Bild des Tages: Tiefseeteufel mit Zwergmännchen

Schon wieder ein Objekt aus der faszinierenden Sammlung des Museum für Naturkunde in Berlin, und noch dazu in gewisser Weise eine unbeabsichtigte Fortführung der Reihe „Fische mit Händen und Füßen“. Denn die hier gezeigten Fische sind Tiefseeteufel oder Schwarzangler der Gattung Melanocetus, tiefseebewohende Verwandte der auch in geringeren Tiefen vorkommenden Seeteufel, Anglerfische, Handfische und Seefledermäuse. Da jedoch alle Tiefsee-Anglerfische (Ceratioidei) pelagisch leben, und auch jene Arten die wie Gigantactis zumindest in Bodennähe nach Nahrung suchen, immer noch aktiv schwimmen, findet sich bei ihnen keine arm-oder beinartigen Ausprägungen der Brust-und Bauchflossen.

Melanocetus sp. im Museum für Naturkunde Berlin

Melanocetus sp. im Museum für Naturkunde Berlin

Unter den ohnehin schon grotesken Tiefsee-Anglerfischen hat sich Melanocetus besonders extrem entwickelt, denn mehr noch als bei verwandten Gattungen hat sich der Körper zu einem schwimmenden Maul mit angehängtem dehnbaren Riesenmagen entwickelt, der fast nur noch rudimentär anmutende Flossenanhängsel trägt. Mit dem kleinen Leuchtorgan (Esca) auf dem recht kurzen Illicium wirken sie fast ein bisschen wie die Beholder aus Dungeons & Dragons.

Über diese Tiere gäbe es eigentlich sehr, sehr viel zu schreiben, aber dies ist eigentlich nur ein Bild des Tages, daher werde ich hier nicht näher auf Einzelheiten ihrer faszinierenden Biologie eingehen. Erwähnenswert ist jedoch auf jeden Fall das winzige Zwergmännchen, welches am hinteren Ende des Weibchens hängt. Ich denke mal dass fast jeder der diesen Blog liest, ohnehin schon weiß dass sich bei den meisten Tiefsee-Anglerfischen die Zwergmännchen an den viel größeren Weibchen festbeißen, und praktisch mit ihnen verwachsen, daher werde ich auch darauf nicht weiter eingehen (außer irgendwann einmal vielleicht in einem ausführlicheren Blogpost über eben jenes Thema). Man kann recht gut erkennen wie sehr das kaulquappenartige Männchen mit dem Körper des Weibchens verbissen ist, und wo das zuoberst liegende Gewebe des Männchens die Haut des Weibchens überwächst.

Melanocetus sp. Zwergmännchen

Melanocetus sp. Zwergmännchen

Auf dem Photo des Alkoholpräparates aus Berlin sieht man die Körperform nur in der Seitenansicht, daher habe ich hier noch mal ein Photo von Melanocetus johnsonnii von Wikipedia zugefügt, auf welchem man in der Frontalsicht sehen kann, wie unheimlich breit der Kopf tatsächlich ist.

Melanocetus johnsonii

Melanocetus johnsonii

Tiefsee-Anglerfische sollen auf jeden Fall noch mehr Erwähnung auf dem Blog finden, nur ist es leider teilweise recht schwierig geeignetes Bildmaterial zu finden. Daher kam mir das bei meinem vorletzten Berlin-Besuch noch nicht öffentlich ausgestellte Melanocetus-Pärchen umso besser gelegen, um den bisher eklatanten Mangel von auf dem Blog vorgestellten Tiefseefischen zumindest im ersten Ansatz auszugleichen.

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4 Kommentare zu Bild des Tages: Tiefseeteufel mit Zwergmännchen

  1. Vektor sagt:

    Hallo Markus,

    ich besuche nun schon seit 2010 deinen Blog regelmäßig und bin mittler Weile selbst am Biologie Studium dran, dein Blog hat schon so manches Interesse in mir geweckt. Vielen Dank dafür!!.

    Ich wollte mal fragen wie es denn mit eurem Projekt aussieht, welches sich mit spekulativer Evolution befasst. Ich hoffe es ist noch in Arbeit, denn ich wäre äusserst froh es mal in Händen halten zu dürfen ;).

    Lg

  2. Markus Bühler sagt:

    Das freut mich natürlich sehr zu lesen. Ich schaffe es ja leider auch nicht immer auch nur einigermaßen regelmäßig neue Beiträge für den Blog zu schreiben, was aber auch daran liegt dass es teilweise wirklich sehr sehr viel Arbeit ist, längere Artikel zu schreiben. Zuweilen muss man da auch ziemlich viel recherchieren, was teilweise auch sehr viel Zeit verschlingt, und selbst hinter den Bildern des Tages steckt oft mehr Zeit als es ein paar Zeilen und ein Photo vermuten lassen würde. Daher ist es natürlich auch schön, wenn das auch Gefallen findent.

    Das Projekt von Cameron und mir ist leider immer noch ziemlich auf Eis gelegt. Vor einiger Zeit habe ich zwar mal wieder ein paar der vielen Arten auf dem Blog-Dashboard etwas weiter ausgearbeitet, aber nicht wirklich weit genug, um es auch zu veröffentlichen. Ein Problem dabei ist auch, dass eigentlich schon immer auch Zeichnungen dabei sein sollten, und wenn man es nicht nur bei einer wirklich sehr einfachen Skizze belassen will, braucht auch das natürlich eine Menge Zeit.

  3. Vektor sagt:

    Vielen Dank für die Antwort.
    Ja das kann ich mir sehr gut vorstellen. Das ist ja auch ein riesiges Projekt freue mich trotzdem wenn es mal in Erscheinung treten sollte.
    Was ich dich noch fragen wollte,
    wie ist das so wenn du dir ein Thema raussuchst und es dann seinen Weg in den Blog findet. Suchst du überwiegend in der Literatur oder auch mal im Internet? Würde mich interessieren, wie so ein Eintrag entsteht.

    lg

  4. Markus Bühler sagt:

    Meine Blog-Posts haben sehr unterschiedliche Entstehungsgeschichten. Manchmal gehe ich einfach meine Photoarchive durch, und suche nach verwertbaren Bildern, manchmal sind es aber wie jene aus dem Berlin-Urlaub auch ganz aktuell entstandene. Teilweise sind es aber auch mal interessante Sachen die ich im Internet gefunden habe. Es passiert auch, wie jetzt kürzlich in Berlin geschehen, dass ich mir in einem Museum oder Zoo ein bestimmtes Fossil, Präparat, Skelett oder auch lebendes Tier genauer anschaue, und merke dass es bestimmte Dinge gibt, die es wert wären mal genauer erörtert zu werden. Gelegentlich widme ich mich ja auch aktuellen Themen, aber das ist schon eher die Ausnahme.
    Teilweise entstehen Artikel auch, weil ich mich über bestimmte Dinge ärgere, wie es zum Beispiel der Fall bei „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Walen und Delfinen?“ gewesen ist, weil man hier leider immer wieder haarsträubenden Unfug hören und lesen muss. Deswegen gibt es ja auch die Kategorie „Populäre Irrtümer“. Ich bemühe mich ja auch immer wieder möglichst über Tiere zu schreiben, die eher wenig bekannt sind, oder über zoologische Kuriostiäten die man kaum einmal zu sehen bekokommt, oder eben teilweise auch über vermeintlich bekannte „uninteressante“ Arten, die sich bei genauerer Betrachtung aber als wirklich bemerkenswert erweisen, etwa Schwäne. Oder ich lese irgendwo etwas das mich interessiert, und möchte darüber dann auch auf dem Blog schreiben. Es passiert auch immer mal wieder dass diese Sachen eine gewisse Eigendynamik entwickeln, und sich zu ganzen Reihen entwickeln, wie es ja kürzlich mit den Anglerfischen passiert ist, am Anfang stand da nur der präparierte Seeteufel als Bild des Tages, und am Ende eine ganze Reihe über verschiedene Anglerfische. Natürlich gibt es auch noch andere Gründe aus denen sich ein Blog-Post zu einem bestimmten Thema entwicklen kann.
    Ich verwende sowohl Internetquellen (vorrausgesetzt die sind seriös) als auch eigene Bücher, sowie natürlich im Internet verfügbare Literatur und Veröffentlichungen. Gerade bei dem Artikel über Vogel-fressende Seeteufel musste ich da zum Bespiel eine Menge im Internet verfügbare Veröffentlichungen nach brauchbaren Daten durchsuchen. Anders geht das auch nicht, denn viele Themen sind viel zu speziell, als dass man das nur aus Büchern aus der eigenen Sammlung herausfinden könnte, selbst wenn diese viele hundert Fachbücher zum Thema beherbergt.

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