Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Reptilien’ Category

Arizonasaurus – das Scheinkrokodil mit dem Rückenbuckel

Mittwoch, November 21st, 2007

Neben vielen anderen sehr interessanten Modellen gab es in der Sonderausstellung des Museums am Löwentor auch eine sehr schöne Lebendrekonstruktion von Arizonasaurus. Dieser kleine Räuber der etwa so groß was wie ein Collie sieht einem Dinosaurier ziemlich ähnlich, vor allem Assiziationen an Spinosaurus dürften hier bei den meisten schnell wach werden. Tatsächlich handelte es sich aber um einen Archosaurier, genauer einen Rauisuchier. Diese Tiere zeigen wie Spinosaurus massiv verlängerte Dornfortsätze der Wirbelsäule, welche ebenfalls eine Art Bogen bildeten. Allerdings war dieser bei Arizonasaurus nicht so lang und reichte nicht so weit Richtung Kopf wie bei Spinosaurus. Über die Kontroverse welche die Frage aufbrachte, zu was diese Dinger überhaupt gut waren, und ob Spinosaurus und andere Arten wahrscheinlich viel eher eine Art schmalen Rückenbuckel als das allgemein verbreitete Segel auf den Darstellungen hatte, habe ich ja schon mal ausführlich geschrieben: http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/hatte-spinosaurus-wirklich-ein-segel-auf-dem-rucken/

Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass dieses Modell nicht mit einem dünnen Segel auf dem Rücken dargestellt wurde, sonder die Dornfortsätze Ansatzstellen für Muskeln sind.

In dieser Frontalansicht kann man das sehr schön sehen:

Seitenansicht bei der man die an den Wirbelausläufern ansetzenden Muskeln sieht

Dieser “Buckel” verdient die Bezeichnung eigentlich nicht, da er ja ziemlich schmal ist. Diese Form der Rekonstruktion sieht auch keineswegs merkwürdig aus, und absolut nicht unrealistisch, wie es ja oft der Fall ist, wenn Tiere falsch rekonstruiert werden. Das ist insofern interessant, weil die bloße Vorstellung dass Tiere wie Spinosaurus kein dünnes Hautsegel, sondern einen “Buckel” auf dem Rücken gehabt haben könnten, Unglauben auslöst, da die Vorstellungen über eine Art Quasimodo-Buckel sehr seltsam aussehen würde. Das ist aber keineswegs der Fall, wenn man wie hier von einem relativ schmalen Rückenbuckel ausgeht.

Bild des Tages: Modell eines gebärenden Ichthyosaurier

Mittwoch, Oktober 31st, 2007

Ich habe ja leider schon länger nichts mehr geschrieben, und momentan sind noch mehrere Artikel kurz vor der Veröffentlichung, daher kann ich nur ein Bild des Tages posten, ein sehr schönes Modell aus der Sonderausstellung des Löwentor-Museums in Stuttgart:

Gebärender Ichthyosaurus

Anhand einiger hervorragend erhaltener Fossilien sind der Geburtsvorgang und sogar die Embryonalentwicklung von Ichthyosauriern recht gut bekannt. Wie heutige Wale wurden sie nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Schwanz voran geboren. Ein populärer Irrtum ist übrigens, dass die Fossilien von Ichthyosauriermütter mit mehr oder weniger ausgepresstem Nachwuchs einen fossilierten Geburtvorgang zeigen. Vielmehr handelt es sich dabei um postmortale Abborte, welche auch von Walen bekannt sind. Dabei führen die Faulgase im Körper eines trächtigen Tieres zu einem Herauspressen des Nachwuchses.

Hier noch eine Kopfansicht dieses schönen Modells:

Dakosaurus maximus – der große Bruder des Godzilla-Krokodils

Dienstag, Oktober 9th, 2007

Dakosaurus maximus frontal

Vor einiger Zeit kam ja in der Presse eine neu entdeckte Meereskrokodilart groß raus, und schaffte es sogar auf die Titelseite von National Geographic. Das äußerst medienwirksam als Godzilla-Krokodil bezeichnete Krokodil bekam den Namen Dakosaurus andiniensis verliehen. In den Presseberichten war häufig von einem Riesenkrokodil die Rede, tatsächlich deuten die bisher gefundenen Reste dieser Art nicht darauf hin, dass es größer als die heutigen großen Panzerechsenarten wurde, aber so sind Journalisten nun mal. “Riesiges Godzilla-Krokodil” hört sich eben viel besser an, als “großer Metriorhychid mit kranialen Anpassungen an Makroprädation”. Naja. Jedenfalls wurde dieses Tier weltbekannt, und das nur, weil es einen interessanten Schädel hatte, denn dieser war nicht wie bei den heutigen Krokodilen entweder lang und schmalschnäuzig oder kurz und breitschnäuzig, sondern insgesamt sehr kompakt, und vor allem sehr hoch. Der Kopf erinnert viel eher an die Schädel verschiedener landbewohnender fleischfressender Reptilien, wie etwa den terrestrischen Sebeciden, oder bestimmten Archosauriern und Theropoden. Die Kiefer sind verhältnissmäßig kurz und sehr kräftig, und alles deutet darauf hin, dass man es hier keineswegs mit einem Fischfresser zu tun hatte, sondern mit einem Wesen, das relativ große Beutetiere tötete, und fähig war, große Fleischstücke aus Kadavern herauszureißen, ähnlich wie Schwertwale oder Weiße Haie. Heutzutage gibt es nur noch sehr wenige marine Fleischfresser, wie wirklich große Beutetiere töten und fressen, darunter ein paar Haie und eine Handvoll Zahnwale. Einst gab es  eine ganze Reihe von Pliosauriern und Mosasauriern, und wie man sieht auch Krokodile welche Spezialisierungen auf Makroprädation aufwiesen. Völlig verschwiegen wurden bei all den Newsmeldungen aber, dass “Godzilla” noch einen großen Bruder, oder eher Cousin hatte. Die Rede ist von Dakosaurus maximus, eines riesigen Metriorhynchiden, dessen Reste in Deutschland gefunden wurden. Dieses Monster erreichte eine Länge von etwa 8m, war also mindestens zwei Meter länger als Dakosaurus andiniensis. Da ihre Schwanzflosse wie bei Ichthyosauriern durch die nach unten geknickte Schwanzspitze bebildet wurde, war Dakosaurus im Vergleich zu normalen Krokodilen proportional kompakter, da weniger Länge des Schwanzes auf die Gesamtlänge entfielen. Das Gewicht großer Exemplare könnte bei durchaus drei Tonnen gelegen haben, also weit mehr als jeder Weiße Hai. Auch der Schädel von Dakosaurus maximus war sehr kräftig gebaut, mit sehr langen und leicht nach hinten gebogenen Zähnen, und sehr kräftigen Kiefer. Der Schädel weist große Ähnlichkeiten mit jendem von Dakosaurus andiniensis auf, war aber propotional noch länger und etwa weniger hoch und robust. Dass ihre Kiefer enorm kräftig waren, zeigt sich teilweise an Fossilien kleinerer Meereskrokodile, die von Dakosaurus regelrecht in Stücke gebissen wurden.

In der Sonderausstellung des Museum am Löwentor in Stuttgart kann man momentan Fossilien von Dakosaurus maximus bestaunen, sowie neben vielen anderen Modellen, auch eine lebensgroße Rekonstruktion in einem Meeresdiorama. Von dort stammen auch die Bilder.

Hier sieht man den Kopf noch einmal besser von der Seite. Eigentlich mag ich derartig perspektifisch verzerrte Bilder nicht, und bevorzuge Darstellungen, welche ein Tier auf der ganzen Länge zeigen, aber da die Scheibe extrem stark reflektierte, mußte ich die Kamera direkt ans Glas drücken und ohne Blitz photographieren, wobei natürlich die Ansichten entsprechend eingeschränkt waren.

Das Modell ist wirklich sehr gut gemacht, allerdings habe ich persönlich den Eindruck, dass die Hautstruktur nicht dem Original entspricht. Heute gibt es keine vergleichbaren Tiere mehr, und man ist daher bei der Rekonstruktion von Meeresreptilien gerne versucht, sie mit einer sehr glatten, walartigen Haut mit kleinen Schuppen darzustellen. Aber das muss nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Von Mosasauriern kennt man etwa Hautabdrücke, die auf relativ große, nicht überlappenden und kachelförmig angeordnete Schuppen sprechen. Auch moderne Meeresschildkröten haben ja noch sehr große Schuppen an ihren Flossen. Und schließlich war Dakosaurus nach wie vor ein Krokodil, und ausnahmslos alle heutigen Krokodile zeigen eine relativ typische Struktur aus großen, polygonen Schuppen. Auch sehr stark ans Wasser gebundene Arten wie die Gaviale haben eine solche Hautstruktur, und selbst wenn eine Art vollkommen ans marine Leben angepaßt ist, und die Oberfläche entsprechend strömungsgünstiger wird, etwa indem sich Hautunebenheiten, wie sie durch die Rückenkämme oder Panzerplatten hervorgerufen werden, zurückbilden, aber ich sehe jetzt keinen Grund weshalb sich die eigentliche Hautstruktur verändern sollte. Naja, das sind jetzt meine persönlichen Überlegungen, und vielleicht kann mir jemand eine begründete Antwort darauf geben, warum Meereskrokodile doch so eine Haut gehabt haben könnten.

Hier sieht man noch einmal einen leider nur fragmentarisch erhaltenen Schädel. Gut zu erkennen sind die sehr großen und langen Zähen:

Ringelnattern

Mittwoch, September 19th, 2007

Zugegebenerweise habe ich in meinem Leben erst zwei mal Ringelnattern gesehen, einmal vor mehr als zehn Jahren, als eine an der Böschung einer Wiese neben mir aus einem Mauseloch schaute, und voriges Jahr im Teich eines botanischen Gartens. Dieses Jahr sollte sich da einiges ändern. Vor einiger Zeit sah ich beim Spazierengehen plötzlich vor mir auf dem Weg ein wahres Prachtexemplar einer Ringelnatter (Natrix natrix) vor mir, leider konnte ich nicht schnell genug ein Photo machen, und daher sieht man nur einen Teil, der noch auf dem Weg liegt:

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Die Schlange war für eine Ringelnatter wirklich sehr groß, außerdem muss sie etwas recht großes gefressen haben, denn an der dicksten Stelle ihres Körpers war sie beinahe so dick wie ein Ei. Noch während des gleichen Spazierganges konnte ich dann an einem nahe gelegenen Teich gleich vier oder fünf halbwüchsige Ringelnattern von etwa 25-30cm beobachten. Leider waren sie immer relativ weit weg, und tauchten ständig ab, aber immerhin ein halbwegs brauchbares Bild ist mir gelungen:

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Das war ja schon ein ziemlicher Zufall, aber wenn man bedenkt dass ich schon zwei Tage später im Wald noch eine Ringelnatter entdeckt habe, wird das Ganze schon beinahe unheimlich. Sie war winzig klein, und dünner als ein großer Regenwurm. Sie lag zusammengerollt im Gras, und ich habe sie erst bemerkt, als ich schon fast an ihr vorbei gegangen bin:

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Da Ringelnattern vollkommen harmlos sind, und da ein Exemplar dieser Größe noch nicht einmal in einen Finger beißen kann, habe ich sie auch einmal vorsichtig auf die Hand genommen. Ringelnattern sind wirklich wunderschöne Reptilien, und selbst diese winzige Schlange, die wie eine Miniaturversion der Erwachsenen aussieht, besitzt die für ihre Art typischen gelben Flecken hinten am Kopf:

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Vorletztes Wochenende hatte ich das große Glück an einer anderen Stelle wieder eine winzige Ringelnatter zu entdecken, wobei mir auch ein paar schöne Bilder gelunden sind:

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Man kann auf diesem Photo gut erkennen, dass die Haut etwas matt und die Augen leicht trübe sind, was darauf hindeutet, dass diese Schlange kurz vor der Häutung stand:

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Und noch ein letztes Bild:

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Wie groß werden Krokodile wirklich?

Sonntag, September 9th, 2007

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Dass zwischen den in der allgemeinen Literatur vorhandenen, und den tatsächlichen Maximalgrößen von Tieren teilweise massive Differenzen bestehen, habe ich ja schon im allerersten Post über den Arapaima dargelegt (http://bestiarium.kryptozoologie.net/?p=6). Nun soll es um Krokodile gehen, speziell um Leistenkrokodile. Selbst in der Fachliteratur kann man immer wieder über angeblich gewaltige Größen lesen, welche diese Tiere erreichen sollen. Vielfach wird sogar nicht einmal die Durchschnittsgröße, oder wenigstens die nachgewiesene Maximalgröße abgeruckt, sondern nur teilweise lediglich vom Hörensagen übernommene, und maßloß übertriebene Größen. Nicht selten kann man lesen dass Leistenkrokodile 7, 8, 9 oder auch 10m lang werden können. Aber wie sieht es mit der Wirklichkeit aus, gab es tatsächlich jemals so große dokumentierte Exemplare?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich mich erst noch etwas mit dem  Wachstum von Leistenkrokodilen befaßen. Diese Krokodile zeigen ein typsches Wachstumsverhalten für Krokodile, sie wachsen in den ersten Jahren sehr schnell, und können mit etwa 10 Jahren eine Länge von 3m erreichen. Mit 10-15Jahren, je nach dem wann die Geschlechtsreife erreicht wurde, nimmt das Wachstum deutlich ab, um mit zunehmenden Alten immer weiter abzunehmen, bis es praktisch gar keine sichtlichen Zuwachs mehr gibt. Dabei sei anzumerken dass die Männchen deutlich größer werden als die Weibchen, und auch ein etwas anderes Wachstumsverhalten zeigen. Bei Leistenkrokodile werden die Männchen deutlich größer als die Weibchen, da sie auch deutlich schneller wachsen, und auch später die Geschlechtsreife erreichen. Viele Leute sind der Meinung, dass Reptilien, und speziell Krokodile ihr Leben lang wachsen, und dadurch auch theoretisch jede Größe erreichen können, wenn sie nur alt genug werden. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Entscheidend für die Größe die ein Krokodil erreichen kann, sind weniger die Lebensjahre, als viel mehr die Größe, die es vor der Geschlechtsreife erreicht. Ein Krokodil das durch gute Bedingungen wie viel Nahrung, günstige Temperaturen oder auch gute genetische Anlange schon vor Erreichen der Geschlechtsreife sehr groß ist, hat gegenüber seinen Artgenossen nach der Geschlechtsreife einen deutlichen Vorteil, denn diese brauchen dann mehrere Jahre, um diesen Vorsprung nachzuholen, und in dieser Zeit kann das ohnehin schon große Krokodil auch noch zusätzlich wachsen. Ein Krokodil das nicht schon in seiner Jugend sehr groß geworden ist, wird auch später nie wirklich riesig werden können. Selbiges gilt im Übrigen auch für praktisch alle anderen Reptilien und Fische, welche sehr alt werden können. Die Wachstumskurve nimmt mit dem Alter immer weiter ab, und selbst wenn ein Krokodil wirklich alt wird, kann es nur noch relativ geringfügig an Größe zunehmen. Da ich wenig Bildmaterial zu diesem Thema besitze, und weil lange Posts ohne Bilder langweilig sind und viele vom Lesen abschreckt, zeige ich hier einfach mal zwei Photos eines sehr großen Leistenkrokodilschädels, dass ich vor kurzem im Archiv des Zoologischen Institutes in Tübingen gemacht habe. Als Größenvergleich (und damit jeder sieht dass ich ein uraltes, spartanisches und beinahe unkapputbares Nokia-Handy habe) habe ich mal mein Handy daneben gelegt:

Leistenkrokodilschädel

Einen solchen Schädel einmal aus nächster Nähe zu sehen macht einem erst einmal bewußt wie gewaltig diese Tiere werden können. Ich habe keine Ahnung wie lang der Schädel gewesen ist, oder das gesamte Tier als es noch lebendig war. Das restliche Skelett lag unter dem eines aufgestellten Zwergwalskelettes, und ich vermute einmal dass die Gesamtlänge zu Lebzeiten etwa 4,5m Meter betragen hat. Da das Skelett aber nicht aufgebaut war, und auch der Schädel nicht dabei gewesen ist, möchte ich mich hier aber nicht allzu sehr festlegen. Das Verhältnis von der Schädel- zur Körperlänge liegt bei Krokodilen bei etwa 1:7,5, das heißt man könnte die ursprüngliche Gesamtlänge durchaus recht gut bestimmen, wenn man die genaue Länge des Schädels wüßte. Hier noch mal ein Bild aus einer anderen Ansicht (kleiner Tipp: um sich die Größe dieses Schädels bewußt zu machen speichert man am besten die Bilder, und vergrößere sie mit Hilfe eines gleichgroßen Handys auf Originalgröße):

Leistenkrokodilschädel von vorne

Das sieht man ziemlich gut an einem der weltgrößten Krokodile überhaupt, dem thailändischen Riesenkrokodil Yai. Es ist das größte in Gefangenschaft lebende Krokodil der Welt. Es handelt sich bei ihm nicht um ein echtes Leistenkrokodil, sondern um einen Hybriden aus Leistenkrokodil und Siam-Krokodil (Crocodylus siamensis). Solche Hybriden werden manchmal auf Krokodilfarmen gezüchtet, da sie schneller wachsen als normale Krokodile, und daher auch profitabler sind. Man sieht Yai auch an dass er kein reinrassiges Leistenkrokodil ist, denn die Farben und Muster seiner Haut sind etwas abweichend von denen echter Leistenkrokodile. Als Yai das letzte Mal gemessen wurde, war er 6m lang und wog 1114 kg, inzwischen dürfte er sogar noch etwas größer sein, allerdings hat sein Wachstum in den letzten Jahren stark abgenommen. Erstaunlich ist dass Yai erst 35 Jahre alt ist, er also schon in einem relativ frühen Alter wahrlich monströse Ausmaße erreicht hat. Hier sollte man aber bedenken, dass daran mehrere Faktoren beteiligt waren. Zunächst hatte Yai durch den Hybrid-bedingten Heterosiseffekt einen massiven Wachstumsvorteil gegenüber normalen Leistenkrokodilen, außerdem ist seine Größe selbst unter anderen Hybriden ungewöhnlich, so dass man davon ausgehen kann, dass dieses Exemplar besonders günstige genetische Voraussetzungen besitzt. Zudem wurde Yai auf einer Krokodilfarm ausgebrütet und aufgezogen, das heißt er konnte unter annäherungsweise idealen Lebensbedingungen aufwachsen. Die Temperaturen in Thailand lassen einen hohen Stoffwechsel bei diesen Tieren zu, und Nahrung war ebenfalls immer genügend vorhanden. Yai konnte sein Wachstumspotential also annäherungsweise voll ausschöpfen. Vor einiger Zeit habe ich in einer Reportage über die Krokodilfarm, auf der Yai lebt, gesehen, und war wirklich beeindruckt einmal Videoaufnahmen dieses Giganten zu sehen. Er lebt zusammen mit dutzenden anderen Krokodilen in einem riesigen Gehege, über das eine Brücke führt, von dem aus Touristen Photos machen, und die Krokodile füttern können. Die anderen Krokodile waren auch nicht gerade klein, aber im Gegensatz zu Yai wirkten sie allesamt wie Zwerge. Übrigens ist Yai auf einer Seite blind, eines seiner Augen ist weiß-rot verfärbt, warum das so ist, wurde aber nicht gesagt, vermutlich geht es auf eine Rangelei mit Artgenossen zurück. Ein makabres Detail über Yai ist auch, dass er wahrscheinlich auch schon Menschenfleisch gefressen hat. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber da jedes Jahr wieder einige Leute auf die bescheuerte Idee kommen, Suizid zu begehen, indem sie von der Brücke ins Krokodilbecken springen, wird Yai als “Big Boss” in der Anlage sicher auch schon den einen oder anderen Bissen Mensch abgekriegt haben.

Es gibt noch ein paar andere sehr große Leistenkrokodilhybriden in Gefangenschaft, ist der 1964 auf der Samut Prakan Krokodilfarm in Thailand geborene Utan, der seit 2002 in South Caroline im Alligator Adeventure Parc lebt. Er hat eine Länge von knapp 6m, und wie etwa eine Tonne, ist also etwas kleiner als Yai. Auch einige reinrassige Leistenkrokodile von sehr großen Ausmaßen sind aus Zoos bekannt, etwa der etwa 6m lange Oscar, welcher im australischen Queensland beheimatet ist. Er stammt aus Papua Neuguinea, von wo er vor mehreren Jahrzehnten zusammen mit einem anderen Krokodil gebracht wurde. Diese andere Krokodil erhielt den Namen Gomek, und wurde vor mehreren Jahrzehnten nach Florida verkauft, wo er äußerst populär als größtes Krokodil der Vereinigten Staaten. Als er 1997 gestorben ist, war er 5,5m lang, und wog etwa eine knappe Tonne. Zu seinem Todeszeitpunkt war er bereits 70-80 Jahre alt, und es scheint dass er tatsächlich an altersbedingten Kreislaufversagen gestorben ist. In den 20 Jahren in denen Gomek in Florida lebte, wuchs er weniger als 30cm, und das obwohl er sicherlich immer genug zu fressen bekam. Das zeigt sehr gut, dass ein langes Leben keineswegs der Hintergrund für ungewöhnliche Größen bei Krokodilen ist. Nicht unerwähnt bleiben soll das “weiße” Leistenkrokodil das früher in der Wilhelma lebte, und Generationen von Zoobesuchern mit seiner stoischen Trägheit langweilte. Ich habe es zu Lebzeiten viele Male gesehen, aber niemals wie es irgend eine Bewegung vollführt hätte.  Dieses Leistenkrokodil war ungewöhnlich hell, wenn auch nicht wirklich weiß, und stammte von einer Krokodilfarm aus Asien, von wo es 1967 nach Stuttgart gebracht wurde. Mit einer Länge von 4,5m und einem Gewicht von etwas unter einer halben Tonne war es zwar ein gutes Stück unter den bisher genannten Krokodilen, aber dennoch für seine Art von sehr beachtlicher Größe. Inzwischen kann man es übrigens von der Decke hängend im Stuttgartere Rosenstein-Museum bewundern:

Das “weiße” Leistenkrokodil aus der Wilhelma

Das waren jetzt alles Krokodile, welche entweder in Gefangenschaft geboren, oder zumindest über längere Zeit dort gelebt haben, aber wie sah es mit den Krokdilen aus der Wildnis aus? Während man in Zoos relativ verläßliche Größenangaben (und nicht zu vergessen Bildmaterial) bekommen kann, und davon ausgehen kann, dass die gemachten Angaben auch stimmen, sieht die Sache von in der Wildnis gesehenen oder geschossenen Krokodilen vollkommen anders aus, hier gehen Wirklichkeit und pure Fiktion Hand in Hand.

Viele große Tiere, insbesondere solche die im Wasser leben, und daher oft nut teilweise gesehen werden, haben die Eigenschaft sehr viel größer auszusehen, als sie tatsächlich sind. Vor allem bei Reptilien scheint dies ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, Größen werden hier extrem oft maßlos überschätzt, nicht selten um 100% oder sogar mehr. Daher werde ich gar nicht erst auf verschiedene ominöse Sichtungen von Krokodilen eingehen, deren Größe weit über den belegten Rekorden gelegen haben soll. Betrachtet man die geschossenen Riesenkrokodile, so fällt auf dass auch diese oft auf wundersame Weise schrumpften, wenn man sie genauer untersuchte (ein mysteriöses Phänomen, das man seltsamerweise auch oft bei Schlangen, Haien und anderen Fischen findet…). Etwa das vermeintliche Riesenkrokodil, das 1840 in der Bucht von Bengalen geschossen wurde, und das so groß war, dass man nur seinen Kopf mitnehmen konnte. Dieser landete dann später im Naturhistorischen Museum von London. Eine genaue Untersuchung des Schädels zeigte dann aber, dass dieses Krokodil keineswegs wie ursprünglich angegeben 10,1m lang gewesen ist, sondern nur etwa 4,8m (nach einer anderen Quelle 5,98m). Leider findet man die zuerst angegebene Größe von 10,1m immer noch in einigen Büchern als Rekordgröße. Bei einem anderen Krokodil, das einst eine Länge von 8,8m gehabt haben soll, stellte sich beim Vermessen des Schädels später heraus, dass es lediglich 4,9m lang gewesen ist. Das ist immer noch ziemlich viel für ein Leistenkrokodil, aber es zeigt doch wie massiv die Leute zum Übertreiben neigen, und wie leicht reines Jägerlatein als Tatsachen den Einzug in die Fachliteratur finden kann. Derartige Abenteuergeschichten von Riesenkrokodilen, bei denen spätere Messugen der Schädel ergaben, dass diese Tiere viel kleiner waren als angegeben, gibt es viele. Etwa ein 1823 auf den Philippinen geschossenes Leistenkrokodil, von dem es hieß, es habe eine Länge von 8,2m, das aufgrund der Schädelgröße aber nur etwa 6m lang gewesen sein kann. 

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie groß die größten wirklich nachprüfbaren Leistenkrokodile gewesen sind. 1974 geriet im Mary River in Nordaustralien ein Krokodil in ein Fischernetz, und wurde mit einer Axt getötet. Der Kadaver wurde dann geköpft, aber später konnte der Körper von Rangern gefunden, und noch einmal vermessen werden. Dieses Krokodil, dessen von Axthieben gezeichneter Schädel auf der Darwin-Crocodile-Farm zu sehen ist, hatte eine Länge von 6,2m. 1983 wurde im Fly River auf Papua Neuguinea ein Leistenkrokodil getötet, dessen Haut von mehreren Zoologen untersucht werden konnte. Nach der Messung der Haut zu urteilen, muss dieses Exemplar auch etwa 6,2m lang gewesen sein, aber da Krokodilhäute etwas kürzer werden als die lebenden Tiere, war dieses Krokodil ursprünglich wahrscheinlich sogar 6,3m lang. Man kennt auch den Schädel eines Leistenkrokodil aus Orissa, Indien, der einem Krokodil gehörte, das einst eine Länge zwischen 6m und 6,9m gehabt haben muss. Vor wenigen Jahren wurde im Archiv des Paleontologischen Museums of Paris auch ein Leistenkrokodilschädel mit einer Länge von 98,2 cm und einem Gewicht von 25kg entdeckt. Da die Gesamtlänge das 7-7,5-fache der Schädellänge beträgt, muss dieses Tier mindestens eine Länge von 6,9m gehabt haben. In der vierten Ausgabe des Crocodile Specialist Group Newsletter von 2006 wird auch von einem gigantischen Leistenkrokodilschädel aus Indien berichtet, der von einem Exemplar stammte, das 1926 im Dhamara-Fluss geschossen wurde. Der Schädel befindet sich momentan im Kanika-Palast der Raja von Kanika. Die Länge des Schädels beträgt 99cm, und er ist der größte bekannte Krokodilschädel der Welt. Die Länge soll bei 7,5m gelegen haben, was in Anbetracht des Schädels durchaus glaubhaft ist. Das abgebildete Photo des Schädels zeigt auch die enorme Robustheit des selben, er ist ungewöhnlich breit, und noch viel massiver als der oben gezeigte große Schädel aus Tübingen. Bei Krokodilen wird wie bei vielen anderen Reptilien der Schädel mit zunehmender Größe immer kräftiger und kompakter. Das Gewicht dieses Monstrums muss nach groben Schätzungen bei etwa 2 Tonnen gelegen haben, vielleicht aber sogar noch etwas mehr. Ein Krokodil dieser Größe wäre theoretisch sogar in der Lage gewesen, ausgewachsene Wasserbüffel, Nashörner und halbwüchsige Elefanten zu überwältigen. Selbst Riesen wie Yai oder Utan würden neben einem solchen Giganten wie Hänflinge aussehen.

Was bleibt also abschließend zu sagen? Man kann Größenangaben von 10m guten Gewissens ignorieren, auch solche von 9m. Angaben über 8m für Leistenkrokodile würde ich sehr vorsichtig betrachten, da dies vielleicht schon über der biologischen Grenze liegt, die diese Art erreichen kann, und auch viele Geschichten von 6 oder 7m langen Krokodilen werden übertrieben sein. Die Beispiele von schamlos übertriebenen Größenangaben zeigen auch, dass vieles, selbst wenn es in der Literatur verbreitet wird, nichts wert ist. Wirklich glaubhaft sind nur solche Angaben, die wirklich nachprüfbar sind, etwa durch Vermessen der Haut, des Schädels, oder im Idealfall des ganzen Tieres durch autenthizierte Personen. Die Tatsache dass es unzweifelhafte Beweise in Form von Schädeln für die Existenz von mehr als 7m großen Leistenkrokodilen gibt, bedeutet natürlich auch, dass es sicherlich auch einige Berichte über riesige Krokodile gibt, die nicht übertrieben gewesen sind, aber mangels entsprechend erhaltener Relikte nicht mehr nachprüfbar sind. Leider kann man solche Fälle nicht wirklich berücksichtigen, da der Hang des Menschen zur Übertreibung leider viel zu groß ist, und so allzuleicht falsche Informationen als Tatsachen verbreitet werden. Die Tatsache dass es weltweit wirklich nur eine Handvoll bekannte Krokodile gibt oder gab, die nachweislich Größen von 6m und mehr erreichten, zeigt auch gut, wie extrem selten solche Tiere sind, und dass es sich um außerordentlich Ausnahmen handelt. Die Ausführugen über das Wachstumsverhalten zeigen auch, dass keineswegs einfach ein langes Leben der ausschlaggebende Faktor für solche Größen sind. Gerade in Populationen in denen eine große Anzahl von Krokodilen praktisch unter den gleichen Lebensbedingungen leben, kann man viel eher davon ausgehen, dass das Vorhandensein einiger extrem überdurchschnittlich großer Individuen auf genetischen Hintergründen basiert, und diese Tiere primär dank ihrer Anlagen (gekoppelt mit optimalen Umweltbedingungen) die enormen Größen erreichen konnten. Krokodile die sehr groß sind, haben natürlich auch bessere Chancen ein hohes Alter zu erreichen, nicht nur weil sie keine Feinde mehr zu fürchten haben, sondern auch weil sie sich gegenüber Artgenossen besser durchsetzen können, was nicht nur das Risiko bei einer innerartlichen Konfrontation schwer verletzt zu werden senkt, sondern auch Vorteile beim Besetzen von Revieren oder dem gemeinsamen Fressen an Kadavern bietet.

Bevor die Krokodilpopulationen im großen Ziel hauptsächlich mit Hilfe von Schusswaffen dezimiert wurden, waren extrem große Exemplare sicherlich noch häufiger, wenngleich Längen von 6m und mehr niemals dem Standard ensprochen haben, und immer schon sehr selten gewesen sind. Durch die unnatürliche Selektion menschlicher Jäger, die bevorzugt die größten und eindrucksvollsten Exemplare einer Tierart schießen, sind derartige Riesen natürlich besonders selten geworden. Das vielleicht größte Krokodil der Welt lebt im Orissa-Reservat in Indien, das eine Länge von beinahe 7m hat.

Weiterführende Links:

Artikel der Crocodylian Biology Database über die Größe von Krokodilen:

http://www.flmnh.ufl.edu/cnhc/cbd-faq-q2.htm

Newsletter der Crocdile Specialist Group mit Photo des 99cm langen Krokodilschädels (ganz unten):

http://www.flmnh.ufl.edu/natsci/herpetology/Newsletter/csgnews254.pdf

Irgendwann möchte ich noch über den Mythos über das riesige Nilkrokodil namens Gustave eingehen, und vielleicht auch einmal kurz auf die Größe von Ganges-Gavialen.

Gab es auf Madagaskar tatsächlich 10m lange Nilkrokodile?

Montag, August 20th, 2007

Wenn es um die Größe von Krokodilen geht, dann kann man oft eine ganze Menge ziemlich abenteuerlicher und allzu oft auch ziemlicher unwahrer Dinge lesen. Dabei fällt auch immer wieder auf, dass hier die tatsächlich dokumentierten und angeblichen Rekordexemplaren in ihrer Größe meisten weit auseinander klaffen. Ich wollte hier jetzt gar nicht auf all diese angeblichen Riesenexemplare aus Afrika, Asien oder Australien eingehen (das werde ich später irgendwann mal), sondern mich einmal einer sehr speziellen Thematik widmen.

Wenn es um die maximale Größe des Nilkrokodils geht, kann man zuweilen lesen, dass man auf Madagaskar Knochen von Nilkrokodilen mit einer Länge von 10m gefunden haben soll. Nähere Angaben werden dazu aber nie gegeben. Als erstes las ich davon in Grizmek´s Tierleben, und bei Wikipedia bin ich auf darauf gestoßen. Zugegebenerweise hat mir das ziemliches Kopfzerbrechen bereitet, und auch langwieriges Nachforschen hat praktisch keine Ergebnisse geliefert. Heutzutage gibt es auf Madagaskar nur eine einzige Krokodilart, das Nilkrokodil Crocodylus niloticus. Diese Tiere zeigen keinerlei Affinität zu extremen Größen heranzuwachsen, und werden auch nicht so groß wie ihre Verwandten auf dem wildreichen afrikanischen Kontinent. Es ist extrem unwahrscheinlich dass diese Krokodile auf Madagaskar jemals wirklich aufsehenserregende Größen erreicht haben. Ein Krokodil wächst nicht einfach mal auf das Doppelte  seiner natürlichen Länge, völllig unabhängig davon wie lange es lebt, denn auch bei Krokodilen stagniert das Wachstum mit zunehmenden Alter immer mehr, und wirklich alte Exemplare wachsen praktisch gar nicht mehr. Von ausgestorbenen Riesenkrokodilen wie Sarcosuchus imperator, der eine Länge von etwa 12m erreichte, weiß man dass sie ein anderes Wachstumsverhalten hatten als moderne Krokodile. Sie wuchsen eigentlich gar nicht einmal unbedingt schneller als moderne Krokodile, aber dafür hielt ihr schnelles “jugendliches” Wachstum, das bei modernen Arten meist einige Zeit nach erreichen der Geschlechtsreife stark abnimmt, über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten an, und ließ erst viel später merklich nach. Ein ähnliches Wachstumsverhalten konnte auch für den Riesenwaran Megalania prisca ermittelt werden, wenngleich diese Art ihr Wachstum schon deutlich früher bremste.

Hätten die madagasischen Nilkrokodile das genetische Potential zu einer Länge von 10m heranzuwachsen, dann wären heute mit Sicherheit auch extrem große Exemplare bekannt, was aber nicht der Fall ist. Madagaskar bot auch nie eine wirklich gute Ausgangsposition für einen wirklich großen Räuber. Es gab zwar noch bis vor wenigen hundert Jahren eine reichhaltige Megafauna aus Elefantenvögeln, Riesenlemuren und drei Arten von kleinen Nilpferden, um nur mal einige der spektakulärsten Arten zu nennen, aber im Vergleich zu den afrikanischen Savannen, welche riesige Mengen an Großwild beherbergen, war die madagasische Tierwelt doch recht ärmlich. Das Nilkrokodil ist vielleicht unter allen modernen Arten am stärksten darauf angepaßt, ab einer gewissen Größe Säugetiere von teils beachtlichen Größen zu fressen. Die Voraussetzungen dafür sind günstig, denn ihre Beute, allen voran verschiedene Huftiere, müssen nicht nur zum Trinken in den Aktionsbereich der Krokodile kommen, sondern sind bei Wanderungen auch oft gezwungen, Flüsse zu durchqueren, wovon die Krokodile ebenfalls profitieren können. Genaugenommen stellt sich hier sogar die Frage, warum das afrikanische Nilkrokodil nicht noch größer ist.

Tatsächlich hat es in Afrika vor zwei Millionen Jahren einmal ein sehr großes Krokodil namens Rimasuchus lloydi gegeben. Diese Art erreichte eine Länge von etwa 8m und war extrem robust gebaut. Der Schädel war noch kräftiger und massiver als beim Nilkrokodil, und mit größter Wahrscheinlichkeit handelte es sich um ein auf Großsäuger spezialisiertes Raubtier. Eine zeitgleich lebendene Art, Euthecodon brumpti, wurde sogar noch größer, und erreichte eine Länge von etwa 10m. Allerdings war Euthecodon eine extrem langschnäuzige Krokodilart, die eine Parallelentwicklung zu den Gavialen war, und ein spezialisierter Fischfresser gewesen ist. Laut Wikipedia sollen auch am Viktoriasee Fossilien sehr großer Nilkrokodile gefunden worden sein, aber ich glaube viel eher, dass es sich um Knochen von Rimasuchus oder Euthecodon handelte, und nicht um die von normalen Nilkrokodilen.

Aber zurück zu Madagaskar. Dort lebte tatsächlich noch vor sehr kurzer Zeit noch eine andere Krokodilart namens Crocodylus robustus. Man hielt sie ursprünglich für nahe Verwandte des Nilkrokodils, oder ging sogar davon aus, dass sie mit den heutigen Nilkrokodilen auf Madagaskar identisch waren und sogar heute noch leben würden, spätere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass sie viel mehr mit dem Zwergkrokodil Osteolaemus tetrapsis. Insofern ist die Bezeichnung Crocodylus robustus falsch, und sollte entsprechend geändert werden. Diese Art war noch vor sehr kurzer Zeit existent, und möglicherweise verschwanden sie erst mit der restlichen Megafauna Madagaskars nach der Besiedlung durch den Menschen. Warum diese Art aber ausstarb, und das Nilkrokodil überlebte, ist allerdings unbekannt. Diese Tiere waren in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Am auffallensten waren die kleinen “Hörner” am Hinterrand des Schädels. Auch moderne Krokodile wie das Nilkrokodil besitzen nach oben ragende Knochenwülste hinter den Augen, aber bei Crocodylus robustus waren diese stärker ausgeprägt, als bei jeder anderen Art. Wozu sie aber gut waren, ist nicht bekannt. Hier ist mal eine Rekonstruktion die ich vor einiger Zeit anhand eines Schädel von Crocodylus robustus gemacht habe:

Crocodylus robustus- wurde allerdings nur 4-5m lang

 Könnte als diese Art hinter den angeblichen 10m langen Nilkrokodilen stecken? Teilweise habe ich schon gelesen dass diese Art 10m erreicht haben soll. Aber allem Anschein nach wurden hier die vermeintlichen 10m langen Krokodile und Crocodylus robustus einfach in einen Topf geworfen, und die Seite auf der ich das gefunden habe, machte auch keinen allzu seriösen Eindruck. Von Crocodylus robustus sind eine Reihe von Knochen bekannt, auch fast vollständige Schädel, aber selbst die größten bekannten Individuen waren nur 4-5m lang. Das ist immer noch recht groß, vor allem wenn man bedenkt dass der nächste lebende Verwandte eine maximale Länge von 1,9m erreicht, aber meistens sogar noch deutlich kleiner bleibt. Als Gewichtsangabe findet man für C. robustus übrigens oft ein Gewicht von 170kg, doch diese Angabe ist zweifellos zu gering, denn ein solches Krokodil wäre nur Haut und Knochen. Bei 4-5m würde das tatsächliche Gewicht viel eher 300-500kg betragen haben, abhängig davon, wie groß diese Tiere tatsächlich geworden sind. Also kann auch Crocodylus robustus wohl kaum hinter den Angaben von 10m langen Krokodilen stecken.

Die große Frage ist hier nun natürlich, woher diese Angaben kommen. In “ The Eighth Continent: On the Trail of the Extraordinary in Madagascar” von Peter Tyson konnte ich einen kleinen Zusatzhinweis finden. Dort wird erwähnt dass es auf Madagaskar einst eine riesiges Krokodiartl gegeben haben könnte, wobei allerdings allgemein vermutet wird, dass es sich um die noch heute dort vorkommenden Nilkrokodile handelte. Crocodylus robustus wurde auch lange als identisch mit den modernen madagasischen Krokodilen angesehen, und ich habe den Verdacht, dass hier verschiedene Dinge miteinander vermischt wurden. Falls es auf Madagaskar tatsächlich 10m lange Krokodile gegeben haben sollte, dann waren diese sicherlich nicht mit den Nilkrokodilen identisch, die heute dort leben. Und selbst wenn es irgendwann mal auf Madagaskar 10m lange Nilkrokodile gegeben haben sollte (was ich nicht glaube), dann würde dass noch lange nicht bedeuten, dass auch heutige Nilkrokodile tatsächlich so groß werden können. Meine persönlich Vermutung ist, dass es nie 10m lange Krokodile auf Madagaskar gegeben hat, auch wenn ich der letzte wäre, der sich nicht wünschen würde dass es sie doch gab. Massive Größenüberschätzungen anhand von Fossilien sind leider in der Geschichte der Paläontologie nichts ungewöhnliches gewesen, vor allem wenn nur fragmentarische Fossilien bekannt waren. Dass man über diese angelichen 10m langen Krokodile auch so gut wie gar nichts findet, spricht auch nicht gerade für ihre Glaubwürdigkeit. Ich wage mir jetzt nicht anzumaßen zu behaupten dass es definitiv niemals 10m lange Krokodile auf Madagaskar gegeben hat, aber ich sehe die Sache sehr sehr kritisch, und würde nicht allzu viel darauf geben. Sollte irgendjemand zusätzliche Informationen zu dem Thema haben, würde mich das sehr interessieren.

Bild des Tages: Gestreifte Kanarenskinke

Donnerstag, August 9th, 2007

Diese beiden wunderschönen Gestreiften Kanaren-Skinke ( Chalcides sexlineatus) habe ich letztes Jahr im Urlaub aufgenommen. Im Gegensatz zu den allgegenwärtigen Rieseneidechsen der Spezies Gallotia stehlini, die man fast überall sieht, bekommt man den Gestreiften Kanaren-Skink nur relativ selten zu Gesicht, und er ist auch ziemlich scheu, weshalb ich sehr froh bin wenigsten ein paar wenige gute Bilder dieser Tiere gemacht haben zu können:

Gestreifte Kanaren-Skinke (Chalcides sexlineatus)

Riesenblindschleichen

Freitag, August 3rd, 2007

In unseren Breitengraden sind Reptilien ja ziemliche Mangelware, und man kann sich in der Regel schon glücklich schätzen, wenn man am Ende des Jahres die gesehenen Arten nicht mehr an einer Hand abzählen kann. Vor allem sind unsere heimischen Reptilien alle relativ klein, und selbst die Schlangen sind nicht besonders eindrucksvoll. Eigentlich wollte ich irgendwann noch mal einen Post über einige heimische Reptilien und Amphibien machen, die ich dieses Jahr schon gesehen, und photographieren konnte, aber bevor ich das mache, wollte ich noch über etwas spezielleres schreiben. Die mitteleuropäischen Arten mögen zwar in der Regel nicht besonders groß sein, und können niemals Exemplare hervorbringen, welche mit den tropischen Arten wie Waranen oder Riesenschlangen konkurieren könnten, aber trotzdem schaffen es einige manchmal, für ihre Verhältnisse wirklich erstaunlichen Größen heranzuwachsen.

Hier soll es um überdurchschnittlich große Blindschleichen gehen. Man sieht ja immer mal wieder welche, leider oftmals überfahren oder gar von irgendwelchen Idioten zertreten auf den Straßen und Wegen, besonders groß sind sie aber selten. Die meisten die man sieht, sind in der Regel zwischen 20 und 30cm lang. In der Literatur oder auch auf Wikipedia liest man zwar dass Längen von 35-45cm normal seien, doch das ist weit entfernt von der Wirklichkeit. Das wird einem erst richtig bewußt, wenn man tatsächlich einmal eine Blindschleiche dieser Größe vor sich hat, und sieht wie groß der Unterschied zum eigentlichen Durchschnitt ist.

Durch einen glücklichen Zufall kam ich vor einiger Zeit in den Besitz einer wirklich gewaltigen Blindschleiche. Beim Spazierengehen hatte ich an einem Weinberg eine tote Blindschleiche am Wegrand entdeckt, allem Anschein nach durch Gewalteinwirkung gestorben, denn aus dem Maul hingen ausgequetschte und getrocknete Gedärme hervor. Nicht einmal zwei Meter weiter entdeckte ich dann eine weitere, die ich erst für noch lebendig hielt, da sie vollkommen unverletzt war, und scheinbar auf natürliche Weise zusammengerollte. Bei genauerem Hinsehen merkte ich aber, dass die Augen schon leicht eingetrocknet waren, und der Körper auch schon ganz steif war. Die Blindschleiche war eindeutig tot, wie ich später feststellte hatte sie getrocknetes Blut an den Nasenlöchern, aber keinerlei Verletzungen, so dass anzunehmen ist, dass sie vielleicht durch Pestizide aus den Weinbergen, oder auch durch vergiftete Nacktschnecken umgekommen ist.

Erste Riesenblindschleiche

Auf den ersten Blick fiel mir nur auf, dass es sich um ein recht großes Exemplar handelte, aber als ich es dann versuchsweise mit einem Stock herumdrehte, merkte ich erst dass diese Blindschleiche wirklich riesig war. Da sie noch ziemlich frisch war, entschloss ich mich dann sie mitzunehmen. Zu Hause habe ich sie dann einmal grob vermessen. Da sie durch die Leichenstarre ziemlich steif war, wollte ich sie aus Angst sie zu beschädigen, nicht gerade ausstrecken, darum nahm ich einen Faden, und legte in der Rückenlinie an. Ich hatte ein ziemlich langes Stück abgeschnitten, und dachte, dass es auf jeden Fall reicht. Ehrlich gesagt habe ich dann auch etwas schlampig gemessen, und nicht die exakte Krümmung in der Mitte nachgelegt, sondern den Faden nach Möglichkeit über lange Strecken immer relativ gerade gelegt, da ich trotz Gummihandschuhen nicht gerade darauf erpicht war, übermäßig viel Kontakt mit diesem toten Tier zu haben. Ich war dann schon ziemlich erstaunt, als ich merkte, dass er Faden nur gerade so reicht, und eher etwas zu kurz war. Noch größer war mein Erstaunen, als ich diesen Faden dann gemessen habe, denn er maß volle 45cm, und dass, obwohl ich noch nicht einmal die volle Krümmung berücksichtig habe, und den Faden auch nicht immer 100% genau liegen lasen konnte. Das heißt diese Blindschleiche war beinahe einen halben Meter lang, und obendrein auch noch ungewöhnlich kompakt. Das mag bedingt daran gelegen haben, dass Faulgase den Körper etwas aufgeblaßen haben, aber dieses Exemplar muss schon zu Lebzeiten außerordentlich dick gewesen sein. Mit Hilfe einer Spritze (gibt es in jeder Apotheke) habe ich dann in Maul, After und ein oder zwei anderen Stellen des Körpers dann Spiritus injiziert. Bei kleinen Reptilien muss man das nicht zwingend machen, aber be größeren ist es besser, da sonst die Gefahr besteht, dass sie von innen zu faulen anfangen, bevor sie komplett von außen mit Alkohol vollsaugen. Dann habe ich sie in ein Glas gelegt, und mit Spiritus aufgefüllt. Handelsüblicher Spiritus, den es für wenig Geld in Baumärkten gibt, ist ein ideales Mittel um Reptilien selbst über Jahre hinweg zu konservieren. Unvergälter Alkohol ist viel zu teuer und auch nicht besser, und Formalin ist giftig. Es kann zwar zu gewissen Entfärbungen kommen, aber gerade bei ohnehin nicht gerade farbenfrohen Arten wie Blindschleichen, ist das relativ egal. Ich habe schon warscheinlich 100 Jahre alte Alkoholpräparate von Reptilien gesehen, die so gut wie keine Entfärbung zeigten.

Riesenblindschleiche 1 von vorne

Hier noch ein Bild von hinten:

Riesenblindschleiche 1 von hinten

Durch die Krümmung des Glases kommt es zwar zu einer gewissen optischen Verbreiterung an manchen Stellen, aber ich denke man sieht ganz gut, dass es sich um eine wirklich ziemlich massive Blindschleiche handelt. Ich habe diese Bilder dann auf dem Laptop nochmal auf Originalgröße (ist ja kein Problem mit dem Geodreieck daneben) gebracht, und auf dem flach liegenden Bildschirm noch mal die Länge abgemessen. Diesmal kam ich sogar auf 48cm. Da ich an Stellen, an denen Vergrößereungen auftraten, diese möglichst ausgeglichen haben, und die Länge davon ja praktisch unbeeinflußt bleibt, dürfte diese Länge durchaus realistisch sein, zumal sie gut zu meiner anfangs zu gering abgemessenen Länge passen würde. Die 48cm sind beinahe so lang wie mein Arm (und ich habe recht lange Arme) und sind ziemlich viel für so ein Tier, wahrscheinlich dürfte diese Blindschleiche zu Lebzeiten sogar eine der größten freilebenden Echsen Deutschlands gewesen sein. Wie groß das ist, fällt auch auf wenn man bedenkt dass der Weltrekord (der echte, und nicht das was bei Wikipedia steht) bei 48,9cm liegt. Diese Blindschleiche lebte auf Portmouth (Fairfax 1965). Daneben gibt es noch den Fund eines 39cm langen Exemplares aus Steep Holm, das 1984 gefunden wurde. Es hatte einen regenerierten Schwanz, und hätte mit seinem Originalschwanz wahrscheinlich eine Länge von 53cm gehabt. Bei solchen Exemplaren handelt es sich eigentlich immer um alte Männchen, was man auch teilweise daran sehen kann, dass einzelne Schuppen auf dem Rücken von einem hellen Blau sind (was auch bei meiner Riesenblindschleiche der Fall war, auch wenn ich schon extreme Fälle von Blaufärbung bei Blindschleichen gesehen habe). Blindschleichen dieser Größe dürften auch schon ein enormes Alter auf dem Buckel haben, möglicherweise über ein halbes Jahrhundert. Diese Tiere gehören zu den wenigen Reptilien-Arten, bei denen Alter von mehreren Jahrzehnten in Gefangenschaft tatsächlich dokumentiert werden konnten. Es wäre durchaus interessant zu wissen, wie alt dieses Exemplar geworden ist, oder wie alt und vor allem wie groß es geworden wäre, wenn es nicht (allem Anschein nach auf unnatürliche Weise) verstorben wäre.

Im Leben scheint es ja tatsächlich so etwas wie Zufälle zu geben, denn nur kurze Zeit später fiel mir eine (diesmal nicht selbst gefundene) Blindschleich in die Hände, die ebenfalls eine sehr respektable Größe aufwies. Da sie sich noch problemlos der Länge nach ausbreiten ließ, konnte ich auch exakt die Länge bestimmen, es waren genau 41,7cm.

Riesenblindschleiche 2

Diese Blindschleich war ausgesprochen dünn, und zusammengerollt sah sie nicht einmal besonders groß aus, aber ausgelegt, wurde ihre ungewöhnliche Länge erst richtig auffälllig. An was sie gestorben ist, kann ich nicht genau sagen, aber sie zeigte zahlreiche kleine Verletzungen, die aussahen, als kämen sie von Krallen. Katzen sind leider ein sehr großes Problem für Blindschleichen, und in manchen Gebieten fallen ihnen große Teile der Blindschleichenpopulationen zum Opfer.

Hier sieht man sie mal im Detail, wobei auch einige der Krallenspuren zu sehen sind:

Riesenblindschleiche 2 Kopfansicht

Keine der Verletzungen sah wirklich tödlich aus, und es waren auch keine größeren Blutspuren erkennbar, so dass ich vermute, dass die Blindschleiche die Attacke eine Weile überlebte, aber durch die Verletzungen so geschwächt war, dass sie letztendlich daran zugrunde ging. Das würde auch den ungewöhnlich dünnen Körper erklären. Übrigens hing noch ein Reststück alte Haut am Schwanzende, was bedeutet, dass sie sich erst vor recht kurzer Zeit gehäutet haben muss. Mit dieser Blindschleiche bin ich dann ebenso verfahren, wie mit der ersten, und habe sie in Spiritus konserviert.

Bild des Tages: Mein Tatzelwurm-Photo

Freitag, Juli 20th, 2007

Vor einiger Zeit gab es auf Kryptozoologie-Online einmal einen Wettbewerb, ein möglichst realistisches Fake-Bild eines Kryptiden  zu machen. Ziel davon war vor allem zu sehen, wie schwer oder einfach das ist, und an was man einen Fake erkennen kann. Ich hatte mich dann dazu entschlossen zwei Tatzelwurm-Modelle zu machen, da ich von Photoshop und digitaler Bildbearbeitung praktisch keine Ahnung habe. Außerdem bot sich der Tatzelwurm an, da man ein kleines Modell machen konnte, ohne dass dies sofort zu völlig falschen Größenverhältnissen kam, und dieser Kryptide vergleichsweise einfach zu modellieren ist. Ich habe mich dann stundenlang durch Bücher über Reptilien und das Internet gearbeitet, um geeignete Vorlagen-Bilder von Skinken zu bekommen, da ich vor allem am Kopf eine anatomisch möglichst korrekte Schuppen-Anordnung erreichen wollte. Dann habe ich aus Fimo den Kopf modelliert, und weil der so viel Arbeit gemacht hat, und auch gut genug aussah um noch andere Projekte damit machen zu können, machte ich einen Latexabguss um Zweitköpfe aus Gips gießen zu können. Einen dieser Gipsköpfe habe ich dann an einen Fimokörper anmodelliert, mit einem Netz ein leichtes Schuppenmuster auf diesen gemacht, und dann die Arme mit den vorgehärteten Krallen und Finger angefügt. Bilder vom Entstehungsprozess kann man auch hier sehen:

http://www.kryptozoologie-online.de/component/option,com_zoom/Itemid,159/catid,5/PageNo,2/offset,0/

http://www.kryptozoologie-online.de/component/option,com_zoom/Itemid,159/catid,5/

Das ganze habe ich dann im Backofen gehärtet und (nicht gerade übermäßig professionell…) mit Wasserfarben angemalt. Darüber kam noch eine Lackschicht und kurz darauf ging es zum Photoshooting:

Tatzelwurm

Ich habe bei dieser Version dann noch das Bild entfärbt, damit es aussieht wie ein altes Schwarzweiß-Photo. Zugegebenerweise sieht das mit einem möglichst realistisch gestaltete Photo ziemlich echt aus, und hätte man noch etwas mehr mit der Auflösung und dem Kontrast herumgespielt, könnte man womöglich wirklich nicht sagen, ob nicht vielleicht doch vor Jahrzehnten einmal ein Wanderer in den Alpen einen Tatzelwurm photographiert hat. Mit einer Bilderserie dieses und noch eines anderen Modells habe ich es dann sogar zweimal mit gleicher Wertung auf den ersten Platz des Wettbewerbes geschaft.

Bild des Tages: Handwühle (Bipes biporus)

Donnerstag, Juli 5th, 2007

Eines der skurrilsten Reptilien ist zweifellos die fünffingrige Handwühle. Diese seltsamen kleinen Reptilien besitzen einen langgestreckten, beinahe gleichförmig dicken Leib, einen kompakten gepanzerten Kopf mit winzigen Augen, sowie zwei kleine Vorderbeine, die mit ihren langen Krallen an die eines Maulwurfes erinnern. Das kommt auch nicht von Ungefähr, denn Handwühlen leben vor allem unterirdisch, weshalb sie auch keine äußeren Ohröffnungen besitzen. Auch ihre Haut ist an diese Lebensweise angepaßt, denn sie ist relativ weich und verschieblich und von mosaikartigen kleinen Schuppen bedeckt. Außerdem sind sie vollkommen pigmentlos, und haben eine rosa-fleischige Farbe, ähnlich einer neugeborenen Maus, was auf dem Bild, welches ein entfärbtes Alkoholpräparat aus dem Naturhistorischen Museum Wien zeigt, nicht mehr zu sehen ist. Sie gehört zu den Zweifuß-Doppelschleichen (Bipedidae), denen auch die verwandten Arten Bipes canaliculatus und Bipes tridactylus angehören. Ihre nahen Verwandten unter den Doppelschleichen besitzen im Gegensatz zu ihnen keine Gliedmaßen.

Handwühle (Bipes biporus)

Vor einiger Zeit machte im Internet auch das Bild einer Handwühle die Runde, und sorgte für allerlei Spekulationen. Von vielen wurde das ganze sofort als Fälschung abgetan, andere wiederum meinten, es handele sich um einen Tatzelwurm. Mit dem Tatzelwurm haben diese kleinen, nur etwa 20cm lang werdenden Doppelschleichen, die obendrein nur relativ lokal begrenzt im südlichsten Teil Nordamerikas vorkommen, allerdings nichts zu tun.