Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Fische’ Category

“Süßwasser-Schiffshalter”

Freitag, August 21st, 2009

Schiffshalter sind sicher den meisten bekannt. Diese kleinen bis mittelgroßen Fische halten sich mit Hilfe eines sehr komplexen Organes das sich aus einer ihrer Rückenflossen enwickelt hat, an größeren Wasserbewohnern wie großen Haien, Rochen oder Schildkröten fest, und lassen sich von ihnen mittragen. Dass es ein ähnliches Verhalten auch noch bei völlig anderen Fischen, und dazu obendrein noch im Süßwassser gibt, konnte ich im Berliner Tierpark sehen. Dort gibt es in der großen Halle in welcher auch die Innengehege der Elefanten untergebracht sind, ein großes Becken mit südamerikanischen Manatis. Neben diesen Seekühen (welche in voller Lebensgröße wirklich beeindruckend riesig sind) gibt es dort auch Heerscharen von Fischen, vor allem Lebendgebärende wie Guppys, Schwertträger und Platys, von denen einige auch wahrlich riesige Ausmaße habe. Interessant war auch, dass diese kleinen Fischen den langsamen Seekühen beim Schwimmen folgen, und an ihrer Haut herumfressen, beinahe wie Kühe auf einer Weide. Neben diesen immer noch recht kleinen Fischen waren auch einige recht beeindruckend große Harnischwelse von circa 40 cm Länge  mit im Becken, leider habe ich mir aber nicht den Artnamen gemerkt. Einer dieser großen Harnischwelse hatte sich dabei auf der Schwanzflosse eines Manatis festgesaugt, und ließ sich so durchs Becken chauffieren. Leider ist es extrem schwer durch die spiegelnden Scheiben Photos zu machen, zumal das Wasser recht trübe war, darum sind die Bilder die ich gemacht habe, auch nicht ganz optimal geworden:

Manati mit Wels

Da eine ganze Reihe von Harnisch-und Panzerwelsen auch in der Natur im gleichen Lebensraum mit Manatis vorkommt, frage ich mich inwieweit ein solches Verhalten auch unter natürlichen Bedingungen vorkommt. Manatis sind sehr große Tiere, genaugenommen sogar die größten Wildtiere des südamerikanischen Kontinents, außerdem fressen enorme Mengen an Wasserpflanzen. Das heißt dass sie nicht nur ihren Lebensraum dahingehend beeinflussen dass sie dem Wachstum von Wasserpflanzen Einhalt gebieten, und dadurch massiv mitgestalten, sondern auch gewaltige Mengen an Kot produziern, welcher als Nahrung für andere Tiere dient, und vor allem auch Nährstoffe für andere Pflanzen verfügbar machen. Hier noch mal ein anderes Bild:

Manati mit Wels (2)

Megapiranha paranensis- der größte Piranha aller Zeiten

Dienstag, Juli 14th, 2009

Piranha Serrasalmus natteri

Die allermeisten Fische die beim Menschen für Horror sorgen können, sind ziemlich groß, nur ganz wenige, wie etwa die Piranhas, sind an sich ziemlich klein. Allerdings wurde kürzlich eine neue Art beschrieben, die durchaus recht erhebliche Ausmaße erreichte, und alle lebenden Arten deutlich in den Schatten stellte, Megapiranha paranensis. Diese in Argentinien entdeckte Art lebte vor etwa 8-10 Millionen Jahren während des späten Miozäns, und erreichte eine Länge von etwa einem Meter. Leider sind die Reste die man von Megapiranha kennt, nur äußerst spärlich, und bestehen nur aus einem gut 10 cm langen partiellem Oberkiefer mit einigen Zähnen. Tatsächlich wurden die Überreste bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt, aber damals noch nicht weiter beachtet. Es scheint als wäre Megapiranha auch kein echter Piranha gewesen, sondern einer Seitenlinie angehört zu haben, denn die Bezahnung zeigt auch Merkmale der mit den Piranhas verwandten pflanzenfressenden Pacus. Seine Zähne nehmen eine Art Zwischenstellung ein zwischn den einreihig angeordneten Zähnen der Piranhas und der in einer Doppelreihe angeordneten Zähne der Pacus. Sie waren in zwei Reihen angeordnet, aber standen praktisch im Zickzack zueinander, jeweils so versetzt, keine zwei Zähne hintereinander angeordnet waren. Während aber die Zähne der Pacus relativ stumpf sind, und fast etwas aussehen wie die Prämolaren von Menschen, hatte Megapiranha Zähne mit scharfen, leicht gesägten Kanten. Das obere Photo stammt aus einem Aquarium der Pomologie in Reutlingen, und zeigt einen Roten Piranha (Pygocentrus, bzw Serrasalmus natteri). Auf diesem neben dem Aquarium angebrachten Schild, sieht man auch noch die Darstellung eines Piranhagebisses, leider ist die Qualität des Photos nicht besonders gut geworden:

Piranha Gebiss

Es wäre jetzt natürlich sehr interessant zu wissen, wie Megapiranha gelebt hat. Handelte es sich um einen reinen Fleischfresser, oder vielleicht sogar um einen Omnivoren? Interessant ist hierbei auch die Tatsache, dass auch die Paccus ziemlich große Fische sind. Selbst die größten Piranhaarten erreichen nur ausnahmsweise mal Längen von mehr als 45 cm, die allermeisten bleiben aber viel kleiner. Pacus können aber durchaus einen Meter und etwa 30 kg erreichen, auch wenn das ebenfalls schon sehr ungewöhnliche Maße sind. Der Schwarze Pacu (Colossoma macropomum) ernährt sich nur in seiner Jugend von Tieren, vor allem verschiedenen Invertebraten, später entwickelt er sich zu einem hochspezialisiertem Früchte-und Nussfresser. Dieses Photo aus dem Aquarium des Zoologischen Gartens Berlin zeigt zwei recht großen Pacus, leider ist aber auch dieses Photo nicht gerade überragend geworden. Im Hintergrund sieht man noch einen Rotflossen-Antennenwels:

Pacu Colossoma macropomum

Näheres findet man hier:

Alberto Luis Cione,1 Wasila M. Dahdul John G. Lundberg and Antonio Machado-Allison

 Megapiranha paranensis, a New Genus and Species of Serrasalmidae (Characiformes, Teleostei) from the Upper Miocene of Argentina

Journal of Vertebrate Paleontology 29(2):350-358. 2009

Röhrenaale – die vielleicht immobilsten Wirbeltiere der Welt

Dienstag, Juni 16th, 2009

Was sind Röhrenaale? Nun, der Name verrät ja schon etwas, Aale die in Röhren leben. Neben dieser wenig informativen Beschreibung möchte ich noch etwas näher ins Detail gehen, denn Röhrenaale sind wirklich etwas besonderes. Das allererste Mal habe ich über diese Tiere in einem Buch des berühmten Tauchpioniers Hans Hass gelesen, der diese Tiere in den 50 iger Jahren auch entdeckte. Selbst die ansäßigen Fischer hatte diese seltsamen Fische noch nie gesehen, und zu Ehren von Hans Hass wurde diese erste Art Heteroconger hassi genannt. Diese ausgesprochen hübschen Fische, welche den treffenden Trivialnamen Ohrfleckröhrenaale inne haben, kann man im Aquarium des Berliner Zoologischen Gartens bewundern:

ohrfleck-rohrenaal-heteroconger-hassi

Inzwischen kennt man noch 34 weitere Arten, die teilweise auch einer anderen Gattung zugeordnet werden konnten, etwa der ebenfalls sehr dekorativ gefärbten Prachtröhrenaal Gorgasia pleclara, welcher auch in Berlin zu sehen ist:

prachtrohrenaal-gorgasia-preclara

Was ist nun so besonders an den Röhrenaalen? Dass aalartige Fische sich gerne in verschiedensten Verstecken verbergen, und dabei teilweise auch regelrechte Stammplätze besetzen, ist durchaus nichts Ungewöhnliches. Aber die Röhrenaale treiben dies definitiv auf die Spitze, denn sie bewegen sich überhaupt nicht mehr vom Fleck, wenn sie erst mal ein passendes “Grundstück” gefunden haben. Diese Bezeichnung ist in diesem Fall durchaus nicht unzutreffend, denn Röhrenaale leben üblicherweise auf weiten ebenen Sandflächen in Kolonien, die mehrere tausend Individuen umfassen können. Sie graben sich mit der spitzen Schwanzspitze voran in den lockeren Sand ein, und schnappen nach vorbeikommenden Kleinlebewesen, ohne dabei aber ihre Wohnhöhle auch nur einen einzigen Zentimeter zu verlassen. Mit Hilfe von Hautdrüsen am Schwanzende sondern sie auch große Mengen von einem Sekret ab, das die Wänder der Röhren stabilisiert. Während der Nahrungsaufnahme bewegen sie sich durchaus, teilweise sogar sehr aktiv, um Kleinstlebewesen zu packen, aber nie rühren sie sich vom Fleck. Über die Paarung gibt es widersprüchliche Angaben, teils heißt es dass selbst diese nur zwischen benachbarten Tieren stattfindet, teils heißt es, dass die Männchen zu den Weibchen schwimmen. In Anbetracht der mindestens 35 Arten wäre es aber auch gut möglich, dass beider Fortpflanzungsmethoden existieren.

Bild des Tages: Karpfen-Kadaver

Freitag, Juni 5th, 2009

 So, ich denke mal das waren für´s Erste genug Fischknochen, darum heute die letzten Bilder aus der Reihe. Vor ein paar Wochen sah ich diesen Kadaver eines ziemlich großen Karpfens.

Toter Spiegelkarpfen

Zu Lebzeiten muss er mindestens 10 kg gewogen haben, vielleicht sogar noch etwas mehr. Das Ungewöhnliche daran war aber weniger die Größe, sondern viel mehr der Ort, an dem er gelegen hat, nämlich auf dem Ausstellungsgelände für Garagen einer Baufirma. Wie er dort hingekommen ist, läßt sich allerdings recht einfach erraten, wenn man weiß, dass er direkt neben einem Fuchsbau lag. Dieser Fuchsbau war direkt unter einer der ausgestellten Fertiggaragen, und wurde freigelegt, als diese mit dem Kran hochgehoben wurde. Das geschah mitten am Tag, und darunter waren mehrere kleine Füchse, aber das ist eine andere Geschichte. Wie man sieht ist der Kadaver auch am Bauch-und Schanzbereich angefressen, höchstwahrscheinlich von den Füchsen. Die Mutter muss den Kadaver von einem der in ein paar hundert Meter Entfernung gelegenen Baggerseen hergeschleppt haben, was in Anbetracht der Größe des Karpfens durchaus eine ziemliche Leistung ist. Wie man anhand der größtenteils nackten Haut mit den wenigen großen Schuppen erkennen kann, handelte es sich um einen Spiegelkarpfen, eine der drei (man unterscheidet primär mal nach Schuppen-, Spiegel- und Lederkarpfen, aber es gibt natürlich noch feinere Unterscheidungen) verbreiteten Zuchtrassen des Wildkarpfens. An was der Karpfen gestorben ist, ob er eines mehr oder minder natürlichen Todes starb, oder vielleicht von einem Angler gefangen, und dann außerhalb des Wassers liegen gelassen wurde, kann ich nicht sagen, sicherlich aber hat ihn nicht der Fuchs gefangen. Auf dem nächsten Photo sieht man sehr gut den ziemlich großen ersten Flossenstrahl der Rückenflosse, die eine deutliche Sägestruktur auf der Hinterseite aufweist. Ich glaube man macht sich in der Regel auch nicht so recht bewußt, dass auch Fische ziemlich große und massive einzelne Knochen aufweisen können.

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 Bei Kadavern in der freien Natur wird in der Regel als erstes der Kopf skelettiert, teilweise innerhalb kürzester Zeit, lange bevor der Rest des Kürpers äußerliche Beschädigungen aufweist. Besonders bei Fischen, die ja ohnehin nur sehr wenig Weichgewebe über ihren Schädelknochen haben, kann das sehr schnell gehen. Hier sind die einzelnen Knochen noch nicht vollständig frei gelegt, aber man bekommt schon mal einen Ahnung wie der Schädel aufgebaut ist. Die Verwesungsprozesse von Kadavern zu dokumentieren ist zwar nicht immer besonders appetitlich, aber es kann durchaus interessant sein, und auch wichtige Vergleichsdaten geben, wenn es um die Identifizierung von Kadavern unbekannten Ursprunges geht.

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Bild des Tages: Plattfisch-Skelette

Donnerstag, Juni 4th, 2009

Plattfische gehören zu den allermerkwürdigsten Vertebraten die es überhaupt gibt, ihre Anatomie ist einfach vollkommen absonderlich. Man macht sich das auch oft nicht bewußt, da man mit einheimischen Schollen, Flundern, Seezungen und Kliesche vertraut ist, und wenn auch nur weil man sie mal im Vorbeigehen in irgend einer Fischtheke gesehen hat. Die Verlagerung der Körperachse um 90° ist schon merkwürdig, allerdings kommt dieses Verhalten zuweilen auch bei “normalen” Fischen wie etwa großen Drückerfischen oder dem auf seine Weise auch extrem bizarren Monfisch vor. Aber die komplette Anatomie, angefangen bei der Pigmentierung bis hin zur Lage der Augen auf eine um 90° gedrehte Lebensweise anzupassen, ist schon ein ziemlich massiver evolutionärer Schritt. Irgendwann muss ich näher auf Plattfische eingehen, aber heute gibt es nur wieder ein Bild des Tages, wie die vorigen auch im Archiv des Naturkunde-Museum Berlin aufgenommen:

Plattfisch-Skelette

Um was für Arten es sich hierbei genau handelt, kann ich leider nicht sagen, bei dem großen im Hintergrund könnte es sich aber durchaus um das eines Steinbuttes handeln.

Bild des Tages: Gotteslachs-Skelett

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Heute gibt es ein weiteres Bild in der kurzen Blogreihe “Fischskelette und -schädel”, und zwar das Skelett eines Gotteslaches, photographiert im Archiv des Berliner Museums für Naturkunde:

Gotteslachs Skelett

Trotz seines Names hat dieser Fisch mit Lachsen oder überhaupt irgendwelchen Salmoniden nichts zu tun. Der Name leitet sich ursprünglich von  ”gudlax” ab,  eine Bezeichnung die sich bereits in der altisländischen Edda. Anhand der Fässer im Hintergrund kann man schon einigermaßen erkennen, dass es sich um einen recht großen Fisch handelt, wobei diese Art noch erheblich größer werden soll. Es werden Maximallängen bis 2 m und ein Maximalgewicht von 270 kg angegeben. Mir erschien das erst zu viel, aber anhand der Proportionen eines 2003 vor Kroatien gefangenen subadulten Exemplares, das bei 98,3 cm schon stolze 25,57 kg gewogen hat, könnte das Gewicht hingkommen, vorausgesetzt natürlich, dass diese Art auch tatsächlich Rekordlängen von etwa 2m erreichen kann. Die Proportionen anderer genau vermessener Exemplare sind sehr ähnlich, allerdings waren diese auch allesamt noch relativ klein. Allerdings gibt es im Naturkunde-Museum von Genua ein präpariertes Exemplar von 1,8 m Länge. Das Gewicht wurde mit etwa 100 kg angegeben, allerdings scheint es sich dabei um eine bloße Schätzung zu handeln, wahrscheinlich war der Fisch zu Lebzeiten noch ein gutes Stück schwerer. Ausgehend von den bekannte Proportionen würde ich eher etwa 150 kg vermuten, wobei einzelne Exemplare natürlich auch mal für ihre Größe ungewöhnlich leicht sein können. In jedem Fall erreichen Gotteslachse für Knochenfische ausgesprochen imposante Größen, selbst wenn es sich dabei wirklich um Ausnahmeexemplare handelt.

Der Gotteslachs ist weltweit verbreitet, und hält sich in der Regel in Tiefen zwischen 100 und 400 m auf, und ernährt sich vor allem von Fischen, Kalmaren und zu einem gewissen Grad auch von pelagischen Krustentieren. Übrigens gibt es noch eine zweite Art der Gattung, den kleineren Südlcihen Gotteslachs Lampris immaculatus. Leider kann man an diesem Skelett die spektakulären Farben nicht mehr erkennen, die dieser Fisch zu Lebzeiten besessen hat, darum stelle ich hier mal noch ein Bild von Wikipedia rein. Allerding trifft auch dieses die Originalfarben nicht ganz, das Rot ist in der Regel weit weniger ausgeprägt und der Körper primär von einem silbrigen Stahlblau, daher sei dem Leser hier einfach eine kurze Google-Bildersuche empfohlen wenn ihn das Aussehen dieser Fische näher interessiert:

Bild des Tages: Lachsschädel mit Laichhaken

Dienstag, Juni 2nd, 2009

Ein meiner Ansicht nach besonders interessanter Fischschädel ist dieser große Schädel eines Lachses, nicht nur weil er gut die multiplen Ansatzstellen von Zähnen zeigt, etwa am Gaumen und auch  auf der Zunge, sondern weil er einen sehr stark ausgeprägten Laichhaken aufweist. Das Bild stammt übrigens auch aus dem Archiv des Naturkunde-Museums Berlin:

Lachsschädel mit Laichhaken

Dieser Laichhaken wird während der Laichzeit zusammen mit verschiedenen anderen körperlichen Veränderung bei den männlichen Lachsen ausgebildet. Dabei kommt es auch zu einem Verlust der ursprünglichen Zähne, die dann später durch funktionslose neue Zähne ersetzt werden. Bei Arten die mehrmal im Leben in die Flüsse aufsteigen, verschwindet er wieder, während er bei Arten die nur einmal laichen und dann sterben, irreversibel ist. Manchmal findet man Laichhaken sogar bei großen männlichen Bachforellen und Seeforellen, zuweilen sogar in recht starker Ausprägung. Zu welcher Art der oben gezeigte Schädel gehört, weiß ich allerdings nicht, möglicherweise war es aber ein Königslachs.

Bild des Tages: Seewolf-Schädel

Montag, Juni 1st, 2009

Zugegeben, den Schädel eines Seewolfes (aus dem Naturhistorischen Museum Wien) habe ich schon mal gebracht, aber dieser ebenfalls sehr schöne Seewolf-Schädel aus dem Archiv des Naturkunde-Museums Berlin passt einfach zu gut in die vorherige Reihe:

Seewolf Schädel

Ich vermute mal, dass es sich hierbei um einen Schädel des Gestreiften Seewolfes Anarhichas lupus handelt. Man sieht sehr gut das stark heterodonte Gebiss, mit spitzen gekrümmten “Wolfszähnen”, um die Beute zu packen und ins Maul zu befördern, und die dahinter liegenden breiten Mahlzähne, um Schalen und Panzer diverser Invertebraten zu zermalmen.

Bild des Tages: Drückerfisch-Skelett

Sonntag, Mai 31st, 2009

Fischskelette können außerordentlich interessant sein, darum poste ich hier als Fortsetzung der beiden letzten Einträge, in denen ja auch Fischschädel gezeigt wurden, eine entsprechende Reihe von “Bildern des Tages”. Den Einstieg macht dabei das Skelett eines Drückerfisches, aufgenommen in der Darwin-Sonderausstellung im Naturkunde Museum Berlin:

Drückerfisch Skelett

Man sieht sehr gut den stark modifizierten aufrichtbaren ersten Strahl der Rückenflosse, mit dem sie sich zwischen Felsen und Korallen verkeilen können, sowie die meiselartigen Zähne, die sie zum Zertrümmern von hartschaligen Mollusken, Krebsen und Seeigeln benutzen. Entsprechend bietet der Schädel sehr starken Muskeln Platz und Ansätze, um die dafür nötige Kraft aufbringen zu können. Interessanterweise schwimmen Drückerfische oft leicht schräg, und große Exemplare schwimmen teilweise sogar komplett auf der Seite.

Der Riesenwels Pangasianodon sanitwongsei

Freitag, Mai 29th, 2009

In den letzten Jahren wurde sogenannter “Pangasius” immer beliebter als Speisefisch, und ist inzwischen vielfach sogar zum festen Inventar der Tiefkühlfischtheken vieler Supermärkte geworden. Wie aber so ein Fisch, der primär für seine schmackhaften und obendrein auch noch grätenlosen Filets bekannt ist, im Lebendzustand aussieht, wissen wohl nur die wenigsten. Auch täuscht die Größe der Filets stark darüber hinweg, dass diese Tiere sehr erhebliche Größe erreichen können. Was uns üblicherweise als “Pangasius” verkauft wird, sind üblicherweise junge Exemplare von Pangasianodon hypophthalmus aus asiatischer Aquakultur. Da die Fische besonders für die Supermarktketten genormte Filetgrößen aufweisen müssen, werden sie schon sehr früh geschlachtet. In freier Natur lebende Exemplare können aber zuweilen durchaus Längen um 1,5 m erreichen, womit sie unter Süßwasserfischen schon in den oberen Ligen angesiedelt sind. Dem Pangasius sehr ähnlich, aber noch deutlich größer werdend, ist der gewaltige Pangasianodon sanitwongsei. Dieses Photo stammt aus dem Aquarium des Zoologischen Gartens Berlin, wo einige Exemplare zu sehen sind:

pangasianodon-sanitwongsei

Leider ist die Qualität der Photos nicht allzu gut, was nicht nur an der Scheibe lag, sondern auch daran, dass es nicht so einfach war, so einen großen Fisch immer ganz aufs Bild zu bekommen. Das größte Exemplar im Berliner Aquarium bringt es auf etwa 1,5 m.

pangasianodon-sanitwongsei-berlin

Diese Tiere lebend aus allernächster Nähe einmal zu sehen, ist wirklich beeindruckend. Dabei waren diese Exemplare sogar noch ein gutes Stück von der möglichen Endlänge dieser Art entfernt. Der nahe mit ihm verwandte Mekong-Riesenwels oder Pa beuk ( Pangasianodon gigas ) ist relativ bekannt, vor allem seit vor einigen Jahren ein Rekordexemplar von 2,7 m Länge und 293 kg gefangen wurde, einer der allergrößten jemals nachgewiesenen Süßwasserfische überhaupt. Sowohl der Mekong-Riesenwels als auch Pangasianodon sanitwongsei sind beide massiv überfischt, so dass nur noch ganz selten wirklich riesige Exemplare gefangen werden. Es scheint aber, dass Pangasianodon sanitwongsei einstmals ähnliche Größen erreichte wie Pangasianodon gigas. In Anbetracht des gewaltigen Exemplares in Berlin erscheint dies auch keineswegs unglaubhaft.

Die Mitglieder der Gattung Pangasianodon sind keine wirklichen Raubfische, auch wenn vor allem große Exemplare auch mal andere Fische fressen. Das macht sie auch gerade für Aquakulturen sehr interessant, da sie sich auch mit pflanzlichen Produkten mästen lassen. Der Kopf ist ausgesprochen massiv und verfügt über ein sehr breites Maul. Der kompakte Körper, die großen Flossen, der silbirge Körper und die für Welsverhältnisse völlig unterentwickelten Barteln führen dazu, dass sie oberflächlich durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit Haien haben, weshalb sie besonders in der Aquaristik auch vielfach als “Haiwelse” gehandelt werden. Eine Folge davon war ja auch dann der noch immer kursierende Internet-Hoax über einen angeblichen Menschen fressenden Riesenwels, der in einem asiatischen Wasserreservoir gefangen wurde. Tatsächlich handelte es sich dabei (wie ja schon in einem früheren Blogeintrag geschrieben) um einen jungen Walhai, und selbstverständlich hatte der weder Menschen gefressen, noch wurde er im Süßwasser gefangen, die ganze Geschichte wurde einfach um ein paar Photos eines ganz normal im Meer gefangenen Riesenhaies herumgesponnen. Zugegebenweise haben große Pangasianodon-Arten tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit Walhaien, aber dennoch ist es erschreckend mit was für einer Ignoranz viele Leute an die Geschichte glauben, selbst wenn ihnen Vergleichsbilder mit Walhaien gezeigt wurden.

Im Archiv des Naturkunde-Museums Berlin hatte ich auch die Gelegenheit einmal den präparierten Schädel eines solchen Riesenwels zu sehen:

pangasianodon-sanitwongsei-2

Leider ist kein geeigneter Größenvergleich vorhanden, aber der Schädel gehörte zweifellos einem Exemplar, das noch ein gutes Stück größer war als der größte Wels im Berliner Aquarium. Für einen Fischschädel ist der Kopf außerdem extrem massiv und kompakt gebaut.

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Wenn man also das nächste Mal einen Pangasius auf dem Teller hat, kann man sich ja noch mal vor Augen führen, um was für einen außerordentlichen Fisch mit noch außerordentlicherer Verwandtschaft es sich handelt.