Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Fische’ Category

Der Riesenpanzerfisch Dunkleosteus

Montag, April 7th, 2008

Er war einer der größten Fische die es jemals gegeben hat, und zu seiner Zeit das größte Lebewesen auf der ganzen Welt. Die Rede ist von Dunkleosteus terrelli, einem der größten bekannten Knochenfische aller Zeiten. Diese bizarren Raubfische besaßen einen riesigen gepanzerten Kopf, und ständig nachwachsende scharfkantige Knochenplatten in ihren Kiefern, welche wie eine gewaltige Brechschere wirkten, und sicherlich hervorragend dazu geeignet war, Beutetiere wie etwa andere Panzerfische in Stücke zu beißen. Wie groß diese Tiere genau gewesen sind, läßt sich schwer sagen, da man eigentlich nur ihre fossilierten Schädelpanzer kennt, wie etwa dieses wunderschöne Exemplar aus dem Naturhistorischen Museum in Wien:

Dunkleosteus-Schädel Seitenansicht

Ältere Darstellungen zeigen Dunkleosteus in der Regel mit einem relativ langgestreckten Körper und spitz auslaufendem protozerken Schwanz, anhand von Vergleichen mit bessererhaltenen verwandten Formen ist es aber wohl wahrscheinlcher, dass sie insgesamt etwas kürzer waren, und die Schwanzspitze nach oben geschwungen, und wie bei Haien eine heterozerke Schwanzflosse besaß. Dennoch dürften diese Riesen mindestens Längen von 6m erreicht haben, also etwa so viel wie ein sehr großer Weißer Hai. Eine weitere Parallele zu vielen Haien ist die verblüffende Feststellung, dass sich Dunkleosteus wahrscheinlich durch innere Befruchtung fortpflanzte. Zwar kennt man von Dunkleosteus selbst keine postkranialen Überreste, doch die Fossilien des verwandten   Rhamphodopsis zeigen dass die Männchen wie Haie oder Rochen über sogenannte Klasper verfügten, also paarige Organe welche zur inneren Befruchtung benutzt werden, während die Weibchen breite basale Beckenplatten aufwiesen. Da man Knochenplatten dieser Art kennt, welche unverheilte Verletzungen aufweisen, kann man davon ausgehen, dass diese Tiere eine recht stark ausgeprägte innerartliche Aggressivität zeigten, und vielleicht sogar kannibalistisch waren.

Hier noch eine Frontalansicht:  Dunkleosteus-Schädel Frontalansicht

Und noch eine selten gezeigte Innenansicht des Schädels:

Dunkleosteus-Schädel Innenansicht

Bild des Tages: Saurichthys

Samstag, Oktober 20th, 2007

Da ich heute zu sonst nichts gekommen bin, poste ich mal wieder das Bild des Tages. Diesmal das Photo einer Saurichthys-Rekonstruktion, aus dem Museum am Löwentor in Stuttgart:

Saurichthys

Dieser vergleichsweise kleiner Raubfisch der Trias. Mit einer Länge von etwa einem Meter  muss er mit seinem langgestreckten Körper und der spitzen Schnauze ganz ähnlich wie ein großer Hornhecht ausgesehen haben.  Trotz ihrer recht geringen Größe vergingen sich diese Fische teilweise an vergleichsweise sperriger Beute, wie man von einem fossilen Speiballen dieser Tiere weiß, welcher die Reste des kleinen Pterosauriers Preondactylus enthält. Hier noch mal eine Kopfansicht:

Bild des Tages: Gestreifter Schlangenkopffisch (Channa Striatus)

Samstag, Oktober 6th, 2007

Dieses Bild eines etwa 3kg schweren und damit relativ großen Gestreiften Schlangenkopffisches wurde mit freundlicherweise von Nathan Wardle zur Verfügung gestellt:

Gestreifter Schlangenkopffisch Channa Striatus

Schlangenkopffische gibt es in einer großen Breite von Größen und Farben, und sie sind in der Lage atmosphärischen Sauerstoff zu atmen, und teilweise sogar fähig kurze Strecken über Land zurückzulegen. In den USA ausgesetzte Schlangenköpfe haben sich teilweise sogar zu einer regelrechten Plage entwickelt, die nicht nur Konkurrenten gegenüber den dort heimischen Arten sind, sondern wie viele andere fleischfressende Bioinvasoren auch eine große Gefahr für viele kleinere Arten von Fischen und Amphibien darstellen. Diese Thematik war auch Grundlage zweier Horrorfilme über auf Monstergrößen angewachsene Riesenschlangenkopffische, nämlich “Snakehead Terror” und “Snakehead-der Schrecken aus dem See”.

Bilder des Tages: Der Quastenflosser

Montag, Oktober 1st, 2007

Der Quasterflosser Latimeria chalumnae ist zweifellos einer der faszinierendsten Fische der Welt.

Dieses Exemplar ist im Naturhistorischen Museum Wien ausgestellt. Durch das Formalin hat er praktisch vollständig seine Farben verloren, und auch viele Schuppen fehlen schon am Körper. Aber gerade dadurch dass er nun ausgesprochen aufgehellt ist, kann man gewisse Details der Körperstruktierung sogar viel besser sehen, als es bei einem Quastenflosser der Fall wäre, der noch dunkel wäre.

Quastenflosser in Formalin (Naturhistorisches Museum Wien)

 Quastenflosser

Quastenflosser Kopf-Detail

Auch wenn die Schuppen schon gesträubt sind und teilweise ganz fehlen, und auch die Flosse selbst notdürftig zusammengenährt wurde, kann man doch sehr gut erkennen wie lang der fleischige Stiel der Brustflossen tatsächlich ist. Auch wenn die ersten Landwirbeltiere nicht direkt von den Quastenflossern abstammten, werden die Gliedmaßen unserer frühesten noch im Wasser lebenden Tetrapoden-Vorfahren dennoch ganz ähnlich ausgesehen haben wie die Brust-und Bauchflossen dieses Quastenflossers.

Quastenflosser Brustflossen-Detail

Gut zu erkennen ist die fleischige Schwanzflosse und die kleine abgesetzte Extraschwanzflosse:

Quastenflosser, Schwanzflosse

Hier sieht man mehrere Quastenflossermodelle in einem Diorama, welches sie in ihrer natürlichen Umgebung der Lavafelsen vor den Komoren zeigt. Man achte auch auf den Quastenflosser ganz links, der kopfüber im Wasser steht, und sich dabei durch Bewegegungen der Flossen ausbalanciert:

Quastenflosser Diorama

Der menschenfressende Riesenwels, ein Fallbeispiel eines Internet-Hoaxes

Montag, September 10th, 2007

Das Internet ist eine wunderbare Sache um an alle möglichen Arten von Informationen heranzukommen, leider ist es aber auch so, dass man im Internet jede Menge Müll lesen kann. Manche Leute machen sich sogar bewußt einen Spaß daraus (gut, die BILD macht das jeden Tag, und die Leute verdienen sogar damit), Geschichten zu erfinden, und diese im Internet als wahre Begebenheiten zu verbreiten. Besonders beliebt ist es, echte Photos zu verwenden, und eine Story dazu herum zu erfinden, damit das ganze glaubhafter wirkt. Solche Sachen werden dann auch nicht selten direkt mit E-mail-Verteilern in die ganze Welt geschickt.

Vor kurzem machte wieder einmal einer dieser Internet-Hoaxes die Runde, und da es sich um ein Thema handelt, das gut zum Inhalt des Bestiarium paßt, und das ich hier kurz vorstellen wollte. Es geht um folgendende Geschichte: Im Huadu´s Furong Wasser-reservoir sollen jedes Jahr ein paar Leute auf mysteriöse Weise ertrunken sein, und erst kürzlich sollen dort beim Schwimmen zwei Personen ertrunken sein.  Als der Grund dieser Unfälle wird ein 3m langer Riesenwels präsentiert, dessen Kopf alleine schon einen Meter breit sein soll, und der die Leute gefressen haben soll. Im Magen dieses Riesenwelses, sollen sogar die Überreste eines Menschen gefunden worden sein. Zusätzlich zu der Geschichte werden jede Menge Photos gezeigt, die mehrere Asiaten zeigen, die sich um einen abgesperrten Bereich drängeln, in dem mehrere Männer und ein riesiger Fisch liegen. Spätere Photos zeigen dann wie der Fisch aufgeschnitten und zerlegt wird.

Das war jetzt die Geschichte, und nun kommen die Fakten. Zunächst gibt es weder in Asien noch sonstwo einen Wels der in der Lage wäre einen erwachsenen Menschen zu fressen. Außerdem handelt es sich bei dem gezeigten Fisch gar nicht um einen Wels. Der Fisch zeigt zwar für einen mit diesen Tieren nicht vertrauten Betrachter mit dem breiten endständigen Maul eine gewisse Ähnlichkeiten mit Welsen wie dem asiatischen Mekong-Riesenwels Pangasianodon gigas, der tatsächlich in Ausnahmefällen Längen von beinahe 3m erreichen kann (aber ein harmloser Algen-und Kleintierfresser ist) , aber es handelt sich bei diesem Fisch ohne jeden Zweifel um einen jungen Walhai (Rhyncodon typus). In den Kommentaren zu der Story wird das mehrfach auch schon gesagt, aber manche Leute versuchen mit den abstrusesten Gegenargumenten zu konntern, etwa wie der Walhai ins Süßwasser gekommen sein soll, oder warum er getötet wurde, obwohl sie vom Aussterben bedroht sind. Nun ist es vielen Ländern, vor allem in Asien, herzlich egal ob eine Tierart vom Aussterben bedroht ist oder nicht, solange sie Profit bringt, wird sie gejagt. Und gerade in Asien kann man mit Fleisch und Flossen von Walhaien eine ganze Menge Profit machen. Die ganze Geschichte vom Riesenwels im Wasser-reservoir ist natürlich nur erfunden, hier wurden einfach Photos, die irgendwo in der Nähe eines Hafens gemacht wurden, in eine Monster-Story integriert. Leider sind viele Leute allzu Bereit solchen Mist zu glauben.

Das ganze kann man hier nachlesen:

http://shanghaiist.com/2007/08/11/amazingly_huge.php

Bild des Tages: Altägyptische Nilhecht-Bronzeplastik

Dienstag, Juli 24th, 2007

In letzter Zeit bin ich leider nicht dazu gekommen, ein neues Bild des Tages oder gar einen Artikel zu posten, da ich momentan ziemlich im Stress bin. Das wird auch noch eine ganze Weile anhalten, und in nächster Zeit werde ich den Blog leider nicht mehr täglich aktualisieren können. Trotzdem wollte ich mal wieder etwas neues posten, und habe mich dann für ein Bild entschieden, das ich vor einiger Zeit in der Ägypten-Sammlung des Museum Schloss Hohentübingen gemacht habe. Es handelt sich dabei um eine etwa 15cm große Bronzeplastik die einen Nilhecht (Gnathonemus petersi) zeigt. Dass so ein skuriler Fisch überhaupt in Bronze verewigt wurde, ist ja an sich schon interessant, aber dass er mit einer Art hutartigen Krone ausgestattet wurde, macht das ganze noch bizarrer:

Nilhecht-Bronzeplastik

Bild des Tages: Edestus-Zahn

Mittwoch, Juli 18th, 2007

Diese Zahnreihe gehörte einst einem der seltsamsten Haie, die es jemals gegeben hat, Edestus giganteus.

 Edestus-Zähne

Diese Tiere erreichten in etwa die Größe eines Weißen Hais, und müssen während ihrer Lebzeiten zu den größten Raubtieren der Welt gehört haben. Die Zähne und Kiefer von Edestus waren vollkommen einzigartig. Sie besaßen sowohl im Ober-als auch im Unterkiefer nur eine einzige Reihe Zähen, die fest auf einer knochigen Gaumenplatte verwachsen waren, so dass das Maul wie eine Art zackige Heckenschere ausgesehen haben muss.  Wie sie genau aussahen, und was sie fraßen, ist bei dieser wenig bekannten Art aber unbekannt. Das (leider nicht besonders gute) Bild habe ich übrigens wie so vieles in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien gemacht.

Einige interessante Fischskelette

Freitag, Juli 13th, 2007

In der Regel sieht man sich Tiere ja als ganzes an, vielleicht einmal abgesehen von den Skeletten ausgestorbener Tiere in Museen, aber auch die innere Anatomie kann äußerst interessant sein. Als ich vor einiger Zeit im Naturhistorischen Museum in Wien gewesen bin, habe ich dort auch einige sehr interessante Skelette und Schädel von Fischen gesehen. Bei Säugetieren bestehen zumindest bei ausgewachsenen Exemplaren die knöchernen Anteiles des Kopfes in der Regel aus nur zwei Hauptbestandteilen (wenn man mal die Gehörknöchelchen nicht mitzählt), dem eigentlichen Schädel mit dem Oberkiefer, und dem Unterkiefer. Tatsächlich besteht der Schädel aus einer ganzen Reihe verschiedener Knochen, die erst im Laufe des Lebens mehr oder weniger fest miteinander verwachsen. Bei Fischen sind die knöchernen Bestandteile des Kopfes dagegen weitaus vielfältiger, und teilweise auch extrem komplex. Die komplizierten Strukturen die etwa nötig um bestimmten Fischarten das Hervorstrecken des Maules zu ermöglichen, sind eigentlich erst am skelettierten Kopf zu erkennen.

Bei diesem Schädel eines Heilbuttes (Hippoglossus hippoglossus) kan man sehr gut die Vielzahl unterschiedlicher knöcherner Elemente erkennen:

Heilbutt-Schädel

Ebenfalls sehr interessant sind die schalenbrechenden Kiefer der Seewölfe, hier ein Gestreifter Seewolf und ein eher aalförmiger Pazifischer Seewolf, dazwischen das Skelett eines Trompetenfisches:

Seewolf-Skelette

Besonders eindrucksvoll fand ich das Skelett eines Seeteufels. Hier kann man sehr gut die einzelnen Strukturen erkennen, die es diesen Tieren ermöglichen im Bruchteil einer Sekunde ihr Maul aufzureißen, und dabei einen starken Sog zu erzeugen, der dann ihre Beute regelrecht einsaugt. Sehr schön sieht man auch die mehrfachen Zahnreihen, sowie die auf verschiedene isolierte Knochen verteilten Zahnfelder.

Seeteufel-Skelett

Ebenfalls sehr interessant ist das Skelett des Mondisches. Diese Tiere gehören zu den ungewöhnlichsten Fischen überhaupt, und zeichnen sich durch eine ganze Reihe anatomischer Sondermerkmale aus, etwa die massive Zurückbildung der Schwanzflosse. Wenn man sie betrachtet, würde man auf den ersten Blick auch kaum denken, dass ihre nächsten Verwandten die Kugelfische sind, denen sie während ihres Larvenstadiums aber noch weitaus mehr ähneln. Sehr eindrucksvoll ist auch die Größe, die einige Mondfische erreichen können, denn tatsächlich handelt es sich um die größten Knochenfische der Welt.

Hier ist mal ein direkter Vergleich eines Mondfisches (möglicherweise ein Modell oder Abguss) mit einem Skelett:

Mondfisch-Skelett

Gefälschte Monster

Samstag, Juli 7th, 2007

Seit jeher findet der Mensch Gefallen am Kuriosen und Absonderlichen, und in den vorigen Jahrhunderten war es teilweise groß in Mode, sogenannte Wunderkammern einzurichten, in denen allerlei zoologische und auch teilweise anthropologische Schaustücke zusammengetragen wurden. Das große Interesse and ausgefallenen Objekten und Tieren brachte schon vor vielen Jahrhunderten findige Menschen dazu “Monster” aus normalen Tieren herzustellen. Mit am berühmtesten davon sind die Seejungfrauen, welche aus dem Oberkörper eines zurecht gerichteten Affen und dem Körper eines großesn Fisches hergestellt wurden. Ebenfalls sehr populär war es, aus Rochen Ungeheuer zu basteln, da dies auch besondern einfach geht. Da Rochen Knorpelfische sind, läßt sich ihr Körper auch recht leicht bearbeiten, und anschließend trocknen, ohne dass man allzu große Arbeitsspuren sieht. Auch das ohnehin schon ungewöhnliche Aussehen der Rochen bietet hierfür reichlich Anreize zum Experimentieren. Die Unterseite der Rochen ist, zumindest bei den bodenbewohnenden Arten, stark abgeplatte, und das recht kleine Maul liegt stark unterständig, ebenfalls wie die darüber liegenden Nasenlöcher, so dass das ganze fast ein bißchen wie ein schlecht aufgelegter Smiley aussieht. Vor einiger Zeit ging ja auch der Fang eines angeblichen Aliens durch russische Fischer groß durch die Presse. Abgesehen davon dass die zu den gezeigten Videoaufnahmen erfundene Geschichte nur frei erfunden war, und auf einem Youtube-Video basierte, war auch das seltsame Wesen im Prinzip ganz einfach als ein Rochen zu identifizieren, von dem nur die Unterseite gezeigt wurde. Das hat aber vielen Medien, nicht zuletzt die Bild-Zeitung, nicht davon abgehalten mal wieder eine große Story aus der Sache zu machen, und mal wieder zu behaupten, es handele sich um ein nicht identifizierbares Monster. 

Durch entsprechendes Zurechtstutzen und Montieren des Rochenkörpers läßt sich so auf recht einfache Weise ein groteskes Fabelwesen mit “Gesicht” herstellen. Ebenfalls sehr beliebt war es, den Kopf des Rochen von dem flach auslaufenden umliegenden Weichgewebe zu befreien, so dass sie aussahen, wie kleine geflügelte Drachen. Selbst heute noch fallen viele Leute auf solche Dinger herein, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass man Bilder davon immer noch auf manchen Internet-Seiten und in Boulevard-Blättern findet. Einmal wurde ein solcher bearbeiteter getrockneter Rochen sogar groß als Chupacabra präsentiert…

Hier sieht man ein solches “Mini-Rochenmonster” mit kleinen Glasaugen in den Nasenlöchern, das in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien ausgestellt ist. Selbstverständlich wurde hier einwandfrei darauf hingewiesen dass es sich nur um eine Fälschung handelt. Dieses Modell ist möglicherweise schon 400 Jahre alt, und wurde erst jüngst im Archiv des Naturkundesmusems gefunden. Weitere Informationen und Photos gibt es auch hier: http://www.nhm-wien.ac.at/Content.Node/wissenswertes/basilisken.html

Mini-Rochenmonster

Ein etwas ungewöhnlicheres Monster dass aus der Haut eines Rochen zurechtgebastelt wurde, sieht man hier:

Rochenhaut-Monster

Rechts darüber sieht man übrigens noch ein kleines, möglicherweise aus einem Hai gebasteltes Monster.

Kann ein Aal zu einem Monster wachsen?

Donnerstag, Mai 24th, 2007

In der kryptozoologischen Literatur findet man eine ganze Reihe von teils sehr verschiedenen Untieren, welche die Seen Großbritanniens, insbesondere von Irland bevölkern sollen. Einige sollen wie Drachen ausgesehen haben, andere wie Schlangen oder sogar säugerähnlich gewesen sein. Einige von ihnen wurden auch als riesige Aale beschrieben. Vor einiger Zeit kam auch die Hypothese in Umlauf, dass solche Kreaturen, insbesondere das Monster von Loch Ness, auf Aale zurück gehen sollen, die nicht zum Laichen in die Sargasso-See abwanderten, sondern in den Seen blieben, dort uralt wurden, und immer weiter wuchsen. Hört sich ja an sich ganz plausibel an, und würde auch eine ganze Reihe von Fragen beantworten, etwa warum nicht ganze Populationen von Monstern existieren müssen, oder wie sie in teils winzigen Gewässern überleben könnten.

Doch der Teufel steckt hier im Detail, denn der Urheber dieser Vermutung, wußte allem Anschein herzlich wenig über das Wachstumsverhalten von Aalen. Wie viele andere ist er dem Irrglauben aufgessesen, dass Fische ihr ganzes Leben lang immer weiter wachsen, und so theoretisch jede beliebige Länge erreichen, und so zu Monstern heranwachsen können. Nun ist es tatsächlich so dass die allermeisten Fische ab einer gewissen Größe so gut wie gar nicht mehr wachsen, meist nach Erlangen der Geschlechtsreife. Auch wenn danach das Wachstum noch anhält, ist es bei den meisten Arten so gering, dass es kaum noch ins Gewicht fällt. Andernfalls gäbe es unter vielen Fischen, insbesondere solchen die im Aquarium gehalten, und so gut über einen langen Zeitraum beobachtet werden können, enorme Größendifferenzen unter den geschlechtsreifen Tieren. Nun gibt es tatsächlich Fische, bei denen auch nach dem Erlangen der Geschlechtsreife das Wachstum noch vergleichsweise stark ist, und bei denen in der Regel die größten Exemplare tatsächlich schon ziemlich alt sind. Dank einer Studie aus den Jahren 1987 und 1988, bei der insgesamt 8612 weibliche Aale aus dem Burrishole-System in West-Irland vermessen, und ihre Wachstumsraten anhand von Gehörsteinuntersuchungen ausgewertet wurden, liegen für die Wachstumsraten von Flussaalen sehr gute Daten vor. Interessant war dass von dieser riesigen Menge Aale nur ein winzigen Bruchteil eine Länge von mehr als 62 cm hatte, nämlich nur 0,6% ´87 und 0,7% ´88. Jene übergroßen Aale zeigten auch ein anderes Wachstumsverhalten als ihre kleineren Artgenossen. Sie wuchsen nicht nur geringfügig schneller, sondern auch länger schnell. Anhand der an den Gehörsteinen feststellbaren Wachstumsraten konnten auch Diagramme angefertigt werden, die die Zuwachsraten im Verlauf der Jahre zeigen. Unter den Aalen mit einer Länge von mehr als 62 cm konnten Alter von 32-57 Jahren ermittelt werden, und bei jenen unter 62 cm Alter von 8-42 Jahren. Das schnellste Wachstum fand im ersten Lebensjahr statt, bei den kleinen Aalen hielt ein relativ schnelles Wachstum etwa 17 Jahre an, bei den großen dagegen etwa 34 Jahre. Die durchschnittliche Längenzunahme bei den normalen Aalen betrug 1,42 cm, das der großen 1,6cm pro Jahr, der Unterschied war also relativ gering. Die großen Aale übertrafen ihre Artgenossen also nicht einfach dadurch deutlich an Größe, dass sie über einen sehr langen Zeitraum wuchsen, sondern vor allem weil sie langanhaltend relativ schnell wuchsen. Die Wachstumskurven verlaufen anfangs bei beiden Variäteten in etwa gleich, bei den normalen Aalen wird die Kurve allerdings deutlich flacher, bei den großen Aalen dagegen nur relativ geringfügig, wenngleich ebenfalls stetig. Anhand der Abnahme der Steilheit der Wachstumskurve läßt sich berechnen bei welcher Länge das Wachstum so weit abgenommen hätte, dass es zu überhaupt keinem Längenzuwachs mehr kommt. Bei den normalen Aalen wäre das eine Länge von 99,9cm, bei den großen eine hypothetische Länge von 204,5cm,  bei einem Alter das irgendwo zwischen 150 und 200 Jahren liegen würde (genaue Angabe fehlt hier).

Üblicherweise werden sie aus verschiedenen Gründen gar nicht erst so groß, entweder weil sie teilweise noch in sehr hohem Alter abwandern, oder, falls dies in einem Gewässer ohne Meereszugang passiert, weil sie schlicht und einfach auch nicht unsterblich sind, und irgendwann einmal den Löffel abgeben, bevor sie so eine Länge erreichen könnten. Tatsächlich stammen die größten Aale meist aus Gewässern, in denen sie eingesetzt wurden, aber mangels fehlender Abwanderungsmöglichkeiten nicht ins Meer konnten. Die größten bestätigten Längen für Europäische Flussaale liegen bei etwa 1,5m. Man liest zwar gelegentlich auch von 2m, aber allem Anschein gibt es dafür keine Beweise, weshalb es sich hier auch um Anglerlatein handeln kann. Warum diese Unterschiede im Wachstumsverhalten überhaupt aufkommen, ist nicht ganz klar, vielleicht hängt es mit einer unterschiedlichen Ernährungsweise zusammen, die bei den großen Aalen vor allem aus Fisch besteht, möglicherweise hat es auch genetische Hintergründe.

Dass es sich hier um Aale aus einem irischen Gewässer (das obendrein einen sehr guten Fischbestand aufweist und nicht wie viele andere überfischt wurde), ist besonders praktisch, wenn man Vergleiche mit angeblichen Riesenaalen in irischen Seen machen möchte.

Das Wachstum dieser Tiere hat natürlich noch ein paar andere wichtige Komponenten, etwa die Verfügbarkeit und Menge der Nahrung, sowie die Wassertemperatur. Ein Aal der bei einer optimalen Temperatur (diese liegt beim Aal bei 26°C) und optimaler Nahrungsversorgung aufwächst, überdurchschnittlich gute genetische Anlagen besitzt und nicht ins Meer abwandern kann, wäre sicher in der Lage ein noch stärkeres Wachstum als die “großen” Aale zu zeigen, und auch eine etwas größere Länge zu erreichen. Aber auch die würde in Anbetracht der limitierten Lebensjahre wohl kaum die 2m erreichen.

In Anbetracht dieser Fakten kann die Hypothese, dass Aale, welche nicht abwandern und in Gewässern bleiben, zu Monstern heranwachsen können, guten Gewissens zu den Akten gelegt werden. Selbst wenn ein Aal Jahrzehnte lang und obendrein noch ungewöhnlich schnell wachsen würde, wäre er selbst nach 100 Jahren weit davon entfernt, auch nur annährend echte Monster-Maße erreichen. Bedenkt man dass beispielsweise im Loch Ness mit einer maximalen Wassertemperatur von 6-7°C auch noch alles andere als optimale Bedingungen für das Abwachsen von Aalen herrschen, verliert die “Nessie-ist-ein-uralter-Riesenaal”-Hypothese gänzlich an Glaubwürdigkeit. Dass dies auch für eine Reihe von anderen Fischen zutrifft, soll später auch irgendwann noch bearbeitet werden.

Quellen:

VARIABILITY IN GROWTH RATE IN. EUROPEAN EEL ANGUILLA ANGUILLA. (L.) IN A WESTERN IRISH CATCHMENT. W. Russell Poole and Julian D. Reynolds.
                                                                                                                                             

H. Kuhlmann: Der Einfluß von Temperatur, Futter, Größe und Herkunft auf die sexuelle Differenzierung von Glasaalen(Anguilla anguilla)