Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Paläontologie’ Category

Mastodonsaurus giganteus - eines der größten Amphibien aller Zeiten

Donnerstag, Oktober 18th, 2007

 

Heute möchte ich etwas über den Mastodonsaurus schreiben. Dieser gewaltige Panzerlurch war eines der spektakulärsten Amphibien aller Zeiten, mit Ausmaßen, welche man sich für ein Tier dessen nächste lebende Verwandte etwa Frösche oder Molche wären, kaum noch vorstellen kann. Gemeinhin wird Mastodonsaurus als das größte Amphibium bezeichnet, das je gelebt hat. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass manche Arten noch deutlich größer wurden, etwa der langschnäuzige Prionosuchus plummeri dessen Fossilien man aus Brasilien kennt, und der eventuell sogar Längen von 9m erreichte.  Aber unabhängig davon, ob es noch größere Amphibien gab oder nicht, Mastodonsaurus war in jedem Fall ein Gigant.

Mastodonsaurus ist vor allem aus dem deutschen Raum durch eine Reihe extrem gut erhaltenenr Fossilien bekannt, die teilweise fast vollständig sind. Selbst Fossilien von Mastodonsaurus-Larven sind bekannt. Mastodonsaurus giganteus erreichte eine Länge von mindestens 6m, fragmentarische Funde lassen aber sogar auf Tiere von 7m Länge schließen. Damit war Mastodonsaurus giganteus mindestens so lang wie die größten heutigen Krokodile. Da diese Tiere insgesamt aber etwas kompakter waren als Krokodile, dürften sie noch deutlich schwerer geworden sein, und Gewichte von mehr als 2 Tonnen erscheinen für die größten Exemplare keineswegs unrealistisch.  Noch eine andere Eigenschaft verband Mastodonsaurus mit diesen heutigen größten fleischfressenden Räubern des Süßwassers: Er hatte Knochenplatten unter der Haut, ähnlich den Panzerechsen. Eine solche Knochenplatte kann man hier sehen (das Photo stammt aus dem Naturhistorischen Museum in Wien):

Das von Burian stammende Rekonstruktionsbild zeigt die alte Vorstellung, dass diese Tiere eine sehr kompakten Körper, und einen extrem kurzen Schwanz hatten, eine Ansicht, die sich über viele Jahrzehnte gehalten hat. Neurere Rekonstruktionen zeigen aber, dass Mastodonsaurus sehr wohl einen gut entwickelten Schwanz hatte, und weniger kröten-als viel eher krokodilsgestaltig war.

So wurde auch etwa dieses, an sich sehr schöne Modell im Stuttgarter Museum am Löwentor mit einem überaus kurzem Körper und Schwanz rekonstruiert:

Mir war diese Darstellung schon seit jeher etwas seltsam vorgekommen, denn ein solches Tier hätte sich kaum effektiv fortbewegen können. Die Beine sind ziemlich schwach, und hätten beim Schwimmen keine große Hilfe geleistet, und ein derartig kurzer Schwanz hätte gar keinen Nutzen bei der Fortbewegung gehabt. Folglich hätte ein derartig proportioniertes Wesen darauf warten müssen, dass ihm seine Beutetiere schon beinahe ins Maul geschwommen wären.  Vor allem hätte auch eine Möglichkeit gefehlt, zumindest eine kurze Entfernung schnell zurücklegen zu können, wie es etwa Krokodile machen, wenn sie sich mit ihrem kräftigen Schwanz mehrere Meter hervorschnellen. Das in der aktuellen Ausstellung gezeigt Skelett, welches in extrem aufwendiger Arbeit mit Hilfe von per Hand aus Kupfer getriebenen Knochen rekonstruiert wurde, zeigt die tatsächlichen Proportionen dieses Tieres, welches nun deutlich krokodilähnlicher wirkt. Das Skelett darunter gehört übrigens Batrachotomus:

Das ganz oben zu sehende Bild zeigt eine Lebendrekonstruktion, welche auf diesen neuen Ergebnissen basiert, was man bei dieser Ansicht aber nicht sehen kann. Zugegebenerweise finde ich die Farbgebung etwas unstimming, zwar findet sich fast die gleiche Farbkombination bei Marmormolchen, aber irgendwie finde ich dass sie bei einem Tier wie Mastodonsaurus fehl am Platz wirkt. Naja, das ist eben die künsterlische Freiheit, und des ist ja nicht meine Rekonstruktion.  Interessant wäre auch zu wissen, ob sich die Panzerplatten unter der Haut abhoben, oder ob sie praktisch versteckt unter der Haut waren.

Mastodonsaurier waren Raubtiere, welche anderen Wirbeltieren nachstellten, vermutlich in ähnlicher Manier wie heutige Krokodile. Allerdings unterscheidet sich ihre Bezahnung beinahe grundlegend. Während Krokodile eine relativ geringe Variationsbreite von Zahngrößen besitzen, waren bei Mastodonsaurus zwei völlig unterschiedliche Zahnformen vorhanden. Der Großteil der Kiefer wurden von sehr kleinen Zähnen gesäumt, welche Ähnlchkeiten zu jenen heutiger Amphibien oder auch vieler Fische habe. Zusätzlich hatten sie aber auch drei Paar riesige Fangzähne, jeweils zwei im Ober-und eines im Unterkiefer. Die Fangzähne im Unterkiefer waren so lang, dass sie selbst bei geschlossenen Maul durch Löcher in der Schnauze nach außen ragten. Zweifellos waren diese Zähne außerst effektiv um große Beutetiere festzuhalten. Bei den größten Exemplaren konnten diese Fangzähne gut 15cm lang werden. Von diesen Zähnen leitet sich auch der Name der Tiere ab, denn Mastodonsaurus bedeutet “Zitzenzahnechse”, wobei hier der Begriff Echse natürlich völlig fehl am Platz ist. Im Querschnitt weisen diese Zähne eine äußerst ungewöhnliche Fältelung auf, welche unter anderem von Quastenflossern bekannt ist.

Einen etwas besseren Einblick in die Bezahnung bekommt man auf diesem Photo eines Mastodonsaurus-Schädels:

Gut erkennbar sind auch die mächtigen Kiefer, welche bis zu 90° aufgerissen werden konnten, und stark genug waren, um selbst bei größeren Beuteieren deutliche Spuren an den Knochen zu hinterlassen. Man kennt Zahnabdrücke an Knochen von Plagiosauriern, welche etwa 70cm lang wurden, aber auch von landbewohndenden Thekodontiern, welche bis zu 5m lang wurden. Allerdings ist mir hier nicht bekannt, wie groß die Exemplare waren, an denen die Spuren gefunden wurden. Interessant ist auch, dass diese verheilt waren, was bedeutet, dass sie von Mastodonsaurus in Krokodilmanier angegriffen worden sein müssen, und nicht etwa nur an einem im Wasser treibenden Kadaver herumgefressen haben.  Man kennt sogar Bissabdrücke dieser Tiere an anderen Mastodonsauriern, was bedeutet, dass es sich wahrscheinlich um nicht gerade sonderlich umgängliche Wesen gehandelt hat.

Mastodonsaurus verbrachte mit Sicherheit den größten Teil seines Lebens im Wasser, worauf auch die  Rinnen am Schädel deuten, welche einst nur im Wasser wirksame Seitenlinienorgane beherbergten. Allerdings sind auch Spuren bekannt, welche diese riesigen Panzerlurche an Land hinterlassen haben müssen, und zeigen, dass sie sich dort nur sehr schwerfällig fortbewegten.

Wer sich für dieses und ähnliche Themen interessiert, dem seien noch zwei Bücher ans Herz gelegt:

Rainer Schoch: Saurier - Expedition in die Urzeit

Ernst Probst: Deutschland in der Urzeit -  Von der Entstehung des Lebens bis zum Ende der Eiszeit

Beide Bücher behandeln vor allem Funde aus dem süddeutschen Raum, von denen auch viele in der Dauerausstellung des Stuttgarter Museums am Löwentor bestaunt werden können, aber es werden auch eine ganze Reihe von anderen Funden abgedeckt. Das Buch von Ernst Probst ist schon etwas älter, und enthält ein paar wenige Fehler, etwa ein noch froschartige Darstellung des Mastodonsaurus. Das Buch von Rainer Schoch ist auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, und geht auch sehr detailliert auf die Evolution und Biologie der Dinosaurier ein, mit vielen Details und Entdeckungen, die ich bisher nur aus Internet und Fernsehen kenne, aber bisher noch nicht aus der Populärliteratur. Es enthält auch haufenweise Farbphotos der Rekonstruktionen, welche für die Sonderausstellung “Saurier - Erfolgsmodelle der Evolution” hergestellt wurden. Wer sich für Urzeit interessiert, sollte sich dieses Buch unbedingt kaufen.

Dakosaurus maximus - der große Bruder des Godzilla-Krokodils

Dienstag, Oktober 9th, 2007

Dakosaurus maximus frontal

Vor einiger Zeit kam ja in der Presse eine neu entdeckte Meereskrokodilart groß raus, und schaffte es sogar auf die Titelseite von National Geographic. Das äußerst medienwirksam als Godzilla-Krokodil bezeichnete Krokodil bekam den Namen Dakosaurus andiniensis verliehen. In den Presseberichten war häufig von einem Riesenkrokodil die Rede, tatsächlich deuten die bisher gefundenen Reste dieser Art nicht darauf hin, dass es größer als die heutigen großen Panzerechsenarten wurde, aber so sind Journalisten nun mal. “Riesiges Godzilla-Krokodil” hört sich eben viel besser an, als “großer Metriorhychid mit kranialen Anpassungen an Makroprädation”. Naja. Jedenfalls wurde dieses Tier weltbekannt, und das nur, weil es einen interessanten Schädel hatte, denn dieser war nicht wie bei den heutigen Krokodilen entweder lang und schmalschnäuzig oder kurz und breitschnäuzig, sondern insgesamt sehr kompakt, und vor allem sehr hoch. Der Kopf erinnert viel eher an die Schädel verschiedener landbewohnender fleischfressender Reptilien, wie etwa den terrestrischen Sebeciden, oder bestimmten Archosauriern und Theropoden. Die Kiefer sind verhältnissmäßig kurz und sehr kräftig, und alles deutet darauf hin, dass man es hier keineswegs mit einem Fischfresser zu tun hatte, sondern mit einem Wesen, das relativ große Beutetiere tötete, und fähig war, große Fleischstücke aus Kadavern herauszureißen, ähnlich wie Schwertwale oder Weiße Haie. Heutzutage gibt es nur noch sehr wenige marine Fleischfresser, wie wirklich große Beutetiere töten und fressen, darunter ein paar Haie und eine Handvoll Zahnwale. Einst gab es  eine ganze Reihe von Pliosauriern und Mosasauriern, und wie man sieht auch Krokodile welche Spezialisierungen auf Makroprädation aufwiesen. Völlig verschwiegen wurden bei all den Newsmeldungen aber, dass “Godzilla” noch einen großen Bruder, oder eher Cousin hatte. Die Rede ist von Dakosaurus maximus, eines riesigen Metriorhynchiden, dessen Reste in Deutschland gefunden wurden. Dieses Monster erreichte eine Länge von etwa 8m, war also mindestens zwei Meter länger als Dakosaurus andiniensis. Da ihre Schwanzflosse wie bei Ichthyosauriern durch die nach unten geknickte Schwanzspitze bebildet wurde, war Dakosaurus im Vergleich zu normalen Krokodilen proportional kompakter, da weniger Länge des Schwanzes auf die Gesamtlänge entfielen. Das Gewicht großer Exemplare könnte bei durchaus drei Tonnen gelegen haben, also weit mehr als jeder Weiße Hai. Auch der Schädel von Dakosaurus maximus war sehr kräftig gebaut, mit sehr langen und leicht nach hinten gebogenen Zähnen, und sehr kräftigen Kiefer. Der Schädel weist große Ähnlichkeiten mit jendem von Dakosaurus andiniensis auf, war aber propotional noch länger und etwa weniger hoch und robust. Dass ihre Kiefer enorm kräftig waren, zeigt sich teilweise an Fossilien kleinerer Meereskrokodile, die von Dakosaurus regelrecht in Stücke gebissen wurden.

In der Sonderausstellung des Museum am Löwentor in Stuttgart kann man momentan Fossilien von Dakosaurus maximus bestaunen, sowie neben vielen anderen Modellen, auch eine lebensgroße Rekonstruktion in einem Meeresdiorama. Von dort stammen auch die Bilder.

Hier sieht man den Kopf noch einmal besser von der Seite. Eigentlich mag ich derartig perspektifisch verzerrte Bilder nicht, und bevorzuge Darstellungen, welche ein Tier auf der ganzen Länge zeigen, aber da die Scheibe extrem stark reflektierte, mußte ich die Kamera direkt ans Glas drücken und ohne Blitz photographieren, wobei natürlich die Ansichten entsprechend eingeschränkt waren.

Das Modell ist wirklich sehr gut gemacht, allerdings habe ich persönlich den Eindruck, dass die Hautstruktur nicht dem Original entspricht. Heute gibt es keine vergleichbaren Tiere mehr, und man ist daher bei der Rekonstruktion von Meeresreptilien gerne versucht, sie mit einer sehr glatten, walartigen Haut mit kleinen Schuppen darzustellen. Aber das muss nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Von Mosasauriern kennt man etwa Hautabdrücke, die auf relativ große, nicht überlappenden und kachelförmig angeordnete Schuppen sprechen. Auch moderne Meeresschildkröten haben ja noch sehr große Schuppen an ihren Flossen. Und schließlich war Dakosaurus nach wie vor ein Krokodil, und ausnahmslos alle heutigen Krokodile zeigen eine relativ typische Struktur aus großen, polygonen Schuppen. Auch sehr stark ans Wasser gebundene Arten wie die Gaviale haben eine solche Hautstruktur, und selbst wenn eine Art vollkommen ans marine Leben angepaßt ist, und die Oberfläche entsprechend strömungsgünstiger wird, etwa indem sich Hautunebenheiten, wie sie durch die Rückenkämme oder Panzerplatten hervorgerufen werden, zurückbilden, aber ich sehe jetzt keinen Grund weshalb sich die eigentliche Hautstruktur verändern sollte. Naja, das sind jetzt meine persönlichen Überlegungen, und vielleicht kann mir jemand eine begründete Antwort darauf geben, warum Meereskrokodile doch so eine Haut gehabt haben könnten.

Hier sieht man noch einmal einen leider nur fragmentarisch erhaltenen Schädel. Gut zu erkennen sind die sehr großen und langen Zähen:

Belemniten

Freitag, Oktober 5th, 2007

Vor einiger Zeit brachte ich ja beim Bild des Tages ein Photos eines Belemnitenfossils in meiner Fensterbank. Nun wollte ich etwas weiter auf das Aussehen dieser Tiere zu Lebzeiten eingehen. Glücklicherweise kennt man von Belemniten einige extrem gut erhaltene Fossilien, so dass man ihr Aussehen recht gut rekonstruieren kann. Den meisten Leuten würde es wahrscheinlich noch nicht einmal auffallen, wenn sie einen lebenden Belemniten vor sich hätten, denn diese Tiere ähnelten schon recht stark den modernen Kalmaren, und waren wohl auch in ihrer Lebensweise ähnlich. Ein recht gutes Modell eines Belemniten (und meines Wissens auch das einzige dass es überhaupt zu kaufen gibt) gibt es von Bullyland. Leider ist das Modell in einigen Details, etwa der Innenseite der Arme, etwas arg grob gearbeitet, und irgendwann werde ich mir sicher auch ein eigenes bauen. Nichtsdestotrotz ein recht gelungenes Modell:

belemnit-von-bullyland.JPG

Was man auf diesem Bild leider nicht besonders gut sehen kann, ist die Anordnung der Fangarme, denn diese bildeten nicht wie bei den modernen Kalmaren einen durchgehenden Kreis, sondern eher einen unten offenen Trichter, da zwischen den beiden untersten Fangarmen eine Lücke stand. Ebenfalls schlecht zu sehen auf diesem Photo sind die Chitinhaken, die Belemniten statt Saugnäpfen an ihren Fangarmen besaßen. Heute haben die meisten Kalmare nur noch Saugnäpfe, es gibt allerdings auch welche wie den Koloss-Kalmar Mesonychoteuthis hamiltoni, welche sowohl über Saugnäpfe als auch Chitinhaken verfügen. Glücklicherweise sind diese aus Chitin bestehenden Haken und Krallen bei einigen besonders gut erhaltenen Exemplaren fossil erhalten geblieben, so dass man zumindest für einige Arten ihr Aussehen sehr gut reonstruieren kann, denn man weiß wie viele Fangarme zu hatten, und auch wie lang diese waren, was etwa bei Ammoniten vollkommen unbekannt ist. An diesen Fossilien aus der Schausammlung des Paläontologischen Instituts in Tübingen kann man diese kleinen Haken sehr gut erkennen:

Belemniten-Fossil

 Belemniten-Fangarme

Belemniten-Chitinhaken

Interessant ist auch, dass es bei Belemniten allem Anschein nach einen Sexualdimorphismus in Bezug auf die Fangarme gegeben hat. Man kennt sowohl Fossilien, die 10 einstmals vollständig mit Haken besetzte Fangarme zeigen, als auch solche, bei denen ein Paar lediglich zwei riesige stark gekrümmte Haken aufweist. Diese Onychichten genannten Haken besitzen teilweise groteske Ausmaße, die auch kaum etwas mit der Nahrungsbeschaffung zu tun hatten, sondern viel eher dazu dienten, das Weibchen bei der Paarung zu umklammern.

Belemniten-Onychit

Ein Beispiel für die teilweise extreme Größe, welche die Onychiten bei manchen Belemnitenmännchen erreichen konnten, sieht ma bei diesem Fossil aus dem Löwentor-Museum in Stuttgart. Man achte auch auf die Anordnung der anderen Fanghaken, welche auf eine zu Lebzeiten enorme Dicke der Fangarme bei dieser Spezies hindeuten:

Bild des Tages: Platybelodon

Freitag, September 7th, 2007

Hier ist ein Bild einer lebensgroßen Rekonstruktion von Platybelodon, aufgenommen bei der Ausstellung “Die Erben der Dinos” in Reutlingen:

Platybelodon

Bild des Tages: Der Belemnit in der Fensterbank

Mittwoch, September 5th, 2007

Manchmal findet man sogenannte Donnerkeile, das sind in der Regel etwa kleinfingerdicke leicht konische steinerne Stäbe, die in eine Spitze auslaufen. Es handelt sich dabei um das versteinerte Innenskelett von ausgestorbenen Kopffüßern, den Belemniten. Sie ähnelten schon recht stark den modernen Kalmaren, und hatten ebenfalls stomlinienförmige Körper ohne Außenskelett. Anhand einiger extrem gut erhaltener Fossilien kann man das Aussehen dieser Tiere recht gut rekonstruieren. Statt Saugnäpfen trugen sie kleine Chitinhaken an ihren acht Armen, die männlichen Tiere verfügten überdies noch über ein zusätzliches Paar Fangarme, an denen jeweils ein riesiger gebogener Chitinhaken saß, der möglicherweise eine Rolle bei der Paarung spielte. Normalerweise findet man Donnerkeile in Steinbrüchen, Baugruben oder anderen Orten an denen die Erde aufgebrochen wird. Manchmal findet man sie aber auch an ganz anderen Orten, etwa in Häusern als zufällige Dekoration einer Fensterbank:

Der Belemnit in der Fensterbank

Man kann gut den massiven hinteren Teil erkennen, sowie den vorderen in dem das Tier teilweise noch drin saß. Aber wie der Schulp bei modernen Kalmaren war die gesamte kalkige Innenschale von Weichgewebe umgeben.

Genaueres zum Aussehen und der Biologie der Belemnite soll in einem späteren Post folgen.

Bild des Tages: Ornithocheirus bunzeli

Montag, September 3rd, 2007

Hier hier sieht man zwei Modelle des Flugsauriers Ornithocheirus bunzeli aus dem Naturhistorischen Museum in Wien. Man achte auch vor allem auf den Hintergrund, der eine Vorstellung der enormen architektonischen und künsterlischen Gestaltung dieses im klassischen Stile erbauten Museums erahnen läßt:

Ornithocheirus bunzeli

Mein erstes Nautiloiden-Modell

Samstag, September 1st, 2007

Es gibt ja alle möglichen Figuren von ausgestorbenen Tieren zu kaufen, aber wenn man sie sich mal genau ansieht, dann fällt einem ziemlich schnell auf, dass es zwar eine riesige Anzahl von Tyrannosauriern, Triceratopsen, Sauropoden und auch mal Tiere wie Mammuts gibt, aber von einer ganzen Anzahl interessanter Arten (wobei das natürlich Ansichtssache ist…) gibt es kaum oder gar keine Modelle. Bei Cephalopoden etwa. Zwar findet man ohne Probleme Oktopusse aus Gummie oder Plastik, was aber andere Vertreter der Kopffüßer darstellen soll, kann man beinahe an einer Hand abzählen. Auch von ausgestorbenen Belemniten, Ammoniten und anderen Nautiloiden gibt es weltweit nur eine Handvoll Modelle. Da ich vor einiger Zeit begann, mich auch für diese Tiere zu interessieren, war es naheliegend, einfach mal nach dem Motto “Selbst ist der Mann” ein paar Figuren zu modellieren. Also habe ich etwas Fimo genommen, und mir ein paar Nautiloiden modelliert. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich sie ziemlich hässlich finde, und wenn ich die aktuellen Erkenntnisse und Kontroversen über die Lebenddarstellung von Nautiloiden ansehe, dann halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass es wirklich einmal so aussehende Cephalopoden gegeben hat. Das kommt eben wenn man anfängt zu arbeiten, ohne sich darauf vorzubereiten. In jedes der Modelle habe ich nur etwa eine halbe Stunde Modellierarbeit gesteckt, und das sieht man leider auch. Jedenfalls sind diese Modelle jetzt da, und da gestern wieder mal einer der Freitage gewesen ist, an denen überhaupt nichts los ist, habe ich mir eines dieser Modelle gepackt, und angemalt. Ich muss im Voraus sagen, dass sie nicht nur hässlich modelliert, sondern auch hässlich angemalt sind, was u.a. daran liegt, dass sich mit Wasserfarben auf Fimo nicht wirklich gut malen läßt. Bei diesem ersten Modell das ich gemacht habe, habe ich mich stark an dem “giant orthocone”, also einem riesigen Nautiloiden mit langgestreckten Gehäuse aus der BBC-Doku “Monster der Tiefe” orientiert, und letztendlich auch was die Bemalung angeht. Sowohl Form als auch Farbe zeigen sehr viele Ähnlichkeiten zu dem rezenten Nautilus oder Perlboot. Nach dem Bemalen mit Wasserfarben habe ich das ganze noch lackiert, und um es etwas stimmiger zu machen, noch ein paar Aufnahme vor einem passenden Hintergrund (welcher aus einem sehr empfehlenswerten Urzeit-Buch namens “Das Leben im Meer” stammt) photographiert:

Nautiloid Diorama

Noch mal sozusagen als Photomontage mit einer Schnecke in den Fangarmen:

Nautiloid mit Schnecke

Noch ein bißchen zur Entstehungsgeschichte des Modells. Als erstes habe ich das Gehäuse modelliert, wobei ich ein gebogenes und in sich verdrehtes Stück Draht vorne eingefügt habe. So hatte man nach dem Härten ein fest Stück in den Hand, von dem aus man weitermodellieren konnte, ohne Gefahr zu laufen, dass man wieder irgend etwas kaputt mach. Dann habe ich den ebenfalls vorher gehärteten Schnabel eingesetzt, und das ganze noch mal in den Ofen geschoben.

Hier sieht man noch mal das Modell wie es ursprünglich ausgesehen hat, und daneben die beiden anderen. Ich frage mich heute noch warum ich die Augen so wulstig modelliert habe. 

Nautiloiden unangemalt

Hier noch mal eine Seitenansicht vor dem Lackieren:

Nautiloid unlackiert

Und noch das fertig bemalte und lackierte Modell auf einer kleinen Basis mit Schwämmen und Korallen, deren Modellation ein Vielfaches der Zeit des Nautiloiden benötigt hat:

Nautiloid auf Basis 1

Und noch mal schräg von oben:

Nautiloid auf Basis 2

Inzwischen habe ich ein deutlich besseres und weitaus aufwändigeres Modell gemacht, bei dem ich mich möglichst detailgetreu (auch wenn die Vorlage wahrscheinlich auch nicht authentisch ist, aber eben gut aussieht) an dem Riesennautiloiden der BBC orientiert habe. Allerdings wird diese unangemalt bleiben, bis ich die Möglichkeit habe, Airbrush dafür zu benutzen, denn mit den bisher benutzten Farben würde ich ihn nur verhuntzen.

Bild des Tages: Höhlenbärskelette

Mittwoch, August 29th, 2007

Das Skelett eines Höhlenbären hatte ich ja schon einmal als Bild des Tages, aber diesmal wollte ich etwas ungewöhnlicheres zeigen. Knochen von Höhlenbären sind an sich nicht wirklich etwas besonderes, auch (oftmals aus Knochen mehrerer Individuen) zusammengefügte Skelette sind nicht wirklich aufsehenserregend. Skelette von jungen, oder gar neugeborenen Höhlenbären bekommt man dagegen so gut wie nie zu sehen, weshalb ich dieses Photo aus dem Naturhistorischen Museum in Wien einfach mal zeigen wollte:

Skelette von erwachsenem, jungen und neugeborenen Höhlenbär

Die Mähne des Höhlenlöwen

Montag, August 27th, 2007

Löwen werden ja allgemein speziell mit Afrika assoziiert, auch wenn es mit einer kleinen Population im indischen Gir-Forest auch eine letzte Bastion des noch vor gar nicht langer Zeit viel weiter verbreiteten asiatischen Löwen gibt. Noch in der frühen Antike gab es Löwen sogar noch auf dem Balkan. Dass die letzten Löwen in Mitteleuropa jagten, ist aber schon etwas länger her, nämlich etwa 10.000 Jahre. Die damals lebenden Höhlenlöwen waren nahe verwandt mit den modernen Löwen, und stellten möglicherweise sogar nur eine an die nördlichen Gefilde angepaßte Variante des afrikanischen Löwen dar. Man kennt das Aussehen dieser Tiere recht gut von gut erhaltenen Skelettfunden, sowie steinzeitlichen Plastiken und Höhlenmalereinen. Der Höhlenlöwe war etwas größer als heutige Löwen, was vielleicht eine Anpassung an das kältere Klima war. Von steinzeitlichen Kunstwerken ist auch bekannt, dass diese Tiere eine Schwanzquaste besaßen, aber meistens auch keine Mähne. Wohlgemerkt meistens. Zwar kann man in der Regel lesen, dass Höhlenlöwen, und auch ihre Verwandten, die über die trockengefallene Beringstraße nach Nordamerika gelangt waren, überhaupt keine Mähne besaßen. Einige alte Darstellungen zeigen aber unzweifelhaft, dass zumindest einige Höhlenlöwen eine Mähne besaßen. Diese war zwar nicht so stark ausgeprägt, wie bei den meisten modernen Löwen, aber dennoch vorhanden. Einige Darstellungen zeigen lediglich eine sehr kurze Mähne, die an Nacken und Kehle vorhanden war, und nicht viel länger als der Rest des Fells gewesen ist, aber eindeutig eine andere Fellstruktur aufwies. Aber es gibt auch Darstellungen, die längere Mähnen zeigen, etwa aus der französischen Chauvet-Höhle, welche man hier sehen kann: http://www.uf.uni-erlangen.de/chauvet/Chauvet_09.jpg

Ein solcher bemähnter Höhlenlöwe wird wohl zu Lebzeiten so ähnlich ausgesehen, haben wie diese Photoshop-Rekonstruktion eines Amerikanischen Löwen von Daniel Reed:

Panthera leo atrox mit Mähne

Die Behauptung dass der Höhlenlöwe grundsätzlich mähnenlos war, ist folglich falsch. Wahrscheinlich traf dies zwar auf die meisten männliche Höhlenlöwen zu, aber wenigsten manchen scheint sich eine Mähne erhalten zu haben, die darüber hinaus ging, bloß rudimentär zu sein. Auch die modernen afrikanischen Löwen zeigen eine extreme Variabilität in Bezug auf die Mähne. Während sie bei manchen über den gesamten Vorderkörper wallt, und am Bauch entlang seitlich bis zu den Hinterbeinen reicht, haben andere praktisch gar keine Mähne, und selbstverständlich gibt es sämtliche Formen dazwischen. Hier sieht man etwa den Vergleich eines riesigen Berberlöwen mit einer enormen Mähne, und einen kleinen Somali-Löwen, bei dem sie kaum vorhanden ist:

Berberlöwe vs Somali-Löwe

Das Photo stammt übrigens aus dem Naturhistorischen Museum in Wien, wo sich eines der letzten existierenden Präparate eines Berberlöwen befindet. Leider war der Raum sehr dunkel, und eng, darum ist die Qualität des Photos leider nicht besonders gut.

Wahrscheinlich werden selbst die größten Mähnen bei Höhlenlöwen nicht viel größer gewesen sein, als jene dieses Somali-Löwen, und bei den meisten war es wohl noch weniger. Dennoch ist es nicht richtig zu behaupten, dass sie gar nicht existierten. Da die Mähne bei modernen Löwen eine wichtige Rolle im Sozialleben spielt, und auch einen ausgezeichneten Schutz bei innerartlichen Kämpfen zwischen den Männchen darstellt, könnte man dahingehend auch spekulieren, dass sich die Sozialstruktur von Höhlenlöwen und modernen Löwen unterschieden haben könnte.

Hier ist noch eine ausgezeichnete Rekonstruktion des amerikanischen Höhlenlöwen von Daniel Reed, welche ein relativ typisches Männchen mit nur angedeuteter Mähne zeigt:

Panthera leo atrox

Gab es auf Madagaskar tatsächlich 10m lange Nilkrokodile?

Montag, August 20th, 2007

Wenn es um die Größe von Krokodilen geht, dann kann man oft eine ganze Menge ziemlich abenteuerlicher und allzu oft auch ziemlicher unwahrer Dinge lesen. Dabei fällt auch immer wieder auf, dass hier die tatsächlich dokumentierten und angeblichen Rekordexemplaren in ihrer Größe meisten weit auseinander klaffen. Ich wollte hier jetzt gar nicht auf all diese angeblichen Riesenexemplare aus Afrika, Asien oder Australien eingehen (das werde ich später irgendwann mal), sondern mich einmal einer sehr speziellen Thematik widmen.

Wenn es um die maximale Größe des Nilkrokodils geht, kann man zuweilen lesen, dass man auf Madagaskar Knochen von Nilkrokodilen mit einer Länge von 10m gefunden haben soll. Nähere Angaben werden dazu aber nie gegeben. Als erstes las ich davon in Grizmek´s Tierleben, und bei Wikipedia bin ich auf darauf gestoßen. Zugegebenerweise hat mir das ziemliches Kopfzerbrechen bereitet, und auch langwieriges Nachforschen hat praktisch keine Ergebnisse geliefert. Heutzutage gibt es auf Madagaskar nur eine einzige Krokodilart, das Nilkrokodil Crocodylus niloticus. Diese Tiere zeigen keinerlei Affinität zu extremen Größen heranzuwachsen, und werden auch nicht so groß wie ihre Verwandten auf dem wildreichen afrikanischen Kontinent. Es ist extrem unwahrscheinlich dass diese Krokodile auf Madagaskar jemals wirklich aufsehenserregende Größen erreicht haben. Ein Krokodil wächst nicht einfach mal auf das Doppelte  seiner natürlichen Länge, völllig unabhängig davon wie lange es lebt, denn auch bei Krokodilen stagniert das Wachstum mit zunehmenden Alter immer mehr, und wirklich alte Exemplare wachsen praktisch gar nicht mehr. Von ausgestorbenen Riesenkrokodilen wie Sarcosuchus imperator, der eine Länge von etwa 12m erreichte, weiß man dass sie ein anderes Wachstumsverhalten hatten als moderne Krokodile. Sie wuchsen eigentlich gar nicht einmal unbedingt schneller als moderne Krokodile, aber dafür hielt ihr schnelles “jugendliches” Wachstum, das bei modernen Arten meist einige Zeit nach erreichen der Geschlechtsreife stark abnimmt, über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten an, und ließ erst viel später merklich nach. Ein ähnliches Wachstumsverhalten konnte auch für den Riesenwaran Megalania prisca ermittelt werden, wenngleich diese Art ihr Wachstum schon deutlich früher bremste.

Hätten die madagasischen Nilkrokodile das genetische Potential zu einer Länge von 10m heranzuwachsen, dann wären heute mit Sicherheit auch extrem große Exemplare bekannt, was aber nicht der Fall ist. Madagaskar bot auch nie eine wirklich gute Ausgangsposition für einen wirklich großen Räuber. Es gab zwar noch bis vor wenigen hundert Jahren eine reichhaltige Megafauna aus Elefantenvögeln, Riesenlemuren und drei Arten von kleinen Nilpferden, um nur mal einige der spektakulärsten Arten zu nennen, aber im Vergleich zu den afrikanischen Savannen, welche riesige Mengen an Großwild beherbergen, war die madagasische Tierwelt doch recht ärmlich. Das Nilkrokodil ist vielleicht unter allen modernen Arten am stärksten darauf angepaßt, ab einer gewissen Größe Säugetiere von teils beachtlichen Größen zu fressen. Die Voraussetzungen dafür sind günstig, denn ihre Beute, allen voran verschiedene Huftiere, müssen nicht nur zum Trinken in den Aktionsbereich der Krokodile kommen, sondern sind bei Wanderungen auch oft gezwungen, Flüsse zu durchqueren, wovon die Krokodile ebenfalls profitieren können. Genaugenommen stellt sich hier sogar die Frage, warum das afrikanische Nilkrokodil nicht noch größer ist.

Tatsächlich hat es in Afrika vor zwei Millionen Jahren einmal ein sehr großes Krokodil namens Rimasuchus lloydi gegeben. Diese Art erreichte eine Länge von etwa 8m und war extrem robust gebaut. Der Schädel war noch kräftiger und massiver als beim Nilkrokodil, und mit größter Wahrscheinlichkeit handelte es sich um ein auf Großsäuger spezialisiertes Raubtier. Eine zeitgleich lebendene Art, Euthecodon brumpti, wurde sogar noch größer, und erreichte eine Länge von etwa 10m. Allerdings war Euthecodon eine extrem langschnäuzige Krokodilart, die eine Parallelentwicklung zu den Gavialen war, und ein spezialisierter Fischfresser gewesen ist. Laut Wikipedia sollen auch am Viktoriasee Fossilien sehr großer Nilkrokodile gefunden worden sein, aber ich glaube viel eher, dass es sich um Knochen von Rimasuchus oder Euthecodon handelte, und nicht um die von normalen Nilkrokodilen.

Aber zurück zu Madagaskar. Dort lebte tatsächlich noch vor sehr kurzer Zeit noch eine andere Krokodilart namens Crocodylus robustus. Man hielt sie ursprünglich für nahe Verwandte des Nilkrokodils, oder ging sogar davon aus, dass sie mit den heutigen Nilkrokodilen auf Madagaskar identisch waren und sogar heute noch leben würden, spätere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass sie viel mehr mit dem Zwergkrokodil Osteolaemus tetrapsis. Insofern ist die Bezeichnung Crocodylus robustus falsch, und sollte entsprechend geändert werden. Diese Art war noch vor sehr kurzer Zeit existent, und möglicherweise verschwanden sie erst mit der restlichen Megafauna Madagaskars nach der Besiedlung durch den Menschen. Warum diese Art aber ausstarb, und das Nilkrokodil überlebte, ist allerdings unbekannt. Diese Tiere waren in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Am auffallensten waren die kleinen “Hörner” am Hinterrand des Schädels. Auch moderne Krokodile wie das Nilkrokodil besitzen nach oben ragende Knochenwülste hinter den Augen, aber bei Crocodylus robustus waren diese stärker ausgeprägt, als bei jeder anderen Art. Wozu sie aber gut waren, ist nicht bekannt. Hier ist mal eine Rekonstruktion die ich vor einiger Zeit anhand eines Schädel von Crocodylus robustus gemacht habe:

Crocodylus robustus- wurde allerdings nur 4-5m lang

 Könnte als diese Art hinter den angeblichen 10m langen Nilkrokodilen stecken? Teilweise habe ich schon gelesen dass diese Art 10m erreicht haben soll. Aber allem Anschein nach wurden hier die vermeintlichen 10m langen Krokodile und Crocodylus robustus einfach in einen Topf geworfen, und die Seite auf der ich das gefunden habe, machte auch keinen allzu seriösen Eindruck. Von Crocodylus robustus sind eine Reihe von Knochen bekannt, auch fast vollständige Schädel, aber selbst die größten bekannten Individuen waren nur 4-5m lang. Das ist immer noch recht groß, vor allem wenn man bedenkt dass der nächste lebende Verwandte eine maximale Länge von 1,9m erreicht, aber meistens sogar noch deutlich kleiner bleibt. Als Gewichtsangabe findet man für C. robustus übrigens oft ein Gewicht von 170kg, doch diese Angabe ist zweifellos zu gering, denn ein solches Krokodil wäre nur Haut und Knochen. Bei 4-5m würde das tatsächliche Gewicht viel eher 300-500kg betragen haben, abhängig davon, wie groß diese Tiere tatsächlich geworden sind. Also kann auch Crocodylus robustus wohl kaum hinter den Angaben von 10m langen Krokodilen stecken.

Die große Frage ist hier nun natürlich, woher diese Angaben kommen. In “ The Eighth Continent: On the Trail of the Extraordinary in Madagascar” von Peter Tyson konnte ich einen kleinen Zusatzhinweis finden. Dort wird erwähnt dass es auf Madagaskar einst eine riesiges Krokodiartl gegeben haben könnte, wobei allerdings allgemein vermutet wird, dass es sich um die noch heute dort vorkommenden Nilkrokodile handelte. Crocodylus robustus wurde auch lange als identisch mit den modernen madagasischen Krokodilen angesehen, und ich habe den Verdacht, dass hier verschiedene Dinge miteinander vermischt wurden. Falls es auf Madagaskar tatsächlich 10m lange Krokodile gegeben haben sollte, dann waren diese sicherlich nicht mit den Nilkrokodilen identisch, die heute dort leben. Und selbst wenn es irgendwann mal auf Madagaskar 10m lange Nilkrokodile gegeben haben sollte (was ich nicht glaube), dann würde dass noch lange nicht bedeuten, dass auch heutige Nilkrokodile tatsächlich so groß werden können. Meine persönlich Vermutung ist, dass es nie 10m lange Krokodile auf Madagaskar gegeben hat, auch wenn ich der letzte wäre, der sich nicht wünschen würde dass es sie doch gab. Massive Größenüberschätzungen anhand von Fossilien sind leider in der Geschichte der Paläontologie nichts ungewöhnliches gewesen, vor allem wenn nur fragmentarische Fossilien bekannt waren. Dass man über diese angelichen 10m langen Krokodile auch so gut wie gar nichts findet, spricht auch nicht gerade für ihre Glaubwürdigkeit. Ich wage mir jetzt nicht anzumaßen zu behaupten dass es definitiv niemals 10m lange Krokodile auf Madagaskar gegeben hat, aber ich sehe die Sache sehr sehr kritisch, und würde nicht allzu viel darauf geben. Sollte irgendjemand zusätzliche Informationen zu dem Thema haben, würde mich das sehr interessieren.