Bild des Tages: Albinos
Mittwoch, Oktober 10th, 2007Diese schönen, wenngleich auch nicht schön photographierten Präparate von zwei albinotischen Maulwürfen und einem albinotischen Sperling stammen aus dem Rosenstein-Museum in Stuttgart:
Diese schönen, wenngleich auch nicht schön photographierten Präparate von zwei albinotischen Maulwürfen und einem albinotischen Sperling stammen aus dem Rosenstein-Museum in Stuttgart:
Heutzutage ist Deutschland extrem arm an größeren Säugetierarten, was aber keineswegs immer so war. Ich wollte hier nur einen kurzen Beitrag über Tiere schreiben, die einst einmal bei uns gelebt haben, und inzwischen beinahe oder vollständig ausgestorben sind. Die einzigen echten Großtiere die man regelmäßig antrifft, sind Wildschweine, Rothirsche und Rehe. Zwar gibt es auch vielerorts Damhirsche, teilweise sogar Sikahirsche und andere asiatische Arten, aber diese wurden alle eingeführt, und sind nicht heimisch.
Unter den Großsäugern hat Europa einen großen Teil schon gegen Ende der Eiszeit verloren, aber dennoch gab es auch hier noch einige ziemlich imposante Wildtiere. Allen voran der nur haarscharf dem Aussterben entronnene Wisent und der als Wildform gänzlich ausgerottete Auerochse.
Hier ein Bild eines Auerochsen-Skelettes aus dem Nationalmuseum von Kopenhagen, welches sogar noch Spuren von menschlichen Waffen zeigt:
Was viele Leute nicht wissen, ist dass es in Deutschland auch früher Elche gegeben hat. Schon Julius Cäsar berichtete von ihnen, und dass sie von den Germanen gejagt wurden. Auch im Nibelungenlied wird erwähnt dass Sigurd auf der Jagd neben allerlei anderem Wild einen Elch erlegte, der dort Shelk genannt wird. Manche Ortschaften und Städte tragen sogar heute noch in ihren Namen den Hinweis darauf, dass es bei uns auch Elche gab, etwa Ellwangen oder Elchingen. Im äußersten Osten Deutschlands verschwanden die letzten Elchbestände sogar erst gegen Anfang des 20. Jahrhunderts, und heutzutage kommen nur ganz selten mal noch eingewanderte Elche, etwa aus Polen.
Auch Wildpferde gab es früher bein uns, nämlich den inzwischen ausgerotteten Tarpan, der seit jeher wegen seines Fleisches und wegen gewissen Ernteschäden seit frühester Zeit stark bejagt wurde.
Unter den Raubtieren sind natürlich Wolf und Bär als die eindruchsvollsten Arten hervorzuheben, aber auch Luchse, Wildkatzen, Fischotter und Nerze waren einst weit verbreitet, und vielerorts normalerweise ein normaler Bestandteil unserer Fauna. Auch der Biber ist inzwischen ziemlich rar, und wäre teilweise beinahe gänzlich ausgerottet worden.
Auch die Vogelfauna unseres Landes hat einige sehr imposante Arten beinahe gänzlich verloren. Große Greifvögel wie Stein-und Seeadler, aber auch Fischadler, waren nach Jahrhunderten des Nachstellens beinahe ausgerottet, und brüten selbst nach Jahrzehnten des Schutzes immer noch nur in vergleichsweise geringen Zahlen. Neben den normalen Raubvögeln gab es auch Geier bei uns, sowohl die Gänsegeier, als auch die riesigen Mönchs-und Bartgeier. Infolge von Ausrottungskampangnen waren sie zwischenzeitlich gänzlich verschwunden, und kommen nur äußerst zögerlich wieder zu uns, wie jüngst einige Geier in Süddeutschland.
Neben Raubvögeln gab es auch noch einige andere, einst weitverbreitete Arten wie Kraniche, Trappen oder Auerhühner.
Eine Art, von der nur wenige wissen, dass es sie überhaupt in Deutschland gibt, ist die Europäische Sumpfschildkröte, die vor allem durch Verluste ihrer ursprünglichen Lebensräume aus vielen Gegenden verschwand. Ich hatte sogar das Glück vor einigen Jahren einmal eine in einem Wald-Teich zu sehen. Von den Fischen sind durch Gewässer-Verschmutzung und Verbau viele Arten bei uns beinahe ausgestorben, manche sogar gänzlich verschwunden. Lachse kommen seit einigen Jahren in geringen Stückzahlen teilweise wieder die Flüsse hinaufgeschwommen, einst waren sie aber weit verbreitet, und beinahe shcon ein Arme-Leute-Essen. Europäische Störe und Hausen kommen durch Überfischung und Stauwehre bei uns eigentlich gar nicht mehr vor, früher gab es sie dagegen in solchen Massen, dass sie in industriellen Maße befischt werden konnten.
Inhaltlich gibt dieser Eintrag natürlich nicht viel her, und ich wollte auch gar nicht in die Details gehen, sondern vor allem zeigen, dass es auch bei uns theoretisch noch eine sehr eindrucksvolle Fauna teils sehr großer einheimscher Wildtiere geben könnte.
In Tierdokumentationen und den meisten Büchern wird über Löwen in der Regel ein ziemlich stereotypisches Verhalten propagiert, nämlich dass er in Rudeln lebt, die vor allem aus Weibchen und ihren Jungen bestehen, und von ein oder zwei männlichen “Paschas” dominiert wird, welche nicht selbst jagen, sondern von den Tieren fressen, die die Weibchen erlegt haben. In aller Regel stimmt das auch mehr oder weniger, aber Löwen sind weitaus anpassungsfähiger in Bezug auf ihre Lebensweise, sowohl in Hinsicht auf ihre Jagdstrategien und bevorzugten Beutetiere, als auch auf ihr Sozialverhalten, als allgemein bekannt ist. In der Regel besteht die Nahrung der meisten Löwenrudel aus mittelgroßen und relativ einfach zu tötenden Huftieren wie Gnus oder Zebras. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Rudeln, die sich auf deutlich wehrhaftere und größere Beutetiere spezialisiert haben. In manchen Gegenden werden etwa bevorzugt Kaffernbüffel gejagt, in anderen Giraffen-Bullen. Im Tsavuti haben sich sogar Löwenrudel darauf spezialisiert ausgewachsene (!) Elefanten zu töten. Oft geht eine solche Adaption an solche Beutetiere mit einer Veränderung der Sozialstruktur einher.
Besonders interessant sind hier bestimmte Löwenrudel im Virunga-Nationalpark in Zaire. In diesem Gebiet gibt es weder Zebras noch Gnus, und die kleineren solitär lebenden Gazellenarten sind keine lohnende Beutetiere für die Löwen. Dafür kommen dort große Mengen an Kaffernbüffeln und Flusspferden vor. Um dort also überleben zu können, mußten sich die Löwen den dortigen Gegebenheiten anpassen. Einige Rudel spezialisierten sich auf die Kaffernbüffel, während andere bevorzugt Flusspferde jagen. Der bekannte Naturbuchautor Vitus Dröscher schilder in seinem Buch “Die Welt in der die Tiere leben” eindrucksvoll eine selbst beobachtete Flusspferd-Jagd im Virunga. Schon das Rudel an sich war sehr ungewöhnlich, sowohl in seiner Zusammensetzung, als auch in seinem Verhalten. Es bestand aus fünf ziemlich großen Männchen, und einem einzelnen Weibchen, dass sich allerdings bei der Jagd nicht beteiligte. Dass diese Löwen sich überhaupt an ausgewachsene Flusspferde herantrauen, ist schon beachtlich, denn diese Tiere gehören zu den größten Landtieren überhaupt, und erreichen oft Gewichte von mehr als zwei Tonnen. Zudem sind sie alles andere als ungefährlich, und jedes Jahr fallen wütenden Flusspferden eine große Anzahl von Menschen zum Opfer, und auch gegen andere Tiere zeigen sie zuweilen sehr aggressives Verhalten. Auch gegen Räuber wie etwa Krokodile wissen sie sich in der Regel mit ihren riesigen Hauern sehr gut zur Wehr zu setzen. Nur an Land sind sie für die Löwen überhaupt angreifbar. Normalerweise verhalten sich Löwen bei der Jagd extrem ruhig um ihre Beute nicht zu verjagen, diese Löwen brüllten dagegen in Angesicht iher Beute laut herum, möglicherweise um das Flusspferd einzuschüchtern. Der Angriff erfolgte zuerst durch zwei Löwen von hinten, die sich in die Hinterbeine ihres Opfers verbissen, was sie dreimal wiederholten, bis das Flußpferd seine Hinterbeine nicht mehr aufrecht halten konnte, und sein Hinterteil herabsackte. Daraufhin sprangen es die drei anderen Löwen-männchen mit der geballten Masse von über einer halben Tonne von der Seite her an und warfen es um, woraufhin es mit einem Kehlbiss getötet wurde.
Eine solche Jagd ist natürlich weitaus gefährlicher als kleinere Zebras oder Gnus zu jagen, auf der anderen Hand sichert hier eine einzige erfolgreiche Jagd auf mehrere Tage hinaus eine ausreichende Fleischversorgung. Da männliche Löwen deutlich größer und stärker sind als Löwinnen, konnte sich hier eine auf relativ brachialer Gewalt basierende Jagdstrategie auf verhältnissmäßig riesige und gefährliche Beutetiere entwickeln, die für ein normales aus weiblichen Löwen bestehendes Rudel wahrscheinlich kaum bezwingbar wäre. Die Flusspferd-Killer müssen weder besonders schnell noch besonders leise sein, wichtig ist vor allem dass sie genug Kraft besitzen, um ihre langsame Beute auf den Boden bringen zu können, wo sie dann getötet werden kann. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass solches Verhalten die Selektion besonders großer und starker, aber sozial kompetenter Löwen fördert. Andererseits führt dies zu einer massiven Umverteilung des Geschlechterverhältnisses, da auf diese Männchen-starken Rudel nur ein oder zwei Weibchen kommen, deren Zweck lediglich im Austragen und Aufziehen der Jungen liegt.
Das ist nur eine von mehreren ungewöhnlichen Lebensweisen bei Löwen, und zeigt auch gut wie Tiere in der Lage sind, ihr Verhalten den gegebenen Umständen entsprechend anzupassen, und dass oftmals propagiertes stereotypes Verhalten in der Natur ganz anders aussehen kann.
Irgendwann wollte ich auch mal über die Elefanten-jagenden Tsavuti-Löwen und über einige skurrile Entwicklungen bei der Jagd auf Kaffernbüffel schreiben.
Quelle: Vitus. B. Dröscher “Die Welt in der die Tiere leben - Meine Expeditionen auf sechs Kontinenten” Rasch und Röhring-Verlag 1991
Einer der größten Schritte in der Evolution des Lebens war die Kolonisierung des Festlandes vom Wasser aus. Im Laufe der Erdgeschichte haben aber eine ganze Reihe von Lebensformen wieder amphibische oder sogar vollaquatische Lebensweisen entwickelt. Die Gründe dafür dürften verschieden sein, etwa die Vermeidung von Konkurenten oder Feinden, in vielen Fällen aber sicher einfach die Möglichkeit reiche Nahrungsrescource nützen zu können. Wenn man einmal den Blick auf die Wirbeltiere beschränkt, und dabei die Amphibien außen vor läßt, dann verwundert es womöglich etwas warum von allen wieder ins Wasser zurückgekehrten Arten keine Kiemen entwickelt hat, und alle noch zum Atmen an die Oberfläche müssen, egal ob es sich dabei um Krokodile, Wale oder Robben handelt. Warum haben sich bei diesen Tieren also keine Kiemen entwickelt? Ein Grund dürften wohl fehlende anatomische Voraussetzungen sein, die die Entwicklung von Kiemen begünstigen würden, und dass die allermeisten dieser Arten ja auch allem Anschein nach recht gut ohne derartige Anpassungen auskommen können, indem sie in mehr oder weniger großen Abständen einfach Luft holen. Das ist kein Problem, schließlich geht das ja (abgesehen von Unterwasserhöhlen) auch überall, wohingegen an Land kommende Wassertiere keineswegs immer zwischendurch ins Wasser springen können, es sei denn sie halten sich in einem lokal sehr begrenzten Lebensraum auf, wie etwa die Schlammspringer. Ein Wasserlebewesen dass dauerhaft an Land leben will, muß also in der Lage sein, den Sauerstoffbedarf vollständig durch atmosphärische Luft zu decken. Das geht entweder durch Lungen, oder bei sehr kleinen Tieren wie etwa den Lungenlosen Salamandern unter Umständen auch vollständig durch Hautatmung.
Ein Hauptgrund warum echte Kiemen nie von ins Wasser zurückgekehrten Wirbeltieren entwickelt wurden, dürfte auch in dem geringen Sauerstoffanteil des Wassers liegen. Wasser hat nur etwa ein zwanzigstel des Sauerstoffanteils von Luft, und unter Umständen sogar noch weitaus weniger. Insbesondere sehr aktive warmblütige Arten mit einem hohen Sauerstoffbedarf, etwa Wale oder Robben, wären möglicherweise gar nicht in der Lage allein durch Kiemenatmung immer genügend Sauerstoff aufzunehmen, zumal wenn schon ein einziger tiefer Atemzug an der Oberfläche wieder eine große Menge Sauerstoff liefern kann. Der hohe Sauerstoffanteil der Luft hat wahrscheinlich auch dazu geführt, dass viele Fische unabhängig voneinander aus teilweise unterschiedlichen Strukturen Organe entwickelt haben, mit denen sie Sauerstoff aus der Luft aufnehmen können, was insbesondere in von Natur aus sauerstoffarmen Gewässern überlebenswichtig sein kann. Solche Anpassungen findet man unter Welsen, Knochenzünglern, Labyrinth-Fischen und vielen anderen.
Unter den im Wasser lebenden höheren Tetrapoden (also Vierfüßern) konnten nur einige Angehörige der Reptilien mit ihrem in der Regel niedrigen Stoffwechsel und geringen Sauerstoffverbrauch zusätzlichen Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen. Ich habe schon mal gehört dass Seeschlangen in der Lage sind zusätzlich Sauerstoff über Hautatmung aufzunehmen, um länger tauchen zu können, genaueres weiß ich da aber nicht. Schon weitaus besser ist da die Hautatmung der Weichschildkröten bekannt. Diese teils äußerst seltsamen und manchmal sogar völlig unreptilisch aussehenden Tiere haben einen stark zurückgebildeten Panzer, der komplett von weicher Haut überwachsen ist. Mit ihrer stark durchbluteten und zottenartig vergrößerten Oberfläche ihrer Rachenschleimhaut können sie zusätzlichen Sauerstoff unter Wasser aufnehmen, und so sehr lange unter Wasser bleiben, ohne Luft holen zu müssen. Zusätzlich können sie noch über die Haut eine relativ große Menge Sauerstoff aufnehmen. Dass sich bei diesen Tieren so etwas entwickeln konnte, hängt sicherlich mit ihrem langsamen Metabolismus, und der Lebensweise am Gewässergrund zusammen, bei der ständiges Luftholen an der Oberfläche sehr störend ist.
Die aber wohl bemerkenswerteste Unterwasseratmung die sich bei manchen Schildkröten entwickelt hat, ist die Sauerstoffaufnahme durch die Kloake. Durch den Anus zu atmen hört sich für uns Menschen auf den ersten Blick natürlich alles andere als delikat an, für diese Schildkröten dürfte es nicht viel anders sein als ganz normales Atmen. Bei Reptilien werden sowohl Kot und Urin, als auch die Geschlechtsprodukte alle aus der gleichen Körperöffnung, der Kloake abgegeben. Manche Schildkröten beitzen paarige Aussackungen in ihrer Kloake, aber nur bei wenigen kann über diese auch tatsächlich Sauerstoff aufgenommen werden. Der bei weitem extremste Fall von Kloakenatmung ist die kleine Fitzroy-Schildkröte Rheodytes leukops aus Australien, welche erst 1973 entdeckt wurde. Diese Schildkröten leben im Wasser niedriger Stromschnellen, das extrem sauerstoffreich ist. Ihre Kloake hat einen Durchmesser von etwa 30mm und bleibt ständig offen, sogar wenn man die Tiere aus dem Wasser nimmt. Man kann dann sogar regelrecht in die riesigen Kloakensäcke hineinschauen. Diese erreichen eine Länge von über 10cm, was verhältnissmäßig enorm ist, wenn man bedenkt dass die Panzerlänge nur 26 cm beträgt. Ihre Oberfläche ist von stark durchbluteten Gefäßen bedeckt, so dass ein Austausch von Sauerstoff stattfinden kann. Zudem sind sie in der Lage diese Kloakensäcke zu kontrahieren und wieder Wasser anzusaugen, was sie in Frequenzen von 15-60 mal pro Minute machen. Ich hatte einmal die Gelegenheit in einer Dokumentation zu sehen wie eine solche Schildkröte unter Wasser atmet, indem sie ihre Kloakensäcke rythmisch kontrahieren läßt, ganz ähnlich wie eine Lunge. Ich muß gestehen, es sah ziemlich obszön aus. Nichtsdestotrotz sind diese komplexen Unterwasserlungen, mit denen die Tiere bis zu 68% ihres Sauerstoffbedarfs decken, und so sehr lange unter Wasser bleiben können, eine wirklich bestaunenswerte Entdeckung.
Ein meinr Ansicht nach besonders interessanter Fall spekulativer Paläontologie ist die Evolution des Narwals Monodon monoceros. Bei heutigen Narwalen bestitzen die Männchen einen massiv vergrößerten und an der Oberfläche spiralig gewundenen linken mittleren Schneidezahn, der außerhalb des Mauls aus die Haut bricht. Die frühesten Vorfahren dieser Wale haben wahrscheinlich so ähnlich ausgesehen wie die mit ihnen verwandten Belugas, aber wie die ganzen Vorfahren ausgesehen haben, die zu diesem oftmals Einhorn des Meeres genannten Wesens führten, ist durch keinerlei fossilen Funde belegt. Hier stellen sich mehrere Fragen, etwa wann die Schneidezähne anfingen waagrecht statt senkrecht zu stehen, wann sie nicht mehr aus dem Zahnfleisch, sondern außerhalb des Maules herauswuchsen, seit wann sie nur noch auf einer Seite einen großen Zahn ausbilden, oder wann sich die Spiralwindung entwickelt hat.
Hier sieht man den Schädel eines Narwales in der Seitenansicht:
Man kann gut erkennen, dass die Kiefer außer dem linken ersten oberen Schneidezahn (sowie dem im Kiefer verborgenen rechten ersten oberen Schneidezahn) vollständig zahnlos ist.
In der Aufsicht wird die durch den Zahn verursachte Assymetrie des Kieferknochens noch deutlicher:
Die Vorfahren der Narwale müssen zweifellos teilweise ziemlich eigentümlich ausgesehen haben, es gibt sogar gewisse Hinweise darauf, dass anfangs nicht nur die oberen Schneidezähne etwas verlängert waren, sondern auch die unteren…
Der Vergleich mit dem Schädel des Belugas, welcher dem der frühesten Narwalvorfahren sehr ähnlich sein dürfte, zeigt gut welche enormen Modifikationen des Schädels und der Zähne diese Tiere in ihrer Evolutionsgeschichte durchgemacht haben:
Der evolutionäre Prozess der von einem Tier mit einem Schädel ähnlich dem Beluga zu den modernen Narwalen geführt hat, kann nicht von jetzt auf gleich, und auch nicht vollkommen geradlinig stattgefunden haben. Die dazwischen gelegenen Zwischenstufen müssen teilweise äußerst seltsam ausgesehen haben.
Auch wenn man bisher keine Knochen dieser Protonarwale gefunden hat, so kann man sich doch einigermaßen ausmalen wie zumindest einige ihrer Ahnen ausgesehen haben müssen. Da bei heutigen Narwalen normalerweise nur die Männchen einen Stoßzahn haben, und auch viele andere Wale teilweise sehr seltsam ausgebildete Zähne besitzen, die ausschließlich zur Austragung innerartlicher Rivalitäten dienen, kann man davon ausgehen, dass die allerfrühesten Narwale ihre leicht verlängerten und schräg aus dem Maul ragenden Schneidezähne bei Rivalenkämpfen benutzt haben könnten, ähnlich wie das die Männchen vieler Schnabelwale machen, deren Körper oft stark von Narben bedeckt ist, welche von den Zähnen anderer Bullen stammen. Spätere Formen hatten wohl schon recht gut entwickelte doppelte Schneidezähne, die aber vielleicht immer noch aus dem Maul heraus ragten. Interessanterweise kennt man einige primitive langschnäuzige, sogenannte haizähnige Wale (die Squalodontiden), welche neben ihren gesägten Zähnen im hinteren Kieferbereich auch senkrecht nach vorne stehende Schneidezähne an der Schnauzenspitze besaßen. Möglicherweise entwickelte sich dieses Merkmal bei ihnen aus ähnlichen Gründen wie bei den Vorfahren der Narwale. Ohne entsprechende Fossilien läßt sich hier leider sehr schwer sagen, wann die Zähne der Protonarwale außerhalb des Maules heraus wuchsen. Bei allen große Zähne tragenden Walen wachsen die Zähne noch aus dem Zahnfleisch, und das vorzugsweise im Unterkiefer, der Narwal ist hier die einzige Ausnahme. Heutige Tiere bei denen die Zähne auch außerhalb des Maules herauswachsen wären etwa die skurilen asiatischen Hirscheber oder Babirussas, bei denen die Eckzähne der Eber senkrecht aus oder Schnauzenoberseite herauswachsen, und einen Bogen nach hinten bilden. Vor einiger Zeit modellierte ich auch ein Modell eines solchen Protonarwales, oder Furcadon (nach dem Wort für eine zweizinkige Gabel) wie ich ihn inoffiziell genannt habe, das ein frühes mögliches Entwicklungsstadium aus der Ahnenreihe der Narwale zeigt. Das Modell besteht aus Fimo und wurde mit Wasserfarben bemalt, und anschließend lackiert:
Der Körper bildet eine Art Zwischenform zwischen Narwal und Beluga, wobei mir im Nachhinein leider aufgefallen ist, dass der Kopf proportional zu groß geworden ist.
Man sieht gut dass die beiden kurzen Stoßzähne noch nicht außerhalb des Maules durch die Haut stoßen, sondern noch aus dem Zahnfleisch ragen. Auch eine Drehung ist noch nicht vorhanden. Was man auf dem bemalten und lackierten Modell leider nicht mehr so gut sieht, sind die zahlreichen parallel verlaufenden Narben, die ich noch aufmodelliert habe, ähnlich wie bei vielen Schnabelwalen, die sich auch mit ihren Zähnen gegenseitig solche Verletzungen zufügen.
Nicht minder interessant ist hier auch die Evolution und die spekulativen Zwischenformen der bizarren “Walroßwale” Odobenocetops peruvianus und Odobenocetops leptodon, welche entfernte Verwandte von Narwal und Beluga waren, vielleicht werde ich mich auch mal denen widmen. Bis dahin werden aber noch weitere Beiträge folgen.
Anmerkung: Die Bilder der Schädel von Narwal und Beluga stammen aus der Sammlung des Zoologischen Institutes in Tübingen.