Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Fische’ Category

Fossile Riesenfische Teil 2: Riesenlungenfische

Montag, März 11th, 2013

Im letzten Beitrag über den Riesenflösselhecht Bawitius wurde bereits vielfach eine andere Unterklasse der Fische erwähnt, die Lungenfische. Es gibt drei rezente Arten von Lungenfischen, welche drei verschiedenen Familien angehören. Die meisten Arten, nämlich insgesamt vier der Familie Protopteridae, kommen auf dem afrikanischen Kontinent vor, mit Lepidosiren paradoxa eine in Südamerika, und eine weitere in Australien, der Australische Lungenfisch Neoceratodus forsteri. In vieler Hinsicht ist der Australische Lungenfisch der ursprünglichste unter ihnen, und ähnelt noch am stärksten den ältesten Formen, aus deren Verwandtschaftskreis auch die Landwirbeltiere hervorgingen. Lungenfische können teilweise recht groß werden, der Äthiopische oder Marmorierte Lungenfisch (Protopterus aethiopicus) soll  bis zu zwei Meter lang werden, wobei die größten Exemplare von denen ich Photos finden konnte, eher im Bereich von etwa 1,5 m lagen. Der deutlich stämmiger gebaute Australische Lungenfisch erreicht ausnahmsweise Längen von etwa 1,5 m, und bis zu etwa 43 kg, bleibt aber meistens kleiner. Wie so oft kursieren sehr obskure (und falsche) Angaben über Längen und Gewichte, wie etwa eine Maximallänge von 1,75 m bei 10 kg Gewicht bei der deutschen Wikipedia-Seite. Wie ein so kompakter Fisch bei der Länge eines erwachsenen Menschen nur 10 kg wiegen soll, hat sich allem Anschein nach niemand gefragt. Ich habe daher einmal nach einem besseren Vergleich gesucht, und die durchschnittlichen Maße von Australischen Lungenfischen im Burnett-Fluss herangezogen, welche bei 906 ± 199 mm Länge und 7573 ± 4563 g Gewicht lagen (Brooks & Kind 2002).

Aber einmal unabhängig von der tatsächlichen Maximalgröße lebender Lungenfische, erscheinen doch selbst diese recht groß werdenden Fische wie Zwerge, wenn man sie mit ihren fossilen Verwandten vergleicht. Im gleichen Ökosystem in dem einst auch Bawitius vorkam, lebten auch gigantische Lungenfische der Art Retodus tuberculatus. Diese erreichten Längen von etwa 3,5 m, also in etwa so viel wie ein größeres modernes Krokodil. Allerdings lebten in eben jenem Gebiet noch ein erheblich größeres Krokodil, nämlich Sarcosuchus imperator, sowie Spinosaurus, weshalb man stark davon ausgehen kann, dass selbst dieser Riesenfisch zur Beute von noch größeren Raubtieren gehörte. Dabei sind Lungenfische selbst Räuber, die sich von Fischen, Amphibien, Würmern, Insektenlarven sowie hartschaligen Weichtieren wie Krebstieren, Muscheln und Schnecken ernähren. Teilweise werden auch Pflanzen gefressen, allerdings scheinen diese zumindest teilweise unbeabsichtigt beim Verschlingen von Beutetieren mitgefressen zu werden. Höchstwahrscheinlich wird die Nahrung der Riesenlungenfische eher auf größere Beutetiere ausgerichtet gewesen sein, und vor allem die riesigen massiven Zahnplatten (auf welche weiter unten noch mal genauer eingegangen wird), deuten auf eine gewissen Spezialisierung auf hartschalige Nahrung hin. Aber welche hartschalige Beute wird wohl ein dreieinhalb Meter großer Lungenfisch gefressen haben? Höchstwahrscheinlich nicht nur kleine Muscheln, Schnecken oder Krebstiere. Vermutlich standen dafür Schildkröten häufiger auf dem Speiseplan, und besonders kleinere Exemplare dürften für die Kiefer kein Problem dargestellt haben. Wasserschildkröten können in aquatischen Ökosystemen teilweise erstaunlich große Biomassen bilden, weshalb es auch nicht allzu abwegig erscheint, dass sie einen wichtigen Nahrungsbestandteil gewisser großer Räuber ausmachen können. Auch unter manchen Arten von modernen Crocodiliern spielen zumindest lokal Schildkröten eine wichtige Rolle bei der Ernährung. In Anbetracht der Tatsache dass Lungfische allgemein recht aggressive Räuber sind, kann man auch gut davon ausgehen, dass sie auch alle möglichen anderen Wirbeltiere in ihren Speiseplan aufnahmen wenn sich die Gelegenheit bot, seien es im Wasser schwimmenden Reptilien, Vögel oder sogar kleine Dinosaurier.

Hier eine sehr schöne Darstellung von Retodus tuberculatus von Joschua Knüppe:

Retodus tuberculatus 3,5 m

Ein Lungenfisch von dreineinhalb Meter ist schon ziemlich riesig, aber es gab sogar noch größere. Erst kürzlich, nämlich im Jahr 2011, wurde ein riesiger Ceratodus-Zahn aus Nebraska beschrieben. Dieser Unterkieferzahn war 117 mm lang, und damit 17 mm länger als der größte Retodus tuberculatus-Zahn aus Afrika. Ich habe Joschus Darstellung noch einmal etwas abgewandelt und leicht vergrößert, um auch eine Darstellung dieser Art zu zeigen:

Ceratodus sp. 4 m, Nebraska

Von diesem Riesenlungenfisch kennt man leider nicht mehr als eine der riesigen Zahnplatten, daher ist natürlich nicht völlig sicher wie sie tatsächlich zu Lebzeiten ausgesehen haben. Allerdings sind die Zahnplatten denen moderner Australischer Lungenfische extrem ähnlich, welche zudem in ihrer Körperform anderen besser bekannten archaischen Arten immer noch so ähnlich sind, dass es sicher nicht zu weit gegriffen ist, sie als direkte Referenz zu verwenden. Wie extrem groß diese Riesenlungenfische wie Retodus tuberculatus und die noch größere Art aus Nordamerika waren, zeigt sich auch wenn man ihr Gewicht betrachtet. Ausgehend von den zu Anfang erwähnten Durchschnittsgewichten moderner Australischer Lungenfische komme ich für ersteren auf ein Gewicht von etwa 437 kg, was weitaus schwerer als fast alle heutigen Süßwasserfische ist, und lediglich noch von einigen anadromen Stören übertroffen wird, die aber einen großen Teil ihres Lebens im Meer verbringen. Für den Riesenlungenfisch aus Nebraska komme ich bei 4 m Länge sogar auf ein Gewicht von 652 kg. Das ist mehr als viermal so schwer wie die größten dokumentierten Europäische Welse, etwa dreimal so viel wie die schwersten südamerikanischen Piraibas und mehr als doppel so schwer wie die größten Mekong-Riesenwelse. Da bisher nur so extrem wenig Fossilien bekannt sind, muss man natürlich auch davon ausgehen dass einzelne Exemplare der Riesenlungenfische auch noch größer geworden sind. Dabei ist es schon erstaunlich, dass ein Süßwasser-Ökosystem die Entwicklung dermaßen gewaltiger Fische ermöglichte. Heutzutage schaffen es lediglich noch Krokodile in einer ähnlichen ökologischen Nische so groß zu werden.

Hier ist zum Vergleich noch einmal ein Photo von einem modernen Australischen Lungenfisch (von Wikipedia):

Australischer Lungenfisch

Die Körperform erinnert sehr stark an einen im Wasser lebenden Schwanzlurch wie einen Axolotl oder eine Molchlarve, und ganz ähnlich wie diese bewegen sie sich unterwasser. Im Gegensatz zu den anderen Lungenfisch sind Australische Lungenfische nichrt in der Lage im Schlamm einen Schleimkokon zu bilden, in dem sie in Trockenstarre “übersommern” können. Sie sind in Trockenzeiten zwar in der Lage in extrem sauerstoffarmen Wasserlöchern atmosphärische Luft zu atmen, aber wenn das letzte Wasser verschwindet, gehen auch sie zugrunde.

Fossilien von sehr großen Lungenfischen kennt man übrigens auch aus Europa. Hier sieht man beispielsweise ein Schädelfragment von Ptychoceratodus im Urweltmuseum Waldenburg. Ich habe als Größenvergleich meine Hand mitphotographiert, wobei diese neben dem Fossil aufgrund der Glasscheibe allerdings proportional etwas größer dargestellt ist, als sie es tatsächlich gewesen ist.

Ptychoceratodus war nun nicht unbedingt ein echter Gigant, aber zumindest für einen Süßwasserfisch recht groß. Auf dem nächsten Photo sieht man noch einmal die paarigen Zahnplatten von Ptychoceratodus, welche denen von Australischen Lungenfischen sowie den vorgestellten Riesenformen aus Ägypten und Nebraska sehr ähnlich sehen:

 

Quellen:

Shimada and Kirkland (2011). A Mysterious King-Sized Mesozoic Lungfish from North America. Transactions of the Kansas Academy of Science, 114(2):135-141. 2011. Published By: Kansas Academy of Science

Brooks, S.G. & P.K. Kind (2002). Ecology and demography of the Queensland lungfish (Neoceratodus forsteri) in the Burnett River, Queensland with reference to the impacts of Walla Weir and future water infrastructure development. Queensland Department of Primary Industries. Queensland, Queensland Agency for Food and Fibre Service

 

 

Fossile Riesenfische Teil 1: Der Riesenflösselhecht Bawitius

Montag, März 4th, 2013

Die letzten Beiträge haben ja praktisch ausnahmslos von Meeressäugern gehandelt, und um etwas Abwechslung in den Blog zu bringen, gibt es nun eine neue Reihe. Diese soll sich um einige – leider völlig zu Unrecht – beinahe unbekannte fossile Riesenfische drehen. Aus irgendeinem Grund bekommen fossile Fische so gut wie keine Aufmerktsamkeit, abgesehen von ein paar ganz wenigen Arten wie Megalodon, Dunkleosteus und vielleicht noch Xiphactinus. Dabei gab es so viele spektakuläre Arten von riesigen und bizarren Fischen, die allemal mit Dinosauriern und anderen bekannteren prähistorischen Arten mithalten können.

Häufig ist es ziemlich schwierig überhaupt genügend Informationen oder auch vor allem Bildmaterial zu diesen Fischen zu bekommen, aber glücklicherweise habe ich doch noch einiges zusammengekriegt. Nicht selten findet man auch in paläontologischen Museen die partiellen Fossilien von Riesenfischen, wenngleich diese nur in den seltensten Fällen viel Aufmerksamkeit bekommen. Ein Grund mehr diesen faszinierenden Tieren etwas mehr Beachtung zu schenken, zumindest hier auf dem Blog.

Den Einstieg in die Reihe  macht eine ganz besonders obskure Art, der Riesenflösselhecht Bawitius, den man in der oberkreidezeitlichen Bahariya-Formation Ägyptens fand. Diese Art bewohnte ein Süßwasserökosystem in dem nicht nur verschiedene andere extrem große Süßwasserfische lebten, sondern auch bizarre Krokodile wie das planktivore Riesenkrokodil Stomatosuchus oder der riesige fischfressende Spinosaurus. Leider habe ich nur sehr wenige Informationen über Bawitius, aber dank Joschua Knüppe (dessen DeviantArt-Seite ich wirklich nur sehr empfehlen kann) habe ich eine sehr schöne Lebendrekonstruktion, vermutlich sogar die erste überhaupt. Vielen Dank an dieser Stelle an Joschua, der kurzfristig noch das Bild angefertigt hat.

Bawitius von Joschua Knöppe

Bawitius war ein sehr großer Fisch, wobei die bekannten Fossilien des Holotypus etwa fünfmal so groß waren, wie von modernen Flösselhechten, was darauf hindeutet dass sie deutlich über zwei Meter groß werden konnten, möglicherweise sogar bis um die drei Meter. Damit erreichte er ähnliche Ausmaße wie der Arapaima (der ja entgegen immerwieder fälschlicherweise vorgebrachten Behauptungen keine 4,5 m lang wird, sondern “nur” Rekordlängen von  etwa 3 m), und war sicherlich auch einer der wichtigsten Unterwasserräuber in seinem Lebensraum. Dennoch ist es ziemlich wahrscheinlich dass selbst ein Gigant wie Bawitius noch von anderen Räubern wie Spinosaurus und vermutlich auch großen Krokodilen wie Sarcosuchus gejagt wurde, möglicherweise war die Existenz einer diversen Fauna von extrem großen Süßwasserfischen überhaupt erst der Grund warum sich diese Apexprädatoren überhaupt entwickeln konnten. Aufgrund bestimmter Merkmale seiner Schuppen und Flossen wurde Bawitius übrigens eine eigene Gattung innerhalb der Flösselhechte verliehen.

Die Flösselhechte sind heute noch mit mehreren Arten auf dem afrikanischen Kontinent verbreitet, allerdings kommen sie mit Längen zwischen 30 cm und einem Meter nicht einmal mehr annäherungsweise an die Größe von Bawitius heran. Dennoch sind es ausgesprochen faszinierende Fische, die eine ganze Reihe höchst ungewöhnlicher und ursprünglicher Merkmale aufweisen. So können Flösselhechte ähnlich wie Lungenfische mit ihrer paarigen Lunge atmosphärische Luft atmen, und dadurch auch in stark sauerstoffarmen Wasser überleben. Ebenfalls an Lungenfische, vor allem die Australischen Lungenfische, erinnern die Brustflossen, welche fleischige muskulöse Basen aufweisen, beinahe wie kurze Stummelbeine. Ganz ähnlich wie Lungenfische benutzen sie diese auch um auf dem Gewässergrund oder zwischen Wasserpflanzen zu “laufen”. Gelegentlich bekommt man Flösselhechte im Zoohandel oder natürlich auch in Zoos zu sehen, und es ist wirklich sehr interessant sie eine Zeitlang zu beobachten. Ich kann mich nie ganz des Eindrucks verwehren, kleine Miniquastenflosser vor mir zu haben. Hier sieht man ein Photo von Polypterus endlicheri endlicheri von Wikipedia:

Polypterus endlicheri endlicheri

Auf dem nächsten Photo von Polypterus weeksii (ebenfalls von Wikipedia), kann man nicht nur sehr gut die fleischigen Ansätze der Brustflossen erkennen, sondern auch die besondere Anordnung der Schuppen. Diese laufen rautenförmig in schräger Anordnung um den Leib, ähnlich wie bei Knochenhechten. Wie diese besitzen auch Flösselhechte Ganoidschuppen, welche von einer zahnschmelzartigen Schicht überzogen sind, und eine sehr starke, aber durch die besondere Anordnung der Schuppen auch noch recht flexible Panzerung bilden. Ganoidschuppen finden sich auch bei vielen anderen fossilien Fischen, aber nur bei sehr wenigen lebenden Arten, welche allesamt sehr primitven Linien entstammen, wie etwa dem amerikanischen Schlammfisch Amia calva.

Polypterus weeksii

Man darf übrigens aufgrund der muskulösen Brustflossen nicht den Fehlschluss ziehen, diese wäre das namensgebenden Merkmal. Vielmehr sind die multiplen “Flössel” auf dem Rücken  hierfür verantwortlich, welche jeweils aus einem Hauptflossenstrahl und dessen feinen Verästelungen gebildet werden. Damit sind die Besonderheiten der Anatomie der Flösselhechte aber immer noch lange nicht erschöpft. So entspricht ihre assymetrische Schwanzflösse im Aufbau jener von anderen arachischen Fischen wie Knochenhechten, Schlammfischen und verschiedenen ausgestorbenen Linien, und nicht jener der modernen Knochenfische. Hier noch einmal ein Bild von Wikipedia, auf der man gut die ungewöhnliche Anordnung der Schwanzflossenstrahlen sowie der Rückenflössel sieht.

Sehr ungewöhnlich sind auch die äußeren Kiemen der Jungfische, welche ganz ähnlich wie die Kiemen von Molchlarven, oder auch verschiedenen neotenen Amphibienarten wie Axolotln oder Grottenolmen gebaut sind. Interessanterweise finden sich auch hier wieder Ähnlichkeiten zu Lungenfischen, denn auch diese besitzen als Larven und Jungfische gefiederte äußere Kiemen. Zur besseren Darstellung  hier noch mal ein Photo eines Jungfisches mit äußeren Kiemen (von Wikipedia):

Flösselhecht mit äußeren Kiemen

Neben den schon beschriebenen Merkmalen ähneln die Flösselhecht auch im Aufbau ihres Schädels eher primitiven Tetrapoden als modernen Knochenfischen. Man muss also keineswegs mit einem U-Boot in die Tiefen der Komoren oder vor Sulawesi tauchen um einen Quastenflosser zu sehen, wenn man einen extrem archaischen, andererseits aber auch hochspezialisierten “Urfisch” sehen möchte. Unter Umständen reicht ein Besuch im nächsten Zoogeschäft.

 

Quelle:

Bawitius, gen. nov., a Giant Polypterid (Osteichthyes, Actinopterygii) from the Upper Cretaceous Bahariya Formation of Egypt
no access

Barbara S. Grandstaff,*,1 Joshua B. Smith,2 Matthew C. Lamanna,3 Kenneth J. Lacovara,4 and Medhat Said Abdel-Ghani

Bild des Tages: Waben-Schilderwels

Sonntag, März 18th, 2012

Heute gibt es ein Photo eines Waben-Schilderwelses (Pterygoplichthys gibbiceps) aus dem Zoo in Esslingen:

 

Diese Welse finden sich relativ häufig im Aquarienhandel, wo sie in der Regel für wenig Geld als Jungtiere verkauft werden. Allerdings wachsen sie ziemlich schnell, und sind in der Regel schon bald viel zu groß für die meisten Heimaquarien, da diese Art Längen von 40-50 cm erreichen kann. Wer also einen solchen Fisch irgendwo zu kaufen sieht, und nicht gerade über ein wirklich großes Becken verfügt, sollte unbedingt darauf verzichten sich diese Art zuzulegen, und stattdessen lieber eine der vielen kleiner bleibenden Harnischwelse nehmen. Übrigens wird selbst der Waben-Schilderwels von einigen anderen Harnischwelsen noch deutlich an Größe und Masse übertroffen, wobei diese erheblich seltener in den Handel gelangen als sie sehr häufig zu findenden Waben-Schilderwelse.

Bild des Tages: Quastenflosser im Zoologischen Museum Kopenhagen

Montag, November 8th, 2010

Nachdem ich gestern das Photo eines Baby-Quastenflosser gepostet habe, ist mir spontan die Idee gekommen, eine Miniserie über Quastenflosser zu machen. Ich hatte ja bereits früher schon mal ein paar Bilder des Quastenflossers im Naturhistorischen Museums in Wien gezeigt (http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/bilder-des-tages-der-quastenflosser/), und wollte nun auch noch ein paar Photos des Exemplares zeigen, dass ich im Zoologischen Museum in Kopenhagen photographiert habe. Dieses Museum ist wirklich eines der besten und schönsten Naturkunde-Museen das ich kenne, und ich kan jedem der sich für so etwas interessiert, nur absolut raten es einmal zu besuchen wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Wie man auf dem Photo sieht, fehlt diesem Exemplar die kleine “Flössel” am Ende der eigentlichen Schwanzflosse.

Hier ein Detail des Kopfes:

Und noch mal ein paar Details der Fleischflossen:

Bild des Tages: Baby-Quastenflosser

Sonntag, November 7th, 2010

Ich war ja leider die letzten Wochen ziemlich inaktiv und habe schon ziemlich lange nichts mehr neues geschrieben. Ich möchte daher versuchen in nächster Zeit mal wieder etwas öfter zu bloggen. Da ich in aller Regel versuche hier Dinge zu zeigen, die man nicht in gleicher oder ähnlicher Form auch auf vielen anderen Seiten im Internet finden kann, habe ich auch heute mal wieder in meinem Photoarchiv gesucht, um etwas möglichst interessantes zu finden. Heute habe ich mich entschieden ein Photo eines Baby-Quastenflossers (Latimeria chalumnae) zu posten. Das Modell (wahrscheinlich ein Abguss eines Originals) befindet sich im Zoologischen Museum in Hamburg.

Man sieht auf dem Photo auch gut den Dottersack des Jungtieres. Quastenflosser sind ja wie allseits bekannt in beinahe jeder Hinsicht ziemlich ungewöhnlich, und da macht auch ihre Fortpflanzung keinen Unterschied. Im Körper der weiblichen Quastenflosser reifen zwei bis vier Dutzend Eier heran, aus denen die Jungtiere noch im Mutterleib schlüpfen, sprich Quastenflosser sind ovovivipar. Die Eier sind extrem groß, mit einem Durchmesser von etwa 9 cm und einem Gewicht von ca. 300 g. Das macht sie, wenn man mal die Eier der Walhaie (über deren Gewicht ich leider nichts herausfinden konnte) nicht mitzählt, zu den größten Eiern aller lebenden Fische.

“Süßwasser-Schiffshalter”

Freitag, August 21st, 2009

Schiffshalter sind sicher den meisten bekannt. Diese kleinen bis mittelgroßen Fische halten sich mit Hilfe eines sehr komplexen Organes das sich aus einer ihrer Rückenflossen enwickelt hat, an größeren Wasserbewohnern wie großen Haien, Rochen oder Schildkröten fest, und lassen sich von ihnen mittragen. Dass es ein ähnliches Verhalten auch noch bei völlig anderen Fischen, und dazu obendrein noch im Süßwassser gibt, konnte ich im Berliner Tierpark sehen. Dort gibt es in der großen Halle in welcher auch die Innengehege der Elefanten untergebracht sind, ein großes Becken mit südamerikanischen Manatis. Neben diesen Seekühen (welche in voller Lebensgröße wirklich beeindruckend riesig sind) gibt es dort auch Heerscharen von Fischen, vor allem Lebendgebärende wie Guppys, Schwertträger und Platys, von denen einige auch wahrlich riesige Ausmaße habe. Interessant war auch, dass diese kleinen Fischen den langsamen Seekühen beim Schwimmen folgen, und an ihrer Haut herumfressen, beinahe wie Kühe auf einer Weide. Neben diesen immer noch recht kleinen Fischen waren auch einige recht beeindruckend große Harnischwelse von circa 40 cm Länge  mit im Becken, leider habe ich mir aber nicht den Artnamen gemerkt. Einer dieser großen Harnischwelse hatte sich dabei auf der Schwanzflosse eines Manatis festgesaugt, und ließ sich so durchs Becken chauffieren. Leider ist es extrem schwer durch die spiegelnden Scheiben Photos zu machen, zumal das Wasser recht trübe war, darum sind die Bilder die ich gemacht habe, auch nicht ganz optimal geworden:

Manati mit Wels

Da eine ganze Reihe von Harnisch-und Panzerwelsen auch in der Natur im gleichen Lebensraum mit Manatis vorkommt, frage ich mich inwieweit ein solches Verhalten auch unter natürlichen Bedingungen vorkommt. Manatis sind sehr große Tiere, genaugenommen sogar die größten Wildtiere des südamerikanischen Kontinents, außerdem fressen enorme Mengen an Wasserpflanzen. Das heißt dass sie nicht nur ihren Lebensraum dahingehend beeinflussen dass sie dem Wachstum von Wasserpflanzen Einhalt gebieten, und dadurch massiv mitgestalten, sondern auch gewaltige Mengen an Kot produziern, welcher als Nahrung für andere Tiere dient, und vor allem auch Nährstoffe für andere Pflanzen verfügbar machen. Hier noch mal ein anderes Bild:

Manati mit Wels (2)

Megapiranha paranensis- der größte Piranha aller Zeiten

Dienstag, Juli 14th, 2009

Piranha Serrasalmus natteri

Die allermeisten Fische die beim Menschen für Horror sorgen können, sind ziemlich groß, nur ganz wenige, wie etwa die Piranhas, sind an sich ziemlich klein. Allerdings wurde kürzlich eine neue Art beschrieben, die durchaus recht erhebliche Ausmaße erreichte, und alle lebenden Arten deutlich in den Schatten stellte, Megapiranha paranensis. Diese in Argentinien entdeckte Art lebte vor etwa 8-10 Millionen Jahren während des späten Miozäns, und erreichte eine Länge von etwa einem Meter. Leider sind die Reste die man von Megapiranha kennt, nur äußerst spärlich, und bestehen nur aus einem gut 10 cm langen partiellem Oberkiefer mit einigen Zähnen. Tatsächlich wurden die Überreste bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt, aber damals noch nicht weiter beachtet. Es scheint als wäre Megapiranha auch kein echter Piranha gewesen, sondern einer Seitenlinie angehört zu haben, denn die Bezahnung zeigt auch Merkmale der mit den Piranhas verwandten pflanzenfressenden Pacus. Seine Zähne nehmen eine Art Zwischenstellung ein zwischn den einreihig angeordneten Zähnen der Piranhas und der in einer Doppelreihe angeordneten Zähne der Pacus. Sie waren in zwei Reihen angeordnet, aber standen praktisch im Zickzack zueinander, jeweils so versetzt, keine zwei Zähne hintereinander angeordnet waren. Während aber die Zähne der Pacus relativ stumpf sind, und fast etwas aussehen wie die Prämolaren von Menschen, hatte Megapiranha Zähne mit scharfen, leicht gesägten Kanten. Das obere Photo stammt aus einem Aquarium der Pomologie in Reutlingen, und zeigt einen Roten Piranha (Pygocentrus, bzw Serrasalmus natteri). Auf diesem neben dem Aquarium angebrachten Schild, sieht man auch noch die Darstellung eines Piranhagebisses, leider ist die Qualität des Photos nicht besonders gut geworden:

Piranha Gebiss

Es wäre jetzt natürlich sehr interessant zu wissen, wie Megapiranha gelebt hat. Handelte es sich um einen reinen Fleischfresser, oder vielleicht sogar um einen Omnivoren? Interessant ist hierbei auch die Tatsache, dass auch die Paccus ziemlich große Fische sind. Selbst die größten Piranhaarten erreichen nur ausnahmsweise mal Längen von mehr als 45 cm, die allermeisten bleiben aber viel kleiner. Pacus können aber durchaus einen Meter und etwa 30 kg erreichen, auch wenn das ebenfalls schon sehr ungewöhnliche Maße sind. Der Schwarze Pacu (Colossoma macropomum) ernährt sich nur in seiner Jugend von Tieren, vor allem verschiedenen Invertebraten, später entwickelt er sich zu einem hochspezialisiertem Früchte-und Nussfresser. Dieses Photo aus dem Aquarium des Zoologischen Gartens Berlin zeigt zwei recht großen Pacus, leider ist aber auch dieses Photo nicht gerade überragend geworden. Im Hintergrund sieht man noch einen Rotflossen-Antennenwels:

Pacu Colossoma macropomum

Näheres findet man hier:

Alberto Luis Cione,1 Wasila M. Dahdul John G. Lundberg and Antonio Machado-Allison

 Megapiranha paranensis, a New Genus and Species of Serrasalmidae (Characiformes, Teleostei) from the Upper Miocene of Argentina

Journal of Vertebrate Paleontology 29(2):350-358. 2009

Röhrenaale – die vielleicht immobilsten Wirbeltiere der Welt

Dienstag, Juni 16th, 2009

Was sind Röhrenaale? Nun, der Name verrät ja schon etwas, Aale die in Röhren leben. Neben dieser wenig informativen Beschreibung möchte ich noch etwas näher ins Detail gehen, denn Röhrenaale sind wirklich etwas besonderes. Das allererste Mal habe ich über diese Tiere in einem Buch des berühmten Tauchpioniers Hans Hass gelesen, der diese Tiere in den 50 iger Jahren auch entdeckte. Selbst die ansäßigen Fischer hatte diese seltsamen Fische noch nie gesehen, und zu Ehren von Hans Hass wurde diese erste Art Heteroconger hassi genannt. Diese ausgesprochen hübschen Fische, welche den treffenden Trivialnamen Ohrfleckröhrenaale inne haben, kann man im Aquarium des Berliner Zoologischen Gartens bewundern:

ohrfleck-rohrenaal-heteroconger-hassi

Inzwischen kennt man noch 34 weitere Arten, die teilweise auch einer anderen Gattung zugeordnet werden konnten, etwa der ebenfalls sehr dekorativ gefärbten Prachtröhrenaal Gorgasia pleclara, welcher auch in Berlin zu sehen ist:

prachtrohrenaal-gorgasia-preclara

Was ist nun so besonders an den Röhrenaalen? Dass aalartige Fische sich gerne in verschiedensten Verstecken verbergen, und dabei teilweise auch regelrechte Stammplätze besetzen, ist durchaus nichts Ungewöhnliches. Aber die Röhrenaale treiben dies definitiv auf die Spitze, denn sie bewegen sich überhaupt nicht mehr vom Fleck, wenn sie erst mal ein passendes “Grundstück” gefunden haben. Diese Bezeichnung ist in diesem Fall durchaus nicht unzutreffend, denn Röhrenaale leben üblicherweise auf weiten ebenen Sandflächen in Kolonien, die mehrere tausend Individuen umfassen können. Sie graben sich mit der spitzen Schwanzspitze voran in den lockeren Sand ein, und schnappen nach vorbeikommenden Kleinlebewesen, ohne dabei aber ihre Wohnhöhle auch nur einen einzigen Zentimeter zu verlassen. Mit Hilfe von Hautdrüsen am Schwanzende sondern sie auch große Mengen von einem Sekret ab, das die Wänder der Röhren stabilisiert. Während der Nahrungsaufnahme bewegen sie sich durchaus, teilweise sogar sehr aktiv, um Kleinstlebewesen zu packen, aber nie rühren sie sich vom Fleck. Über die Paarung gibt es widersprüchliche Angaben, teils heißt es dass selbst diese nur zwischen benachbarten Tieren stattfindet, teils heißt es, dass die Männchen zu den Weibchen schwimmen. In Anbetracht der mindestens 35 Arten wäre es aber auch gut möglich, dass beider Fortpflanzungsmethoden existieren.

Bild des Tages: Karpfen-Kadaver

Freitag, Juni 5th, 2009

 So, ich denke mal das waren für´s Erste genug Fischknochen, darum heute die letzten Bilder aus der Reihe. Vor ein paar Wochen sah ich diesen Kadaver eines ziemlich großen Karpfens.

Toter Spiegelkarpfen

Zu Lebzeiten muss er mindestens 10 kg gewogen haben, vielleicht sogar noch etwas mehr. Das Ungewöhnliche daran war aber weniger die Größe, sondern viel mehr der Ort, an dem er gelegen hat, nämlich auf dem Ausstellungsgelände für Garagen einer Baufirma. Wie er dort hingekommen ist, läßt sich allerdings recht einfach erraten, wenn man weiß, dass er direkt neben einem Fuchsbau lag. Dieser Fuchsbau war direkt unter einer der ausgestellten Fertiggaragen, und wurde freigelegt, als diese mit dem Kran hochgehoben wurde. Das geschah mitten am Tag, und darunter waren mehrere kleine Füchse, aber das ist eine andere Geschichte. Wie man sieht ist der Kadaver auch am Bauch-und Schanzbereich angefressen, höchstwahrscheinlich von den Füchsen. Die Mutter muss den Kadaver von einem der in ein paar hundert Meter Entfernung gelegenen Baggerseen hergeschleppt haben, was in Anbetracht der Größe des Karpfens durchaus eine ziemliche Leistung ist. Wie man anhand der größtenteils nackten Haut mit den wenigen großen Schuppen erkennen kann, handelte es sich um einen Spiegelkarpfen, eine der drei (man unterscheidet primär mal nach Schuppen-, Spiegel- und Lederkarpfen, aber es gibt natürlich noch feinere Unterscheidungen) verbreiteten Zuchtrassen des Wildkarpfens. An was der Karpfen gestorben ist, ob er eines mehr oder minder natürlichen Todes starb, oder vielleicht von einem Angler gefangen, und dann außerhalb des Wassers liegen gelassen wurde, kann ich nicht sagen, sicherlich aber hat ihn nicht der Fuchs gefangen. Auf dem nächsten Photo sieht man sehr gut den ziemlich großen ersten Flossenstrahl der Rückenflosse, die eine deutliche Sägestruktur auf der Hinterseite aufweist. Ich glaube man macht sich in der Regel auch nicht so recht bewußt, dass auch Fische ziemlich große und massive einzelne Knochen aufweisen können.

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 Bei Kadavern in der freien Natur wird in der Regel als erstes der Kopf skelettiert, teilweise innerhalb kürzester Zeit, lange bevor der Rest des Kürpers äußerliche Beschädigungen aufweist. Besonders bei Fischen, die ja ohnehin nur sehr wenig Weichgewebe über ihren Schädelknochen haben, kann das sehr schnell gehen. Hier sind die einzelnen Knochen noch nicht vollständig frei gelegt, aber man bekommt schon mal einen Ahnung wie der Schädel aufgebaut ist. Die Verwesungsprozesse von Kadavern zu dokumentieren ist zwar nicht immer besonders appetitlich, aber es kann durchaus interessant sein, und auch wichtige Vergleichsdaten geben, wenn es um die Identifizierung von Kadavern unbekannten Ursprunges geht.

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Bild des Tages: Plattfisch-Skelette

Donnerstag, Juni 4th, 2009

Plattfische gehören zu den allermerkwürdigsten Vertebraten die es überhaupt gibt, ihre Anatomie ist einfach vollkommen absonderlich. Man macht sich das auch oft nicht bewußt, da man mit einheimischen Schollen, Flundern, Seezungen und Kliesche vertraut ist, und wenn auch nur weil man sie mal im Vorbeigehen in irgend einer Fischtheke gesehen hat. Die Verlagerung der Körperachse um 90° ist schon merkwürdig, allerdings kommt dieses Verhalten zuweilen auch bei “normalen” Fischen wie etwa großen Drückerfischen oder dem auf seine Weise auch extrem bizarren Monfisch vor. Aber die komplette Anatomie, angefangen bei der Pigmentierung bis hin zur Lage der Augen auf eine um 90° gedrehte Lebensweise anzupassen, ist schon ein ziemlich massiver evolutionärer Schritt. Irgendwann muss ich näher auf Plattfische eingehen, aber heute gibt es nur wieder ein Bild des Tages, wie die vorigen auch im Archiv des Naturkunde-Museum Berlin aufgenommen:

Plattfisch-Skelette

Um was für Arten es sich hierbei genau handelt, kann ich leider nicht sagen, bei dem großen im Hintergrund könnte es sich aber durchaus um das eines Steinbuttes handeln.