Cameroceras, der größte Nautiloide aller Zeiten

Sicherlich hat der eine oder andere die BBC-Dokumentation „Monster der Tiefe“ , welches in der Originalversion „Sea Monsters“ hieß. Mir persönlich war das ganze mit der Schiffscrew um Nigel Marvin, die in der Zeit umher reist, viel zu populistisch und effekthaschend. Natürlich ist es toll diese Tiere mal im direkten Vergleich mit Menschen zu sehen, aber eigentlich ist es wirklich unnötig. Die „Walking with Dinosaurs“-Trilogie war da deutlich besser, auch wenn das ganze mit der Konstruktion persönlicher Schicksale von ausgestorbenen Tieren einen ziemlich starken Disney-Touch hatte. Naja, um genug Leute zu erreichen, und genug Geld für eine solche Produktion bewilligt zu bekommen, muss man wohl solche Zugeständnisse machen…

In der „Monster der Tiefe“-Doku wurden alle möglichen ausgestorbenen Meerestiere gezeigt, darunter einige äußerst ungewöhnliche Arten wie Odobenocetops oder auch Leedsichthys. Eines dieser Seemonster war ein gigantischer archaischer Cephalopode. Sein Name wurde nicht genannt, aber im Buch zur Doku wurde er als Cameroceras beschrieben (zumindest in der englischen Ausgabe fälschlich als Cameraceras). Cameroceras war ein Nautiloide mit einem langgestreckten, konischen Gehäuse und lebte im späten Ordovizium bis zum frühen Silur vor etwa 470-440 Millionen Jahren. Das Gehäuße hatte eine Länge von etwa 9m, mit Kopf und Tentakeln dürften diese Tiere sogar noch ein gutes Stück länger gewesen sein, und war damit zu seiner Zeit wahrscheinlich das größte Tier das die Welt bis dahin gesehen hat. Wie dieser vordere weiche Teil aber ausgesehen hat, ist praktisch völlig unbekannt. Überhaupt bereitet die Rekonstruktion von Weichgewebe bei Nautiloiden eine ganze Menge Probleme, und es ist gut denkbar, dass über 99% aller bisherigen Rekonstruktion falsch sind. Leider gibt es bei Nautiloiden im Gegensatz zu Belemniten und einigen anderen ausgestorbenen Kopffüßer keinerlei fossile Hinweise durch erhalten gebliebene Abdrücke von Weichgewebe. Man weiß nicht wie viele Arme sie hatten, wie lang diese waren, wie die Augen ausgesehen haben und vieles mehr. Das macht die Rekonstruktion ihrer Lebensweise auch nicht gerade einfach. Cameroceras war sicherlich kein schnelles und auch kein wendiges Tier, und möglicherweise fing er seine Beute in Form von verschiedenen meeresbewohnenden Gliederfüßern, Weichtieren und anderen Cephalopoden vor allem am Meeresboden. Es gibt aber andererseits gute Hinweise darauf, dass Nautiloiden überhaupt keine Jäger gewesen sind, und vielleicht war Cameroceras sogar eher das ordivizische Pendant zu heutigen Riesen-oder Walhaien.

Die Macher von „Monster der Tiefe“ haben den als „Giant Orthocone“ bezeichneten Riesen mit einer Reihe von Merkmalen ausgestattet, welche an den heutigen Nautilus erinnern, etwa mit einer stark strukturierten Kappe auf dem Kopf, und sehr primitiven Augen nach dem Prinzip einer Lochkameral. Die Haut wurde anders als bei heutigen Kalmaren nicht glatt, sondern eher runzelig wie bei einem Oktopus dargstellt, was auch gut zu einem solchen Giganten passen würde, auch wenn es natürlich alles reine Mutmaßung ist.

Das Design diese riesigen Nautiloiden gefiel mir ausgesprochen gut, und daher dachte ich mir, dass ich so etwas gerne als Modell haben würde. Nachdem ich ja schon gewisse Erfahrungen mit der Modellation von Nautiloiden gemacht habe ( http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/mein-erstes-nautiloiden-modell/ ), wagte ich mich hier auch gleich an ein ziemlich großes Modell heran, das größte was ich bisher aus Fimo gemacht habe. Als Vorlage diente der „Giant Orthocone“ der BBC, von dem ein ausgedrucktes Bild in der richtigen Größe als Vorlage diente. Das Originalvorbild kann man hier sehen: http://www.bbc.co.uk/science/seamonsters/factfiles/closeup.shtml?giantorthocone

Wegen der Größe und um zusätzliche Stabilität zu gewährleisten, habe ich erstmal eine Art Wirbelsäule aus dicken gedrehten Draht hergestellt, und zur Materialersparnis teilweise mit Aluminiumfolie bedeckt. Darüber kam dann das Fimo, das dann in Form des Gehäuses modelliert und mit einer entsprechenden Oberflächenstruktur versehen wurde. Das ganze wurde dann erst mal vorgehärtet, denn dann besteht nachher nicht mehr die Gefahr dass man irgendetwas beim Ausmodellieren des Rest beschädigt, außerdem kann man das Modell dann geschickt an der Schale halten wenn man den Kopf modelliert. Als nächstes modellierte ich dann die Mundwerkzeuge. Ich habe in Grizmeks Tierleben glücklicherweise ein Bild einer Nautilusradula gefunden, und habe diese mal samt Schnabel nachmodelliert, was man aber am Modell nur sieht wenn man genau hinsieht. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatten Nautiloiden ganz andere Mundwerkzeuge, was auch ein Grund dafür ist, dass sie möglicherweise auch ganz anders aussahen, als man es normalerweise sehen kann, aber darüber ein ander mal mehr…

Jedenfalls habe ich dann den fertig gehärteten Schnabel samt Radula in den Kopf einmolliert, die Tentakel separat modelliert und noch weich angefügt, und die restlichen Einzeilheiten wie die Augen oder den Siphon gemacht. Das ganze kam dann noch mal in den Ofen, und zum Schluss kam noch die Kappe auf den Kopf, so dass das ganze nach dem Härten etwa so aussah:

Cameroceras 1

Für dieses Modell habe ich etwa sieben Stunden gebraucht, was in Anbetracht seiner Größe eigentlich nicht besonders viel ist. Das Modell ist etwa 25cm, und wenn man es direkt mit der Vorlage vergleicht, merkt man dass ich es leider nicht geschaft habe, es genau zu koppieren. Der Kopf ist etwas zu groß geworden, und die Kappe wurde etwas zu wulstig. Dafür ist die Oberflächenstruktur sehr schön herausgekommen, was man auf den beiden nächsten Bilder ganz gut sieht:

Cameroceras 2

Cameroceras 3

Sollte ich mir irgendwann ein Airbrushgerät zulegen, wird das ganze natürlich noch angemalt. Leider ist das Modell zu groß und wegen der Stellung der Fangarme auch etwas zu komplex geworden, um Abgüsse davon machen zu können, aber dafür habe ich vor kurzem ein etwas kleineres Modell in einem etwas anderen Design gemacht, von dem ich demnächst einmal Abgüsse machen wollte.

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