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Bizarre Hirsche Teil 3: Der Breitstirnelch Alces latifrons

Eingetragen am 15. September 2009 von Markus Bühler

Wenn es um extrem große prähistorische Hirsche geht, dann fällt eigentlich immer nur einer, und zwar wirklich nur ein einziger Name: Megaloceros giganteus, zu deutsch der Riesenhirsch. Dieser, vor allem durch sein unglaublich riesiges Geweih bekannte Hirsch wird üblicherweise als der größte Hirsch aller Zeiten bezeichnet, ganz so als gäbe es weder heute andere ähnlich große Hirsche, noch in der Vergangenheit. Nun, Megaloceros wurde tatsächlich sehr sehr groß, selbst die größten lebenden Wapitis würden ziemlich klein aussehen neben einem solchen Koloss. Aber selbst die lebenden Elche erreichen ähnliche, wenn nicht gar sogar größere Ausmaße. Große kanadische Elche können durchaus eine dreiviertel Tonne erreichen, teilweise sogar noch mehr, womit sie sicherlich nicht hinter dem Riesenhirsch standen. Im Prinzio schenkt sich der Größenvergleich dieser beiden Arten, da beide ungefähr gleich groß waren, und es bei beiden Arten zweifellos Populationen mit höheren oder niedrigeren Durchschnittsgrößen gibt, bzw gab, und auch immer wieder extrem große Individuen vorkommen, bzw vorkamen. Zweiffelos waren es beim Megaloceros viel eher die unheimlich riesigen Geweihe, welche viele Autoren allzu schnell dazu verleiteten, sie vorschnell als die größten Hirsche aller Zeiten zu bezeichnen.

Einem Hirsch dem dieser Titel wohl berechtiger zugeschrieben wäre, war der Riesen-oder Breitstirnelch Alces latifrons. Dieser spätplestizäne Riesenhirsch, oder -Elch, scheint noch mal ein gutes Stück größer gewesen zu sein, als seine lebenden Verwandten. Das Gewicht lag bei mindestens 1000 kg, möglicherweise sogar bei noch mehr, was ungefähr das doppelte Gewicht eines großen heutigen Elchbullen wäre. Selbst die riesigen Alaska-Elche waren noch deutlich kleiner als der gewaltige Alces latifrons. Übrigens hatte man noch bis vor relativ kurzer Zeit praktisch keine gesicherten Daten über die Gewichte amerikanischer Elche, unter anderem deshalb, weil es meistens sehr schwer möglich war, diese riesigen Tiere an Ort und Stelle zu wiegen. Erst in den 70iger und 80iger Jahren kamen die ersten entsprechenden wissenschaftlichen Daten auf, was unter anderem mit der Verwendung von Betäubungsmitteln zum Wiegen lebenden Elche in Zusammenhang stand. Allerdings waren das auch erst mal primär eurasische Elche, und erst in den späten 80igern hatte man dann eine größere Menge verlässliche Daten. Daraus ergab sich auch, dass der durchschnittliche erwachsene amerikanische Elchbulle 495 kg und die durchschnittliche Elchkuh 460 kg wiegt, wobei der schwerste während der Untersuchungen gewogene Bulle es auf 540 kg brachte. Aber das nur am Rande. Der Breitstirnelch war allerdings, trotz seines Namens, möglicherweise gar kein Elch, trotz des an auffälligen langen Stangen sitzenden Schauffelgeweihs, das über 2 m spannen konnte. Dieses Photo, welches den Gipsabguss eines latifrons-Geweihes zeigt, stammt aus der paälontologischen Sammlung Hamburg. Leider kommt mangels wirklichen Größenvergleichs die Dimension des Geweihes nicht so rech rüber.

 

alces-latifrons1

Bei den latifrons-Funden aus Mosbach hatten die Stangen an deren Enden die Schaufeln saßen im Schnitt einen Umfang von 24 cm, was vergleichsweise riesig ist, wenn man bedenkt dass die allergrößten kanadischen Elche nur in extrem seltenen Fällen Stangenumfänge von 21 cm erreichen. Die längsten Stangen die man in Mosbach fand, waren allein schon 50 cm lang (bei einem Durschnitt von 41 cm), wobei bei modernen Elchen 20 cm schon außerordentliche Ausnahmen sind. Auch im Gewicht des Geweihes, dürften sie sogar durchaus noch mit dem weitaus bekannteren Megaloceros mitgehalten haben können. Ein großer latifrons-Bulle von 1200 kg Gewicht hätte ein Geweih von etwa 36 kg Gewicht gehabt.

Alces latifrons sah auch abgesehen von dem auf Stangen sitzenden Geweihes nicht aus wie ein moderner Elch, sondern wohl eher wie eine Kreuzung aus Rothirsch und Elche. Höchstwahrscheinlich hatte er auch nicht die typische überhängende Oberlippe moderner Elche, sondern höchstens eine leichte Andeutung davon. Wahrscheinlich war auch die Gestalt des Körpers noch hirschartiger.

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2 Kommentare to “Bizarre Hirsche Teil 3: Der Breitstirnelch Alces latifrons”

  1. Freigeist sagt:

    “Alces latifrons sah auch abgesehen von dem auf Stangen sitzenden Geweihes nicht aus wie ein moderner Elch, sondern wohl eher wie eine Kreuzung aus Rothirsch und Elche. Höchstwahrscheinlich hatte er auch nicht die typische überhängende Oberlippe moderner Elche, sondern höchstens eine leichte Andeutung davon. Wahrscheinlich war auch die Gestalt des Körpers noch hirschartiger.”

    Die beschreibung passt auch auf den Stag-moose/Hirschelch (Cervalces scotti)[bei Wikipedia als Größere Mischung aus wapiti und elch beschrieben..], glaubst du, das wir es dabei, mit einer konvergenten art(europanordamerika)zu tun haben, oder ist man sich hier, vergleichbar mit dem fall “Elephas antiquus” respektive “Palaeoloxodon antiquus” hinsichtlich der systematischen stellung noch uneins, und es wird bei Wikipedia quasi die selbe art beschrieben? Das internet gibt informationen leider nur sehr zarghaft preis.

    ps: das empfohlene Buch befindet sich aber in einer ausgesprochen grenzwertigen Preisklasse(93$ aufwärts, Amazon) da will, ein kauf, wohl überlegt sein ;-) .

    freundlicher Gruß

    Freigeist

  2. Cronos sagt:

    Den Cervalces wollte ich eigentlich auch mal noch in die aktuelle Hirschserie bringen. So weit ich mich erinnere, war Cervalces ein relativ unsprünglicher Seitenzweig, zumindest dahingehend, dass er nur sehr bedingt nach Elch aussah. Über systematische Stellungen zu sprechen ist auch daher nicht ganz einfach, da sich die postkranialen Elemente der einzelnen Arten teilweise nur sehr schwer unterscheiden lassen, was ja auch problematisch bei geographischen und zeitlichen Einordnungen ist. Ich muss gestehen dass ich es nicht genau weiß, ich habe mit Cervalces bisher nur eher am Rande befaßt. Cervalces war auch eine sehr große Art, etwa so groß wie ein Alaska-Elch, aber damit immer noch ein gutes Stück kleiner als der geradezu monströse Alces latifrons. Interessant ist auch, dass die jüngsten Fossilien von modernen Elchen in Nordamerika nur 9500 Jahre alt sind, was bedeutet dass sich Cervalces schon eine ganze Weile lang isoliert entwickelt haben muss.
    Was das Buch angeht, so kann ich Dir da nur zustimmen. Es IST zweifellos hochinteressant, und sicherlich ist auch ein hoher Preis gerechtfertigt, aber das ist schon wirklich ziemlich viel für ein Buch. Ich für meinen Teil würde es mir auch nicht ohne Weiteres kaufen.

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