guinea, deren Vorfahren recht triste starenähnliche Vögel waren. Unter anderem hat mich die Frage interessiert, ob sich vielleicht auf abgelegenen Inseln flugunfähige Pterosaurier entwickelt haben könnten, und wie diese womöglich ausgesehen haben könnte. Was dafür und was dagegen spricht, wollte ich eigentlich mal in einem eigenen Beitrag abhandeln.

Aber wo es schon gerade um Pterosaurier geht, so sollte erwähnt werden, dass gerade diese sehr interessant für die “Disziplin” der spekulativen Paläontologie sind. Das Problem ist nämlich dass man zwar eine ganze Reihe verschiedenster mehr oder weniger hochentwickelter Flugsaurier gefunden hat, in ihrer Evolutionsgeschichte aber Zwischenformen praktisch vollkommen fehlen. Ähnlich sieht es bei Fledermäusen aus, denn schon die allerältesten Fossilien unterscheiden sich nur relativ geringfügig von den heutigen Arten. Das mag vor allem daran liegen dass es sich um sehr kleine und grazile Tiere handelte, die kaum jemals versteinerten, und deren Körper in den Wäldern oder Dschungeln in denen sie wahrscheinlich lebten, kaum jemals erhalten bleiben konnte, und innerhalb weniger Tage restlos recyclet wurden. Fossilien von Pterosaurier oder urtümlichen Fledermäusen stammen praktisch immer von Tieren die über dem Wasser abstürzten von Sediment eingeschlossen, und so konserviert werden konnten. Betrachtet man die heutigen Tropenwälder, dann ist die Wahrscheinlichkeit das vergleichbare Tiere einmal fossil erhalten bleiben, ziemlich gering, und die Tatsache dass einige frühe Gleitflieger überhaupt gefunden wurden, schon ein ziemlicher Glückstreffer ist. Und so bleibt es in vielen Fällen nach wie vor nur möglich zu spekulieren.