Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Kryptozoologie’ Category

Tsuchinoko-Modell in Zinn gegossen

Freitag, Dezember 7th, 2007

Lange Zeit hatte ich mir ja schon vorgenommen von einigen meiner Modelle Abgüsse herzustellen, aber irgendwie habe ich das dann nie auf die Reihe gekriegt, und auch der schon vor geraumer Zeit gekaufte Silikonkautschuk harrte lange seiner Verwendung. Aber gestern habe ich dann endlich einmal die Zeit gefunden mit den schon länger gemachten Silikonkautschukformen ein paar erste Gussversuche zu starten. Nach ein paar Fehlgüssen hat es dann durch zusätzliche Guss-und Luftkanäle doch noch geklappt ein paar annehmbare Modelle zu machen. Als Modell habe ich mir bewußt ein sehr einfach gehaltenes und kleines herausgesucht, dass auch in einer möglichst einfachen Form gegossen werden kann. Daher habe ich mich für mein Tsuchinoko-Modell entschieden. Für alle die nicht wissen was eine Tsuchinoko (oder manchmal auch Tzuchinoko geschrieben) ist, empfehle ich kurzes googlen. Zur Schnellerklärung reicht es eigentlich, dass es sich dabei um eine mythologisch-kryptozoologische kleine Schlange aus Japan handelt, die einen ungewöhnlich kurzen und breiten Körper mit beinahe dreieckigen Querschnitt handelt, und auch einen sehr breiten Kopf und einen extrem kurzen Schwanz besitzt. In gewisser Hinsicht eine Art japanischer Tatzelwurm, der auch angelich immer mal wieder gesehen wird. Auf jeden Fall eine interessante Vorlage für ein Krypto-Modell. Bei der Gestaltung habe ich mich stark an alten japanischen Tuschezeichnungen orientiert, außerdem habe ich extra Bilder von vergleichbaren Schlangen herangezogen, um eine möglichst naturnahe Anordnung der Schuppen am Kopf sowie die korrekte Darstellung der Nasenlöcher und Grubenorgane (mit denen können gewisse Schlangen beinahe wie mit Augen Wärem wahrnehmen) zu gewährleisten. Natürlich geht bei dem kleinen Maßstab nicht allzu viel Detailarbeit, aber ich habe versucht mein möglichstes zu machen, ohne dabei einen unrealistischen Zeitrahmen zu überschreiten, das Modell war ja auch so schon genug Arbeit.

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 Jedenfalls habe ich dieses kleine Modell jetzt auch als Zinnduplikat. Da ich reines Zinn verwendet habe, ist die Detailschärfe geringfügig schlechter als wenn ich spezielles Gußzinn verwendet hätte, aber dafür ist dieses Material nicht bleihaltig, und daher auch nicht giftig. Natürlich kann man die Modelle auch patinieren oder mit verdünntem dunklen Lack lackieren, wodurch die im blanken Zustand noch nicht so gut erkennbaren Detail viel besser zur Geltung kommen, und natürlich kann man sie auch anmalen. Das ich kann solche Abgüsse jetzt auch verkaufen. Ich weiß jetzt noch nicht für welchen Preis ich die Teile verkaufen würde, und wie ich das genau mit der Verkaufsabwicklung machen würde, aber prinzipiell steht dem nichts entgegen. Falls jemand prinzipielles Interesse haben sollte, kann er sich ja einfach mal hier melden. In absehbarer Zeit sind auch noch andere Modelle geplant, etwa ein Abuss meines kleinen Tatzelwurmmodells, und auch von der einen oder anderen Paläofigur könnte ich Abgüsse machen. Dadurch dass ich jetzt weiß wie es geht, könnte ich bei entsprechender Abnahme auch mal von einer speziellen Figur auf Wunsch Abgüsse machen.

Hier mal noch ein paar andere Bilder:

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Dieser Abuss ist übrigens noch nicht bearbeitet, das heißt es sind noch die Reste der Gusskanäle am Modell, und an ein paar Stellen würde noch einmal nachpoliert werden. Außerdem kommen bei dieser Größe und dem stark reflektierenden Material natülich auch die Details nicht so gut raus. Da es sich hier um handgemachte Abgüsse handelt, ist natürlich auch jeder etwas individuell und auch nicht absolut 100%ig perfekt, aber dafür kann man sich sicher sein, auch etwas wirklich besonderes zu besitzen, was man auch sonst nirgends kaufen kann, und auch keine industrielle Massenware aus irgendeinem Dritteweltland ist. Und gerade in der Kryptozoologie gibt es ja so gut wie gar keine Modelle zu kaufen.

Bild des Tages: Mein Tatzelwurm-Photo

Freitag, Juli 20th, 2007

Vor einiger Zeit gab es auf Kryptozoologie-Online einmal einen Wettbewerb, ein möglichst realistisches Fake-Bild eines Kryptiden  zu machen. Ziel davon war vor allem zu sehen, wie schwer oder einfach das ist, und an was man einen Fake erkennen kann. Ich hatte mich dann dazu entschlossen zwei Tatzelwurm-Modelle zu machen, da ich von Photoshop und digitaler Bildbearbeitung praktisch keine Ahnung habe. Außerdem bot sich der Tatzelwurm an, da man ein kleines Modell machen konnte, ohne dass dies sofort zu völlig falschen Größenverhältnissen kam, und dieser Kryptide vergleichsweise einfach zu modellieren ist. Ich habe mich dann stundenlang durch Bücher über Reptilien und das Internet gearbeitet, um geeignete Vorlagen-Bilder von Skinken zu bekommen, da ich vor allem am Kopf eine anatomisch möglichst korrekte Schuppen-Anordnung erreichen wollte. Dann habe ich aus Fimo den Kopf modelliert, und weil der so viel Arbeit gemacht hat, und auch gut genug aussah um noch andere Projekte damit machen zu können, machte ich einen Latexabguss um Zweitköpfe aus Gips gießen zu können. Einen dieser Gipsköpfe habe ich dann an einen Fimokörper anmodelliert, mit einem Netz ein leichtes Schuppenmuster auf diesen gemacht, und dann die Arme mit den vorgehärteten Krallen und Finger angefügt. Bilder vom Entstehungsprozess kann man auch hier sehen:

http://www.kryptozoologie-online.de/component/option,com_zoom/Itemid,159/catid,5/PageNo,2/offset,0/

http://www.kryptozoologie-online.de/component/option,com_zoom/Itemid,159/catid,5/

Das ganze habe ich dann im Backofen gehärtet und (nicht gerade übermäßig professionell…) mit Wasserfarben angemalt. Darüber kam noch eine Lackschicht und kurz darauf ging es zum Photoshooting:

Tatzelwurm

Ich habe bei dieser Version dann noch das Bild entfärbt, damit es aussieht wie ein altes Schwarzweiß-Photo. Zugegebenerweise sieht das mit einem möglichst realistisch gestaltete Photo ziemlich echt aus, und hätte man noch etwas mehr mit der Auflösung und dem Kontrast herumgespielt, könnte man womöglich wirklich nicht sagen, ob nicht vielleicht doch vor Jahrzehnten einmal ein Wanderer in den Alpen einen Tatzelwurm photographiert hat. Mit einer Bilderserie dieses und noch eines anderen Modells habe ich es dann sogar zweimal mit gleicher Wertung auf den ersten Platz des Wettbewerbes geschaft.

Gefälschte Monster

Samstag, Juli 7th, 2007

Seit jeher findet der Mensch Gefallen am Kuriosen und Absonderlichen, und in den vorigen Jahrhunderten war es teilweise groß in Mode, sogenannte Wunderkammern einzurichten, in denen allerlei zoologische und auch teilweise anthropologische Schaustücke zusammengetragen wurden. Das große Interesse and ausgefallenen Objekten und Tieren brachte schon vor vielen Jahrhunderten findige Menschen dazu “Monster” aus normalen Tieren herzustellen. Mit am berühmtesten davon sind die Seejungfrauen, welche aus dem Oberkörper eines zurecht gerichteten Affen und dem Körper eines großesn Fisches hergestellt wurden. Ebenfalls sehr populär war es, aus Rochen Ungeheuer zu basteln, da dies auch besondern einfach geht. Da Rochen Knorpelfische sind, läßt sich ihr Körper auch recht leicht bearbeiten, und anschließend trocknen, ohne dass man allzu große Arbeitsspuren sieht. Auch das ohnehin schon ungewöhnliche Aussehen der Rochen bietet hierfür reichlich Anreize zum Experimentieren. Die Unterseite der Rochen ist, zumindest bei den bodenbewohnenden Arten, stark abgeplatte, und das recht kleine Maul liegt stark unterständig, ebenfalls wie die darüber liegenden Nasenlöcher, so dass das ganze fast ein bißchen wie ein schlecht aufgelegter Smiley aussieht. Vor einiger Zeit ging ja auch der Fang eines angeblichen Aliens durch russische Fischer groß durch die Presse. Abgesehen davon dass die zu den gezeigten Videoaufnahmen erfundene Geschichte nur frei erfunden war, und auf einem Youtube-Video basierte, war auch das seltsame Wesen im Prinzip ganz einfach als ein Rochen zu identifizieren, von dem nur die Unterseite gezeigt wurde. Das hat aber vielen Medien, nicht zuletzt die Bild-Zeitung, nicht davon abgehalten mal wieder eine große Story aus der Sache zu machen, und mal wieder zu behaupten, es handele sich um ein nicht identifizierbares Monster. 

Durch entsprechendes Zurechtstutzen und Montieren des Rochenkörpers läßt sich so auf recht einfache Weise ein groteskes Fabelwesen mit “Gesicht” herstellen. Ebenfalls sehr beliebt war es, den Kopf des Rochen von dem flach auslaufenden umliegenden Weichgewebe zu befreien, so dass sie aussahen, wie kleine geflügelte Drachen. Selbst heute noch fallen viele Leute auf solche Dinger herein, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass man Bilder davon immer noch auf manchen Internet-Seiten und in Boulevard-Blättern findet. Einmal wurde ein solcher bearbeiteter getrockneter Rochen sogar groß als Chupacabra präsentiert…

Hier sieht man ein solches “Mini-Rochenmonster” mit kleinen Glasaugen in den Nasenlöchern, das in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien ausgestellt ist. Selbstverständlich wurde hier einwandfrei darauf hingewiesen dass es sich nur um eine Fälschung handelt. Dieses Modell ist möglicherweise schon 400 Jahre alt, und wurde erst jüngst im Archiv des Naturkundesmusems gefunden. Weitere Informationen und Photos gibt es auch hier: http://www.nhm-wien.ac.at/Content.Node/wissenswertes/basilisken.html

Mini-Rochenmonster

Ein etwas ungewöhnlicheres Monster dass aus der Haut eines Rochen zurechtgebastelt wurde, sieht man hier:

Rochenhaut-Monster

Rechts darüber sieht man übrigens noch ein kleines, möglicherweise aus einem Hai gebasteltes Monster.

Die teuflischen Mäusespuren von Devon

Donnerstag, Juni 14th, 2007

In der Nacht von 8. auf den 9. Februar 1855 soll in einigen Gemeinden in England der Leibhaftige umgegangen sein. Nach dem starken Schneefall vom 8. Februar fand man am nächsten Morgen im Gebiet von Exeter und Süd-Devon beinahe überall seltsame Spuren im Schnee, die Hufabdrücken glichen. Sie verliefen in schnurgeraden Linien, mit einer Spanne von etwa 20 cm von Abdruck zu Abdruck. Die Spuren selbst waren 38-63 Millimeter groß, und ähneltem einen ovalen, hinten offenem Huf. Bei einigen Abdrücken schien der vermeintliche Huf auch vorne gespalten zu sein, und auch einige erhaltene Zeichnungen der Abdrücke zeigen eine recht große Variabilität derselben.

Ungewöhnlich war aber nicht nur die Form der Verlauf der Spuren, sondern auch dass man sie praktisch überall fand, auf Feldern, Mauern, Fensterbänken, Gärten und sogar von Mauern umgebenen Höfen. Manche Spuren sollen sogar einfach aufgehört haben, als habe sich der Verursacher in Luft aufgelöst, während andere scheinbar durch Abflussrohre und kleine Löcher in Hecken führten.  Die unzähligen Fährten in den verschiedenen Gemeinden müssen insgesamt mehrere Kilometer lang gewesen sein.

Für viele der damaligen Menschen war die Sache klar, hier konnte es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, und das Wesen dass diese Spuren hinterlassen hatte, mußte zweifellos der Hölle selbst entstiegen sein. Darum findet dieses Phänomen auch oftmals Erwähnung unter der Bezeichnung “Teufelsspuren von Devon”. Die an winzige Hufeisen erinnernden Spuren, die scheinbare Fähigkeit über Dächer zu fliegen, durch Wände zu gehen oder gar völlig zu verschwinden, waren vielen Leuten äußerst unheimlich.

Etwas bodenständigere, und um rationalere Erklärungen bemühte Personen versuchten eine weniger mysteriöse Erklärung zu finden. Es wurde behauptet, dass alles nur ein Schwindel sei, und die Spuren mit Hilfe eines heißen Metallgegenstandes in den Schnee gerückt worden, dass sie von Fischottern, Dachsen, Hunden, Katzen, Eseln oder sogar einer bisher unbekannten Albatrossart stammten, aber keine dieser Erklärungsversuche schien wirklich plausibel. In vielen Fällen wird auch heute noch bei der Behandlung der Teufelsspuren von Devon das Vorkommnis stark mystifiziert.

Allerdings gibt es für all jene Spuren eine ausgesprochen einfache, und alles erklärende Lösung. Wie Karl Shuker schon in “Der Weltatlas der rätselhaften Phänomene” schrieb, stammten die seltsamen Spuren mit größter Wahrscheinlichkeit von Waldmäusen, die durch besonders grimmige Kälte getrieben, nachts in den Dörfern nach Nahrung suchten. Waldmäuse bewegen sich im Schnee springend fort, dabei formen sie an kleine Hufabdrücke erinnernde Spuren im Schnee. Da sie nicht immer gleich landen, sehen diese auch nicht alle gleich aus, und sind manchmal vorne offen. Zudem erklärt dies nicht nur den geringen Abstand zwischen den Spuren, sondern auch die gerade Spur. Während bei einem Zweibeiner die Spuren seitlich immer etwas versetzt sind, liegen Spuren der springenden Waldmaus immer genau hintereinander. Da diese Tiere auf offenen Flächen sehr gefährdet sind, versuchen sie diese auch möglichst schnell zu überqueren, was zur Folge hat, dass die Spuren in sehr geraden Linien liegen können. Die Fälle in denen Spuren abrupt aufhörten, läßt sich sehr einfach damit erklären, dass die Mäuse von Eulen gefangen wurden. Auch die Durchquerung von Rohren und kleinen Ritzen, sowie das Überwinden von Mauern und Dächern ergeben so einen Sinn, denn Waldmäuse sind sehr geschickte Kletterer, und können sich auch durch enge Gänge und Öffnungen zwängen.

Hier ein Bild einer Waldmaus, das ich vor ein paar Wochen beim Spazierengehen aufgenommen habe:

Waldmaus

Da ich vorletzten Winter im Wald Spuren gefunden habe, die den Beschreibungen und Darstellungen der “Teufelsspuren” exakt glichen, und genauso aussahen, als stammten sie von kleinen Hufen, kann ich diese Theorie nur bekräftigen. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Photoapperat zur Hand, wie so oft wenn man etwas interessantes photographieren möchte.

Nun kann man sich auch fragen warum damals scheinbar nicht schon jemand auf diese Idee gekommen ist. Zum einen kann dies durchaus der Fall sein, ohne dass dies überliefert wurde, während die skurilen und wenig einleuchtenden Erklärungsversuche ihren Weg in die Aufzeichnungen fanden. Vielleicht war das sogar ganz bewußt, denn nicht anders als heute werden gewiefte Journalisten auch schon früher enthüllende Erklärungen ihren Lesern verschwiegen haben, um die ganze Angelegenheit mysteriöser zu machen. Niemand interessiert sich für Mäusespuren im Schnee, dem gesunden Menschenverstand trotzende Teufelsspuren dagegen schon.

Zudem macht man sicht heute oftmals gar nicht mehr klar, wie abergläubisch die Bevölkerung früher gewesen ist. Dies fällt vor allem auf wenn man zeitgenössische Literatur aus dem 19. Jahrhundert liest. Viele Menschen waren damals oft auf eine unglaublich naive Weise abergläubisch, und der Teufel oder böse Mächte wurden von vielen hinter jedem Missgeschick und jedem Rätsel vermutet. Tatsächlich sind in vielen Gegenden der Welt die Menschen selbst heute noch so abergläubisch, sei es nun in Südamerika, Afrika oder Teilen Asiens, und es verwundert nicht dass man im 19. Jahrhundert hinter seltsamen Spuren im Schnee infernalische Mächte am Wallen vermutete. Vielleicht erschien vielen eine natürliche Erklärung sogar einfach zu banal um wahr zu sein. Besonders im Internet stößt man immer wieder darauf, dass sich viele Menschen nicht mit einfachen, logischen und an sich gut nachzuvollziehenden Erklärungen abfinden wollen, und statt dessen lieber verworrenen Gedankenkonstrukten hinterher laufen, egal wie oft man sie widerlegt.

Von Seeschlangen, Schlangenwalen und Pferdeaalen

Donnerstag, Mai 31st, 2007

Es gibt wohl kein typischeres Klischeebild einer Seeschlange, als das eines Schlangen-oder Drachen-artigen langestreckten Wesens, das sich mit vertikalen Windungen des langen Körpers im Wasser bewegt, wobei zahlreiche Buckel oder sogar gänzlich aus dem Wasser ragende Körperwindungen zu sehen sind. Solche Wesen sollen sowohl in verschiedenen Meeren, als auch in Binnengewässern gesichtet worden sein. Eines der bekanntesten ist das Ogopogo,  welches im Okanagan-See im kanadischen British-Columbia. Vermeintliche Photos und Augenzeugenberichte deuten auf ein Wesen von vielleicht knapp 10m Länge hin, das sich mit horizontalen Windungen im Wasser fortbewegt, wobei neben drei bis fünf relativ eng stehenden Rückenbuckeln der Kopf und manchmal auch die Schwanzspitze aus dem Wasser ragen. Auch einige Nessie-Sichtungen und verschiedene an pferdeköpfige Riesenaale erinnernde Monster aus kleinen Binnnenseen entsprechen diesem Typus.

Das eigentlich seltsame an der Sache ist, dass kein einziges bekanntes Lebewesen, weder lebend noch ausgestorben sich auf solche Weise fortbewegen könnte. Praktisch alle Fische (von Ausnahmen wie verschiedenen Rochen, Kugel-Koffer und Plattfischen mal abgesehen) bewegen sich mit horizontalen Bewegegungen ihres Körpers, aber niemals mit vertikalen, da der Körper von Fischen dieser Bewegung auch nur ziemlich wenig Spielraum läßt. Eine solche Fortbewegung hat auch vor allem am Gewässerboden Vorteile, und ist auch noch in sehr flachen Wasser oder stark strukturierten Lebensräumen möglich. Auch die Amphibien und die Reptilien (auch hier gibt´s natürlich wieder Ausnahmen, etwa Schildkröten) hielten diese Art der Fortbewegung mit setlich ausgreifenden Körperbewegungen bei, und erst einige hochentwickelten Arten aus denen Säuger und Dinosaurier hervorgingen, verloren diese Fortbewegungsweise.

Da sich für Tiere mit senkrecht unter dem Körper liegenden Gliedmaßen ein seitliches Auslenken der Gliedmaßen nicht anbietet, mußte die Wirbelsäule stattdessen an vertikaler Bewegungsfreiheit gewinnen. Als die ersten Säuger dann wieder anfingen sich ihre Nahrung im Wasser zu suchen und sich schließlich zu vollkommen marinen Formen entwickelten, behielten sie diese Errungenschaft bei, und bewegten sich vor allem durch vertikale Bewegungen. Darum ist die Schwanzflosse von Walen und Seekühen auch nicht senkrecht wie bei Fischen, sondern waagrecht.

An dieser Stelle kommen nun die sogenannten Schlangenwale ins Spiel. Unter den primitiven Walen entwickelte sich eine Linie zu riesigen langgestreckten Meeresraubtieren, den Basilosauriern, von denen bislang drei Arten, Basilosaurus isis, Basilosaurus cetoides und Basilosaurus drazindai. Als die ersten Knochen dieser Tiere entdeckt wurden, hielt man sie für die Überreste mariner Reptilien, daher das “-saurus” im Name. Diese Wale wiesen eine Reihe von Besonderheiten auf, etwa der etwa 1,5m lange Schädel, der im Vergleich zur Gesamtlänge von bis über 20m geradezu winzig wirkte. Das vermeintlich schlangenartige Erscheinungsbild sowie die Fähigkeit sich mit vertikalen Bewegungen fortzubewegen, hat dazu geführt dass diese Tiere als Erklärung für viele Ungeheuersichtungen herangezogen wurden, u.a. im Okanagan-See.

Die Idee scheint auf dem ersten Blick verlockend, krankt aber an mehreren Stellen. Zum einen stellt sich die Frage ob Basilosaurus überhaupt in der Lage gewesen wäre, die typischen Buckel, welche bei Seeschlangen und Monstern in Seen vorkommen sollen, überhaupt erzeugt haben könnte. Einerseits war Basilosaurus wahrscheinlich weitaus weniger schlangenähnlich und weitaus voluminöser, als man früher dachte. Auch war der Schwanz weitaus kürzer als man in älteren Büchern manchmal lesen kann, und machte nur etwas mehr als ein Drittel der Gesamtlänge aus. Genaugenommen war die schlangenartige Gestalt vor allem auf den ziemlich kleinen Kopf zurückzuführen. Auch Glattdelphine und Furchenwale wie Blau-oder Finnwal haben extrem langgestreckte Körper, was aber weit weniger auffällt, da ihre Köpfe im Verhältnis viel größer sind. Die besondere Wirbelsäulenanatomie von Basilosaurus deutet zwar tatsächlich darauf hin, dass er sich auf sehr ungewöhnliche Weise bewegte, und nicht nur der Schwanz, sondern möglicherweise der ganze Körper bei der Bewegung beteiligt war. Aber selbst bei einer sehr großen Bewegungsfreiheit erscheint es praktisch ausgeschlossen, dass sie die extrem nahe beieinander liegenden und sehr zahlreichen Wellen der Buckelseeschlangen erzeugen konnten, zumal die einzelnen Wirbel ungewöhnlich lang waren. Selbst beim besten Willen dürften nicht mehr als zwei Buckel auf einmal möglich gewesen sein.  Inzwischen wurde aufgrund seiner besonderen Wirbel spekuliert, ob er nicht womöglich sogar durch horizontale Bewegungen schwimmen konnte…

Alles in allem halte ich die Argumentation für einen Basilosaurus-ähnlichen Urwal für relativ dürftig. Dass enorme Futterbedürfniss sowie die Tatsache dass solche Tiere häufig an der Oberfläche zu sehen sein müßten, schließt eigentlich aus, dass sich eine Population solcher Tiere über Jahrtausende in einem See halten und verstecken könnte, mal ganz abgesehen davon dass man aus den letzten 37 Millionen Jahren keinen einzigen Basilosaurus-ähnlichen Wal mehr kennt.

Kann ein Aal zu einem Monster wachsen?

Donnerstag, Mai 24th, 2007

In der kryptozoologischen Literatur findet man eine ganze Reihe von teils sehr verschiedenen Untieren, welche die Seen Großbritanniens, insbesondere von Irland bevölkern sollen. Einige sollen wie Drachen ausgesehen haben, andere wie Schlangen oder sogar säugerähnlich gewesen sein. Einige von ihnen wurden auch als riesige Aale beschrieben. Vor einiger Zeit kam auch die Hypothese in Umlauf, dass solche Kreaturen, insbesondere das Monster von Loch Ness, auf Aale zurück gehen sollen, die nicht zum Laichen in die Sargasso-See abwanderten, sondern in den Seen blieben, dort uralt wurden, und immer weiter wuchsen. Hört sich ja an sich ganz plausibel an, und würde auch eine ganze Reihe von Fragen beantworten, etwa warum nicht ganze Populationen von Monstern existieren müssen, oder wie sie in teils winzigen Gewässern überleben könnten.

Doch der Teufel steckt hier im Detail, denn der Urheber dieser Vermutung, wußte allem Anschein herzlich wenig über das Wachstumsverhalten von Aalen. Wie viele andere ist er dem Irrglauben aufgessesen, dass Fische ihr ganzes Leben lang immer weiter wachsen, und so theoretisch jede beliebige Länge erreichen, und so zu Monstern heranwachsen können. Nun ist es tatsächlich so dass die allermeisten Fische ab einer gewissen Größe so gut wie gar nicht mehr wachsen, meist nach Erlangen der Geschlechtsreife. Auch wenn danach das Wachstum noch anhält, ist es bei den meisten Arten so gering, dass es kaum noch ins Gewicht fällt. Andernfalls gäbe es unter vielen Fischen, insbesondere solchen die im Aquarium gehalten, und so gut über einen langen Zeitraum beobachtet werden können, enorme Größendifferenzen unter den geschlechtsreifen Tieren. Nun gibt es tatsächlich Fische, bei denen auch nach dem Erlangen der Geschlechtsreife das Wachstum noch vergleichsweise stark ist, und bei denen in der Regel die größten Exemplare tatsächlich schon ziemlich alt sind. Dank einer Studie aus den Jahren 1987 und 1988, bei der insgesamt 8612 weibliche Aale aus dem Burrishole-System in West-Irland vermessen, und ihre Wachstumsraten anhand von Gehörsteinuntersuchungen ausgewertet wurden, liegen für die Wachstumsraten von Flussaalen sehr gute Daten vor. Interessant war dass von dieser riesigen Menge Aale nur ein winzigen Bruchteil eine Länge von mehr als 62 cm hatte, nämlich nur 0,6% ´87 und 0,7% ´88. Jene übergroßen Aale zeigten auch ein anderes Wachstumsverhalten als ihre kleineren Artgenossen. Sie wuchsen nicht nur geringfügig schneller, sondern auch länger schnell. Anhand der an den Gehörsteinen feststellbaren Wachstumsraten konnten auch Diagramme angefertigt werden, die die Zuwachsraten im Verlauf der Jahre zeigen. Unter den Aalen mit einer Länge von mehr als 62 cm konnten Alter von 32-57 Jahren ermittelt werden, und bei jenen unter 62 cm Alter von 8-42 Jahren. Das schnellste Wachstum fand im ersten Lebensjahr statt, bei den kleinen Aalen hielt ein relativ schnelles Wachstum etwa 17 Jahre an, bei den großen dagegen etwa 34 Jahre. Die durchschnittliche Längenzunahme bei den normalen Aalen betrug 1,42 cm, das der großen 1,6cm pro Jahr, der Unterschied war also relativ gering. Die großen Aale übertrafen ihre Artgenossen also nicht einfach dadurch deutlich an Größe, dass sie über einen sehr langen Zeitraum wuchsen, sondern vor allem weil sie langanhaltend relativ schnell wuchsen. Die Wachstumskurven verlaufen anfangs bei beiden Variäteten in etwa gleich, bei den normalen Aalen wird die Kurve allerdings deutlich flacher, bei den großen Aalen dagegen nur relativ geringfügig, wenngleich ebenfalls stetig. Anhand der Abnahme der Steilheit der Wachstumskurve läßt sich berechnen bei welcher Länge das Wachstum so weit abgenommen hätte, dass es zu überhaupt keinem Längenzuwachs mehr kommt. Bei den normalen Aalen wäre das eine Länge von 99,9cm, bei den großen eine hypothetische Länge von 204,5cm,  bei einem Alter das irgendwo zwischen 150 und 200 Jahren liegen würde (genaue Angabe fehlt hier).

Üblicherweise werden sie aus verschiedenen Gründen gar nicht erst so groß, entweder weil sie teilweise noch in sehr hohem Alter abwandern, oder, falls dies in einem Gewässer ohne Meereszugang passiert, weil sie schlicht und einfach auch nicht unsterblich sind, und irgendwann einmal den Löffel abgeben, bevor sie so eine Länge erreichen könnten. Tatsächlich stammen die größten Aale meist aus Gewässern, in denen sie eingesetzt wurden, aber mangels fehlender Abwanderungsmöglichkeiten nicht ins Meer konnten. Die größten bestätigten Längen für Europäische Flussaale liegen bei etwa 1,5m. Man liest zwar gelegentlich auch von 2m, aber allem Anschein gibt es dafür keine Beweise, weshalb es sich hier auch um Anglerlatein handeln kann. Warum diese Unterschiede im Wachstumsverhalten überhaupt aufkommen, ist nicht ganz klar, vielleicht hängt es mit einer unterschiedlichen Ernährungsweise zusammen, die bei den großen Aalen vor allem aus Fisch besteht, möglicherweise hat es auch genetische Hintergründe.

Dass es sich hier um Aale aus einem irischen Gewässer (das obendrein einen sehr guten Fischbestand aufweist und nicht wie viele andere überfischt wurde), ist besonders praktisch, wenn man Vergleiche mit angeblichen Riesenaalen in irischen Seen machen möchte.

Das Wachstum dieser Tiere hat natürlich noch ein paar andere wichtige Komponenten, etwa die Verfügbarkeit und Menge der Nahrung, sowie die Wassertemperatur. Ein Aal der bei einer optimalen Temperatur (diese liegt beim Aal bei 26°C) und optimaler Nahrungsversorgung aufwächst, überdurchschnittlich gute genetische Anlagen besitzt und nicht ins Meer abwandern kann, wäre sicher in der Lage ein noch stärkeres Wachstum als die “großen” Aale zu zeigen, und auch eine etwas größere Länge zu erreichen. Aber auch die würde in Anbetracht der limitierten Lebensjahre wohl kaum die 2m erreichen.

In Anbetracht dieser Fakten kann die Hypothese, dass Aale, welche nicht abwandern und in Gewässern bleiben, zu Monstern heranwachsen können, guten Gewissens zu den Akten gelegt werden. Selbst wenn ein Aal Jahrzehnte lang und obendrein noch ungewöhnlich schnell wachsen würde, wäre er selbst nach 100 Jahren weit davon entfernt, auch nur annährend echte Monster-Maße erreichen. Bedenkt man dass beispielsweise im Loch Ness mit einer maximalen Wassertemperatur von 6-7°C auch noch alles andere als optimale Bedingungen für das Abwachsen von Aalen herrschen, verliert die “Nessie-ist-ein-uralter-Riesenaal”-Hypothese gänzlich an Glaubwürdigkeit. Dass dies auch für eine Reihe von anderen Fischen zutrifft, soll später auch irgendwann noch bearbeitet werden.

Quellen:

VARIABILITY IN GROWTH RATE IN. EUROPEAN EEL ANGUILLA ANGUILLA. (L.) IN A WESTERN IRISH CATCHMENT. W. Russell Poole and Julian D. Reynolds.
                                                                                                                                             

H. Kuhlmann: Der Einfluß von Temperatur, Futter, Größe und Herkunft auf die sexuelle Differenzierung von Glasaalen(Anguilla anguilla)