Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Fische’ Category

Der menschenfressende Riesenwels, ein Fallbeispiel eines Internet-Hoaxes

Montag, September 10th, 2007

Das Internet ist eine wunderbare Sache um an alle möglichen Arten von Informationen heranzukommen, leider ist es aber auch so, dass man im Internet jede Menge Müll lesen kann. Manche Leute machen sich sogar bewußt einen Spaß daraus (gut, die BILD macht das jeden Tag, und die Leute verdienen sogar damit), Geschichten zu erfinden, und diese im Internet als wahre Begebenheiten zu verbreiten. Besonders beliebt ist es, echte Photos zu verwenden, und eine Story dazu herum zu erfinden, damit das ganze glaubhafter wirkt. Solche Sachen werden dann auch nicht selten direkt mit E-mail-Verteilern in die ganze Welt geschickt.

Vor kurzem machte wieder einmal einer dieser Internet-Hoaxes die Runde, und da es sich um ein Thema handelt, das gut zum Inhalt des Bestiarium paßt, und das ich hier kurz vorstellen wollte. Es geht um folgendende Geschichte: Im Huadu´s Furong Wasser-reservoir sollen jedes Jahr ein paar Leute auf mysteriöse Weise ertrunken sein, und erst kürzlich sollen dort beim Schwimmen zwei Personen ertrunken sein.  Als der Grund dieser Unfälle wird ein 3m langer Riesenwels präsentiert, dessen Kopf alleine schon einen Meter breit sein soll, und der die Leute gefressen haben soll. Im Magen dieses Riesenwelses, sollen sogar die Überreste eines Menschen gefunden worden sein. Zusätzlich zu der Geschichte werden jede Menge Photos gezeigt, die mehrere Asiaten zeigen, die sich um einen abgesperrten Bereich drängeln, in dem mehrere Männer und ein riesiger Fisch liegen. Spätere Photos zeigen dann wie der Fisch aufgeschnitten und zerlegt wird.

Das war jetzt die Geschichte, und nun kommen die Fakten. Zunächst gibt es weder in Asien noch sonstwo einen Wels der in der Lage wäre einen erwachsenen Menschen zu fressen. Außerdem handelt es sich bei dem gezeigten Fisch gar nicht um einen Wels. Der Fisch zeigt zwar für einen mit diesen Tieren nicht vertrauten Betrachter mit dem breiten endständigen Maul eine gewisse Ähnlichkeiten mit Welsen wie dem asiatischen Mekong-Riesenwels Pangasianodon gigas, der tatsächlich in Ausnahmefällen Längen von beinahe 3m erreichen kann (aber ein harmloser Algen-und Kleintierfresser ist) , aber es handelt sich bei diesem Fisch ohne jeden Zweifel um einen jungen Walhai (Rhyncodon typus). In den Kommentaren zu der Story wird das mehrfach auch schon gesagt, aber manche Leute versuchen mit den abstrusesten Gegenargumenten zu konntern, etwa wie der Walhai ins Süßwasser gekommen sein soll, oder warum er getötet wurde, obwohl sie vom Aussterben bedroht sind. Nun ist es vielen Ländern, vor allem in Asien, herzlich egal ob eine Tierart vom Aussterben bedroht ist oder nicht, solange sie Profit bringt, wird sie gejagt. Und gerade in Asien kann man mit Fleisch und Flossen von Walhaien eine ganze Menge Profit machen. Die ganze Geschichte vom Riesenwels im Wasser-reservoir ist natürlich nur erfunden, hier wurden einfach Photos, die irgendwo in der Nähe eines Hafens gemacht wurden, in eine Monster-Story integriert. Leider sind viele Leute allzu Bereit solchen Mist zu glauben.

Das ganze kann man hier nachlesen:

http://shanghaiist.com/2007/08/11/amazingly_huge.php

Bild des Tages: Altägyptische Nilhecht-Bronzeplastik

Dienstag, Juli 24th, 2007

In letzter Zeit bin ich leider nicht dazu gekommen, ein neues Bild des Tages oder gar einen Artikel zu posten, da ich momentan ziemlich im Stress bin. Das wird auch noch eine ganze Weile anhalten, und in nächster Zeit werde ich den Blog leider nicht mehr täglich aktualisieren können. Trotzdem wollte ich mal wieder etwas neues posten, und habe mich dann für ein Bild entschieden, das ich vor einiger Zeit in der Ägypten-Sammlung des Museum Schloss Hohentübingen gemacht habe. Es handelt sich dabei um eine etwa 15cm große Bronzeplastik die einen Nilhecht (Gnathonemus petersi) zeigt. Dass so ein skuriler Fisch überhaupt in Bronze verewigt wurde, ist ja an sich schon interessant, aber dass er mit einer Art hutartigen Krone ausgestattet wurde, macht das ganze noch bizarrer:

Nilhecht-Bronzeplastik

Bild des Tages: Edestus-Zahn

Mittwoch, Juli 18th, 2007

Diese Zahnreihe gehörte einst einem der seltsamsten Haie, die es jemals gegeben hat, Edestus giganteus.

 Edestus-Zähne

Diese Tiere erreichten in etwa die Größe eines Weißen Hais, und müssen während ihrer Lebzeiten zu den größten Raubtieren der Welt gehört haben. Die Zähne und Kiefer von Edestus waren vollkommen einzigartig. Sie besaßen sowohl im Ober-als auch im Unterkiefer nur eine einzige Reihe Zähen, die fest auf einer knochigen Gaumenplatte verwachsen waren, so dass das Maul wie eine Art zackige Heckenschere ausgesehen haben muss.  Wie sie genau aussahen, und was sie fraßen, ist bei dieser wenig bekannten Art aber unbekannt. Das (leider nicht besonders gute) Bild habe ich übrigens wie so vieles in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien gemacht.

Einige interessante Fischskelette

Freitag, Juli 13th, 2007

In der Regel sieht man sich Tiere ja als ganzes an, vielleicht einmal abgesehen von den Skeletten ausgestorbener Tiere in Museen, aber auch die innere Anatomie kann äußerst interessant sein. Als ich vor einiger Zeit im Naturhistorischen Museum in Wien gewesen bin, habe ich dort auch einige sehr interessante Skelette und Schädel von Fischen gesehen. Bei Säugetieren bestehen zumindest bei ausgewachsenen Exemplaren die knöchernen Anteiles des Kopfes in der Regel aus nur zwei Hauptbestandteilen (wenn man mal die Gehörknöchelchen nicht mitzählt), dem eigentlichen Schädel mit dem Oberkiefer, und dem Unterkiefer. Tatsächlich besteht der Schädel aus einer ganzen Reihe verschiedener Knochen, die erst im Laufe des Lebens mehr oder weniger fest miteinander verwachsen. Bei Fischen sind die knöchernen Bestandteile des Kopfes dagegen weitaus vielfältiger, und teilweise auch extrem komplex. Die komplizierten Strukturen die etwa nötig um bestimmten Fischarten das Hervorstrecken des Maules zu ermöglichen, sind eigentlich erst am skelettierten Kopf zu erkennen.

Bei diesem Schädel eines Heilbuttes (Hippoglossus hippoglossus) kan man sehr gut die Vielzahl unterschiedlicher knöcherner Elemente erkennen:

Heilbutt-Schädel

Ebenfalls sehr interessant sind die schalenbrechenden Kiefer der Seewölfe, hier ein Gestreifter Seewolf und ein eher aalförmiger Pazifischer Seewolf, dazwischen das Skelett eines Trompetenfisches:

Seewolf-Skelette

Besonders eindrucksvoll fand ich das Skelett eines Seeteufels. Hier kann man sehr gut die einzelnen Strukturen erkennen, die es diesen Tieren ermöglichen im Bruchteil einer Sekunde ihr Maul aufzureißen, und dabei einen starken Sog zu erzeugen, der dann ihre Beute regelrecht einsaugt. Sehr schön sieht man auch die mehrfachen Zahnreihen, sowie die auf verschiedene isolierte Knochen verteilten Zahnfelder.

Seeteufel-Skelett

Ebenfalls sehr interessant ist das Skelett des Mondisches. Diese Tiere gehören zu den ungewöhnlichsten Fischen überhaupt, und zeichnen sich durch eine ganze Reihe anatomischer Sondermerkmale aus, etwa die massive Zurückbildung der Schwanzflosse. Wenn man sie betrachtet, würde man auf den ersten Blick auch kaum denken, dass ihre nächsten Verwandten die Kugelfische sind, denen sie während ihres Larvenstadiums aber noch weitaus mehr ähneln. Sehr eindrucksvoll ist auch die Größe, die einige Mondfische erreichen können, denn tatsächlich handelt es sich um die größten Knochenfische der Welt.

Hier ist mal ein direkter Vergleich eines Mondfisches (möglicherweise ein Modell oder Abguss) mit einem Skelett:

Mondfisch-Skelett

Gefälschte Monster

Samstag, Juli 7th, 2007

Seit jeher findet der Mensch Gefallen am Kuriosen und Absonderlichen, und in den vorigen Jahrhunderten war es teilweise groß in Mode, sogenannte Wunderkammern einzurichten, in denen allerlei zoologische und auch teilweise anthropologische Schaustücke zusammengetragen wurden. Das große Interesse and ausgefallenen Objekten und Tieren brachte schon vor vielen Jahrhunderten findige Menschen dazu “Monster” aus normalen Tieren herzustellen. Mit am berühmtesten davon sind die Seejungfrauen, welche aus dem Oberkörper eines zurecht gerichteten Affen und dem Körper eines großesn Fisches hergestellt wurden. Ebenfalls sehr populär war es, aus Rochen Ungeheuer zu basteln, da dies auch besondern einfach geht. Da Rochen Knorpelfische sind, läßt sich ihr Körper auch recht leicht bearbeiten, und anschließend trocknen, ohne dass man allzu große Arbeitsspuren sieht. Auch das ohnehin schon ungewöhnliche Aussehen der Rochen bietet hierfür reichlich Anreize zum Experimentieren. Die Unterseite der Rochen ist, zumindest bei den bodenbewohnenden Arten, stark abgeplatte, und das recht kleine Maul liegt stark unterständig, ebenfalls wie die darüber liegenden Nasenlöcher, so dass das ganze fast ein bißchen wie ein schlecht aufgelegter Smiley aussieht. Vor einiger Zeit ging ja auch der Fang eines angeblichen Aliens durch russische Fischer groß durch die Presse. Abgesehen davon dass die zu den gezeigten Videoaufnahmen erfundene Geschichte nur frei erfunden war, und auf einem Youtube-Video basierte, war auch das seltsame Wesen im Prinzip ganz einfach als ein Rochen zu identifizieren, von dem nur die Unterseite gezeigt wurde. Das hat aber vielen Medien, nicht zuletzt die Bild-Zeitung, nicht davon abgehalten mal wieder eine große Story aus der Sache zu machen, und mal wieder zu behaupten, es handele sich um ein nicht identifizierbares Monster. 

Durch entsprechendes Zurechtstutzen und Montieren des Rochenkörpers läßt sich so auf recht einfache Weise ein groteskes Fabelwesen mit “Gesicht” herstellen. Ebenfalls sehr beliebt war es, den Kopf des Rochen von dem flach auslaufenden umliegenden Weichgewebe zu befreien, so dass sie aussahen, wie kleine geflügelte Drachen. Selbst heute noch fallen viele Leute auf solche Dinger herein, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass man Bilder davon immer noch auf manchen Internet-Seiten und in Boulevard-Blättern findet. Einmal wurde ein solcher bearbeiteter getrockneter Rochen sogar groß als Chupacabra präsentiert…

Hier sieht man ein solches “Mini-Rochenmonster” mit kleinen Glasaugen in den Nasenlöchern, das in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien ausgestellt ist. Selbstverständlich wurde hier einwandfrei darauf hingewiesen dass es sich nur um eine Fälschung handelt. Dieses Modell ist möglicherweise schon 400 Jahre alt, und wurde erst jüngst im Archiv des Naturkundesmusems gefunden. Weitere Informationen und Photos gibt es auch hier: http://www.nhm-wien.ac.at/Content.Node/wissenswertes/basilisken.html

Mini-Rochenmonster

Ein etwas ungewöhnlicheres Monster dass aus der Haut eines Rochen zurechtgebastelt wurde, sieht man hier:

Rochenhaut-Monster

Rechts darüber sieht man übrigens noch ein kleines, möglicherweise aus einem Hai gebasteltes Monster.

Kann ein Aal zu einem Monster wachsen?

Donnerstag, Mai 24th, 2007

In der kryptozoologischen Literatur findet man eine ganze Reihe von teils sehr verschiedenen Untieren, welche die Seen Großbritanniens, insbesondere von Irland bevölkern sollen. Einige sollen wie Drachen ausgesehen haben, andere wie Schlangen oder sogar säugerähnlich gewesen sein. Einige von ihnen wurden auch als riesige Aale beschrieben. Vor einiger Zeit kam auch die Hypothese in Umlauf, dass solche Kreaturen, insbesondere das Monster von Loch Ness, auf Aale zurück gehen sollen, die nicht zum Laichen in die Sargasso-See abwanderten, sondern in den Seen blieben, dort uralt wurden, und immer weiter wuchsen. Hört sich ja an sich ganz plausibel an, und würde auch eine ganze Reihe von Fragen beantworten, etwa warum nicht ganze Populationen von Monstern existieren müssen, oder wie sie in teils winzigen Gewässern überleben könnten.

Doch der Teufel steckt hier im Detail, denn der Urheber dieser Vermutung, wußte allem Anschein herzlich wenig über das Wachstumsverhalten von Aalen. Wie viele andere ist er dem Irrglauben aufgessesen, dass Fische ihr ganzes Leben lang immer weiter wachsen, und so theoretisch jede beliebige Länge erreichen, und so zu Monstern heranwachsen können. Nun ist es tatsächlich so dass die allermeisten Fische ab einer gewissen Größe so gut wie gar nicht mehr wachsen, meist nach Erlangen der Geschlechtsreife. Auch wenn danach das Wachstum noch anhält, ist es bei den meisten Arten so gering, dass es kaum noch ins Gewicht fällt. Andernfalls gäbe es unter vielen Fischen, insbesondere solchen die im Aquarium gehalten, und so gut über einen langen Zeitraum beobachtet werden können, enorme Größendifferenzen unter den geschlechtsreifen Tieren. Nun gibt es tatsächlich Fische, bei denen auch nach dem Erlangen der Geschlechtsreife das Wachstum noch vergleichsweise stark ist, und bei denen in der Regel die größten Exemplare tatsächlich schon ziemlich alt sind. Dank einer Studie aus den Jahren 1987 und 1988, bei der insgesamt 8612 weibliche Aale aus dem Burrishole-System in West-Irland vermessen, und ihre Wachstumsraten anhand von Gehörsteinuntersuchungen ausgewertet wurden, liegen für die Wachstumsraten von Flussaalen sehr gute Daten vor. Interessant war dass von dieser riesigen Menge Aale nur ein winzigen Bruchteil eine Länge von mehr als 62 cm hatte, nämlich nur 0,6% ´87 und 0,7% ´88. Jene übergroßen Aale zeigten auch ein anderes Wachstumsverhalten als ihre kleineren Artgenossen. Sie wuchsen nicht nur geringfügig schneller, sondern auch länger schnell. Anhand der an den Gehörsteinen feststellbaren Wachstumsraten konnten auch Diagramme angefertigt werden, die die Zuwachsraten im Verlauf der Jahre zeigen. Unter den Aalen mit einer Länge von mehr als 62 cm konnten Alter von 32-57 Jahren ermittelt werden, und bei jenen unter 62 cm Alter von 8-42 Jahren. Das schnellste Wachstum fand im ersten Lebensjahr statt, bei den kleinen Aalen hielt ein relativ schnelles Wachstum etwa 17 Jahre an, bei den großen dagegen etwa 34 Jahre. Die durchschnittliche Längenzunahme bei den normalen Aalen betrug 1,42 cm, das der großen 1,6cm pro Jahr, der Unterschied war also relativ gering. Die großen Aale übertrafen ihre Artgenossen also nicht einfach dadurch deutlich an Größe, dass sie über einen sehr langen Zeitraum wuchsen, sondern vor allem weil sie langanhaltend relativ schnell wuchsen. Die Wachstumskurven verlaufen anfangs bei beiden Variäteten in etwa gleich, bei den normalen Aalen wird die Kurve allerdings deutlich flacher, bei den großen Aalen dagegen nur relativ geringfügig, wenngleich ebenfalls stetig. Anhand der Abnahme der Steilheit der Wachstumskurve läßt sich berechnen bei welcher Länge das Wachstum so weit abgenommen hätte, dass es zu überhaupt keinem Längenzuwachs mehr kommt. Bei den normalen Aalen wäre das eine Länge von 99,9cm, bei den großen eine hypothetische Länge von 204,5cm,  bei einem Alter das irgendwo zwischen 150 und 200 Jahren liegen würde (genaue Angabe fehlt hier).

Üblicherweise werden sie aus verschiedenen Gründen gar nicht erst so groß, entweder weil sie teilweise noch in sehr hohem Alter abwandern, oder, falls dies in einem Gewässer ohne Meereszugang passiert, weil sie schlicht und einfach auch nicht unsterblich sind, und irgendwann einmal den Löffel abgeben, bevor sie so eine Länge erreichen könnten. Tatsächlich stammen die größten Aale meist aus Gewässern, in denen sie eingesetzt wurden, aber mangels fehlender Abwanderungsmöglichkeiten nicht ins Meer konnten. Die größten bestätigten Längen für Europäische Flussaale liegen bei etwa 1,5m. Man liest zwar gelegentlich auch von 2m, aber allem Anschein gibt es dafür keine Beweise, weshalb es sich hier auch um Anglerlatein handeln kann. Warum diese Unterschiede im Wachstumsverhalten überhaupt aufkommen, ist nicht ganz klar, vielleicht hängt es mit einer unterschiedlichen Ernährungsweise zusammen, die bei den großen Aalen vor allem aus Fisch besteht, möglicherweise hat es auch genetische Hintergründe.

Dass es sich hier um Aale aus einem irischen Gewässer (das obendrein einen sehr guten Fischbestand aufweist und nicht wie viele andere überfischt wurde), ist besonders praktisch, wenn man Vergleiche mit angeblichen Riesenaalen in irischen Seen machen möchte.

Das Wachstum dieser Tiere hat natürlich noch ein paar andere wichtige Komponenten, etwa die Verfügbarkeit und Menge der Nahrung, sowie die Wassertemperatur. Ein Aal der bei einer optimalen Temperatur (diese liegt beim Aal bei 26°C) und optimaler Nahrungsversorgung aufwächst, überdurchschnittlich gute genetische Anlagen besitzt und nicht ins Meer abwandern kann, wäre sicher in der Lage ein noch stärkeres Wachstum als die “großen” Aale zu zeigen, und auch eine etwas größere Länge zu erreichen. Aber auch die würde in Anbetracht der limitierten Lebensjahre wohl kaum die 2m erreichen.

In Anbetracht dieser Fakten kann die Hypothese, dass Aale, welche nicht abwandern und in Gewässern bleiben, zu Monstern heranwachsen können, guten Gewissens zu den Akten gelegt werden. Selbst wenn ein Aal Jahrzehnte lang und obendrein noch ungewöhnlich schnell wachsen würde, wäre er selbst nach 100 Jahren weit davon entfernt, auch nur annährend echte Monster-Maße erreichen. Bedenkt man dass beispielsweise im Loch Ness mit einer maximalen Wassertemperatur von 6-7°C auch noch alles andere als optimale Bedingungen für das Abwachsen von Aalen herrschen, verliert die “Nessie-ist-ein-uralter-Riesenaal”-Hypothese gänzlich an Glaubwürdigkeit. Dass dies auch für eine Reihe von anderen Fischen zutrifft, soll später auch irgendwann noch bearbeitet werden.

Quellen:

VARIABILITY IN GROWTH RATE IN. EUROPEAN EEL ANGUILLA ANGUILLA. (L.) IN A WESTERN IRISH CATCHMENT. W. Russell Poole and Julian D. Reynolds.
                                                                                                                                             

H. Kuhlmann: Der Einfluß von Temperatur, Futter, Größe und Herkunft auf die sexuelle Differenzierung von Glasaalen(Anguilla anguilla)

Arapaima gigas – wie groß wird er wirklich?

Freitag, Mai 18th, 2007

Im Laufe vieler Jahre des Studiums von Fachliteratur und Dokumentationen über Tiere fiel mir immer wieder auf, dass für viele Tiere, insbesondere Fische, oftmals Größen angegeben werden, die weit über den tatsächlich verbürgten Rekorden liegen. Bei genauerer Recherche hat sich tatsächlich in vielen Fällen herausgestellt, dass die allgemein verbreiteten Angaben über vermeintliche Maximalgrößen in vielen Fällen nichts als vom Hörensagen übernommenes Anglerlatein sind, das vorbehaltlos seinen Weg in die Literatur gefunden hat, und dort über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte ungeprüft weiter verbreitet wurde, ohne dass sich jemals jemand Gedanken darüber gemacht hat, ob die Angaben denn überhaupt stimmen können. In diesem ersten Post möchte ich mich dem Arapaima gigas widmen, und in späteren Posts auch noch verschiedenen anderen Arten. Für alle die nicht wissen was ein Arapaima überhaupt ist, empfehle ich eine kurze Google-suche, das macht mehr Sinn als wenn ich mich hier über das Aussehen, die (sehr interessante) Biologie und das Verbreitungsgebiet dieser Art auslasse, wo es doch andernorts schon viel ausführlicher nachzulesen ist. Zumindest eine kurze Beschreibung sei hier allerdings schon angebracht. Der Arapaima ist ein südamerikanischer Fisch aus der Familie der Knochenzüngler. Er hat einen langestreckten, im hinteren Teil seitlich abgeplatteten Körper, und ein sehr weit aufsperrbares breites Maul.

Farblich zählt er zweifellos zu den schönsten Riesenfischen des Süßwassers, und kombiniert verschiedene  Grün-, Braun-, Grau-und Schwarztöne mit einem oftmals tiefroten Muster darauf. Hier sieht man recht gut die Farben eines etwa 30 kg schweren Arapaima aus dem Dream-Lake in Chiang Mai (Thailand) das mir Nathan Wardle freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat:

30kg+ Arapaima aus dem Dream-Lake Chiang Mai

Hier sieht man ein Präparat eines deutlich größeren, aber leider ziemlich ausgebleichten Arapaima aus dem Naturhistorischen Museum in Wien:

Arapaima gigas

Wenn man in Bücher über den Arapaima liest, oder auch in Fernsehdokumentationen die Sprache auf ihn kommt, heißt es beinahe immer, dass er der größte Süßwasserfisch der Welt ist, und Längen von 4,5m bei einem Gewicht von 200kg erreichen kann.

Tatsächliche Bilder von solchen Giganten bekommt man allerdings nie zu Gesicht. Vorweggenommen sei auch, dass diese Tiere keineswegs die größten Süßwasserfische sind, um welche Arten es sich dabei aber handelt, und warum die Antwort auf die Frage nach dem größten Süßwasserfisch nicht ganz einfach zu beanworten ist, soll in einem späteren Post folgen.

Wenn man im Internet nach Bildern vom Arapaima sucht, wird man einige erstaunliche Photos von mehr als mannsgroßen Riesenfischen finden, von denen einige deutlich über der Zweimetermarke liegen, aber nie wird man einen finden, der auch nur annäherungsweise in die Nähe der proklamierten 4,5m kommt. Nun stellt sich vielleicht die Frage, woher diese Angabe überhaupt stammt. Die Anwort ist ebenso entlarvend wie beschämend, wenn man bedenkt dass seit über einem Jahrhundert Behauptungen als Tatsachen dargestellt werden, die nie irgend jemand bewiesen hat. Die Angaben stammen  von dem Naturforscher Schomburgk (nicht zu verwechseln mit dem bekannten Forschungsreisenden Hans Schomburgk, der 1880-1967 lebte), der 1836 über seinen Besuch in Guyana schrieb, dass der Arapaima eine Länge von 4,5m und ein Gewicht von 200 kg erreichen soll. Aber hat Schomburgk jemals einen solchen Fisch mit eigenen Augen gesehen oder gar vermessen? Die Anwort lautet nein, Schomburgk hatte diese Angaben auch nur vom Hörensagen, welches von den Eingeborenen stammte. Das hinderte aber Generationen von Autoren und Zoologen nicht daran, dies als Tatsachen zu übernehmen, und kaum jemand hat jemals daran gezweifelt, dass dies nicht so sei, obwohl kein einziger solcher Riesefisch jemals bekannt wurde. Einer der sich Gedanken darüber gemacht hat, war Karl-Heinz Lüling, der sich mit diesem Fisch auch in dessen natürlichen Lebensraum befaßt hat, und wichtige Beiträge über die Biologie dieser Art leistete.
Er fand heraus, dass der größte bekannte Arapaima tatsächlich “nur” eine Länge von 2,32m hatte, und 133kg wog. Nun ist der Arapaima ein sehr stark befischter Fisch, bei dem übermäßige Fangzahlen auch zu einer negativen Selektion führen, und viele Fische gefangen werden, bevor sie ihre Maximalgröße erreichen können. Dennoch sollte sich unter den vielen Millionen Arapaimas die über die Jahre gefangen wurden (bei einer einzigen Untersuchung wurden einmal die Mägen von nicht weniger als 5000 Exemplaren untersucht), auch ab und an einer befunden haben, der in abgelegeneren Gebieten lebte, und zu seiner vollen Größe auswachsen konnte, bevor ihn irgendein Fischer mit einer Leine oder einer Harpune aus dem Wasser gezogen hat. Dazu muss man sich auch vergegenwärtigen, dass der Arapaima ein sehr schnell wachsender, und auch nicht übermäßig alt werdender Fisch ist. Er bewohnt ein riesiges Gebiet, und es ist keineswegs so, dass er überall vollkommen überfischt ist. Zudem führt die fortschreitende Abholzung und Urbarmachung des südamerikanischen Regenwaldes dazu, dass Menschen immer tiefer in den Dschungel eindringen, auch in Gebiete in denen noch zuvor jemand gewesen ist. Zumindest an solchen Stellen müßte man auf Exemplare stoßen, welche lange ungestört wachsen konnten, und auch zumindest teilweise nahe der biologischen Maximalgröße wären. Tatsächlich dürfte das auch so sein, nur sind auch die dort gefangenen Arapaimas nie auch nur annäherungsweise an den oft verbreiteten 4,5m. Würden diese Tiere tatsächlich so groß werden können, dann hätte man längst irgendwo Exemplare gefangen, welche wenigstens einigermaßen in diesem Größenbereich lägen. Dass unter den Millionen, teilweise auch in vormals unberührten Gebieten Südamerikas gefangenen Arapaimas aber selbst der allergrößte wirklich dokumentierte nur etwa die Hälfte der angegebenen Länge hatte, und damit schon deutlich über dem Durchschnitt lag, sollte eigentlich schon gewisse Zweifel aufkommen lassen, ob diese Angaben tatsächlich stimmen. Seltsam ist dass diese Angaben so lange immer wieder kopiert wurden, ohne die tatsächlich dokumentierten Rekordexemplare und Durchschnittsgrößen zu beachten.
Was auch auffallen sollte, ist das seltsame Verhältniss aus Länge und Gewicht, das Schomburgk angibt. Wer sich ein bißchen mit Fischen auskennt, der sollte bei einem Fisch mit dem Körperbau des Arapaima stutzig werden, wenn ein 4,5m langes Exemplar nur 200kg wiegen soll. Um das etwas zu verdeutlichen, möchte ich an dieser Stelle eine von mir entwickelte Vergleichseinheit einführen, die sogenannte Einmetermasse, auf die ich in Zukunft öfter mal zurückgreifen möchte. Die Einmetermasse bezeichnet die Masse, die ein Objekt, oder in diesem Fall ein Fisch, bei einer hoch-oder heruntergerechneten Länge von einem Meter haben würde. Das ermöglicht objektive Vergleiche der Proportionen von verschiedenen Objekten unterschiedlicher Größe, und aufgrund der gewählten Länge von einem Meter auch eine gut vorstellbare Größe.
In diesem Fall soll die Einmetermasse dazu dienen, die Proportionen eines Arapaima mit bekannter Länge und Gewicht mit dem vorgeblichen 4,5m-Riesen zu vergleichen.
Bei dem 2,32 langen Arapaima kommt man auf eine Einmetermasse von 10,65kg, also durchaus vergleichbar einem Hecht dieser Länge, der einen ähnlichen Körperbau wie der Arapaima hat. Aber wie sieht es nun bei 4,5m und 200kg aus? Hier kommt man auf eine Einmetermasse von gerade einmal 2,19kg. Ein Fisch mit solchen Proportionen würde aussehen wie ein Aal, im Falle eines Arapaima würde er nur aus Haut und Gräten bestehen. Mir fiel auch auf, dass bei übertriebenen Größenangaben oft viel zu geringe Gewichte für die angeblichen Riesentiere angegeben werden, und sie zu analysieren, ist in der Regel eine recht sichere Möglichkeit um ihren Wahrheitsgehalt zu erkennen.  Ein hypothetischer Arapaima mit den realistischen Proportionen würde um die 970kg wiegen…
Ich schrieb vorhin von Arapaimas die noch größer wurden als das südamerikanische 2,32m Exemplar. Da der Arapaima extrem gute Wachstumseigenschaften besitzt, und ein gutes Fleisch (hier streiten sich allerdings die Angaben) besitzen soll, wurde er in Asien in Angelteiche und teilweise sogar schon in Aquakulturen eingeführt. Unter den dortigen Bedingungen wuchsen die Fische zu teilweise enormer Größe, ein weitverbreitetes Phänomen von Fischen, die in fremden Ländern ausgesetzt werden. Das kann zum einen an verbesserten klimatischen Bedingungen liegen, oftmals liegt es aber auch an einem überreichen Nahrungsangebot, fehlender Konkurrenz und dem Fehlen artspezifischer Krankheitserreger und Parasiten, die in den angestammten Lebensräumen einen negativen Einfluss auf das Wachstum haben. Vor einigen Jahren wurde in einem thailändischen Angelteich ein übergroßes Monstrum von einem Arapaima gefangen, der 2,63m lang war, und 185kg gewogen hat, wobei man hier natürlich bedenken muss, dass es sich hier um einen echten Ausnahmefisch handelt.  Das zeigt dass diese Fische zumindest das biologische Potential besitzen, um Gewichte um die 200kg zu erreichen, und wahrscheinlich gab es zu Zeiten vor der massiven Überfischung auch in Südamerika einige über einen langen Zeitraum ungestört abgewachsene Arapaimas, die von guten genetischen Anlagen und einem reichen Nahrungsagebot profitieren konnten, und Gewichte von etwa 200kg erreichten, aber selbst diese Fische dürften nicht viel mehr als 2,70m lang gewesen sein, und die Angaben welche Schomburgk über das Maximalgewicht erhielt, dürften durchaus richtig gewesen sein könnten, wohingegen es die Indianer bei der Länge mit der Wahrheit nicht allzu genau nahmen, womöglich lag hier sogar ein Übersetzungsfehler bei den Maßeinheiten vor. Dass Schomburgk vor mehr als 169 Jahren im Dschungel besseres zu tun hatte, als die Längen-Gewichts-Verhältnisse exotischer Fische zu berechnen, kann man ihm kaum anlasten, und schließlich gab es zu jener Zeit ja auch noch kaum Vergleichsmöglichkeiten, und es sprach nichts dagegen, dass es in Südamerika tatsächlich einen bis 4,5m lang werdenden Riesensüßwasserfisch geben könnte. Einen Vorwurf machen muss man allerdings all jenen, die diese Angaben ohne jeden Zweifel weiter verbreitet haben, und es teilweise auch immer noch tun. Dazu kommt auch noch, dass es sich hier keineswegs um einen Einzelfall handelt, wenngleich auch der Arapaima eines der prominentesten Beispiele maßlos übertriebener Größenangaben ist.
Hier noch ein kleiner Vorgeschmack über Tiere, bei denen ich mich irgendwann auch noch dieser Thematik widmen möchte: Waller, Störe und Hausen, Weiße Haie, Walhaie, angebliche Riesenaale, Krokodile, Riesenkalmare.
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