Der menschenfressende Riesenwels, ein Fallbeispiel eines Internet-Hoaxes
Montag, September 10th, 2007Das Internet ist eine wunderbare Sache um an alle möglichen Arten von Informationen heranzukommen, leider ist es aber auch so, dass man im Internet jede Menge Müll lesen kann. Manche Leute machen sich sogar bewußt einen Spaß daraus (gut, die BILD macht das jeden Tag, und die Leute verdienen sogar damit), Geschichten zu erfinden, und diese im Internet als wahre Begebenheiten zu verbreiten. Besonders beliebt ist es, echte Photos zu verwenden, und eine Story dazu herum zu erfinden, damit das ganze glaubhafter wirkt. Solche Sachen werden dann auch nicht selten direkt mit E-mail-Verteilern in die ganze Welt geschickt.
Vor kurzem machte wieder einmal einer dieser Internet-Hoaxes die Runde, und da es sich um ein Thema handelt, das gut zum Inhalt des Bestiarium paßt, und das ich hier kurz vorstellen wollte. Es geht um folgendende Geschichte: Im Huadu´s Furong Wasser-reservoir sollen jedes Jahr ein paar Leute auf mysteriöse Weise ertrunken sein, und erst kürzlich sollen dort beim Schwimmen zwei Personen ertrunken sein. Als der Grund dieser Unfälle wird ein 3m langer Riesenwels präsentiert, dessen Kopf alleine schon einen Meter breit sein soll, und der die Leute gefressen haben soll. Im Magen dieses Riesenwelses, sollen sogar die Überreste eines Menschen gefunden worden sein. Zusätzlich zu der Geschichte werden jede Menge Photos gezeigt, die mehrere Asiaten zeigen, die sich um einen abgesperrten Bereich drängeln, in dem mehrere Männer und ein riesiger Fisch liegen. Spätere Photos zeigen dann wie der Fisch aufgeschnitten und zerlegt wird.
Das war jetzt die Geschichte, und nun kommen die Fakten. Zunächst gibt es weder in Asien noch sonstwo einen Wels der in der Lage wäre einen erwachsenen Menschen zu fressen. Außerdem handelt es sich bei dem gezeigten Fisch gar nicht um einen Wels. Der Fisch zeigt zwar für einen mit diesen Tieren nicht vertrauten Betrachter mit dem breiten endständigen Maul eine gewisse Ähnlichkeiten mit Welsen wie dem asiatischen Mekong-Riesenwels Pangasianodon gigas, der tatsächlich in Ausnahmefällen Längen von beinahe 3m erreichen kann (aber ein harmloser Algen-und Kleintierfresser ist) , aber es handelt sich bei diesem Fisch ohne jeden Zweifel um einen jungen Walhai (Rhyncodon typus). In den Kommentaren zu der Story wird das mehrfach auch schon gesagt, aber manche Leute versuchen mit den abstrusesten Gegenargumenten zu konntern, etwa wie der Walhai ins Süßwasser gekommen sein soll, oder warum er getötet wurde, obwohl sie vom Aussterben bedroht sind. Nun ist es vielen Ländern, vor allem in Asien, herzlich egal ob eine Tierart vom Aussterben bedroht ist oder nicht, solange sie Profit bringt, wird sie gejagt. Und gerade in Asien kann man mit Fleisch und Flossen von Walhaien eine ganze Menge Profit machen. Die ganze Geschichte vom Riesenwels im Wasser-reservoir ist natürlich nur erfunden, hier wurden einfach Photos, die irgendwo in der Nähe eines Hafens gemacht wurden, in eine Monster-Story integriert. Leider sind viele Leute allzu Bereit solchen Mist zu glauben.
Das ganze kann man hier nachlesen:

