Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for the ‘Bild des Tages’ Category

Bild des Tages: Torfrind-Skelett

Dienstag, Dezember 11th, 2012

Ich betone ja immer wieder dass nicht nur Wildtiere, sondern auch Haustiere ziemlich interessant sein können, da unter teils gezielter, teils ungezielter Selektion unter dem Einfluss des Menschen teilweise sehr ungewöhnliche anatomische oder auch verhaltensspezifische Merkmale entstanden sind. Interessanterweise unterscheiden sich teilweise gerade besonders frühe Haustierformen in manchen Merkmalen besonders drastisch von ihren Stammformen, zumindest in Bezug auf die Körpergröße. So waren die von der Jungsteinzeitn bis zur Eisenzeit in Mitteleuropa gehaltenen Hausrinder teilweise geradezu winzig. Ein besonders extremes Beispiel ist dieses “Torfrind” welches im Museum am Löwentor in Stuttgart ausgestellt ist:

Leider fehlt hier ein geeigneter Größenvergleich, aber dieses Rind, genaugenommen war es eine Kuh, war nicht sehr viel höher als ein Bernhardiner, wenngleich zu Lebzeiten sicherlich deutlich schwerer. Ursprünglich war noch viel mehr erhalten, denn dieses Rind wurde 1868 teilweise mummifiziert im Steinhauser Ried bei Schussenried entdeckt. Allerdings schrumpfte das noch vorhandene Weichgewebe sehr schnell ein nachdem es getrocknet war, weshalb es entfernt wurde, so dass heute davon lediglich noch die Rippenknorpel erhalten sind. Heutzutage würde man natürlich versuchen eine solche Mumie so weit wie möglich im Originalzustand zu erhalten, aber die Zeiten waren damals einfach anders, zahlreiche teilweise perfekt erhaltene Tiermumien aus Mooren wurden früher überhaupt nicht aufgehoben.

In ihrer Größe und allgemeinem Aussehen dürften diese winzigen Torfrinder wohl den heutigen Dahomey-Rindern geähnelt haben, welche aus dem afrikanischen Benin stammen. Kühe haben eine Schulterhöhe von gerade einmal 80-90 cm, Stiere etwa 90-105 cm. Diese Dahomey-Kühe habe ich im Zoo Hellabrunn in München photographiert:

Das Dahomey-Zwergrind entstand aufgrund einer natürlichen Selektion auf sehr kargen Weideflächen in tropischen Regionen, in denen sie unter anderem zahlreichen Parasiten und Krankheiten ausgesetzt waren. Diese Umstände führten auch dazu dass Dahomey-Rinder besonders resistent gegen zahlreiche Tropenkrankheiten sind, und auch noch in Gebieten gehalten werden können in denen die Haltung anderer Rinder gar nicht mehr möglich ist. Wahrscheinlich führte auch bei den ohnehin schon kleinen Rindern Mitteleuropas die Haltung auf besonders kargen Weideflächen zur Entwicklung besonders kleiner und robuster Rassen. Ähnliche Verzwergungen von Haustieren durch natürliche Selektion kennt man auch von anderen Arten, etwa auch von Pferden oder Schweinen.

Bild des Tages: Krontaube

Montag, Dezember 10th, 2012

Entgegen meines eigentlichen Bestrebens habe ich es natürlich wieder nicht geschafft auch nur einigermaßen regelmäßig neue Bilder oder Artikel zu veröffentlichen. Aber es ist einmal wie immer, gerade wenn man ein Archiv mit tausenden von Photos aus Museen, Zoos und der Natur hat, ist es umso schwieriger sich für etwas zu entscheiden. Heute habe ich mich nach langer, langer Suche für das Photo einer Kronentaube (Goura cristata) entschieden, dass ich vor einigen Jahren in der Wilhelma in Stuttgart gemacht habe:

Krontauben sind die größten rezenten Tauben und erreichen Gewichte von etwa 2,5 kg. Eine von subfossilen Resten bekannte Art namens Natunaornis gigoura aus Viti Levu erreichte dagegen gut das sechsfache Gewicht, und war wie der ebenfalls zu den Tauben gehörende Dodo flugunfähig. Natunaornis gigoura ist nur von sehr fragmentarischen Resten bekannt, es wird allerdings angenommen dass diese Art mit den modernen Krontauben verwandt war.

Bilder des Tages: Elenantilopen-Schädel

Sonntag, September 23rd, 2012

Wieder einmal ein paar Photos aus der Zoologischen Schausammlung Tübingen, dieses Mal zwei Schädel von Elenantilopen. Die Gattung der Elenantilopen beinhaltet zwei Arten, die Gewöhnliche Elenantilope (Taurotragus oryx) und die Riesen-Elenantilope (Taurotragus derbianus). Beide Arten unterscheiden sich trotz des Namens nur relativ unwesentilich in der Größe, allerdings haben Riesenelenantilopen deutlich größere Hörner wie man an diesem Schädel im Vergleich zum Schädel einer Gewöhnlichen Elenantilope auf den zwei unteren Photos sieht:

Irgendwann werde ich auch noch einen eigenen Artikel über Elenantilopen schreiben, etwa über die Domestikationsversuche die man bei dieser Art durchgeführt hat.

Im Hintergrund im Vergleich der Schädel der Riesenelenantilope im Hintergrund:

 

Bilder des Tages: Okapi-Schädel

Samstag, September 15th, 2012

Nachdem ich gestern ein paar Schädel eines der spektakulärsten Huftiere überhaupt gezeigt habe, kommen heute einige kleinere und weit weniger eindrucksvolle Schädel, nämlich von Okapis (Okapia johnstoni). Die Diversität moderner Giraffen ist ziemlich gering, neben den uns bekannten Giraffen (welche im übrigen tatsächlich mehrere voneinander getrennte Arten und nicht nur Unterarten sind), gibt es lediglich das Okapi. In früheren Zeiten beschränkte sich das Verbreitungsgebiet der Giraffen auch nicht nur auf den afrikanischen Kontinent, sondern auch auf große Teile Asiens und des südlichen Europas. Allerdings hatten diese Urgiraffen teilweise wenig Ähnlichkeit mit den uns heute vertrauten Giraffen und Okapis, und einige brauchten ein paar der bizarrsten Hornformationen hervor, die man überhaupt von Säugetieren kennt.

Hier sieht man zwei Ansichten eines Okapi-Schädels aus der Zoologischen Schausammlung in Heidelberg (die wirklich unheimlich empfehlenswert zum Anschauen ist):

Noch ein Bild schräg von vorne:

An diesem Abguss eines Okapi-Schädels aus dem Zoologischen Museum in Kopenhagen sieht man sehr gut wie grazil und beinahe schnabelartig die Kiefer von Okapis sind. Die unteren Schneidezähne sind extrem klein und die oberen wie bei vielen anderen Wiederkäuern auch völlig fehlend.

Im Gegensatz zu den völlig mit behaarter Haut überwachsenen Hörnern der Giraffen haben Okapis an den Spitzen zwei winzige verhornte Stellen, bei Weibchen dagegen können die Hörner weitaus kleiner ausgeprägt sein als bei den hier zu sehenden Schädeln.

Hier noch mal eine andere Ansicht des gleichen Schädel-Abguss:

Bilder des Tages: Schädel von Giraffenbullen

Freitag, September 14th, 2012

Es soll mal wieder eine kleine Themen-Reihe von Photos geben, welche sich dieses Mal um Huftiere dreht, genau genommen vor allem um ihre Schädel. Den Beginn macht der Schädel eines Giraffenbullen aus der Zoologischen Schausammlung in Hamburg.

Bei Giraffenbullen werden die Schädel mit zunehmendem Alter immer massiver, die Stirn wird immer höher und dicker, und auch die Kallus-artigen Knochenauswüchse um die fellüberwachsenen Hörner werden immer stärker strukturiert.

Auf diesem Photo eines Giraffenbullen-Schädel aus dem Archiv der Zoologischen Schausammlung in Tübingen zeigt recht schön wie unregelmäßig zerklüftet die Hörner und die Stirn ist.

Diese Strukturen entwickeln sich erst mit dem Alter, jüngere Bullen haben noch weitaus weniger eindrucksvolle Schädel wie man an diesem Abguss eines Giraffenbullen-Schädels aus dem Zoologischen Museum in Kopenhagen sehen kann:

Wie bei vielen anderen Tieren zeigt sich auch bei Giraffen ein eindrucksvoller Unterschied zwischen geschlechtsreifen Männchen und wirklich alten und ausgewachsenen Männchen, bei welchen sich Größe, Statur und Physiognomie teilweise sehr extrem entwickeln können. Außer dass ihre Schädel immer massiver und “knorriger” werden, wird auch das Fell von Giraffenbullen auch dunkler.

Bild des Tages: Leptoteuthis gigas-Fossil mit Weichteilabdrücken

Mittwoch, August 29th, 2012

Heute gibt es als Bild des Tages ein außergewöhnlich gut erhaltenes Fossil von Lepoteuthis gigas, einem Cephalopoden aus dem oberen Jura, welches sich in der Paläontologischen Sammlung in Tübingen befindet. In der Regel bleiben von Kopffüßern allerhöchstens kalkhaltige Körperregionen fossil überliefert, etwa die Schalen von Ammoniten oder die Rostren von Belemniten, gelegentlich auch chitinöse Teile wie etwa Haken an den Fangarmen. Nur unter extrem guten Bedingungen können auch Abdrücke des Körpers entstehen, wie bei diesem wunderschönen Exemplar welches im Nusplinger Plattenkalk gefunden wurde.

Der hintere Teil des Körpers wird vor allem durch den sehr großen kalkigen Schulp oder Phragmakon dargestellt, welcher ganz ähnlich aufgebaut ist wie der heutiger Kalmare, und im Inneren des Mantels lag. Vermutlich gab es im hinteren Bereich des Phragmakons noch auf jeder Seite je eine Flosse, die allerdings aufgrund ihrer Fragilität nicht erhalten blieb. Am Kopf kann man noch ausgezeichnet die Form und Größe der Fangarme erkennen, vor allem der ausgesprochen langen gestielten Saugnäpfe.

Trotz des Beinamens “gigas” war Leptoteuthis gigas nicht unbedingt ein Riese, zumindest nicht in absoluten Maßen. Die größten bekannten Exemplare erreichten etwa 60 cm Länge, womit sie in etwa großen Sepia-Arten oder einem kleineren Humboldtkalmar entsprechen.

Bild des Tages: Südlicher Hornrabe

Donnerstag, März 29th, 2012

Heute gibt es ein Photo eines Südlichen Hornraben (Bucorvus leadbeateri) aus dem Heidelberger Zoo zu sehen:

Man sieht die bei Hornraben stark ausgeprägten Wimpern. Trotz ihres Namens und dem schwarzen Gefieder haben Hornraben nichts mit Raben zu tun, welche ja zu den Singvögeln gehören, sondern sie gehören zu den Nashornvögeln.

Bild des Tages: Blindschleiche mit blauen Punkten

Sonntag, März 25th, 2012

Ich habe grade wie so oft nur sehr wenig Zeit, aber trotzdem gibt es heute mal wieder ein Bild des Tages. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an die beinahe weltrekordverdächtige tote Riesenblindschleiche die ich vor ein paar Jahren einmal gefunden habe ( http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/riesenblindschleichen/ ). Damals lag nur wenige Meter neben dem “Monster”, welches möglicherweise durch Vergiftung verstorben ist, eine andere tote Blindschleiche, welche allem Anschein nach durch physische Gewalteinwirkung, vermutlich durch einen Fahrradfahrer, aus dem Leben geschieden ist. Das besondere an jener zweiten Blindschleiche waren die zahlreichen himmelblauen Schuppen auf ihrem Rücken.

Unter den vielen lebenden und toten Blindschleichen die ich bisher gesehen habe, hatten bisher nur zwei dieses seltene Merkmal in so ausgeprägter Weise, einmal besagtes Exemplar, sowie ein anderes und zum Glück noch lebendes, welches ich vor vielen Jahren einmal direkt vor der Burg Gössweinstein entdeckt habe. Ich müßte eigentlich auch noch irgendwo ein Photo haben, allerdings war das lange bevor digitale Kameras der Stand der Technik waren, und entsprechend wenig dürfte man darauf sehen.

Die blauen Punkte kommen fast ausschließlich bei Männchen vor, und dann auch vornehmlich bei sehr großen und alten Exemplaren. In Anbetracht der Größe der beiden mir bekannten Individuen, könnte das durchaus zutreffen. Die Blindschleiche auf dem Photo ist wie man sieht nur ziemlich kurz gewesen, da ihr Schwanz regeneriert war und nicht besonders lang wieder nachgewachsen ist. Dafür war sie in Bezug auf den Körperumfang allerdings ziemlich groß. Auch die über 45 cm lange Riesenblindschleiche hatte ein paar einzelne blaue Schuppen, allerdings in weit geringerer Anzahl als dieses Exemplar. Die blauen Punkte kommen in einem sehr großen Teil des Verbreitungsgebietes der Blindschleichen vor, wobei Untersuchungen in Norditalien gezeigt haben, dass dort gerade einmal 0,8% der Gesamtpopulation dieses Mermal zeigt. Wie es scheint besteht eine gegensätzliche Selektion zwischen sexueller und natürlicher Selektion, da die blaugepunkteten Blindschleichen ein höheres Risiko besitzen von Fressfeinden entdeckt zu werden, möglicherweise aber einen Vorteil bei der Konkurrenz der Männchen bei der Paarung bieten.

Bei der Östlichen Blindschleiche Anguis colchica kommen blaugepunktete Individuen teilweise öfter vor, sogar bei Weibchen. Es wurde sogar ein Exemplar dokumentiert, dessen kompletter Bauch hellblau war.

Referenzen:

The blue?spotted morph of the slow worm, Anguis fragilis: Colour polymorphism and predation risks

Massimo Capulaa, Luca Luisellia & Ernesto Capannaa

Italian Journal of Zoology

http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/11250009709356188

Spot polymorphism in Anguis colchica Nordmann, 1840 (Reptilia: Anguidae): inter-size class variation

Tibor SOS
Milvus Group, Bird and Nature Protection Association,

Herpetology Notes, volume 3: 295-296 (2010) (published online on 13 November 2010)

http://www.fileden.com/files/2008/1/6/1683128/Nwjz/vol7/nwjz.111204.Sos.pdf

 

Blue colour of the ventral body part of Eastern Slow Worm Anguis colchica (Nordmann, 1840)
Daniel Jablonski1*and Petr Meduna

Herpetology Notes, volume 3: 295-296 (2010) (published online on 13 November 2010)

http://www.herpetologynotes.seh-herpetology.org/Volume3_PDFs/Jablonski&Meduna_Herpetology_Notes_Volume3_pages295-296.pdf

Bild des Tages: Waben-Schilderwels

Sonntag, März 18th, 2012

Heute gibt es ein Photo eines Waben-Schilderwelses (Pterygoplichthys gibbiceps) aus dem Zoo in Esslingen:

 

Diese Welse finden sich relativ häufig im Aquarienhandel, wo sie in der Regel für wenig Geld als Jungtiere verkauft werden. Allerdings wachsen sie ziemlich schnell, und sind in der Regel schon bald viel zu groß für die meisten Heimaquarien, da diese Art Längen von 40-50 cm erreichen kann. Wer also einen solchen Fisch irgendwo zu kaufen sieht, und nicht gerade über ein wirklich großes Becken verfügt, sollte unbedingt darauf verzichten sich diese Art zuzulegen, und stattdessen lieber eine der vielen kleiner bleibenden Harnischwelse nehmen. Übrigens wird selbst der Waben-Schilderwels von einigen anderen Harnischwelsen noch deutlich an Größe und Masse übertroffen, wobei diese erheblich seltener in den Handel gelangen als sie sehr häufig zu findenden Waben-Schilderwelse.

Bild des Tages: Himmelblauer Zwergtaggecko

Freitag, März 16th, 2012

Reptilien, insbesondere jene aus tropischen Breiten, zeigen relativ häufig bunte Farben. Relativ viele Arten, selbst einige heimische Arten wie Smarageidechsen und Blindschleichen, können mehr oder weniger stark ausgeprägte blaue Anteile haben, doch nur sehr wenige Arten sind tatsächlich fast komplett blau. Eine dieser Arten ist der Himmelblaue Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi) aus Tansania, bei dem die Männchen eine sehr intensive blaue Färbung aufweisen können, wobei allerdings der Bauch orange ist. Diese Art ist ziemlich klein, und erreicht nur eine Kopf-Rumpf-Länge von 5-8 cm. Dieses Exemplar ist in der Stuttgarter Wilhelma zu bewundern:

Allerdings sind nicht alle männlichen Individuen derartig prachtvoll gefärbt, denn nur dominante Männchen bilden ein derartig intensives Blau aus, während rangniedere Männchen grünlich bleiben. Die Weibchen sind dagegen bräunlich oder oliv. Ich vermute mal dass dieses Exemplar eher ein nicht dominantes Männchen im Terrarium gewesen ist: