Chimären Teil 4: Die fossile Seekatze Acanthorhina jaekeli

Chimären sind eine uralte Unterklasse innerhalb der Knorpelfische, welche sich bereits vor über 385 Millionen Jahren im Oberen Devon von den Vorfahren der heutigen Haie und Rochen abspalteten. Insofern ist es auch wenig verwunderlich, dass sie nur relativ wenig Ähnlichkeiten mit diesen aufweisen. Einstmals waren sie noch weitaus artenreicher und vielgestaltiger als heute, und umfassten zahlreiche verschiedene Ordnungen, von denen heute aber lediglich noch die Seekatzen (Chimaeriformes) existieren. Allerdings reichen auch diese bereits extrem weit in die Vergangeheit zurück, wie man sehr schön an diesem Fossil von Acanthorina jaekeli aus dem Posidonienschiefer Holzmadens im Museum für Naturkunde in Stuttgart sehen kann, welches sich kaum von den heutigen Arten unterscheidet:

Acanthorhina_jaekeli

Das Photo, sowie auch das weiter unten zu sehende, ist ein leicht abgewandeltes Photo von Wikipedia Commons, da jene die ich selbst vom ganzen Fossil aufgenommen habe, leider nicht so gut geworden sind. Hier habe ich die Rekonstruktionszeichnung von Acanthorina welche im Museum zu sehen ist, einmal mit dem Fossil auf etwa gleiche Größe zusammengeschnitten:

Acanthorhina jaekeli

Wie heutige Seekatzen hatte auch Acanthorhina einen sehr langen Flossenstachel an der Basis der ersten Rückenflosse, welcher vermutlich auch wie bei heutigen Arten mit einer Giftdrüse in Verbindung stand. Diese Flossenstacheln entsprechen nicht den aus Flossenstrahlen hervorgegangenen Giftstacheln die man bei manchen Knochenfischen wie etwa den Steinfischen findet, sondern wie die Stacheln von Dornhaien oder Stachelrochen sind dies ursprünglich zahnartige Gebilde der Haut, ähnlich den Dentikeln welche der Haut von Haien und Rochen eine so sandpapierartige Oberfläche verleihen.

Das Detailbild des Schädels von Acanthorhina ist mir glücklicherweise sehr gut gelungen, weshalb ich hier auf ein eigenes Photo zurückgreifen kann. Man sieht sehr schön die für viele Chimären typisch spitz ausgezogene Schnauzenspitze, das unterständige Maul und die großen Augen. Die Lebensweise dürfte sich kaum von jener der lebenden Arten unterschieden haben. Ob der Knorpel im Stirnbereich über den Augen tatsächlich dem Stirnanhängsel moderner männlicher Seekatzen entspricht, oder ob es sich hier nur um ein Artefakt durch ein verrutschtes Schädelfragment handelt, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Ich vermute allerdings eher letzteres.

Acanthorina rtjaekeli Stuttga

 

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2 Kommentare zu Chimären Teil 4: Die fossile Seekatze Acanthorhina jaekeli

  1. C. Block sagt:

    Hallo!

    Haben die typischen spitzen Schnauzen auch eine praktische Funktion?

  2. Markus Bühler sagt:

    Bei manchen Arten haben sie sicher zu einem gewissen Grad auch eine mechanische Funktion, wie etwa bei den Flugnasenchimären um den Bodengrund aufzustöbern. Zudem düften in der Unterseite der Schnauze eine große Anzahl von verschiedenen Sinnesrezeptoren liegen.

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